Mikrofon-Solidarität funktioniert nicht

„Die Griechen der Schweiz“ titelte im Herbst 2012 die Zürcher „Weltwoche“. Gemeint waren die Romands, die in „mediterranem Schlendrian“ und fast schon traditionell jede Statistik betreffend die staatliche Umverteilungsmaschinerie unter negativen Vorzeichen anführen. Der Aufschrei war gross. „Diskriminierung“ riefen die einen, „Endlich mal aufräumen, den Saustall“ die anderen.

Tatsache ist: Die Hysterie war rein medialer Natur und verebbte spätestens an den Schwellen steuergeldfinanzierter Gleichstellungs-Büros. Der Schweizer indes hatte Grund zu neuen interkantonalen- und -kulturellen Witzen und Sprüchen und  kümmerten sich ansonsten nicht weiter darum. Man wusste es längst. Aber vor allem: Der Deutschschweizer sympatisiert mit dem angemafiöselte Temperament der Tessiner ebenso, wie mit dem nongschalanten Laisser-Faire der Welschen. Und wenn die Béliers (eine militante Organisation jurassischer Separatisten) in einer Nacht- und Nebelaktion das Pyramidendach über dem Stein, der den geographischen Mittelpunkts der Schweiz symbolisiert, abmontieren,  um es im heimischen Bellay wieder aufzubauen, dann meint wohl der eine oder andere, man solle die ganze Bagage am besten ausschaffen. Der Brustton, in dem solche Äusserungen jedoch getätigt werden, klingt nach was ganz anderem: „Geile Aktion, Jungs. Weiter so.“. Der Tenor von alldem: Wir sind Schweizer.

Man stelle sich vor, der EWR wäre anno 1992 nicht in die EU überführt, sondern als hocheffiziente inter-nationale Kooperations-Zone weiterentwickelt worden. Wenn dann dieser Organisation 2012 der Friedensnobelpreis verliehen worden wäre, dann hätte es auch Witze gegeben („Ohne die Griechen hätten wir das nicht geschafft.“), Kopfschütteln, Schulterzucken. Aber es wäre nicht jene pervertierte Seligsprechung des weltweit einzigen Parasits gewesen, der naturgemäss grösser wird als sein Wirt – die Staatbürokratie. Und man hätte nicht versucht, das Vorkommnis – ähnlich einer unter Alkoholeinfluss begangenen Selbstbefleckung in coram publico – so schnell wie möglich und peinlich berührt zu vergessen.

Natürlich hätte die von den USA ausgehende Subprime-Krise und die nachlaufende Wirtschaftskrise auch in diesem Seznario mit voller Härte zugeschlagen. Wie die Nationen Europas als souveräne Staaten mit eigener Währung hätten reagieren können, ist zur Genüge behandelt und aufgezeigt worden. Ausserdem hätte der Markt die gargantueske Verschuldungsorgie Privater und öffentlicher Hand nicht erlaubt.

Was nicht thematisiert wird ist die Möglichkeit, dass der kontinenterschütternde Crash solidaritätsfördernd im besten Sinn des Wortes hätte wirken können. Natürlich wäre abgewertet worden auf Teufel komm‘ raus. Aber: Man hätte im Norden von in den Boden gehämmerten Liras, Peseten oder Drachmen profitiert. Hätte billigere Waren und Dienstleistungen kaufen können. Reisen unternehmen. Eine Woche länger in Spanien bleiben. Natürlich in erster Linie aus Gründen der Wirtschaftlichkeit. Aber die PFIGS gefallen eben auch. Man hegt Sympathie nicht nur für Meer und Sonne, sondern auch für die unbeschwerte Trägheit der Lebensart, die vetternwirtschaftliche Komplizenschaft, in die man mit einbezogen wird, die schulterzuckende Problemkonfrontation. Und möglicherweise wäre die eine oder der andere nach Griechenland gefahren anstatt nach Sharm el Sheik nach dem Motto: „Die können das jetzt brauchen“.  Das wäre Solidarität in ihrer einzig echten Form: FREIWILLIG.

