Geschlecht als Tugend

Kennen Sie den Gesichtsausdruck eines Kleinkindes wenn es sein grosses Geschäft in einem Swimming-Pool macht? Diese Miene abgeklärter, sich selbst genügender und überraschter Konzentration? Da hat nichts anderes mehr Platz. Alle verfügbaren Sinne sind vom nur halbwegs gesteuerten Vorgang knapp unter der Wasseroberfläche gefangen genommen. Rufen und gestikulieren könne sie getrost sein lassen. Bringt nichts.

Es ist dieses Bild, das sich dem Schreiber regelmässig aufdrängt, wenn Gespräch oder Lektüre ihn auf die in kürzester Zeit mit vereinten akademischen und politischen Kräften in die universitäre Landschaft hineingekleisterte Strasse der Genderforschung führt. Realitätsferne, Weltabgewandtheit, inahltliche (nicht aber finanzielle!) Selbstgenügsamkeit – alles da. Zusammen mit den Tatsachen, dass die „Wissenschaft“ auf der Verneinung naturwissenschaftlicher Standardtheorien basiert und sich  einer Sprache bedient, die nur Stammesmitglieder verstehen, erfüllt sie sämtliche Kriterien einer Parallelwelt.Oder sind Sie der Meinung, in einem Wahrnehmungsraum, in dem der Mensch und die  Möglichkeiten seines Tuns, Wirkens, Erschaffens, Strebens und Kämpfens – auch bekannt als Leben –  reduziert werden auf Identitätsfindung mittels Neu-Sortierung der Geschlechter via Haarfarbe oder Hautbeschaffenheit, sei Platz für Grosses, für Weites und Neues? Glauben Sie, in einem Kosmos, der sich zu 90 Prozent aus dunkler Materie à la „Anatomie als soziales Konstrukt“ zusammensetzt und wo man sich der Frage widmet, ob der Biologie selbst nicht patriarchales Denken zugrunde liege, sei Licht im Sinn von Prägnanz und Praxisbezug erwünscht oder vorgesehen?

Das einhellig aus den Hallen des Fachbereichs quellende Schweigen anlässlich von vermehrt sich ereignendem Erleben zwischen Zuwandernden biologisch eindeutigen Geschlechts und schon länger hier lebenden Frauen – Pardon! – Mensch*innen, legt ein Nein nahe. Wozu also? Wem dient Gender und Diversity? Wozu hat die „Wissenschaft“, die die Richtigkeit ihrer Behauptungen auf eine Minderheit von cirka 0.13 Prozent der Bevölkerung (Transgender) abstützt, in unserer Gesellschaft im positiven Sinn beigetragen? Die Frage unbeantwortet zu lassen und unter „künstlicher Wahrheitssuche ohne Relevanz für gesellschaftliche Realitäten“ abzubuchen, wird Macht und Mitteln, mit denen der Fachbereich in den letzten Jahren ausgestattet worden ist, nicht gerecht. Von den Tausenden Genderbeauftragten und -experten in Behörden und Ämtern ganz zu schweigen.

Wer sich die Sache genauer ansieht, stellt fest, dass es sich um eine Art „Kampf-Wissenschaft“ handelt, die ihre Mission nicht in der Entdeckung und Nutzbarmachung von Neuem, Offenem und Weiterführendem sieht, sondern im Kampf gegen Bestehendes. Birgit Schmid stellt die Sache in der NZZ mit folgender Frage auf die Füsse:  Mal angenommen, sie lägen richtig mit ihren Theorien, Geschlecht inklusive Anatomie seien wirklich und ausschliesslich Folgen menschlicher Kultur und Konstruktion – so what? Was ist der Grund, die über Jahrtausende gewachsenen Rollen von Mann und Frau, in denen sich die grosse Mehrheit der Menschen auch heute noch wohl fühlen, zu pulverisieren, mehr noch: zu zerstören?

Eine mögliche Antwort geben die Genderleute in erstaunlicher Offenheit selber: Geschlecht ist politisch. Erstaunlich ist diese simple Aussage deshalb, weil sie sich damit als Apostel eines zutiefst sozialistischen Evangeliums outen. Wenn Geschlecht politisch ist, dann ist es auch der „Geschlechtsträger“, also das Individuum. Und wenn Persönliches, bisher dem Individuum vorbehaltenes politisch wird, dann wird auch seine Freiheit politisch. Oder anders gesagt: die Politisierung des Geschlechts ist die Demokratisierung des Geschlechts was nichts anderes heisst, als dass ein weiterer Bereich des Menschen dem politisch organisierten Zugriff via Mehrheit (egal, aus wie kleinen Minderheiten sie sich zusammensetzt) preisgegeben werden soll.

Über 200 Professuren für Genderforschung allein im deutschsprachigen Raum und die Tatsache, dass der Miteinbezug der Erkenntnisse dieser „Wissenschaft“ längst ein zentrales Qualitätskriterium bei der Vergabe von Fördermitteln und Forschungsprojekten darstellt, verbietet es, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Die „Bewerbungsphase“, in der etwas scheinbar Neues als vorbildlich und hervorragend beworben und zur Tugend erhoben wird, haben wir bereits hinter uns und marschieren in Richtung zwingende Moral. Resultat dieser letzteren ist, wie der Feminismus es in immer unverholener Art vormacht, stets nur eins: Zwang im Gewand von Freiheit. Der ungehinderte Zugriff auf Individuum, Familien, Schulen, Unternehmen. Gewaltsame Durchsetzung von Interessen im Namen einer „Kollektiv-Freiheit“, die kein reales, sondern ein reines Macht-Konzept ist. Immer.

Dass damit ausserdem ein weiterer Punkt auf der gewachsenen Hausordnung menschlichen Zusammenlebens gestrichen wird, passt nicht nur zufällig in das Konzept des hyperindividualiserten, losgelösten, verlassenen Menschen, in dessen Leben der Staat Vater, Mutter und Gott sein will. Die Denunziation und Demontage von Klein- und Kleinstwiderstandszellen wie Familie, Unternehmen, Vereine und andere Gruppen sich freiwillig zusammenschliessender Menschen es waren, ist dabei, zu gelingen. Die Entfremdung gipfelt nicht selten in Verfeindung. Und es ist als Folgeschritt nur konsequent, den Menschen sich selbst zu entfremden. Die Wahlfreiheit in punkto Geschlecht ist nichts anderes, als organisierte Orientierungslosigkeit. Wer nicht instinktiv weiss, wer und was er ist, wer täglich erneut den Wegweiser suchen muss, der ihm sagt, als was er wohin gehen soll und wozu, der hat keine Zeit mehr für Dinge wie Freiheit, Herausforderung, Wagnis, Erforschung und Kreation. Sollte dem einen oder anderen kommender Generationen trotz orchestrieren Untenhaltens auf Analphasen-Niveau mittels Bildungspolitik der Sinn nach solchem stehen, nach einem Mehr an Raum und Platz für das, was wir heute noch unter der Bezeichnung Leben verstehen, dann wird er jene Hausordnung übernehmen, die ihm dies zu ermöglichen vorgibt. Es wird die Hausordnung des Staates sein: der Terror einer konstuierten Tugend. Sarrazin und viele vor ihm haben es erkannt. Wir sind gewarnt. Noch haben wir die Wahl.

Bitte hinken. Bitte freiwillig.

Es ist eine der kürzesten Reden, die je gehalten wurden. Ein Mann hielt sie vor rund 850 Menschen. Sie bestand aus zwei Sätzen: „Wie lange hinkt ihr auf beide Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach; ist’s aber Baal, so wandelt ihm nach.“ (1. Könige 18,21)

Es soll hier nicht um Glaubensfragen gehen. Wohl aber um das Lahmen. Um die ein- oder beidseitige geistige Gangstörung, die grosse Teile der Gesellschaft sich leisten. Um den bequemen Glauben an ein Sowohl-als-auch in der irrigen Annahme, man käme so um ein Entweder-Oder herum, man könne Entscheidungen und ihre Konsequenzen auf politische Krücken auslagern und hätte dennoch einen Einfluss auf Richtung und Ziel. Es ist ein Irrtum. Ein tödlicher Irrtum. Wenn es um individuelle Freiheit geht, gibt es keine Grauzonen. Buntheit erst recht nicht. Es gibt schwarz und es gibt weiss. Es gibt Freiheit und es gibt keine Freiheit. Wer heute freiwillig hinkt, lahmt früher oder später aus Schmerz und landet irgendwann in der Lähmung, wo es kein Vorwärtskommen mehr gibt. Ob einer auf den Beinen bleibt, entscheidet dann die Krücke.

Die Niederlande haben gewählt. In Frankreich und Deutschland stehen in diesem Jahr ebenfalls Wahlen an. Das tönt dann so:

„Aufstiegsversprechen der sozialen Marktwirtschaft erfüllen.“ „Nationaler Plan zur Lohngleichheit der Frauen lancieren.““Lebenslange Bildung durch Bildungsgutscheine und Förderprogramme.““Erhöhung der Stipendienzahl.““Gesetzliche Mindestlöhne sichern.“ „Erziehungsleistung der Eltern honorieren und in Rente einrechnen.“ „Finanzielle Hilfen für werdende Eltern und alleinstehende Frauen.“ „Unfaire Konkurrenz verhindern.“ „Ausbau der Unterstützung von Allenerziehenden.““Massive Entwicklung Erneuerbarer Energien durch intelligenten Protektionismus.“ „Erhöhung der Grundfinanzierung für Forschung und Lehre.“

Und so weiter und so fort. Es sind Auszüge aus den Wahlprogrammen des FN, der FDP und der AfD. Das Ganze angereichert mit kernigen Sätzen zur Identitäts-, Kultur-, Unternehmens- und Mittelstandsförderung. Etwas Finanzmarktstabilität und Goldrückhol-Folklore, etwas Sicherheits- und Asylpolitik, eine Prise Grenz- und Landeschutz und ein paar Seitenhiebe gegen die Granden der EU. Fertig. Hier gibt’s nichts zu sehen. Bitte nur verängstigt gucken, Leine ziehen und wählen gehen. Wer indes bei der Lektüre nicht nur den eigenen IQ, sondern den des ganzen Quartiers in den Keller rauschen hört, der bleibe stehen und mache sich auf eigenes Risiko klar, wer hier in Wahrheit was sagt. Er riskiert Panik, Schock, Wut, Ohnmacht, Trauer. Dann, wenn klar wird, dass hier von den Napoleonen der Erpressung die optimale Verwertbarkeit des eigenen Lebens, der eigenen Freiheit beworben wird. Dass die Wahl eine zwischen „Ich mache dich glücklich“ oder „Ich mache Schuhe aus dir“ ist. Dass er längst erpresst und gekauft und dass seine Freiheit nur ein Produkt seiner Phantasie ist.

