Was einzig zählt

 „Wenn Menschen friedlich miteinander leben wollen, müssen sie das Prinzip anerkennen, dass jeder Mensch Rechte hat, die andere Menschen nicht verletzen dürfen; dass der Mensch das Recht hat, für sich selbst zu leben und sein eigenes Glück zu suchen; dass er ein Selbstzweck und kein Mittel zum Zweck für andere ist – für niemand anderen, sei er nun groß oder klein, stark oder schwach; nicht als Kanonenfutter und nicht als Arbeitsdrohne für den Feudalherren, den König, den Kaiser oder die Kinder von Sozialhilfeempfängern.“ Ayn Rand

Liebeserklärung

12 Menschen sind beim Anschlag in Berlin getötet worden. Ihr Leben ist vorbei. Wir andern leben noch. Und das reicht nicht. Wollen wir den Opfern und ihren Angehörigen unseren Respekt zollen, dann ist „am Leben sein“ nicht genug. Pietätvolles Die-Schnauze-halten und vornehme Zurückhaltung ebensowenig. Die einzige Art, diesen Umstand in Dankbarkeit zu würdigen, ist, die Wunde nicht verheilen zu lassen, sondern offen zu halten mit der Frage, wie wir dieses eine Leben, das uns gegeben ist, leben wollen.

Obwohl von politischer und medialer Seite keine Antwort zu erwarten ist auf eine Frage, die jeder nur für sich allein beantworten kann, sind die Verlautbarungen unfreiwillig hilfreich, weil entlarvend. Da wird mit Worten und Mienenspiel seelischer Erschütterung in „freiheitlichen Werten“ herumgestochert, mit Pathos die Salbe einer „freiheitlichen Gesellschaft“ draufgeklatscht und  eine „liberale Gesellschaftsordnung“ angepappt.  Nie jedoch, nie ist die Rede von Freiheit.  Man geht darüber hinweg: „C’est la guerre. N’en parlons pas.“

Der professionell vermittelte Eindruck von Ergriffenheit muss als Beweis für Nützlichkeit und Wert jedweder Absichtserklärung und getroffenen Massnahme reichen. Und er tut es. Denn: Wir vertragen Freiheit nur noch in pürierter Form. Als gemüsifiziertes, breiiges Wort ohne Würze oder Nährstoffgehalt. Gäbe man uns rohe, harte, scharfe Freiheit zu kosten, würden wir uns fürchterliche gesellschaftliche Stoffwechselnöte einhandeln. Und das meiste von dem, was sich Politik nennt, würde verschwinden. Denn: Freiheit ist kein Spass. Feiheit ist vor allem anderen eine Frage, die weh tut. Sie lautet:  Auf wessen Kosten? Das ist der Kern aller Freiheit und für den Freien kann es darauf nur eine Antwort geben: Auf meine Kosten. Immer.

Davon sind wir heute weit entfernt. Was einst Feiheit war – treibende Kraft, offener Raum und Bürde zugleich – wurde über Jahrzehnte aufs sorgfältigste demontiert und auseinandergenommen, um die Teile anschliessend zu etwas Neuem zusammenzusetzen. Das Resultat, das Endprodukt staatlich gewünschter Neukomposition ist der befreite Mensch: grenzen- und schamlos ich-zentriert, Nachwuchs und Nächste verklappend, geschlechtsreisend, mäkelnd, satt, von aussen fordernd, sentimental, verängstigt, gefügig, politisch korrekt, zwar kontinent, aber ansonsten leer. Oder um mit Nietzsche zu sprechen: „(…) lauter Vordergrund, alles überfüllt“ – dahinter Beklemmung, die ahnt und nicht ahnen will.

Wen wundert’s, dass jene, von denen wir uns „führen“ lassen, nicht darauf hinweisen, dass, was bleibt und als „Leben“ herhalten muss erkaltet, ausgemessen, geordnet und verwaltet ist. Dass der befreite Mensch in Wahrheit nur noch ein Aufriss des freien Menschen ist. Dass jede Befreiung, die von dieser Seite kommt, das Gegenteil von Feiheit ist. Und dass sie nichts so sehr fürchten, wie die Stärke eines in Freiheit ganzen, ungeteilten und ungespaltenen Menschen. Denn: wie aristokratisch, herrisch und kraftvoll ist gegen diese fade staatliche Bewerbung angeblich Sicherheit gewährender Gemeinschafts-Schabracken die Ansage der Freiheit: Wofür ich bezahle, gehört mir und wovon ich will, dass es meines ist, muss ich bezahlen.

Hart? Ja – aber wundervoll. Freiheit ist die grösste Bejahung des Lebens überhaupt. Sie ist der Kern. Das Eigentliche.  Und sie hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem landläufigen „Gegen-alles“ zu tun, als das jene, die nie auf eigene Kosten handeln, sie heutzutage zu verunglimpfen versuchen. Freiheit ist Lebensliebe und verbittet sich jeden billigen generellen Daseins-Hass, weil Dinge, Werte, Taten oder Menschen, auf die man angeblich ein Recht zu haben glaubt, nicht freihaus geliefert werden. Freiheit hasst nur punktuell und nur die Tyrannei.

Kein Wunder, dass diese zurückschlägt. Dass jedes mehr oder minder exzentrische Widerstandsnest freiheitlicher Kompromisslosigkeit – allen voran alternative Medien – ausgerottet werden muss. Gründlich. Da reichen die gängigen Parolen und Bosheiten, die das Gros der Gefügigen einschüchtern und verängstigen, nicht mehr. Da muss der grosse Hammer her. Häme, Hetze, Radau, Krach, Bankrott, Sturz. Wer nicht berufliche oder soziale Suizidneigungen hegt, schweigt oder besser noch: schlägt sich auf die „richtige“ Seite und lässt sich einreden, einbilden, einpredigen und einlügen, dadurch zu kämpfen, dass er nicht kämpft.

Aber es gibt auch die anderen –  Partisanen der Freiheit. Und täglich stossen einige dazu, die sich das Wissenwollen auf die Fahne geschrieben haben, auch wenn sie noch mit Angst zahlen. Menschen, die Freiheit als Symbol ihres Menschseins schlechthin verstehen, sie zu Ende denken und zu Ende lieben und sie zum Gesetz nicht nur des eigenen Lebens, sondern auch des eigenen Sterbens machen wollen. Die sich bewusst sind oder werden, dass diese Entscheidung einen schmerzvolle Ausschluss zur Folge haben kann und dass sie in die Situation geraten können, wo die Illegalität des Handelns der Legitimtät des Wollens gegenüber steht. Und dass sie täglich erneut werden entscheiden müssen.

Aber: „Kinder! – Nehmt euch selbst doch nicht so feierlich! (…) Jeder hat seinen Sparren.“ (Tucholsky). Was soll dieses Aufeinander-Rumgehacke, die Verausgabung auf Nebenschauplätzen, wo wir doch alle dasselbe wollen? Was schert es uns, dass der eine seine Kraft zu echter Freiheit im Jenseitigen sucht und findet, während man selber eher diesseitsmässig gebunden ist. Nicht die Gebundenheit ist das Primäre – die Freiheit ist es! Wieviel Energie wird hier verschwendet! Es war Clemenceau, der sinngemäss sagte, dass darin die Kunst des Krieges bestünde, dass man alles in Rechnung stelle: die Begriffsstutzigkeit der Menschen, die Langsamkeit des Durchdringens, die Borniertheit der anderen, Dinge, die gar nicht oder nicht so laufen, wie man es wünscht. Und dass man mit all dem den Sieg schaffen müsse.

In diesem Punkt hatte er recht. Uns streiten, verachten, im Disput bekämpfen, konkurrenzieren, unterliegen, gewinnen, lieben, unterstützen, fördern, bekehren, kurz: leben können wir nur, wenn diese eine Bedigung erfüllt ist: Freiheit.

C’est la guerre. Parlons-en!

Die Brutalität staatlicher Barmherzigkeit

Als ich das Wort „sozial“ zum ersten Mal hörte, war ich sieben oder acht Jahre alt. Mein Vater sagte es. Es war mitten in der Nacht und es sagte „Sozialplan“. Wie oft damals war ich erwacht und hatte mich oben an der Treppe davon überzeugt, dass ein Stock tiefer im Büro meines Vaters Licht brannte. Das musste so sein. Und wie immer ging ich hinunter, setzte mich auf seinen Schoss und fragte, was er tue. Doch anstatt mir wie sonst auch die vertraute Auskunft zu geben, dass er lerne (er paukte sich nebst Familie und Firma noch durch einen Executive-MBA), sagte er, dass er Sorgen habe. Dass er Leute entlassen müsse. Eine Firma, die vor der Insolvenz stand, war übernommen worden. Der grössere Teil des Personals ebenso. Trotzdem gab es Doppelspurigkeiten. Auf meine Frage hin, warum er sie nicht einfach behalten könne, antwortete er mit einer Gegenfrage: „Es gibt drei Möglichkeiten“ sagte er. „Die erste: Wir übernehmen die Firma nicht und sie geht Pleite und in einem Jahr stehen 200 Leute auf der Strasse. Die zweite: Wir übernehmen die Firma, behalten alle Leute, machen Verlust, weil wir zu viele Leute haben und in fünf Jahren stehen 700 Leute auf der Strasse. Die dritte: Wir übernehmen die Firma, entlassen heute 50 und können 650 Menschen heute und vielen weiteren in den nächsten Jahrzehnten Arbeit geben. Welche Möglichkeit wählst Du?“ Das verstand sogar ich. Und dann sagte er „Sozialplan“. Dass das bedeute, dass er wach sei und auch wach bleiben und nicht würde schlafen können, bis jeder dieser 50, die er alle kenne, eine neue Stelle gefunden hätte. Das war 1982 und ich war stolz auf meinen Vater. „Sozial“ bedeutete Sorge aus Verantwortung, persönliches Engagement, die ganze Kraft, das Beste starker Menschen. Sicherheit. In meinem damaligen Verständnis: Vaterschaft.

Szenenwechsel. 2016. Ich lese einen Satz, der mich bis heute erschüttert. Jemand äusserte ihn nach dem Anschlag in Berlin. Wörtlich sagte die Person: „Ich finde die mangelnde Beachtung des Staats (der Opfer, der Hinterbliebenen und ihrer Trauer A.d.V.) traurig und unwürdig.“

Es geht hier nicht darum, wer das gesagt hat. Nicht um die Qual jener, die ihr Liebstes verloren haben. Und für einmal geht es auch nicht um Menschen, die das Abschlachten Andersgläubiger als Gottesdienst betrachten. Es geht ausschliesslich um diesen einen Satz und um die gewaltige Fracht, die er enthält:  Die Erwartung an ein Gegenüber, die auf einem Wahrheits- und Wirklichkeitsgehalt fusst, der so gering ist, dass man ihn schon fast als komisch bezeichnen könnte, wäre es nicht so fatal und von derart lichtloser Traurigkeit.

Es ist die entartete Erwartung an ein imaginiertes Gegenüber „Staat“, dessen einzige Daseinsberechtigung einst jene war, die Ursache des Leids dieser Person und anderer zu verhindern: Schutz der Freiheit des Einzelnen, seines Lebens und seines Hab und Guts. Da stehen wir. Da steht Europa. Je suis Berlin. Je suis Nizza. Je suis Manchester. An die Verteidigung des Individuums und dessen, was ihm gehört, die über das beschauliche Verteilen Betonsperren und Brosamen hinausreicht, scheint längst keiner mehr zu denken. Mehr noch: Wenn wir schon in die Luft gejagt werden, dann wenigstens sozial gerecht und energieneutral. Persönliche Befindlichkeiten, Bedürfnisse und Aufmerksamkeit von der „Öffentlichkeit“ werden höher gewertet, als die einfachste Voraussetzung dafür, solchen Schwachsinn überhaupt denken zu können: jene, am Leben zu sein.

