Freischar der Zyniker

Die Überalterung der europäischen Gesellschaften ist ein Problem. Mehr noch: Eine Katastrophe. Partei-, branchen- und schichtübergreifend hat man zu wissen, dass dem demographischen Strömungsabriss und der eingeleiteten Abwärtsspirale entgegengetreten, das Trudeln um jeden Preis ausgeleitet werden muss. Optimalerweise mit vereinten politischen und zivilen Kräften. Denn: Ein Europa, dessen Anteil an der Weltbevölkerung kontinuierlich sinkt, bedeutet zwingend ein geschwächtes Europa. So. Wer darin mit der Mehrheit übereinstimmt, sollte die Lektüre jetzt beenden.

Politik wäre nicht Politik, wüsste sie den allseits beklagten demographische Wandel nicht schamlos zu instrumentalisieren. Meist dann, wenn Asylromantiker und Sozialstaats-Euphoriker in vulgärhumanistischem Schwulst und gnadenlos den Neid-Trieb bedienend ihre Begehrlichkeiten unters Volk zu bringen suchen, wird er gerne – wie oben – mit Überalterung gleichgesetzt. Familien fördern heisst es dann. Die Jugend oder gar kommende Generationen. Personengruppen, die beim Anhäufen immer groteskerer Schuldenberge einer immer desolateren Währung durch dieselben Leute bestenfalls marginal interessieren. Die Tatsachen, dass jede bisher ergriffene politische aktiv natalistische Massnahme ausser horrenden Kosten keinerlei Wirkung gezeitigt hat und dass das einzige, was von staatlicher Seite vielleicht hülfe das wäre, dass man den entsprechenden Zielgruppen weniger von dem wegnähme, was ihnen gehört, finden im diskursiven Utopia des Gestalten-via-Aneignen nicht statt. Aber darum geht’s auch nicht.

Überalterung – obwohl unbestritten – ist eine Momentaufnahme und nur ein Aspekt des sich vollziehenden Wandels. Und vor allem: Sie beruht auf dem Fehlen von Jungen und nicht auf der höheren Lebenserwartung. Sie ist kein Dauerzustand, wie man uns weismachen will. Wohl ist davon auszugehen, dass sie sich weiter akzentuieren wird. Zu ignorieren indes oder unerwähnt zu lassen, dass in ungefähr 20 Jahren im selben Szenario Tausende Altenpfleger neue Jobs werden suchen müssen und Altersheime ihre Pforten schliessen, weil die Schuldigen der Überalterung gestorben sein werden, grenzt an Betrug. Kombiniert man dies mit der Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern, die morgen den Trend umkehren könnten, heute verhütet oder abgetrieben werden, liegt der Schluss nahe, dass in der Zukunft von konstant kleineren Bevölkerungszahlen auszugehen ist. Katastrophe?  Jawohl – jeder scheue Fingerzeig in Richtung einer natürlichen Entwicklung, einer sich spontan anpassenden freien Wirtschaft, mehr und besserer Arbeitsplätze oder gar sich vergünstigender Güterpreise aufgrund sinkender Nachfrage, wird als „blanker Zynismsmus“ diskreditiert.

An diesem Punkt entpuppt sich die Demographie-Panik als eine rein politische. Die Wirtschaft tangiert sie nur dort, wo deren Exponenten es sich via Lobby leisten können, sich der Käuflichkeit von Politikern und Parteien anzupassen und mitzunehmen, was kurzfristig am vorteilhaftesten ist. Mit Wertschöpfung im Sinn produktiver und planvollen Ver- und Vorsorgens hat dies nur am Rand zu tun und ist nur für wenige – unter ihnen die Polit-Clilque – gewinnbringend. Ausserdem: Wer via EU-Solidargemeinschaft und Geldpolitik vorauseilend und ohne Not kommende Generationen enteignet, kann nicht von sich behaupten, in erster Linie am langfristigen Wohlergehen der realen heimischen Wirtschaft und damit der heutigen und zukünftigen Bevölkerung interessiert zu sein. Wäre dem so, dann würde man anstelle Neid und Panik schürender Alarm-Rhetorik zuallerst jene Hürden aus dem Weg räumen, die vor der eigenen Haustür stehen: Man würde die gern genutzte Opfergruppe „Rentner“ entopfern. Angefangen damit, dass man nicht nur das sagt, was ins Wählerkauf-Konzept passt, sondern was ist: Dass die Menschen nicht nur älter werden, sondern gesünder älter werden und länger produktiv sind. Dass die Lebensarbeitszeit der Menschenn noch nie so kurz war wie heute, setzt man sie in Relation zur Lebenserwartung. Man würde das Rentenalter nach oben flexibilisieren, Lohnsysteme anpassen und gesetzliche Zwänge lockern oder aufheben. Aber das passiert nicht. Im Gegenteil: die Mär von den Alten, die den Jungen die Arbeitsplätze wegnehmen, ist den politischen Problemlösern eine der liebsten. Sie aufzugeben würde bedeuten, ein mittelfristig wachsendes Wählerpotential, das es sich in der Opferrolle bequem eingerichtet hat, aufzugeben. Fröhlich wird das „französische Paradoxon“ der höheren Lebenserwartung bei gleichzeitiger Senkung des Renteneintrittsalters via Menschenwürde gepflegt und – ergänzt um Rentenerhöhungs-Debatten – mitleidlos eingesetzt.

Und es wird genauso weitergehen. Der massenweise organisierte Zuzug in jeder Beziehung mit Gold gleichzusetzender Menschen, Staatsbürgerschaft à discretion, Wahlrecht ab Geburt und Teilhabe als Menschenrecht sind nichts anderes, als die in dieselbe Form passenden Manöver im politisch orchestrierten Bewegungskrieg zwischen Bezahlern und Bezügern und werden nicht vor Erreichen des Ziels eines Bedingungslosen Grundeinkommens Halt machen. Oder anders gesagt: Politik ist heute längst an dem Punkt, wo es nicht um Land, Leute und künftige Generationen, sondern nur noch um Machterhalt geht, den man sich mittels eines stehenden Heers, einer Streit- und Wahlmacht von Staatsabhängigen zu sichern erhofft.  Der Wille hierzu ist total und totalitär, wie die zur Religion erhobene politische Korrektheit täglich neu und nachdrücklicher beweist. Sie schliesst einen faschistoiden Antirassimus (inklusive Feminismus und Gender-Mainstreaming) genauso ein, wie Meinungs- und Denkverbote, und gebietet, wie Wahlen es immer aufs Neue beweisen, über ein beträchtliches – auch Mehrheit genanntes – Heer von moralisch auf Schlapphut-Niveau runter-allimentierten, verängstigen und feigen Gläubigen.