Die grosse Mär: Eine freie Gesellschaft ist via Beschneidung persönlicher Freiheit organisierbar. Was ist schon dabei, wenn du bei ein paar Dingen den Kopf unten halten musst, wenn dadurch für alle – auch für dich – am Ende mehr drin ist? Du bist zwar kein Freund dieser Feminismus genannten Artenförderung, dafür gibt’s ja auch für die Kinder mehr Kohle. Du greifst dir wohl in punkto politische Ohnmacht in Bezug auf Millionen neu hier Lebender an den Kopf, aber dafür soll’s ja 15’000 Polizistenstellen und 40’000 Gefängnisplätze mehr geben (FN). Du bist kein Fan orchestrierter Schuldenorgien auf dem Rücken kommender Generationen, aber immerhin werden ja die Stipendien für künftig Studierwillige erhöht und massiv vermehrt. Du fürchtest dich zwar ein wenig vor der fortschreitenden Überfremdung, aber zum Glück wird nun endlich auch was für die nationale Identität getan. Du findest es zwar schon irgendwie Scheisse, wenn der Mittelständler, bei dem du arbeitest, in administrativer Gängelei und Abgaben ersäuft, aber zum Glück gibts’s ja Kündigungsschutz und Mindestlohn.

Die Sorglosigkeit und die Vertrauensseligkeit mit der die Mehrheit der Menschen auf diese grösste aller Täuschungen – das Versprechen betreuten Lebens ins Freiheit – hereinfallen und auf die Autobahn von Sozialstaat, Wohlfahrt, Machtübertragung – siehe: Volksvertretung – und Beamtenherrschaft einbiegen, ist erschütternd. Fakt ist: Freiheit ist immer und ausschliesslich persönliche Freiheit. Beschnittene oder gar überindividuelle Freiheit gibt es nicht. Entweder ist einer frei, mit seinem Leben, seinem Körper und mit den Dingen, die er rechtmässig erworben hat, zu machen, was er will, oder er ist es nicht. Der einizige Tausch, der jedes Parteiprogramm vorzuschlagen in der Lage ist, ist jener von Sein gegen Haben. Leben gegen Ware. Sei ein wenig weniger frei, dafür kriegst du ein bisschen mehr von diesem oder jenem. Das Problem: Alle Ware ist begrenzt. Irgendwann ist nichts mehr zu verteilen. Die Verwertbarkeit der Menschen erreicht ihre Grenzen. Die einzige Freiheit, die bleibt, ist in Wahrheit Leere. Entsorgung dessen, was nicht mehr zu verwerten ist, wird als Mittel zum Machterhalt eine Option.

Warum? Warum müssen wir in Sachen Freiheit wieder vorne anfangen? Warum können wir nicht auf die erfahrenen Schultern vorangegangener Generationen abstellen? Sehen, was sie weggegeben, verloren, zurückerkämpft haben? Warum geben wir erneut Stück für Stück preis, was uns gehört, worauf wir als einzige das Recht haben und was wir sind? Warum drücken wir uns um die Freiheit? Um die Schönheit der Tatsache, dass der Sinn allen „Staats“ darin bestehen muss, die persönliche Freiheit zu befeuern? Und dass, wo dieser Sinn aufhört, auch der Staat aufhören muss? Warum beten wir eine Illusion von Sicherheit an? Warum fürchten wir uns derart vor dem Scheitern und vor Schuld und ignorieren, dass das es weit fataler ist, nicht scheitern und Schuld sein zu können, weil man die Freiheit der Verantwortung abgegeben hat? Was ist so verführerisch am Leben als verwaltetes Objekt? Warum „zieht“ es so viel mehr, als kraftvoll, panisch, lebendig und mutig Subjekt der eigens zu gestaltenden Gegenwart und Zukunft zu sein? Was ist so schwer daran, sich hinzustellen und zu sagen „Ich bin meine Freiheit. Keiner sonst. Und schon gar nicht die Staat genannte Garantielüge irgendwelcher Cliquen!“?

Diese Fragen muss sich stellen und persönlich beantworten, wer ganz Mensch sein will. Wer von aussen Kommendes, ähnlich einer Pflanze, in Eigenes zum eigenen Wachstum und Blühen verwandeln und sich nicht mit Leben von Reifegrad und Manipulierbarkeit einer Salatschleuder zufriedengeben will. Und kommen Sie mir nicht mit der windelweich-wehleidigen „Wir werden zerrieben“-Leier – in der Mitte, links, rechts, wo auch immer. Sie werden von der Politik zerrieben. Mehr noch: Sie lassen sich zerreiben. Das und nur das ist die Wirklichkeit. Es ist an Ihnen, die Risiken, die Sie einzugehen bereit sind, zu definieren. Die Konsequenzen, die sie tragen und ertragen können. Keiner wird es an Ihrer Stelle tun. Wenn Sie es allerdings vorziehen, wie oben vorgeschlagen, es beim verängstigt gucken, Leine ziehen und wählen bewenden zu lassen, dann wird am Ende eine andere Wahrheit stehen. Eine zynische Wahrheit: Das Opfer ist Schuld. Einmal mehr.

Weiblich, 43, Single, kinderlos, selber schuld

Sie ist der einzige Mensch, den ich kenne, der so lachen kann. Als sei es eine Angelegenheit, die den ganzen Menschen fordert. Kraft und Ernsthaftigkeit. Und als wäre es ein Versehen und sie selber davon überrascht, hielt sie auch diesmal abrupt inne. Trotzdem klang es nach. „Würde ja nicht gerade für mich sprechen, wenn ich behauptete, die Männer, mit denen ich ausgegangen bin, seien allesamt Arschlöcher gewesen, oder?“

Es war ihr Geburtstag. Und Weltfrauentag. Wir hatten die „Statistisch-gesehen-haben-wir-die-Hälfte-hinter-uns“-Sache bereits abgehakt und waren mit Volldampf in die „Ein-Mann-ein-Haus-ein-Sohn-ein-Baum“-Thematik hineingebrettert. Sie schien keine Antwort von mir zu erwarten.

„Und was den Kinderwunsch anbelangt“, fuhr sie fort, „natürlich hätte ich gerne Kinder gehabt. Einen Mann. Sogar heute noch. Manchmal. Aber ich hätte auch gerne Hunde. Und Katzen. Und Geld. Eine Menge Geld. Für sonntags den Lamborgini Aventador S, für werktags den Jaguar XKR . Stattdessen bin ich mit 43 Single, Agenturinhaberin, kinderlos und überarbeitet. Aber das ist nicht der Punkt.“ „Und was bitte ist der Punkt?“ „Der Punkt, mein Lieber, ist: ich bin selber schuld an all dem.“

Ich beschränkte mich darauf, eine Lautfolge von mir zu geben, die sowohl Zweifel, Zustimmung, höfliches Nachfragen oder etwas im Stil von „So ist das Leben“sein konnte. Wir kennen uns seit 20 Jahren. Trotzdem: Das war verdammt dünnes Eis in Zeiten, in denen Regierungsvertreterinnen pink Pussy-Mützen strickten und in Vagina-Kostümen ihre geschlechtsbedingte Benachteiligung abfeierten. Sie ist eine Frau, ich bin ein Mann. Für Gendersensible etwa gleichbedeutend mit: Frauen sind das Leben, Männer sind das Ende des Lebens. Auch als Tod bekannt. Kurz: Ich war alarmiert.

Hinzu kam, dass ich an diesem Weltfrauentag bereits eine nicht unbeträchtliche Menge an Kommentaren und Artikeln zum Thema gelesen hatte und der Meinung war, es es sei durchaus angebracht, auf der Hut zu sein. Von den „kleinen Herausforderungen im Alltag“ mit denen die Frauen diskriminierungsbedingt zu kämpfen hätten bis hin zu „Warum ich es bereue, Mutter geworden zu sein“ war alles dabei. Oder anders gesagt: wir, die eine Hälfte der Menschheit, hatten es geschafft, die andere Hälfte selisch, moralisch, finanziell, politisch und gesellschaftlich derart gründlich zu brandroden, dass auch heute auf dem russ- und aschegeschwärzten Urboden des Weiblichen nicht viel mehr, als ein paar kümmerliche Pflänzchen sich zu spriessen getrauen, wo Blühendes wogen sollte. Und wir taten es offenbar immer noch. Immer wieder und andauernd.

Ja – ich war ernsthaft alarmiert. Man kann in diesen Zeiten nicht wissen, wann die Wonnen des Benachteiligtseins (Michael Klonovsky) einen weiteren Chrakter niederstrecken. Aber es kam anders.

„Ich bin ziemlich dankbar, das von mir behaupten zu können“, sagte sie in die Stille hinein. „Denn weisst du, was das heisst? – Es heisst, dass ich immer eine Wahl hatte. Ich und keiner sonst hat entschieden. Jedesmal, wenn ich eine Beziehung eingegagen bin oder einen Kerl zum Teufel gejagt habe, jedesmals wenn ich den Job gewechselt oder eine Weiterbildung gemacht habe, jedesmal, wenn ich Geld zum Fenster rausgeworfen, den falschen geholfen, die richtigen überhört, das Wichtige ignoriert, das Wertvolle übersehen und das Nichtige überbewertet habe: Ich war es. Keiner sonst. Dort wo ich stehe, bin ich auf meinen eigenen zwei Beinen hinmarschiert. Ich weiss nicht, ob die Generationen vor und nach uns dasselbe von sich behaupten können. Heute schon oder irgenwann in der Zukunft. Wir können es. Immer noch. Wir haben es verdammt gut getroffen.“

„Habe ich dir schon gesagt, dass ich dich liebe? Wirklich! Immer noch! Unglaublich! Wie von Sinnen!“

Wir lachten beide.