Wie sonst ist erklärbar, dass die Mehrheiten Europas im Monatstakt mehr desselben wählen, was unsagbares Leid nicht nur möglich macht, sondern aktiv organisiert?  Wie anders lässt sich der Schrei nach Beachtung interpretieren, als so, dass, was wir einander zu geben hätten – Trost, Mitgefühl, Mittragen, Mitleiden, Barmherzigkeit – an ein anonymes Kollektiv delegiert worden ist und wird? Was ist geschehen, was geschieht? Wie ist es möglich, dass wir unsere Nächsten beneiden, denunzieren, beleidigen und mit Häme übergiessen und gleichzeitig von Menschen, die wir nicht einmal kennen und die ausschliesslich auf unsere Kosten leben, das Beste erwarten, Rettung und Zukunft bloss, weil wir sie direkt oder indirekt gewählt haben?

Es ist eine Bankrotterklärung. Je suis Venezuela müsste es heissen. Das Eingeständnis, dass wir es zugelassen haben, dass aus einem Werkzeug im Dienst der Gemeinschaft eine separate Schöpfung in einem separaten Universum geworden ist, an die wir alles delegiert haben, was uns zu Menschen macht. Beziehung ist nur noch Unterhaltung. Der Rest ist Staat. Was bleibt und wählt, ist der von seiner Verantwortung, von seinem Nächsten und damit von sich selbst getrennte Staatsmensch.

Ich bin deine Haut, sagt der Staat. Ich schütze dich. Falsch. Die Haut, die die Gemeinschaft zuerst schützt und mit ihr den Einzelnen, ist die Freiheit. Der Staat war der Parasit, zu dessen Bewirtung sich die Menschen zum eigenen Besten entschieden hatten. Nach und nach liess man es zu, dass unter dem Schlagwort der „Emanzipation“ die Ordnung, dass der Parasit von seinem Wirt abhängt, auf den Kopf gestellt wurde. Das Einzige, was sich dabei emanzipierte, war der Parasit selbst, der dazu übergegangen war, sich überall dort dazwischen zu schalten, wo bisher aus gesundem Eigeninteresse zusammen gewirkt, gearbeitet und gewagt worden war. Zuallererst zwischen das Gespann Mensch-Verantwortung, ohne das Leben Lagerleben ist.

Heute platzt der Staat aus allen Nähten. Das einzige was ihn hindert, weiter zu wuchern, ist die Haut. Die Freiheit. Sie wird dünn. An einzelnen Stellen tun sich Risse auf. Sie sind lästig, aber man gewöhnt sich daran. Sie betreffen und schmerzen nur wenige und nur solche am Rand. Ein paar Konten auf sozialen Netzwerken werden gesperrt. Werbetreibende Unternehmen werden diskret darauf hingewiesen, wo ihre Botschaften besser nicht zu schalten sind. Wikipedia-Einträge entsprechen mehr den „sozialen Anforderungen“, als der Wirklichkeit. Verträge mit suboptimal gesinnten Firmen werden gekündigt. Ein paar Bücher sind nicht mehr erhältlich. Ein paar Magazine und online-Portale und ihre Inhalte sind auf Google nicht mehr zu finden. So geschehen im Fall von eigentümlich frei, Sezession und Blaue Narzisse. Verschmerzbar: Bloss kleine Unternehmen, kleine Steuerzahler, wenige Mitarbeiter, vernachlässigbare Existenzen. Nicht systemrelevant.

Das Problem: Ein Parasit bleibt ein Parasit. Wo er eindringt und nicht in Schach gehalten wird, wuchert er, infiziert gesundes Gewebe, wird zur Gefahr. Das stehen wir und merken es nicht. Sind blind dafür, dass die Ursache all unserer Probleme jenes Monster ist, das sich anschickt, als einziger Parasit der Welt grösser zu werden als sein Wirt. Die Euro- und Schuldenkrise ist nicht die Wirkung freier Märkte, in deren Rahmen Menschen aus Eigeninteresse freiwillig zusammenarbeiten. Sie ist die direkte Auswirkung staatlicher Eingriffe in ebendiese Märkte, die heute nicht mehr frei, sondern bloss noch politisch sind. Hohe Arbeitslosigkeit ist nicht der Gier des Kapitalismus geschuldet, sondern staatlich alimentierten Zwangsorganisationen und politischen Kampfmaschinen, die unter der Bezeichnung Gewerkschaften ihren sozialen Segen verspritzen. Hohe Scheidungsraten und Kinder, die mit drei Jahren schon drei Postadressen haben sind nicht das Versagen hergebrachter Werte und Traditionen, sondern das Resultat staatlicher Emanzipations-Rhetorik und Fütterung aufkosten anderer. Und Berlin, Manchester, Paris, Nizza – sie sind nicht der Unterprivilegierung, dem Ausschluss, der Nicht-Teilhabe, mangelnder sozialer Gerechtigkeit und dem Versagen der Gesellschaft geschuldet, sondern der seit Jahren staatlich orchestrierten Einwanderungspolitik.

Es ist so hart, wie es einfach ist: Ein Parasit trachtet nie nach dem Besten seines Wirts, sondern nur nach dem eigenen. Um jeden Preis. Ein Parasit ist nie sozial, nie gerecht, nie fördernd, nie bildend, nie integrierend. Er muss unsozial sein, ungerecht, fordernd, dumm haltend und trennend um zu wachsen.  Oder anders gesagt: Wohin führt die Alimentierung immer breiterer hier lebender und zuwandernder Bevölkerungsschichten? Wohin führt die Verschleuderung des ganzen hart erarbeiteten Wohlstands vergangener Generationen (jawohl er ist weg und via Erbschaftssteuer will man jetzt auch den privaten Teil noch verschleudern können)? Wohin führt es, dass man den Leuten via Negativzinsen das Sparen verleidet? Wohin führt es, wenn man Geld druckt, als wär’s Dreck, wenn es eines Tages zuviel davon gibt und es keinen Wert mehr hat? Wohin führen Rentenerhöhungen, Länderrettungen, Bankenrefinanzierungen und Industriesubventionen auf Pump? Genau – all das führt mit mathematischer Präzision früher oder später geradewegs in den Bankrott.

Aber das ist nicht das Ärgste: Wohin führt es, wenn man nicht beim Trennen des Zusammengehörenden verweilt, sondern fortschreitet und gegeneinander aufhetzt, was heute zumindest vorne herum noch friedlich koexistiert? Männer gegen Frauen, Kinder gegen ihre Eltern, die Jungen gegen die Alten, die Fleissigen gegen die Faulen, die „Armen“ gegen die „Reichen“, die Kranken gegen die Gesunden, die Raucher gegen die Nichtraucher, die Risikofreudigen gegen die Feigen, die „Guten“ gegen die „Bösen“, die Minderheiten aufeinander und das Eigene gegen das Fremde? Es führt zum Spannungen, Terror und Krieg. Es führt zu Berlin, Paris, Brüssel, Nizza, Manchester. Es führt zu mehr Kontrolle durch den Parasiten Staat. Und es führt am Ende zum Tod des Wirts.

Das „Sozial“ des Staates bedeutet Tod. Immer. Reissen wir die Vaterschaft wieder an uns.  Ein Zurück gibt es nicht. Bloss bereit sein und wach – die Währung der Freien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Eid gegen das Volk

Das Wort Verschwörung ist eine Übersetzung der zusammengesetzten lateinischen Worte „con“ und „iuratio“, was soviel bedeutet wie „mit Eid“. Es war die Bezeichnung für Verbindungen von Personen durch Schwur zu etwas Üblem (Wikipedia). Definiert wurde dieses Übel in der Regel von der Obrigkeit, was im Umkehrschluss bedeutet, dass Verschwörer stets solche waren, die sich gegen ebendiese Obrigkeit richteten. Und es ist nur logisch, dass Machthaber sich den Begriff zunutze machten und  jene als Verschwörer, heute Verschwörungstheoretiker diffamierten, verfolgten und ruinierten, die ihnen lästig oder gar gefährlich wurden.

Im Zuge der erfolgreichen Trennungsanstrengungen des Staates, der sich in den entstehenden Lücken, Löchern und Gräben (zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Kranken und Gesunden, Alten und Jungen, usw.) breit machen kann, hat der Begriff zu neuer Wichtigkeit gefunden und stellt eine Art Demarkationslinie zwischen aus offizieller Sicht krankem und gesundem Gewebe der Gemeinschaft mit Namen Volk dar. Vor Krankheit fürchtet man sich. Vor der Anwendung des V-Begriffs auf die eigene Person ebenso: Sie ist gleichzusetzen mit geistigem Aussatz, Ausgrenzung, Preisgabe an das Nichts oder an den Pöbel.

Das mag hart sein – aber es funktioniert. Wer sich auch nur einmal kurz im selben Raum mit dem Stempel des „Verschwörungstheoretikers“ aufgehalten hat, ist aus dem Himmelreich harmonischer Mehrheitsherden ausgeschlossen. Oft können sowohl wirtschaftlicher Erfolg und soziales Leben als erledigt abgehakt werden.

Bei der potentiellen Härte, die solch gemeinschaftlicher Aktionen feigen Muts für eine Person oder eine Familie bedeuten können, ist es umso erstaunlicher, dass die Sache auch dann wie auf Kommando funktioniert, wenn es um nachprüfbare Ideen, Konzepte und Forschungsergebnisse nationaler und supranationaler quasi geheiligter Institutionen geht, die belegen, dass die Verschwörung per Eid zu Üblem auf einer ganz andere Ebene stattfinden, als in den Niederungen des Wahlviehs. Es sind Verschwörungen einer privilegierten Beamten- und Funktionärskaste zum ausschliesslich eigenen Besten.

Als Beispiel soll hier der Migrationsplan der UN aus dem Jahr 2000 (!) dienen (die kursiv gehaltenen Stellen sind von mir übersetzte Originalzitate). Es fängt schon beim Titel an: Ersatzmigration ist okay, Umvolkung ist Verschwörungstheorie, wahlweise und gern auch Hetze, Hass oder Häresie. Natürlich ist der Begriff bitterst zynisch mus – aber eben im besten Sinn: bellend, kläffend, beissend und punktgenau dort, wo es weh tut. Zum zweiten: Das Wort „Flüchtlinge“ kommt im ganzen Text nirgends vor. Es ist ausschliesslich von „Migranten“ und „Einwanderern“ die Rede und von den gewaltigen Anstrengungen und Herausforderungen, die es bedeutet, die zum Ersatz notwendigen Ströme in Bewegung zu setzen. Und last but not least: der Widerspruch zwischen dem Eid, den Inhaber politischer Ämter leisten, demzufolge sie zum Wohle des Volkes zu handeln gedenken, während Konzepte ihnen nahestehender Kreise schlicht und einfach vom Ersatz ebendieser Völker bis 2050 ausgehen (für Deutschland 80% Migrantenanteil). Wie bitte, kann man zum langfristigen Wohl und Erhalt eines Volkes arbeiten, das es in Zukunft gar nicht mehr geben soll? Zumindest nicht in seiner originären Form? Wer genau verschwört sich denn hier gegen wen? Vorschlag? Irgendjemand?

Aber der Reihe nach: Die Basis des Migrationsplans bilden die Tatsachen, dass die Bevölkerungen der meisten industrialisierten (und sozialisierten) Länder nicht nur abnehmen, sondern vor allem auch überaltern. Dabei schrumpft der erwerbstätige Teil der Bevölkerung schneller , als die Gesamtbevölkerung, was zu einer konstanten Senkung der Unterstützungsquote führt. Wenn 1995 noch zwischen 4 und 5 Personen für eine alte Person aufkamen, rechnet die Studie mit einer dramatischen Verschlechterung dieses Verhältnisses, was durchaus realistisch ist. Nicht erwähnt wird in der Studie das groteske Ausmass der heutigen Sozialleistungsquote der untersuchten Staaten, die sich Fall Deutschlands beispielsweise auf rund 29,4 Prozent des BIP oder 921 Milliarden Euro (2015) beläuft und die das „soziale Rundumpaket“ mit Abhängigkeits-Features wie Kindergeld, Erziehungshilfe, sozialpädagogische Familienhilfe, Eingliederungshilfen, und so weiter enthält. Dies im Hinterkopf behaltend müssen die Zahlen, von denen die Migrations-Planer ausgehen, entsprechend angepasst, sprich: erhöht werden.

