Wider den Milchzwang

Dem Volk von Kuhland, einer kleinen Nation in den Bergen, wird die sogenannte Milch-Initiative zur Abstimmung vorgelegt, die eine Pflichtleistung aller Bürger im Bereich Milchprodukte vorsieht. Jede Person hat im Fall der Annahme der Initiative künftig 500 Euro pro Jahr an den Händler ihrer Wahl zu entrichten und kann dafür bei ihm unbeschränkt Molkereiprodukte beziehen. Wer seinen Jahresbeitrag nicht verkonsumiert, wird durch Rückerstattung der Differenz belohnt. Die Befürworter der Initiative haben die „grossen“ Argumente auf ihrer Seite und bieten nicht weniger als die Quadratur des Kreises: Ernährungssouveränität im Krisenfall mittels Sicherstellung einheimischer Produktion, Volksgesundheit, sinkende Preise und soziale Gerechtigkeit. Das Ganze ohne den Wettbewerb auszuschalten. Die Aktivitäten der Initiativ-Gegner nehmen sich dagegen aus wie ein staubtrockener, verbitterter und blindwütiger Alte-Leute-Krieg. Ihr Hauptargument, dass die Preisreduktion ausschliesslich ein kurzfristiges Phänomen sei und sich über kurz oder lang (eher kurz) in sein Gegenteil verkehren würde, kommt gegen das Ich-Sofort-Mehr-Kriterium nicht an. Die Mehrheit der Parlamentarier pflegt in ihrer Argumentation indes eine Art bekümmertes Wohlwollen und fühlt sich friedlich keiner der beiden Seiten verpflichtet. Sie zählt sich wie immer zur extremen Mitte um – je nach Abstimmngs-Ergebnis, erstaunlich geschmeidig die geistige Hinwendung zur Gewinnerseite zu vollziehen.

Die Initiative wird vom Volk mit grosser Mehrheit angenommen und das neue Gesetz tritt in Kraft. Bald zeigt sich jedoch, dass die eiserne Logik, als die sich die Pro-Argumentation ausgegeben hat, Blendwerk war. Die Schwarzmaler in puncto Preisentwicklung lagen richtig. Es wird massiv mehr produziert und ebensoviel mehr konsumiert. Weder Hersteller noch Konsumenten brauchen sich über Kosten und Konsumverhalten Gedanken zu machen. Es herrscht kollektiv finanzierte Verschwendung und Überversorgung. Als der Punkt erreicht ist, an dem die jährliche Milchprämie die Kosten nicht mehr deckt, muss zum ersten Mal eine Prämienerhöhung durchgesetzt werden. Gleichzeitig beschliesst die Regierung, eine Kampagne zum verantwortungsvollen Umgang mit Milchprodukten zu lancieren.

Parallel dazu gehen mächtige Konsumentenschutz-Organisationen auf die Barrikaden: Die Tatsache, dass die Händler ihr Sortiment und daher auch die Preise aufgrund regionaler und marktwirtschaftlicher Kriterien (Einzugsgebiet, Demographie, Kundensegmente, etc.) individuell gestalteten und nicht mit jedem Produzenten zusammenarbeiteten sabotiere die Idee der sozialen Gerechtigkeit. Die Politik sei gefordert. Jene vernimmt den Ruf und handelt im Sinn der Lobby und der Leute – schliesslich will man wiedergewählt werden. Die Händler kommen in den Genuss eines flankiernden Regelwerks, an das sie sich künftig zu halten haben: Zum einen ein Vertragszwang, der vorsieht, dass sie auf Kundenwunsch mit jedem Hersteller zusammenarbeiten müssen ungeachtet eigener Konzepte oder der gelieferten Qualität und Preise. Zum anderen wird der Milchhandels-Ausgleichsfonds geschaffen. Wer gut wirtschaftet, weil er unter anderem  von „guter Kundschaft“ profitiert, hat künftig einen Teil seines Umsatzes in den Fonds einzuzahlen für jene Händler, die „schlechte Kundschaft“ haben und die sich aus dem Topf bedienen dürfen. Wer nicht spurt, dem wird der Laden dicht gemacht. Viele tun es indes freiweillig. Ein grosses Milchhändlersterben setzt ein. Für kleine und mittlere Betriebe lohnt sich der Einsatz für Innovation und Eigeninitiative nicht mehr. Ausserdem verbleibt für die Ausübung des Kerngeschäfts durch immer abstrusere administrative Forderungen schlicht keine Zeit. Übrig bleiben die grossen Detailhandelsketten.

In der Zwischenzeit, von politisch einflussreichen Lobbys grosser Hersteller angespitzt, macht sich bei den Konsumenten erneut Unzufriedenheit breit: Warum werden Leute, die nicht ihr ganzes Guthaben verbrauchen mit dessen Rückerstattung belohnt, während die grosse Mehrheit mit Prämienerhöhungen zu kämpfen hat? Wo bleibt da die soziale Gerechtigkeit? Ausserdem: Warum zählt Butter zu den Milchprodukten, während Kosmetika auf Basis von Ziegenbutter selbst berappt werden müssen? Warum schliesst das Milch-Gesetz Molkegetränke ein aber Badezusätze, die grösstenteils aus Molke bestehen nicht?

Die Politik – auf dem der Mehrheit zugewandten Ohr nie taub – handelt erneut entschlossen: Künftig wird selbstverantwortliches Handeln nicht mehr belohnt, Verzicht kostet, Rabatte werden keine mehr gewährt. Es wird ausserdem eine einkommensabhängige Subvention zur Entlastung bestimmter Haushalte beschlossen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung profitiert von dieser Massnahme. Gleichzeitig wird der Katalog der unter die Milch-Prämie fallenden Produkte massiv erweitert. Es wird Herbst. Die Prämienerhöhungen für das nächste Jahr werden kommuniziert. Die Wunschlisten der Interessengruppen werden vorbereitet. In Kuhland regieren die Schafe.