„Das ist es also, ja? Zwei erwachsene Menschen, die in Verzückung darüber geraten, dass einer sich hinstellt und sagt, für Entscheidungen, die er gefällt habe, sei er selber verantwortlich.“

„Falsch – das ist nicht das Verrückteste“, sagte sie. „Das Verrückteste ist, dass, wer solches zu behaupten wagt, irgendein ‚-feind‘ ist. Und dass dies zu sagen, zu denunzieren, mit dem Finger darauf zu zeigen und einen grossen Lärm zu machen, Fortschritt sein soll. Gerechtigkeit.“

„Was bleibt?“ fragte ich.

„Die Zukunft. Wo alles irgenwann aufhört. Das Geld zuerst.“

„Und bis dahin?“

„Bis dahin gilt: Unser Glück – euer Problem.“

„Meine Würde – dein Job.“

„Mein Wunschkind – deine Verantwortung.“

„Meine Postion – deine Quote.“

„Meine Verwirklichung – deine Kosten.“

„Meine Teilhabe – dein Erfolg.“

„Meine Gleichberechtigung – dein Stillstand.“

„Mein Profit – dein Risiko.“

„Mein Spass – deine Rechnung.“

„Meine Integration – dein Scheitern.“

„Meine Gesundheit – dein Verzicht.“

„Dein Erfolg – deine Strafe.“

„Volltreffer!“ kam es durch den Höhrer. „Erfolg, Urtrieb allen Sich-Entwickelns, wird zur Todsünde erklärt. A propos entwickeln: Ich dachte, du wolltest mir zum Geburtstag gratulieren. Aber anstatt mich zu erfreuen, versetzt du mich in diese Lubjanka-Stimmung. Du Mann.“

„Lass uns eine rauchen.“

„Darf man das noch?“

Sternstunde der Wahrheitspresse

„Lügenpresse“ war das Unwort des Jahres 2014. Roger Köppel sagte dazu sinngemäss und treffend, es ziele am Kern der Sache vorbei, da Aufgabe der Berichterstattung durch die Medien nicht Wahrheit oder Lüge, sondern ausschliesslich Abbildung der Wirklichkeit sein könne. Und dass die Problematik genau hier begründet liege, weil der Bezug der schreibenden Zunft zu ebendieser Wirklichkeit bestenfalls marginal sei oder weil schlicht aus einer anderen, selbstkonstruierten Wirklichkeit heraus berichtet würde.

Als vor ein paar Tagen die gesamte deutschsprachige Presse den „Armutsbericht 2017“ thematisierte, wurden solche Petitessen schlagartig vom Tisch gefegt. Medien und Leserschaft fanden sich in seltener Symbiose vereinigt. Artikel, Kolumnen und Kommentare zum Thema wurden für einmal gefeiert wie geglückte Sturzgeburten von Wahrheit, Echtheit und Richtigkeit. Was war geschehen? Eine mögliche Antwort ist ebenso einfach wie furchterregend: Für einmal wurden die richtigen als Opfer anerkannt. 15,7 Prozent der Deutschen, also rund 13 Millionen Menschen. Die in zwei Sekunden erfahrbare Tatsache, dass Teile der Verfasserschaft des Machwerks deckungsgleich mit jener von „Studien“ sind, die kundtun, dass Asylsuchende ungleich mehr Reichtum bringen, als sie je kosten, fiel da einfach lautlos vom Regal. Hätte eh nur gestört.

Bericht, Berichterstattung und Reaktionen auf den Bericht sind nur mit Mühe und in kleinen Portionen verdaubaur. Denn: es ist blankster Hohn und kalte Verachtung wehr- und rechtloser Menschen angesichts von Gewalt, Missbrauch, Krieg, Seuchen, Verfolgung und Katastrophen – von Menschen also, deren Geschädigtsein seine Wurzeln in Unfreiheit und Zwang hat, von echten Opfern. Was hier angerichtet, serviert und bis zur Emesis gefressen und wiedergekäut wird, ist das Gift einer dreifachen Lüge. Aber der Reihe nach.

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Es ist nicht einfach oder spassig, den Gürtel in finanzieller Hinsicht im letzten Loch zu tragen, dauernd knapp dran zu sein und jeden Cent xfach wenden zu müssen, bevor man ihn ausgibt. Die Schwelle von Knappheit zu Armutsgefährdung liegt gemäss Bericht bei 60 Prozent des Medians des Äquivalenzeinkommens der Bevölkerung. Für einen Single ohne Kind liegt sie in Deutschland demnach bei 942 Euro, für eine alleinerziehende Person mit Kind unter 14 Jahren bei 1’225 Euro, für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1’978 Euro.

Armut im herkömmlichen Sinn bedeutet Mangel in punkto Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung, Wohnung und dem Erhalt des Lebens. Nicht so im Armutsbericht, der deutlich macht, dass der verwendete Armutsbegriff ein relativer sei. Oder im verbeamteten Hilfswerke-Jargon: Armut ist ein dynamisches Konzept. Es gilt: Arm ist, wer über so geringe Mittel verfügt, dass er von der Lebensweise ausgeschlossen ist, die im Staat, in dem er lebt, als Minimum annehmbar ist. In diesem Sinn ist mangelnde Teilhabe Armut. Ebenso der echte oder gefühlte Mangel an Verwirklichungschancen.

Von solchem Mangel betroffen sind gemäss Bericht hauptsächlich fünf Gruppen: alleinerziehende Personen, Familien mit drei und mehr Kindern, Erwerbslose, Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund. Sie durchs Band als Gefährdete oder Opfer darzustellen impliziert Zwang und Unfreiwilligkeit. Die erste Lüge. Der grösste Teil dieser Menschen steht, wo er steht, aufgrund freiwillig gefällter Entscheidungen. Niemand hat sie mit Gewalt daran gehindert, beim lustbetont hirnfrittierten Herumschlafen zu verhüten, niemand zwingt Menschen zur Gründung einer Grossfamilie à la Dritte Welt, keiner wird zur Scheidung und Neu-Paarung – siehe: Pluralisierung der Familienform – gezwungen, dazu den Job hinzuschmeissen oder gewaltsam an der Übernahme einer atypischen Beschäftigung gehindert. Menschen werden ebensowenig mit vorgehaltender Waffe davon abgehalten sich zu bilden und zu integrieren, wie daran, in ihren Herkunftsländern zu leben. Oder anders gesagt: Der Grossteil dieser Menschen ist Opfer individueller Freiheit. Ein Widerspruch der grotesken Sorte. Natürlich gibt es die Ausnahmen, die der Hilfe bedürfen. Die Erhebung aller in einen staatlich definierten Gnadenstand der Opfer indes, verhöhnt unverschuldete echte Not, die in der Heckwelle subjektiv emfpundenen Wohlstandsmangels untergeht.

Aber weiter im Text: „Menschenwürde ist Menschenrecht“ so der Titel des Berichts. Die zweite Lüge. Ein Fest der Peinlichkeit. Aber es geht noch schlimmer: „Gleichwürdigkeit“ sei als alternativloses Ziel anzuerkennen und herbeizuverteilen. Dass man dem Menschen damit die Grundwürde seines Menschseins ungeachtet echter oder gefühlter Not von vornherein abspricht und die Würde an sich herabgewürdigt wird auf etwas staatlich Organisier- und Finanzierbares fällt den Verfassern nicht weiter auf oder wird dem Zweck des Berichts untergeordnet. Da kann man dann auch gleich unterschlagen, dass jeder bis auf jenen Bereich, der ihm von aussen zugefügt wird, für seine Würde selbst verantwortlich zeichnet und dass die Abgabe dieser Verantwortung die Aufgabe der Freiheit bedeutet. Denn: Was – bitteschön! – ist das denn für eine Würde, die die Konsequenzen des eigenen Entscheidens via Almosentropf der Obrigkeit auf die Schultern Dritter ablädt? Daraus dann noch ein Menschenrecht abzuleiten ist an Absurdität kaum zu überbieten. Die Perversion aller Freiheit schlechthin.

Aber darum scheint’s hier auch gar nicht zu gehen – Lüge Nummer drei. Wenn rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung in den zweifelhaften Adelsstand potentiell Geschädigter erhoben wird, suggeriert man damit etwas ganz anderes: Hier läuft etwas schief. Hier muss Abhilfe her. „Da müssen wir ran!“ wie Frau Nahles sagt. Ein bisschen persönliches Engagement im Sinn der Caritas reicht da nicht. Hier braucht’s Konzepte, Massnahmen, Prävention, Schutz – kurz: es braucht Staat. Nicht umsonst beklagen sich die Expertengruppen anlässlich des Symposiums des fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung darüber, dass die Gender-Mainstreaming-Thematik untergewichtet sei bei den Untersuchungen, dass zu wenige Informationen über Menschen, die zwar dem Opfer-Raster entsprechen, sich aber entscheiden, diese Kosten nicht der Allgemeinheit auzubürden, vorhanden seien und dass die Situation all jener, die sich für atypische Erwerbstätigkeiten entscheiden, zu wenig untersucht würde. Hier entgeht den Gesellschafts-Gestaltern und Gleichwürdigkeits-Herbeibetern ein Stück Knetmasse, auf das man zur Erweiterung des eigenen Betätigungsfelds gerne Zugriff hätte.