Und einmal mehr stellt sich die Frage: Was tun? Eine realistische Möglichkeit kann sein, das zu kultivieren, was im moralischen Hoheitsgebiet von Bunteuropa und von links bis rechts zur Todsünde erklärt worden ist: Zynismus nach bester Wild’scher Art. Je blanker desto besser. Zynismus, der die Dinge benannt, wie sie sind und nicht, wie sie sein sollen. Zynismus, der sich dem lähmenden Umarmungsstaat entwindet und aufsässig, kritisch, irritierend und frech als politischen Wunsch entlarvt, was uns als Wirklichkeit verkauft werden soll.

Um Zyniker zu sein und der gottgleichen Obrigkeit ein diogenessches „Geh‘ mir aus der Sonne!“ entgegenzuschleudern, braucht es vor allem dies: Freiheit im Sinn innerer Unabhängigkeit. Freiheit, die sich jedem Diktat, jedem gegen oben gerichtetem Opportunismus und jeder ideologisch verbissenen und engstirnigen Grundsätzlichkeit verweigert. Kurz: Freiheit, von der keiner – egal, wo und in wessen Dienst er steht – Verbundenheit, Geld, Solidarität oder die Erfüllung von Pflichten erwarten kann. Viele und täglich mehr solch Mutiger die ohne Rücksicht auf Verruf und Verluste anrufen und anschreiben gegen den pseudohumanitären Kitsch eines knallharten Verteil- und Machtkampfes, gibt es längst.

Aber man kann noch weiter gehen. Die Voraussetzungen waren – demographischer Wandel sei Dank! – nie besser. Im deutschsprachigen Raum Europas handelt es sich bei 35 bis 40 Prozent der Haushalte um Einpersonenhaushalte. Weitere 25 bis 30 Prozent sind Zweipersonenhaushalte ohne Kinder. Natürlich nicht alle, aber immer noch Hundertausende von Menschen also, die nur für sich verantwortlich sind, unter deren Entscheidungen kein anderer leidet und die allein über die Grösse einzugehender Risiken bestimmen können. Und vor allem: Menschen, die der kommenden Generation auch ohne eigene Kinder ein echtes Erbe zu hinterlassen gedenken – jenes der Freiheit.

Man stelle sich vor, ein Teil davon entscheidet sich freiwillig dafür, die innere Unabhängigkeit, die auch zivilen Ungerhorsam mit einschliesst, um materielle Bedürfnislosigkeit zu ergänzen. Das Verweigerungs- und Irritationspotential einer solchen Gruppe, die ganz und gar frei, mit Witz, Selbstirionie, Wahrheit und Risikobereitschaft eindringt in den Luftraum sozialromantischer Soll-Träume und verlogener Alternativlosigkeit, könnte weder überhöhrt, noch übersehen werden. Wenn Leute ihr Vermögen – falls vorhanden – verstecken oder verschenken, Selbständige wo immer möglich schwarz arbeiten, Zwangsabgaben und Steuern nicht entrichten oder ganz einfach das Einkommen unter Existenzminimum drücken – jeder das, was er zu tragen bereit ist – kann der Staat nichts mehr holen, als die Person selbst. Wer dies mit einkalkuliert und entsprechend plant, stellt sich eine Aufgabe, die dem Vermögensaufbau früherer Generationen für die Zukunft ihrer Kinder und Kindeskinder (was heute in Anbetracht von Negativ- bis Nullzinsen und Beschlagnahme-Phantasien der Politik nur bedingt Sinn macht), in nichts nach.

Wenn sich diese Menschen ausserdem lose oder persönlich, direkt oder indirekt verbinden, dann haben sie das Potential eines echten Korrektivs für Gegenwart und Zukunft. Jeder Schritt eines jeden, der sich dafür entscheidet wird via elektronische Medien kommuniziert und verbreitet. Ebenso jede Reaktion – sei es Drohung oder konkrete Massnahme – des sich wehrenden Staates.

Subversif, mutig, zukunfstzuversichtlich, dreist. Das Steuervieh, das sich erlaubt zu tun, was nur Jupiter erlaubt ist. Das – oder aber weiter wie bisher: rituell theatralisches Zelebrieren des demokratischen, unnützen weil realpolitsch wirkungslosen Hochamts – auch Wahlen genannt – zur Legitimation einer räuberischen, langfristig zerstörerischen und verlogenen Politik. Wir für die eigene Zukunft oder jeder gegen jeden.

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Verschleudertes Erbe

Wir und Generationen vor uns, die sich in Schulen, an Gymnasien und Universitäten mit simpler Wer-was-wann-durch-wen-Didaktik zufrieden geben mussten, sind, ohne dass es bemerkt worden wäre, geistig zu Wuchsbegrenzung vergewaltigt und klein gehalten worden. Unser Potential wurde aufs rüdeste beschnitten, wir selber und unsere Möglichkeiten gewaltsam und unumkehrbar durchgeformt – Kompetenzkrüppel allesamt, Gebremste, Geknechtete, Gebrochene!

So muss es sein, schenkt man den – erstaunlicherweise unversehrt dem Bildungsgulag der Vergangenheit entkommenen – meist staatlich besoldeten Eziehungsexperten Glauben. Unterhaltsam und belohnbar müssten die Eleven an den zu vermittelnden Stoff herangeführt werden, wolle man auch nur eine minimale Chance auf erfolgreiche Lebensbewältigung erzielen, heisst es da. Inhalte müssten nicht gelehrt und gelernt, sondern gemeinsam und spielerisch erkundet werden, flexibel, mutig und integrativ in Sprach- und Mathebäder getaucht (das ist kein Witz, das ist Fachjargon). Und vor allem: Lernstoff, Lernziele und Lernformen begründet. Wenn du als Lehrperson kein gutes Warum zu bieten hast, bist du ein Versager, eine Niete und Null in Sachen nachhaltiger Weltaneignung und kannst von deinen Schülern nicht erwarten, dass sie dir und deinem Stoff die Abgründe – Pardon! – die juwelenbesetzten Tore ihrer geistigen Paläste öffnen.

Obwohl Experten nicht müde werden zu betonen, Erfolg oder Misserfolg der neuen Didaktik lasse sich erst anhand mehrerer Schülergenerationen festmachen (ja – es sind dieselben Leute, die behaupten, Dinge, wie Geschlecht und Rollen seien innerhalb einer Generation umzudeuten und abzuschaffen), liegen erste Resultate vor: Italienische Unis vermeldeten kürzlich, dass dreiviertel der Studenten de facto halbe Analphabeten seien. Eine Studie unter den Professoren von 135 geisteswissenschaftlichen Fakultäten an 62 deutschen Universitäten zeigte schon 2011, dass den Studenten Lese- und Schreibkompetenz in ihrer Muttersprache grösstenteils abgeht. Ebenso die Fähgikeit zu selbständigem Formulieren oder Zusammenfassen. Vom Anspruch des reflektiven Erfassens eines thematischen Kerns, ist man mittlerweile weit entfernt. Gleichzeitig vermeldet Bern als erster Kanton in der Schweiz, dass man bei den Französischprüfungen auf Gymnasialniveau fürderhin auf Grammatik verzichten würde, da es die Schüler vor zu grosse Hürden stelle. Derselben Logik folgend ist das Inventar von Klassenzimmern der unteren Stufen bereits vor Jahren um Betten ergänzt worden, in die sich Schüler während des Unterrichts und zur Erholung vom Bildungsmässigen Hürdenlauf zurückziehen können.

