Was einzig zählt

 „Wenn Menschen friedlich miteinander leben wollen, müssen sie das Prinzip anerkennen, dass jeder Mensch Rechte hat, die andere Menschen nicht verletzen dürfen; dass der Mensch das Recht hat, für sich selbst zu leben und sein eigenes Glück zu suchen; dass er ein Selbstzweck und kein Mittel zum Zweck für andere ist – für niemand anderen, sei er nun groß oder klein, stark oder schwach; nicht als Kanonenfutter und nicht als Arbeitsdrohne für den Feudalherren, den König, den Kaiser oder die Kinder von Sozialhilfeempfängern.“ Ayn Rand

Was kommt als nächstes?

Gegen die Wand geschrieben – von Franz Bettinger

Wer hätte sich das gestern vorstellen können: den Verfall unsrer unabhängigen Medien, die Gleichschaltung und Entmachtung des Parlamentes, das Verschwinden jeglicher Opposition, die totale Missachtung von Gesetz und Verfassung? Diesen Putsch von oben? Was kommt als nächstes? Die Aufnahme der Türkei in die EU? Nur, weil wir unsere Grenzen nicht dicht machen wollen? Saakaschwili’s Georgien und Mazedonien in die NATO? Die Abschaffung des Bargeldes? Gestern noch eine Verschwörungs-Theorie, und heute? Wird das Abitur bald den Volksschulabschluss ersetzen? Wird Deutschland doch noch zum atomaren Kriegsschauplatz? Unvorstellbar? Ihr seid noch jung genug, um euch noch mal schwer zu wundern, wenn’s glühend heiß und hell um euch wird.

Das deutsche Volk, mein Volk, wundert mich immer mehr. Ein Volk von Armleuchtern, die am Rande ihres Grabs noch ein Bäumchen pflanzen. Ein Volk, das es nicht besser verdient. Es applaudiert wie der französische Adel 1789 den eigenen Henkern. Sogar die Kirchen ziehen – wie stets an der Seite der Macht – fröhlich mit in den Untergang. Zumindest ihre Schäfchen. Die Selbsterledigung der BRD ist der größte Treppenwitz der Geschichte. Fällt euch nichts auf? Die Brainwash-Veranstaltungen unserer Talkshows, wo eine vier- gegen-eins-Gewichtung als ganz normal, als hart aber fair erachtet wird? Die Atomisierung aller höheren Werte ist so gut wie abgeschlossen. Alles ganz demokratisch. Gut, dass ich keine Nachkommen habe. Mein Rennen ist längst gelaufen. Viele EU-Staaten stehen übrigens geschlossen auf der Seite von Pegida und AfD. Sie stellen sich gegen Merkel. Europa ist nicht als Ganzes bereit, den  Amoklauf des deutschen Gutmenschen mitzumachen.

Na ja, alles schon mal da gewesen. Auch die geistigen Höhenflüge und die Erhabenheit der römischen und griechischen Antike endeten amerikanisch, will sagen: in der geistigen Enge des dunklen Mittelalters. Da sage noch mal einer, Geschichte wiederhole sich nicht. Rudi Dutschkes Marsch durch die Institutionen war erfolgreich. Damals bin ich selbst blauäugig einäugig mit-marschiert und habe dumme Parolen gebrüllt. Aber nicht sehr lange. Ich habe meinen Eltern und Verwandten, die ich trotz ihrer fortgesetzten Existenz im Dritten Reich für keine schlechten Menschen hielt, Löcher in den Bauch gefragt und konnte mir dennoch nicht erklären, wieso die Nazis von 90% der Bevölkerung bejubelt wurden, trotz so unsäglicher Maßnahmen wie den Nürnberger Rasse-Gesetzen. Heute kann ich es: nicht verstehen, aber erklären.

Wir führen das Kunststück gerade wieder auf. Wir treten mit dem Pathos und Selbstbewusstsein eines Weltverbesserers für unsere ‚gute‘ Sache ein, und wieder wollen wir alle anderen zum Mitmachen verpflichten. Merkel und Brüssel nennen es Solidarität und meinen Kadavergehorsam. Gott sei Dank zeigen uns andere EU-Staaten den Vogel. Es kommt bloß nicht im Fernsehen. Deshalb weiß man nichts davon und reibt sich die Augen, wenn im Ausland darüber berichtet und diskutiert wird.

Ich schreibe gegen die Wand. Mein Tun ist so unnütz wie einem Ochsen ins Horn zu kneifen. Mangels IQ bleibt den Merkelschen Horden und den angegliederten grünen Neu-Faschisten nur das Mittel der Diffamierung und Ausgrenzung Andersdenkender. 12% sind immerhin  aufgewacht. In Frankreich sind es bereits mehr. Vielleicht werden es auch hier rechtzeitig noch mehr. Hierin liegt die einzige Hoffnung – dem Spuk mit friedlichen Mitteln noch ein Ende zu bereiten. Mehr als ein Funke ist es nicht.

Worüber im Wahlkampf einstimmig geschwiegen wird

Frankreich hat bereits gewählt. Von 100 Franzosen haben 11 Emmanuel Macron und EU-Integration mit Schubreserve gewählt. Das ist Demokratie. Als nächstes stehen die Wahlen in Deutschland an, wo gerade die heisse Phase des sogenannten Wahlkampfs anläuft. Egal, ob man das Prozedere, im Zuge dessen die Bürger das Recht haben, für Kandidaten stimmen zu dürfen, die andere im Vorfeld für sie ausgewählt haben, Demokratie oder Selbstentmündigung nennt: Als Zwangsmitglied eines Schauspielhauses – egal, ob hineinfinanziert oder hineinbeschissen – macht es Sinn, sich nicht vorrangig um die Grabenkämpfe zwischen den Ensembles oder gar die Intrigen innerhalb letzterer zu kümmern, sondern einen Schritt zurück zu nehmen und sich dem Management zu widmen, das über Spiel- und Besetzungspläne der nächsten Saisons entscheidet.

(Polit-)Darsteller können jederzeit in die Wüste geschickt und ersetzt werden. Sollte es Probleme geben, dann ist anzunehmen, dass man eher zu solchen Mitteln greifen wird, als dazu, das Management zu entlassen und das Gebäude abzufackeln.  Es ist ratsam, die parteipolitischen und medial aufbereiteten Veitstänze in aller Ruhe beiseite zu schieben und sich ganz dem Etablissements zu widmen, in dem die Show abgezogen wird.

Übertragen auf die Deutschen innerhalb der EU und vor den Wahlen heisst das, sich vermehrt mit der EU und den Zukunftsvisionen ihres Personals zu befassen. Das im März publizierte „Weissbuch zur Zukunft Europas“ bietet sich als Ausgangspunkt an.

Das Vorwort von Jean-Claude Juncker, eine Art EU-Römerbrief, in dem eine seichtsentimentale Brühe von Frieden und Freundschaft (bezeichnenderweise nur zwischen den Staatschefs), Errungenschaften, Herausforderungen, Träumen und Chancen eines vereinten, selbstbewussten und zuversichtlichen Europas angerichtet wird, ohne den Leser dabei mit Details der Zubereitung zu belästigen, kann getrost übersprungen werden. Dass der Präambel ein Zitat Robert Schumans folgt – zusammen mit Jean Monnet als Gründervater der EU und als Befürworter eines zentralen bürokratischen Managements mit Ziel USE gefeiert (sein Heiligsprechungsprozess ist seit 2004 beim Vatikan anhängig) – ist da schon bezeichnender. Aber geschenkt – weiter.