Aber auch das ist nur die halbe Warhheit. Um zu verstehen, worum’s wirklich geht, reicht es, sich ein paar Sätze von Sozialministerin Nahles‘ Rede bei selbiger Gelegenheit ins Gehirn zu praktizieren:

„In Deutschland halten sich nach meiner Wahrnehmung aber vor allem die Reichen im Dunkeln auf, zumindest gibt esüber sie wenige amtliche Daten. (…) Ich habe mich gefragt, ob der Sozialstaat nicht regelrecht dazu verpflichtet ist, diesen Schleier zu lüften? (…)
Ich sage es Ihnen: Weil wir das Leistungsprinzip mit Füßen treten, wenn wir zwar Einkommen, nicht aber auch Kapitaleinkünfte, Vermögen und Erbschaften nach der Leistungsfähigkeit besteuern. Weil wir das Leistungsprinzip mit Füßen treten, wenn immer noch überwiegend soziale Herkunft und nicht eigene Leistung darüber entscheidet, ob man sozial aufsteigt oder nicht. Und wenn Erbschaft der überwiegende Grund dafür ist, reich zu sein und nicht etwa eigene Arbeit, eigene Ideen und eigene Anstrengungen.(…)
Deshalb war es mir wichtig und es war auch richtig, dass wir uns das Thema Reichtum in diesem Bericht genauer angesehen haben. (…) Das Thema Reichtum mit all seinen Fassetten ist damit auf den Tisch. Mir war wichtig, dass wir über die Verteilung in unserem Land sprechen – über Arm und Reich – und dass wir auch auf der Regierungsbank das Wort „Umverteilung“ wieder in den Mund nehmen. (…) Beruhigend ist doch, dass dieses Geld hier im Land viel besser angelegt ist als auf instabilen Kapitalmärkten im Niedrig-Zins.“

So geht Hetze. Und nur darum geht es: Um die Instrumentalisierung ganzer Bevölkerungsschichten mittels Unzufriedenheit und Neid zum Zweck immer weitergefassterer und tieferer Intervention, um Legitimierung neuer Raubzüge durch den Staat und um Beförderung immer grösserer Abhängigkeit und damit grösserer Unfreiheit immer zahlreicherer Menschen. Oder anders gesagt: Hier wird an der Herabwürdigung der Menschen zu Opfer-Affen zum eigenen Machtausbau im Interessen- und Parteienschacher gearbeitet. Soviel zum Thema Würde.

Aber schlimmer, als es jede Verlautbarung ministerial zur Führung in das kollektive Glück totaler Gleichheit Berufener je sein könnte, ist dies: Millionen von Menschen, die sich als Opfer erkannt und anerkannt fühlen und bereit sind, sich um kurzfristigen Komforts Willen der sozialistischen Wahnidee, die über Tugendterror in echte Armut, in  Elend und Gewalt führt, in die offenen Arme zu stürzen.

Gastbeitrag UN – Der Migrationsplan

Als ich im Februar 2015 in die AfD eintrat, verlor ich einen guten alten Freund. Dann wurden es immer mehr; am Ende waren es 20. Dabei war noch nichts Welt-Bewegendes geschehen. 2015 lebten wir noch im deutschen Biedermeier: Wir sahen am Horizont Windräder in den Himmel wachsen, dafür waren die Atomreaktoren weg; der Strompreis hatte sich verdoppelt, der Wert unserer Währung halbiert; die Zinsen sanken, wir verloren täglich Geld auf den Sparguthaben, und wir wurden mit immer mehr Haftungen für Griechenland und Pleite-Banken und was weiß ich beleg. Aber Welt-Bewegendes? Fehlanzeige. Soweit waren wir noch nicht. Der Umbau einer am Leben der Bürger vorbei-konstruierten, artifiziellen Gesellschaft lief zwar schon damals stetig, aber zu gemächlich ab, um ihn wahrzunehmen.  Mittlerweise ist die Sache, ist unser Land ins Rutschen geraten und  die Gestalter und Entmündiger der Bürger haben verbal, juristisch und strukturell alle Hemmungen verloren.

Warum erleben wir eine Invasion aus Nahost und Afrika? Ich habe es herausgefunden. Nein, es handelt sich um keinen Notfall oder dummen Zufall, Dummheit oder gar Versagen. Es ist eine von langer Hand geplante Agenda der UN und EU. – Erinnert ihr euch an Steinhöfel’s Artikel, nachdem laut EU erst mal jeder Fremde ein Visum bekommen sollte und man danach weiter sähe? Nun, das war ernst gemeint. Gewisse Kräfte lassen tatsächlich nicht von der Idee ab, diese Replacement Agenda durchzuziehen. Das deutsche Volk, ja das ganze geburtenschwache Europa, soll durch andere Bevölkerungen ergänzt – sprich: ersetzt werden. Klingt abenteuerlich, ist aber so.

Ich fand die Replacement Agenda auf den EU-Seiten (selbigen Orts war das Dokument später nur noch in englischer Sprache verfügbar, heute nur noch auf der Webseite der UN) und verstand auf einmal, wieso Migranten in Passau von der Polizei ungehindert über die Inn-Brücke nach Deutschland laufen. Ströme von Fremden durchqueren seitdem ganz Europa unbelästigt von Polizei und Grenzschützern. Jede Stunde habe ich seither gewartet, dass irgendwer dem Treiben Einhalt gebietet. Das geschah nicht. Ich hegte noch nie große Wertschätzung für unsere Politiker, aber ich habe mich an den Vertrag zwischen dem Bürger und seiner Regierung gehalten, in dem naiven Glauben, wir könnten einander grundsätzlich über den Weg trauen. Win-Win und so. Das ist vorbei. Merkel – und wohl nicht erst sie – hat sich gegen das eigene Volk entschieden. Sie hat sich selbst ermächtigt, und das nicht mal wie Hitler 1933 durch ein neues Gesetzt, sondern formlos, diktatorisch, ohne Debatte, im Merkel-Stil.

Mit Unglauben verfolgte ich die weitere Entwicklung. Ich versuchte darüber zu sprechen, aber die Leute fühlten sich von meinen Fragen mehr angegriffen als von der unglaublichen politischen Entwicklung, die vor aller Augen ablief. Unter meinen Bekannten waren viele, die das, was mir größte Sorgen bereitete, gut hießen. Eine Diskussion war unmöglich, nur Hurra-Rufe.

‚Replacement Migration‘ heißt Bevölkerungs-Austausch.  Die Vereinten Nationen fordern für Deutschland, Frankreich und Italien einen Bevölkerungs-Austausch mit Migranten aus Nahost und Afrika. In dem UN-Bericht  „Replacment Migration“ der Bevölkerungs-abteilung der UN aus dem Jahr 2001 wird die Öffnung Deutschlands für mindestens  11,4 Millionen Migranten gefordert, auch wenn das zu sozialen Spannungen und Aufständen führen sollte. Presseschulungen sind vorgesehen, sowie TV-Beiträge zum Einhämmern der Welcome-Ideologie. Hier der Absatz über Rehabitlitations-Programme, S.9: “ Juveniles convicted of committing crimes… will be required to undergo a rehabilitation programme designed to instill in them a culture of  tolerance.“  Ist das was anderes als Umerziehungslager? (Link Replacement Agenda: United Nations Replacement Migration)

In der ‚ Replacement Agenda‘ der UN und der EU  kann jeder nachlesen, dass beide Organisationen damit rechnen, dass die Bürger sich gegen die Zuwanderung wehren werden. Der Lissabon Vertrag hat das Problem des Widerstandes jedoch schon vorsorglich und legal gelöst, indem er erlaubt, Aufständische zu töten und die Armeen im Landesinneren einzusetzen. Es wurde mir sofort klar, dass auch das ‚European Framework for Promoting Tolerance‘ nur dazu bestimmt ist, den zu erwartenden Widerstand zu ersticken und Kritik nicht nur zu unterbinden, sondern unter Strafe zu stellen. Dazu passt der jetzt von den Parteien beschlossene Sanktions-Maßnahmen-Katalog gegen sogenannte Falsch-Meldungen.

Wovon ich mittlerweile überzeugt bin: Die sogenannten Eliten des Westens wollen den  Nationalstaat abschaffen. Mit aller Macht. Die Bürger wollen das nicht. Im Gegenteil, es bilden sich Parteien (AfD, FN, PVV, SD) die genau dem widersprechen. Sie werden als Nazis, Ewiggestrige, Faschisten, Rechte beschimpft. Das ist  des Pudels Kern. Das und die Unwahrheit, die über jene verbreitet wird, die ihren eigenen Staat behalten wollen – wenn sie es denn wollen und dürfen: Le Pen, Wilders, Farage, Putin, Petry, Trump. Es geht  nicht um rechts gegen links, sondern um unten gegen oben. Um National-Staaten versus Weltstaat. Es geht um Globalisierung und gegen Individualität und Identität. Es geht um Freiheit. Unsere Noch-Freiheit gegenüber den Zwängen der EU, der UN und deren Gestaltungs-Wahn. Es geht um das Überleben als kleine Einheit, als Familie, als Volk. Die Wirklichkeit in Deutschland stellt die fiktiven Vorgänge in den Romanen ‚Unterwerfung‘ von Michel Houellebecq und ‚1984‘ von George Orwell bereits in den Schatten. Gab es je ein willfährigeres, dümmeres Volk als die Deutschen? Und alles nur, damit die Mächtigen ihre Macht ausbauen können.

„Bewegliche Ziele“

Dies ist keine Buch- oder Filmrezension. Auch wenn der Titel den einen oder die andere solches vermuten lassen könnte. Indes: Um einen Thriller geht es wohl – um einen der fesselndsten der letzten 15 Jahre. Es ist alles da: durchgehende Spannung, Momente blanken Entsetzens, schlotternde Erleichterung, Nebelkerzen, Helden, Gegenspieler und Schurken. Und alles läuft auf einen unbekannten Kulminationspunkt zu.