Natürlich kann das einfache Milch-Beispiel nicht 1:1 auf das ungleich komplexere Gesundheitswesen übertragen werden. Die bekannten Fakten sprechen indes dafür, dass der Mechanismus hinter der allseits beklagten Kostenexplosion ein ähnlicher ist. Die gezwungenermassen und von jeder Selbstverantwortung enthobenen Versicherten beziehen stetig mehr Leistungen. An Beispielen mangelt es nicht:

  • In geförderter Ignoranz der Kosten werden vermehrt die teuren und hochgerüsteten Spital-Notfallstationen anstelle des Hausarztes aufgesucht. Egal ob ein Notfall vorlieg oder eine Verstopfung – diese Stationen werden zu völlig überteuerten Anlaufstellen für Ingoranten und (meist ausländische) Uninformierte. Tendenz steigend.
  • Bei Grippe wird grundsätzlich der Arzt aufgesucht obwohl dieser ausser Beileidsbekundungen und Hustensaft, Aspirin und ein weiterer Termin zur Kontrolle nichts mit auf den Weg geben kann.
  • Kindern werden oft und rasch Antibiotika verschrieben weil kranke Kinder in Kitas nicht erwünscht sind. Zwei bis drei Arztbesuche sind in solchen Fällen normal. (Die Gesundheitskosten von Kindern zwischen 0-5 Jahren haben zwischen 1997 bis 2013 um satte 75% zugelegt während jene der 81 bis 85jährigen „nur“ um 45% zulegten (Quelle: BFS, Schweiz).)
  • Der Leistungskatalog der Grundversicherung wächst mit der Ausdehnung des Krankheitsbegriffs bis hin zur Unkenntlichkeit unaufhörlich. Krankenversicherungen sind Selbstbedinungsläden für Patienten und Leistungserbringer geworden: Akoholintoxikation (Komasaufen), Abrtreibungen, Raucherentwöhnung, Magenbypass, Heroin-Ersatz, Burnouts in jeder Ausprägung und Schönheits-OPs – dies nur eine kleine Auswahl der gutgeheissenen und praktizierten Absurditäten – werden heute grösstenteils bezahlt.
  • Jeder zweite bis dritte Patient verlangt vom Hausarzt selbstverständlich eine weitere Leistung, die der Arzt von sich aus nicht anbietet (Medikamente, ärztliches Zeugnis, Überweisung an den Spezialisten, etc.) die er aber dem Patienten und sich selbst zuliebe erbringt.

Die Erwartungshaltung der Leistungsbezüger steigt ins Unermessliche. Wer die Leute aufgrund dieser Entwicklung zwingt, noch mehr Prämien zu zahlen und gleichzeitig glaubt, sie würden dann nicht noch mehr Leistungen in Anspruch nehmen bzw. er könne mittels millionenschwerer Kampagnen für „weniger Salz“, „mehr Bewegung“, „Aufklärung von Migranten“, „weniger Alkohol“ und gegen „das Rauchen“ ein „Weniger“ in puncto Konsum erreichen, ist bestenfalls naiv – eher ein Lügner.

Das Problem also auch hier: Wir haben nicht ein „Zuviel“, sonder ein „Zuwenig“ an Wettbewerb. In Wahrheit ist er es längst nur noch dem Namen nach. Wo der Staat, von der Bevölkerung legitimiert, einen Markt fast vollständig überwacht, Spielräume zur Gestaltung von Preisen auf ein Minimum beschränkt und die Kontrollmechanismen laufend ausbaut darf man sich nicht wundern, wenn eines Tages ebendieser Staat mit oder ohne Not die „Leistungen“ kürzt, befiehlt, ganz abschafft oder auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe beschränkt. Selbes Spiel, andere Richtung. Selber schuld.

Mesdames, es reicht! (Teil 2)

Wir haben Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit. Für die meisten Frauen ist dies heute zum Glück eine unverhandelbare Selbstverständlichkeit, und sie verhalten sich auch so. Teamplayerinnen, Karrieristinnen, Einzelkämpferinnen, Mütter, Models und Matronen treffen täglich und ohne Lärm und Tam-Tam, in reifer und mündiger Art im Leben und in der Gesellschaft ihre Entscheidungen , wägen Risiken ab, nehmen Chancen wahr und kalkuieren die Option des Scheiterns ebenso mit ein, wie jene des Erfolgs. Kurz: Sie leben frei, selbstbestimmt und selbstverantwortlich. Sie sind – auf welcher Stufe und Position auch immer – klar in ihren Statements, konsequent in ihren Anliegen, gezielt in der Umsetzung, professionell wo dies gefragt ist und trotzdem oder gerade deshalb beliebt.

Und dennoch schält sich neben den Restbeständen lendenlahmer Altfeministinnen aus dem Kollektiv des befreiten Weiblichen gerade eine neue Minderheit heraus. Frauen, die – wiewohl so frei wie nie zuvor und in jeder Beziehung optimal ausgerüstet  – doch das Opferlabel als Rückversicherung und Rettungsboye auf ihren Namen reserviert und zur Seite gelegt haben wollen. Oder anders gesagt: Frauen, die zwar die Schaufenster umdekoriert haben, den Laden aber mitnichten zu verkaufen gedenken. Was sie indes – genau wie ihre in Sattheit abgehärmten Schwestern im Geist – damit heute noch erreichen ist einzig dies: Sie schaden all jenen Frauen, die begriffen haben, was Freiheit bedeutet, bringt und kostet.

Die Rede ist von Neo-Feministinnen in eigener Sache, denen, trunken vor innerer Aufmüpfigkeit, der Idee der individuellen Freiheit und des Alles-geht, doch das letzte Quentchen Mut fehlt, das echte Freiheit fordert, und die sicherheitshalber die altbewährten Devotionalien des obsoleten Opferkults in Griffnähe behalten.