Bei der Lektüre wird sehr schnell klar: Es geht nicht um die Schrumpfung der Bevölkerung an sich. Es geht ausschliesslich um die Schrumpfung der erwerbstätigen Bevölkerung deren Hauptqualifikation jene ist, dass sie mit Arbeitsleistung und Lebenszeit Geld verdient, von dem sie den grössten Teil an den Staat abliefert. Man kann dies gut oder schlecht finden – es ist Fakt und nur das ist die primäre Sorge der planenden Oberen. Denn ebenso ist es ein Fakt, dass, wenn die Erwerbsquote sinkt, vielleicht sogar die Wirtschaft schrumpft, nicht in erster Linie die arbeitende Bevölkerung leidet – im Gegenteil, es könnte mehr und bessere Jobs geben und die Wirtschaft würde sich genau jene Menschen im In- und Ausland „holen“, die sie braucht und sich anpassen wie immer, wenn man sie lässt – sondern der Staat. Der Staat und nichts anderes ist gefährdet, wenn man die Entwicklung der Bevölkerungszahlen nicht steuert. Aller Dekadenz zum Trotz traue ich es unserer Gesellschaft, den Familien, Vereinen, Freundeskreisen und Dörfern auch heute noch zu, für „ihren“ Alten und Behinderten zu sorgen, sollte von einem Tag auf den anderen die entsprechende „Sozial“leistung wegfallen.  Die einzigen wirklichen Verlierer wären die Hunderttausenden privilegierten Beamten und Funktionäre, die ausschliesslich auf dem Rücken der Erwerbstätigen existieren können. Fallen die Erwerbstätigen weg, fallen sie schlicht und einfach vom Regal. So einfach ist das.

Aber weiter im Text. Der Migrationsplan stellt fest, dass nebst den erforderlichen Migranten auch weitere politische Massnahmen und Programme notwendig sein werden, um die Kohle von den Erwerbstätigen in Richtung Staat und von dort an dessen Günstlinge zu verteilen. Das Rentenalter muss erhöht werden auf mindestens 75 Jahre, die Renten- und Krankheitsleistungen müssen abgebaut und die Höhe der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherungen erhöht werden.

Aber vor allem und wie der Titel klar macht, müssen Programme betreffend die internationale Wanderung und die Eingliederung grosser Zahlen neuer Einwanderer lanciert und umgesetzt werden um die Lebensfähigkeit der Systeme der sozialen Sicherung zu garantieren. Die Einwandernden müssen zudem jung sein, da ansonsten ihr Fortpflanzungswert abnimmt und das Gleichgewicht zwischen der arbeitenden und der abhängigen Bevölkerungsgruppen unter einem Regime nicht bewahrt werden kann. Das Arbeitspapier, das sich auf Studien aus verschiedenen Ländern aus den Jahren 1986 (!) bis 1995 stützt stellt auch klar, dass mit einer deutlichen Veränderung der Gastländer durch hohe Zuwanderung und durch die grosse Fruchtbarkeit der Zuwandernden gerechnet werden muss. Ohne es zu erwähnen, wird mit diesem letzten Satz auch dem letzten Multikulti-Romantiker klar, aus welchen Teilen der Welt diese Zuwanderung ausschliesslich erfolgen wird.

Zu den Zahlen. Das Papier zeichnet sechs Szenarien auf (obwohl in der Einleitung nur von fünf die Rede ist). Die Szenarien eins bis drei kann man getrost beiseite lassen, weil wir sie heute bereits „überholt“ haben. Die Migrations-Ströme, die gemäss Papier zur Erreichung der obigen Ziele notwendig sind, seien sehr schwer zu realisieren und erforderten strenge Kontrolle des Prozesses. Es sind jene Zahlen, mit denen wir aktuell zu tun haben und sie sind in Szenario fünf und sechs enthalten.

Szenario Nummer fünf für Deutschland geht von einer Unterstützungsquote im Verhältnis 3:1 bis 2050 aus. Um dies zu erreichen muss die Gesamtbevölkerung auf rund 113 Millionen steigen bei einem Migrantenanteil von 54,4 Millionen oder 48%, was einer Mindestzuwanderung von gut 1 Millionen Menschen pro Jahr entspricht.

Szenario Nummer sechs rechnet mit einer Wunsch-Unterstützungsquote im Verhältnis 4,4:1 was die Erhöhung der Gesamtbevölkerung auf 299 Millionen bei einem Migrantenanteil von 80% bedingt.

Für die EU sieht der Plan eine Verdreifachung der Gesamtbevölkerung bis 2050 bei einem Migrantenanteil von 75% vor.

So. Und als wär’s noch nicht schauerlich genug, jongliert die Studie zum Schluss noch etwas mit Zahlen, die dem jetzt nicht mehr zu schockierenden Leser nahelegen, dass die Alten ein gewaltiges Problem darstellen dadurch, dass eine alte Person zweieinhalb Mal mehr kostet, als ein Kind und Jugendlicher mitsamt allem pädagogischen Drumherum bis zum zwanzigsten Lebensjahr. Vor diesem Hintergrund erschrecken einen dann auch nicht mehr Studien wie etwa jene, die im offiziellen Organ der kanadischen Ärztekammer, dem Canadian Medical Association Journal, publiziert wurde und die sich mit der „Kostenanalyse von medizinischer Sterbehilfe“ befasst und aufzeigt, wie günstig sich töten auf Verlangen und assistierter Suizid auf die Sozialhilfe- und Gesundheitskosten eines Staates auswirken. Dass der Staat via Gewaltmonopol ausserdem durchaus in der Lage ist, jeden Einheimischen oder Fremden, der noch Lebenszeichen von sich gibt, in Lohn und Brot zu zwingen, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden.

Aber lassen wir das. Das ist Verschwörungstheorie. Wichtig ist den Autoren zum Schluss noch dies, dass die Migration als Teil des globalen Globalisierungsprozesses gesehen werden muss, der stattfindet, und der den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Charakter der Sender- und Empfängerländer beeinflussen wird und muss, was durchaus zu sozialen Spannungen führen kann.

Wer also behauptet, Umvolkung sei eine Idee von Spinnern, Extremen, Grössenwahnsinnigen oder sonst irgendwie gebrandrodeten, der hat Recht und liegt nur in einem Punkt falsch: Er verortet die Organisatoren des Übels am falschen Ort. Es sind jene, die da sagen „There’s no such thing as french culture“ (Macron) – und die gewählt werden. Trotz alledem oder für das kurze Glück rhetorischer Abschiebe-Höhepunkte, die man indes ruhig unter Wahlkampf und Stimmenfang abbuchen kann. Oder einfach unter Betrug.

 

Gastbeitrag – Apartheid im eigenen Land

Das Volk weiß zwar nicht was eine exponentielle Wachstumskurve ist, versteht aber die existenzielle Bedrohung durch die unterschiedlichen Geburtenraten trotzdem: der stetig wachsende Anteil der Moslems an der Bevölkerung bedroht nicht nur die Errungenschaften der westlichen Welt, er bedroht etwas viel Wichtigeres: die Herrschaft des französischen / deutschen / schwedischen Volkes über ihr Territorium.

Das Volk spürt auch, dass die Bedrohung nicht linear voranschreitet, sondern dass der anfänglich flache Verlauf der Exponential-Kurve bei 8% Bevölkerungsanteil der Muslime auf einmal beginnt, steiler und steiler zu werden, dass die nächsten beiden Verdopplungsraten in 20-30 Jahren unser Volk schlicht ersetzen werden, und dass Völker, die sich beneidenswerte Gesellschaftsformen geschaffen haben, nicht nur diese, sondern auch ihre Länder in toto verlieren werden. Das Volk begreift auch, dass nichts davon möglich gewesen wäre ohne den Hochverrat ihrer Eliten. Kein Moslem könnte sich in Europa niederlassen, wenn sein Import nicht durch die „Eliten“ gegen den Willen der Völker erzwungen würde.

Karl Marx über den Islam 1854: „Der Koran reduziert die Ethno- und Geo-Graphie der Völker auf eine bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist „harby“ (d.h. der Feind). Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“ 
Der integrierte Moslem wählt AfD. Diese Leute sind nämlich oft bestürzend normal, sprich unverhetzt und von einem gesunden Eigeninteresse geleitet. Oder meint jemand, der durchschnittliche deutsche Moslem kann etwas mit Gender anfangen, mit der Entwertung der Familie, mit den Abenteuer-Urlauben für kriminelle Jugendliche, oder mit den eingewanderten Strauchdieben, die die Stadt unsicher machen, in der er sich sein Geschäft aufgebaut hat?
 
Integrierte Einwanderer leiden am meisten unter der katastrophalen Welcome-Politik. Sie sind es, die integrierten Ausländer, die den Wahnsinn mit ihren Steuern mitfinanzieren dürfen und schief angeschaut werden, weil sie oft und zu unrecht in einen Topf mit kriminellen Einwanderern geworfen werden. Sieht denn keiner die Widersprüche? Es kann nicht einerseits eine Trennung von Staat und Kirche geben und gleichzeitig die bedingungslose Unterwerfung unter einen Gott versehen mit der Forderung, dass sich dem alle zu unterwerfen haben. Es kann nicht gleichzeitig die Gleichberechtigung der Frau geben und ihre Unterwerfung unter den Mann. Es kann nicht den Rechtsstaat und eine Scharia nebeneinander geben. Es kann nicht gleichzeitig die Moderne und religiös verkleidetes Spießertum bis hin zur Ermordung Andersdenkender geben. 
Circa 5000 „Schutzbedürftige“ haben als Asylgrund angegeben, Bundeswehrsoldaten getötet und für die Taliban gekämpft zu haben. Diese Aussage lässt sich von den Behörden weder beweisen noch widerlegen. Da den Taliban in Afghanistan die Hinrichtung droht, verbietet unser Asylgesetz eine Auslieferung. Eine Strafverfolgung in Deutschland ist ebenfalls ausgeschlossen, da die nötigen Beweise nicht erbracht werden können. Aber: „Gott, schütze unser armes Land vor der AfD!“ Man muss sich die Absurdität vor Augen führen. Seit 2001 kämpfen und sterben unsere Soldaten am Hindukusch im Kampf gegen die Taliban, und wir gewähren diesen Typen Asyl. Im Falle einer Ausweisung demonstrieren unsere Gutmenschen gegen deren Rückführung in die Heimat. Wenn jemand wegen Terrorismus in der USA gesucht wird, liefern wir ihn dahin aus, Todesstrafe hin oder her. Wenn jemand wegen Terrorismus in Afghanistan gesucht wird, nicht. 

Und vom Frankfurter Flughafen hieß es, dass da Afrikaner Asyl beantragen mit der Begründung, sie hätten in ihrem Heimatland Verbrechen begangen, für die sie dort gefoltert oder exekutiert würden. Also können sie nicht zurück. Die Schleuser-Szene weiß, dass in Deutschland ein Asyl-Verfahren nur pro forma für die Vergabe der unbefristeten Aufenthalts-Erlaubnis verlangt wird. Trotz des tausendfachen Asylmissbrauchs hält es keine der etablierten Parteien für notwendig, die Abänderung des Paragraphen 16 GG auch nur zu diskutieren. Als Steuerzahler bin ich entsetzt über die Dreistigkeit unserer Politiker. Als Mensch schäme ich mich für unseren Staat. Als Wähler bin ich froh, dass es die AfD gibt. 

Die Emanzipationslüge – Plädoyer für mehr Ich

Weniger Emanzipation, mehr Ich. Was wie ein Widerspruch klingt, ist in Wahrheit nur eine Verschiebung. Allerdings eine gigantische. Wer heute noch an Emanzipation als Befreiung aus der eng geschnürten Korsage von Unmündigkeit, Traditionen, veralteten Wertvorstellungen und gesellschaftlichen Normen glaubt, der sitzt einer doppelten Lüge auf. Es ist Selbstbetrug auf der einen, Verführung auf der anderen Seite. Oder anders gesagt: Emanzipation ist in Wahrheit nur noch gefühlsduselige und „raumgreifende Ich-Versautheit“ (Michael Krogerus, „Das Magazin“), Freiheit bloss ein schönes Wort für den willen-, visions- und verantwortungslosen Spiessrutenlauf kostenlosen Mehrwollens. Das Erwachsenenleben eine 60 Jahre dauernde Verleugnungsphase.

