Too good to fail

Meine erste erinnerte Lektion in Sachen Würde hat uns unsere Mutter erteilt. Als mein Bruder in den Kindergarten kam hat sie uns beiseite genommen. Ihre Ansage: „Sollte mir jemals – jemals! – zu Ohren kommen, dass ihr beide oder eines von euch zusammen mit anderen ein Kind verspottet weil es etwas nicht hat oder kann, dann solltet ihr euch gut überlegen, ob ihr nach Hause kommen wollt. Ich wünsche, dass ihr das Gegenteil tut und euch auf die Seite dessen stellt, der verspottet wird. Das braucht Mut. Aber alles andere ist feige und ich will nicht, dass meine Kinder feige sind. Ich will stolz auf euch sein.“

Wenn Würde – kurz gesagt – Selbstbestimmung ist und bedeutet, nicht zum Zweck eigener oder anderer Wünsche und Bedürfnisse reduziert zu werden, ohnmächtig und ausgeliefert zu sein, dann gab sie uns mit ihrer Forderung zu verstehen, dass wir durch unser Verhalten direkten Einfluss haben auf ihre, unsere und die Würde anderer. Oder anders gesagt: Würde ist kein Recht, sondern ein Wert, für dessen Erschaffung und Erhalt wir zuständig sind. Man ist sowohl für die eigene Würde und – in Bezug auf sein Handeln – auch für die Würde anderer verantwortlich. Wenn man also – wie im Beispeil meiner Mutter – andere zum Zweck seiner Belustigung macht, indem man sie verspottet, entwürdigt man sie. Ebenso entwürdigt sich in diesem Verständnis selbst und andere, wer sich zum Zweck einer Ideologie reduziert, eine Bombe umbindet und in die Luft jagt.

Diese Interpretation von Würde ist heute nicht mehr genehm, die Komponente der Selbstverantwortung abgeschafft. Zum Zweck der Gestaltung und Umgestaltung der Gesellschaft durch die Politik wird der Begriff in grobfahrlässiger Weise entleert und umgedeutet – und zwar gleich dreifach: es wird suggeriert, dass Würde erstens ein Recht, zweitens Glücksache, also dem Zufall geschuldet und drittens etwas sei, wofür ausschliessich andere verantwortlich zeichneten. Kurz: Der Mensch ist zum „Too-good-to-fail“ deklariert worden. Die Kosten trägt die Allgemeinheit. Es gibt in puncto Würde also nur Opfer. Dass jeder dabei auch Täter ist und und sein muss, wird unterschlagen. Ebenso die Tatsache, dass zur Sicherstellung der eigenen Würde und jener der anderen die Zensur zuallererst im Innern des Einzelnen stattzufinden und nicht von oben zu kommen hat. Das Ganze mündet dann regelmässig in grotesken Forderungen linksgrünroter Hohepriester des Guten wie beispielsweise jener nach einem staatlichen Bordell zum Schutz der Menschenwürde der Prostituierten (sorry, Leute, Frauenrecht findet grad nicht statt) oder jener nach Einsatz von Steuergeldern für Burka tragende Trans-Menschen.

Aber damit ist die Sache noch lange nicht gegessen. Es geht noch buter in dem Sinn, dass Fragen, die diese obrigkeitliche Inbeschlagnahme der Würde durch die Gesinnungs-Elite anzweifeln, tabuisert, zensuriert oder mittels Androhung von Strafe unterdrückt werden. Trotzdem oder gerade deshalb muss gefragt werden.

Hat einer, der zu faul ist zum Arbeiten oder sich zu gut, um einer Arbeit „unter seiner Würde“ nachzugehen und der sich dadurch selber in eine Situation der Ohnmacht manövriert das Recht, andere zum Zweck seiner Befindlichkeiten zu reduzieren indem er ihr Geld beansprucht (heute gibt es dafür ja Formulare und die sich so Verhaltenden werden Klienten genannt)? Hat einer, der sich seit 30 Jahren mit viel Zeit und persönlichem Einsatz einer Pankreatitis entgegensäuft das Recht, andere zum Zweck seiner selbstverschuldeten gesundheitlichen Besserstellung zu machen indem er dieselben Leistungen beansprucht wie jene, die selbstverwantwortlich mit ihrem Körper umgehen? Macht eine Regierung ihren verfassungsmässigen Job, wenn Sie zu Hunderttausenden Menschen ins Land holt und ihre eigenen Bürger zum Zweck des materiellen Wohlergehens der Einwandernden reduziert? Schützt sie die Würde ihrer Bürger, wenn sie einen Basis-Gesundheitscheck der Einwandernden mit Verweis auf deren Menschenwürde ablehnt und damit die eigenen Bevölkerung gesunheitlichen Risiken aussetzt? Und handelt sie im Sinn der Selbstbestimmung ihrer Bürger, wenn sie Fragen und die Diskussion darüber unterdrückt, ob es möglicherweise für die kulturfremd Immigrierenden eine Frage ihrer Würde sei, sich nicht in eine Gesellschaft von Ungläubigen zu integrieren?

Die Antwort auf jede dieser Fragen muss im Hinblick auf eine unbeschnittene Definition der Würde „Nein“ lauten. Und sie führt zu weiteren Fragen, die jeder wiederum nur für sich selbst beantworten kann: Ist der Mensch prinzipiell und ohne Rücksicht auf Verantwortlichkeiten zu gut, um zu scheitern? Muss ich einen Teil meiner Selbstbestimmung abgeben, um für das selbstverantwortete Scheitern anderer geradezustehen oder es zu verhindern? Muss ich auf das Recht auf Meinungsfreiheit und auf einen Teil meines Eigentum verzichten um der Würde anderer willen, die ausschliesslich fordern? Kann für mich das Kriterium der Legalität, die nur noch auf mich als Zahlenden angewandt wird, während eine gestaltende Clique es in ihrem Fall als beliebig dehnbaren Rahmen zum Machterhalt definiert, noch wegweisend sein? Kann ich es mit meiner Würde vereinbaren, einen Apparat zu allimentieren, der mich zur Ohnmacht verdammt und sich ansonsten darauf beschränkt, ganze Bevölkerungsteile mit meinem Geld auf den Zweck der Erhöhung des Wählerstimmenanteils zu reduzieren? Und muss ich klag-, meinungs- und machtlos zusehen, wie grosse Teile meiner Mitmenschen sich auf meine Kosten entwürdigen und kaufen lassen, mithin unterwerfen?

Würde ist nicht abschliessend definierbar, die Ränder bleiben immer unscharf. Aber sie darf nicht vergewaltigt werden zum veredelnden Überbau primitivsten Möchtens, Wollens, Beneidens, Forderns und Erpressens. Würde ist existenziell. Ein Leben ohne Würde ist nicht frei und im Extremfall fordert sie von einem die Beantwortung der Frage, ob man in Würde sterben oder auf Knien leben will.

Wenn wir wollen, dann sind wir „zu gut, um zu scheitern“. Das System, das lügend vorgibt, dies zu garantieren und zeitgleich und ohne Not die Menschen reduziert auf Milchkühe und Stimmvieh zum Zweck des Selbsterhalts, nicht.

 

 

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2 Gedanken zu “Too good to fail

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