Mesdames, es reicht! (Teil 1)

Während zweier Wochen ist in der Schweiz Roman Burger, bis dato medial verhätschelte Ikone und umtreibiger Profi-Rebell der Gewerkschaft Unia durchs Dorf gejagt worden. Wer seinen Solschenizyn gelesen hat, den schaudert beim Blick in den mindestens zur Hälfte staatlich finanzierten Abgrund, der sich hinter der rotglänzenden Fassade der Genossen im vordergründigen Dienst der Arbeiter auftut. Der Unia selber wird die Affäre nicht schaden. Die Berichterstattung spielt auf den Mann Buger und weniger auf die Unia. Ausserdem ist die ideelle  Verwandtschaft zwischen der Mehrheit der Medienschaffenden und den gepflegten Klassenkämpfern zu nah, als dass man sich nachhaltig zu schaden gewillt ist. Den Schaden werden nebst Burger die Frauen haben. Verantwortlich dafür sind sie selber.

Die Fakten in Kürze: Zwei Mitarbeiterinnen der Unia fühlten sich in der Vergangenheit von Burger sexuell belästigt. Die eine vor anderthalb Jahren im Rahmen eines sich über mehrere Wochen hinziehenden SMS-Austauschs. Die andere – Zeitpunkt unbekannt – nach einer internen Feier. Erstere führte daraufhin ein Gespräch mit ihrer Vorgesetzten. Die andere Frau unternahm soweit bekannt nichts. Im April diesen Jahres erfuhren die beiden voneinander bzw. von ihren gefühlten Erfahrungen mit Burger. Ein Gespräch mit der Leitung der Sektion Nordwestschweiz zur Klärung wurde anberaumt. Inhalt und Resultat unbekannt. Gleichzeitig wurde eine externe Untersuchung in Aufrtag gegeben. Die beiden Mitarbeiterinnen erschienen von diesem Zeitpunkt an im Gegensatz zu Burger nicht mehr am Arbeitsplatz. Die Unia stellt klar, dass keine Freistellungen ausgesprochen wurden. Anfang August legten die externen Experten die Untersuchungsergebnisse vor: Im Fall der beanstandeten SMS lag laut Experten sexuelle Belästigung vor. Allerdings vom Schweregrad dergestalt, dass als Konsequenz lediglich eine Ermahnung empfohlen wurde. Was den anderen Fall anbelangt verblieb das Urteil im Rätselhaften: Weder liege eine sexuelle Belästigung, noch eine Fehlbeschuldigung vor. Per 16.09.2016 ist Burger von der Unia freigestellt worden.

Die tage- und seitenfüllende Berichterstattung stützte sich mangels Fakten und O-Tönen der Beteiligten auf Aussagen geschasster oder noch aktiver Unia-Mitarbeiter ab. Hauptgrundlage waren Gerüchte (verschiedene Affären Burgers mit Mitarbeiterinnen), Vermutungen, Anschuldigungen und persönliche Befindlichkeiten (ehemalige Mitarbeitende von Burger mussten psychiatrisch behandelt werden). Alle anonym. Die wichtigen Fragen wurden nicht gestellt und wortgewaltig umschifft. Warum haben die beiden Frauen unabhängig voneinander entschieden, bei der Unia zu bleiben? Auch beim durch und durch roten Moloch werden Arbeitsverträge nicht mit Blut unterzeichnet. Warum also diese Opferstarre angesichts des angeblichen Leidensdrucks? Was hielt sie davon ab, zeitnah zu den Ereginissen die internen Beauftragten für Frauen und Gleichstellung aufzusuchen? Oder die Medien? Diese Fragen nicht zu stellen, verweist die beiden Frauen ausschliesslich in die Opferecke und spricht ihnen sowohl die Vernunft als auch den Verstand ab, die zur Abwägung von Nutzen und Schaden nötig sind. Es verneint von vornherein einen durchaus menschlichen Oportunismus, der die feudalden Anstellungsbedinungen (Job-Sharing im Bruchteilzeit-Bereich, überdurchschnittliche Sozial- und Pensionskassen-Leistungen, Weiterbildungen à discretion auch im Ausland, Frauenquoten, zusätzliche Ferienwochen, eine eigene Gewerkschaft (PeKo) usw. usf.) der Unia-Aktivistinnen, wie sich Mitarbeitende gerne nennen, höher gewichtet, als das Vorgefallene. Was nicht sein darf, darf nicht sein. Das ist Sexismus! Die Rolle interner und externer Feministinnen ist nicht minder schäbig: Sie traten erst auf den Plan – und auch dann nur kosmetisierend -, als die Berichterstattung nicht ganz ins Opferschema passte: Die Worte „Austausch“ und „über Wochen dauernd“ im Fall der SMS-Affäre legten eine Schuld der Frau nahe, monierten sie. Ausserdem gefiel ihnen die ebenfalls wahrheitsgetreu berichtete Tatasche, dass Burger im Gegensatz zu den beiden Mitarbeiterinnen weiter zur Arbeit erschien, nicht, da auch dies ein falsches Bild vermitteln würde. Kein Wort davon, dass die Frauen von sich aus nicht mehr zur Arbeit kamen, die Konfrontation scheuten und es vorzogen, auf Unia- und damit auch auf Steuerzahlerkosten blau zu machen. Ausserdem wurde versucht, medial eine Art Männer-Seilschaft zwischen Burger und dessen Vorgesetztem Lutz, der ihn durch alle Böden hindurch verteidigt habe, herbeizuschreiben. Auch diese Argumentationskette ist löchrig: Burgers Ex-Team weist einen Frauenanteil von rund 70 Prozent auf, die Vorgesetzten im Fall beider Opfer waren Frauen, die Leitung der mit der Deeskalation beauftragten Sektion Nordwestschweiz liegt ebenfalls in den Händen einer Frau und – last but not least – die Unia-Schweiz wird von einer Frau präsidiert. Schöne rote gleichberechtigte Welt.

