Mesdames, es reicht! (Teil 2)

Wir haben Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit. Für die meisten Frauen ist dies heute zum Glück eine unverhandelbare Selbstverständlichkeit, und sie verhalten sich auch so. Teamplayerinnen, Karrieristinnen, Einzelkämpferinnen, Mütter, Models und Matronen treffen täglich und ohne Lärm und Tam-Tam, in reifer und mündiger Art im Leben und in der Gesellschaft ihre Entscheidungen , wägen Risiken ab, nehmen Chancen wahr und kalkuieren die Option des Scheiterns ebenso mit ein, wie jene des Erfolgs. Kurz: Sie leben frei, selbstbestimmt und selbstverantwortlich. Sie sind – auf welcher Stufe und Position auch immer – klar in ihren Statements, konsequent in ihren Anliegen, gezielt in der Umsetzung, professionell wo dies gefragt ist und trotzdem oder gerade deshalb beliebt.

Und dennoch schält sich neben den Restbeständen lendenlahmer Altfeministinnen aus dem Kollektiv des befreiten Weiblichen gerade eine neue Minderheit heraus. Frauen, die – wiewohl so frei wie nie zuvor und in jeder Beziehung optimal ausgerüstet  – doch das Opferlabel als Rückversicherung und Rettungsboye auf ihren Namen reserviert und zur Seite gelegt haben wollen. Oder anders gesagt: Frauen, die zwar die Schaufenster umdekoriert haben, den Laden aber mitnichten zu verkaufen gedenken. Was sie indes – genau wie ihre in Sattheit abgehärmten Schwestern im Geist – damit heute noch erreichen ist einzig dies: Sie schaden all jenen Frauen, die begriffen haben, was Freiheit bedeutet, bringt und kostet.

Die Rede ist von Neo-Feministinnen in eigener Sache, denen, trunken vor innerer Aufmüpfigkeit, der Idee der individuellen Freiheit und des Alles-geht, doch das letzte Quentchen Mut fehlt, das echte Freiheit fordert, und die sicherheitshalber die altbewährten Devotionalien des obsoleten Opferkults in Griffnähe behalten.

In die weichgezeichnete Teil-Berechtigung, die privilegierte Nichtbeachtung zurück will man nicht. Natürlich nicht. Das ist auch gut so. Jeder und jede soll sich selber, sein Wort, Werk und Wirken zu Markte tragen können. Da draussen in der Freiheit ist die Luft schneidend klar, das Licht hell, die Konturen sind scharf, die Farben leuchten. Sonnenbrillen und Schutzfaktoren gibt es nicht. Hier wird nicht mehr aus der Ferne angebetet – hier wird analysiert. Wer Erfolg will, muss Konkurrenz und Konfrontation aushalten, Kontinuität liefern. Ein Event reicht nicht, egal wie schön er ist. Der Bote, der nicht mehr, als sich selbt zur Botschaft hat, zieht nur einmal und dann hat man ihn gesehen. An dieser Stelle „Frauenfeindlichkeit!“ zu heulen, weil man in der Sache versagt, „Sexismus!“ jaulen, weil nicht jedem gefällt, was man tut oder schlicht aus Vermarktungszwecken, „Diskriminierung!“ herdelirieren weil man sich langweilt oder weil die Welt einen nicht wie eine Horde glückstrahlender Riesenpandas im Dauermodus beklatscht – so läuft die Sache mit der Freiheit und mit den Rechten nicht. Dabei nebenher auch noch in larmoyanter Arroganz jene Geschlechtsgenossinnen als „rechts“ und/oder „grenzdebil“ zu verunglimpfen, die hervorrangend ausgebildet, intelligent und  verantwortlich entscheidend genau das begriffen haben, die verstehen, dass Berufungen nicht nach dem Lustprinzip auf die Lebensschnur aufgezogen werden können, sondern kontinuierlich ganzen Einsatz fordern, die sich also entscheiden, dass Familie für sie nicht bloss ein flankierndes Selbstoptimierungs-Projekt, sondern lebenslange Aufgabe ist, zeugt von einer emotionalen und intellektuellen Kurzatmigkeit, die ihresgleichen sucht. Dass man damit auch jene Generationen von Frauen doppelt und dreifach entrechtet und „entachtet“, von deren materiellem und ideellem Erbe wir alle nach wie vor zehren, haut dem Ganzen den Boden raus. Gebildete, erwachsene Frauen, die bei aller Freiheit, allem Wohlstand, allen Möglichkeiten so denken, sind ein Rätsel. Oder anders ausgedrückt: eine Zumutung.