In die weichgezeichnete Teil-Berechtigung, die privilegierte Nichtbeachtung zurück will man nicht. Natürlich nicht. Das ist auch gut so. Jeder und jede soll sich selber, sein Wort, Werk und Wirken zu Markte tragen können. Da draussen in der Freiheit ist die Luft schneidend klar, das Licht hell, die Konturen sind scharf, die Farben leuchten. Sonnenbrillen und Schutzfaktoren gibt es nicht. Hier wird nicht mehr aus der Ferne angebetet – hier wird analysiert. Wer Erfolg will, muss Konkurrenz und Konfrontation aushalten, Kontinuität liefern. Ein Event reicht nicht, egal wie schön er ist. Der Bote, der nicht mehr, als sich selbt zur Botschaft hat, zieht nur einmal und dann hat man ihn gesehen. An dieser Stelle „Frauenfeindlichkeit!“ zu heulen, weil man in der Sache versagt, „Sexismus!“ jaulen, weil nicht jedem gefällt, was man tut oder schlicht aus Vermarktungszwecken, „Diskriminierung!“ herdelirieren weil man sich langweilt oder weil die Welt einen nicht wie eine Horde glückstrahlender Riesenpandas im Dauermodus beklatscht – so läuft die Sache mit der Freiheit und mit den Rechten nicht. Dabei nebenher auch noch in larmoyanter Arroganz jene Geschlechtsgenossinnen als „rechts“ und/oder „grenzdebil“ zu verunglimpfen, die hervorrangend ausgebildet, intelligent und  verantwortlich entscheidend genau das begriffen haben, die verstehen, dass Berufungen nicht nach dem Lustprinzip auf die Lebensschnur aufgezogen werden können, sondern kontinuierlich ganzen Einsatz fordern, die sich also entscheiden, dass Familie für sie nicht bloss ein flankierndes Selbstoptimierungs-Projekt, sondern lebenslange Aufgabe ist, zeugt von einer emotionalen und intellektuellen Kurzatmigkeit, die ihresgleichen sucht. Dass man damit auch jene Generationen von Frauen doppelt und dreifach entrechtet und „entachtet“, von deren materiellem und ideellem Erbe wir alle nach wie vor zehren, haut dem Ganzen den Boden raus. Gebildete, erwachsene Frauen, die bei aller Freiheit, allem Wohlstand, allen Möglichkeiten so denken, sind ein Rätsel. Oder anders ausgedrückt: eine Zumutung.

Freiheit ist nicht gleichbedeutend mit Harmonie. Freiheit ist immerwährender Kampf gegen alles, was einen bremsen, resignieren lassen, entmutigen und entmündigen will – auch und gerade gegen sich selbst. Disziplin, Routine, Stehvermögen im nur scheinbar Immer-Gleichen – Tag für Tag, Jahr führ Jahr. Das ist zur Freiheit hin wachsende Grösse. Keiner kann einem diesen Kampf abnehmen, kein anderer ist Schuld, weil man unterliegt. Aber: scheitern, fallen oder stürzen sind keine Schande. Sie werden es erst, wenn man liegenbleibt und rumnöhlend schwadroniert von „der Gesellschaft“, „den Männern“, „den Rahmenbedingungen“ oder schlicht der „Blödheit der anderen“.  Ausserdem: Ein „Recht auf alles“ gibt es nicht. Moralischen Anspruch darauf zu erheben ist nichts anderes, als der Versuch persönlicher Freizeitoptimierung auf Kosten Dritter. Das hat nichts mit Freiheit zu tun sondern ist blanker Egoismus. Hier eine Art biologischen Gnadenstand auszurufen, der alles rechtfertigt, zeugt davon, dass der einzig vorhandene Glaube – jener an sich selber – ähnlich anbgehoben ist, wie der politische und mediale Mainstream. Voll im Trend.

Nun – warum sich befassen mit einem Phänomen, das nur eine Minderheit betrifft? Das Problem ist: Wir haben keine Zeit mehr für  Scheingefechte und amoklaufende Egoismen. Wir  – Frauen und Männer – werden unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit gerade in einen Zustand der Entrechtung zurückgestossen, wogegen die Unfreiheit der Frauen von früher geradezu wie ein laues Lüftchen amutet. Verfassungen werden umgangen oder mittels dem, was wir Justiz nennen, ausgehebelt. Der kollektive Kopf unserer Regierungen steckt bis zum Schulteransatz im Ami-Arsch. Entsprechend sind Visionen und Aussichten. Ansonsten hüllt man sich gerne in die Fahne goldener Sterne auf blauem Grund, verschleudert unser Geld und jenes künftiger Generationen, beschäftigt ein Heer von Denunzianten, verteidigt unsere Freiheit neuerdings auf der Krim, während unsere Armeen für den Einsatz im Inland ausbildet und ausgerüstet werden oder längst sind, und streitet ansonsten alles ab. Unser Finanzsystem taugt nicht mal mehr, um in der Pfeife geraucht zu werden und unsere Wirtschaft, die aller anderslautenden Propaganda zum Trotz dank Interventionen, Regulierungen, fiskalischen Raubzügen und Sanktionen auf dem Zahnfleisch geht, wird die Millionen neueintreffenden Fordernden irgendwann nicht mehr allimentieren und untenhalten können. Von den Segnungen der geschenkten Buntheiten ganz zu schweigen.

Wir brauchen einander. Wir – Männer und Frauen – brauchen einander mehr denn je. Jeder frei Denkende und Handelnde, jeder früh- oder spätberufene Radikale in Sachen Freiheit ist so nötig wie selten zuvor. Es ist an der Zeit, uns selber mitsamt unserem Leben nicht mehr ganz so persönlich zu nehmen. Die Zeiten glanzvoller Isolation im Ego-Paradies sind vorbei. Lassen wir uns in gegenseitigem Respekt und mit Achtung vor dem Einsatz des Anderen mindestens in Ruhe leben und wirken. Besser noch: Fördern wir einander mit Tat und mit Wort. Gehen wir zusammen in die Wand, anstatt medial angespitzt künstliche Grabenkämpfe zu führen. Finden wir im direkten Kontakt, im Gespräch, im gemeinsamen Schaffen heraus, wer am Seil wieviel taugt. Gründen wir Vertrauen auf Wissen und nicht auf Hörensagen oder öffentliche Mantras. Verteilen wir die Lasten den Kräften und Stärken des einzelnen entsprechend – egal, ob Mann oder Frau. Nur so haben wir eine Chance, als nationale, regionale oder familiäre Einheiten dem Sturm zu trotzen, der obrigkeitlich gelenkt auf uns losgelassen wird.

Auf die Zukunft. Sie wird hart.