Es geht um den Euro. Oder besser: Um die Währungspolitik des Euro-Raums. Der im Titel verwendete Ausdruck wurde in diesem Zusammenhang von Manuel Gonzalez-Paramo, Ex-Direktoriumsmitglied der EZB und heute im Vorstand der Grossbank BBVA, die auf Platz 43 der Rangliste der weltweit grössten 100 Banken liegt, verwendet. Wo Mario Draghi während den vergangenen zwei Jahren das Inflatonsziel von zwei Prozent als alternativlos angepriesen hat, als ultimatives Goal zur und Beweis der Stärkung und Stabilisierung von was auch immer, ist dieses Ziel jetzt, wo man sich dessen Erreichung nähert „beweglich“ geworden. Grund: Die Inflation sei noch nicht „nachhaltig genug“, liess der EZB-Chef verlauten. Ihr Anziehen auf 1,8 Prozent im Januar sei auf erhöhte Energiepreise und statistische Basiseffekte zurückzuführen. Wer ums Verrecken Spielverderber sein will, darf sich die Frage stellen, warum genaus diese Argumente nicht zum Zug kamen, als der Ölpreis sich drittelte. Stattdessen wurde Deflationspanik geschürt, eine Geldmengenausweitung noch nie dagewesenen Ausmasses durch Ankauf von Anleihen angeleiert und die Zinsen auf null gedrückt. Und man behält sich vor, in punkto Laufzeit und Volumen des Stabilisierungs- und Stärkungsprogramms bei Bedarf nachzulegen.

So weit so schlecht. Indes: Das Interesse an diesem Thriller bleibt bei einem Grossteil der Menschen bestenfalls marginal. Ein Bestseller sieht anders aus. Nicht mehr vorhandene Kapitalerträge zur Überbrückung von Auftrags-Engpässen gerade kleinerer und mittlerer Firmen, Enteignung der Vermögensbesitzer und Sparer, Abwanderung von Kapital, Ausbleiben von Investitionen, Kürzung der F+E-Etats – das betrifft ja nur die „Reichen“. Wahlweise die Unternehmer, diese Ausbeuter. Sollen die zusehen, dass sie damit klarkommen, solange sich auf dem eigenen Lohnzettel die Zahl ganz unten nicht verändert. Und über einen Zeitraum von 15 Jahren fällt es nicht so auf, wenn dieser Lohn sich dahingehend entwickelt, dass man sich davon rund einen Fünftel weniger kaufen kann.

Das Problem an der Sache lässt sich in einem Wort zusammenfassen: NOCH. Noch fällt der Kaufkraftverlust nicht auf. Noch entfalten die oben erwähnten Verschiebungen ihre Wirkung nicht. Ob sie es tun werden und ob der Euro durch Zins- und QE-Politik weiter ausgehöhlt werden soll  – wir wissen es nicht. Es spricht indes einiges dafür.

Das ganze Wirtschaftssystem, allen voran die Staaten, sind in den letzten Jahren an ein Niedrig- bis Nullzins-Klima gewöhnt worden. Legt man ein „normales“ Zinsniveau von 4% zugrunde, sparte beispielsweise Deutschland auf diese Weise allein 2016 47 Milliarden Euro (Quelle: Bundesbank), die bei ansteigenden Zinsen nicht länger zur Verfügung stünden. Für den Zeitraum von 2009 bis 2016 kommt die Bundesbank auf die Summe von 240 Milliarden . Auch wenn die Zinsen nicht enorm stiegen, wäre ein fettes Minus in sämtlichen europäischen Staatshaushalten sicher. Von Amerika ganz zu schweigen. Ebenso sicher wäre, dass alle den Gürtel enger zu schnallen hätten. Mit anderen Worten: Es würde möglicherweise zu Rentenkürzungen, Entlassungen, Verschiebung von Investitionen, Pleiten und einen Einbruch an den Aktienmärkten führen. Von der notwendigen Neuverschuldung der Staatem zum Kauf immer breiterer Schichten staatsabhängiger Wähler via Wohlfahrt, wollen wir gar nicht erst beginnen. Die Frage bleibt dieselbe: Glaubt irgendjemand, man sei bereit, dies zuzulassen und damit den Befreihungs-Gelüsten aus der Polit-Korsage Euro einiger Länder damit noch Rückenwind zu geben?

Es ist kaum vorstellbar. Die durch und durch ideologische Konstruktion Euro darf nach real 15, gefühlte 50 Jahren Durchhalteparolen nicht scheitern. Dass die herbeigebetete Homogenität der europäischen Volkswirtschaften geringer ist, als sie es in der Zeit nationaler Währungsregimes je war, darf nicht zur Debatte stehen. Dass das Eurosystem eine reine Umverteilungs- und Entwertungsmaschine zugunsten der Banken und Staaten geworden ist, ebensowenig. Oder anders gesagt: Ohne die QE- und Niedrigzins-Politk der EZB wäre das Euro-Schuldgeldsystem längst gegen die Wand gefahren. Jetzt aufhören, wenn man Zeit gewinnen und sich nebenbei und via Anleihekkäufe immer mehr Privateigentum unter den Nagel reissen kann? Aber lassen wir das – das ist Verschwörungstheorie.

Was bleibt ist die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es so weitergehen wird. Und dass es sich, sollten die Inflationserwartungen steigen, noch beschleunigen wird. Die EZB könnte gar nicht anders, wollte sie verhindern, dass die Anleihepreise einbrechen und die Zinsen in die Höhe schnellen. Die Geldmenge müsste zwingend weiter erhöht werden, was wiederum Verkaufsdruck auslöste, was eine weiter Ausweigung der Geldmenge erforderlich machte, usw. usf. Ausserdem: Die Zinsdifferenz zwischen 2jährigen deutschen und US-Anleihen beläuft sich mittlerweile auf 2%. Glaubt irgendjemand, die Fed oder The Donald schaue längerfristig dabei zu, wie Kapital aus dem Euro in den Dollar fliesst und diesen auswertet? Die Fed mag von Zinserhöhungen reden, vielleicht sogar einen oder oder zwei Alibi-Rate-Hikes umsetzen. Aber längerfristig den Dollar steigen lassen in Zeiten höchster Staatsverschuldung und Währungskrieg? Die Chancen sind auch hier gering.

Für uns heisst das: Die Geldverschlechterung geht weiter. Es ist die neue „Stabilität“ –  schliesslich liessen uns SNB-Jordan und EZB-Drahgi fast  zeitgleich wissen, an der Sache mit der Währungsmanipulation sei nichts, aber auch gar nichts dran – das „wirke nur so“. Wir Normalsterblichen sind allerdings besser beraten, uns darauf gefasst zu machen, dass jedwedes „bewegliche Ziel“ allzubeweglich und die Inflation ausser Kontrolle geraten könnte. Dann nämlich, wenn sie aus den Vermögenswerten, die sich ein grosser Teil der Mittelschicht als Absicherung längst nicht mehr leisten kann und wo sie schon heute rumtrabt auf die Konsumentenpreise überspringt und partout nicht auf das Zentralbanker-Stopp-Signal achten will. Aber darum geht’s ja längst nicht mehr – weder um Inflationsziele, Obergrenzen oder irgenwelche Korridore. Es geht um die Rettung des zur Ideologie verkommenen Polit-Monsters EU. Nicht mehr und nicht weniger.

Ein paar Gramm Gold zum Schutz, zur Stützung und zur Stärkung der eigenen kleinen Existenz können in dieser schönen neuen Welt sicher nicht schaden.

 

 

 

50 Shades of Red

Der Abgrund, auf den die europäische Gesellschaften ein weiteres Mal zu den Klängen des immerselben Illusions-Schwulsts von totaler Gleichheit und Sicherheit und im Schlepptau ihrer vor moralischem Sabber triefenden Oberen durchallimentiert, durchgegendert, durchregiert und minimalgesichert zusteuert, ist nicht rechts, links oder mittig. Auch nicht, wie Parteinamen gerne implizieren, alternativ, freisinnig, christlich oder gar sozial. Die Schattierungen mögen variieren; abwärts geht’s allemal. Und die Dunkelheit dort unten ist rot.

Vor kurzem wurde in der Schweiz über die Vorlage URSIII, die Unternehmenssteuer-Reform, abgestimmt. Es soll hier nicht um für oder wider dieser von den Stimmbürgern abgeschmetterte Vorlage gehen, sondern um die antrainierte, in Kauf genommene und gewollte Ignoranz in Bezug auf ökonomische Vorgänge. Sie ist grenzenlos. Und sie ist erwünscht. Denn: Wer beginnt, sich mit den grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenängen und Gesetzmässigkeiten in der Gesellschaft und in einem Unternehmen auseinanderzusetzen, wird rasch verstehen, dass ebendies und nur dies, die Essenz aller Politik bildet. Ihres aktueller Zustands, ihrer Richtung und vor allem ihres Ziels. Wo die Wirtschaft, wo freies Unternehmertum (und nicht die staatlich geschützten Freudenhäuser organisierter Abhängigkeiten von Banken, Verbänden und Grosskonzernen) das Feindbild darstellt, ist das Ziel klar: Staatswucherung, Unfreiheit, Armut, Krieg, Diktatur.

Indes: Die seit Jahrzehnten immergleiche Predigt verfängt. Ein Grossteil der Menschen bringen Unternehmer in illusorischem Wahn mit Reichtum in Verbindung. Mit Gier, Ausbeutung, Rücksichtslosigkeit und Profitmaixmierung aufkosten anderer. Und man ist sich einig: Natürlich, muss ein Unternehmen Steuern bezahlen. Mehr noch: Eigentlich sollten ausschliesslich die Unternehmen Steuern bezahlen. Oder in der Logik sozialistischer Gesellschaftsgestalter: Unternehmer und der Rest der Gesellschaft sind „natürliche“ Feinde. Dass das Unsinn ist, dass erstere ohne letzteres nicht existieren würde und dass Unternehmenssteuern grösstenteils abgeschafft gehören, weil sie Nonsens sind, taucht nicht auf dem Radar staatsnaher Meinungs- und Bildungsschleudern auf, die das Opfersein möglichst breiter Gesellschaftsschichten zur höchsten Tugend, Besser-Sein und Gewinnertum im Sinn eines Wettbewerbs als schlecht und die Möglichkeit unternehmerischen Scheiterns oder Erfolges zur Todsünde pervertieren. Dass alle drei – antrainiertes Opfertum, die Pflege eines grotesken Feindbilds und das Vermeiden von Risiken – Indizien einer allumfassenden Unfreiheit sind, wird entweder nicht wahrgenommen oder unterschlagen. Wichtigeres steht an: Werde ich jetzt schwul, oder doch eher vegan?