Auf den kommenden Seiten wird bestätigt, was Juncker vorsingt: Alles Gute, das in unseren Breitengraden während der letzten 60 Jahre geschaffen, erlebt und genossen werden konnte, verdanken wir der EU. Egal, ob wirtschaftliche Prosperität, Wohlstand, Innovation, Forschung, Bildung und natürlich Frieden – ohne die EU gäbe es das alles nicht. Der Grund, warum die anhaltenden Probleme – Stichworte Jugendarbeitslosigkeit, Populismus, Ungerechtigkeit zwischen Geschlechtern und sozialen Schichten, wirtschaftliche Ungleichgewichte – noch nicht gelöst worden sind und die EU noch kein Hort reiner Glückseligkeit ist, findet in bedauerndem Ton und  in einem Nebensatz Platz: „Trotz vieler hochrangiger Gipfeltreffen und hilfreicher EU­-Fördermaßnahmen liegen die Handlungsinstrumente und ­-befugnisse doch weiterhin bei den nationalen, regionalen und lokalen Regierungen.“ Fast fühlt man ein wenig Mitleid mit den gutmeinenden Zentralisten.

Dieser Einsicht folgen fünf Szenarien für die Zukunft Europas. Ideen, die in den kommenden Monaten im Rahmen einer Debatte, die den „ganzen Kontinent einbezieht“ weiterentwickelt und anlässlich der Rede zur Lage der Nation – pardon! – Union Jean-Claude Junckers im September – um seine „persönlichen Vorstellung zur Zukunft Europas erweitert“ – dargelegt werden sollen. In Kürze:

Szenario 1: Weiter wie bisher. Konzentration auf die Umsetzung der positiven Reformagenda. Kontinuierliche Vertiefung der Zusammenarbeit im Bereich Binnenmarkt, Digitalisierung, Energiepolitik, Verteidigung, Terrorismusbekämpfung, Grenzschutz und Aussenpolitik. Nachteil: Es droht schwere Fassbarkeit in der Beschlussfassung – oder anders gesagt: Die Sache geht nicht schnell genug.

Szenario 2: Schwerpunkt Binnenmarkt. Der Binnenmarkt wird zur Hauptdaseinsberechtigung der EU. Nachteil: Es drohen Unterschiede, die dazu führen, dass Freizügigkeit und freier Dienstleistungs-Verkehr nicht mehr gewährleistet sind. Neu auftretende gemeinsame Probleme „müssen bilateral gelöst werden“. Bilaterale Verträge zwischen souveränen Staaten sind sehr lästig für eine Behörde mit Durchregierungs-Anspruch.

Szenario 3: Wer will tut mehr. Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten. Die EU macht weiter wie bisher, gestattet interessierten Mitgliedern jedoch, sich in bestimmten Bereichen zu gruppieren. So etwa bei der Verteidigung, der inneren Sicherheit und Justiz, Steuern und Soziales, oder bei der Schaffung eines gemeinsamen Rechtsraums für Zivilsachen. Es entstünden so bereichsbezogene Koalitionen der Willigen. Nachteil: Es drohen in der Folge allerdings Unterschiede bei den Bürgerrechten. Nur in jenen Ländern, die „mehr wollen“ wird sich die Kluft zwischen den Erwartungen der Bürger und den Ergebnissen schliessen. Die anderen, die nicht mitmachen, sind die Abgehängten. Wer will das schon.

Szenario 4: Weniger, aber effizienter. Konzentration auf ausgewählte Themen wie Verteidigung, Handel oder Grenzschutz. In anderen Bereichen, etwa dem Konsumentenschutz oder der Gesundheitspolitik, würde die Harmonisierung auf ein Minimum zurückgefahren. Was gut klingt, entpuppt sich als Fake. Erstens: Hat jemals einer, der noch einen Puls aufweist, es je erlebt, dass eine Bürokratie sich freiwillig beschneidet, verkleinert und effizienter wird? Eben. Und zweitens: Bei den „ausgewählten Themen“, auf die man sich konzentrieren will, handelt es sich um fast alle bisher von der EU-beackerten Felder: Innovation, Handel, Sicherheit, Migration, Grenzmanagement, Verteidigung, Forschung, Entwicklung, Dekarbonisierung und Digitalisierung. Mit einem kleinen Unterschied:  „In den auf EU-­Ebene geregelten Bereichen wird die Einhaltung der Vorschriften allerdings durch größere Durchsetzungsbefugnisse gewährleistet.“ Wir ziehen uns erst mal aus ein paar Bereichen zurück, was Jahrzehnte dauern wird, und gönnen uns stattdessen die Macht und die Möglichkeit, in den wirklich wichtigen Bereichen ohne Störung durchsetzen zu können, was wir als gut und richtig erachten.

Szenario 5: Viel mehr gemeinsames Handeln. Oder, wie das EU-Papier es vorgängig nennt: “ ein gemeinsamer Sprung nach vorn“ (Assoziationen zu anderen Sprüngen mit der verheerenden Wirkung von hundert Stockwerken Schwerkraft für Millionen von Menschen, sind rein Zufällig). Ein flächendeckender Integrationsschub mit fast ausschliesslich positiven Effekten: „Es wird wesentlich mehr und schneller auf EU­-Ebene entschieden. Die Bürgerinnen und Bürger genießen mehr Rechte, die sich direkt aus dem Unionsrecht ableiten lassen.“ Kurz: This is the real Thing. Alles andere ist nur halbgut oder schlecht.

Was sie Funktionärsheere in Brüssel und in den Mitgliedstaaten wünschen liegt auf der Hand. Es sind dieselben Leute, die einem Papier zufolge, das Reuters vorliegt, die gesetzlichen Grundlagen zur Sperrung sämtlicher Konten zur Verhinderung eines Bank-Runs, zu schaffen wünschen. Und es sind dieselben Leute, die via EZB und via Rechts- und Regelbruch nicht nur Staatsfinanzierung betreiben, sondern ganz klar auch Staatspolitik, wie die Société Générale jetzt aufgrund der Handlungsmuster bei der Umsetzung des EZB-Anleihekaufprogramms, festgestellt hat. Dies, um nur zwei Beispiele aus der vergangenen Woche zu nennen. Dass im ersten Fall kein einziges grosses Medium über diesen gewünschten Schritt zur Einschränkung der Eigentumsrechte (die Enteignung ist dann nur noch einen Knopfdruck weit weg, wie wir seit Zypern wissen) berichtet hat, und dass, was Beispiel zwei anbelangt, sich auch nur einige bemüssigt fühlten, die Leserschaft damit zu belästigen sagt über die Präferenzen der naturgemäss staatsnahen Medienhäuser bereits einiges aus.

Dass aber keine einzige Partei mit Ausnahme der AfD und – in Ansätzen – der FDP im Wahlkampf dazu Stellung nimmt, überhaupt klar Stellung nimmt zu ihren konkreten Ideen und Plänen betreffend die EU und ihre Weiterentwicklung – es sei denn in pilcherschem Sonntagsfilm-Pathos à la „starkes, gerechtes, soziales, nachhaltiges, dynamisches und selbstbewusstes Europa“ und ohne Erwähnung der Finanzierbarkeit –  spricht Bände und sollte den einen oder andere Moment realitätsnaher Panik bei den Bürgern auslösen.

Denn hier, in der Beziehung des Nationalstaats zur demokratisch nicht legitimierten Zentrale in Brüssel wird über die Zukunft, unsere Zukunft als Individuen und Bürger entschieden. Über die Handlungsmöglichkeiten eines jeden Landes bei sämtlichen brennenden Themen. Darüber, ob wir auch weiterhin freie Bürger freier Staaten, oder bloss noch Konsumbürger von Verwaltungs-Einheiten sein werden, die nur noch dem Markennamen nach bestehen und – überwuchert von bürokratischen Netzwerken – von den Zentrale aus gemanagt werden. Kurz: Hier wird über unsere künftige Freiheit entschieden, über unser Eigentum und Recht.

