50 Shades of Red

Der Abgrund, auf den die europäische Gesellschaften ein weiteres Mal zu den Klängen des immerselben Illusions-Schwulsts von totaler Gleichheit und Sicherheit und im Schlepptau ihrer vor moralischem Sabber triefenden Oberen durchallimentiert, durchgegendert, durchregiert und minimalgesichert zusteuert, ist nicht rechts, links oder mittig. Auch nicht, wie Parteinamen gerne implizieren, alternativ, freisinnig, christlich oder gar sozial. Die Schattierungen mögen variieren; abwärts geht’s allemal. Und die Dunkelheit dort unten ist rot.

Vor kurzem wurde in der Schweiz über die Vorlage URSIII, die Unternehmenssteuer-Reform, abgestimmt. Es soll hier nicht um für oder wider dieser von den Stimmbürgern abgeschmetterte Vorlage gehen, sondern um die antrainierte, in Kauf genommene und gewollte Ignoranz in Bezug auf ökonomische Vorgänge. Sie ist grenzenlos. Und sie ist erwünscht. Denn: Wer beginnt, sich mit den grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenängen und Gesetzmässigkeiten in der Gesellschaft und in einem Unternehmen auseinanderzusetzen, wird rasch verstehen, dass ebendies und nur dies, die Essenz aller Politik bildet. Ihres aktueller Zustands, ihrer Richtung und vor allem ihres Ziels. Wo die Wirtschaft, wo freies Unternehmertum (und nicht die staatlich geschützten Freudenhäuser organisierter Abhängigkeiten von Banken, Verbänden und Grosskonzernen) das Feindbild darstellt, ist das Ziel klar: Staatswucherung, Unfreiheit, Armut, Krieg, Diktatur.

Indes: Die seit Jahrzehnten immergleiche Predigt verfängt. Ein Grossteil der Menschen bringen Unternehmer in illusorischem Wahn mit Reichtum in Verbindung. Mit Gier, Ausbeutung, Rücksichtslosigkeit und Profitmaixmierung aufkosten anderer. Und man ist sich einig: Natürlich, muss ein Unternehmen Steuern bezahlen. Mehr noch: Eigentlich sollten ausschliesslich die Unternehmen Steuern bezahlen. Oder in der Logik sozialistischer Gesellschaftsgestalter: Unternehmer und der Rest der Gesellschaft sind „natürliche“ Feinde. Dass das Unsinn ist, dass erstere ohne letzteres nicht existieren würde und dass Unternehmenssteuern grösstenteils abgeschafft gehören, weil sie Nonsens sind, taucht nicht auf dem Radar staatsnaher Meinungs- und Bildungsschleudern auf, die das Opfersein möglichst breiter Gesellschaftsschichten zur höchsten Tugend, Besser-Sein und Gewinnertum im Sinn eines Wettbewerbs als schlecht und die Möglichkeit unternehmerischen Scheiterns oder Erfolges zur Todsünde pervertieren. Dass alle drei – antrainiertes Opfertum, die Pflege eines grotesken Feindbilds und das Vermeiden von Risiken – Indizien einer allumfassenden Unfreiheit sind, wird entweder nicht wahrgenommen oder unterschlagen. Wichtigeres steht an: Werde ich jetzt schwul, oder doch eher vegan?

Warum sind Unternehmenssteuern zum grossen Teil Unsinn? Ein Unternehmen ist als juristische Person vereinfacht gesagt nichts anderes, als ein „Haufen“ von freiwillig eingegangenen Verpflichtungen von Menschen, die ein gemeinsames Ziel haben. Wenn diese Kooperation Gewinn macht, profitieren Menschen und nicht Verträge davon.Das „Firma“ genannte tausendmaschige Netz von Verpflichtungen schon gar nicht. Am besten wird das in der Schweiz dort sichtbar, wo Unternehmen nicht nur Gewinnsteuern an Bund, Kantone und Gemeinden, Kapitalsteuern,  Mehrwert­steuern, Sozialabgaben für die Mitarbeiter und Schwerverkehrsabgaben, sondern auch Kirchensteuern bezahlen. Pierre Bessard, Direktor des Liberalen Instituts, bringt es auf den Punkt wenn er sagt, es falle ihm schwer, sich vorzustellen, wie ein Kooperation, die aus tausenden von Verträgen bestünde, kirchliche Leistungen in Anspruch nehmen solle. Vielmehr müsste jeder vom Staat erhobene Beitrag zwingend von menschlichen Wesen ­stammen. Ein Unternehmen als abstrakte Rechtsform könne keine Steuern zahlen. Und es bleibt zu ergänzen: Tut sie auch nicht. Denn jeder erhobene Unternehmenssteuerfranken wird auf natürliche Personen abgewälzt. Zahlen tun sie in Wahrheit die Aktionäre via Dividendenreduktion, die Kunden durch höhere Preise und die Arbeitnehmer durch tiefere Löhne. Dass diese im Schatten politischer Aneignungskunst stattfindende Umwälzung einer Volkswirtschaft langfristig schadet, wird ignoriert, mit der Lüge, Unternehmenssteuern entlaste die Privaten, hingebogen und geglaubt. Anstatt Risiko- und Innovationsfreude wird Verwaltertum erzwungen, anstelle unternehmerischer Unsicherheit, freudig bejahter Panik und Erfolgshunger Stillstand- und Bewahrermentalität.