Welch Gegensatz zu jenem, der da vor 500 Jahren stand und nicht anders konnte, als sein  „Sola Scriptura!“ über den theologischen Grundsatz hinauszudenken und als Ruf zu den geistigen Waffen der Freiheit mitten in die grösstenteils des Lesens und Schreibens nicht mächtige Bevölkerung hinauszutragen. Welch ein Unterschied zu den kaum dem Kindesalter entronnenen Verschonten der grossen Kriege, deren Danach nur Hunger war: Hunger nach Wissen, Verstehen, Schaffen und Erschaffen. Leben bloss ein anderes Wort für Lernen.

Nebst der Tatsache, dass sich mit Martin Luther erstmals ein Mensch auf seine Glaubens- und Gewissensfreit berief beim Rütteln an den Toren einer korrumpierten Kirche und Gesellschaft, war es vor allem dieser Ruf zur Schrift, zur geistigen Verantwortung des Einzelnen, der eine Tür vom Mittelalter in die Neuzeit aufstiess und der über Jahrhunderte nachhallte und heute zu verklingen droht. Aufgenommen wurde der Klang in der Schweiz durch die Reformatoren Ulrich Zwingli in Zürich und – 25 Jahre später – in Genf durch den Lutherschüler Johannes Calvin. Sowohl Zwingli, als auch Calvin verfochten eine puritanische Glaubens- und Lebenslehre, die unter anderem zur Neudefinition geltender Werte in punkto Arbeit, Bildung und Wissen führten. Schon Luther verstand seine Tätigkeit als Beruf und im Umkehrschluss auch Handel, Landwirtschaft, Gewerbe, Handwerk, Unterricht und Regierung als Berufung und als Teil des Gottesdiensts, der Dienst am Nächsten, getreue Geschäftsführung, Fleiss und Sparsamkeit forderte.

Und immer wieder: Leistung, Bildung und Wissen –  Lesen und Schreiben! Es blieb nicht ohne Wirkung: Sowohl Zürich, als auch Genf florierten im Zug der Reformation. Calvinisten waren es, die den Bankenplatz Genf begründeten, die Uhren- und Textilindustrie, die Beziehungen zum Rohstoffhandel. Im Gegensatz zum Mittelalter, war Bettel verpönt. Zugang zu Wohlfahrt bekamen nur noch jene, die unverschuldet in Armut gelangt waren: Kranke, Alte, Kinder aus Grossfamilien und Studenten.

Man kann – zum Glück! – von biblischen Inhalten, christlicher Glaubenslehre und dem Impakt der Reformation noch halten was man will. Sie indes abzutun als Druckposten kässmannsch pervertier Soialromantik, als heuchlerische Utopie der Feigen und Bequemen, wird der Sache nicht gerecht und ist ebenso Zeitgeist-Klischee, wie das sozialethische PC-Geschwafel, das vermengte kirchliche und politische Obrigkeiten als Ersatz durchzudrücken versuchen.

Was anderes war es denn, was Luther zuallererst gebracht und gepredigt hat, wenn nicht Freiheit? Freiheit durch Befähigung zum Wissen. Wissen was da steht. Wissen was ist. Um zu verstehen. Um mündig und selbständig Entscheidungen fällen zu können. Nicht weniger also, als die Befähigung dazu, die Verantwortung für das eigene Leben aus den Händen „falscher Pfaffen und Rottengeister“ in die eigenen zurückzuholen. Und zwar mithilfe der „Kaiserin aller Dinge“ – dem Verstand. Luther verlangte von den Menschen nicht weniger, als eine vernunftbegründete freiwillige Zweiteilung ihres Lebens durch die Annahme der individuellen „Bürgerschaft zweier Reiche“: Jenes der Gnade Gottes, und jenes der Welt. In dem einen gewiss durch Glauben, in dem anderen handelnd mit Verstand.

Von einer reformierten Kirche verlangte er dasselbe und wies sie in die Schranken ihrer einzigen Legitimation: Konzentration aufs Kerngeschäft, die Botschaft der Bibel. Es war die totale Absage an politisches Bütteltum ohne Auftrag, die Entlarvung der Absurdität einer ideologische Reinheit anstrebenden Kirche und eines Gottesdienstes, der im eigenen Interessen zu  einer Mischung aus Parteiversammlung und Heizdeckenverkaufsevent verkommen war.

Und heute? Heute sind wir auf dem besten Weg, uns von solcherlei einengenden Korsagen zu befreien. Endlich. Wir wissen, dass lebenslanges Lernen und Betteln – auch bekannt als Leistungen beziehen – Menschenrechte sind auf die wir ohne eigenes Zutun Anspruch haben. Wir wissen, dass Luther die Leute zum Duckmäusertum erzogen und Deutschland hitlerreif gepredigt hat, dass das klassiche Lehr-Lern-Muster, Fleiss, Disziplin und Ausdauer angefaschistelte Züge aufweisen und dass Wissen kein Können zur Folge haben muss um via Kompetenz (und sei es nur jene, die das Ausfüllen eines Formulars erfordert) Anrecht auf Teilhabe, Verwirklichung und Allimentierung durch die Allgemeinheit zu haben.

Wir wissen ausserdem dank staatlicher und kirchlicher Funktionäre, dass apokalyptischen Gewaltverherrlichungs-Ideologien wie dem Islam einzig mit Verständnis, Dialog und Gebet entgegengetreten werden darf und dass die Kritik an einer Regligion, die nicht unterscheidet zwischen Weltlichem und Geistlichem, gegen die Würde köpfender, verbrennender, steinigender, versklavender und kreuzigender Menschen verstösst. Und wir wissen auch, dass biblische Eckpfeiler wie Eigentum, Individuum, Familie, Gewaltfreiheit, Karitas und vor allem individuelle Freiheit rückwärtgewandte, unsoziale, zu denunzierende und am besten zu verbietende Eigenschaften völkelnder Fanatiker sind. Und wir wissen zu guter Letzt, dass Auftrag und Wille von Kirchen und Staat nicht weniger als die Gestaltung einer „gerechten Gesellschaft“ sind. Und dass nur sie das schaffen können.