Was nun AfD und FDP betrifft: Erstere ist wie alle anderen im Wahlkampf. Sie ist Partei, wie alle anderen. Sie will an die Macht und an die Töpfe wie alle anderen. Polit-Versprechen sind die wässrigste Währung der Welt. Letztere, die ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten fordert, hat in jüngster Vergangenheit sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland vor allem einen Eindruck hinterlassen: Jenen, dass die verschiedenen Geschwindigkeiten sich ausschliesslich auf sie selber, beziehungsweise auf ihre faszinierende Vielfalt an Tempi, mit denen sie sich an die jeweiligen Macht-Gegebenheiten anzupassen in der Lage ist, beziehen.

Zu wählen hiesse, an Wahlen zu glauben. Und es hiesse vor allem, dass der frei Wählende tatsächlich eine Wahl hätte zwischen realen Möglichkeiten in Bezug auf die entscheidenden Themen seiner Zukunft und der seiner Kinder. Davon und vom einstimmigen Schweigen der Parteien zum wichtigsten Thema überhaupt ausgehend, kann, was am 24. September in Deutschland veranstaltet wird, nicht als Wahl bezeichnet werden.

Das Ende dieser sich wiederholenden Inszenierung, das früher oder später notwendigerweise eintreten wird, wird nicht einmal mehr Demokratie genannt werden können. Es bleibt jenen, die ihre Fersen mit aller Kraft gegen die verwaltete Knechtschaft und in den Grund der Freiheit stemmen, die Rezepte des Managements auf sich selber anzuwenden: „Schliesst, die ihr zusammengehört, den Kreis fester“ (Schuman). Freiwillig, nicht demokratisch. Es sind wenige genug.

 

 

 

 

 

 

 

Sterbenden Auges sieht man besser. Vielleicht.

Fragment von Roi Henry

Mich nennen einige Aussteiger, obwohl ich mich als Einsteiger sehe. Das ist der ganze einfache und dämliche Witz.

Ich bin eingestiegen in den Glauben, in die Fremde und die Ferne, die mehr Nähe ist. Und jetzt auch ins Sterben. Letzteres hat mit einem anhaltenden schmerzhaften Hustenanfall begonnen. Quasi über Nacht. Das Schlimmste befürchtend bin ich zum Toubib gegangen – das heißt hier etwa soviel wie Onkel Doktor. Der schickte mich zum Röntgen. Jetzt ist es sogar das Allerschlimmste, ein Lungenemphysem, was irgendwann in Ersticken endet. Irgendwann ist in diesem Falle eines der dümmsten Füllwörter überhaupt, aber so kenne ich mich. Sei’s drum. Nun reiht man sich also ein. Man hätte es früher wissen können. Alles. Zurück auf Anfang. Vielleicht wird das hier eine Art fröhliches Sterbetagebuch. Fröhlich aus Dankbarkeit. Noch nie war der Blick zurück so deutlich in die Zukunft gerichtet. Ich kann gar nicht anders. Ich bin dankbar für den Weg bis hierhin, denn von hier aus geht es weiter.

Aber dazu wollte ich eigentlich gar nichts notieren, sondern hierzu: Frankreich liegt mir nicht so nahe, wie mancher glauben möchte, weil ich an der französischen Atlantikküste lebe. Mir liegt Deutschland nahe, obwohl ich es seinerzeit nicht mehr ertragen konnte. Ich kann es hier im Exil aber fast noch weniger ertragen. Ich mag nicht zusehen, wie das Land siecht und vor die Hunde geht. Siechen ist ein fürchterliches Wort. Aber es passiert. Und man kommt nicht daran vorbei, sich mit denen zu beschäftigen, die dafür verantwortlich sind. Natürlich ärgert sich der Deutsche auch über sich selbst, aber daß er nicht einmal mehr Reste oder einen Funken Ehrgefühl in punkto Freiheit, Selbstbestimmung, Nationalstolz und Integrität besitzt, kann ich nicht verstehen. Verdauen schon gar nicht.

Deshalb würde ich es wieder machen. Weggehen. Auch wenn es schwerfällt, sein geliebtes Land, die Heimat zu verlassen. Aber zurück ins Reich? Das sei fern! Ich schlafe lieber arm und ehrlich an einem warmen Strand, als mich gemein zu machen mit dem, was ich verachte. Ich würde es immer wieder tun, auch weil ich nicht weiß, wie man allein gegen einen Moloch gewinnen kann. Ich habe viel versucht. Gespräche frontal, meine Stellung ausgenutzt. Man sieht weg. Und dem System ist es egal, wie es uns geht. Es lacht hämisch über alle, die was anderes glauben. Mir wird es nie egal sein, und ich werde da sein, wenn es darum geht, dem zunehmend zahnlosen, aber brutalen Goliath in den Arsch zu treten. Aber bis dahin wird wahrscheinlich soviel Zeit vergehen, in der ich auch getrost sterben kann.

Was ich eigentlich sagen wollte. Die Freiheit, das zu tun, was man will, was man kann, die Freiheit, auch einmal sagen zu können: „Ich weiß nicht“, und die Freiheit, sich so zu fühlen, wie man es mag, und trotzdem das in den eigenen Augen Richtige zu tun an einem Ort, den man liebt, zu einer Zeit, die man schätzt, egal, der Wunsch, frei zu sein, zu werden, zu bleiben, ist Menschenrecht, einziges Menschenrecht und dafür würde ich sterben. Aber selbst mit dem Sterben möchte ich niemandem schaden. Kann ja sein, daß er es bedauert, mich an die Freiheit verloren zu haben. So einen Konflikt würde ich dann gerne wieder zu lösen versuchen. Weitermachen. Es bleibt wunderbar spannend.

 

 

 

Merkels Urschrei

Nach der Wahl – von Franz Bettinger und Volker Richter

24. September 2017. Die Wahl ist gelaufen.
CDU/CSU 37 %, SPD 19 %, AfD 15 %, Linke 12 %, FDP 9 %. Die Grünen sind raus (4 %).
Jubel in den Wahllokalen. Die Absprachen laufen auf Hochtouren, die Grünen Amok.

Es gibt keine Mehrheits-Koalition. Man beschließt: Es wird im Bundestag erstmals zu wechselnden Mehrheiten kommen. Die Medien loben die Demokratie. Frau Merkel wird zur Kanzlerin gewählt. Alle sind sich einig: Keinen Meter der AfD, denen dann auch ganz rechts außen die Sitze zugeteilt werden und bei deren ersten Reden man den Saal verlässt. Merkel hat den Bundestag im Griff. Alles wie immer.

Bayern beginnt, sich auf die neue La Ola-Welle vorzubereiten. Italien und Österreich sichern zu, jeder ‚Flüchtling‘ könne über den Brenner, falls er nach Deutschland weiterreist. Altmaier erklärt, natürlich werde es zu einer Verteilung in Europa kommen, er sei ganz sicher. Schweden lehnt ab, Frankreich schüttelt sich. Die Oststaaten drohen, die EU zu verlassen.  Deutschland ist allein. Aber:

Ein Urschrei geht um den Globus, lauter noch als zuvor. „Welcome to Germany!“  Merkels Urschrei dient Tausenden als Signal zum Aufbruch in den heiligen gehassten Westen, in sein Warenlager, um möglichst nahe am pulsierenden Busen der Moderne zu sein. Hier winkt ein mit Lust, Laune, Spaß und Sex und wenig Arbeit erfülltes Leben, für das Millionen bereit sind, ihre Religionen, Identitäten und Kulturen aufzugeben. Aufgeben? Ach was! Nicht mal das muss man. Nichts braucht man aufzugeben. Deutschland ist ja bereit, sich selbst aufzugeben. The american way of life mal anders.