Das Verrückte an dieser und ähnlicher Debatten: Es interessiert eine Mehrheit der Menschen nicht mehr, dass, wenn erst die Wirtschaft bremst, dann lahmt und irgendwann stehen bleibt, weder Politik an sich, noch beschauliche Feindbildpflege und rundumversorgtes Opfertum möglich sind. Stattdessen: Es läuft ja alles rund. Der Staat wirtschaftet gut, läuft von einem Einnahmenrekord zum nächsten und produziert Überschüsse im Milliardenbereich. Warum sich also querstellen auf der breiten rotbeteppichten Strasse, wo es sich so sicher und weich in der Gruppe gehen lässt, wo staatlich ausgeschildert der Weg ins quasi-messianische Reich von Gerechtigkeit, Gleichheit und Sicherheit gewiesen wird und wo für jedwede Befindlichkeit und Konsequenz falscher Entscheidungen eine wahlweise „Leben“ oder „Freiheit“ genannte Verrichtungsbox bereitsteht?

Was allerdings „gut zu laufen“ scheint, läuft längst nicht mehr. Die Gestaltung der Gesellschaft, ihre „Steuerung und Lenkung“ (Kretschmann) übersteigt kostenmässig alles, was der Saat sich risikolos an Fremderwirtschaftetem einverleiben könnte. Bezahlbarer Wohnraum, Rentenerhöhungen, Minderheiten-Förderung, grüne Wirtschaft, Mindestlöhne, Energiewende, Elternschafts-Leistungen, Chancengleichheit, soziale Sicherheit, Teilhabe-Garantie und Menschenwürde (wozu heute auch Smartphone, Auto und Freizeitgestaltung zählen), kurz die Übernahme dessen, was „Leben“ ausmacht, durch den Staat, ist nicht gratis und vor allem nicht finanzierbar. Die Staatschuldenquoten sprechen eine deutliche Sprache. Dass die Konsequenz dieser Politik weitere Schulden, weiteres Gelddrucken durch die EZB und à la longue irgenwann für jeden spürbare Geldentwertung zur Folge hat, wird verdrängt. Stattdessen findet laut aktuellen Berichten eine Mehrheit der Deutschen zurzeit ein Bedingungsloses Grundeinkommen eine gute Sache. Die Panik über die längst diskutierten Bargeldverbote überlässt man den rechten Hetzern und Verschwörungstheoretikern.

Das Resultat wird – einmal mehr – Miltons Friedmans Dreisprung sein: „Von der öffentlichen Wohlfahrt über die Finanzkrise in die Unfreiheit.“ Gibt es Hoffnung? Der Schreiber dieser Zeilen hegt sie nicht. Wo eine Mehrheit der Menschen sich aufregt, dass „der Staat“ dieses statt jenes finanziert, diesen Geld gibt und nicht jenen, den „Falschen“ hilft und die „eigenen Leute darben“ lässt, ist nichts zu hoffen. Wo Menschen sich an der Frage aufreiben, welcher „Seite“ sie angehöhren während das Spannendste, Härteste, Erfüllendste, und Oberste – die Freiheit – Störfaktor und – in Gestalt des Unternehmers – Feind ist, kann der Abgrund nicht umgangen werden. Eine Gesellschaft, in der wieder „Märsche“ (der Anständigen, der Frauen, usw.) Hunderttausende locken, und die Leben und Wirken der Menschen in „Lager“ (links, rechts, Mitte) spaltet anstatt zu aller Nutzen zu kooperieren, für die Freiheit und gegen jedes Diktat, hat die Abrisskante schon hinter sich. Und – so hart es tönt – sie hat es verdient.

Bringen wir’s hinter uns.

Leben als genderakzeptables Nichts

2011 wurde die sogenannte Istanbul-Konvention ausgearbeitet. Es handelt sich dabei gemäss offiziellem Wortlaut um ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und ist als solches ein völkerrechtlicher Vertrag, der per 1.8.2014 in Kraft trat. 43 Nationen haben ihn unterzeichnet, 22 bereits ratifiziert. In Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein steht die Ratifizierung noch aus. Im Fall der Schweiz hat der Bundesrat am 2. Dezember 2016 die empfehlende Botschaft an das Parlament verabschiedet – die Entscheidung steht bevor.

Warum sich hier mit etwas befassen, das in den Meinungsschleudern des Mainstreams  nicht stattfindet, beziehungsweise nur dann bearbeitet wird, wenn man mit der Thematik gegen die Polen – diese teilrenitenten traditions- und nationsversessenen Feinde des Friedensprojekts Grosseuropa  – schiessen kann?  Warum „es“ wie so viele vor ihm, nicht einfach abtun als politische Lachnummer und quasi aufgebahrt liegenlassen? Warum in Rage geraten wegen eines weiteren Brüsseler Machwerks, das die Tatsache ignoriert, dass die Schweiz und andere Länder längst die Standards zum Schutz der Frau (ja – es tönt wir Artenschutz) erfüllen, die es fordert, und dessen Umsetzung den Steuerzahler voraussichtlich Millionen kosten wird? Denn wenn auch nichts anderes – dies eine wird es garantiert: kosten. Viel kosten.

Finanzielle Mittel sind sicherzustellen für umfassende politische Massnahmen, Unterstützung von auf Geschlechter und Geschlechtergewalt spezialisierten NGOs auf allen Ebenen, Koordinationsstellen zur Beobachtung, begleitende Forschung, bevölkerungsbezogene Studien, Kampagnen und Programme zur Bewusstseinsförderung und zur Behandlung, Lehrmittel, Fortbilduns- und Ausbildungsmassnahmen, rechtliche und finanzielle Unterstützung von Opfern, Ausbildung, Schulung und Hilfe bei der Arbeitssuche, Schutzunterkünfte, kostenlose landesweite und täglich rund um die Uhr erreichbare Telefonberatung, Errichtung von Krisenzentren. Ausserdem ein 15köpfiges Expertengremium zur Überwachung, das nicht nur Immunität, sondern auch weitere, ansonsten Regierungsvertretern vorbehaltene Vorrechte geniesst. Die Aufzählung ist nicht vollständig.