In Anbetracht solch hehrer Ziele interessensmässig symbiotisch verschmolzenen Funktionärstums kann die Tatsache, dass wir daneben via Bildungseinrichtungen und Lernbäder organisiert verblöden, schon mal unter den Tisch fallen.

Wie innehalten, wie raus aus der genickbrecherischen Rückwärtsabwicklung dessen, was Leben in Freiheit sein sollte? Es ist immer dasselbe, das einzig Abhilfe schaffen kann: Lesen! Schreiben! Selber denken. Sich selber ein Urteil bilden. Selber entscheiden. Auch hier gilt: Noch haben wir die Wahl. Mitmachen oder sich verweigern. Sich in jedem Sinn bewehren, oder sich via Ignoranz den politischen und kirchlichen Herren des richtigen Glaubens überantworten. Anderen die Schuld geben oder das Geschenk der Verantwortung annehmen. Lachen, das Leben lieben, schaffen, erschaffen oder kriechend und kniend  in den Pappbunkern des kulturell und politisch Korrekten in Deckung gehen. Mehrheitskonforme Zeitgenossenschaft oder stolzes Abseitsstehen. Diktat oder Freiheit. So einfach, so schwer.

Geschlecht als Tugend

Kennen Sie den Gesichtsausdruck eines Kleinkindes wenn es sein grosses Geschäft in einem Swimming-Pool macht? Diese Miene abgeklärter, sich selbst genügender und überraschter Konzentration? Da hat nichts anderes mehr Platz. Alle verfügbaren Sinne sind vom nur halbwegs gesteuerten Vorgang knapp unter der Wasseroberfläche gefangen genommen. Rufen und gestikulieren könne sie getrost sein lassen. Bringt nichts.

Es ist dieses Bild, das sich dem Schreiber regelmässig aufdrängt, wenn Gespräch oder Lektüre ihn auf die in kürzester Zeit mit vereinten akademischen und politischen Kräften in die universitäre Landschaft hineingekleisterte Strasse der Genderforschung führt. Realitätsferne, Weltabgewandtheit, inahltliche (nicht aber finanzielle!) Selbstgenügsamkeit – alles da. Zusammen mit den Tatsachen, dass die „Wissenschaft“ auf der Verneinung naturwissenschaftlicher Standardtheorien basiert und sich  einer Sprache bedient, die nur Stammesmitglieder verstehen, erfüllt sie sämtliche Kriterien einer Parallelwelt.Oder sind Sie der Meinung, in einem Wahrnehmungsraum, in dem der Mensch und die  Möglichkeiten seines Tuns, Wirkens, Erschaffens, Strebens und Kämpfens – auch bekannt als Leben –  reduziert werden auf Identitätsfindung mittels Neu-Sortierung der Geschlechter via Haarfarbe oder Hautbeschaffenheit, sei Platz für Grosses, für Weites und Neues? Glauben Sie, in einem Kosmos, der sich zu 90 Prozent aus dunkler Materie à la „Anatomie als soziales Konstrukt“ zusammensetzt und wo man sich der Frage widmet, ob der Biologie selbst nicht patriarchales Denken zugrunde liege, sei Licht im Sinn von Prägnanz und Praxisbezug erwünscht oder vorgesehen?

Das einhellig aus den Hallen des Fachbereichs quellende Schweigen anlässlich von vermehrt sich ereignendem Erleben zwischen Zuwandernden biologisch eindeutigen Geschlechts und schon länger hier lebenden Frauen – Pardon! – Mensch*innen, legt ein Nein nahe. Wozu also? Wem dient Gender und Diversity? Wozu hat die „Wissenschaft“, die die Richtigkeit ihrer Behauptungen auf eine Minderheit von cirka 0.13 Prozent der Bevölkerung (Transgender) abstützt, in unserer Gesellschaft im positiven Sinn beigetragen? Die Frage unbeantwortet zu lassen und unter „künstlicher Wahrheitssuche ohne Relevanz für gesellschaftliche Realitäten“ abzubuchen, wird Macht und Mitteln, mit denen der Fachbereich in den letzten Jahren ausgestattet worden ist, nicht gerecht. Von den Tausenden Genderbeauftragten und -experten in Behörden und Ämtern ganz zu schweigen.

Wer sich die Sache genauer ansieht, stellt fest, dass es sich um eine Art „Kampf-Wissenschaft“ handelt, die ihre Mission nicht in der Entdeckung und Nutzbarmachung von Neuem, Offenem und Weiterführendem sieht, sondern im Kampf gegen Bestehendes. Birgit Schmid stellt die Sache in der NZZ mit folgender Frage auf die Füsse:  Mal angenommen, sie lägen richtig mit ihren Theorien, Geschlecht inklusive Anatomie seien wirklich und ausschliesslich Folgen menschlicher Kultur und Konstruktion – so what? Was ist der Grund, die über Jahrtausende gewachsenen Rollen von Mann und Frau, in denen sich die grosse Mehrheit der Menschen auch heute noch wohl fühlen, zu pulverisieren, mehr noch: zu zerstören?

Eine mögliche Antwort geben die Genderleute in erstaunlicher Offenheit selber: Geschlecht ist politisch. Erstaunlich ist diese simple Aussage deshalb, weil sie sich damit als Apostel eines zutiefst sozialistischen Evangeliums outen. Wenn Geschlecht politisch ist, dann ist es auch der „Geschlechtsträger“, also das Individuum. Und wenn Persönliches, bisher dem Individuum vorbehaltenes politisch wird, dann wird auch seine Freiheit politisch. Oder anders gesagt: die Politisierung des Geschlechts ist die Demokratisierung des Geschlechts was nichts anderes heisst, als dass ein weiterer Bereich des Menschen dem politisch organisierten Zugriff via Mehrheit (egal, aus wie kleinen Minderheiten sie sich zusammensetzt) preisgegeben werden soll.

Über 200 Professuren für Genderforschung allein im deutschsprachigen Raum und die Tatsache, dass der Miteinbezug der Erkenntnisse dieser „Wissenschaft“ längst ein zentrales Qualitätskriterium bei der Vergabe von Fördermitteln und Forschungsprojekten darstellt, verbietet es, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Die „Bewerbungsphase“, in der etwas scheinbar Neues als vorbildlich und hervorragend beworben und zur Tugend erhoben wird, haben wir bereits hinter uns und marschieren in Richtung zwingende Moral. Resultat dieser letzteren ist, wie der Feminismus es in immer unverholener Art vormacht, stets nur eins: Zwang im Gewand von Freiheit. Der ungehinderte Zugriff auf Individuum, Familien, Schulen, Unternehmen. Gewaltsame Durchsetzung von Interessen im Namen einer „Kollektiv-Freiheit“, die kein reales, sondern ein reines Macht-Konzept ist. Immer.