Merkel lobt die Zivilgesellschaft, die schon einmal vorbildlich geholfen habe. Diesmal aber finden sich kaum Helfer, und so füllen sich die Turnhallen. Wohnraum ist knapp. Der erste Schritt der Regierung ist, freien Wohnraum zu requirieren. Der zweite Schritt ist, den zur Verfügung stehenden Wohnraum zu erfassen und jedem Haushalt eine Zahl Migranten zuzuweisen. Alte, die in zu großen Häusern wohnen, werden in Heime umquartiert. Wer sich wehrt, bekommt es mit dem neuen Gesetz zu tun. Renitentere Bürger bekommen Besuch von Schwarz-Vermummten, die so ihren Lebensunterhalt aufbessern.

Die AfD bekommt noch immer Prügel, doch ihre Umfragewerte steigen unaufhörlich. Man überlegt, die AfD zu verbieten. Die verschärften Russland-Sanktionen zeigen Wirkung. Nein, nicht in Russland. In Deutschland. Energie wird noch teurer. Die Auto-Industrie bricht ein. Die willkürlichen Abgas-Standards verschlingen Milliarden. Die Manager verzichten auf nichts. Asiatische Autofirmen steigern ihre Umsätze. Die deutsche Wirtschaft macht schlapp, aber nicht die Nafris. Jeden Tag gewinnt Deutschland 3.000 Neubürger. Merkel bekommt den Friedens-Nobelpreis.

Die Automobil-Firmen entlassen Leute, die Arbeitslosigkeit steigt – die Ausländer gar nicht mitgerechnet. Kleine Unternehmen und Zulieferer müssen die Segel streichen. Damit fällt Gewerbesteuer in Milliardenhöhe aus. Die Kommunen kommen nicht mehr mit dem aus, was sie haben. (Das ist ihnen ja bereits zu Zeiten sprudelnder Einnahmen nicht gelungen.) Hausbesitzer geben ihre Häuser auf, sie können weder Steuern noch Abgaben bezahlen und so auch nicht mehr ihre Kredite.

Wohnraum wird immer noch gebraucht, und so kaufen türkische „Gesellschaften“ Häuser und vermieten sie an den deutschen Staat, denn noch immer kommen jeden Tag 3.000 Menschen neu an, mittlerweile fast nur noch moslemische Afrikaner. Viele Deutsche leben nun auf der Straße. Sie werden für ihre Lage selbst verantwortlich gemacht. Die Selbstmordrate steigt an, die Kriminalitätsrate ebenfalls, beides enorm, aber in den Zeitungen liest man nichts darüber. Da kommt eine Kugel geflogen und trifft. Es ist fast egal, wen sie trifft. Diese eine Kugel ist jedenfalls eine zuviel. Sie verändert alles.

So, das war der leichtere Teil unserer Zukunft. Den sich daran anschließenden erspare ich euch. Glückwunsch, wir haben noch nicht den 24. September. Ihr habt die Möglichkeit, mit eurer Wahlentscheidung noch etwas zu ändern. Die erste erfolgreiche Alternative für Deutschland waren Luther’s Protestanten. Sie wurden den Papst los. Und wir? Werden wir Merkel los, bevor ein neuer 30-Jähriger Krieg tobt?

Terrorismus? Nein – Völkermord.

Man kann das Wort Terrorismus kaum mehr hören. Umso mehr tut Not, sich damit zu befassen. Und man stellt fest: Was hier und anderswo passiert, hat mit Terrorismus nur in Bezug auf die Wahl der Mittel zu tun. Was in Wahrheit geschieht ist die Fortsetzung eines Völkermords, der andernorts längst stattfindet. Warum.

Ein klassischer Terrorist hat ein politisches Motiv, egal wie krank es auch sein mag. Stefan Frank (factum) liegt richtig, wenn er schreibt, die Ermordung von Christen und Juden diene keinem solchen Zweck – sie sei der Zweck. Christen und Juden werden von Muslimen ermordet, weil sie nicht Muslime sind. Kinder und Jugendliche werden ermordet, weil sie und die Kinder, die sie haben könnten, nicht Muslime sind.

Ein Völkermord liegt gemäss UN-Kriterien dann vor, wenn unabhängig von der Anzahl der Opfer und von der zeitlichen Dauer, über die hinweg dies geschieht, Mitglieder einer bestimmten Gruppe getötet werden, ihnen körperlicher oder seelischer Schaden zugefügt wird, ihnen erschwerte und zerstörerische Lebensbedingungen auferlegt, Massnahmen zur Geburtenverhinderung (Tötung von Jugendlichen) umgesetzt und Kinder zwangserzogen werden. Mithin das, was Christen in Ägypten, Pakistan, Nigeria oder Kenia passiert, was Juden in arabischen Ländern seit Jahrzehnten erleiden.

Also hören wir auf mit dem Geschwafel, von wegen, Muslime schlügen nur zurück und wehrten sich im politischen Sinn mit terroristischen Mittel für das, was „der Westen“ ihnen angetan habe oder kämpften um die Teilhabe an unserem unverdienten Wohlstand. Spätestens, wenn man die medial nicht stattfindenden und von unseren Kirchen relativierten Christen-Schlachtungen in muslimischen Ländern und die seit 1400 Jahren währende innermuslimische Misere mit einbezieht, zählt solches Argumentieren nicht mehr. Europäer und andere Menschen christlichen, jüdischen und anderweitig falschen Glaubens werden auch künftig nicht dafür dahingemetzelt werden, was sie oder ihre Väter getan haben oder tun (dann nämlich, wäre ein vernunftbasierter Dialog möglich), sondern ausschliesslich dafür, was sie sind: Ungläubige im Sinne des Korans.

In Europa kann man heute nicht Terrorismus beobachten, sondern die ersten Ausläufer des seit Jahrzehnten stattfindenden und schleichenden Genozids. Es spricht zurzeit nichts dafür, dass wir um das grosse Gewitter herumkommen. Mit geschlossenen Augen den eigenen Befindlichkeiten und den Politikern folgend lebt es sich eben bequemer.

Frohe Kunde aus Frankfurt

Dass Unternehmen seit jeher Geschichten erzählen, Metaphern und Märchen in Wort und Bild packen – sei es zur internen Kommunikation oder jener mit dem Kunden, sei es zur Vermarktung ihrer Produkte – weiss jeder. Dass diese Methode heute als Storytelling bezeichnet und als Story der Stunde gefeiert wird, ändert an der Sache nichts. Was dem freien und risikotragenden Unternehmer von Gläubigen jeder Art Staatsreligion allerdings gerne und ungeachtet der Tatsache, dass Kunden nie Opfer, sondern Entscheidungs- und Verantwortungsträger sind, als Verführung angekreidet wird, sieht im Fall der Medien ganz anders aus. Weitgehend und mehrheitlich wird ignoriert oder in Kauf genommen, dass hier, anstatt trocken, klar und hart über die Wirklichkeit zu berichten, einer übergeordneten und alternativlosen Wahrheit zugedient wird. Storytelling als Existenz-Legitimation. Deutung statt Daten, Fake statt Fakten, Emotion statt Information.