Okay – zugegeben: Da kann den steuererpressten Bürger schon eine nicht ganz wutfreie Regung streifen. Aber sind wir das nicht längst gewohnt? Doch – sind wir. Aber in diesem Fall ist es geboten, sich aufzuraffen, Leserbriefe zu schreiben, Kommentare in jedem uns zur Verfügung stehenden Gefäss – alles, um auf dieses im Schatten der Hyperaktualität in Vorbereitung befindliche „Geschäft“ aufmerksam zu machen. Warum.

Deshalb, weil „Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ nur Deckmantel sind. Es geht, mutet man sich die Lektüre des Übereinkommens sowie des erläuternden Berichts zu, um etwas ganz anderes: Hier wird in furchterregender Milde und hirnspaltend sachlich nicht nur die praktische Umsetzung einer kulturmarxistischen Agenda besiegelt, sondern auch die Integration einer islamischen Gewaltkultur als selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft und flächengreifendes Betätigungsfeld des Aneignungsspezialisten Staat vorausgesetzt und zementiert.

Tut man sich den ganzen Anforderungs-Katalog, beziehungsweise die ihm zugrunde gelegte Wirklichkeit an, wähnt man sich als Leser unversehens in eine sozialgeschichtlichen Epoche versetzt, von der man bisher nichts ahnte, und in der Gewalt, Mord und Unterdrückung der Frau nicht nur Normalität, sondern alltägliche Pöbelbelustigung zu sein scheint. Die diese Gesellschaft beherrschenden Männer sind ein Haufen zwanghafter, hyperkonditionierter, unerbittlicher und jederzeit gewaltbereiter Wahnsinniger. Soweit die Sicht der Verfasser.

Dass wir als Gesellschaft davon Lichtjahre entfernt und auf der Anti-Diskriminierungsschiene teilweise längst übers Ziel hinausgeschossen sind, braucht hier nicht weiter behandelt zu werden. Aber daher weht der Wind auch gar nicht. Woher stattdessen wird erst in den Tiefen des Werks klar. Dort, wo man den erzieherisch „richtigen“ Willen regelrecht schmatzen hört und wo mehr als bloss ein leichtes konstruktivistisches Gerüchlein über der Sache liegt.

Die Übereinkunft hebt als erster solcher Vertrag die biolgische Bedeutung von Mann und Frau auf. Geschlecht bezeichnet nach der völkerrechtlich bindenden Übereinkunft keine biologische Gegebenheit, sondern ausschliesslich gesellschaftlich geprägte Rollen, Verhaltensweisen, Tätigkeiten und Merkmale, die eine bestimmte Gesellschaft als für Frauen und Männer angemessen ansieht.Der Mann wird in diesem Verständnis per se und mit geradezu grotesker Selbstverständlichkeit mit Gewalt und Untedrückung in Verbindung gebracht. Er gehört umerzogen – wenn nicht gleich zur Frau (die sind gut), dann wenigstens zum Menschen. Denn: Wer Mann ist, ist eigentlich schon Täter. Und es ist in dieser ideologischen Blase nur konsequent, wenn das Papier festhält, dass Massnahmen mit dem Ziel zu treffen seien, die „Vorurteile, Bräuche, Traditionen und alle sonstigen Vorgehensweisen, die auf der Vorstellung der Unterlegenheit der Frau oder auf Rollenzuweisungen für Frauen und Männer beruhen, beseitigen.“

Ehe, traditionelle Familie nach klassischen Rollenbildern,  männertypische Berufe oder Studienfächer gelten in diesem Verständnis als „wirtschaftliche Gewalt“ und „strukturelle Unterdrückung“. Gegenseitige und freiwillig vereinbarte Abhängigkeit innerhalb einer Partnerschaft oder Familie ist der totalen Abhängigkeit vom Staat zu opfern. Es fällt dann auch leichter, die andernorts grandios gescheiterte Wahnidee vom neuen Menschen schon ab frühestem Alter und via Fremdbetreuung und -Erziehung in die Kinderhirne hinein zu praktizieren.  Von unseren Traditionen und Bräuchen, die alle aus Zeiten stammen, als das Wort „Diskriminierung“ noch nicht erfunden war, ganz zu schweigen. Kurz: Unter dem Label des „Opferschutzes“ wird hier gerade ein neuer Geschlechterkampf Marke „Eiserner Vorhang“ aufgezogen, der in Wahrheit nur eines will: Die Menschen (allen voran den Mann) auf einen sozialen und geschlechtlichen Null-Wert herabwürdigen. Eine Art Säugetier, das sich im Produktionsfaktor-Sein erschöpft.

Die Frage, wie dieser radikale Kulturmarxismus, der sich gegen alle konservativen Lebensmodelle und Geschlechterarrangements, mit der eine Mehrheit der Leute nach wie vor gut lebt, sich mit der Freiheit des Individuums und der Idee eines liberalen Rechtsstaats verträgt, bleibt unbeantwortet. Der Leser gerät indes in Versuchung zu vermuten, die Verfasserschaft der Mache wähne sich längst nicht mehr in einem solchen: In der auf mehrheitlich westliche und christlich geprägte Gesellschaften zugeschnittenen „Übereinkunft“ werden den Themen „Zwangsheirat“ und „Genitalverstümmelung“ eigene Absätze und Artikel gewidmet. Die Worte „Ehre“ und „Ehrenverbrechen“ kommen 14 Mal vor.  Noch Fragen?