Freiheit ist nicht gleichbedeutend mit Harmonie. Freiheit ist immerwährender Kampf gegen alles, was einen bremsen, resignieren lassen, entmutigen und entmündigen will – auch und gerade gegen sich selbst. Disziplin, Routine, Stehvermögen im nur scheinbar Immer-Gleichen – Tag für Tag, Jahr führ Jahr. Das ist zur Freiheit hin wachsende Grösse. Keiner kann einem diesen Kampf abnehmen, kein anderer ist Schuld, weil man unterliegt. Aber: scheitern, fallen oder stürzen sind keine Schande. Sie werden es erst, wenn man liegenbleibt und rumnöhlend schwadroniert von „der Gesellschaft“, „den Männern“, „den Rahmenbedingungen“ oder schlicht der „Blödheit der anderen“.  Ausserdem: Ein „Recht auf alles“ gibt es nicht. Moralischen Anspruch darauf zu erheben ist nichts anderes, als der Versuch persönlicher Freizeitoptimierung auf Kosten Dritter. Das hat nichts mit Freiheit zu tun sondern ist blanker Egoismus. Hier eine Art biologischen Gnadenstand auszurufen, der alles rechtfertigt, zeugt davon, dass der einzig vorhandene Glaube – jener an sich selber – ähnlich anbgehoben ist, wie der politische und mediale Mainstream. Voll im Trend.

Nun – warum sich befassen mit einem Phänomen, das nur eine Minderheit betrifft? Das Problem ist: Wir haben keine Zeit mehr für  Scheingefechte und amoklaufende Egoismen. Wir  – Frauen und Männer – werden unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit gerade in einen Zustand der Entrechtung zurückgestossen, wogegen die Unfreiheit der Frauen von früher geradezu wie ein laues Lüftchen amutet. Verfassungen werden umgangen oder mittels dem, was wir Justiz nennen, ausgehebelt. Der kollektive Kopf unserer Regierungen steckt bis zum Schulteransatz im Ami-Arsch. Entsprechend sind Visionen und Aussichten. Ansonsten hüllt man sich gerne in die Fahne goldener Sterne auf blauem Grund, verschleudert unser Geld und jenes künftiger Generationen, beschäftigt ein Heer von Denunzianten, verteidigt unsere Freiheit neuerdings auf der Krim, während unsere Armeen für den Einsatz im Inland ausbildet und ausgerüstet werden oder längst sind, und streitet ansonsten alles ab. Unser Finanzsystem taugt nicht mal mehr, um in der Pfeife geraucht zu werden und unsere Wirtschaft, die aller anderslautenden Propaganda zum Trotz dank Interventionen, Regulierungen, fiskalischen Raubzügen und Sanktionen auf dem Zahnfleisch geht, wird die Millionen neueintreffenden Fordernden irgendwann nicht mehr allimentieren und untenhalten können. Von den Segnungen der geschenkten Buntheiten ganz zu schweigen.

Wir brauchen einander. Wir – Männer und Frauen – brauchen einander mehr denn je. Jeder frei Denkende und Handelnde, jeder früh- oder spätberufene Radikale in Sachen Freiheit ist so nötig wie selten zuvor. Es ist an der Zeit, uns selber mitsamt unserem Leben nicht mehr ganz so persönlich zu nehmen. Die Zeiten glanzvoller Isolation im Ego-Paradies sind vorbei. Lassen wir uns in gegenseitigem Respekt und mit Achtung vor dem Einsatz des Anderen mindestens in Ruhe leben und wirken. Besser noch: Fördern wir einander mit Tat und mit Wort. Gehen wir zusammen in die Wand, anstatt medial angespitzt künstliche Grabenkämpfe zu führen. Finden wir im direkten Kontakt, im Gespräch, im gemeinsamen Schaffen heraus, wer am Seil wieviel taugt. Gründen wir Vertrauen auf Wissen und nicht auf Hörensagen oder öffentliche Mantras. Verteilen wir die Lasten den Kräften und Stärken des einzelnen entsprechend – egal, ob Mann oder Frau. Nur so haben wir eine Chance, als nationale, regionale oder familiäre Einheiten dem Sturm zu trotzen, der obrigkeitlich gelenkt auf uns losgelassen wird.