 

 

 

 

Mesdames, es reicht! (Teil 1)

Während zweier Wochen ist in der Schweiz Roman Burger, bis dato medial verhätschelte Ikone und umtreibiger Profi-Rebell der Gewerkschaft Unia durchs Dorf gejagt worden. Wer seinen Solschenizyn gelesen hat, den schaudert beim Blick in den mindestens zur Hälfte staatlich finanzierten Abgrund, der sich hinter der rotglänzenden Fassade der Genossen im vordergründigen Dienst der Arbeiter auftut. Der Unia selber wird die Affäre nicht schaden. Die Berichterstattung spielt auf den Mann Buger und weniger auf die Unia. Ausserdem ist die ideelle  Verwandtschaft zwischen der Mehrheit der Medienschaffenden und den gepflegten Klassenkämpfern zu nah, als dass man sich nachhaltig zu schaden gewillt ist. Den Schaden werden nebst Burger die Frauen haben. Verantwortlich dafür sind sie selber.

Die Fakten in Kürze: Zwei Mitarbeiterinnen der Unia fühlten sich in der Vergangenheit von Burger sexuell belästigt. Die eine vor anderthalb Jahren im Rahmen eines sich über mehrere Wochen hinziehenden SMS-Austauschs. Die andere – Zeitpunkt unbekannt – nach einer internen Feier. Erstere führte daraufhin ein Gespräch mit ihrer Vorgesetzten. Die andere Frau unternahm soweit bekannt nichts. Im April diesen Jahres erfuhren die beiden voneinander bzw. von ihren gefühlten Erfahrungen mit Burger. Ein Gespräch mit der Leitung der Sektion Nordwestschweiz zur Klärung wurde anberaumt. Inhalt und Resultat unbekannt. Gleichzeitig wurde eine externe Untersuchung in Aufrtag gegeben. Die beiden Mitarbeiterinnen erschienen von diesem Zeitpunkt an im Gegensatz zu Burger nicht mehr am Arbeitsplatz. Die Unia stellt klar, dass keine Freistellungen ausgesprochen wurden. Anfang August legten die externen Experten die Untersuchungsergebnisse vor: Im Fall der beanstandeten SMS lag laut Experten sexuelle Belästigung vor. Allerdings vom Schweregrad dergestalt, dass als Konsequenz lediglich eine Ermahnung empfohlen wurde. Was den anderen Fall anbelangt verblieb das Urteil im Rätselhaften: Weder liege eine sexuelle Belästigung, noch eine Fehlbeschuldigung vor. Per 16.09.2016 ist Burger von der Unia freigestellt worden.

Die tage- und seitenfüllende Berichterstattung stützte sich mangels Fakten und O-Tönen der Beteiligten auf Aussagen geschasster oder noch aktiver Unia-Mitarbeiter ab. Hauptgrundlage waren Gerüchte (verschiedene Affären Burgers mit Mitarbeiterinnen), Vermutungen, Anschuldigungen und persönliche Befindlichkeiten (ehemalige Mitarbeitende von Burger mussten psychiatrisch behandelt werden). Alle anonym. Die wichtigen Fragen wurden nicht gestellt und wortgewaltig umschifft. Warum haben die beiden Frauen unabhängig voneinander entschieden, bei der Unia zu bleiben? Auch beim durch und durch roten Moloch werden Arbeitsverträge nicht mit Blut unterzeichnet. Warum also diese Opferstarre angesichts des angeblichen Leidensdrucks? Was hielt sie davon ab, zeitnah zu den Ereginissen die internen Beauftragten für Frauen und Gleichstellung aufzusuchen? Oder die Medien? Diese Fragen nicht zu stellen, verweist die beiden Frauen ausschliesslich in die Opferecke und spricht ihnen sowohl die Vernunft als auch den Verstand ab, die zur Abwägung von Nutzen und Schaden nötig sind. Es verneint von vornherein einen durchaus menschlichen Oportunismus, der die feudalden Anstellungsbedinungen (Job-Sharing im Bruchteilzeit-Bereich, überdurchschnittliche Sozial- und Pensionskassen-Leistungen, Weiterbildungen à discretion auch im Ausland, Frauenquoten, zusätzliche Ferienwochen, eine eigene Gewerkschaft (PeKo) usw. usf.) der Unia-Aktivistinnen, wie sich Mitarbeitende gerne nennen, höher gewichtet, als das Vorgefallene. Was nicht sein darf, darf nicht sein. Das ist Sexismus! Die Rolle interner und externer Feministinnen ist nicht minder schäbig: Sie traten erst auf den Plan – und auch dann nur kosmetisierend -, als die Berichterstattung nicht ganz ins Opferschema passte: Die Worte „Austausch“ und „über Wochen dauernd“ im Fall der SMS-Affäre legten eine Schuld der Frau nahe, monierten sie. Ausserdem gefiel ihnen die ebenfalls wahrheitsgetreu berichtete Tatasche, dass Burger im Gegensatz zu den beiden Mitarbeiterinnen weiter zur Arbeit erschien, nicht, da auch dies ein falsches Bild vermitteln würde. Kein Wort davon, dass die Frauen von sich aus nicht mehr zur Arbeit kamen, die Konfrontation scheuten und es vorzogen, auf Unia- und damit auch auf Steuerzahlerkosten blau zu machen. Ausserdem wurde versucht, medial eine Art Männer-Seilschaft zwischen Burger und dessen Vorgesetztem Lutz, der ihn durch alle Böden hindurch verteidigt habe, herbeizuschreiben. Auch diese Argumentationskette ist löchrig: Burgers Ex-Team weist einen Frauenanteil von rund 70 Prozent auf, die Vorgesetzten im Fall beider Opfer waren Frauen, die Leitung der mit der Deeskalation beauftragten Sektion Nordwestschweiz liegt ebenfalls in den Händen einer Frau und – last but not least – die Unia-Schweiz wird von einer Frau präsidiert. Schöne rote gleichberechtigte Welt.