Nein? Dann schiessen Sie aus allen Rohren. Heute in der Schweiz, morgen in Deutschland. Der grosse Teil dessen, was sich Bildungsindustrie nennt (Medien, Kultur, Bildungsstätten) ist längst übergelaufen und zelebriert den abgeschafften Mann wie gerade eben anlässlich der New York Fashion-Week mit zu Darstellern in einem Monstrositäten-Kabinett erniedrigten Wesen, die nur noch entfernt menschliche Züge zu haben scheinen. Von Männern ganz zu schweigen. Was hier abgemagert, in geschminkter Lächerlichkeit und verhangenem Blick in Stöckelschuhen,  Strapsen, Braukleidern, Jupes und Jäckchen über die Catwalks stolpert, lässt einem jedes Lachen auf Brusthöhe einfrieren. Nicht mal Wut kommt auf. Und so gerne man sich abwenden würde, vergessen – tun wir’s nicht: Das ist unsere Sache, die hier von den Medien wohlweislich verschwiegen und im Stillen verhandelt wird. Ihre und meine.

Der Gast

Willommenskultur – Jetzt auch auf meinem Blog. Der Gast mit vorläufigem Bleiberecht ist Deutscher. Ausserdem Arzt, Aussteiger, Zeit seines Lebens Aussenseiter und Abenteurer. Er wird sich in regelmässig unregelmässigen Abständen zu politischen und gesellschaftlichen Themen äussern. In Form von Artikeln, Statements und Anekdoten. Er provoziert dort, wo scharf geschossen wird (meist rechts der Mitte), stellt dem faschistoiden Diktat der selbsterklärt „Guten“ oft beissenden Spott engegen und heisst den Preis, den solches heute vom Einzelnen fordert mit einem gerüttelt Mass Zynismus willkommen. Ein weiterer „Wüter“ bloss, ein Zeterer und aus der Ferne Stänkernder? Nein – Ein echt Engagierter, der um und für Inhalte ringt. Immer. Ein Sich-entgegen-Stemmender um der Liebe zu seinem Land Willen. Ein Hoffender, der Kategorien von „links“ und „rechts“ und „oben“ und „unten“ hinter sich hat. In letzter Konsequenz ein Optimist. Egal wie’s kommt. Hier die erste „Hasenpost“.

Hasenpost – Nachrichten aus dem Wald

Der Hase meint: „Ja, dieser Karneval hier muss verboten werden: Schwimmen ohne Einmann-Zelt. Schwule, die Händchen halten. Und dann die Schweine in Kinderbüchern. Das geht nicht.“ Die ‚Flüchtlinge‘ drohen mit Maßnahmen.

Wie schwachsinnig muss man sein, so einen Müll zu schlucken oder gar zu fordern? Und solche Leute sollen uns in Deutschland retten von wegen frischem Blut? Die hier Raum- und sonstwas Greifenden? Wer so was will, ist doch nicht mehr frisch im Kopf. Aber sich über einen Viktor Orban oder Präsidenten Trump aufregen, das wären ganz schlimme antifreiheitliche Monster, und dekorativ vor Kameras rumheulen, während man faschistoide Religionsunterwerfung für weltoffen hält.

Hopfen und Malz sind endgültig verloren. Macht nix, der Prophet verbietet sowieso Alkohol.  Scharia, Ehrenmord und Totschlag sind okay, Bierchen sind haram, Ungläubige sind minderwertig und alles so unrein, während man(n) sich heimlich nackige weiße „Schlampen“ ansieht, oder gar ungefragt anfasst. Und alles HIER in UNSEREM Land, das ist Satire, oder? Bitte sag mir einer, dass so ein Irrsinn Satire ist, von mir aus auch mit Ziegen, aber Satire, ja? Hallo? Regierung? Justiz? Polizei? Medien? Jemand zuhause? Ich hätte da mal eine Frage. Was sind das für Leute, die hierher kommen in ein Land, wo sie dauernd alles Mögliche beleidigt, ja sogar unser Denken? Und warum müssen wir machen, was die wollen? Frau Merkel, was soll das?

Zurück zu den Schweinereien. „Schon seit Jahren zählen muslimische Staaten wie Pakistan, Ägypten und Saudi-Arabien zu den Ländern, aus denen laut Suchmaschinenbetreiber Google die weltweit meisten Anfragen zu den Themen Sex und Porno kommen“ (Stern, 28.11.2013: NSA sieht Islamisten beim Pornogucken zu). Ach nein, wir wollten von richtigen Schweinereien reden. Also erstmal: dass das Schwein ein unreines Tier sei und Schweinefleisch zu meiden, hat einen schlichten, lebenspraktischen Hintergrund: Ohne Kühlung hat man im Orient ruckzuck ein Problem mit Trichinen. Das ist alles, darum ging’s ursprünglich. Der Rest ist Mythos. 1400 Jahre Aufregung wegen Schweinen für nix. Denn heute gibt es das Trichinen-Problem nicht mehr, dafür Hygiene, Tierärzte, Antibiotika und Kühlschränke. Das hat Prophet Mohammed nicht voraussehen können. Wie? Okay, aber Allah hätte es wissen müssen …