Warum sind Unternehmenssteuern zum grossen Teil Unsinn? Ein Unternehmen ist als juristische Person vereinfacht gesagt nichts anderes, als ein „Haufen“ von freiwillig eingegangenen Verpflichtungen von Menschen, die ein gemeinsames Ziel haben. Wenn diese Kooperation Gewinn macht, profitieren Menschen und nicht Verträge davon.Das „Firma“ genannte tausendmaschige Netz von Verpflichtungen schon gar nicht. Am besten wird das in der Schweiz dort sichtbar, wo Unternehmen nicht nur Gewinnsteuern an Bund, Kantone und Gemeinden, Kapitalsteuern,  Mehrwert­steuern, Sozialabgaben für die Mitarbeiter und Schwerverkehrsabgaben, sondern auch Kirchensteuern bezahlen. Pierre Bessard, Direktor des Liberalen Instituts, bringt es auf den Punkt wenn er sagt, es falle ihm schwer, sich vorzustellen, wie ein Kooperation, die aus tausenden von Verträgen bestünde, kirchliche Leistungen in Anspruch nehmen solle. Vielmehr müsste jeder vom Staat erhobene Beitrag zwingend von menschlichen Wesen ­stammen. Ein Unternehmen als abstrakte Rechtsform könne keine Steuern zahlen. Und es bleibt zu ergänzen: Tut sie auch nicht. Denn jeder erhobene Unternehmenssteuerfranken wird auf natürliche Personen abgewälzt. Zahlen tun sie in Wahrheit die Aktionäre via Dividendenreduktion, die Kunden durch höhere Preise und die Arbeitnehmer durch tiefere Löhne. Dass diese im Schatten politischer Aneignungskunst stattfindende Umwälzung einer Volkswirtschaft langfristig schadet, wird ignoriert, mit der Lüge, Unternehmenssteuern entlaste die Privaten, hingebogen und geglaubt. Anstatt Risiko- und Innovationsfreude wird Verwaltertum erzwungen, anstelle unternehmerischer Unsicherheit, freudig bejahter Panik und Erfolgshunger Stillstand- und Bewahrermentalität.

Das Verrückte an dieser und ähnlicher Debatten: Es interessiert eine Mehrheit der Menschen nicht mehr, dass, wenn erst die Wirtschaft bremst, dann lahmt und irgendwann stehen bleibt, weder Politik an sich, noch beschauliche Feindbildpflege und rundumversorgtes Opfertum möglich sind. Stattdessen: Es läuft ja alles rund. Der Staat wirtschaftet gut, läuft von einem Einnahmenrekord zum nächsten und produziert Überschüsse im Milliardenbereich. Warum sich also querstellen auf der breiten rotbeteppichten Strasse, wo es sich so sicher und weich in der Gruppe gehen lässt, wo staatlich ausgeschildert der Weg ins quasi-messianische Reich von Gerechtigkeit, Gleichheit und Sicherheit gewiesen wird und wo für jedwede Befindlichkeit und Konsequenz falscher Entscheidungen eine wahlweise „Leben“ oder „Freiheit“ genannte Verrichtungsbox bereitsteht?

Was allerdings „gut zu laufen“ scheint, läuft längst nicht mehr. Die Gestaltung der Gesellschaft, ihre „Steuerung und Lenkung“ (Kretschmann) übersteigt kostenmässig alles, was der Saat sich risikolos an Fremderwirtschaftetem einverleiben könnte. Bezahlbarer Wohnraum, Rentenerhöhungen, Minderheiten-Förderung, grüne Wirtschaft, Mindestlöhne, Energiewende, Elternschafts-Leistungen, Chancengleichheit, soziale Sicherheit, Teilhabe-Garantie und Menschenwürde (wozu heute auch Smartphone, Auto und Freizeitgestaltung zählen), kurz die Übernahme dessen, was „Leben“ ausmacht, durch den Staat, ist nicht gratis und vor allem nicht finanzierbar. Die Staatschuldenquoten sprechen eine deutliche Sprache. Dass die Konsequenz dieser Politik weitere Schulden, weiteres Gelddrucken durch die EZB und à la longue irgenwann für jeden spürbare Geldentwertung zur Folge hat, wird verdrängt. Stattdessen findet laut aktuellen Berichten eine Mehrheit der Deutschen zurzeit ein Bedingungsloses Grundeinkommen eine gute Sache. Die Panik über die längst diskutierten Bargeldverbote überlässt man den rechten Hetzern und Verschwörungstheoretikern.

Das Resultat wird – einmal mehr – Miltons Friedmans Dreisprung sein: „Von der öffentlichen Wohlfahrt über die Finanzkrise in die Unfreiheit.“ Gibt es Hoffnung? Der Schreiber dieser Zeilen hegt sie nicht. Wo eine Mehrheit der Menschen sich aufregt, dass „der Staat“ dieses statt jenes finanziert, diesen Geld gibt und nicht jenen, den „Falschen“ hilft und die „eigenen Leute darben“ lässt, ist nichts zu hoffen. Wo Menschen sich an der Frage aufreiben, welcher „Seite“ sie angehöhren während das Spannendste, Härteste, Erfüllendste, und Oberste – die Freiheit – Störfaktor und – in Gestalt des Unternehmers – Feind ist, kann der Abgrund nicht umgangen werden. Eine Gesellschaft, in der wieder „Märsche“ (der Anständigen, der Frauen, usw.) Hunderttausende locken, und die Leben und Wirken der Menschen in „Lager“ (links, rechts, Mitte) spaltet anstatt zu aller Nutzen zu kooperieren, für die Freiheit und gegen jedes Diktat, hat die Abrisskante schon hinter sich. Und – so hart es tönt – sie hat es verdient.

Bringen wir’s hinter uns.

Leben als genderakzeptables Nichts

2011 wurde die sogenannte Istanbul-Konvention ausgearbeitet. Es handelt sich dabei gemäss offiziellem Wortlaut um ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und ist als solches ein völkerrechtlicher Vertrag, der per 1.8.2014 in Kraft trat. 43 Nationen haben ihn unterzeichnet, 22 bereits ratifiziert. In Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein steht die Ratifizierung noch aus. Im Fall der Schweiz hat der Bundesrat am 2. Dezember 2016 die empfehlende Botschaft an das Parlament verabschiedet – die Entscheidung steht bevor.

Warum sich hier mit etwas befassen, das in den Meinungsschleudern des Mainstreams  nicht stattfindet, beziehungsweise nur dann bearbeitet wird, wenn man mit der Thematik gegen die Polen – diese teilrenitenten traditions- und nationsversessenen Feinde des Friedensprojekts Grosseuropa  – schiessen kann?  Warum „es“ wie so viele vor ihm, nicht einfach abtun als politische Lachnummer und quasi aufgebahrt liegenlassen? Warum in Rage geraten wegen eines weiteren Brüsseler Machwerks, das die Tatsache ignoriert, dass die Schweiz und andere Länder längst die Standards zum Schutz der Frau (ja – es tönt wir Artenschutz) erfüllen, die es fordert, und dessen Umsetzung den Steuerzahler voraussichtlich Millionen kosten wird? Denn wenn auch nichts anderes – dies eine wird es garantiert: kosten. Viel kosten.

Finanzielle Mittel sind sicherzustellen für umfassende politische Massnahmen, Unterstützung von auf Geschlechter und Geschlechtergewalt spezialisierten NGOs auf allen Ebenen, Koordinationsstellen zur Beobachtung, begleitende Forschung, bevölkerungsbezogene Studien, Kampagnen und Programme zur Bewusstseinsförderung und zur Behandlung, Lehrmittel, Fortbilduns- und Ausbildungsmassnahmen, rechtliche und finanzielle Unterstützung von Opfern, Ausbildung, Schulung und Hilfe bei der Arbeitssuche, Schutzunterkünfte, kostenlose landesweite und täglich rund um die Uhr erreichbare Telefonberatung, Errichtung von Krisenzentren. Ausserdem ein 15köpfiges Expertengremium zur Überwachung, das nicht nur Immunität, sondern auch weitere, ansonsten Regierungsvertretern vorbehaltene Vorrechte geniesst. Die Aufzählung ist nicht vollständig.

Okay – zugegeben: Da kann den steuererpressten Bürger schon eine nicht ganz wutfreie Regung streifen. Aber sind wir das nicht längst gewohnt? Doch – sind wir. Aber in diesem Fall ist es geboten, sich aufzuraffen, Leserbriefe zu schreiben, Kommentare in jedem uns zur Verfügung stehenden Gefäss – alles, um auf dieses im Schatten der Hyperaktualität in Vorbereitung befindliche „Geschäft“ aufmerksam zu machen. Warum.

Deshalb, weil „Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ nur Deckmantel sind. Es geht, mutet man sich die Lektüre des Übereinkommens sowie des erläuternden Berichts zu, um etwas ganz anderes: Hier wird in furchterregender Milde und hirnspaltend sachlich nicht nur die praktische Umsetzung einer kulturmarxistischen Agenda besiegelt, sondern auch die Integration einer islamischen Gewaltkultur als selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft und flächengreifendes Betätigungsfeld des Aneignungsspezialisten Staat vorausgesetzt und zementiert.

Tut man sich den ganzen Anforderungs-Katalog, beziehungsweise die ihm zugrunde gelegte Wirklichkeit an, wähnt man sich als Leser unversehens in eine sozialgeschichtlichen Epoche versetzt, von der man bisher nichts ahnte, und in der Gewalt, Mord und Unterdrückung der Frau nicht nur Normalität, sondern alltägliche Pöbelbelustigung zu sein scheint. Die diese Gesellschaft beherrschenden Männer sind ein Haufen zwanghafter, hyperkonditionierter, unerbittlicher und jederzeit gewaltbereiter Wahnsinniger. Soweit die Sicht der Verfasser.

