Die Opferstrategie – das Marketing des verstaatlichten Menschen

Ein Gradmesser für die Qualität der natürlichen Umwelt ist die Vielfalt. Je grösser die Diversität umso gesunder der Lebensraum. Im Fall einer Gesellschaft spricht man von Sozio-Diversität – die Existenz vielfältiger Identitäten und Kulturen innerhalb menschlicher Gruppen. Die Gleichmacherei des Politisch Korrekten verneint einen Teil dieser Vielfalt und blendet aus, dass Ungleichheit apriorischer Teil eines gesunden Gesellschafts-Systems ist. Wo wir stehen, wissen wir ausschliesslich im internen Vergleich.
Die beiden grössten „Erfolge“ von PC sind erstens die breite Akzeptanz des Glaubens, dass Ungleichheit schlecht ist und zweitens, dass das zu erstrebende Optimum das Mittelmass sei. Spitzenleistungen – egal in welchem Bereich – sind suspekt. Auf-der-Strecke-Bleiben ist Lebenserfolg.
Der Mensch ist von Natur aus Opportunist. Instinktiv passt sich jedes Kind zum eigenen Besten an die jeweilige Situation und Lage an. Es ist die Aufgabe der Eltern, die Kinder mittels Appell an deren Vernunft und Verstand und durch oft aufreibenden Kampf – auch Erziehung genannt – aus dem Verharren aus dieser rein selbstischen Haltung herauszuholen. Ihnen das Prinzip der eigenen Positionierung und Verortung innerhalb der Gesellschaft und die Möglichkeiten zur Veränderung der persönlichen Position beizubringen. Die Freiheit zur Wahl und deren Konsequenzen. Egal auf welcher sozialen Stufe.
Ein weiterer grosser Erfolg von PC ist es, dieses Prinzip der individuellen Freiheit und Verantwortung (das eine ist ohne das andere nicht zu haben) mit dem Kampfbegriff „Mehr Freiheit!“ zu untergraben. Und es ist die wertemässige Bankrotterklärung einer Gesellschaft, dass sie dieses Untergraben zugunsten der eigenen Bequemlichkeit zugelassen hat.
Das Resultat ist eine Gesellschaft des agebeteten Mittelmasses, die nicht mehr der Stärke, der Freiheit, der Schönheit, dem Erfolg durch Leistung oder der ungesehenen Nächstenhilfe huldigt, sonder dem Versagen. Der Grad des Anspruchs auf Geld, Aufmerksamkeit, Erfolg oder andere Arten der Zuwendung leitet sich nicht mehr aus einer persönlichen Leistung, sondern nur noch aus der Nähe zum echten oder konstruierten Opfertum ab. Optimalerweise ist man selber ein Opfer. Am Leben natürlich.
Wer es also schafft, sich opfermässig optimal zu vermarkten und an das Selbstmittleid oder Mitleid appellierend zu fordern, der wird gehört. Wer es erreicht, einem psychosozial gebrandrodeten und koordinatenlosen „Wir“ eigenes oder fremdes Leiden einzureden, der hat Anspruch auf Solidarität und die Leistung Dritter.
Und jetzt kommt der Teil, wo ich gerne rufen möchte! Laut schreien: Sind wir das wirklich? Ist dieses „Erfolg-durch-Versagen-Konzept“ die Essenz von Tausenden Jahren menschlicher Entwicklung? Sind wir wirklich zu vergleichen mit den blauschillernden ekelerregend surrend Fliegen, die auf Scheisse leben? Und noch lauter: NEIN! Wir sind keine Opfer! Solange 99% von uns fast in jedem Lebensbereich eine Wahl haben, sind wir nicht diese gram- und obrigkeitsgeplätteten Opfer. Wir sind frei. Aber wir müssen dringend weg von der Haltung, es vozuziehen uns die Haare abzufackeln, als Verantwortung zu übernehmen. Weg vom gnadenlosen Instrumentalisieren jedweder Situation und Position zur Vermarktung des eigenen Opfertums. Denn das ist die gängie Praxis today – egal, welcher politischen Couleur, welchen Berufs und mit welchem Ziel. Opfermarketing als Erfolgsgarant.
NEIN: Kindergeld ist kein Menschenrecht. Frühförderung ist kein Menschenrecht. Ein Facebookaccount ist kein Menschenrecht. Erfolg ist kein Menschenrecht. Soziale Teilhabe ist kein Menschenrecht. All dies und vieles mehr, um es zu erreichen, erfordert Leistung, persönichen Einsatz. Die Cojones, dafür notfalls Opfer zu bringen, zu leiden, zu verzichten und ansonsten die Klappe zu halten und klaglos im Mittelmass oder darunter zu verharren. Das ist meine unverzerrte ungeschützte Wahrheit und nicht das kathartische, dauer-posttraumatische und hysterische Steckenbleiben im Leiden an der leistungslos gestrandeten Existenz. Habe fertig.
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