Nachdem dieser unsäglich rückständige Blödsinn geklärt wäre, kommen wir jetzt zur Kunst. Wollen wir mal gar nicht über das Schwein als Glücksbringer in der Ikonographie reden und staunen, wie ein so unreines Tier sich solchen Ruhm zu erschleichen erquiekte. Reden wir über Odysseus und Circe oder über die drei kleinen Schweinchen. Ich zum Beispiel hatte das Glück einer vorislamisch-genderlosen Kindheit ohne Frauen, die dauernd zwanghaft am Kämpfen waren. Also meine Frauen – Mama und diverse Tanten – die kämpften schon, aber eher mit dem Haushalt als gegen fiese Chauvis, die damals noch nicht breitenwirksam erfunden waren. Jedenfalls bei uns zuhause da taten Männer das, was sie immer taten: alles wuppen, hinterher Bier trinken und eine rauchen. Voll unterdrückend eben. Und ich hatte das Glück, damals in meinen heißgeliebten Comics u.a. die Bekanntschaft von Ede Wolf und den drei Schweinchen zu machen, aber das noch viel größere Glück war, das ging mir erst viel viel später auf, dass die Comics nicht nur nette Kunst, sondern sogar Kultur waren. Wie nun dieses? Nun, ganz einfach: Die Übersetzerin dieser Strips war einfach genial. Sie ließ zum Beispiel Ede, den großen bösen Wolf, Sachen sagen wie: „Mein ganzer Sinn und Lebenszweck sind Borstenvieh und Schweinespeck“. Nun, das kennen manche. Aus dem Zigeunerbaron. Der Text würde dann weitergehen: „Das Schreiben und das Lesen sind nie mein Fach gewesen, denn schon von Kindesbeinen befasste ich mich mit Schweinen.“ Das wußte ich allerdings damals noch nicht, aber das waren natürlich nicht die einzigen Klassiker-Verse, die ich auf die Art kennenlernte. Die promovierte Kunsthistorikerin, die den deutschen Übersetzungen Seele einhauchte, leistete an mir über viele Jahre ganze Arbeit, und an mindestens einer oder zwei Generationen Comic-Lesern auch. So lernte ich was, ohne es zu merken. Ich hatte Spaß und merkte mir die lustigen Verse und das sozusagen gratis, weil da jemand einfach Spaß an unserer Kultur hatte und drin schwelgte, und es genial und mit Gefühl den Lesern auf den Punkt hinschrieb.

Heutzutage haben die meisten Dinge im Internet weder Herz noch Seele, und solche Kultur-Extras wie Ede und die 3 Schweinchen sind eher voll ätzend gruftig. So ist das halt mit einem modernen, auf Digital Naives basierenden Neofaschismus, der als like-bare Bessere-Welt-Moral daherkommt. – Und das kann nur passieren, weil Boko haram ist, Bücher und Bildung also Scheiße sind, eigenständiges Denken haram, in der Masse blöken und mitlaufen aber halal. Und individuell bedeutet nur noch, was alle cool finden, nicht was einzigartig ist. Natürlich haben die Leute keinen verlässlichen Horizont mehr. Bildung, Kultur und Geschichte sind passé. Sonst würden sie einen Faschismus erkennen, wenn er ihnen über den Weg läuft, und über George Orwell’s 1984 Bescheid wissen. Das jahrzehntelang aufgewendete Geld, die ganzen Institute und Lehrbücher, die haben alle nicht dazu geführt, dass die Leute Faschismus erkennen und ablehnen, obwohl andauernd laut und schrill dagegen „gekämpft“ wird. Das ist so lächerlich, so armselig. Und dann unterwirft man sich steinzeitlichen Regeln, dass es einer Sau graust, und nennt’s „integrativ“. Seit diese unsäglichen Grünen am Ruder sind, wird laufend eine kulturelle Atombombe nach der anderen geworfen. Kritik- und hirnlose, kulturlose Gleichschaltung, wir kommen! Aber Schweine in Kinderbüchern verbieten wollen! Ich weiß auch warum: Schweine sind schlaue Tiere.

„Herr der Fliegen“

Der 1954 erschienene Roman von William Golding erzählt die Geschichte einer Gruppe von Jungs zwischen sechs und 12 Jahren, deren Flugzeug im Zug einer Evakuierungs-Aktion abstürzt und die auf einer unbewohnten Insel strandet. Auf einen Schlag dem Einfluss der Zivilisation und der Erwachsenen entzogen, vollzieht sich fast sofort und den persönlichen Präferenzen und Prägungen der einzelnen Jungen entsprechend eine Spaltung der Gruppe in zwei Teile. Die einen unter Führung von Ralph bemühen sich um den Erhalt restzivilisatorischer Vernunft und suchen in erster Linie nach Lösungen, die zu ihrer aller Überleben und Auffinden führen sollen. Die anderen versammeln sich um Jack, der seinen „Leuten“ dominant und fordernd Action, Abenteuer, Frass und Spass verspricht. Was als Meinungs-Differenz beginnt wird zum Konflikt, zur gnadenlosen Hetzjagd und schliesslich zum Massaker. Jack siegt auf ganzer Linie: Ralphs Gruppe ist teils unter Zwang, teils freiwillig übergelaufen oder tot. Er allein überlebt durch pures Glück.

Die Story ist fürchterlich. Der scheinbare Widerspruch zwischen der Gewaltorgie und der Tatsache, dass es Kinder sind, die sie veranstalten, ist kaum auszuhalten. Ebensowenig der Leim falscher Freiheit, auf den die Jungen der Gruppendynamik und Jack folgend gehen und sich in keinem Moment bewusst sind, dass er deren Gegenteil ist: Knallharte Hierarchie in ihrer autoritärsten und totalitärsten Ausprägung.

Daran erinnert und in nicht minder bestürzter Ratlosigkeit findet man sich, im Fall aktueller Begebenheiten wieder. Da wäre zum einen die Studentenvertretung der Uni Salzburg, die mittels eines Sitzungsprotokolls „Verstösse“ gegen gender-gerechtes Verhalten festhalten will. Einträge in das Protokoll soll es beispielsweise bei „Augenverdrehen“, „nicht geschlechtergerechter (was für ein Wort!!) Sprache“ oder „sexistischen Wortmeldungen“ geben. Darüber, wie die „Verstösse“ geahndet, beziehungsweise die Verstossenden umerzogen werden sollen, schweigt sich die Vertretung von rund 300’000 Studiernden, die sich über Pflichtbeiträge finanziert, aus.