Dass damit ausserdem ein weiterer Punkt auf der gewachsenen Hausordnung menschlichen Zusammenlebens gestrichen wird, passt nicht nur zufällig in das Konzept des hyperindividualiserten, losgelösten, verlassenen Menschen, in dessen Leben der Staat Vater, Mutter und Gott sein will. Die Denunziation und Demontage von Klein- und Kleinstwiderstandszellen wie Familie, Unternehmen, Vereine und andere Gruppen sich freiwillig zusammenschliessender Menschen es waren, ist dabei, zu gelingen. Die Entfremdung gipfelt nicht selten in Verfeindung. Und es ist als Folgeschritt nur konsequent, den Menschen sich selbst zu entfremden. Die Wahlfreiheit in punkto Geschlecht ist nichts anderes, als organisierte Orientierungslosigkeit. Wer nicht instinktiv weiss, wer und was er ist, wer täglich erneut den Wegweiser suchen muss, der ihm sagt, als was er wohin gehen soll und wozu, der hat keine Zeit mehr für Dinge wie Freiheit, Herausforderung, Wagnis, Erforschung und Kreation. Sollte dem einen oder anderen kommender Generationen trotz orchestrieren Untenhaltens auf Analphasen-Niveau mittels Bildungspolitik der Sinn nach solchem stehen, nach einem Mehr an Raum und Platz für das, was wir heute noch unter der Bezeichnung Leben verstehen, dann wird er jene Hausordnung übernehmen, die ihm dies zu ermöglichen vorgibt. Es wird die Hausordnung des Staates sein: der Terror einer konstuierten Tugend. Sarrazin und viele vor ihm haben es erkannt. Wir sind gewarnt. Noch haben wir die Wahl.

Bitte hinken. Bitte freiwillig.

Es ist eine der kürzesten Reden, die je gehalten wurden. Ein Mann hielt sie vor rund 850 Menschen. Sie bestand aus zwei Sätzen: „Wie lange hinkt ihr auf beide Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach; ist’s aber Baal, so wandelt ihm nach.“ (1. Könige 18,21)

Es soll hier nicht um Glaubensfragen gehen. Wohl aber um das Lahmen. Um die ein- oder beidseitige geistige Gangstörung, die grosse Teile der Gesellschaft sich leisten. Um den bequemen Glauben an ein Sowohl-als-auch in der irrigen Annahme, man käme so um ein Entweder-Oder herum, man könne Entscheidungen und ihre Konsequenzen auf politische Krücken auslagern und hätte dennoch einen Einfluss auf Richtung und Ziel. Es ist ein Irrtum. Ein tödlicher Irrtum. Wenn es um individuelle Freiheit geht, gibt es keine Grauzonen. Buntheit erst recht nicht. Es gibt schwarz und es gibt weiss. Es gibt Freiheit und es gibt keine Freiheit. Wer heute freiwillig hinkt, lahmt früher oder später aus Schmerz und landet irgendwann in der Lähmung, wo es kein Vorwärtskommen mehr gibt. Ob einer auf den Beinen bleibt, entscheidet dann die Krücke.

Die Niederlande haben gewählt. In Frankreich und Deutschland stehen in diesem Jahr ebenfalls Wahlen an. Das tönt dann so:

„Aufstiegsversprechen der sozialen Marktwirtschaft erfüllen.“ „Nationaler Plan zur Lohngleichheit der Frauen lancieren.““Lebenslange Bildung durch Bildungsgutscheine und Förderprogramme.““Erhöhung der Stipendienzahl.““Gesetzliche Mindestlöhne sichern.“ „Erziehungsleistung der Eltern honorieren und in Rente einrechnen.“ „Finanzielle Hilfen für werdende Eltern und alleinstehende Frauen.“ „Unfaire Konkurrenz verhindern.“ „Ausbau der Unterstützung von Allenerziehenden.““Massive Entwicklung Erneuerbarer Energien durch intelligenten Protektionismus.“ „Erhöhung der Grundfinanzierung für Forschung und Lehre.“

Und so weiter und so fort. Es sind Auszüge aus den Wahlprogrammen des FN, der FDP und der AfD. Das Ganze angereichert mit kernigen Sätzen zur Identitäts-, Kultur-, Unternehmens- und Mittelstandsförderung. Etwas Finanzmarktstabilität und Goldrückhol-Folklore, etwas Sicherheits- und Asylpolitik, eine Prise Grenz- und Landeschutz und ein paar Seitenhiebe gegen die Granden der EU. Fertig. Hier gibt’s nichts zu sehen. Bitte nur verängstigt gucken, Leine ziehen und wählen gehen. Wer indes bei der Lektüre nicht nur den eigenen IQ, sondern den des ganzen Quartiers in den Keller rauschen hört, der bleibe stehen und mache sich auf eigenes Risiko klar, wer hier in Wahrheit was sagt. Er riskiert Panik, Schock, Wut, Ohnmacht, Trauer. Dann, wenn klar wird, dass hier von den Napoleonen der Erpressung die optimale Verwertbarkeit des eigenen Lebens, der eigenen Freiheit beworben wird. Dass die Wahl eine zwischen „Ich mache dich glücklich“ oder „Ich mache Schuhe aus dir“ ist. Dass er längst erpresst und gekauft und dass seine Freiheit nur ein Produkt seiner Phantasie ist.

Die grosse Mär: Eine freie Gesellschaft ist via Beschneidung persönlicher Freiheit organisierbar. Was ist schon dabei, wenn du bei ein paar Dingen den Kopf unten halten musst, wenn dadurch für alle – auch für dich – am Ende mehr drin ist? Du bist zwar kein Freund dieser Feminismus genannten Artenförderung, dafür gibt’s ja auch für die Kinder mehr Kohle. Du greifst dir wohl in punkto politische Ohnmacht in Bezug auf Millionen neu hier Lebender an den Kopf, aber dafür soll’s ja 15’000 Polizistenstellen und 40’000 Gefängnisplätze mehr geben (FN). Du bist kein Fan orchestrierter Schuldenorgien auf dem Rücken kommender Generationen, aber immerhin werden ja die Stipendien für künftig Studierwillige erhöht und massiv vermehrt. Du fürchtest dich zwar ein wenig vor der fortschreitenden Überfremdung, aber zum Glück wird nun endlich auch was für die nationale Identität getan. Du findest es zwar schon irgendwie Scheisse, wenn der Mittelständler, bei dem du arbeitest, in administrativer Gängelei und Abgaben ersäuft, aber zum Glück gibts’s ja Kündigungsschutz und Mindestlohn.