Höre hier bitte auf zu lesen, wer weiterhin an Emanzipation als Weg zu mehr Freiheit glauben und seine Befindlichkeiten und Bedürfnisse – auch bekannt als „Recht auf“ oder „Mangel“ –  vor sich herschieben will wie ein Bankräuber seine Geisel. Denn genau das, nichts anderes ist es, was heute Emanzipation und Freiheit genannt wird: Geiselhaft. Nein – nicht wir persönlich, natürlich nicht. Wir lassen in Geiselhaft nehmen und schieben unsere persönliche Verantwortung, unsere Schuld und unser Gewissen in den Fleischwolf der Anonymität.

Darum geht es: um Anonymisierung. Was harmlos klingt, zerstört langsam und nachhaltig – Familien ebenso, wie andere Gemeinschaften und die Gesellschaft als ganzes. Ihr liebstes Wort ist „Wir“. Das Spiel eine Art Betroffenheits-Roulette, dessen einzige sichere Konstante jene ist, dass vom Individuum weggefragt wird. Wer Wir sagt, meint nie sich selber. Wer sagt „wir müssen“, „wir brauchen“, „wir dürfen nicht“, der sagt , dass Leben bloss Resultat von Ursachen ist, die ausserhalb von ihm selber liegen. Das Motto: „Es muss doch da draussen verdammt noch mal irgendjemanden geben, der Schuld ist!“ Er will nicht Missstände beheben und Mängel bekämpfen, er will sie lediglich begründen und potentielle persönliche Schuld aus der Welt schaffen. Er selbst, was er ist und tut, ist dann nur noch Produkt des Schicksals, zwangsläufiger Prozess. Und das Verrückteste dabei: Wir zahlen auch noch dafür, in den Genuss dieses Halblebens zu kommen. Mit dem grössten Teil dessen, was wir erarbeiten via Steuern und mit unserer Freiheit. Und genau darauf, auf diese kindische, selbstische und bequeme Masche stützt sich ab und mästet sich der grösste Teil dessen, was wir als Politik bezeichnen. Das Stück, das aufgeführt wird, heisst „totale Sorge“ und hat zum Ziel, das Publikum, uns, zu reduzieren auf jämmerlich mittelmässiges und von Vorklatschern betreutes Quotenvieh.

Langfristig verlieren wir mit dieser Wegduckerei alles. Uns selber mit eingeschlossen. Denn: Ein Mensch ohne persönliches Gewissen, ohne persönliche Schuld und Verantwortung ist von Anfang an ein Besiegter. Befreit zum Knechtsein PR-mässig hochbegabter Bürokraten und auf Knien vor dem Altar des befreiten Ichs liegend. Es ist der Logarithmus aller Abhängigkeit. Und er mündet irgendwann stets in sich gegenüber stehenden , selbstmitleidigen, maximal aufgewiegelten und reizbaren Mobs, die bereit sind, sich gegenseitig ohne Mitleid und Blick zurück totzutrampeln.

Ist das ein Aufruf zur harmoniesüchtigen Sanftmut ewig schlechten Gewissens, zum Dauerduckertum endlosen Schuldgefühls, das einer wie einen riesigen Bluterguss unter den Kleidern zu tragen hat? Nein – im Gegenteil. Ohne Schmerzen wird es zwar nicht gehen, es wird schlicht und ergreifend weh tun, aber der Gewinn ist gross. Es ist nicht weniger, als echte Freiheit.  Wollen wir echt Freie sein, dann müssen wir uns als erstes für persönliche Verantwortung und damit für die Möglichkeit persönlicher Schuld entscheiden. Und für die Inbesitznahme unseres Gewissens.

Stellen wir uns vor, jeder Willkommens- und Wir-müssen-Schnatterer müsste sein Geplärr zuallererst persönlich nehmen und Menschen in seinem Leben und in seiner Wohnung, willkommen heissen, sie ernähren, begleiten und integrieren. Wer Geld vom Staat nimmt, müsste dieses persönlich am Ausgang der Firma von jenen holen, die eben gerade eine Acht- oder Zehnstundenschicht hinter sich haben. Und er müsste zusehen, wie der, der sein Erarbeitetes für sich behalten möchte, verhaftet, abgeführt und eingesperrt würde. Und jene, die Billigstfleisch kaufen, müssten dieses in der stickigen Panik und im stinkenden Entsetzen der Grossmästereien und -schlachtereien persönlich tun. Wer Staatschulden möchte, müsste zuerst alles eigene hergeben, wer Krieg befürwortet, müsste selber schiessen, wer abtreiben will, müsste sie selber entsorgen, die „Gewebeteile“ des Zellklumpens, deren Vollzähligkeit jeder Arzt ohne weiteres zu bestätigen vermag. Und so weiter und so fort – man kann heute fast unser gesamtes gesellschaftliches Leben, allem voran die Politik, auf diese Weise durchdeklinieren und landet irgendwann mal bei den Kindern. Und auch da gälte: Ja – ich bin schuld. Ich bin es, der eine Familie zerstört, ich bin es, der seine Kinder verlässt, ich bin es, der einem durch mich gezeugten Menschen das Leben abspricht, ich bin es, der Bildung im Namen der Chancengleichheit herunterdimmt auf ein Niveau, auf dem jeder alles besteht, sofern er anwesend ist und einen Puls aufweist. Ich bin es, der Talente vergeudet und Potential verschleudert im Namen einer Ideologie.

Ich bin schuld. In diesem kurzen, als negativ abgestempelten Satz, steckt die ganze Kraft echter Verantwortung. Es ist das Geheimnis des Menschseins und echter Freiheit. Hier wird nicht länger wehleidig an Kausalitäten herumgefummelt, eine Kultur des Nölens gepflegt und ansonsten in neidbedingten Minderwertigkeiten herumgestochert. Hier wird ja gesagt – mit aller Kraft, von ganzem Herzen, mit ganzer Vernunft. Ja zum Menschsein, zum Risiko der Fehlbarkeit, zum Glauben an persönliches Wachstum.

Es ist das Heraustreten aus dem vermeintlich schützenden Schatten des „man“ mitten hinein in den gleissenden Lichtkreis des Ich und des Handelns. Oh ja – man schlottert dabei, zweifelt, kotzt vor Angst – excusez l’expression, aber so ist es nun mal – aber man kann sicher sein, zu leben. Ganz zu leben als ganzer Mensch und nicht bloss als hyperkonditionierte Ratte, die den Weg durchs Labyrinth gelernt hat und diesen fortan aufs rattigste bereist und Freiheit nennt, was trivialste und unterwürfigste Selbsterhaltung ist.

Positiver Nebeneffekt: Den Ratten in den Regierungspalästen bliebe bei solcher Freiheit bloss die Optionen „Bürger werden“, „Verhungern“ oder „Sich gegenseitig fressen“. Persönlich ist mir alles recht.

 

Leistungsgesellschaft 2.0 – Lehrt die Kinder scheitern

Zwei Begebenheiten. Ein Abend bei Freunden. Man hatte gerade mit Essen begonnen, als einer der beiden Jungs (6) mich fragte, ob ich mir sein „Bobo“ (Schweizer Kleinkinder-Jargon für Beule, Wunde) ansehen wolle. Ich war hungrig, beschäftigt mit dem Tellerinhalt und verneinte die Frage. Ich weiss nicht, wie viele Sekunden verstrichen, bis mir die eklatante Abwesenheit von Geräuschen auffiel und auf dem dreckigen kleinen Bildschirm meiner sozialen Kompetenz eine Leuchtdiode im Panikmodus zu blinken begann. Die Augen hebend blickte ich in die erstarrten Gesichter meiner Freunde. Als hätte ich ihnen vorgeschlagen, ihre Kinder mit der Gin-Flasche aufzuziehen oder sie künftig von Kamelpisse und gebratenem Sand zu ernähren. Der Junge, der die Frage gestellt hatte, die ganzen 1 Meter 20 dieses kleinen Menschen, schauten mich an wie ein kranker  Hund. Mir stockten Atem und Herz. Meine verbale Volte – „Also, zeig her die Beule“ – vermochte wohl beim Kind eine Art verstrubbelten Triumpfs hervorzurufen, trug aber nur wenig dazu bei, die Stimmung ärgst gedämpfter Euphorie zwischen uns Erwachsenen nachhaltig zu heben. Es wurde ein kurzer Abend.

Zweite Begebenheit: Der Sohn eines Bekannten (9) spielt begeistert Fussball in der Schulmannschaft. Während eines Trainings stand eine Übungseinheit auf dem Plan, die er – aus welchem Grund auch immer – nicht gut meisterte. Der Trainer, ein Typ Anfang 30, der seine ganze Freizeit mit Begeisterung in den Club steckt, stippte dem Jungen beim Vorübergehen mit den Notizen, die er zusammengerollt in der Hand hielt, auf den Kopf und sagte: „Was ist eigentlich heute mit dir los?“. Diese Aussage hatte Weinkrämpfe, Trainingsverweigerung, unzählige Deutungs- und Erklärungsversuche der Eltern und ein Gespräch mit dem Trainer zur Folge.

Ja – was ist eigentlich hier los? Ich oszilliere zwischen Fassungslosigkeit, Mitleid und verbalem Amoklauf wider solchen Beschiss. Was soll das, Leute? Das Leben ist keine geruch-, geräusch- und gefahrisolierte Gummizelle, an deren Wände man Bilder einer Wirklichkeit pinnt, die es so nicht gibt. Das weiss jeder von euch. Warum also tut ihr das euren Kindern an? Warum organisiert ihr ihnen eine Dauerkomfortzone und degradiert sie zu Schmalspur-Menschen indem ihr ihnen einen vollkommen abgehobenen Glauben an sich selbst und an die eigene Rolle in der Welt eintrichtert?

Woher diese Wahnidee vom perfekten Leben, vom perfekten Menschen in einer perfekten Welt, die sich früher oder später als Betrug herausstellen wird, und die zuallererst Selbstbetrug ist? Der Widerspruch in der heutigen Mode-Doktrin in Sachen Erziehung ist gigantisch. Die Kinder sollen Kinder sein dürfen, heisst es, der Ernst der Lebens komme noch früh genug. Mit dieser Begründung werden Kinder und Jugendliche von Leistung, Konkurrenz, von der Möglichkeit des Scheiterns, von Regeln des Zusammenlebens im allgemeinen und von solchen des Anstands im Besondern abgeschirmt. Es gilt: Alles ist toll. Und es ist deshalb so toll, weil das Kind so toll ist. Der Druck, wunderbar zu sein und alles wunderbar zu finden und Spass zu haben, ist gigantisch. Vor allem deshalb, weil Scheitern, Aufstehen, Weitermachen zum letzten Mal beim Laufenlernen erlaubt war. Danach ist es keine Option mehr.  Denn: ein perfekt betreutes Kind kann nicht scheitern. Aber: Ein perfekt betreutes Kind ist kein Kind. Es ist Sklave eines Kuschel-Totalitarismus, der jeden Existenzbereich überwacht. Der vorgibt zu lenken, zu erziehen, zu trösten, zu behüten, zu motivieren, zu beraten, zu vervollkommnen und zu schützen, während er in Wahrheit besitzen muss.