Die Realität sieht anders aus. Hunderte Milliarden Steuergelder sind geflossen. Zinsen wurden abgeschafft. Die EZB mausert sich zum Super-Hedgefonds. In Italien stehen z.Z. an die 400 Milliarden an Unterwasser-Krediten zur Debatte. Der „Norden“ wird zahlen. Spanien und Portugal müssen die Defizitziele nicht einhalten und werden nicht gebüsst, wie in den konstitutiven Verträgen vorgesehen. Gleichzeitig ist sich die Brüsseler-Clique nicht zu schade, das Rechtsstaatsverfahren gegenüber Polen ohne Pardon zu verschärfen, während Herr Gabriel Herrn Tsipras im selben Moment in bester sozialistisch-brüderlicher Manier und medial wirkungsvoll den Transfer der gescheiterten EE-Industrie von Norden gen Süden und die „wirtschaftliche“ Ankurbelung Griechenlands mittels totaler Solar-Stromifizierung auf Steuerzahlerkosten in die Hand verspricht. (Die erste österreichische Solarfirma hat sich nur Wochen nach Gabriels Ankündigung mit einer Tochtergesellschaft in Griechenland niedergelassen. Hier. Umsatz von der EU garantiert. Und die haben dann die Chuzpe, das ganze Wirtschaft zu nennen.)

Der EURO ist ein rein politischer Projekt und hat mit wirtschaftlichen Realitäten nichts am Hut. Dem Willen des selbsternannten Projekt-Managements steht man  als Bürger grösstenteils ohnmächtig gegenüber. Weil aber Solidarität jenseits pjöjangscher Mikrofone eine rein private und freiwillige Sache ist, kann man wenigstens hier etwas bewirken. Und sei es nur, dass man sich dem Massen-Groll auf die Griechen, die Spanier, die Italiener entzieht und sich mit aller Kraft stemmt, gegen die medial bewirtschaftete Dauer-Hetze. Weder tragen diese Menschen die Schuld am aktuellen Desaster, noch sind sie faul. Der aktuelle Zustand ist umgesetzter politischer Wille. Ein Abenteuer, zu dem sich weder Griechen noch Deutsche angemeldet haben.

In meiner Nachbarschaft zieht eine portugiesische Familie in Drei-Generationen-Arbeit und Feierabend-Schichten gerade ein Haus für die Jüngsten hoch. Wenn sie so weitermachen, steht es spätestens Mitte September. Sie fordern mir meine ganze Bewunderung ab und ich bin froh, dies hier in Frankreich erleben zu dürfen. Das ist Europa.

 

 

 

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Die Weilgeilheit der Verleugner

Als ich meine Firma gründete zog ich zur finanziellen Spielraumerweiterung und Risikominimierung in ein Mansardenzimmer. Dass ich damit gleichzeitig in das Leben eines hartgesottenen Profitoxers trat – oder er in meins , das lässt sich nicht so genau sagen – wurde mir bewusst, als ich mich innerhalb einer Woche aufgrund diverser Geräuschdetonationen, die sich anhörten, als würde gleich nebenan jemand den Verstand verlieren, zum x-ten Mal an dessen Seite kniend und lebenserhaltende Massnahmen in Erwägung ziehend wiederfand. Dass sein Hund jeweils zu Verteidigungszwecken absolut nicht welcome-mässig zähnefletschen  auf ihm drauf lag, entspannte die Situation überhaupt nicht.

Wenn Sie im rot-braun eingefärbten Bildungssystem bereits praktisch-lebensnahe Kompetenzen, wie etwa jene, seinen Vor- und Nachnamen zu tanzen, vermittelt bekommen haben, dann wissen Sie: Süchtige sind krank. Kranken muss geholfen werden. Während mein Neonachbar sich kurz vor dem existentiellen Check-out selber in die Psychiatrie einwies, versuchte ich zu helfen. Lief mir die Hacken ab beim Beschwichtigungsversuch von Rechtsanwälten, Untersuchungsrichtern und Dealern, bezahlte Hundeheime und Tierarztrechnungen, suchte einen Job, bezahlte Schulden. Als er sich – natürlich vor Ende der Therapie und natürlich, weil sie einen in diesem beschissenen Kindergarten behandelten wie einen minderbemittelten Wilden – aus der Klinik zurückmeldete verlor er sich kurzfristig in komplex sentimentalen Dankesbezeugungen in Form von Collagen, Zeichnungen und der Idee, trotz beidseitiger überzeugter Heterosexualität eine Art Paar zu bilden. Und dann ging das Spiel von vorne los. Ein Bier, zwei Bier, bisschen Gras. Ein Pfeiffchen, zwei, drei. Bis er sich erneut und mit Vollgas von einem Filmriss zum nächsten und an den Rand des Abgrunds mit Endziel Psychiatrie kokste. Das ganze in vierteljährlichem Rhythmus. Man gewöhnt sich dran. Unser Verhältnis blieb ungetrübt, beschränkte sich aber fortan darauf, dass ich ihm einen Kaffee anbot falls er danach aussah, als könne er ihn bei sich behalten.