Hier geht es nicht um Schuld. Diese Frage kann nicht in den Medien, sondern – wie es mit grosser Wahrscheinlichkeit bei gleicher Faktenlage in der Privatwirtschaft der Fall wäre – nur direkt zwischen den Beteiligten und deren Vorgesetzten geklärt werden. Es ist auch kein Plädoyer für die Männer. Für die staatsnah politisierende und arbeitnehmerschädigende Propaganda-Schleuder Unia und den zum Messias hochgejubelten (und möglicherweise gezielt abgesägten) Burger schon gar nicht. Es geht um die Frauen. Um die Rolle, für die sie sich in dieser Angelegenheit einmal mehr entschieden haben und um das sekundierende Wirken der sich äussernden Feministinnen.

Letzter Aufruf, meine Damen! Was ihr heute Feminismus nennt ist nur noch verbaler Ausdruckstanz diffamierenden Inhalts in den staatlich allimentierten Ateliers wohlstandsvertrockneter Scheinrealitäten. Wofür kämpft ihr eigentlich? In welchem Krieg? Den letzten haben eure Vorgängerinnen für sich entschieden. Zum Glück. Für den nächsten gegen Kinderehen, Verstümmelung und Steinigung solltet ihr längst aufrüsten. Alles dazwischen, frauenschädigende Schmierenkomödien wie die oben beschriebene, sind wehleidiger Schwanengesangt einer gescheiterten Opfer-Orthodoxie und windelweiches Intrigantentum. Und dann: Bitte etwas mehr Ehrlichkeit, etwas mehr von der eigenen Medizin: Wir haben nicht nur Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit – wir haben Gender. Geschlecht ist ein soziales Konstrukt, wie die zwangserhellende Doktrin, die ihr alle befürwortet, uns lehrt. Ginge es den Damen Feministinnen um die Sache, dann hätten sie sich selber, ihre Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsbüros spätestens mit dem ersten Lehrstuhl für Gender-„Wissenschaften“ abgeschafft. Tut es aber offenbar nicht. Im Gegenteil: weil die eigene gut allimentierte Existenz in der Nähe staatlicher Pfründe wichtiger ist als das zum Alibi verkommene Ideal, werden die Mittel angepasst. Je schwächer der Stand, umso grösser die kultivierten Illusionen, die gepflegten Sensibilitäten. Wenn nötig findet man auch im Leitartikel der FAZ genug sexistischen Zündstoff, um die Weiterführung des längst obsoleten und zur reinen Ideologie verkommenen Geschlechterkampfs zu rechtfertigen. Man schaltet einen Gang zurück und macht die Frau ohne Not und Scham wieder zu dem, wovor man sie angeblich gerettet hat: zum Opfer. Dass man damit all jenen Frauen schadet, die selbstverständlich  und nicht nur auf Event-Basis, sondern Tag für Tag im Leben und in der Gesellschaft „ihren Mann stehen“, nimmt man billigend in Kauf.

Zwei Dinge lassen sich nicht wegdiskutieren. Erstens: Opfer sein ist ein grosses Unglück und keine Tugend. Sturzbetroffenes (Roger Köppel) Zelebrieren windelweicher Scheingefechte zum eigenen Vorteil ist nicht nur billig, sondern gröbste Verhöhung wehr- und rechtsloser Menschen angesichts von Gewalt, Missbrauch, Kriegen, Seuchen, Katastrophen und Verfolgung. Und zweitens: Gleiches Recht, bedeutet nicht nur gleiche Pflicht (es ist davon so viel geschrieben und ignoriert worden, dass darauf an dieser Stelle nicht näher eingeangen wird), sondern vor allem auch gleiches Risiko. Leben ist Risiko, meine Damen. Volles Leben ist volles Risiko. Die Chance des Erfolgs und das Risko des Scheiterns. Die Möglichkeit des einen wie des anderen zu akzeptieren ist Reife und Mündigkeit.

Was hätte solche Mündigkeit bedeutet im Fall der beiden Belästigungs-Opfer Burgers? Es hätte bedeutet, dem Belästiger entschlossen entgegenzutreten, ihm und bei Bedarf den Vorgesetzten gegenüber klar zu kommunizieren, was Sache ist, was gewollt war und was nicht. Es hätte bedeutet, durchsetzungsstark und aus der Anonymität heraustretend das Risiko auch unangenehmer Fragen (auch der Medien) auf sich zu nehmen und sachlich zu beantworten. Klaheit, Konsequenz, Professionalität. Pragmatisch, präzise, logisch. Oder aber zu schweigen. Auch dies eine Entscheidung, die respektiert werden muss. Das wäre eine der gleichbereichtigten Frau von heute würdige Haltung und Vorgehensweise. Alles andere verbleibt im Denunziatorischen.

Mit jedem ähnlichen Fall und mit jeder ähnlich reflexartigen Reaktion der sogenannten Feministinnen und Opfer wird das Interesse der Öffentlichkeit abnehmen und im Endeffekt irgendwann nur noch zoologischer Natur sein. Wollt ihr das?

 

 

Gäste im Haus des Krieges

Im Rahmen der sogenannten Flüchtlingskrise wird medial und politisch eine Strategie des kleinen Empörens gefahren. Die Menschen werden dauerbeschäftigt unten gehalten im grollverseuchten Brackwasser von Einzelfällen, Burka-Debatten, Facebook-Sperren, Flirtkursen für Flüchtlinge und Nein-heisst-Nein-Tatoos. In einem Klima geifernder Hyper-Aktualität wird übertüncht, dass, was gerade geschieht, nicht Zeitgeschehen ist, sondern Weltgeschichte. Es kann in seiner ganzen Grösse und Bedeutung nur erfasst  werden aus geistiger und historischer Distanz. Es ist an uns, einen Schritt zur Seite zu nehmen und uns nicht länger den Blick verstellen zu lassen. Das Ficki-Ficki-Happening von gestern können wir nicht ungeschehen machen – aber wir können heute entscheiden, wie wir morgen leben wollen. Und wie nicht.

Es ist auch von offizieller Seite bestätigt, dass die Mehrheit der Menschen, die nach Europa kommen nicht Flüchtlinge im Sinn von An-Leib-und-Leben-Bedrohte sind, sondern Personen, die sich ein materiell besseres Leben wünschen. Es sind zum grösseren Teil muslimische Männer, deren geistige Bildung und Verankerung im Geistlichen liegt. Ihre intellektuelle und soziale Richtschnur ist die Interpretation der Lehre des Islam, wie ihre Geistlichen sie liefern. Mit dieser Interpretation muss sich zwigend auseinandersetzen, wer verstehen will, wer sie ist, die Mehrheit der Masse, die da kommt. Wie sie uns sieht. Mehr noch: Wie sie uns im Spiegel der Schrift, die für den gläubigen Muslim heilig und zwingend ist, sehen muss.