Was den Kindern heute als Freiheit-des-Kindseins aufs Auge gedrückt wird, ist oft nicht mehr als ein totalüberwachtes räudiges Rasenviereck, auf dem sie betreut spielen dürfen. Später dann pubertär aufsässig sein, gegen rechts demonstrieren und gegen Atomstrom, brutalst proletarischen Kaffee trinken und demokratische Brötchen essen, zwanzig Semester Kunstmarketing studieren, Plüschtiere verteilen und ihren Befindlichkeitsstatus auf zehn sozialen Netzwerken aktualisieren. Freiheit reduziert auf die Integration in die Konsum- und Konsensgesellschaft und auf ein paar technische Gadgets moderner Einsamkeit. Alles ist erlaubt – alles, bloss nicht über die Mauer steigen und auf jene Seite gehen, auf der Eltern oder Staat keinen Zugriff auf einen haben. Wo einer scheitern könnte – ob echt oder bloss in den Augen der perfekten Welt, die er verlassen hat –  spielt dabei nur eine marginale Rolle. „Nur“ eine Berufslehre machen, das Studium selber finanzieren, finanziell zum elterlichen Haushalt beitragen, sich Dinge, die man sich wünscht zusammensparen, zu den richtigen Dingen die falsche Meinung haben, aus den Reihen der Mehrheit tanzen, sein eigenes Ding durchziehen auf eigene Kosten, einen Job annehmen, der nicht auf der nahrhaften Seite der Gesellschaft, also in Staatsnähe angesiedelt ist, selbst mal für andere zurückstecken, etwas wagen, versagen, es wieder wagen, es besser machen, ein behindertes Kind zur Welt bringen – ja, auch das! – dagegen sind die Gebote, obwohl unausgesprochen, knallhart. Wer solches tut oder zulässt hat als Eltern versagt.

Widerspruch und Betrug decken sich hier: Wir machen uns vor, noch nie in einer derart freiheitlichen Gesellschaft gelebt zu haben, in der jeder buchstäblich sein und tun und lassen kann, was er will. Die Jungen zuallererst. Aber das stimmt nicht. Es ist eine halbgare Freiheit, die einer lauwarmen Sicherheit gegenübersteht. Es ist weder Fisch noch Vogel – und es ist ganz sicher nicht das volle Leben. Alles, was Kinder so lernen, ist, ein Toller unter Tollen zu sein, ein Wunderbarer unter Wunderbaren. Ein Auserwählter unter Auserwählten. Eltern und später die Medien bestätigen es ihm jeden Tag. In Bern haben letzthin die Studenten des staatlichen veterinärmedizinischen Instituts abseits ökonomischer und organisatorischer Realitäten den ganzen Betrieb lahmgelegt, indem sie in Streik traten und mit ihrer Klage von Überlastung an die Medien gelangten. Das Engagement der Jungen, ihr politisches Bewusstsein, ihr Empfinden für soziale Gerechtigkeit wurden landauf landab gefeiert. Davon, dass während Tagen und Nächten die Tiere nicht mehr genügend versorgt werden konnten, die Boxen überbelegt waren, dass Intensiv- und Notfallstation zu wenig Personal hatten, dass die Ärzte und Pfleger Doppel– und Dreifachschichten absolvierten um die freiheitskämpfenden Jungen zu ersetzen – davon las man nichts. Es war eine tolle und mutige Aktion der Studierenden. Punkt. Und die Klinikleitung tat alles, um sich bei den Medien anzubiedern und den festen Personalbestand ruhig und bei der Stange zu halten. Schliesslich steht Steuerknete auf dem Spiel.

Das soll Leben sein? Freiheit? Mut? Diese winderweichen utopischen Visionen von Engagement, diese armseligen risikolosen Aktionen auf Kosten anderer und auf charakterlichem Gnomenniveau? Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich mache nicht den Jungen einen Vorwurf, ich mache ihn den Eltern, die ihre Kinder sehenden Auges in ein Dasein als Unfreie führen, sie zu Konformisten unter dem schützenden Flügel einer dauerklatschenden Mehrheit machen und ihnen das, was Leben heisst, mit aller Liebe und nach bestem Wissen und Gewissen vom Leib zu halten versuchen. Das ist nicht fair, Leute! Leben ist auch die unbegrenzte Fähigkeit des Menschen zu scheitern, wieder aufzustehen, es erneut zu versuchen, durchzubrechen, Dinge zu erleiden und das eitle eigenen loslassen und hergeben zu müssen. Ansonsten bleibt es ein betreuter Raum, der sich in erster Linie durch die totale Abwesenheit von Freiheit auszeichnet. Ein Vakuum und kein Leben. Die Menschen von morgen konformistische Allesfresser – ungefestigt, unreif, labil.

Abgesehen von der Tragik, die solches für ein einzelnes Leben bedeuten kann, haben wir diesbezüglich zurzeit noch ein anderes Problem: Der „Ernst des Lebens“, vor dem man Kinder und Junge mit aller kraft zu schützen versucht, wandert gerade ein. Man muss nicht Verschwörungstheoretiker, Rechtsaussen oder Nationalist sein, um zu realisieren, dass die Menschen, die hunderttausendfach hier in Europa einwandern (durchaus gewollt, wie der auf der offiziellen Website der Europäischen Union publizierte Neuansiedlungsplan kundtut), aus Kulturen stammen, die solch dekadente Wunschwelten nicht nur nicht kennen, sondern sie auch verachten. Verachten müssen. Und die vor allem nicht planen, sich diesen auch nur im Enterferntesten anzupassen oder sich darein zu integrieren. So barbarisch es tönt: Sie oder wir wird es heissen. Oder anders ausgedrückt: Es ist nicht der Islam, das Fremde und teilweise Feindliche, das mich persönlich umtreibt: Es ist unsere eigene Schwäche und die Schwäche unserer Jungen, zu der wir sie verdammen. Wir haben weder die Zeit, noch die Mittel, uns weiterhin um ökonomische und soziale Fakten zu foutieren um eines „guten Gefühls“ Willen und wir können es uns nicht leisten, eine Freiheit zu pflegen, deren kräftigster Ausdruck sich in einem LOL bei Watsapp und im Ausfüllen eines Antragsformulars erschöpft. Tun wir es dennoch, dann betrügen wir uns und unsere Kindern nicht nur um das, was Leben heute sein könnte, sondern vor allem um unsere Zukunft.

 

 

Fremdes Heil – Köter sei der Mensch und Pack

Es ist Wahljahr. Und in einem Punkt liegt Emmanuel Hollande – pardon! – Macron richtig: Es ist Wahljahr in einer einzigartigen Zeit. Letzthin kursierte in den sozialen Medien die humoristische schematische Darstellung eines Menschenlebens. Letzteres repräsentiert durch eine Linie, die an ihrem linken Ende durch das Wort „Birth“, an ihrem rechten durch „Death“ begrenzt wurde. Der Strich selber, also das Leben, war mit „What the Fuck …?!“ überschrieben. Das Schmunzeln des Betrachters über den jeder Idee von Einflussname, Verstehen und freiem Willen ins Gesicht lachenden Fatalismus währt nur kurz und weicht rasch der Weigerung, die Möglichkeit des eigenen Lebens als zwangsläufigen Prozess vor dem Hintergrund individueller Ratlosigkeit wahr- geschweige denn hinzunehmen.

Wendet man das Schema jedoch auf den zeitlichen Abschnitt an, auf die Stunde, in der wir uns als Gesellschaften befinden, dann gibt es kaum ein passenderes Bild. Die Linie, die unsere Zeit darstellt, wird dann an ihrem Linken Ende von den Worten „Nicht mehr“, an ihrem rechten von den Worten „Noch nicht“ begrenzt. Dazwischen stehen wir. Das Alte, die Ordnungen unserer Vorfahren, die allgemeingültigen Regeln des Zusammenlebens haben wir überwunden. Die Würde der traditionellen Familie, die Unantastbarkeit des Lebens und des Eigentums, die grundsätzliche Ablehnung persönlicher Vorteilnahme durch Denunziation und neidgetriebenes Handeln und Reden – eine Zusammenfassung der biblischen Gebote fünf bis zehn – haben ihre Gültigkeit verloren. Eine neue Ordnung, die sich aus den Trümmern individueller, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und monetärer Exzesse ergeben wird, ist noch nicht da. Die Annahme, dass der symbolische Strich zwischen Vergangenem und Künftigem ein Abgrund ist, ist nicht bloss Schwarzmalerei und Pessimismus. Gerade das, was sich Wahlkampf nennt, offenbart, dass das „Dazwischen“, in dem wir uns befinden, für viele in Wahrheit ein „Nirgends“ ist.

Ich bin ein Mensch wie Ihr. Ich kenne Euch und Eure Erwartungen. Eure Zweifel, Eure Ängste, Euren Groll. Es ist Zeit für Gerechtigkeit. Ich werde dafür sorgen, dass Sorgen und Nöte nicht zu Angst werden. Und dass die Ritter der Angst nicht aus Angst Hass machen. Wir sind das Bollwerk gegen jene, die hetzen, die für alles einen Sündenbock brauchen und die die Völker aufeinanderhetzen wollen. Wir werden das Land und die Völker vereinigen, wiedervereinigen und zusammenführen durch Hoffnung und Optimismus. Fürchtet Euch nicht. Ich liebe Euch. Wir errichten eine positive Zukunft unter dem Schutz des Höchsten. Wir sorgen dafür, dass jeder seinen Platz findet. Ich frage keinen danach, woher er kommt. Meine Zusage gilt allen, die daran glauben. Das ist ein Beginn und kein Ende. Und ich werde nie fern von Euch sein.

Nein – diese Sätze sind nicht die verbale Peitsche eines Sektenführers zur Spenden- und Unterwerfungs-Motivation seiner gehirngewaschenen Jüngerschar. Es sind – willkürlich zusammengefügt – Aussagen von Martin Schulz und Emmanuel Macron anlässlich verschiedener Auftritte. Der „Schutz des Höchsten“ ist in der Realität stets der „Schutz Europas“. Eine von Macrons liebsten Beschwörungsformeln: Sicherheit und Rettung eines jeden Lebensbereichs der Nation und des Individuums finden ihre diffuse und individuell zu interpretierende Erfüllung ausschliesslich in der Unterwerfung unter den schützend ausgebreiteten Flügel der EU. Dass dieser Flügel – es ist der linke – erstens lahm ist und zweitens der einzige eines flugunfähigen Ideologie- und Beamtensauriers, spielt dabei keine Rolle. Wer will schon fliegen, wenn er, glaubt man den Kandidaten, schon am Boden Angst hat. Aber darum soll es hier auch nicht gehen.

Die Frage ist vielmehr: Wie anders, als mit grosser Ratlosigkeit, Orientierungslosigkeit und einem beherzten „What the Fuck …!?“ ist zu erklären, dass ein grosser Teil der Menschen solch faktenfreiem Predigen zujubelt? Dass sie Messiassen und Heilsbotschaften huldigen, die fernab von Sachpolitik und Realitäten des Gemeinwesens, mit Gut und Böse, Licht und Finsternis, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Wahrheit und Lüge, Hass und Liebe operieren? Der Mechanismus, der dabei greift ist erschütternd einfach: Fakten können nicht denunziert werden. Also hat man die Fakten jenen überlassen, die man denunzieren kann. Die „Anderen“, die „Rechten“, die „Ultranationalisten“, die „Hetzer“. Und keinem fällt es auf. Im Gegenteil: Wem es am besten gelingt, bei der Mehrheit quasireligiöse Schauer der Zustimmung und der Ablehnung auszulösen, wird gewählt werden. Europa wird sich ein weiteres Mal für den Antifaschismus entscheiden.

Ein Antifaschismus des „Wir“, das reine Maskerade ist und das Macron mit dem Satz: „Je ne serais jamais loin de vous“ (Ich werde nie fern von Euch sein) auf den Punkt bringt. Im Klartext: Ich bin zwar nicht bei euch, bin nicht unter euch, bin keiner von euch und schon gar nicht auf dem Strich im Nirgends stehend auf dem ihr darbt – aber ich werde nie fern sein. Dass dieses „Nie fern“ eine Parallelwelt ist, für die die Menschen nur den Versorgungsnachschub an realen Werten via demokratische Wahl zum Preis der Freiheit und aus Hoffnung auf Orientierung darstellen, wird nicht wahrgenommen oder gezielt unterdrückt und verdrängt. Was sich hier über allem schwebend als Erlöser inszeniert, als  Sicherheits- und Friedensgaranten, als Gerechtigkeitslieferanten und grosse Reparierer des irdischen Paradieses ausgibt, ist Repräsentant einer repressiven Verwaltungsmoral sogenannt demokratischer Institutionen. Festgehalten am Strich, auf dem die Massen stehen, durch die tonnenschwere Halteleinen der vierten Gewalt.