Auf die Zukunft. Sie wird hart.

 

 

 

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Mesdames, es reicht! (Teil 2)

  1. Wir brauchen einander, das stimmt. Auch um uns klar zu machen, was beiden Partnern fehlt. (Das Weibliche)
    Aber alles was Sie aufzählten sind Äußerlichkeiten, „der Weg der Frauen“ schaut heute so aus. Außerdem kommt eine Verkumpelung der Frauen hinzu, die ziemlich tief schwingt.
    Heute sind die Frauen nicht äußerlich, aber innerlich sehr rational männlich geworden.

    Vergessen ist die hohe weibliche Spiritualität, die Disziplin, die Natürlichkeit im Einklang mit dem Kosmos zu leben und viel Selbstbewusstsein einfordert.
    Noch im 18 Jahrhundert segelten die Rostocker Nonnen mit einer Schiffsladung Bier Richtung Schweden und machten gute Geschäfte. (Ich würde mir das heute nicht zutrauen).

    Ein typisch sehr weiblicher Beruf ist der der Hebamme, der wird aber mit so hohen Versicherungsprämien vom Markt gefegt und der rationale männliche Part weist auf den viel besseren Kaiserschnitt hin………
    Familiär wird es auch schwierig, weil zwei rational denkende Menschen den Alltag meistern wollen…und somit das kreativ sorgende Weibliche keine Lust mehr hat, sich verlachen und ausnutzen zu lassen.

    Gefällt mir

    • Danke für den Kommentar, Eveline. Gegenfrage: Wer genau hat diese Dinge, das typisch „Weibliche“ „vergessen“, wie Sie schreiben? Wer lacht und macht Frauen, die selbstbewusst ihren weiblichen Weg gehen, die ihre Weiblichkeit und Schönheit auch, aber nicht nur als Machtfaktor einsetzen, fertig? Wer verkumpelt die Frauen und degradiert sie in der politisch korrekten Nacktheit à la Femen zu Prostituierten ihrer selbst? Aber wie Sie richtig schreiben: Eigentlich wären das Nebensächlichkeiten. Und alle Denunziation ist heute täglich mehr ein Zeichen, dass eine/r etwas richtig macht. In diesem Sinn: Ich hege grosse Hoffnungen. Auch und gerade in die Frauen.

      Gefällt mir

      • Ja , wer genau nimmt uns unsere Schöpferkraft, wer schöpft unseren Rahm immer ab?

        32 Milliarden Euro Zinslast allein in Deutschland, spiegelbildlich findet eine Massenverelendung statt.
        Versicherungen, also Siegfried will den Drachen töten und geht vorher noch eine Lebensversicherung abschließen. Leben will alles und zwar total, die Lebensversicherung sichert solch einen erwachenden Ritus nicht ab.

        Die Jugend will und muß immer neue Wege gehen, um dann spätestens mit 50 Jahren festzustellen, die Alten wußten es doch besser. Bedingt durch die ständigen Kriege und somit dezimierte Großelterngeneration, fehlt heute die Rückkopplung.
        Hinzu kommen Kindergarten und Kinderkrippe. Das nicht in einer Familie aufwachsende Kind ist leicht zu manipulieren. Fremde bestimmen über meine Kinder, (Frau Müller hat aber gesagt…)Familie ist unwissend und so nimmt alles seinen Lauf.

        Dann die Werbeindustrie…Kind auf dem Arm, Telefon am Ohr, regelt sie ihr Leben…

        Danke für Ihre Anregungen Frank.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s