Im allgemeinen Duktus politisch-korrekten Neusprechs sind Politiker nicht „krank“. Was sie sich aber mit den Schwerstabhängigen teilen – abgesehen davon, dass beide meist zu 100% steuergeldfinanziert sind – ist eine bis unters Dach reichende Total-Austattung an Feindbildern, Gründen, Bedürftigkeiten und Schuldigen. Sie selber finden in dieser Weil-Orgie als potentiell Verantwortliche oder Verursacher naturgemäss nicht statt. Beispielhaft dafür steht das hilflose nervenzerrüttende Lamentieren rund um die Asylkrise in der Schweiz und anderswo. Dass irgendwann vor gefühlten Äonen ein Märchen mit Namen Schengen-Dublin von längst vergessenen Politikern mittels hartgesottenster Lügen durch den demokratischen Prozess gejagt wurde hat man längst vergessen. Dass auch dann noch an den phantastischen Qualitäten des Abkommens festgehalten wurde als zahlenmässig längst belegt war, dass es nie funktioniert hat und es auch nicht tun würde, davon spricht man heute nur noch, wenn die Heroen des veranwortungslosen Reagierens zur eigenen Reinwaschung oder einfach zu PR-Zwecken eines Schuldigen bedürfen. Dass die Sicherung der Aussengrenzen im Schengen-Dublin-Raum nicht funktioniert – sei es gewollt oder aus Unfähigkeit – kann von den nationalen Verantwortlichen ohne Not mit der Unfähigkeit Brüssels begründet werden. Man selber kann nichts dafür. Die Helden der staatlichen und parastaatlichen Umgestaltungs, Aufnahme-, Integrations- und Betreuungsindustrie haben sie nicht verschuldet, die Fluchtursachen, haben nicht die viel zu langen Grenzen erfunden, können nichts dafür, dass zu wenig Bares für Grenzschutz und Sicherheitsbehörden da ist, sind nicht die Trauma auslösenden Kräfte hinter psychischen und praktischen Amokläufen, die nebst kultureller Voreingenommenheit und religiösem Fanatismus möglicherweise auch in Zusammehang stehen mit der Diskrepanz zwischen Versprochenem und Erhaltenem. Und schliesslich ist es nicht das Problem dieser Virtuosen der Zwickmühlen und Kompromisse, dass sie geschlagen sind mit einer Bürgerschaft, die partout nicht integrieren, willkommnen, sich anpassen und zufrieden sein will mit der Rolle des Gebenden und Helfenden. Schizophrenie ist die Regel – beim Hardcore-Freebaser ebenso wie beim Politiker.

Irgendwann konnte mein Mansarden-Nachbar dem physisch-oragnischen Vom-Regal-Fallen nicht mehr ausweichen. Was ihn im Spitalbett  nicht davon abhielt lautintensiv zu nöhlen, wenn sein Scheiss-Arzt ihm gesagt hätte, dass Leberzirrhotiker irgendwann das eigene Blut kotzen würden, dann hätte er … usw.usf. Er lebt nicht mehr.

Das wirkungslose Verpuffen eines Menschenlebens tut einem leid. Sollte eines Tages die Politik via erzwungene Abstinenz (Finanzkrise, Finanzierungsverweigerung der Bürger, ziviler Ungehorsam oder sonstiger totaler Kontrollverlust) schlicht und einfach den Geist aufgeben, dann würde ich eine Sause riskieren. In diesem Fall ist Sucht Grund zur Hoffnung.

Der Hund lebt immer noch.

Steuerverwertungsvisionen

Politik kostet. Politik kostet immer mehr. Politik kostet nur noch. Egal wie orchestral verschlungen, wie sozial tremolierend und mit welch ökonomisch nonchalantem Timbre die verschiedenen Exponenten ihre immer gerechtigkeitsfördernden Gesellschafts-Gestaltungs-Rapsodien vortragen: Am Ende kostet es. Parteiübergreifend wird an einer Art umgekehrtem Buddhismus herumlaboriert: Immerwährende, totale Dauerbesorgnis, die mit methronomischer Gleichmässigkeit in Daueraktivismums und Dauerkosten mündet. Ein paar Beispiele aus den vergangenen Wochen gefällig? Wohlverstanden: Nur solche, denen man auf den ersten Ton anhört, dass sie nicht gratis zu haben sind. Die rein administrativen Massnahmen, Taskforces, Beratermandate, Kommissionen und Masterpläne sind darin nicht enthalten.

