Rückständigkeit als Rettungskonzept

Es ist viel von Auswanderung die Rede dieser Tage. Davon, der aktuellen Politik und deren sichtbaren und potentiellen Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben konsequent den Rücken zu kehren. Junge Menschen ebenso, wie Familien, die mitten im Leben stehen. Bereit und Willens, für die Chance auf Selbstbstimmung sozial und finanziell fast oder ganz bei Null anzufangen. Aber auch jene, die ihr berufliches Leben hinter sich haben, tragen sich mit dem Gedanken. Gründe dafür – um nur einige zu nennen – sind die Weigerung, den Lohn der eigenen Lebensleistung durch Steuern, real negative Zinsen und die Verwässerung der Währung sich in Luft auflösen zu lassen, die politische Förderung einer längst nicht mehr kalkulierbaren Überfremdung bei gleichzeitiger Abschaffung und Diffamierung verfassungs- und kulturgebender Werte, ein durch-ideologisiertes Bildungssystem.

Geht man nach Hans-Hermann Hoppe, wonach Auswandern das „Abstimmen mit den Füssen gegen die eigene Regierung zugunsten einer anderen“ sei, ist die Chance innerhalb Europas allerdings gross, vom Regen in die Traufe zu geraten. Was hier flächendeckend unter dem Label „Demokratie“ veranstaltet wird, ist längst nur noch die Umsetzung strategischer Brüsseler Management-Ziele; der sogenannte demokratische Prozess innerhalb der verschiedenen Verwaltungs-Einheiten – früher unter dem Namen Nationalstaaten bekannt – nur noch die politische Variante von „Brot und Spielen“.

Was beim Abwägen des Für und Wider in puncto Auswanderung oft vergessen wird: Fast jeder von uns hat einen erreich- und finanzierbaren Fluchtpunkt „vor der Nase“. Einen Fluchtpunkt, der zudem auch Waffe ist: die Familie.

Aristoteles nannte es die „Gemeinschaft des edlen Lebens in Häusern und Familien um eines vollkommenen und selbständigen Lebens willen“, einen „Ort des Wirtschaftens und in der Lage, autark alle Lebensbedürfnisse zu befriedigen“. Man kann also sagen, Familie ist eine aus verschiedenen Individuen bestehende und zweckgebundene Einheit, die sich als System von ihrer Umgebung abgrenzt.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Für jede politische Obrigkeit, die ein Interesse an der Ausdehnung ihres Gestalungs- und Kontrollraums hat, muss Familie ein Feindbild sein, die Möglichkeit der Abgrenzung zumindest eingeschränkt, am besten aufgehoben werden. Abgrenzung bedeutet Reibungsverlust im von oben Organisierbaren, sie bedeutet Rückzug in gedanklicher, sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und politischer Hinsicht. Kurz: Abgrenzung bedeutet potentiellen Widerstand.

Vor diesem Hintergrund leuchtet die seit Jahrzehnten unter den Begrifflichkeiten „Gleichberechtigung“, „Gleichstellung“ und „Gender“ angestrebte Demontage der Familie ein. Es wird auch nachvollziehbar, warum sich diese Ideologien fast ausschliesslich um die Förderung von Frauen (die es ja eigentlich gar nicht mehr gibt, es sei denn als soziales Konstrukt) drehen. Der Mann kommt in puncto Beachtung erst als Variante Hausmann, Trans-, Bi- oder Homo-Mann zum Zug. Denn: Genausowenig, wie eine Allmacht anstrebende Verwaltung Familien im Sinn von Widerstandszellen wünschen kann, kann sie echte, wehrhafte Bürger männlichen Geschlechts wollen, die fähig und willens wären, die Ihren notfalls mit Gewalt zu schützen. Auch und gerade gegen die Obrigkeit.

Wieviel einfacher ist es dagegen, eine von Familienbanden und hergebrachten Grundsätzen und Werten losgelöste Masse von Unterhaltungs- und „Informations“-Medien gesteuerten und wenn möglich Transferleistungs empfangenden Individuen zu dirigieren, die sich einzig nach der kurzfristigen Befriedigung ebenso kurzfristiger Bedürfnisse richten. Die dem als Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung kostümierten Egoismus auf den Leim gehen und der Obrigkeit die eigenen Kinder quasi ab Kreissaal überlassen. Wie hilfreich ist der gewollte Paradigmenwechsel innerhalb der Gesellschaft, der die Beziehung der Individuums zu anderen, aber auch zu sich selber grundlegend verändert und dabei der Einebnung und der Gleichschaltung in die Hände arbeitet. Die Entwicklung ist weit fortgeschritten: Die Infrastruktur zur totalen Verstaatlichung des Menschen steht längst – Familie ist von Staats wegen nicht mehr nötig. Für jeden Lebensbereich gibt es irgenein Amt.