Seit geraumer Zeit gilt das auch für die Europäische Zentralbank, EZB. Indes – ihre neueste Story von dieser Woche sucht ihresgleichen. Sie geht dermassen unter die Haut und ist von einer Erbaulichkeit und Froheit, die nur eine Reaktion zulässt: Dokument ausdrucken und überall im Haus verteilen. Die Rede ist vom Wirtschaftsbericht 05/2017. In Unterkapitel 3 der Rubrik „Kästen“ befassen sich die Frankfurter Währungshüter (ja – sie dürfen lachen) mit dem Thema Null- und Negativzinsen. Fazit und vom Mainstream gross aufgemachtes Happy-End: „Mit Blick auf das Euro-Währungsgebiet insgesamt haben sich die niedrigeren Zinssätze positiv auf das Nettozinseinkommen ausgewirkt.“ Die Zinsfalle ist ein Märchen. Sorge dich nicht.  Lies die Schlagzeile und glaube. Alles andere ist falsch, Lüge, Fake. Auch der Negativ-Ertrag auf deinem Sparkonto. Oder anders gesagt: Wenn einem Zinsertrag von 1.50 Euro Spesen, Gebühren und Steuern von 25 Euro gegenüberstehen, dann ist das „insgesamt positiv“.

Das Problem: Die Schlagzeile vermag nicht einmal richtig zu täuschen, wie die EZB indirekt auch selber einräumt. In der Folge wird die Jubelaussage nämlich gleich wieder relativiert wenn da steht: „… wird ersichtlich, dass sich die niedrigeren Zinsen – mit Blick auf das Eurogebiet insgesamt – positiv auf das Nettozinseinkommen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften und des Staates, aber negativ auf das der finanziellen Kapitalgesellschaften auswirkten. Bei den privaten Haushalten (allen voran den  deutschen, A.d.V.) war der Effekt weitgehend neutral.“ Im Klartext: Zuallererst profitieren von der Zinspolitik der EZB in unerbittlichem Opportunismus die Politiker und all jene, die von ihnen beschenkt werden. Selbstverständlich auf Kosten der nächsten Generationen. So sieht’s aus. Und: Wer sich verschuldet, profitiert. Alle anderen sind selber Schuld.

Analyst Michael Stappel der DZ Bank kommt zu einem anderen Ergebnis. Nach detaillierter Prüfung der Bank, stehen der Zinsersparnis von 144,7 Millarden Euro in Deutschland Zinseinbussen auf den Geldvermögen privater Haushalte in Höhe von rund 344 Milliarden gegenüber. Neutral sieht anders aus.

Das Dilemma, in das man bei solch widersprüchlichen Informationen gestürzt wird: Kommunizieren tun sowohl EZB, als auch Banken. Aber wer informiert noch und wer wirbt schon? Beide beides? Keiner nichts von beidem? Fakt ist: Der beinahe täglich beschworene wirtschaftliche Boom im Euroraum und die stündlich nach oben korrigierten Wachstumsprognosen internationaler Organisationen verlieren ihre Kraft, sobald man feststellt, dass, was wirklich stetig und zuverlässig wächst die Staatsschulden sind. Für den Euroraum sind dies aktuell 9696,067 Milliarden (Eurostat). Vor diesem Hintergrund müssen die Zinsen niedrig bleiben und die Staaten haben via EZB jedes Interesse, die Stimmung der Mehrheit dafür im positiven Bereich zu halten.

Aber die USA schaffen es doch auch? Allwöchentlich wird die gute Nachricht der FED-Straffungspolitik nicht zur angekündigt, sondern quasi hochamtmässig abgefeiert und wie ein Leuchtfeuer von Pressekonferenz zu Pressekonferenz, von Interview, zu Interview getragen. Letzte Station diese Woche bei John Williams, dem Leiter der Fed San Francisco (zurzeit bezeichnenderweise im für die Zinsentscheidung zuständigen Offenmarktausschuss der FED nicht stimmberechtigt). Botschaft auch hier: Ab September weiter in Richtung Zins- und Bilanznormalität.

Ja – fast scheint es, als ob die Amis es schaffen könnten. Ein weiterer Zinsschritt 2017 ist möglich. Aber all das, inklusive Börsengeschehen, ist Vordergrund. Im Dunkel der bunten Kulissen sieht die Situation anders aus. Die Summe der Studentenkredite hat sich seit dem dritten Quartal 2008, als Lehman Brothers Pleite ging, bis heute mehr als verdoppelt. Sie ist von rund einer Billion Dollar bis zum ersten Quartal dieses Jahres auf 2,2 Billionen Dollar gestiegen. Die Geschwindigkeit dieses Anstiegs entspricht ziemlich exakt der Zunahme bei den Immobiliendarlehen vor der Finanzkrise. Bei den Autodarlehen hat sich das Volumen seit einem Tiefstand im Jahr 2010 fast verdoppelt. Es stieg von 668 Milliarden Dollar bis Ende vergangenen Jahres auf 1112 Milliarden Dollar. Wie bei den Kreditkarten (Anzahl notleidender Kredite teilweise wieder über 5 Prozent) wurden wieder zunehmend Darlehen an finanzschwächere Personen vergeben. Zinsnormalisierung? Are you serious?

Natürlich gibt es verschiedene Szenarien und es besteht die Möglichkeit, dass in Übersee weiter an der Zinsschraube gedreht wird im nicht kommunizierten Versuch, die vollkommen überdehnten Finanzmärkte, die früher oder später reissen werden, „kontrolliert“ und als sogenannte Krise sich bereinigen zu lassen und mit gleicher Klappe auch gleich die Schuldigen zu präsentieren und die längst geplante personelle Neuausrichtung zu rechtfertigen.

Man hat wenig Chancen, hier als 08.15-Medienkonsument über etwas zu verfügen, das die Bezeichnung Durchblick verdient – auch nicht mit Brille, Lupe und in Grossschrift. Man hat genau zwei Varianten. Die erste ist jene des Glaubens an Artikel, wie tagesspiegel.de ihn diese Woche publizierte. Da weiss man dann: „Mario Draghi bewahrte Europa vor einem wirtschaftlichen Kollaps. (…) Die Zentralbanken sind selbst Teil des Staates und dieser daher immer zahlungsfähig. (…)Draghi lag richtig. (…) Ohne ihn wäre der deutsche Wirtschaftserfolg längst Geschichte. (…) Zinsgewinn war seit eh und je nur eine Illusion. (…) Die früher schneller laufende Geldentwertung war leichter zu verbergen. (…) Die Inflationsrate von nur 1,3 Prozent signalisiert, dass die Wirtschaft in der Eurozone zu langsam läuft (…) Weil es nicht genügend Nachfrage nach Kapital gibt, gibt es auch keine rentablen Sparformen. (…) Bürgerenteignung thematisieren, bedeutet Bürger in die Irre führen.“ So.

Die zweite Variante ist jene, sich drei Fragen zu stellen: Wer braucht welche Zinsen? Und wer hat die Macht, darüber zu entscheiden? Und vor allem: Wie schütze und erhalte ich den Wert dessen, was ich mir erarbeite? Die Summe, um die es dabei geht, ist nicht entscheidend. Bereits eine einzelne kleine Münze Gold wird möglicherweise irgendwann und wie schon oft am Ende grossangelegter Beraubungs-Übungen durch Staaten über Sein oder Nicht-Sein entscheiden. That’s the real story!

 

 

Der antisemitische Mops

Abgründe – von Josef Hueber

Es wird kein Tag wie jeder andere. Amiram, unser israelischer Führer auf der Pilgerreise, sorgt dafür, wie an jedem Tag, dass wir pünktlich aufbrechen und Israel nicht gemütlich ist. Als ehemaliger Militär verkörpert er den Drill. Pünktlichkeit, nicht mit dem unterwürfigen Selbstbewusstsein eines bezahlten Dienstleisters erbeten, sondern zackig eingefordert und vorausgesetzt. Das Morgengebet, unmittelbar nach Abfahrt des Busses in der Gruppe vom begleitenden Geistlichen zelebriert, ist gesprochen. Eine anwachsende Beklemmung beansprucht jetzt deutlich wahrnehmbar Raum, als wir dem Ziel dieses Tages entgegenrollen: Yad Vashem.