Kein schönes Bild – mehr eine dalìesk surreale Alptraumszenerie. Fürchterlich die dünne die Leere überspannende und zum Reissen gespannte Linie, die gedrängten Menschenmassen über dem Nichts. Und Europa wird wählen. Europa wir die Hoffnung, dass die Linie hält, wählen und damit den kurzfristigen Machterhalt jener, die sie über den Abgrund geführt haben und die selber längst von Bord sind. Europa wir das wählen, was immer gewählt wird, wenn Menschen sich vor der wunderbaren grenzenlosen Verantwortung drücken, die Leben bedeutet und hoffen, dass andere die Sache für sie regeln werden: Knechtschaft.

Indes: Darauf zu hoffen, dass einzelne Stimmen, echt freiheitliche Medien, faktenliefernde Quellen das Ruder herumzureissen vermöchten, die Mehrheit zu wecken, ist ebenso illusionär. Es mögen im Kleinen heilsame Fusstritte sein, Weckrufe – im Grossen und Ganzen wird jedoch als Opfertum kostümierter Opportunimsus die Oberhand behalten – „Reisst euch am Riemen!“, „Packt an!“, „Sorgt für Euch selber und für eure Nächsten“, „Lasst andere in Ruhe leben, reich sein und schaffen, wie es ihnen gefällt“ sind nicht die Botschaften, die ankommen. Solange, bis nichts mehr zu verschenken sein wird und die die Menschen merken, dass des Kaisers neue Kleider nur Parolen sind, dass das, worauf sie stehen heisse Luft ist und darunter der Abgrund gähnt, wird man auf das Recht pochen zu ernten, was andere gesät haben und es Gerechtigkeit nennen.

Wozu also rufen und schreiben und sich täglich durch den dumpfen Morast der Empörung quälen? Warum nicht vielmehr tun, was man von uns erwartet: Sich verhalten wie die „Köter“ und das „Pack“ (was im Englischen Rudel bedeutet), als das man die Menschen, die sich wehren nicht nur bezeichnet, sonder wohl vielmehr auch empfindet?

Wenn meine Hunde draussen im Garten sind und es unterlassen in regelmässigen Abständen die Köpfe zur Tür hereinzustecken oder drinnen eine Runde zu drehen, wenn es ganz, ganz, ganz still wird im Umkreis von hundert Metern und sie weder zu sehen noch zu hören sind, dann weiss ich, dass sie etwas ausbrüten. Dass sie sich entweder an einem Paar meiner Schuhe gütlich tun oder aber Schwerstarbeit in Sachen Zaunüberwindung leisten. Warum es nicht ebenso halten? Warum nicht still werden und in dieser Stille und in aller Ruhe etwas in Sachen Freiheit ausbrüten? Unauffällig und still dem Apparat entziehen, was ihn am Leben erhält – die Mittel, die wir erwirtschaften und die uns gehören und jede Macht über uns?

Ich glaube nicht, dass es jemanden oder eine Gruppe gibt, die das Ruder herumreissen kann. Es kann nur der Einzelne tätig beginnen, ansonsten bleibt es fremdes Fremdes Heil: eine Gnade, für die andere als wir selber zuständig sein sollen. Was wir indes können, ist den Weg – er führt erst einmal abwärts – bereits heute unter die Füsse nehmen, das Gedränge auf dem „Strich“ hinter uns lassen.  Gefasst auf die Möglichkeit materieller Bescheidenheit und in Sachen Freiheit und Verantwortung reich die Landschaft geniessen und Kraft tanken für den Moment, in dem soziale, wirtschaftliche, politische und monetäre Illusionen nicht mehr halten werden. Und vor allem nie Knechte sein: Nicht jene einer gottspielenden Obrigkeit und auch nicht jene der eigenen Empörung.

 

 

 

 

 

Die Mutter aller Probleme

Weil Leser *** darauf hinweist, dass es Wichtigeres zu behandeln gäbe, als die unter Beamten, Bänkern und Bezügern von „Sozial“leistungen grassierende Gewinne-privatisieren-Verluste-sozialiseren-Mentalität, will ich heute – obschon weit davon entfernt, diese Meinung zu teilen – mit der grossen Kelle anrichten, wie man in der Schweiz sagt. Nicht weniger, als die MOAB – die Mother of all Bombs – unserer Probleme soll es sein. Quasi die  GBU-43/B der zivilisatorischen Schwierigkeiten, ohne die weder Masseneinwanderung, noch Subprime-Schlamassel, Schuldenkrise, Spaltung, Meinungsdiktatur, bankrotte Sozialsysteme, oder Werte- und Traditions-Zerfall auf der Tagesordnung stünden. Kurz: Die Ursache allen Übels.

Es ist der Glaube. Dass es sich dabei nicht um den christlichen Glauben handelt, ist unschwer zu erraten. Christen dienen dieser Tage lediglich als medialer Aufmacher und Schaum auf dem täglichen Fernempörungsbad, wenn sich ein paar Dutzend von ihnen irgendwo von Anhängern der Religion des Friedens abgeschlachten lassen. Ansonsten weiss jeder, der das Wort Aufklärung zu buchstabieren in der Lage ist, dass es sich bei hier schon länger lebenden Christen um eine rückwärtsgewandte Spezies handelt, deren Hauptanliegen sich in der Entrechtung der Frau erschöpft und die die jämmerlichen Fetzen ihres Versagens, das sie Leben nennen, an ein Kreuz nageln um eines Fake-Friedens und einer Fake-Freiheit willen, für die sie in der Wirklichkeit zu feige und zu schwach sind. Ist so. Steht im staatlichen Bildungsplan.

Der Glaube, von dem hier die Rede ist, ist ein anderer. Die Irrlehre, die ihm zugrunde liegt, vielleicht die grösste der vergangenen hundert Jahre. Wer für sich Verstand und Vernunft in Anspruch nimmt, ist verpflichtet, diesen Text zu lesen. Auch und gerade wenn er im übernächsten Satz feststellt, dass ihn die Thematik nicht interessiert. Früher oder später wird sie jeden interessieren – denn sie und nichts anderes, wird uns das Genick brechen.

Es ist die Irrlehre vom monopolisierten Fake-Geld-System. Der Leser eines Finanz-Newsletters brachte es herrlich auf den Punkt, als er sinngemäss schrieb: Wenn das Medium des Austausches, also das Geld, frei nach dem Willen eines anderen kreiert werden und auch nach dessen freiem Willen ausgegeben werden kann, dann ist dieser Jemand buchstäblich und im wahrsten Sinne unser aller Gott. Zumindest der Gott all jener, die dieses Zahlungsmittel verwenden. Und: Wer nicht aussteigt, kann bloss zuschauen, wie er Opfer wird.

Der Jemand, von dem die Rede ist, sind die Zentralbanken, denen von den Staaten das Recht zur Geldschöpfung übertragen worden ist. Der schichtübergreifend gepflegte Irrtum, dass es sich bei diesen Instituten mit öffentlich-rechtlichen Namen um Regierungsorgane handelt, ist ein gelungener PR-Coup. Sowohl die Banken des Federal Reserve Systems, als auch die Bank of England sind im Besitz privater Eigner, wobei es sich teilweise um dieselben handelt. Die EZB, als Buchführer der nationalen Zentralbanken des EU-Raums ist ein Misch-Ding: Während beispielsweise die Nationalbanken Deutschlands und Österreichs zu 100 Prozent staatlich sind, sind jene Italiens und Griechenlands grösstenteils privat. Die grosse Mehrheit des EZB-Direktoriums war ausserdem vor und/oder nach ihrem EZB-Mandat für Grossbanken oder in privaten Lobbyorganisation der Finanzindustrie tätig.

Fakt ist: Es ist ein Bankenkonsortium, das alle Macht über unser Geld in Händen hält. Das, woran wir also in klindlichster Naivität als Gesellschaft glauben, ist nichts anderes, als das Versprechen, dass diese Banker und die Politiker sich an die gesetzlichen Verpflichtungen halten werden und dass sie unter keinen Umständen im eigenen, sondern stets im Interesse der Bürger handeln.  Ja – Sie dürfen kurz lachen.

Was gerne ausgeblendet wird: unsere Noch- oder Scheindemokratien sind Herrschaftssysteme in denen Menschen über Menschen herrschen. Nicht mehr und nicht weniger. Und es gibt genau zwei Arten, in diesem System Macht zu erringen oder zu erhalten: Gewalt oder Geschenke. Wo das Geld an einen anderen begrenzten Wert gebunden ist und es eine Einlöseverpflichtung gegenüber diesem anderen Wert gibt, erreicht die Geschenke-Orgie und damit die Herrschafts-Ausdehnung rasch ihre Grenzen. Es hiesse dann nämlich reglemässig: Ihr wollte mehr Sozialleistungen, höhere Renten, Unterhaltsvorschüsse, Minderheitenförderung? Okay – geht in Ordnung; dann erhöhen wir die Steuern massiv! Eine andere Möglichkeit, an Geld zu kommen, gäbe es nicht, weil der reale Wert, an den es gebunden wäre (biespielsweise Gold) nicht beliebig zu vermehren ist. Geld könnte nicht aus dem Nichts und per Knopfdruck erschaffen werden, sondern nur durch produktive Arbeit. Dass die Bürger unter diesen Bedingungen weder Masseneinwanderung noch Staatsfinanzierung anderer Länder akzeptieren würden, liegt auf der Hand. Die Gattung der Welcome-Klatscher und Gutmenschen hätte sich nie aus den Sümpfen des sozialistischen Wahns hinaus- und auf das Festland der Wirklichkeit hinaufentwickelt.

Wo nun aber die Politik via Zentralbanken über grenzenlose Mittel verfügt, um Geschenke zu machen und die eigene Macht zu sichern, tut sie dies auch und liefert sich selbst und die Bürger damit den Banken aus.  Und spätestens an diesem Punkt wird jede System-Reform-Rhethorik – sei es von Seiten der EZB, der FED, der BIZ, von Merkel, le Pen oder Trump – als Lüge entlarvt. Denn: Eine Änderung des Systems hiesse nichts anderes, als die Selbstentmachtung der Bank- und Politkasten und ihrer parasitären Nutzniesser.

Nun könnte man sagen, das sei zwar not amusing at all, laufe aber ja schon ziemlich lange so und bis auf ein paar Dellen auch ziemlich gut. Die Zentralbanken hätten ausserdem die schlimmsten Crashes verhindert,  kurbelten zurzeit massiv die Wirtschaft an und stützten den Arbeitsmarkt. Zudem sei man es schliesslich seit Jahrzehnten gewohnt dass die Dinge jährlich ein wenig teurer würden. Wer so denkt – und es sind die meisten, denn rätselhafterweise ist Geld für die Menschen nur insofern von Belang, als dass sie in der Regel mehr davon wollen – dem sei gesagt: Das System ist gerade dabei, massiv an seine Grenzen zu stossen. Jede Sehne ist aufs äusserste gespannt.

Da der Staat das Recht, Geld zu erschaffen, ausgelagert hat an die Banken, muss er, um an neues Geld zu kommen, bei diesen Banken Schulden aufnehmen. Das Geld entsteht so zwar auf Knopfdruck, der Preis für dieses Geld, der Zins, ist jedoch in echtem durch produktive Arbeit gewonnenem Geld zu erstatten. Dies beschafft sich der Staat über Steuern. Und man braucht kein Hirnchirurg oder Atomphysiker zu sein, um zu verstehen, dass, je grösser die Schuldenberge der Staaten werden, umso teurer der Zinsdienst und umso höher die Steuern auszufallen haben. Und weil immer mehr Menschen Geschenke vom Staat empfangen und immer weniger produktiv tätig sind und echtes Geld verdienen, müssen die letzteren über neue und höhere Steuern immer mehr ausgepresst werden, bis sie eines Tages nicht mehr können.