Ein weiteres Beispiel: Die Scheite auf dem Haufen, der für den schwulen katholischen Juden Milo Yiannopoulos von der versammelten Meinungs- und Medienschafferschaft errichtet worden ist, heissen „Hate-Speaker“, „Ultrarechter“, „Frauenfeind“ und „Trump-Fan“. Gestern hat ein Teil der Studentenschaft der Uni Berkley entschieden, es sei an der Zeit, die Chose anzuzünden. Mit gewaltätigen Protesten, die sowohl Verletzte, als auch enorme Sachbeschädigungen zur Folge hatten, und die nur mittels eines Grossaufgebots der Polizeit unter Einsatz von Tränengas beendet werden konnten, wurde der Auftritt des „Wortführers der Alt-Right-Bewegung“ im Rahmen seiner Dangerous-Tour verhindert.

Man kann schulterzuckend feststellen: Kinder sind gnadenlos – auch dann, wenn sie schon Mitte zwanzig sind. Die Fragen indes „zuckt“ man damit nicht weg. Warum benehmen sich nach neuesten pädagogischen Standards sozialisierte Jugendliche wie die Jungs in „Herr der Fliegen“ – wie Kinder? Warum ausgerechnet sie, die in den Achtzigern und Neunzigern in grossen Wohlstand, individuelle Freiheit, in oftmals antiautoritäre Erziehungsmodelle und mitten in die freie Persönlichkeitsenfaltung hineingeboren wurden? Wie sind diese Menschen, die heute die Jugend sind und morgen Entscheidungsträger sein werden, geprägt und sozialisiert worden wenn das Endprodukt dieser „Erziehung“ in lupenreiner Ideologie, im denunziatorischen Spitzeltum und im gewaltsamen Vernichten anderer als den eigenen Ideen beseht?

Oder anders ‚rum: Woher kommt dieser Wahn? Dieses das Leben und die Feiheit anderer niedermähende Sich-Festklammern am eigenen und einzig „Richtigen“ trotz teilweise himmelschreiender Unvereinbarkeit mit überprüfbaren Realitäten? Woher diese Lust am an Nager gemahnenden schnatternden, pfeifenden, beissenden und hugrigen Lynchmob, der sich als die Vorhut des Korrekten und Kultivierten verstanden sehen will? Wie ist die Schizophrenie erklärbar, in der die Panzerdivisionen lebensunerfahrener Moralwächter Seit an Seit mit der Überzeugung eigener „Gerechtigkeit“ und „Richtigkeit“ koexistiert?

Die Frage, ob es möglicherweise an scheinbaren Freiheit der „Kinder“, die in Wahrheit oft nichts anderes als die Befreihung der Eltern war und ist, liegt, muss hier erlaubt sein. Eigenständigkeit, Selbstverantwortung und Kreativität sind die schönen Schlagworte einer Erziehung, die vor allem eines ist: keine Erziehung. Keine Grenzen, Engen, Zwänge. Das Kind entwickelt sich selber zu einer guten, freien und reifen Persönlichkeit. Oder frei nach Frankfurter Schule: Die totale Grenz- und Autoritätsbefreiung des Kindes zu nicht weniger als der Verhinderung von Faschismus und autoritärer Charaktere.

Was ist, wenn das Gegenteil richtig ist? Wenn sich selbst enwickelnde Kinder genau das suchen, was die Eltern – aus welchen Gründen auch immer – ihnen verweigern? Nämlich Grenzen, Regeln, Hierarchien? Wenn all jene „kindergerechter“ handeln, die sagen, ihre Regeln und Grenzen seien nicht in erster Linie Freiheit raubende Gebote, sondern ihre beiden in Liebe ausgestreckten Arme, von denen der eine Respekt fordere und lehre während der andere Vertrauen  zum Leben und zu anderen fördere. Arme, in  deren scheinbarer „Enge“ ihr Kind frei heranwachsen und gefahrlos auch das entfernteste Andere kennenlernen könne?

Der Schreibende hat selber keine Kinder, ist aber der Meinung – bei allem Respekt für die erzieherische Freiheit jedes Einzelnen – dass diese Fragen gestellt gehören. Denn: Wenn in Zeiten, wo die Not eine rein emotional gefühlte ist, derartiges wie die obigen Begebenheiten, nicht nur angedacht, sondern umgesetzt wird, dann mag man sich nicht vorstellen, was das Gebot der Stunde bei jenen Menschen sein wird, sollte das Leid ein real erlebtes werden. Solches Verhalten zeugt von allem möglichen, nur von einem nicht: von Freiheit. Und es spricht den Parolen von Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit Hohn.

Meine Damen – es reicht! Wir brauchen einander!

Jetzt hatten wir also auch den Pussy-March – Pardon! – den Marsch der Frauen allen Geschlechts. Wir hatten tiefschürfend vergeistigte Sprechchöre, die kundtaten, dass  periodisches Blut in den Strassen Amerikas fliessen werde zur Befreihung der Menschen mit Menstruations-Hintergrund. Wir sahen Ganzkörperkostüme, die nicht, wie auf den ersten Blick zu vermuten gewesen wäre, die Aussage „I am a cunt“ tätigten, sondern das Gegenteil. Wir hatten Vaginal-Käppis und Tausende selbstinzeniererische am Hitler-Klon-Trump-Trauma Leidende.

Und jetzt mal dies: Meine Damen – es reicht! Was ihr heute Feminismus nennt, ist nur noch verbaler Ausdruckstanz diffamierenden Inhalts in den staatlich alimentierten Ateliers wohlstandsvertrockneter Scheinrealitäten. Wofür kämpft ihr eigentlich? In welchem Krieg? Den letzten haben eure Vorgängerinnen für sich entschieden. Zum Glück. Für den nächsten gegen Kinderehen, Verstümmelung und Steinigung solltet ihr längst aufrüsten. Alles dazwischen ist wehleidiger Schwanengesang einer gescheiterten Opfer-Orthodoxie und windelweiches Intrigantentum.