Die Sorglosigkeit und die Vertrauensseligkeit mit der die Mehrheit der Menschen auf diese grösste aller Täuschungen – das Versprechen betreuten Lebens ins Freiheit – hereinfallen und auf die Autobahn von Sozialstaat, Wohlfahrt, Machtübertragung – siehe: Volksvertretung – und Beamtenherrschaft einbiegen, ist erschütternd. Fakt ist: Freiheit ist immer und ausschliesslich persönliche Freiheit. Beschnittene oder gar überindividuelle Freiheit gibt es nicht. Entweder ist einer frei, mit seinem Leben, seinem Körper und mit den Dingen, die er rechtmässig erworben hat, zu machen, was er will, oder er ist es nicht. Der einizige Tausch, der jedes Parteiprogramm vorzuschlagen in der Lage ist, ist jener von Sein gegen Haben. Leben gegen Ware. Sei ein wenig weniger frei, dafür kriegst du ein bisschen mehr von diesem oder jenem. Das Problem: Alle Ware ist begrenzt. Irgendwann ist nichts mehr zu verteilen. Die Verwertbarkeit der Menschen erreicht ihre Grenzen. Die einzige Freiheit, die bleibt, ist in Wahrheit Leere. Entsorgung dessen, was nicht mehr zu verwerten ist, wird als Mittel zum Machterhalt eine Option.

Warum? Warum müssen wir in Sachen Freiheit wieder vorne anfangen? Warum können wir nicht auf die erfahrenen Schultern vorangegangener Generationen abstellen? Sehen, was sie weggegeben, verloren, zurückerkämpft haben? Warum geben wir erneut Stück für Stück preis, was uns gehört, worauf wir als einzige das Recht haben und was wir sind? Warum drücken wir uns um die Freiheit? Um die Schönheit der Tatsache, dass der Sinn allen „Staats“ darin bestehen muss, die persönliche Freiheit zu befeuern? Und dass, wo dieser Sinn aufhört, auch der Staat aufhören muss? Warum beten wir eine Illusion von Sicherheit an? Warum fürchten wir uns derart vor dem Scheitern und vor Schuld und ignorieren, dass das es weit fataler ist, nicht scheitern und Schuld sein zu können, weil man die Freiheit der Verantwortung abgegeben hat? Was ist so verführerisch am Leben als verwaltetes Objekt? Warum „zieht“ es so viel mehr, als kraftvoll, panisch, lebendig und mutig Subjekt der eigens zu gestaltenden Gegenwart und Zukunft zu sein? Was ist so schwer daran, sich hinzustellen und zu sagen „Ich bin meine Freiheit. Keiner sonst. Und schon gar nicht die Staat genannte Garantielüge irgendwelcher Cliquen!“?

Diese Fragen muss sich stellen und persönlich beantworten, wer ganz Mensch sein will. Wer von aussen Kommendes, ähnlich einer Pflanze, in Eigenes zum eigenen Wachstum und Blühen verwandeln und sich nicht mit Leben von Reifegrad und Manipulierbarkeit einer Salatschleuder zufriedengeben will. Und kommen Sie mir nicht mit der windelweich-wehleidigen „Wir werden zerrieben“-Leier – in der Mitte, links, rechts, wo auch immer. Sie werden von der Politik zerrieben. Mehr noch: Sie lassen sich zerreiben. Das und nur das ist die Wirklichkeit. Es ist an Ihnen, die Risiken, die Sie einzugehen bereit sind, zu definieren. Die Konsequenzen, die sie tragen und ertragen können. Keiner wird es an Ihrer Stelle tun. Wenn Sie es allerdings vorziehen, wie oben vorgeschlagen, es beim verängstigt gucken, Leine ziehen und wählen bewenden zu lassen, dann wird am Ende eine andere Wahrheit stehen. Eine zynische Wahrheit: Das Opfer ist Schuld. Einmal mehr.

Weiblich, 43, Single, kinderlos, selber schuld

Sie ist der einzige Mensch, den ich kenne, der so lachen kann. Als sei es eine Angelegenheit, die den ganzen Menschen fordert. Kraft und Ernsthaftigkeit. Und als wäre es ein Versehen und sie selber davon überrascht, hielt sie auch diesmal abrupt inne. Trotzdem klang es nach. „Würde ja nicht gerade für mich sprechen, wenn ich behauptete, die Männer, mit denen ich ausgegangen bin, seien allesamt Arschlöcher gewesen, oder?“

Es war ihr Geburtstag. Und Weltfrauentag. Wir hatten die „Statistisch-gesehen-haben-wir-die-Hälfte-hinter-uns“-Sache bereits abgehakt und waren mit Volldampf in die „Ein-Mann-ein-Haus-ein-Sohn-ein-Baum“-Thematik hineingebrettert. Sie schien keine Antwort von mir zu erwarten.

„Und was den Kinderwunsch anbelangt“, fuhr sie fort, „natürlich hätte ich gerne Kinder gehabt. Einen Mann. Sogar heute noch. Manchmal. Aber ich hätte auch gerne Hunde. Und Katzen. Und Geld. Eine Menge Geld. Für sonntags den Lamborgini Aventador S, für werktags den Jaguar XKR . Stattdessen bin ich mit 43 Single, Agenturinhaberin, kinderlos und überarbeitet. Aber das ist nicht der Punkt.“ „Und was bitte ist der Punkt?“ „Der Punkt, mein Lieber, ist: ich bin selber schuld an all dem.“

Ich beschränkte mich darauf, eine Lautfolge von mir zu geben, die sowohl Zweifel, Zustimmung, höfliches Nachfragen oder etwas im Stil von „So ist das Leben“sein konnte. Wir kennen uns seit 20 Jahren. Trotzdem: Das war verdammt dünnes Eis in Zeiten, in denen Regierungsvertreterinnen pink Pussy-Mützen strickten und in Vagina-Kostümen ihre geschlechtsbedingte Benachteiligung abfeierten. Sie ist eine Frau, ich bin ein Mann. Für Gendersensible etwa gleichbedeutend mit: Frauen sind das Leben, Männer sind das Ende des Lebens. Auch als Tod bekannt. Kurz: Ich war alarmiert.

Hinzu kam, dass ich an diesem Weltfrauentag bereits eine nicht unbeträchtliche Menge an Kommentaren und Artikeln zum Thema gelesen hatte und der Meinung war, es es sei durchaus angebracht, auf der Hut zu sein. Von den „kleinen Herausforderungen im Alltag“ mit denen die Frauen diskriminierungsbedingt zu kämpfen hätten bis hin zu „Warum ich es bereue, Mutter geworden zu sein“ war alles dabei. Oder anders gesagt: wir, die eine Hälfte der Menschheit, hatten es geschafft, die andere Hälfte selisch, moralisch, finanziell, politisch und gesellschaftlich derart gründlich zu brandroden, dass auch heute auf dem russ- und aschegeschwärzten Urboden des Weiblichen nicht viel mehr, als ein paar kümmerliche Pflänzchen sich zu spriessen getrauen, wo Blühendes wogen sollte. Und wir taten es offenbar immer noch. Immer wieder und andauernd.