Ist das heute noch so? Schliesslich ist der Preis für Geld, der Zins, quasi abgeschafft worden. Staaten, Unternehmen und Private können fast kostenlos Schulden machen. Nun – es ist eine Binsenweisheit, dass, was nichts kostet, nichts wert ist. Das gilt auch und gerade für Geld. Warum also hat der Euro noch einen Wert, wenn er fast nichts mehr kostet und wenn es viel zu viel davon gibt? Grund eins: Was als Wert wahrgenommen wird, ist ein Restwert. Wo eine Währung in gut hundert Jahren weit über 95 Prozent ihres Werts (Dollar) eingebüsst hat, sind auch die letzten fünf Prozent noch zu schaffen. Oder in Euro-Gold ausgedrückt: Wer 1950 72 Euro (140 DM) zu optimistischen 3% angelegt hätte, erhielte heute rund 520 Euro ausbezahlt, von denen noch die Gebühren abzuziehen wären. Also sehrwahrscheinlich nichts. Wer indes 1950 zum selben Preis eine Unze Gold (31.1g) gekauft hätte, erzielte heute bei deren Verkauf rund 1200 Euro.

Grund zwei: Die Zentralbanken und ihre Regierungen und Nutzniesser (das Possesivpronomen ist hier wörtlich gemeint) balancieren seit Jahren zwischen den inflationären Interessen ihrer Eigner und der Täuschung der Märkte und Bürger. Pro 18 Euro neugeschöpften Geldes wächst die Wirtschaft gerade mal um 1 Euro, die Arbeitsmarktstatistiken sind geschönt und der „repräsentative“ Warenkorb zur Messung der Teuerung des täglichen Lebens enthält Dinge wie Wellensittiche, Wetterstationen und Melissengeist. Ausserdem wird mit sogenannten Gerechtigkeits-Debatten nonstop davon abgelenkt, dass die vielbeklagte Ungleichheit nicht wie gerne suggeriert eine zwischen Ihnen und mir, also zwischen normalen Bürgern, sondern jene zwischen Herrschern und Beherrschten ist. Alles was hilft, um abzulenken, dient der Sache. Wenn dazu soziale Unruhen, Verblödung, ein ein bisschen Meinungsdiktatur und Repression notwendig sind – bitte sehr. Denn wenn die Marktteilnehmer zu früh zu ahnen begännen, dass die Inflation im Sinn zuvielen Geldes möglicherweise nicht ein Nebeneffekt oder gar unerwünschte Auswirkung der Rettungs-, Steuerungs- und Stimulierungspolitik ist, sonder vielmehr Ziel im Sinn eines gigangischen Vermögenstransfers, würden sie aus dem System und dem Bankenkartell ausbrechen und es kollabieren lassen. Das darf noch nicht sein. Fakt ist: Inflation und die dadurch provozierte Entwertung des Geldes, wie sie seit Jahrzehnten praktiziert wird, liegen im ureigensten Interessen der Regierungen und Banken. Die einen können sich damit entschulden, die anderen, die an der Quelle des Geldes sitzen, da also, wo das es noch einen Wert hat, können davon Sachwerte in gigantischem Ausmass akkumulieren.

Die Sache wird uns so oder so um die Ohren fliegen: Entweder, weil die verbleibenden Marktkräfte sich nicht unten halten lassen und der Staat die steigenden Zinsen für seine Schulden via Steuern im Zuge des privaten Bankrotts seines einst zahlungsfähigken Mittelstands nicht mehr zahlen kann, sei es, weil über eine Hyperinflation alles Vermögen, jede Renten- und Pensionsanwartschaft, aber auch die Staatsschulden und die Zukunft unserer Kinder vernichtet werden. Wie Roland Baader einst schrieb: „Alle reinen Papierwährungen enden im vollständigen Verlust ihrer Kaufkraft. Es gibt kein geschichtliches Gegenbeispiel. (…) Alle Staaten mit reiner Papierwährung landen im (offenen durch Krieg, verschleierten durch Konkursverschleppung) Staatsbankrott.“

Sollte dann der Ruf nach einer goldunterlegten oder teilunterlegten Währung laut werden, einem Neuanfang mit echtem Geld, dann darf geraten werden, in wessen Händen sich der Grossteil des verfügbaren Edelmetalls zu diesem Zeitpunkt befinden wird.

Es bleibt wie immer die Frage: Was tun? Es ist ein Zwangssystem mit allen Merkmalen einer Sekte. Wie sich daraus befreien? Nun – Wissen schützt nicht, aber es verhindert Überraschung. Und wer kann, der bereitet sich vor. In einer Gesellschaft wo Parasiten und Schmarotzer die Normalbürger darstellen, muss der Freie Illegaler werden.

Gold und Silber kaufen – legal. Den Kauf nicht melden und es undeklariert verstecken – illegal. Sich als Selbständiger in Naturalien zahlen lassen – noch legal. Eine Gemüsegarten anlegen – legal. In Frankreich nicht-hybrides Saatgut von Privaten kaufen – illegal. Sich beschränken lernen und Verzicht üben – legal. Unverderbliche Ware bunkern – legal.  Einkommen runterschrauben und keine Steuern zahlen – legal. Schwarzarbeit – illegal. Vermögenstrasfer ist Ausland – legal. Es nirgends zu melden – vielerorts illegal. Der Möglichkeiten sind ungezählt. Entscheiden und handeln kann zum Glück jeder noch nach eigener Kraft und Situation. Alles muss denkbar sein. Dankbarkeit über das nackte Leben eine empfehlenswerte Übung. Nur weiterglauben ist keine Option.

Amat Victoria Curam.

Unterhaltsvorschüsse – Betrogene Kinder

Es gibt sie in ungezählten Variationen: Die Filmszene, in der der Verurteilte versichert, er sei unschuldig und wo irgendeiner antwortet: „Jaja – das sagen sie alle.“ Ähnlich vorhersehbar gestalten sich Diskussionen rund um das Thema „Alleinerziehende und staatliche Unterstützung“: Die in Frage kommenden Personen sind – glaubt man dem Chor der Eingeweihten – durchs Band Ausnahmen, wenn es um die selten sachliche Begründung dafür geht, warum gerade sie ein Anrecht darauf haben, finanziell von der Allgemeinheit mitgetragen zu werden. Auf die Frage, ob es sich denn bei diesen Menschen allesamt um Verwittwete, Misshandelte, Vergewaltigte oder Kranke handelt, wird anstelle einer Antwort gern und unbelastet von Logik die Hungerne-Kinder-Keule hervorgeholt: „Sollen die Kinder dafür büssen, dass ihre Eltern die Sache mit der Kohle nicht auf die Reihe kriegen? Sollen sie etwa hungern?“ Eine andere ebenso beliebte argumentative Schlagwaffe ist die Haben-Sie-Kinder-Frage. Und wehe dem, der sie nicht positiv zu beantworten in der Lage ist. Er hat nicht nur keine Ahnung und auch kein Recht auf Meinung, sondern ist höchstselbst mitschuldig an der demographischen Zerbröselung des Abendlands. Zahlen, Schnauze halten, weitergehen.

So einmal mehr zu beobachten in den Kommentarspalten der FAZ unter einem Artikel, der jene rund 450’000 Alleinerziehenden zum Thema hatte, die auf „staatliche Unterstützung angewiesen“ seien. Für sie werden jährlich 850 Millionen Euro an sogenannten Unterhaltsvorschüssen ausgezahlt. Fast eine Milliarde. Sogenannt, weil das Wort Vorschuss im Sinn einer Vorauszahlung für nachträglich zu erbringende Leistungen nur in 23 Prozent der Fälle (2015) korrekt ist. 650 Millionen sind nicht Vorschusszahlungen, sondern schlicht Unterhaltszahlungen. Ihre Rückerstattung an die Allgemeinheit ein frommer Wunsch. Ausserdem räumt der Artikel auf mit einem gerne gefplegten Mythos: Der sture Zahlungsverweigerer, der der Mutter seiner Kinder trotz Einkommen das Geld verweigert, ist eine der echten Ausnahmen. Die Mehrzahl jener, die die Zahlungen zu leisten hätten, sind dazu nicht in der Lage oder schlicht unbekannt.

Aber wo liegt das Problem, könnte man fragen, wenn ein grosser Teil der Menschen – Einschliesslich Familien, Freunden und Partnern – der Meinung ist, diese Zahlungen seien berechtigt, mehr noch: notwendig, während nur eine Minderheit für die Kälte der Selbstverantwortung (die auch die eben erwähnten Nächsten miteinschliessen würde) plädiert? Das Problem ist, dass das Ganze auf einem grossen Irrtum basiert. Auf einem sorgfältig aufgebauten und sorglos adoptierten Missverständnis dessen, was Leben sein könnte und sollte.

Um das zu  verstehen, braucht man sich nur mit einem einzelnen Wort zu befassen – jenes des oder der Betroffenen. Mit erwähnten Ausnahmen käme es keinem in den Sinnn, sich selber im Zug der lustvollen körperlichen Vereinigung – sei es in der Vorstellung eines mehr oder minder vagen „Für-immers“, sei sei es mit dem Ziel des A-la-minute-Lustgewinns – als Betroffenen zu bezeichnen. Wovon auch betroffen? Ich-betroffen? Hormonbetroffen? Sex-, Illusions-, Romantik-, Alkohol- oder Hirnarretierungsbetroffen?

It’s consequences, stupid! Erst die Konsequenzen – natürlich nur die unerwünschten – werden mit dem Ehrenkreuz der Betroffenheit geadelt. Betroffenheit impliziert Schuldlosigkeit und Ausgeliefertsein. Betroffenheit bedeuetet Bedürftigkeit. Bedürftigkeit verlangt nach Hilfe. Hilfe von aussen, Hilfe, die die eigenen Nächsten offenbar nicht zu leisten gewillt sind, Hilfe der anonymen Allgemeinheit via Staat also. Es ist bezeichnend, dass der Begriff der Betroffenheit von Menschen wie Ihnen und mir gar nicht oder äusserst selten verwendet wird. Oder kennen Sie einen Alkoholiker, der sich selbst als Betroffenen bezeichnet? Einen Junky, einen Verschuldeten, Betrüger, Scharlatan oder Gewalttätigen? Ich nicht. Ich kenne nur Sozialarbeiter, NGO-Personal, Politiker und ein Heer von Funktionären, die den Begriff ins Spiel werfen, wenn jene, die ebenfalls am Tisch sitzen – freiwillig und weil sie sich Spass davon erhofften – pleite sind. Vater Staat als liebevoll fürsorglicher Croupier.

Indes: Die Bank gewinnt immer. Wenn das freiwillig eingegangene Risiko einer Schwangerschaft in ungewollte Schwangerschaft umgedeutet und wie eine ansteckende Krankheit behandelt wird, dann wird nicht den sogenannt Betroffenen oder gar der Gesellschaft geholfen. Casinos existieren einzig aus dem Grund, weil für den Betreiber etwas zu holen ist. Und theoretisch selbstverantwortliche Menschen werden von den Staatsbetreibern einzig aus dem Grund als Betroffene und Hilfebedürftige gehandelt, weil nur so Profit zu machen, die staatliche Organisation aufzublähen und Kontrolle ausbauen ist. Der Begriff ist gleichsam der Knopf, der die Fürsorge-, Betreuungs- und Präventions-Maschinerie in Bewegung setzt, mit dem ein weiteres Leben in Obhut – auch bekannt als Gewahrsam – genommen wird. So sieht’s aus.

Den Boden raus haut dem Ganzen dann dies, dass solche Unterwerfung mit Würde gleichgesetzt wird. In Würde Betroffener sein. In Würde die Hose auf Knöchelhöhe und kniend darum flehen, die Kontrolle über das eigene Leben abgeben zu dürfen und ein paaar Brosamen dessen zu erhalten, was beim grossen Fressen des Staatspielhöllenpersonals von jenem Tisch fällt, den die Mitmenschen auf den Schultern tragen. Die Würde des Kindes, sagen Sie? – Meinen Sie jene Würde Ihres Kindes, für die sich faktisch weder Mutter, Vater, Grosseltern, Tanten, Onkel, Freunde oder neue Partner verantwortlich fühlen? Meinen Sie jene Würde Ihres Kindes, für die der arbeitende Nachbar zuständig ist? Mit Verlaub: würdeloser geht kaum!