Und dann: Bitte etwas mehr Ehrlichkeit, etwas mehr von der eigenen Medizin: Wir haben nicht nur Gleichberechtigung, Gleichstellung und Chancengleichheit – wir haben Gender. Geschlecht ist ein soziales Konstrukt, wie die zwangserhellende Doktrin, die ihr alle befürwortet, uns lehrt. Ginge es den Damen Feministinnen um die Sache, dann hätten sie sich selber, ihre Gleichstellungsbeauftragten und Gleichstellungsbüros spätestens mit dem ersten Lehrstuhl für Gender-„Wissenschaften“ abgeschafft. Tut es aber offenbar nicht. Im Gegenteil: Weil die eigene gut alimentierte Existenz in der Nähe staatlicher Pfründe wichtiger ist als das zum Alibi verkommene Ideal, werden die Mittel angepasst. Je schwächer der Stand, desto größer die kultivierten Illusionen, die gepflegten Sensibilitäten. Wenn nötig findet man auch im Leitartikel der „FAZ“ genug sexistischen Zündstoff, um die Weiterführung des längst obsoleten und zur reinen Ideologie verkommenen Geschlechterkampfs zu rechtfertigen. Man schaltet einen Gang zurück und macht die Frau ohne Not und Scham wieder zu dem, wovor man sie angeblich gerettet hat: zum Opfer. Dass man damit all jenen Frauen schadet, die selbstverständlich und nicht nur auf Event-Basis, sondern Tag für Tag im Leben und in der Gesellschaft „ihren Mann stehen“, nimmt man billigend in Kauf.

Zwei Dinge lassen sich nicht wegdiskutieren. Erstens: Opfer sein ist ein großes Unglück und keine Tugend. Sturzbetroffenes (Roger Köppel) Zelebrieren windelweicher Scheingefechte zum eigenen Vorteil ist nicht nur billig, sondern gröbste Verhöhnung wehr- und rechtloser Menschen angesichts von Gewalt, Missbrauch, Kriegen, Seuchen, Katastrophen und Verfolgung. Und zweitens: Gleiches Recht bedeutet nicht nur gleiche Pflicht (es ist davon so viel geschrieben und ignoriert worden, dass darauf an dieser Stelle nicht näher eingegangen wird), sondern vor allem auch gleiches Risiko. Leben ist Risiko, meine Damen. Volles Leben ist volles Risiko. Die Chance des Erfolgs und das Risiko des Scheiterns. Die Möglichkeit des einen wie des anderen zu akzeptieren, ist Reife und Mündigkeit.

Wenn ihr so weitermacht, wird das Interesse der Öffentlichkeit für echte Anliegen weiter abnehmen und im Endeffekt irgendwann nur noch zoologischer Natur sein. Darunter leiden werden jene Frauen, für die Gleichberechtigung und damit gleiche Verantwortung eine Selbstverständlichkeit sind. Teamplayerinnen, Karrieristinnen, Einzelkämpferinnen, Mütter, Models und Matronen, die täglich und ohne Lärm und Tam-Tam in reifer und mündiger Art im Leben und in der Gesellschaft ihre Entscheidungen, wägen Risiken ab, nehmen Chancen wahr und kalkulieren die Option des Scheiterns ebenso mit ein wie jene des Erfolgs. Jene, die selbstbestimmt und selbstverantwortlich leben und handeln. Sie sind – auf welcher Stufe und Position auch immer – klar in ihren Statements, konsequent in ihren Anliegen, gezielt in der Umsetzung, professionell, wo dies gefragt ist, und trotzdem oder gerade deshalb beliebt.

Warum also schält sich neben den Restbeständen lendenlahmer Altfeministinnen aus dem Kollektiv des befreiten Weiblichen gerade eine neue Minderheit heraus? Frauen, die – wiewohl so frei wie nie zuvor und in jeder Beziehung optimal ausgerüstet – das Opferlabel als Rückversicherung und Rettungsboje auf ihren Namen reserviert und zur Seite gelegt haben wollen. Oder anders gesagt: Frauen, die zwar die Schaufenster umdekoriert haben, den Laden aber mitnichten zu verkaufen gedenken. Junge oder halbjunge Neo-Feministinnen in eigener Sache, denen, trunken vor innerer Aufmüpfigkeit, der Idee der individuellen Freiheit und des Alles-geht, doch das letzte Quentchen Mut fehlt, das echte Freiheit fordert, und die sicherheitshalber die altbewährten Devotionalien des obsoleten Opferkults in Griffnähe behalten.