Mein Vater, geboren 1907, hat mir nahezu nichts vom Zweiten Krieg erzählt. Doch einmal machte er eine Bemerkung, die ich als Kind nicht verstand. Er war als Soldat in Kiew, als eine Erschießung angesagt war.  Neugierig, wie so etwas vonstattenging, fragte er, ob er zusehen könne. Die Verantwortlichen hatten offenbar ein Sicherheitsbedürfnis und machten dies davon abhängig, ob er sich aktiv daran beteiligen würde. Dies, so mein Vater zu mir, wollte er aber nicht. Keine Bemerkung hinsichtlich der Unmoralität des Geschehens oder welche Menschen vor die Gewehrläufe gestellt wurden oder vor ihnen davonrannten, um dann wie flüchtende Hasen erschossen zu werden.

Und nun also Markus Meechan. Der schottische Experte für Komisches, Künstlername Count Dankula, hatte einen – von ihm unterstellt – witzigen Einfall. Er trainierte den Hund seiner Freundin, einen gelehrigen Mops, nach dem Muster von Pawlow so, dass er auf einen Impuls hin eine höchst ungewöhnliche Bewegung ausführte.

Schaun wir uns den Gag an! Der gelehrige Mops wird vor einen Bildschirm gesetzt, auf dem Hitler eine seiner fulminanten Reden hält. Wann immer nun Herrchen dem lernwilligen Mops Juden ins Gas („Gas the Jews“) zuruft, hebt die Knuddelwurst die Pfote zum Hitlergruß. Damit Herrchen den Riesenspaß nicht alleine genießen musste, sondern weltweit ein Kicherpublikum hinter sich weiß, stellte er den Witz mit dem Slogan Juden ins Gas auf Youtube.

Der Kolumnist Andrew Doyle von Spiked sieht es nun so: Ob dieses Video lustig ist, ist Ansichtssache. („Whether the video is funny or not is a matter of opinion“).

Um mir eine bloß subjektive Meinung ohne Relevanz für einen weiteren Gesichtskreis als den meinigen über diesen eigenartigen Joke bilden zu können, hole ich aus meinem Bücherregal den Band Yad Vashem, Zeugnisse des Holocaust. Ich blättere in Leichen, die auf einem Scheiterhaufen auf die Verbrennung ihrer stinkenden Körper warten. Ich sehe Kinder, die vor Orientierungslosigkeit ins Nichts starren, nackte Frauen, die kurz nach dem Erinnerungs-Schnappschuss wie Säcke zusammenfallen werden, Juden-Fratzen von tötungsgeilen Karikaturisten auf Plakate gekonnt gebrannt, lachende Soldaten vor ruinierten Judengestalten, einen zielsicheren Schuss auf eine ihr Kind schützende Mutter, einen Hinterkopfschuss auf einen in die Todesgrube fallenden Mann.

Witze über Antisemitismus, so kommentiert der Spiked- Kolumnist den Videokünstler, sind das beste Mittel, um die NS-Ideologie lächerlich und unschädlich zu machen. Und außerdem hätte sich der Künstler-Spaßvogel, wäre er Antisemit, ein effektiveres Mittel als einen Mops ausdenken können, um NS Ideologie zu verbreiten. Und zu guter Letzt eine zu überdenkende Handlungsempfehlung vom Verfechter des Mops-Videos. Wer immer, so der Autor, besorgt sei um das Erstarken von NS Gedankengut, solle das Video zur Bekämpfung von Antisemitismus weiterverbreiten.

Sollte derlei abgründige Logik funktionieren, müsste man dieses Video in Yad Vashem, dem Jerusalemer Museum der Meere von Tränen als neues Objekt im Kampf für das „Nie Wieder“ installieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das Recht, überrascht zu sein, haben nur Komapatienten

Von Franz Bettinger

Michel  Houellebecq’s Roman ‚Unterwerfung‘ beschreibt ein Land, das sich seiner selbst überdrüssig dem Islam unterwirft und aufgibt, wofür es jahrhundertelang gearbeitet hat: Kultur, Freiheit, Wohlstand und Emanzipation. Nun wird es – La Merkel sei Dank – Deutschland noch vor Frankreich schaffen. Die Wirklichkeit, dieser unermüdliche brave Maulwurf, arbeitete auf Houellebecq’s Seite. Leider.

Dänemark und Schweden schützen sich vor Dummheit ohne Grenzen und führen wieder Grenz-Kontrollen ein. Fünf Tage haben die Medien den Skandal von Köln zurückgehalten. Die Willkommens-Kultur hatte Vorrang vor den 800 Einzelfälle, die selber schuld waren, als sie in der Nacht von Afrikanern und Arabern angetanzt, an-geflirtet (‚Finger in allen Körperöffnungen‘), vergewaltigt und erleichtert wurden. Man fragt sich, was noch passieren muss, um unsere romantischen Pressewarte und unsere schwarmdebilen Teddybär-Schwenker in die Wirklichkeit zurückzuholen und was unsere auf vier Jahre gewählten Amtseid-Ignoranten dermaßen in Rage bringt, dass sie als erstes vom  Wasser auf die Mühlen der Rechten warnten und den Auftrag vergaßen, dem Volk zu dienen, und ihm stattdessen Gehorsam abverlangten? Viele dieses Neuadels haben Töchter im besten Vergewaltigungs-Alter und Söhne, deren religiös motivierte Ermordung durch einen moslemischen Herrenmenschen mit abgebrochenem Integrationskurs ein deutscher Richter als eine verständliche Affekt-Handlung, eine bloße Ordnungswidrigkeit abnicken wird. Auch dem besten Gutmenschen sollte langsam aufgehen, dass da kein Ende der Fahnenstange in Sicht ist.

Die RAF war ein harmloser Haufen gegen das, was uns nun droht. Leicht zu bauende und aus sicherer Entfernung mit dem Handy auslösbare Sprengfallen wie in Ramadi gefällig? Die sind schon unterwegs auf der offenen Balkanroute – Richtung gelobtes Land. Der asymmetrische Bürgerkrieg von  Kamikaze-Kriegern gegen Weicheier wird nicht zu gewinnen sein. Es wird bald nicht mehr um Grenzen, Obergrenzen und freiheitliche Grundwerte gehen, sondern ums nackte Überleben. In fünf Jahren, wird es in Dresden so aussehen wie in Neukölln heute und in Neukölln wie in Islamabad.

Die Menschen sind nicht wirklich dumm. Sie haben ein Gespür für das Falsche, Pathetische, Verlogene. Darin gründet meine Hoffnung. Wir bekommen es nun in der BRD (hoffentlich) endlich mit einem echten Klimawandel zu tun. Die ersten Massenmedien, Welt und Fokus, springen schon von Merkel ab und beginnen, Positionen zu revidieren. Irgendwann war die Bereitschaft der Leser, sich die Realität schön reden zu lassen, ja auch erschöpft. Die Menschen draußen im Land finden es nicht witzig, als Rassisten und Rechte bezeichnet zu werden, während ihren Töchtern die Unterwäsche vom Leib gerissen wird. Und was machen unsere IQ-Helden,  Enzensberger und Co? Die sitzen ohne Gebiss im Elfenbeinturm auf ihren Händen und kauen an den Fingernägeln. Nur wenige Eggheads (Intellektuelle, Klugscheißer) haben sich rechts von Merkel positioniert.

Wer bis gestern im Koma lag, darf überrascht sein. Alle anderen, das sage ich euch, haben später keine Ausrede!