Hier geht es nicht um Schuld. Diese Frage kann nicht in den Medien, sondern – wie es mit grosser Wahrscheinlichkeit bei gleicher Faktenlage in der Privatwirtschaft der Fall wäre – nur direkt zwischen den Beteiligten und deren Vorgesetzten geklärt werden. Es ist auch kein Plädoyer für die Männer. Für die staatsnah politisierende und arbeitnehmerschädigende Propaganda-Schleuder Unia und den zum Messias hochgejubelten (und möglicherweise gezielt abgesägten) Burger schon gar nicht. Es geht um die Frauen. Um die Rolle, für die sie sich in dieser Angelegenheit einmal mehr entschieden haben und um das sekundierende Wirken der sich äussernden Feministinnen.

Letzter Aufruf, meine Damen! Was ihr heute Feminismus nennt ist nur noch verbaler Ausdruckstanz diffamierenden Inhalts in den staatlich allimentierten Ateliers wohlstandsvertrockneter Scheinrealitäten. Wofür kämpft ihr eigentlich? In welchem Krieg? Den letzten haben eure Vorgängerinnen für sich entschieden. Zum Glück. Für den nächsten gegen Kinderehen, Verstümmelung und Steinigung solltet ihr längst aufrüsten. Alles dazwischen, frauenschädigende Schmierenkomödien wie die oben beschriebene, sind wehleidiger Schwanengesangt einer gescheiterten Opfer-Orthodoxie und windelweiches Intrigantentum. Und dann: Bitte etwas mehr Ehrlichkeit, etwas mehr von der eigenen Medizin: Wir haben nicht nur Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit – wir haben Gender. Geschlecht ist ein soziales Konstrukt, wie die zwangserhellende Doktrin, die ihr alle befürwortet, uns lehrt. Ginge es den Damen Feministinnen um die Sache, dann hätten sie sich selber, ihre Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsbüros spätestens mit dem ersten Lehrstuhl für Gender-„Wissenschaften“ abgeschafft. Tut es aber offenbar nicht. Im Gegenteil: weil die eigene gut allimentierte Existenz in der Nähe staatlicher Pfründe wichtiger ist als das zum Alibi verkommene Ideal, werden die Mittel angepasst. Je schwächer der Stand, umso grösser die kultivierten Illusionen, die gepflegten Sensibilitäten. Wenn nötig findet man auch im Leitartikel der FAZ genug sexistischen Zündstoff, um die Weiterführung des längst obsoleten und zur reinen Ideologie verkommenen Geschlechterkampfs zu rechtfertigen. Man schaltet einen Gang zurück und macht die Frau ohne Not und Scham wieder zu dem, wovor man sie angeblich gerettet hat: zum Opfer. Dass man damit all jenen Frauen schadet, die selbstverständlich  und nicht nur auf Event-Basis, sondern Tag für Tag im Leben und in der Gesellschaft „ihren Mann stehen“, nimmt man billigend in Kauf.

Zwei Dinge lassen sich nicht wegdiskutieren. Erstens: Opfer sein ist ein grosses Unglück und keine Tugend. Sturzbetroffenes (Roger Köppel) Zelebrieren windelweicher Scheingefechte zum eigenen Vorteil ist nicht nur billig, sondern gröbste Verhöhung wehr- und rechtsloser Menschen angesichts von Gewalt, Missbrauch, Kriegen, Seuchen, Katastrophen und Verfolgung. Und zweitens: Gleiches Recht, bedeutet nicht nur gleiche Pflicht (es ist davon so viel geschrieben und ignoriert worden, dass darauf an dieser Stelle nicht näher eingeangen wird), sondern vor allem auch gleiches Risiko. Leben ist Risiko, meine Damen. Volles Leben ist volles Risiko. Die Chance des Erfolgs und das Risko des Scheiterns. Die Möglichkeit des einen wie des anderen zu akzeptieren ist Reife und Mündigkeit.

Was hätte solche Mündigkeit bedeutet im Fall der beiden Belästigungs-Opfer Burgers? Es hätte bedeutet, dem Belästiger entschlossen entgegenzutreten, ihm und bei Bedarf den Vorgesetzten gegenüber klar zu kommunizieren, was Sache ist, was gewollt war und was nicht. Es hätte bedeutet, durchsetzungsstark und aus der Anonymität heraustretend das Risiko auch unangenehmer Fragen (auch der Medien) auf sich zu nehmen und sachlich zu beantworten. Klaheit, Konsequenz, Professionalität. Pragmatisch, präzise, logisch. Oder aber zu schweigen. Auch dies eine Entscheidung, die respektiert werden muss. Das wäre eine der gleichbereichtigten Frau von heute würdige Haltung und Vorgehensweise. Alles andere verbleibt im Denunziatorischen.

Mit jedem ähnlichen Fall und mit jeder ähnlich reflexartigen Reaktion der sogenannten Feministinnen und Opfer wird das Interesse der Öffentlichkeit abnehmen und im Endeffekt irgendwann nur noch zoologischer Natur sein. Wollt ihr das?

 

 

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