Es ist anzunehmen, dass der Grossteil der jungen Männer sich nicht mit heeren Eroberungsgedanken auf den Weg nach Europa macht. Sie verhalten sich nur vernünftig. Schliesslich sind sie eingeladen worden mit der Aussicht auf die leistungsfreie Teilhabe an unserem Noch-Wohlstand. Dass Quelle und Endlichkeit dieses materiellen Segens nicht verstanden und hinerfragt werden, kann man ihnen nicht zum Vowurf machen. Wir leisten uns auch hierzulande auf breiter Front ökonomisches Analphabetentum und beschauliches Profitieren auf Kosten Dritter. Die Tatsache, dass die Willkommens-Politik finanziell katastrophale Folgen zeitigen wird, ist nur eine Seite des Problems. Und es ist die hellere.

Die andere ist jene eines historischen Kontinuums, das diese Leute ausmacht und ihr geistiges und geistliches Rüstzeug bildet. Es ist der seit 1400 Jahren währende Krieg des Islams gegen sich selber (inner-islamische Konflikte mit Millionen von Toten) und gegen die freie Welt. Er wird in den Staaten unter muslimischer Herrschaft,  dem „Haus des Friedens“,  Dar al-Islam, genauso geführt, wie in den Flüchtlingsbooten, auf den Fluchtrouten und in den Auffangeinrichtungen. Zu behaupten oder zu glauben, er würde sich an den Grenzen der Wunschdestination, die nach gängiger Interpretation des Korans als nicht-islamisches Land zum „Haus des Krieges“, dem Dar al-Harb zählt, in Wohlgefallen auflösen, ist bestenfalls naiv. Im Verständnis dieser Neubürger sind wir als Christen oder Ungläubige Menschen minderen Rechts. Bestenfalls am Leben geduldet. Als „zum Krieg gehörend“ können wir in diesem Verständnis nicht „die Guten“ sein – egal, wie gutmenschlich wir uns gebärden. Die Behauptung, dass eine Mehrheit dieser Menschen uns verachtet, uns als gläubige und schrifttreue Muslime verachten muss, ist nicht abwegig und hat nichts mit Hetze zu tun. Die Übergriffe auf Frauen zeugen davon. Die Frau ist im orentialisch-patriarchalischen Verständnis dieser Kultur nicht Subjekt sondern Gegenstand der Ehre des Mannes. Die europäischen Frauen zu belästigen und zu vergewaltigen ist nur auf den ersten Blick ausschliesslich sexuell motivierte Tat – hier soll auch und vor allem die Ehre des europäischen Mannes beschmutzt werden über „seine“ Frau. Mit wachsender Frustration über nicht erfüllte Erwartungen, die unsere Politik mit leichtfertigen Versprechen geschürt hat, werden diese kulturell verankerten Racheakte zunehmen.

Die logische Konsequenz dieser Haltung und ein weiterer Aspekt der „anderen Seite“ ist, dass der Wunsch, sich ins unsere Gesellschaft zu integrieren, bestenfalls marginal sein dürfte und sich auf eine Minderheit der Einwandernden beschränkt.  Die Option, sich in eine offene, tolerante, durchgegenderte, wehrlose, areligiöse und zunehmend gleichgeschaltete Gesellschaft zu integrieren darf in der kulturellen Lebenswirklichkeit des gläubigen Muslims keine sein. Umfragen im Auftrag von BBC und des ICM-Instituts zeigen, dass das ebenso für bereits in Europa lebend Muslime gilt: 27 Prozent der britischen Muslime hegen Sympathien für die Anschläge in Paris. Jeder fünfte britische Muslim ist für die Anwendung der Scharia und sieht sie über britischem Gesetz. 11 Prozent finden, Redaktionen, die Zeichnungen Mohammeds publizieren, verdienten es, angegriffen zu werden. 16 Prozen der in Frankreich lebenden Muslime sympathisieren mit dem IS. 31 Prozent finden Polygamie gut, fünf Prozent halten Steinigung als Strafe für Ehebruch für angemessen.

Was stellen wir dem entgegen? Die Politik als Auslöserin nichts. Die totale Verweigerung unserer gesellschaftlichen und politischen Kultur durch die Einwandernden wird toleriert und gefördert. Institutionen wie Ditib und Diyanet, die über 900 Moscheen in Deutschland kontrollieren und über 1000 Imame entsandt haben, werden als „unverzichtbare Partner“ bezeichnet. Die Kirchen, dem Politischen seit Jahrhunderten verbundener als allem Menschlichen, zelebrieren eine nachlässige Kenntnisnahme der Christenverfolgung in muslimischen Ländern und hierzulande als bedauerlichen Kollateralschaden der arabischen Misere, an der wir selbstverständlich Schuld zu sein haben. Die kulturelle Avantgarde hat kapituliert. Bücher wie Rushdies Satanische Verse werden nicht mehr geschrieben oder publiziert (das Kopfgeld das im Rahmen der Fatwa auf ihn ausgesetzt ist, wurde im Februar diesen Jahres ein weiteres Mal auf mittlerweile knapp 4 Millionen Dollar erhöht), Filme, wie jene von Theo van Gogh nicht mehr produziert, Karikaturen, wie Kurt Westergaard sie anfertigte, nicht mehr gezeichnet, auf Satire wie die Andreas Thiels erklingt gerade der Abgesang.  Auf wild-epörten Widerhall in den Medien wartet man vergebens.

Und wir? Eine Mehrheit der Gesellschaft – Wahlergebnisse belegen es – hält fest an grenzenloser Offenheit, Willkommens-Kultur, konsequenzloser Naivität, Wohlfühl-Ignoranz und verantwortungsfreier Profillosigkeit. Das Problem: Freiheit, Toleranz und Offenheit sind Null-Werte, wenn ihre Grenzen und ihr Gegenteil nicht klar definiert sind. Sich wegducken, zustimmen oder schweigen sind keine Garantie für das Verschontwerden. Die Chance, dass entweder die Verweigerung der Neubürger die Oberhand gewinnt oder aber der, der am lautesten klare Verhältnisse verspricht, ist heute real. Das erste Opfer beider Varianten wäre die Freiheit.