„Geht!“

Die angebliche Rede, auf der der Folgetext basiert, hat sich als Hoax herausgestellt. Leider. Wäre der Speach gehalten worden – egal, von wem – hätte die Person in zwei Minuten mehr über das Wesen der Freiheit gesagt, als all jene, die sich, verbal in freiheitlichen Werten herumstochernd, zur eventabhängigen Rede berufen fühlen. Kurz: Freiheit ist Verantwortung. Freiheit ist nicht das Recht, irgendwas zu fordern. Nie, nirgends und von niemandem.  – es sei denn, in Ruhe und Frieden sein Leben leben zu dürfen.

Was jeder reguläre Auswanderer nebst der Aufforderung zur finanziellen Total-Entblössung und mit der Ergänzung „Und bring verdammt noch mal deine eigene Kohle mit!“ vom Zielland zu hören bekommt und als selbstverständlich akzeptiert, gilt nicht, wenn es um „geflüchtete“ und/oder „gerettete“ Menschen muslimischen Glaubens geht. Auch die Tatsache, dass unsereiner ohne aufzumucken Gesundheitsdaten offenzulegen und -checks zu absolvieren hat, während im Fall der „Bereicherer“ bereits ein simpler Aids-Test als diskriminierend und menschenverachtend gilt und (zumindest in der Schweiz) abgelehnt wird, findet in der Migrations-Debatte nicht statt.

In einer so unvernünftigen und verkehrten Welt, die alles daran setzt, sich nicht nur nicht zu schützen, sondern – bitte! – auch preiszugeben, auszuverkaufen und (von innen heraus ebenso, wie von aussen) zu zerstören, ist es mir mittlerweile herzlich einerlei, ob einer, der solches an- und ausspricht, Wahlkampf betreibt und bloss gute PR-liefert: Es ist eine Wohltat, Worte, wie die folgenden der australischen Ministerin Julia Gillard zu hören. Worte, die in ihrer schlichten Selbstverständlichkeit zusammenfassen, was bisher als eine der Grundlagen freiheitlichen Zusammenlebens galt: Die Freiheit, das Leben so zu leben, wie man es sich wünscht, verbunden mit der Pflicht, die ideellen und finanziellen Kosten dafür nicht anderen aufzuhalsen.

Wenn dies heute sofort und reflexartig mit dem grossen „R“ von „rechts“ und „rassistisch“ versehen wird, zeigt das nicht nur auf, wie krank, , unfrei, unvernünftig und unaufgeklärt eine Gesellschaft ist, sondern vielmehr auch, wie unwiderruflich, unerbittlich und gnadenlos sie sich selbst bachab schickt.

Hier der freihändig übersetzte und zusammengefasste Gillard-Speach:

„Einwanderer, nicht Australier, müssen sich anpassen. Akzeptieren Sie es, oder verlassen Sie das Land!

Ich habe es satt , dass Australien sich ständig Sorgen machen soll, ob es Eure Religion beleidigt. Schluss damit! Ich spüre einen zunehmenden Patriotismus bei den Australiern. Wir sprechen englisch, nicht libanesisch, chinesisch oder deutsch. Lernt die Sprache, wenn ihr Teil unserer Gesellschaft werden wollt!

Die meisten Australier sind Christen. Wenn euch das beleidigt, sucht euch einen anderen Teil der Welt als neue Heimat aus. Denn der Gott der Christen ist Teil unserer Kultur. Basta.  Wir verlangen, dass Ihr unseren Glauben akzeptiert und in Frieden mit uns lebt.

Wir geben Euch jede Möglichkeit, die westlichen Errungenschaften zu genießen. Wenn ihr Euch ständig beschwert, wenn Ihr Mitleid sucht, unsere Fahne verbrennt, unsere Werte verachtet, wenn Ihr unseren Glauben und Lebensstil verurteilt, dann ermutige ich euch, einen weiteren Vorteil unserer Gesellschaft zu nutzen: Das Recht, das Land zu verlassen. Wenn ihr hier nicht glücklich seit:  Geht!“

 

Operation Gewissensentfernung

Genauso, wie es einfachste ökonomische Grundprinzipien gibt, wie beispielsweise jenes, das da sagt, wo kein Kunde, da kein Markt, scheinen im Handbuch politischer Herrschaftsanleitung Tricks zu existieren, die für ein reibungsloses – sprich: mehrheitlich gewolltes oder ignoriertes – Gestalten und Durchregieren mit dem Ziel des Machtausbaus unerlässlich sind. Einer dieser Tricks ist die Relativierung des Gewissens. Ein Bequemlichkeit und Verantwortungslosigkeit bedienender Kniff, der vorgibt, Gewissen – ob gut oder schlecht – sei nie absolut, sei vielmehr temporäres soziales, beziehungsweise materialistisches Konstrukt und tendenziell stets schon überholt. Mehr noch: Was uns heute noch als Gewissen anklage oder freispreche, habe dem modernen Menschen in Wahrheit und durchs Band Menschenrecht zu sein. Alternativlos und im Imperativ: Du kannst dein Gewissen verändern, also musst du es auch verändern wollen. Du kannst es ausschalten, also musst du es auch ausschalten wollen. Was am Schluss dieses „Emanzipation“ genannten Diktats noch Gewissen sein darf, ist die aufgetakelte Armseligkeit wirklichkeitsfremder und geistloser Fernsentimentalität im Ehe-für-alle- oder Refugees-Welcome-Modus.

Im Umkehrschluss wird lynchmobmässig und gerne auch politisch und medial angegriffen, wer es wagt, an diese angeblich voraufklärerische innere Instanz des „Du-sollst“ und „Du-sollst-nicht“ hinzuweisen oder gar zu appellieren. Das macht Sinn. Denn: Gewissen ist die Aufforderung zur Entscheidung für oder gegen Schuld. Für oder gegen Verantwortung. Sowohl Schuld, als auch Verantwortung sind verpönt in einer erneut durchpolitisierten Gesellschaft, in der sich 80 Prozent der Menschen in irgendeinem Lebensbereich als amtlich verifizierte Opfer fühlen dürfen und dafür Leistung verlangen. Egal, in welcher Form – egal, von wem. Und seien es nur die warholschen 15 Minuten Ruhm – heruntergedimmt auf zeitgeistgemäss armselige 15 Minuten Facebook-Mitleid.

Das Verrückte an der Sache: Das Gewissen lässt sich vergewaltigen, umdeuten, zu Brei verarbeiten und zertreten.  Man kann es mit grösster Sorgfalt und pädagogisch nach neuesten Standards in das Papier einer alten Zeitung einwickeln, irgendwo in einem dunklen stinkenden Hinterhof deponieren und versuchen, es zu vergessen. Töten lässt es sich offenbar allen Bemühungen zum Trotz nicht. Der Umstand, dass es Themen gibt, bei deren Diskussion alle Stricke in punkto Contenance, Respekt, Manieren und minimalen Anstands reissen sobald einer es wagt, vom Verantwortungs- und Schuldgedanken her zu argumentieren, spricht für sich. Ebenso die Tatsache, dass im Umkehrschluss teilweise fast schizophren anmutende Geistes-Spagate vollführt werden, um Entwicklungen, Sachverhalte und aus individuellem Handeln resultierende Konsequenzen als persönlichem Einfluss entzogen darzustellen und einem „modernen Gewissen“ zuzuordnen.