In die weichgezeichnete Teil-Berechtigung, die privilegierte Nichtbeachtung zurück will man nicht. Natürlich nicht. Das ist auch gut so. Jeder und jede soll sich selber, sein Wort, Werk und Wirken zu Markte tragen können. Da draußen in der Freiheit ist die Luft schneidend klar, das Licht hell, die Konturen sind scharf, die Farben leuchten. Sonnenbrillen und Schutzfaktoren gibt es nicht. Hier wird nicht mehr aus der Ferne angebetet – hier wird analysiert. Wer Erfolg will, muss Konkurrenz und Konfrontation aushalten, Kontinuität liefern. Ein Event reicht nicht, egal wie schön es ist. Der Bote, der nicht mehr als sich selbst zur Botschaft hat, zieht nur einmal, und dann hat man ihn gesehen. An dieser Stelle „Frauenfeindlichkeit!“ zu heulen, weil man in der Sache versagt, „Sexismus!“ zu jaulen, weil nicht jedem gefällt, was man tut, oder schlicht aus Vermarktungszwecken, „Diskriminierung!“ herdelirieren, weil man sich langweilt oder weil die Welt einen nicht wie eine Horde glückstrahlender Riesenpandas im Dauermodus beklatscht – so läuft die Sache mit der Freiheit und mit den Rechten nicht. Dabei nebenher auch noch in larmoyanter Arroganz jene Geschlechtsgenossinnen als „rechts“ und/oder „grenzdebil“ zu verunglimpfen, die hervorragend ausgebildet, intelligent und verantwortlich entscheidend genau das begriffen haben, die verstehen, dass Berufungen nicht nach dem Lustprinzip auf die Lebensschnur aufgezogen werden können, sondern kontinuierlich ganzen Einsatz fordern, die sich also entscheiden, dass Familie für sie nicht bloß ein flankierendes Selbstoptimierungs-Projekt, sondern lebenslange Aufgabe ist, zeugt von einer emotionalen und intellektuellen Kurzatmigkeit, die ihresgleichen sucht. Dass man damit auch jene Generationen von Frauen doppelt und dreifach entrechtet und „entachtet“, von deren materiellem und ideellem Erbe wir alle nach wie vor zehren, haut dem Ganzen den Boden raus. Gebildete, erwachsene Frauen, die bei aller Freiheit, allem Wohlstand, allen Möglichkeiten so denken, sind ein Rätsel. Oder anders ausgedrückt: eine Zumutung.

Freiheit ist nicht gleichbedeutend mit Harmonie. Freiheit ist immerwährender Kampf gegen alles, was einen bremsen, resignieren lassen, entmutigen und entmündigen will – auch und gerade gegen sich selbst. Disziplin, Routine, Stehvermögen im nur scheinbar Immergleichen – Tag für Tag, Jahr für Jahr. Das ist zur Freiheit hin wachsende Größe. Keiner kann einem diesen Kampf abnehmen, kein anderer ist schuld, weil man unterliegt. Aber: Scheitern, Fallen oder Stürzen sind keine Schande. Sie werden es erst, wenn man liegenbleibt und rumnölend schwadroniert von „der Gesellschaft“, „den Männern“, „den Rahmenbedingungen“ oder schlicht der „Blödheit der anderen“. Außerdem: Ein „Recht auf alles“ gibt es nicht. Moralischen Anspruch darauf zu erheben ist nichts anderes, als der Versuch persönlicher Freizeitoptimierung auf Kosten Dritter. Das hat nichts mit Freiheit zu tun, sondern ist blanker Egoismus. Hier eine Art biologischen Gnadenstand auszurufen, der alles rechtfertigt, zeugt davon, dass der einzig vorhandene Glaube – jener an sich selber – ähnlich abgehoben ist wie der politische und mediale Mainstream. Voll im Trend.

Nun – warum sich befassen mit einem Phänomen, das nur eine Minderheit betrifft? Das Problem ist: Wir haben keine Zeit mehr für Scheingefechte und amoklaufende Egoismen. Wir – Frauen und Männer – werden unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit gerade in einen Zustand der Entrechtung zurückgestoßen, wogegen die Unfreiheit der Frauen von früher geradezu wie ein laues Lüftchen anmutet. Verfassungen werden umgangen oder mittels dessen, was wir Justiz nennen, ausgehebelt. Der kollektive Kopf unserer Regierungen steckt bis zum Schulteransatz im Ami-Arsch. Entsprechend sind Visionen und Aussichten. Ansonsten hüllt man sich gerne in die Fahne goldener Sterne auf blauem Grund, verschleudert unser Geld und jenes künftiger Generationen, beschäftigt ein Heer von Denunzianten, verteidigt unsere Freiheit neuerdings auf der Krim, während unsere Armeen für den Einsatz im Inland ausbildet und ausgerüstet werden oder längst sind, und streitet ansonsten alles ab. Unser Finanzsystem taugt nicht mal mehr, um in der Pfeife geraucht zu werden, und unsere Wirtschaft, die aller anderslautenden Propaganda zum Trotz dank Interventionen, Regulierungen, fiskalischen Raubzügen und Sanktionen auf dem Zahnfleisch geht, wird die Millionen neueintreffenden Fordernden irgendwann nicht mehr alimentieren und unterhalten können. Von den Segnungen der geschenkten Buntheiten ganz zu schweigen.

Wir brauchen einander. Wir – Männer und Frauen – brauchen einander mehr denn je. Jeder frei Denkende und Handelnde, jeder früh- oder spätberufene Radikale in Sachen Freiheit ist so nötig wie selten zuvor. Es ist an der Zeit, uns selber mitsamt unserem Leben nicht mehr ganz so persönlich zu nehmen. Die Zeiten glanzvoller Isolation im Ego-Paradies sind vorbei. Lassen wir uns in gegenseitigem Respekt und mit Achtung vor dem Einsatz des anderen mindestens in Ruhe leben und wirken. Besser noch: Fördern wir einander mit Tat und mit Wort. Gehen wir zusammen in die Wand, anstatt medial angespitzt künstliche Grabenkämpfe zu führen. Finden wir im direkten Kontakt, im Gespräch, im gemeinsamen Schaffen heraus, wer am Seil wie viel taugt. Gründen wir Vertrauen auf Wissen und nicht auf Hörensagen oder öffentliche Mantras. Verteilen wir die Lasten den Kräften und Stärken des einzelnen entsprechend – egal, ob Mann oder Frau. Nur so haben wir eine Chance, als nationale, regionale oder familiäre Einheiten dem Sturm zu trotzen, der obrigkeitlich gelenkt auf uns losgelassen wird.

Auf die Zukunft. Sie wird hart.