Politiker fordert zentrale Verfassungschutzbehörde. Politker fordert mehr Unterstützung für Alleinerziehende. Politker fordert Entlastung für privatversicherte Eltern. Politiker fordert Recht auf Schweizer Pass für Zuwanderer. Die Grünen fordern mehr Schutz der Schweizer Lebensmittel. Politker fordern Frauenquote im öffentlichen Dienst. Grüne fordern nachhaltiges Konjunkturprogramm. Grüne fordern öffentliche Krankenkasse. Grünliberale fordern eine Home-office-Quote. Grünliberale fordern mehr Schutz der Berggebiete vor dem Klimawandel. Politiker fordert Verdichtung gegen Dichtestress. CVP fordert Masterplan zur Euro-Schwäche. JCVP fordert Atheisten-Steuer. CVP fordert, den Zahlungsrahmen für Schweiz Tourismus zu erhöhen. SP fordert Staatsbordell in Zürich. SP fordert eine „Agenda Industrie 4.0“. SP fordert spezielle Massnahmen zum Schutz ökologischer Landwirtschaft in Berggebieten. Politiker fordert mehr Standorte zur Aufnahme von Flüchtlingen. SP fordert Männerquote von 35% bei der Kinderbetreuung. Politiker fordert Bedingungsloses Grundeinkommen. SP fordert von den Unternehmen eine Erhöhung der Löhne. SP fordert flächendeckende Einführung von Ganztagesschulen. Politiker fordert Bargeldverbot. SP fordert mehr Geld für Familien und Vermögenssteuer. SP fordert bessere Integration von Flüchtlingen. Politiker fordert Massnahmen für ältere Mitarbeitende. SP fordert einen höheren Finanzierungsanteil der öffentlichen Hand am Gesundheitssystem. Bundesrat fordert Gratis-Anwalt für Asylbewerber. FDB fordert mehr Bundesgelder für Flüchtlinge. Politiker fordert mehr Mittel zur Sicherstellung der Chancengleichheit. FDP fordert mehr Sicherheit durch Überwachungskameras. Partei fordert staatlichen Familienkredit pro Kind.

Natürlich werden diese Forderungen nicht alle umgesetzt. Die Konkurrenz innerhalb des Reigens stellt ausserdem ein natürliches Regulativ dar. Tatsache ist aber erstens, dass ihre Erzeuger sie alle umsetzen würden, wenn sie könnten und zweitens, dass einige es durch den parlamentarischen Prozess bis zur Umsetzung schaffen.

Der Autor dieser Zeilen ist bei solcher Lektüre zugegebenermassen hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, zu weinen und jenem, jemandem nicht gewaltfrei die Faust in  exponierte Körperstellen zu praktizieren. Irgendjemandem. Denn:

Zentralisierung von Behörden ist am Ende immer ein Wasserkopf. Auch wenn sie einem mit dem Argument der Kosteneinsparungen vorgesungen werden. Ausserdem funktionert die Überwachung der Bürger schon heute viel zu geschmiert. Familien sollen nicht unterstützt werden. Senkt Steuern. Lasst ihnen mehr von dem, was ihnen gehört. Pässe sind kein Menschenrecht. Schon gar nicht auf meine Kosten. Quoten, staatlich dekretierte Lohnerhöhungen und Arbeitnehmerschutz, der über das Bestehende hinausgeht, sind neue Markt-Vergewaltigungen, die in ihrer Konsequenz immer das Gegenteil von dem bewirken, was sie zu erzielen vorgeben: Arbeitsplätze werden nicht geschaffen oder nicht mehr vergeben, Qualität ist nicht mehr das oberste Ziel und der Kunde wird eines Teils seiner Wahlfreiheit beraubt. Märkte und Währungen sind in dauernder Veränderung unterworfen, sind keine staatliche geschützten Werkstätten: Eine Firma, die über die quartalsmässige Schaufenster-Beschmückung hinausdenkt, ist so aufgestellt, dass sie darauf reagieren kann. Man muss sie nur lassen. Endlich in Ruhe lassen. Was nichts kostet, ist nichts wert, sagt man. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen würde genau diese Weisheit bestätigen. In Bezug auf die Schweiz entstünde ausserdem eine Finanzierungslücke von 94 Milliarden. Darin sind die hunderten neu zu schaffenden Staatsstellen für Steuervögte zur robusten Motivierung der Zahlenden noch nicht enthalten. Dass ruckzuck erneut eine Differenzierung, eine Spaltung zwischen tüchtig und nicht-tüchtig, zwischen Leistern und beziehenden Neidern stattfinden würde, wird verdrängt.