Darf man beispielsweise im Zeitalter krampfhaft fröhlichen Patchworks der Meinung sein, dass Trennung oder Scheidung von Elternpaaren Gewalt ist? Dass, wenn Familien zerbrechen (auch das keine politisch korrekte Formulierung), auch Kinder zerbrechen? Weil sie zerrissen werden zwischen zwei natürlichen Polen, deren beider sie naturgemäss und notwendigerweise bedürfen? Darf man beim Thema Abtreibung – pardon: Abbruch ungewollter Schwangerschaften – darauf hinweisen, dass die Fristen bei der sogenannten Fristenlösung nicht eine „rote Linie“ zwischen Zellklumpen und Kind darstellt, sondern ausschliesslich eine zwischen technisch machbar und technisch nicht machbar in Bezug auf die Absaugmethode? Darf man den Umstand, dass der Arzt nach erfolgtem Eingriff die Gewebeteile auf ihre Vollzähligkeit kontrolliert, dahingehend interpretieren, dass, wo Teile identifiziert werden, nicht von einem amorphen Fleischklumpen die Rede sein kann, und darf man das auch erwähnen? Darf man Bezügern – und zwar allen – von Transferleistungen ins Gesicht sagen, dass sie Schmarotzer sind und dass ihr Lebenskonzept zumindest teilweise auf dem parasitären Grundsatz des „Lebens auf Kosten anderer“, auf Klauerei basiert? Das also, was man gerne und oft den bösen Grosskonzernen und überhaupt der Wirtschaft vorwirft? Darf man darauf hinweisen, dass in erster Linie wir als Konsumenten und nicht die Unternehmer für Kinderarbeit, Tiermisshandlung im Mast- und Schlachtbetrieb, Ausbeutung und Umweltschäden verantwortlich sind, weil, wie man in der Schweiz sagt, keine Geiss der Welt das oben erwähnte einfachste aller ökonomischen Prinzipien wegschleckt, dass, wo kein Kunde ist, auch kein Markt existiert?

Darf man? Natürlich darf man. Wer die fürchterliche Unbeirrbarkeit scheinargumentativer Schlagwaffen nicht fürchtet, wer nicht Arzt ist oder sonst einen Job zu verlieren hat, wer keine Freunde braucht, keine Kinder hat, die aufgrund falscher Meinungen gemobbt werden können oder Wähler, von denen er lebt, der sei dazu herzlich eingeladen. Die Bezeichnungen „Ewiggestriger“, „Chauvinist“, „Nazi“ oder „Frauenfeind“ bilden in der Folge oft nur das Präludium eines Begrifflichkeitsreigens, der sich nicht selten rasch einer Sprache zuneigt, die ihren Wortschatz aus den Tiefen des Verdauungs- und Fortpflanzungsvorgangs schöpft. Ende der Diskussion. Oder anders gesagt: Wo Gewissens- und Schuldfragen ins Spiel gebracht werden, explodiert etwas.

Zusammenfassen lässt sich die Sache der Zu-Boden-Schreier oft als eine Art totalen Freispruchs. Freispruch des Menschen von jeder Art von Schuld. Sie wird nicht nur abgelehnt, sondern schlicht geleugnet. Der fortschrittliche und emanzipierte Mensch ist sich dann auch nicht zu schade, von der Gesellschaft, dem Umfeld, Schicksal, Umständen und Gerechtigkeit zu schwafeln, wo in Wahrheit nur eines richtig ist: Ich bin schuld. Ich allein.

Widersprüche wie jener, dass Kindern, denen mit roher Gewalt und aus egoistischen Gründen die Chance auf die natürlichste Entwicklung mit Vater und Mutter genommen wird, Gewalt als grundsätzlich schlecht verboten wird – auch dann, wenn es darum geht, sich zu wehren – können da schon mal unter den Tisch fallen. Davon dass sie alternativlos und chancengleich auf die Bewältigung des Lebens vorbereitet werden, indem man sie via behördliche Kompetenzvermittlung auf gar nichts vorbereitet und damit jeder willkürlichen potentiellen Gewalt preisgibt während man sie ansonsten der staatlichen und totalen Durchdiagnostizierung – genannt Förderung – überlässt, ganz zu schweigen. Hauptsache, die Schuldfrage ist auch hier von Anfang an geklärt: Nicht die Eltern versagen, der Staat tut es. Und wenn nicht er, dann die Gesellschaft.

Ähnlich Widersprüchliches im Fall des Arztes, der Gewissensfreiheit einfordert und sich weigert, Abtreibungen vorzunehmen: Politik, Arbeitgeber, Patienten und Kollegen ächten die Haltung als überholt, menschenrechtswidrig und diskriminierend und begründen die Aufforderung zur sofortigen Kündigung, beziehungsweise das behördlich abgesegnete Mobbing damit, dass es unfair sei, sie mit der „belastenden Situation“ alleine zu lassen, anstatt sein Teil dessen, was nicht bekannt und keinem angelastet werden darf – Schuld – zu tragen. Widerspruch? Fehlanzeige. Dass an grotesker Scheinheiligkeit kaum zu überbieten ist, wenn Beamte und Leute, die von dem leben, was andere sich Stunde um Stunde verdienen, von sich selbst als Dienstleistern, Klienten und Kunden sprechen, braucht kaum erwähnt zu werden.

Der Beispiele gibt es Legion. Das gesamte Leben eines Menschen darf heute ohne rot zu werden mit diesem Opfer-Fokus durchdekliniert werden. Und es wird durchdekliniert. Genannt wird es „Befreiung“. Das grosse Missverständnis, die politisch gewollte und gesellschaftlich zur Wahrheit erhobene Lüge: „Du bist schuld!“ ist das finstere inquisitorisch Böse schlechthin. Schuld ist nur dann politisch korrekt, wenn sie einem anonymen Kollektiv – der Gesellschaft, dem Staat – zugeordnet und das Individuum in jedem Fall entlastet werden kann.

Falsch! „Du bist schuld“ ist einer der wunderbarsten Sätze, die es im Leben eines Menschen geben kann. Schuld sein heisst Verantwortung haben. Verantwortung tragen, heisst gehandelt haben. Handeln heisst entschieden haben. Entscheiden dürfen heisst frei sein. Kurz: Ohne Schuld, keine Freiheit.

Ob man es nun innere Stimme, Gotteswissen, höheres Wissen, Instinkt, Stoppschild oder natürliches Prinzip nennt: Das Gewissen ist unser Gradmesser für Schuld. Und damit für persönliche Freiheit. Jeder, der uns einzureden versucht, das Gewissen sei ein volatiles und einzig dem Materiellen unterworfenes Konstrukt, der will in Wahrheit nur eines: Form- und lenkbare Menschenmassen, die ihre Gewissenskonflikte zum Preis der Gewissensfreiheit an eine höhere Instanz abgeben. Sklaven.

Die Tatsache, dass wir heute ein weiteres Mal soweit sind, dass nicht wenige im Namen einer verunstalteten Gerechtigkeit und einer perversen Kultur des Korrekten bereit sind, diese Freiheit des Gewissens per Gesetz zu beschränken – beschränkte Freiheit, welch ein Hohn! – zum „Wohl der Gesellschaft“ als Ganzes, gegen Diskriminierung, für den Frieden oder wahlweise eine dekretierte Solidarität, zieht wie ein kalter Luftzug durchs Land. Denn: Die Grenze, zwischen jenen, die Freiheit via Verbot, Frieden via Gewalt, Gerechtigkeit via Zwang und Solidarität per Diktat fordern und denen, die solches ablehnen, ist längst nicht mehr bloss eine zwischen Meinungen und Worten. Sie ist real und wird täglich realer. Es ist eine Grenze zwischen wirklichen Welten: Der Welt freier Menschen, die das grenzenlose Beschenktsein mit Verantwortung annehmen und leben und der Welt ferngesteuerter Wesen, die jede  Instinktsicherheit des Menschseins verloren haben und längst Haustiere der niedrigsten Gattung sind.

Mehr als alles Beileidigen, Beschimpfen und Bedrohen ist es dieses „feine Wispern von Rattenkrallen“ (Faulkner), das einen frösteln lässt. Der Trost: Das Gewissen überlebt. Uns alle und immer.