Ja – ich war ernsthaft alarmiert. Man kann in diesen Zeiten nicht wissen, wann die Wonnen des Benachteiligtseins (Michael Klonovsky) einen weiteren Chrakter niederstrecken. Aber es kam anders.

„Ich bin ziemlich dankbar, das von mir behaupten zu können“, sagte sie in die Stille hinein. „Denn weisst du, was das heisst? – Es heisst, dass ich immer eine Wahl hatte. Ich und keiner sonst hat entschieden. Jedesmal, wenn ich eine Beziehung eingegagen bin oder einen Kerl zum Teufel gejagt habe, jedesmals wenn ich den Job gewechselt oder eine Weiterbildung gemacht habe, jedesmal, wenn ich Geld zum Fenster rausgeworfen, den falschen geholfen, die richtigen überhört, das Wichtige ignoriert, das Wertvolle übersehen und das Nichtige überbewertet habe: Ich war es. Keiner sonst. Dort wo ich stehe, bin ich auf meinen eigenen zwei Beinen hinmarschiert. Ich weiss nicht, ob die Generationen vor und nach uns dasselbe von sich behaupten können. Heute schon oder irgenwann in der Zukunft. Wir können es. Immer noch. Wir haben es verdammt gut getroffen.“

„Habe ich dir schon gesagt, dass ich dich liebe? Wirklich! Immer noch! Unglaublich! Wie von Sinnen!“

Wir lachten beide.

„Das ist es also, ja? Zwei erwachsene Menschen, die in Verzückung darüber geraten, dass einer sich hinstellt und sagt, für Entscheidungen, die er gefällt habe, sei er selber verantwortlich.“

„Falsch – das ist nicht das Verrückteste“, sagte sie. „Das Verrückteste ist, dass, wer solches zu behaupten wagt, irgendein ‚-feind‘ ist. Und dass dies zu sagen, zu denunzieren, mit dem Finger darauf zu zeigen und einen grossen Lärm zu machen, Fortschritt sein soll. Gerechtigkeit.“

„Was bleibt?“ fragte ich.

„Die Zukunft. Wo alles irgenwann aufhört. Das Geld zuerst.“

„Und bis dahin?“

„Bis dahin gilt: Unser Glück – euer Problem.“

„Meine Würde – dein Job.“

„Mein Wunschkind – deine Verantwortung.“

„Meine Postion – deine Quote.“

„Meine Verwirklichung – deine Kosten.“

„Meine Teilhabe – dein Erfolg.“

„Meine Gleichberechtigung – dein Stillstand.“

„Mein Profit – dein Risiko.“

„Mein Spass – deine Rechnung.“

„Meine Integration – dein Scheitern.“

„Meine Gesundheit – dein Verzicht.“

„Dein Erfolg – deine Strafe.“

„Volltreffer!“ kam es durch den Höhrer. „Erfolg, Urtrieb allen Sich-Entwickelns, wird zur Todsünde erklärt. A propos entwickeln: Ich dachte, du wolltest mir zum Geburtstag gratulieren. Aber anstatt mich zu erfreuen, versetzt du mich in diese Lubjanka-Stimmung. Du Mann.“

„Lass uns eine rauchen.“

„Darf man das noch?“

Sternstunde der Wahrheitspresse

„Lügenpresse“ war das Unwort des Jahres 2014. Roger Köppel sagte dazu sinngemäss und treffend, es ziele am Kern der Sache vorbei, da Aufgabe der Berichterstattung durch die Medien nicht Wahrheit oder Lüge, sondern ausschliesslich Abbildung der Wirklichkeit sein könne. Und dass die Problematik genau hier begründet liege, weil der Bezug der schreibenden Zunft zu ebendieser Wirklichkeit bestenfalls marginal sei oder weil schlicht aus einer anderen, selbstkonstruierten Wirklichkeit heraus berichtet würde.

Als vor ein paar Tagen die gesamte deutschsprachige Presse den „Armutsbericht 2017“ thematisierte, wurden solche Petitessen schlagartig vom Tisch gefegt. Medien und Leserschaft fanden sich in seltener Symbiose vereinigt. Artikel, Kolumnen und Kommentare zum Thema wurden für einmal gefeiert wie geglückte Sturzgeburten von Wahrheit, Echtheit und Richtigkeit. Was war geschehen? Eine mögliche Antwort ist ebenso einfach wie furchterregend: Für einmal wurden die richtigen als Opfer anerkannt. 15,7 Prozent der Deutschen, also rund 13 Millionen Menschen. Die in zwei Sekunden erfahrbare Tatsache, dass Teile der Verfasserschaft des Machwerks deckungsgleich mit jener von „Studien“ sind, die kundtun, dass Asylsuchende ungleich mehr Reichtum bringen, als sie je kosten, fiel da einfach lautlos vom Regal. Hätte eh nur gestört.

Bericht, Berichterstattung und Reaktionen auf den Bericht sind nur mit Mühe und in kleinen Portionen verdaubaur. Denn: es ist blankster Hohn und kalte Verachtung wehr- und rechtloser Menschen angesichts von Gewalt, Missbrauch, Krieg, Seuchen, Verfolgung und Katastrophen – von Menschen also, deren Geschädigtsein seine Wurzeln in Unfreiheit und Zwang hat, von echten Opfern. Was hier angerichtet, serviert und bis zur Emesis gefressen und wiedergekäut wird, ist das Gift einer dreifachen Lüge. Aber der Reihe nach.

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Es ist nicht einfach oder spassig, den Gürtel in finanzieller Hinsicht im letzten Loch zu tragen, dauernd knapp dran zu sein und jeden Cent xfach wenden zu müssen, bevor man ihn ausgibt. Die Schwelle von Knappheit zu Armutsgefährdung liegt gemäss Bericht bei 60 Prozent des Medians des Äquivalenzeinkommens der Bevölkerung. Für einen Single ohne Kind liegt sie in Deutschland demnach bei 942 Euro, für eine alleinerziehende Person mit Kind unter 14 Jahren bei 1’225 Euro, für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1’978 Euro.

Armut im herkömmlichen Sinn bedeutet Mangel in punkto Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung, Wohnung und dem Erhalt des Lebens. Nicht so im Armutsbericht, der deutlich macht, dass der verwendete Armutsbegriff ein relativer sei. Oder im verbeamteten Hilfswerke-Jargon: Armut ist ein dynamisches Konzept. Es gilt: Arm ist, wer über so geringe Mittel verfügt, dass er von der Lebensweise ausgeschlossen ist, die im Staat, in dem er lebt, als Minimum annehmbar ist. In diesem Sinn ist mangelnde Teilhabe Armut. Ebenso der echte oder gefühlte Mangel an Verwirklichungschancen.