Nein: Ich will nicht noch mehr zu allimentierende „Flüchtlinge“ im Land, von denen im PC-Sprech ein nicht zu vernachlässigender Prozentsatz „traumatisiert“ und mit „psychischen Problemen“ behaftet ist und die potentiell geneigt sind, mit Macheten und anderem Gerät zur definitiven Spaltung der Gesellschaft und ihrer Indididuen zu schreiten. Ich will nicht als kinderloser Alleinstehender für Familien und Alleinerziehende mitzahlen. Ausserdem zahle ich Hundesteuer. Ich will nicht als Chancengleichheit (die haben wir seit Jahrzehnten, dank unserer Eltern und Grosseltern) bemäntelte Ergebnisgleichheit. Ich will keine Familienkredite pro Kind (was es übrigens unter anderer Bezeichnung schon in der DDR gab). Was zu guter Letzt den Schutz professioneller Anbieterinnen käuferlicher Liebe vor ihren Zuhältern mittels Einrichtung städtischer Bordelle anbelangt: Auch wenn das die Phantasie so manchen Politikers maximal beanspruchen dürfte, so verweiger ich auch hier die Zustimmung. Würde die Politik ihre Kernaufgabe – Sicherheit und Recht – wahrnehmen, gäbe es keine Zuhälter. Schutz wäre nicht vonnöten.

Und vor allem: Die Zahlen betreffend Notenbankbilanzen, Transferleistungen, Staatsquote, Staatsverschuldung und Subventionen haben schon heute quantiativ eine derart downermässige Qualität, dass jede neue Forderung den wachen Bürger in die Nähe des Verstandesverlusts führt. Was bleibt einem zu tun um solch visionsbegabter Politik und ihren finanziellen Auswirkungen auszuweichen? Man kann auschecken aus der Enteignung-via-Erpressungs-Anstalt der Dauerforderer. Finanziell, indem man sein Einkommen herunterfährt auf ein einkommensteuerneutrales Minimum. Pysisch, indem man sich für sein Leben ein Umfeld sucht, wo die Freiheit noch nicht auf das schiere Skelett abgemagert ist. Indem man nicht müde wird, sein Veto einzulegen. In Worten und im Tun. Und sich ansonsten die Frage zu stellen, ob das Kriterium der Legalität im Angesicht eines Staats, der anschaffen lässt, einkassiert und dafür nicht einmal mehr Schutz bietet, sondern mehr und mehr dazu übergeht, sich selber und seine Institutionen als allein schützenswert und die finanziernde Bevölkerung als Bedrohung zu betrachten, heute noch relevant sein darf.

 

 

 