Dass wir als Gesellschaft davon Lichtjahre entfernt und auf der Anti-Diskriminierungsschiene teilweise längst übers Ziel hinausgeschossen sind, braucht hier nicht weiter behandelt zu werden. Aber daher weht der Wind auch gar nicht. Woher stattdessen wird erst in den Tiefen des Werks klar. Dort, wo man den erzieherisch „richtigen“ Willen regelrecht schmatzen hört und wo mehr als bloss ein leichtes konstruktivistisches Gerüchlein über der Sache liegt.

Die Übereinkunft hebt als erster solcher Vertrag die biolgische Bedeutung von Mann und Frau auf. Geschlecht bezeichnet nach der völkerrechtlich bindenden Übereinkunft keine biologische Gegebenheit, sondern ausschliesslich gesellschaftlich geprägte Rollen, Verhaltensweisen, Tätigkeiten und Merkmale, die eine bestimmte Gesellschaft als für Frauen und Männer angemessen ansieht.Der Mann wird in diesem Verständnis per se und mit geradezu grotesker Selbstverständlichkeit mit Gewalt und Untedrückung in Verbindung gebracht. Er gehört umerzogen – wenn nicht gleich zur Frau (die sind gut), dann wenigstens zum Menschen. Denn: Wer Mann ist, ist eigentlich schon Täter. Und es ist in dieser ideologischen Blase nur konsequent, wenn das Papier festhält, dass Massnahmen mit dem Ziel zu treffen seien, die „Vorurteile, Bräuche, Traditionen und alle sonstigen Vorgehensweisen, die auf der Vorstellung der Unterlegenheit der Frau oder auf Rollenzuweisungen für Frauen und Männer beruhen, beseitigen.“

Ehe, traditionelle Familie nach klassischen Rollenbildern,  männertypische Berufe oder Studienfächer gelten in diesem Verständnis als „wirtschaftliche Gewalt“ und „strukturelle Unterdrückung“. Gegenseitige und freiwillig vereinbarte Abhängigkeit innerhalb einer Partnerschaft oder Familie ist der totalen Abhängigkeit vom Staat zu opfern. Es fällt dann auch leichter, die andernorts grandios gescheiterte Wahnidee vom neuen Menschen schon ab frühestem Alter und via Fremdbetreuung und -Erziehung in die Kinderhirne hinein zu praktizieren.  Von unseren Traditionen und Bräuchen, die alle aus Zeiten stammen, als das Wort „Diskriminierung“ noch nicht erfunden war, ganz zu schweigen. Kurz: Unter dem Label des „Opferschutzes“ wird hier gerade ein neuer Geschlechterkampf Marke „Eiserner Vorhang“ aufgezogen, der in Wahrheit nur eines will: Die Menschen (allen voran den Mann) auf einen sozialen und geschlechtlichen Null-Wert herabwürdigen. Eine Art Säugetier, das sich im Produktionsfaktor-Sein erschöpft.

Die Frage, wie dieser radikale Kulturmarxismus, der sich gegen alle konservativen Lebensmodelle und Geschlechterarrangements, mit der eine Mehrheit der Leute nach wie vor gut lebt, sich mit der Freiheit des Individuums und der Idee eines liberalen Rechtsstaats verträgt, bleibt unbeantwortet. Der Leser gerät indes in Versuchung zu vermuten, die Verfasserschaft der Mache wähne sich längst nicht mehr in einem solchen: In der auf mehrheitlich westliche und christlich geprägte Gesellschaften zugeschnittenen „Übereinkunft“ werden den Themen „Zwangsheirat“ und „Genitalverstümmelung“ eigene Absätze und Artikel gewidmet. Die Worte „Ehre“ und „Ehrenverbrechen“ kommen 14 Mal vor.  Noch Fragen?

Nein? Dann schiessen Sie aus allen Rohren. Heute in der Schweiz, morgen in Deutschland. Der grosse Teil dessen, was sich Bildungsindustrie nennt (Medien, Kultur, Bildungsstätten) ist längst übergelaufen und zelebriert den abgeschafften Mann wie gerade eben anlässlich der New York Fashion-Week mit zu Darstellern in einem Monstrositäten-Kabinett erniedrigten Wesen, die nur noch entfernt menschliche Züge zu haben scheinen. Von Männern ganz zu schweigen. Was hier abgemagert, in geschminkter Lächerlichkeit und verhangenem Blick in Stöckelschuhen,  Strapsen, Braukleidern, Jupes und Jäckchen über die Catwalks stolpert, lässt einem jedes Lachen auf Brusthöhe einfrieren. Nicht mal Wut kommt auf. Und so gerne man sich abwenden würde, vergessen – tun wir’s nicht: Das ist unsere Sache, die hier von den Medien wohlweislich verschwiegen und im Stillen verhandelt wird. Ihre und meine.

Der Gast

Willommenskultur – Jetzt auch auf meinem Blog. Der Gast mit vorläufigem Bleiberecht ist Deutscher. Ausserdem Arzt, Aussteiger, Zeit seines Lebens Aussenseiter und Abenteurer. Er wird sich in regelmässig unregelmässigen Abständen zu politischen und gesellschaftlichen Themen äussern. In Form von Artikeln, Statements und Anekdoten. Er provoziert dort, wo scharf geschossen wird (meist rechts der Mitte), stellt dem faschistoiden Diktat der selbsterklärt „Guten“ oft beissenden Spott engegen und heisst den Preis, den solches heute vom Einzelnen fordert mit einem gerüttelt Mass Zynismus willkommen. Ein weiterer „Wüter“ bloss, ein Zeterer und aus der Ferne Stänkernder? Nein – Ein echt Engagierter, der um und für Inhalte ringt. Immer. Ein Sich-entgegen-Stemmender um der Liebe zu seinem Land Willen. Ein Hoffender, der Kategorien von „links“ und „rechts“ und „oben“ und „unten“ hinter sich hat. In letzter Konsequenz ein Optimist. Egal wie’s kommt. Hier die erste „Hasenpost“.

Hasenpost – Nachrichten aus dem Wald

Der Hase meint: „Ja, dieser Karneval hier muss verboten werden: Schwimmen ohne Einmann-Zelt. Schwule, die Händchen halten. Und dann die Schweine in Kinderbüchern. Das geht nicht.“ Die ‚Flüchtlinge‘ drohen mit Maßnahmen.

Wie schwachsinnig muss man sein, so einen Müll zu schlucken oder gar zu fordern? Und solche Leute sollen uns in Deutschland retten von wegen frischem Blut? Die hier Raum- und sonstwas Greifenden? Wer so was will, ist doch nicht mehr frisch im Kopf. Aber sich über einen Viktor Orban oder Präsidenten Trump aufregen, das wären ganz schlimme antifreiheitliche Monster, und dekorativ vor Kameras rumheulen, während man faschistoide Religionsunterwerfung für weltoffen hält.

Hopfen und Malz sind endgültig verloren. Macht nix, der Prophet verbietet sowieso Alkohol.  Scharia, Ehrenmord und Totschlag sind okay, Bierchen sind haram, Ungläubige sind minderwertig und alles so unrein, während man(n) sich heimlich nackige weiße „Schlampen“ ansieht, oder gar ungefragt anfasst. Und alles HIER in UNSEREM Land, das ist Satire, oder? Bitte sag mir einer, dass so ein Irrsinn Satire ist, von mir aus auch mit Ziegen, aber Satire, ja? Hallo? Regierung? Justiz? Polizei? Medien? Jemand zuhause? Ich hätte da mal eine Frage. Was sind das für Leute, die hierher kommen in ein Land, wo sie dauernd alles Mögliche beleidigt, ja sogar unser Denken? Und warum müssen wir machen, was die wollen? Frau Merkel, was soll das?

Zurück zu den Schweinereien. „Schon seit Jahren zählen muslimische Staaten wie Pakistan, Ägypten und Saudi-Arabien zu den Ländern, aus denen laut Suchmaschinenbetreiber Google die weltweit meisten Anfragen zu den Themen Sex und Porno kommen“ (Stern, 28.11.2013: NSA sieht Islamisten beim Pornogucken zu). Ach nein, wir wollten von richtigen Schweinereien reden. Also erstmal: dass das Schwein ein unreines Tier sei und Schweinefleisch zu meiden, hat einen schlichten, lebenspraktischen Hintergrund: Ohne Kühlung hat man im Orient ruckzuck ein Problem mit Trichinen. Das ist alles, darum ging’s ursprünglich. Der Rest ist Mythos. 1400 Jahre Aufregung wegen Schweinen für nix. Denn heute gibt es das Trichinen-Problem nicht mehr, dafür Hygiene, Tierärzte, Antibiotika und Kühlschränke. Das hat Prophet Mohammed nicht voraussehen können. Wie? Okay, aber Allah hätte es wissen müssen …

Nachdem dieser unsäglich rückständige Blödsinn geklärt wäre, kommen wir jetzt zur Kunst. Wollen wir mal gar nicht über das Schwein als Glücksbringer in der Ikonographie reden und staunen, wie ein so unreines Tier sich solchen Ruhm zu erschleichen erquiekte. Reden wir über Odysseus und Circe oder über die drei kleinen Schweinchen. Ich zum Beispiel hatte das Glück einer vorislamisch-genderlosen Kindheit ohne Frauen, die dauernd zwanghaft am Kämpfen waren. Also meine Frauen – Mama und diverse Tanten – die kämpften schon, aber eher mit dem Haushalt als gegen fiese Chauvis, die damals noch nicht breitenwirksam erfunden waren. Jedenfalls bei uns zuhause da taten Männer das, was sie immer taten: alles wuppen, hinterher Bier trinken und eine rauchen. Voll unterdrückend eben. Und ich hatte das Glück, damals in meinen heißgeliebten Comics u.a. die Bekanntschaft von Ede Wolf und den drei Schweinchen zu machen, aber das noch viel größere Glück war, das ging mir erst viel viel später auf, dass die Comics nicht nur nette Kunst, sondern sogar Kultur waren. Wie nun dieses? Nun, ganz einfach: Die Übersetzerin dieser Strips war einfach genial. Sie ließ zum Beispiel Ede, den großen bösen Wolf, Sachen sagen wie: „Mein ganzer Sinn und Lebenszweck sind Borstenvieh und Schweinespeck“. Nun, das kennen manche. Aus dem Zigeunerbaron. Der Text würde dann weitergehen: „Das Schreiben und das Lesen sind nie mein Fach gewesen, denn schon von Kindesbeinen befasste ich mich mit Schweinen.“ Das wußte ich allerdings damals noch nicht, aber das waren natürlich nicht die einzigen Klassiker-Verse, die ich auf die Art kennenlernte. Die promovierte Kunsthistorikerin, die den deutschen Übersetzungen Seele einhauchte, leistete an mir über viele Jahre ganze Arbeit, und an mindestens einer oder zwei Generationen Comic-Lesern auch. So lernte ich was, ohne es zu merken. Ich hatte Spaß und merkte mir die lustigen Verse und das sozusagen gratis, weil da jemand einfach Spaß an unserer Kultur hatte und drin schwelgte, und es genial und mit Gefühl den Lesern auf den Punkt hinschrieb.