Es ist an der Zeit, dass wir uns die Strategie des Systems und der Einwandernden zu eigen machen: Verweigern wir uns! Wir brauchen keine neuen Parteien, Propheten oder Führer. Alles, was nötig ist, ist vorhanden. Es sind die gewachsenen und erkämpften Werte, denen wir die freiheitliche Ordnung unseres Zusammenlebens verdanken. Hängen wir die Kreuze wieder auf! Tragen wir sie um den Hals! Stellen wir sie in unsere Gärten! Nein – es geht hier nicht um den Heils- oder Erlösungsglauben des Christentums – das gehört in den persönlichen Intimstbereich des Einzelnen. Es geht um unsere Wurzeln und darum, deren systematischer Zerstörung und Auflösung ein sichtbares Zeichen entgegen zu setzen. „Und was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch.“ Auf diesem biblischen Satz, der einer Zusammenfassung der Zehn Gebote gleichkommt, beruht unser Selbstverständnis als Individuen und als Gesellschaft. Unser Verständnis von Recht und Gerechtigkeit. Dafür steht das Kreuz auch. Wofür es hingegen sicher nicht steht, ist die groteske Perversion des ebenfalls biblischen Lehrsatzes von „der anderen Backe“, die man hinhalten solle, zu der uns unsere Politik und ein Grossteil der Gesellschaft mittels Zensur, Denunziation, Demontage und Verunglimpfung zu zwingen versuchen: Verschenkt Arbeits- und Lebenszeit für solche, die nichts zu geben bereit sind, macht die zweite Meile für jene, die keinen Schritt tun, gebt Mantel und Hemd her für Leute, die euch verachten, betet für jene, die euch töten wollen und wehrt euch nicht!

Die Verweigerung muss beim Einzelnen ihren Anfang nehmen. Sie und ich sind die kleinsten und einzigen verbleibenden Zellen des Widerstands. Alle grösseren, – Nation, Armee, Vereine, Kirchen, Familien, Ehepaare – die einst politischem Grössenwahn natürliche Grenzen setzten, werden seit Jahrzehnten systematisch kastriert, auseinander dividiert und geschwächt. Wir leisten uns hyperindividualisierte Wehrlosigkeit. Mutig sein ist indes nicht schwieriger als früher. Es ist es nur für uns. Wagen wir es. Wagen wir Wehrhaftigkeit. Ziehen wir uns zurück, wägen wir die Risiken ab. Definieren wir für uns, was an gesellschaftlicher oder politischer Repression trag- und machbar ist. Stellen wir uns die Fragen, die wehtun. Kann ich gesellschaftliche Ächtung ertragen, den Verlust von Freunden? Kann ich den Jobverlust verkraften und finanzieren? Wie weit bin ich bereit zu gehen mit der Weigerung, das System mittels Steuern zu finanzieren?  Wie schütze ich meine Familie? Schliessen wir uns kurz mit Freunden und Verwandten, die schon im Boot sind. Leisten wir uns eine klare Meinung, zu der wir stehen. Ein Ja ist ein Ja, ein Nein ist ein Nein. Heute eine Seltenheit. Verteilen wir die Risiken wenn möglich auf mehrere Schultern. Und vor allem: fangen wir heute damit an. Die Zeit läuft. Dunkel-Europa ist kein Hirngespinst. Die Dämmerung ist längst hereingebrochen, die Schatten der kulturellen und demographischen Supper-Welle, die sich ausserhalb unserer Grenzen auftürmt, werden länger.

Stellen wir uns dem entgegen. Nicht mit der Faust im Sack und der Fresse im Dreck von antriebslosem Groll, Hass und Hetze, wie man es „oben“ als Rechtfertigung für immer robusteres Durch- und Eingreifen gerne hätte. Sondern mit dem Besten, was wir haben, dem Besten, was wir sein können. Mit aller Kraft, mit Vernunft und Verstand und mit Liebe zur Freiheit. Jener, die heute noch da ist und für morgen erobert werden will. Weltgeschichte wird so oder so geschrieben. Führen wir die Feder für jene, die nach uns kommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pflichtfrei ist nicht frei (Teil 2)

Vor dem Hintergrund des Versuchs einer Definition des Begriffs „Pflicht“ als Brücke zu individueller Freiheit ist die neuerlich in der Schweiz entbrannte Debatte rund um das Thema „Hausaufgaben“ interessant. Den Auftakt zur Diskussion gab diesmal der Verband der Schulleiter (VSLCH), der mittels Sonntagspresse warnte, Hausaufgaben würden die Chancengleichheit der Kinder gefährden und seien abzuschaffen. Dies aus Rücksicht auf Kinder, die sich zuhause an niemanden wenden können weil entweder beide Elternteile arbeiten oder den sogenannt bildungsfernen Schichten zuzuordnen sind. Dass hier die nächste Stufe einer Nivellierung nach unten vorbereitet wird, liegt auf der Hand. Interessant wird die Argumentation des VSLCH erst nach Abarbeitung des obligaten PC-Solls. Ein weiterer Grund für die Forderung des Verbands ist nämlich der, dass sich, wie die Vizepräsidentin Lina Lehner deutlich macht, immer mehr verzweifelte Eltern an sie wenden, weil sie beim Thema Hausaufgaben regelmässig mit Kindern aneinandergeraten. Kurz: Hausaufgaben bedeuten Zoff.