Die Opferstrategie – das Marketing des verstaatlichten Menschen

Ein Gradmesser für die Qualität der natürlichen Umwelt ist die Vielfalt. Je grösser die Diversität umso gesunder der Lebensraum. Im Fall einer Gesellschaft spricht man von Sozio-Diversität – die Existenz vielfältiger Identitäten und Kulturen innerhalb menschlicher Gruppen. Die Gleichmacherei des Politisch Korrekten verneint einen Teil dieser Vielfalt und blendet aus, dass Ungleichheit apriorischer Teil eines gesunden Gesellschafts-Systems ist. Wo wir stehen, wissen wir ausschliesslich im internen Vergleich.
Die beiden grössten „Erfolge“ von PC sind erstens die breite Akzeptanz des Glaubens, dass Ungleichheit schlecht ist und zweitens, dass das zu erstrebende Optimum das Mittelmass sei. Spitzenleistungen – egal in welchem Bereich – sind suspekt. Auf-der-Strecke-Bleiben ist Lebenserfolg.
Der Mensch ist von Natur aus Opportunist. Instinktiv passt sich jedes Kind zum eigenen Besten an die jeweilige Situation und Lage an. Es ist die Aufgabe der Eltern, die Kinder mittels Appell an deren Vernunft und Verstand und durch oft aufreibenden Kampf – auch Erziehung genannt – aus dem Verharren aus dieser rein selbstischen Haltung herauszuholen. Ihnen das Prinzip der eigenen Positionierung und Verortung innerhalb der Gesellschaft und die Möglichkeiten zur Veränderung der persönlichen Position beizubringen. Die Freiheit zur Wahl und deren Konsequenzen. Egal auf welcher sozialen Stufe.
Ein weiterer grosser Erfolg von PC ist es, dieses Prinzip der individuellen Freiheit und Verantwortung (das eine ist ohne das andere nicht zu haben) mit dem Kampfbegriff „Mehr Freiheit!“ zu untergraben. Und es ist die wertemässige Bankrotterklärung einer Gesellschaft, dass sie dieses Untergraben zugunsten der eigenen Bequemlichkeit zugelassen hat.
Das Resultat ist eine Gesellschaft des agebeteten Mittelmasses, die nicht mehr der Stärke, der Freiheit, der Schönheit, dem Erfolg durch Leistung oder der ungesehenen Nächstenhilfe huldigt, sonder dem Versagen. Der Grad des Anspruchs auf Geld, Aufmerksamkeit, Erfolg oder andere Arten der Zuwendung leitet sich nicht mehr aus einer persönlichen Leistung, sondern nur noch aus der Nähe zum echten oder konstruierten Opfertum ab. Optimalerweise ist man selber ein Opfer. Am Leben natürlich.
Wer es also schafft, sich opfermässig optimal zu vermarkten und an das Selbstmittleid oder Mitleid appellierend zu fordern, der wird gehört. Wer es erreicht, einem psychosozial gebrandrodeten und koordinatenlosen „Wir“ eigenes oder fremdes Leiden einzureden, der hat Anspruch auf Solidarität und die Leistung Dritter.
Und jetzt kommt der Teil, wo ich gerne rufen möchte! Laut schreien: Sind wir das wirklich? Ist dieses „Erfolg-durch-Versagen-Konzept“ die Essenz von Tausenden Jahren menschlicher Entwicklung? Sind wir wirklich zu vergleichen mit den blauschillernden ekelerregend surrend Fliegen, die auf Scheisse leben? Und noch lauter: NEIN! Wir sind keine Opfer! Solange 99% von uns fast in jedem Lebensbereich eine Wahl haben, sind wir nicht diese gram- und obrigkeitsgeplätteten Opfer. Wir sind frei. Aber wir müssen dringend weg von der Haltung, es vozuziehen uns die Haare abzufackeln, als Verantwortung zu übernehmen. Weg vom gnadenlosen Instrumentalisieren jedweder Situation und Position zur Vermarktung des eigenen Opfertums. Denn das ist die gängie Praxis today – egal, welcher politischen Couleur, welchen Berufs und mit welchem Ziel. Opfermarketing als Erfolgsgarant.
NEIN: Kindergeld ist kein Menschenrecht. Frühförderung ist kein Menschenrecht. Ein Facebookaccount ist kein Menschenrecht. Erfolg ist kein Menschenrecht. Soziale Teilhabe ist kein Menschenrecht. All dies und vieles mehr, um es zu erreichen, erfordert Leistung, persönichen Einsatz. Die Cojones, dafür notfalls Opfer zu bringen, zu leiden, zu verzichten und ansonsten die Klappe zu halten und klaglos im Mittelmass oder darunter zu verharren. Das ist meine unverzerrte ungeschützte Wahrheit und nicht das kathartische, dauer-posttraumatische und hysterische Steckenbleiben im Leiden an der leistungslos gestrandeten Existenz. Habe fertig.

Der Integrations-Befehl – Spaltung geht auch ohne “Flüchtlinge”

Integration bedeutete einst die freiwillige Aufnahme, der Mit-Einbezug zum beid- oder allseitigen Besten. Schleichend aber zielgerichtet wurde der Begriff über Jahre hinweg umgedeutet. Heute ist der/die zu Integrierende grunsätzlich ein Opfer und “gut”, der Integrierer immer ein potentieller Feind und damit potentiell “böse”.

In diesem Verständnis muss das“Gute”gefördert, also allimentiert, das “Böse” zur Busse durch Bezahlung gezwungen werden. Die aufs bizarrste ritualisierte Lehre von der Politischen Korrektheit lieferte dazu den detaillierten Katalog der “dos” und “don’ts” nach. Die Droh-Masche von der sozialen Ächtung im Fall des Nicht-Respektierens, bzw. des Nicht-Knieens vor dem Altar der PC funktionierte. Wer sich nicht in die Reihe frenetischer Klatscher eingliederte, muckte wenigstens nicht auf.

So gelten Kunstschaffende, die auf Kosten der Steuerzahler ausschliesslich unterhaltungs- und publikumsfreie sogenannt kritische Stücke mit dunklen verschmierten Bühnenbildern und Bankenlogos spielen als gut. Eine imaginäre Gruppe, die das Anliegen “Stillen in der Öffentlichkeit als sexuelle Belästigung” vertreten würde, gälte als böse.