Heutzutage haben die meisten Dinge im Internet weder Herz noch Seele, und solche Kultur-Extras wie Ede und die 3 Schweinchen sind eher voll ätzend gruftig. So ist das halt mit einem modernen, auf Digital Naives basierenden Neofaschismus, der als like-bare Bessere-Welt-Moral daherkommt. – Und das kann nur passieren, weil Boko haram ist, Bücher und Bildung also Scheiße sind, eigenständiges Denken haram, in der Masse blöken und mitlaufen aber halal. Und individuell bedeutet nur noch, was alle cool finden, nicht was einzigartig ist. Natürlich haben die Leute keinen verlässlichen Horizont mehr. Bildung, Kultur und Geschichte sind passé. Sonst würden sie einen Faschismus erkennen, wenn er ihnen über den Weg läuft, und über George Orwell’s 1984 Bescheid wissen. Das jahrzehntelang aufgewendete Geld, die ganzen Institute und Lehrbücher, die haben alle nicht dazu geführt, dass die Leute Faschismus erkennen und ablehnen, obwohl andauernd laut und schrill dagegen „gekämpft“ wird. Das ist so lächerlich, so armselig. Und dann unterwirft man sich steinzeitlichen Regeln, dass es einer Sau graust, und nennt’s „integrativ“. Seit diese unsäglichen Grünen am Ruder sind, wird laufend eine kulturelle Atombombe nach der anderen geworfen. Kritik- und hirnlose, kulturlose Gleichschaltung, wir kommen! Aber Schweine in Kinderbüchern verbieten wollen! Ich weiß auch warum: Schweine sind schlaue Tiere.

„Herr der Fliegen“

Der 1954 erschienene Roman von William Golding erzählt die Geschichte einer Gruppe von Jungs zwischen sechs und 12 Jahren, deren Flugzeug im Zug einer Evakuierungs-Aktion abstürzt und die auf einer unbewohnten Insel strandet. Auf einen Schlag dem Einfluss der Zivilisation und der Erwachsenen entzogen, vollzieht sich fast sofort und den persönlichen Präferenzen und Prägungen der einzelnen Jungen entsprechend eine Spaltung der Gruppe in zwei Teile. Die einen unter Führung von Ralph bemühen sich um den Erhalt restzivilisatorischer Vernunft und suchen in erster Linie nach Lösungen, die zu ihrer aller Überleben und Auffinden führen sollen. Die anderen versammeln sich um Jack, der seinen „Leuten“ dominant und fordernd Action, Abenteuer, Frass und Spass verspricht. Was als Meinungs-Differenz beginnt wird zum Konflikt, zur gnadenlosen Hetzjagd und schliesslich zum Massaker. Jack siegt auf ganzer Linie: Ralphs Gruppe ist teils unter Zwang, teils freiwillig übergelaufen oder tot. Er allein überlebt durch pures Glück.

Die Story ist fürchterlich. Der scheinbare Widerspruch zwischen der Gewaltorgie und der Tatsache, dass es Kinder sind, die sie veranstalten, ist kaum auszuhalten. Ebensowenig der Leim falscher Freiheit, auf den die Jungen der Gruppendynamik und Jack folgend gehen und sich in keinem Moment bewusst sind, dass er deren Gegenteil ist: Knallharte Hierarchie in ihrer autoritärsten und totalitärsten Ausprägung.

Daran erinnert und in nicht minder bestürzter Ratlosigkeit findet man sich, im Fall aktueller Begebenheiten wieder. Da wäre zum einen die Studentenvertretung der Uni Salzburg, die mittels eines Sitzungsprotokolls „Verstösse“ gegen gender-gerechtes Verhalten festhalten will. Einträge in das Protokoll soll es beispielsweise bei „Augenverdrehen“, „nicht geschlechtergerechter (was für ein Wort!!) Sprache“ oder „sexistischen Wortmeldungen“ geben. Darüber, wie die „Verstösse“ geahndet, beziehungsweise die Verstossenden umerzogen werden sollen, schweigt sich die Vertretung von rund 300’000 Studiernden, die sich über Pflichtbeiträge finanziert, aus.

Ein weiteres Beispiel: Die Scheite auf dem Haufen, der für den schwulen katholischen Juden Milo Yiannopoulos von der versammelten Meinungs- und Medienschafferschaft errichtet worden ist, heissen „Hate-Speaker“, „Ultrarechter“, „Frauenfeind“ und „Trump-Fan“. Gestern hat ein Teil der Studentenschaft der Uni Berkley entschieden, es sei an der Zeit, die Chose anzuzünden. Mit gewaltätigen Protesten, die sowohl Verletzte, als auch enorme Sachbeschädigungen zur Folge hatten, und die nur mittels eines Grossaufgebots der Polizeit unter Einsatz von Tränengas beendet werden konnten, wurde der Auftritt des „Wortführers der Alt-Right-Bewegung“ im Rahmen seiner Dangerous-Tour verhindert.

Man kann schulterzuckend feststellen: Kinder sind gnadenlos – auch dann, wenn sie schon Mitte zwanzig sind. Die Fragen indes „zuckt“ man damit nicht weg. Warum benehmen sich nach neuesten pädagogischen Standards sozialisierte Jugendliche wie die Jungs in „Herr der Fliegen“ – wie Kinder? Warum ausgerechnet sie, die in den Achtzigern und Neunzigern in grossen Wohlstand, individuelle Freiheit, in oftmals antiautoritäre Erziehungsmodelle und mitten in die freie Persönlichkeitsenfaltung hineingeboren wurden? Wie sind diese Menschen, die heute die Jugend sind und morgen Entscheidungsträger sein werden, geprägt und sozialisiert worden wenn das Endprodukt dieser „Erziehung“ in lupenreiner Ideologie, im denunziatorischen Spitzeltum und im gewaltsamen Vernichten anderer als den eigenen Ideen beseht?

Oder anders ‚rum: Woher kommt dieser Wahn? Dieses das Leben und die Feiheit anderer niedermähende Sich-Festklammern am eigenen und einzig „Richtigen“ trotz teilweise himmelschreiender Unvereinbarkeit mit überprüfbaren Realitäten? Woher diese Lust am an Nager gemahnenden schnatternden, pfeifenden, beissenden und hugrigen Lynchmob, der sich als die Vorhut des Korrekten und Kultivierten verstanden sehen will? Wie ist die Schizophrenie erklärbar, in der die Panzerdivisionen lebensunerfahrener Moralwächter Seit an Seit mit der Überzeugung eigener „Gerechtigkeit“ und „Richtigkeit“ koexistiert?

Die Frage, ob es möglicherweise an scheinbaren Freiheit der „Kinder“, die in Wahrheit oft nichts anderes als die Befreihung der Eltern war und ist, liegt, muss hier erlaubt sein. Eigenständigkeit, Selbstverantwortung und Kreativität sind die schönen Schlagworte einer Erziehung, die vor allem eines ist: keine Erziehung. Keine Grenzen, Engen, Zwänge. Das Kind entwickelt sich selber zu einer guten, freien und reifen Persönlichkeit. Oder frei nach Frankfurter Schule: Die totale Grenz- und Autoritätsbefreiung des Kindes zu nicht weniger als der Verhinderung von Faschismus und autoritärer Charaktere.

Was ist, wenn das Gegenteil richtig ist? Wenn sich selbst enwickelnde Kinder genau das suchen, was die Eltern – aus welchen Gründen auch immer – ihnen verweigern? Nämlich Grenzen, Regeln, Hierarchien? Wenn all jene „kindergerechter“ handeln, die sagen, ihre Regeln und Grenzen seien nicht in erster Linie Freiheit raubende Gebote, sondern ihre beiden in Liebe ausgestreckten Arme, von denen der eine Respekt fordere und lehre während der andere Vertrauen  zum Leben und zu anderen fördere. Arme, in  deren scheinbarer „Enge“ ihr Kind frei heranwachsen und gefahrlos auch das entfernteste Andere kennenlernen könne?

Der Schreibende hat selber keine Kinder, ist aber der Meinung – bei allem Respekt für die erzieherische Freiheit jedes Einzelnen – dass diese Fragen gestellt gehören. Denn: Wenn in Zeiten, wo die Not eine rein emotional gefühlte ist, derartiges wie die obigen Begebenheiten, nicht nur angedacht, sondern umgesetzt wird, dann mag man sich nicht vorstellen, was das Gebot der Stunde bei jenen Menschen sein wird, sollte das Leid ein real erlebtes werden. Solches Verhalten zeugt von allem möglichen, nur von einem nicht: von Freiheit. Und es spricht den Parolen von Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit Hohn.