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Keiner behauptet, es sei leicht, alleinerziehender Elternteil zu sein. Es ist schwer und kann hart sein – ebenso, wie der Gang in die Selbständigkeit, das Erlernen eines neuen Berufs in mittleren Jahren, das Wagnis, seine Existenz auf die Karte Kunst zu setzen oder um der Freiheit Willen eine Arbeit zu tun, die im Verhältnis mit dem eigenen Ausbildungs- und Fähigkeitsniveau auf Marianengraben-Level liegt. Aber genausowenig, wie die Menschen, die sich für einen dieser Wege entscheiden Betroffen, Bedürftig und Opfer sind, sind es Eltern. Und ob die Kinder zu Betroffenen und Bedürftigen werden, zu konsumzentrierten Konformisten, die alles im Leben von aussen erwarten, liegt einzig in ihrer Hand. Verantwortung, Überwindung, Durchbruch, Lebensglück, Freude, Erfüllung, Selbstbehauptung, Treue und Loyalität sind wohl harte Währung, fordern das Beste und alle Kraft, sind aber nicht auf Vorschuss zu haben.

Und da liegt das Problem: Irgenwo auf der Strecke zwischen dem Punkt, an dem unsere Vorfahren das Recht gefordert, errungen und in Anspruch genommen haben, in Freiheit und auf eigenes Risiko das eigene Glück zu suchen und zu machen und jenem Punkt, an dem Glück zum Menschenrecht umgedeutet worden ist, sind wir als Gesellschaft über die Klippe gegangen und planschen heute als Mehrheit – aka Mitte – im Seichtwasser eigener aber von anderen zu finanzierenden Befindlichkeiten. Dass das Wasser lauwarm ist und gerade tief genug, um darin bequem sitzen zu können, verdanken wir längst nur noch der Tatsache, dass per Schlauch nachgefüllt wird (Staatsverschuldung inklusive Enteignung der beklagten Kindergeneration) und dass sich draussen im Blau dank den Schlauchbetreibern in finanz-, sozial- und geopolitischer Sicht ein Tsunami zusammenbraut, der sich um missbrauchte Würdebgrifflichkeiten und imaginiertes Opfertum nicht scheren wird. Wenn’s losgeht, ist stranden keine Option mehr. Und jene, für die’s richtig hart wird, die einzig wahren Betroffenen, werden jene sein, in deren Name heute Strandlatschen und Spielzeug gefordert werden: die Kinder. Sie werden die Opfer sein – Opfer des Betrugs, den ihre Eltern an ihnen begangen haben indem sie ihnen weismachten, Leben sei etwas, auf dem man sitze und nicht etwas, nachdem man sich mit aller Kraft und täglich zu strecken habe.

Die Frage ist längst nicht mehr, ob die Riesenwelle kommt, sondern einzig, wann. Eine Gesellschaft als ganzes geradebiegen zu wollen, als wär’s ein Stück Draht, ist illusionär. Aber jeder und jede ist dazu in der Lage, schwimmen zu lernen und die Fähigkeit an seine Kinder weiterzugeben. Können Sie sich an das Gefühl erinnern, wenn man als Kind die Schwimmhilfen von den Armen genommen hat? Wie dünn sich die Arme angefühlt haben und wie kalt das Wasser auf der Haut, wo vorher der Luftgefüllte Gummi sass? Die Angst, die Aufregung, die Freude? Wer sich entscheidet, auf eigene Kosten, in Würde und in Freiheit das anzugehen, was Leben sein kann, wird Ähnliches in verschärfter Form erleben. Wer dies jenen, die nach uns kommen vorlebt, wird am Ende vor erwachsenen Menschen stehen, die in der Lage sind zu sagen: Es interessiert mich nicht, was andere haben, dürfen, können. Was mich interessiert ist, was ich erringen kann, was ich mir auf meine Kosten erlaube und zu was ich, wenn ich will, zu geben in der Lage bin. Heute schwimmen zu können bedeutet morgen Grund zu finden. Halt, der weit über die den Hurenlohn der „richtigen Haltung“ hinausreicht.

Es sind solche Menschen, die nach dem Tsunami tausend Chancen sehen werden, anfangen, zupacken, zurückholen, aufbauen. Sie und nicht jene, die heute von Teilhabe schwafeln und Schmarotzertum meinen, Würde ins Spiel werfen als wär’s eine Kompetenz und aus den Neidkloaken heraus nach Gerechtigkeit brüllen. Sie werden dann keine Stimme mehr haben. Und keinen mehr, der sie beweint.

Im Schatten von Terror, „Tatort“ und Trump

Sagt Ihnen der Name Alexei Kireyev etwas? Nein? Mir bis vor ein paar Stunden auch nicht. Jetzt schon. Alexei Kireyev ist Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds (IMF) und  Verfasser des Arbeitspapiers „WP 17/71“. Obwohl das 26seitige Dokument klar als IMF-Working Paper deklariert wird, findet sich als erstes der Hinweis darauf, dass es ausschliesslich die Meinung des Autors und nicht die des IMF oder seines Kaders wiedergebe. Des weiteren handle es sich dabei um keine Empfehlung vonseiten des IMF, sondern diene ausschliesslich dem Zweck, die Debatte zur behandelten Thematik anzuregen. Oder anders gesagt: Der Mitarbeiter einer internationalen unnützen überteuerten und US-dominierten Korpokratiemonsters verfasst ein Arbeitspapier für ebendiesen Arbeitgeber, der sich als erstes von dem Papier und seinem Inhalt distanziert. Aber das sind Petitessen – weiter im Text. Der Titel: Die Makroökonomie des De-Cashing. Zu deutsch: Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Bargeldabschaffung.

Nun könnte man sagen, solange „die da oben“ sich in den Sphären gesamtwirtschaftlicher Auswirkungen bewegen, ist jede Art von Alarmismus verfrüht, die Bedrohung ein rein theoretische, da Lichtjahre von meiner Brieftasche und meinem täglichen Einkauf entfernt. Die Sache ist allerdings die: Der Titel täuscht. Was daherkommt wie trockenste zahlenlastige Sektorenanalyse für Finanzwissenschaftler, ist in Wahrheit ein handliches Argumentarium. Süffiges PR-Material für den Finanzlaien. Denn: Wo der angesprochenen Leserschaft erklärt werden muss, was Bargeld ist und was Buchgeld, wie der Gesamtgeldbestand einer Volkswirtschaft sich zusammensetzt, in welchem gesamtwirtschaftlichen Rahmen er zu betrachten ist und wie beispielsweise der Leistungsbilanzsaldo eines Landes zustandekommt, kann es sich bei dieser nicht um Experten handeln.

Aber auch die Vorgabe der Neutralität lässt sich nicht halten. Die Ansage von wegen man wolle Vor- und Nachteile der Bargeldabschaffung aufzeigen erledigt sich spätestens an jener Stelle,  an der die Verhinderung von Illegaler Migration und Klimaerwärmung ernsthaft als positive Auswirkung der Bargeldabschaffung dargestellt werden und wo erklärt wird, die Leserschaft werde der Einfachheit halber von Erkenntnissen neuester De-Cashing-Experimente wie jenem in Indien verschont.

Zuerst präsentiert das Papier die „jüngsten Trends des De-Cashing“ aufgrund von Studien, die in Österreich, Deutschland, Kanada, Frankreich, in den Niederlanden und den USA realisiert worden sind. Spätestens damit ist klar: Die Sache läuft längst im Schatten der Hyperaktualität von Terror, „Tatort“ und Trump. Solche Untersuchungen wären ohne klares Ziel weder notwendig noch sinnvoll. Von einem „Trend in Sachen Bargeldabschaffung“ könnte bei etwas, das noch nicht begonnen hat und noch nicht aufgegleist ist, nicht die Rede sein.

Es folgen ein paar Zahlen zur Bargeldnutzung der Bevölkerung von Deutschland und den USA, Hinweise auf bereits umgesetzte oder geplante Massnahmen verschiedener Reigerungen, sowie etwas VWL-Klimbim. Dann mit Volldampf auf die Zielgerade. Von da an ist „WP 17/71“ die reinste Werbe- und Motivationsbroschüre, deren Hauptbotschaft in einem Nebensatz liegt: „Die einzige nützliche Funktion des Bargelds, die mit seiner Abschaffung verlorengehen würde, wäre jene als Crash-Indikator.“

Damit ist eigentlich alles gesagt: Sowohl für die Verfasserschaft des Papiers, als auch für dessen Leserschaft ist Bargeld im besten Fall unnütz, eher hinderlich. Weder Grundrechte des Bürgers – Vertrags- und Eigentumsfreiheit – noch dessen Privatsphäre sind positive und schützenswerte Dinge. Im Gegenteil – es wird empfohlen, optimalerweise zusammen mit den grossen Wirtschaftsakteuren, eine breite öffentlichkeitswirksame Überzeugungs-Kampagne zu starten, um diese Dinge zu marginalisieren, vergessen zu machen und das bargeldlose Leben zu propagieren. Gleichzeitig wird zur Umsetzung flankierender Massnahmen in Form eines unverdächtigen und weitestgehend schon heute „unbestrittenen“ (da nur die „Reichen“ betreffend – soweit sind wir schon!) Anreiz- und Motivationssystems geraten: Beschränkungen für Bargeldzahlungen, Abschaffung grosser Banknoten, Kapitalverkehrskontrollen, hohe Besteuerung für Bargeldtransaktionen, Einführung von Melde- und Deklarationspflichten, und so weiter und so fort. Für Sie und mich, die cashmässigen Neandertaler der Strasse, die für mindestens 70% ihrer Transaktionen immer noch Bargeld verwenden, sind zwecks Vorurteilabbaus spielerische Umgewöhnungs-Aktionen wie jene, dass in einem ersten Schritt beispielsweise Kaffee nur noch mit dem Handy bezahlt werden kann, angedacht. Die lustige Verknappung von Bargeldautomaten und die Schliessung von Bankfilialen können ebenfalls positiv unterstützend wirken. Wir weden sowas von Spass haben!

Der Rest ist Preis- und Lobgesag: Die Enteignung der Bürger via Negativzinsen als „Mainstream-Politikoption“ wird zum hocheffizienten Kinderspiel, die Einsparungen von Transaktionskosten werden das BIP explodieren lassen (2 – 2,5%), die Zentralbanken werden dank Wegfalls von Waren-, Produktions- , Personal- und Trasportkosten zu Horten nationalen Reichtums, Schwarz- und Grauwirtschaft werden abgeschafft und die Steuererhebung massiv verbessert (allein die Abschaffung der 100-Euro- und Pfund-Noten würde das Steuervolumen um 100 Milliarden vergrössern). Sie und ich werden dann nicht länger von Kriminalität geknechtet und geprellt, das Klima wird sich dank massiver Papiereinsparungen sofort erholen und die illealen Migranten, die, wie jeder weiss, ausschliesslich zu uns kommen um sich den Allerwertesten bei härtester Schwarzarbeit aufzureissen, werden ausbleiben. Und das beste zum Schluss: Wer so Schritt für Schritt vorgehe, die Menschen sanft an das Neue gewöhne, riskiere keine Demonstrationen, Protest-Spaziergänge oder gar soziale Unruhen und findet sich am Ende optimalerweise in der komfotablen Situation, dass die notwendige Verfassungsänderung, die für die definitive Abschaffung des Bargelds notwendig ist, nur noch eine Formalität ist.

Bis dahin, so wird empfohlen, sollten Häuslebauer, Selbständigerwerbende, Freiberufler und sonstigen Tausch- und Alernativ-Handelsaffinen im Auge behalten und weiter „untersucht“ werden. Vor Ersatz- und Leihwährungen und vor Tauschhandel wird ausdrücklich gewarnt. Drigend wird ausserdem noch angeraten, die Sache im Fall von Währungsräumen nicht den Nationen zu überlassen, sondern sie supranational koordiniert durchzuziehen.

Eine der Zielsetzungen des Papiers ist in meinem Fall erreicht worden: Ich fühle mich nach der Lektüre von „WP 17/71“ ausgesprochen debatierfreudig. Ausserdem ein weiteres Mal motiviert, ungefragt den immerselben Rat zu geben: Ein paar Gramm Gold und Silber in kleinstmöglicher Stückelung können nicht schaden.