Beides Extrem-Beispiele. Im tiefsten biedersten Alltag ist es indes nicht anders. Ein Lehrer, der den Eltern vollkommen erziehungsunbelasteter Kleinstegomanen nicht auf Knien dafür dankt, ihre Brut den Unterricht stören lassen zu dürfen und sie zu integrieren, ist nicht PC. Arbeitgeber oder Lehrmeister, die nicht in empatischster An-den-Lippen-Kleb-Haltung auf die Forderungen des Bewerbers eingehen, sonder die Dreistigkeit haben, selber zu fordern, sind Rassisten und übelste Diskriminierer. Leute, die das fremdfinanzierte Zelebrieren des Alleinerziehertums nicht kritiklos als Bereicherung feiern sind Sozial-Chauvinisten und grundlegend non grata.

Heute klafft zwischen dem Guten und dem Bösen ein Graben mit Eiserner-Vorhang-Qualitäten. Auf der einen Seite die exzentrisch gequälten Forderer, auf der anderen die zu geballtem Mitleiden durch Fragloses-Akzeptieren-und-Bezahlen Verdonnerten. Von den Kollateralschäden dieser sogenannten sozialen Gerechtigkeit spricht indes keiner. Das ist Spaltung. Flüchtlinge waren dazu nicht notwendig. Es ist lediglich eine zu allimentierende Opfergruppe mehr.

Vervollkommnung des Menschen mittels BGE

 

Wir sind eine Gesellschaft, die ein „Recht auf Familie“ und Betreuungs-Gutscheine in einem Atemzug fordert und zeitgleich und ohne Not während einer Dekade 3 Millionen Kinder abtreibt. Eine Gesellschaft, die staatliche Frühförderung fordert und vom damit beauftragten Staat eine Generation frühdiagnostizierter Kinder zurückerhält und die darauf fremdfinanzierte Therapie fordert. Eine Gesellschaft, die gleiche Bildungschancen für alle fordert und sich nicht wundert, dass wir ein Heer von Menschen kriegen, die zwar einen Bachelor oder Master in Sozialwissenschaft oder Kulturmanagement haben, jedoch nichts mit den Händen anzufangen wissen und auch schulisches Grundwissen vermissen lassen. Eine Gesellschaft, die nicht müde wird von Armut in den eigenen Reihen zu lamentieren und die sich nicht wundert, dass zeitgleich der Staat millionenschwere Kampagnen fährt gegen Fettleibigkeit in den sogenannt bildungsfernen und sozial schwachen Milieus. Eine Gesellschaft, die gegen die Ausbeutung von Arbeitnehmern auf die Strasse geht und ohne Not bei Aldi und Lidl einkauft und nicht fragt, ob das neue Smarphone, dem sie das Menschenrecht auf Kommunikation zuspricht, von Kindern zusammengebastelt worden ist oder nicht. Eine Geselleschaft, die gleiche Rechte für alle, auch für Tiere fordert und ihr Fleisch aber zum grössten Teil im Supermarkt bezieht. Eine Gesellschaft, in der Worte wie Verzicht und Sparsamkeit mindestens als nazimässig, meistens jedoch als persönliche Beleidigung aufgefasst werden. Eine Gesellschaft, in der 60% der Eltern ihre Kinder ohne Frühstück zur Schule schicken und sich über das Halal-Angebot in der staatlichen Kantine aufregen. Eine Gesellschaft, die von Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit schwafelt, jene Glaubensüberzeugung aber, die für die freiheitliche Ordnung, in der wir nach wie vor leben, das Christentum, konstitutiv ist, als rückständig, reaktionär, konsvervativ und faschistisch verteufelt. Eine Gesellschaft, die vom Staat soziale Gerechtigkeit fordert und sich vom selben Staat einreden lässt, Schuld an Ungleichheit sei nicht etwa persönliches Engagement oder dessen Fehlen und auch nicht derselbe Staat, der sich in offensichtlichstem Selbstbereicherungs- und Selbsterhaltungstrieb mit den Grosskonzernen ins Bett gelegt hat, sondern der Kapitalismus, der freie Markt. Eine Gesellschaft, die sich nicht die Mühe macht, einfachste wirtschaftliche Zusammenhänge zu erlernen und zu verstehen, sondern alles abdelegiert an eine mediale und politische Obrigkeit und erst dann aufmuckt, wenn die Kohle jener, die den Staat zum grossen Teil finanzieren, in die falsche Richtung zu fliessen beginnt. Eine Gesellschaft, die in direkter Nachbarschaft das Resultat gesehen hat, das eine Kollektivierung der Produktionsmittel gezeitigt hat und im Ernst glaubt, eine staatlich orchestrierte Kollektivierung der Einkommen (BGE)wäre ein Segen. Eine Geselleschaft, die behauptet, mit wenig Geld sei eine Teilhabe am gesellschaftichen Leben nicht möglich und in der schon mal jemand drei Wochen kostenlos tot in seiner Wohnung liegen kann, bevor irgendwer dies teilhabend bemerkt. Eine Gesllschaft, die sich anmasst, zu definieren, welches Eigentum gut (Mein Bauch gehört mir) und welches schlecht (die reiche Sau) sei. Eine Gesellschaft, die sich ernsthaft mit der politisch korrekten Anzahl der Varietäten öffentlicher Toiletten befasst und gleichzeitig nicht zu schade ist souveräne demokratische Staaten wie Israel auf deren Aphartheidstendenzen aufmerksam zu machen.