In dieser Beziehung „hinken“ die Südstaaten Europas dem Norden hinterher. Nicht, dass es weniger Ämter gäbe, oder weniger staatlich geförderte Organisationen, die sich dieselben Ziele auf die Fahne geschrieben haben. Das Problem sind die Bevölkerungen, nicht die Eliten, wie der deutsche Bundespräsident das so treffend fomuliert hat. Gerade im Zug der sogenannten Schuldenkrise, die real eine Gläubigerkrise ist, wurde und wird das sichtbar. Armut ist in diesen Ländern in unterschiedlichem Masse eine Realität geworden. Die Rede ist hier nicht von als Armut kaschietem, fettleibigem, auf Sofas hängendem und über Handy-Flatrates nöhlendem Konsumneid. Essen, trinken, wohnen, heizen sind die Themen der Stunde. Arbeit ist Luxus. Existenzen sind derart GAU-mässig geplättet worden, dass von solchen nur noch am Rand die Rede sein kann.

Die Frage, wo „wir Nordländer“ politisch und ideologisch heute stehen würden nach solcher Verheerung, ist durchaus berechtigt. Oder auch: Wo wir hindriften würden, stünde die Zerstörung unseres Noch-Wohlstands durch innere oder äussere Ereignisse ins Haus. Heute eine reale Möglichkeit. Die Südländer haben sich auf ihre „Rückständigkeit“ besonnen und die Flucht in die Familie ergriffen. Rückzug. Neukalibrierung. Zusammehalt. Gemüsegärten werden angelegt. Schweine, Hühner und Kaninchen gehalten. In Drei-Generationen-Handarbeit Häuser gebaut. Alte Trailer gekauft und auf das Grundstück des Elternhauses gestellt. Es herrschen zum Teil auch so noch Enge, Knappheit und Einschränkung. Aber eben auch Stärke und Hoffung. Konsumneid gibt es nicht. Rückschlag und Armut sind keine Schande. Eine Schande wäre es, sich darin gegenseitig allein zu lassen, die Werte der Gemeinschaft nicht hochzuhalten, nicht trotzdem zu lachen über politischen Grössenwahn. Kurz: Widerstand in seiner schönsten Form.

Wer jetzt einwendet, das Konzept Familie bedeute im Noch-Wohlstand Abschottung, Ausgrenzung und die Unterdrückung der Individualität, dem sei gesagt: Das Gegenteil ist hier eine Möglichkeit. Eine starke und – ja – auch wehrhafte Familie hat es nicht nötig, sich abzuschotten. Sie hat die Kraft und den Raum, andere, Aussenstehende zum beidseitigen Nutzen aufzunehmen. Und die Annahme, dass im vertrauensbasierten Zurückgebundensein an verlässliche Werte und Strukturen mehr Individualität und Freiheit möglich sind, als wenn der dazu gehörende Mut, ganz allein per Handy-App aufgebracht werden muss, ist nicht abwegig.

 

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2 Gedanken zu “Rückständigkeit als Rettungskonzept

  1. „Die Frage, wo „wir Nordländer“ politisch und ideologisch heute stehen würden nach solcher Verheerung, ist durchaus berechtigt. Oder auch: Wo wir hindriften würden, stünde die Zerstörung unseres Noch-Wohlstands durch innere oder äussere Ereignisse ins Haus. Heute eine reale Möglichkeit. Die Südländer haben sich auf ihre „Rückständigkeit“ besonnen und die Flucht in die Familie ergriffen. Rückzug. Neukalibrierung. Zusammehalt. Gemüsegärten werden angelegt. Schweine, Hühner und Kaninchen gehalten. In Drei-Generationen-Handarbeit Häuser gebaut. Alte Trailer gekauft und auf das Grundstück des Elternhauses gestellt. Es herrschen zum Teil auch so noch Enge, Knappheit und Einschränkung. Aber eben auch Stärke und Hoffung. Konsumneid gibt es nicht. Rückschlag und Armut sind keine Schande. Eine Schande wäre es, sich darin gegenseitig allein zu lassen, die Werte der Gemeinschaft nicht hochzuhalten, nicht trotzdem zu lachen über politischen Grössenwahn. Kurz: Widerstand in seiner schönsten Form.“

    Familie ist super.
    Kein Mensch hat etwas gegen Familie.
    Wenn aber nun alle diesen einen einzigen Lebensstil fröhnen, ist es dann nicht die wahrhaftige Gleichmacherei, die ja gerne von dir rigoros abgelehnt und bekämpft wird?
    Paradox.

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