Die Debatte ist hoch emotional wie immer, wenn Kinder im Spiel sind. Die Positionen sind klar. In der medialen Berichterstattung fällt allerdings auf, dass diesmal die Befürworter einer Abschaffung der Hausaufgaben lauter sind. Die Stimmen, die darauf beharren, dass Hausaufgaben auch dazu dienen, den Kindern zu vermitteln, dass es ausserhalb der Schule Pflichten gibt, die es selbständig zu erledigen gilt, sind rar. Die Schule müsse in der Lage sein, den zu vermittelnden Stoff während der ihr zustehenden Zeit zu vermitteln und zu üben, heisst es. Viel und gern zitiert wird auch der Kinderarzt Remo Largo mit der Aussage, die Verantwortung liege allein bei der Schule und nicht bei der Familie. „Wäre es nicht mutiger (von den Schulen), die Verantwortung gleich ganz zu übernehmen und die Hausaufgaben – auch offiziell – im letzten Jahrhundert zu lassen? Nach dem Grundsatz: Schule ist Schule, und Freizeit ist Freizeit.“ fasst Seraina Kobler in der NZZ zusammen.

Willkommen im Katasteramt der Lebens, liebe Kinder!  Hier lernt ihr, wie ihr euer Leben sauber parzelliert, kartografiert und vermesst. Denn es ist nicht etwa einfach Lebenszeit, die euch geschenkt ist zwischen Anfang und Ende. Es ist Freizeit und Arbeitszeit. Gute Zeit und schlechte Zeit. Pflicht gegen Freiheit. Ihr habt Wünsche, Träume? Gut und Recht – aber haltet sie im bezahlbaren Bereich. Denn alles andere wird früher oder später die Übersetzung des Wunsches in Wille und Tat von euch fordern. Beides bedeutet Pflicht, Verantwortung, Entscheidung und – ja – auch Leistung. Lasst es sein. Es ist nicht spassig und lustbetont. Weicht ihm aus, umgeht es, seid frei!

Ist das so? Ist das die Kernbotschaft von Schulen und Eltern dieser Tage? Die Nachfrage bei einem Bekannten, der seit 25 Jahren als Lehrer tätig ist, bringt Klarheit. Er lacht bei Erwähnung des Begriffs der Chancengleichheit. „Darum geht’s doch gar nicht“, sagt er. „Die Eltern wollen Ergebnis-Sicherheit. Das ist alles, was zählt. Nicht, ob ihr Kind die Materie kapiert oder etwas geleistet hat. Die richtige Bewertung ist ausschlaggebend. Stimmt sie nicht mit den Erwartungen überein, dann liegt’s am Lehrer. Oft weiss ich nicht, ob ich bei Hausaufgaben die Arbeit der Eltern oder die der Kinder korrigiere. Es ist nur logisch, dass schlechte Beurteilungen persönlich genommen werden. Aber das geht noch;  dass Eltern die Hausaufgaben ihrer Kinder machen, ist einfach nur dumm. Richtig schräg wird es, wenn das Kind die guten Noten der Eltern nach hause bringt und dafür gefeiert wird. Das ist nicht nur Selbstbetrug vonseiten der Eltern – es ist die Anleitung zu Scheitern und Frustration für die Kinder. Ich habe ganze Klassen kleiner Superstars, die irgendwann mit Volldampf gegen die Wand der Realität fahren werden. Ein Teil jedenfalls. Ein anderer Teil, der die Sache mit der Realität früher versteht oder zumindest ahnt, fängt an zu kiffen. Auch das ist eine Problemlösungsstrategie.“ Er lacht nicht mehr. Auf die Frage nach dem „Zoff“ für den die Hausaufgaben regelmässig sorgen würden meint er, auch das sei normal: „Stell dir vor, die Kinder hätten ausser den Hausaufgaben auch andere Pflichten. Der Abwasch, Zimmer aufräumen, kleine „Ämtlein“ im Haushalt, you name it. Dann wäre es entweder kein Thema oder aber es gäbe dauernd und nur Zoff in diesen Häusern. Fakt ist: Auch zuhause werden die Kinder verschont von Pflichten. Die Eltern weichen der Konfrontation oft aus mit der Entschuldigung, die Kinder sollen Kinder sein dürfen, der Ernst der Lebens fange noch früh genug an. Das Problem ist, dass ‚früh genug‘ zu spät ist.“

Was ist der Wunsch für die Zukunft der Kinder hinter dieser Haltung? Oder besser: Was bietet man an Lebensentwürfen, wenn man von der zur Verfügung stehenden Lebenszeit einen grossen Teil – die Pflichten, die Verantwortung für die Pflege dessen, was man tut, ist, hat und liebt – in Abzug bringt und damit nicht nur Weite, sondern auch Vielfalt in Abrede stellt oder gar zerstört? Wenn die Option des Überwindens, Leistens, Durchleidens, Durchbrechens wegfällt? Wenn Stolz auf Erreichtes, Erabeitetes, Erspartes und auch Erlittenes von vornherein gestrichen wird aus dem emotionalen Erlebenshorizont? Wenn Kinder von Anfang an reduziert werden auf die Hälfte dessen, was sei sein könnten? Und wenn man ihnen die wichtigste Kompetenz – jene, die Frage zu beantworten, wie sie leben wollen – nicht vermittelt?

Es besteht die Möglichkeit, dass dadurch eine Generation zu einer Existenz im Dauermodus des Erwartens verurteilt wird. Reduziert auf die Jagd nach dem leistungsfrei erwerbbaren Kick, nach kostenlosem Spass und organisierten Events. Und vor allem: vollkommen abhängig von dem, was von aussen geliefert wird und ohne die Möglichkeit, in sich selbst zu schürfen nach dem was tiefer geht und länger dauert. Frühstmöglicher Frust ist wünschenswert. Er beweist, dass das Wissen um ein Mehr, nach Echtem, Erfüllung und Freiheit in uns angelegt ist wie jenes um richtig und falsch. Dieses Wissen zu wecken vor dem Frust, es hervorzuholen und wenn nötig freizuschaufeln ist wohl die schönste Pflicht aller Eltern. Ein Kraftakt sicher, oft auch Kampf und Konfrontation. Aber wer mehr will für die nächste Generation, als eine Teilzeit-Existenz, nämlich das ganze grosse Leben, der nimmt die Pflicht auf sich. Mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft. Lehrer sollten dabei ihre qualifizierten Handlanger sein dürfen und den Kindern verlässliche Wegewarte. Die Auslagerung dieser Aufgabe an die Schule, wie in der NZZ vorgeschlagen ist in diesem Sinn nicht mutig, sondern grobfahrlässig.