Diese Gesellschaft deliriert jetzt von menschlicher Weiterentwicklung durch freigesetzte kreative und intellektuelle Kräfte mittels bedingungslosem Grundeinkommen? Echt jetz?

 

Neid – die erbärmlichste Form der Knechtschaft

Den meisten ist die Maslowsche Bedürfnispyramide heute ein Begriff (Nein – Pawlow ist der mit den Hunden. Zu dem kommen wir später.) Als arm gilt im herkömmlichen Sinn, wer nicht in der Lage ist, seine Grundbedürfnisse – Essen, Dach über dem Kopf, Gesundheit – zu befriedigen. Mit ca. 820 Euro pro Monat gilt eine alleinlebende Person als arm. Eine Familie mit zwei Kindern unter 14 ab ca. 2’200 Euro pro Monat. Selbstversorger gelten offiziell ebenso als arm.
Wie jeder beliebige andere Begriff, der in die Hände einer davon zehrenden Industrie (meistens staatliche oder sehr staatsnah) gelegt wird, wurd auch jener der “Armut” beherzt und in kurzer Zeit inflationiert. Das Wort derart verwässert, dass in dem gefühlsduseligen Süppchen heute Begrifflichkeiten wie “allgemeiner Mangel aufgrund subjektiver Wertvorstellungen”, “soziale Benachteiligung”, “soziokulturelle Ausgrenzung” sowie “Mangel an sozialer Teilhabe” obenauf schwimmen. Oder anders gesagt: Abgesehen vom jeweiligen Haushaltseinkommen darf jeder allein entscheiden, ob er arm ist oder nicht.
Dass angesammelte Rentenguthaben in die Berechnungen nicht einfliessen, wird nicht erwähnt. Sie würden verhindern, dass griffige Slogans wie jener, dass “die Reichen (ab ca. 3’200 Euro pro Monat für eine Einzelperson) auf 15 Mal mehr Vermögen sässen als die anderen”. Ebensowenig in die Bodenpflege des Armutsackers fliesst die Tatsache, dass viele Niedrig-Einkommens-Haushalte dies nicht aufgrund sozialer Ungleichheit, sondern aufgrund getroffener Entscheidungen sind (Singlehaushalte, Alleinerziehende).
Leute aus dem steuergeldfinanzierten Innern der direkt davon profitierenden Idustrie heraus als “arm” oder “reich” zu klassifizieren ist gestaltungswillige Arroganz mit feinstem dikatorischen Zungenschlag. Diesen Leuten zuzuhören und ihnen auf den Leim zu gehen ist nicht nur dumm, sondern die Kostümierung eigener Begehrlichkeiten in der Robe des Opfertums. Obrigkeitlich legalisierter Neid. Beides zusammen aber ist gröbste Beleidigung und Verachtung jener Menschen, die tatsächlich um die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse zu kämpfen haben.
Kein Smartphone, keine Kino-, Thater- oder Konzertbesuche, kein Auto, nich die richtigen Klamotten? Das ist nicht Armut. Das ist Leiden auf Everest-Niveau. Wer sich dadurch ausschliessen lässt (ja, jetzt sind wir bei den Hunden), weil andere es “verordnen”, der ist Sklave einer Ideologie, die nur eines will: Teilen, spalten, herrschen. Die Ideologie hat einen Namen: Hetze. Wer darauf hereinfällt ist arm dran. Denn die Tatsache, dass man den Neidacker zurzeit gerade mit hundertausenden neuen potentiellen Neidern düngt, macht die Sache für die Zukunft nicht weniger explosiv.