Von solchem Mangel betroffen sind gemäss Bericht hauptsächlich fünf Gruppen: alleinerziehende Personen, Familien mit drei und mehr Kindern, Erwerbslose, Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund. Sie durchs Band als Gefährdete oder Opfer darzustellen impliziert Zwang und Unfreiwilligkeit. Die erste Lüge. Der grösste Teil dieser Menschen steht, wo er steht, aufgrund freiwillig gefällter Entscheidungen. Niemand hat sie mit Gewalt daran gehindert, beim lustbetont hirnfrittierten Herumschlafen zu verhüten, niemand zwingt Menschen zur Gründung einer Grossfamilie à la Dritte Welt, keiner wird zur Scheidung und Neu-Paarung – siehe: Pluralisierung der Familienform – gezwungen, dazu den Job hinzuschmeissen oder gewaltsam an der Übernahme einer atypischen Beschäftigung gehindert. Menschen werden ebensowenig mit vorgehaltender Waffe davon abgehalten sich zu bilden und zu integrieren, wie daran, in ihren Herkunftsländern zu leben. Oder anders gesagt: Der Grossteil dieser Menschen ist Opfer individueller Freiheit. Ein Widerspruch der grotesken Sorte. Natürlich gibt es die Ausnahmen, die der Hilfe bedürfen. Die Erhebung aller in einen staatlich definierten Gnadenstand der Opfer indes, verhöhnt unverschuldete echte Not, die in der Heckwelle subjektiv emfpundenen Wohlstandsmangels untergeht.

Aber weiter im Text: „Menschenwürde ist Menschenrecht“ so der Titel des Berichts. Die zweite Lüge. Ein Fest der Peinlichkeit. Aber es geht noch schlimmer: „Gleichwürdigkeit“ sei als alternativloses Ziel anzuerkennen und herbeizuverteilen. Dass man dem Menschen damit die Grundwürde seines Menschseins ungeachtet echter oder gefühlter Not von vornherein abspricht und die Würde an sich herabgewürdigt wird auf etwas staatlich Organisier- und Finanzierbares fällt den Verfassern nicht weiter auf oder wird dem Zweck des Berichts untergeordnet. Da kann man dann auch gleich unterschlagen, dass jeder bis auf jenen Bereich, der ihm von aussen zugefügt wird, für seine Würde selbst verantwortlich zeichnet und dass die Abgabe dieser Verantwortung die Aufgabe der Freiheit bedeutet. Denn: Was – bitteschön! – ist das denn für eine Würde, die die Konsequenzen des eigenen Entscheidens via Almosentropf der Obrigkeit auf die Schultern Dritter ablädt? Daraus dann noch ein Menschenrecht abzuleiten ist an Absurdität kaum zu überbieten. Die Perversion aller Freiheit schlechthin.

Aber darum scheint’s hier auch gar nicht zu gehen – Lüge Nummer drei. Wenn rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung in den zweifelhaften Adelsstand potentiell Geschädigter erhoben wird, suggeriert man damit etwas ganz anderes: Hier läuft etwas schief. Hier muss Abhilfe her. „Da müssen wir ran!“ wie Frau Nahles sagt. Ein bisschen persönliches Engagement im Sinn der Caritas reicht da nicht. Hier braucht’s Konzepte, Massnahmen, Prävention, Schutz – kurz: es braucht Staat. Nicht umsonst beklagen sich die Expertengruppen anlässlich des Symposiums des fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung darüber, dass die Gender-Mainstreaming-Thematik untergewichtet sei bei den Untersuchungen, dass zu wenige Informationen über Menschen, die zwar dem Opfer-Raster entsprechen, sich aber entscheiden, diese Kosten nicht der Allgemeinheit auzubürden, vorhanden seien und dass die Situation all jener, die sich für atypische Erwerbstätigkeiten entscheiden, zu wenig untersucht würde. Hier entgeht den Gesellschafts-Gestaltern und Gleichwürdigkeits-Herbeibetern ein Stück Knetmasse, auf das man zur Erweiterung des eigenen Betätigungsfelds gerne Zugriff hätte.

Aber auch das ist nur die halbe Warhheit. Um zu verstehen, worum’s wirklich geht, reicht es, sich ein paar Sätze von Sozialministerin Nahles‘ Rede bei selbiger Gelegenheit ins Gehirn zu praktizieren:

„In Deutschland halten sich nach meiner Wahrnehmung aber vor allem die Reichen im Dunkeln auf, zumindest gibt esüber sie wenige amtliche Daten. (…) Ich habe mich gefragt, ob der Sozialstaat nicht regelrecht dazu verpflichtet ist, diesen Schleier zu lüften? (…)
Ich sage es Ihnen: Weil wir das Leistungsprinzip mit Füßen treten, wenn wir zwar Einkommen, nicht aber auch Kapitaleinkünfte, Vermögen und Erbschaften nach der Leistungsfähigkeit besteuern. Weil wir das Leistungsprinzip mit Füßen treten, wenn immer noch überwiegend soziale Herkunft und nicht eigene Leistung darüber entscheidet, ob man sozial aufsteigt oder nicht. Und wenn Erbschaft der überwiegende Grund dafür ist, reich zu sein und nicht etwa eigene Arbeit, eigene Ideen und eigene Anstrengungen.(…)
Deshalb war es mir wichtig und es war auch richtig, dass wir uns das Thema Reichtum in diesem Bericht genauer angesehen haben. (…) Das Thema Reichtum mit all seinen Fassetten ist damit auf den Tisch. Mir war wichtig, dass wir über die Verteilung in unserem Land sprechen – über Arm und Reich – und dass wir auch auf der Regierungsbank das Wort „Umverteilung“ wieder in den Mund nehmen. (…) Beruhigend ist doch, dass dieses Geld hier im Land viel besser angelegt ist als auf instabilen Kapitalmärkten im Niedrig-Zins.“

So geht Hetze. Und nur darum geht es: Um die Instrumentalisierung ganzer Bevölkerungsschichten mittels Unzufriedenheit und Neid zum Zweck immer weitergefassterer und tieferer Intervention, um Legitimierung neuer Raubzüge durch den Staat und um Beförderung immer grösserer Abhängigkeit und damit grösserer Unfreiheit immer zahlreicherer Menschen. Oder anders gesagt: Hier wird an der Herabwürdigung der Menschen zu Opfer-Affen zum eigenen Machtausbau im Interessen- und Parteienschacher gearbeitet. Soviel zum Thema Würde.

Aber schlimmer, als es jede Verlautbarung ministerial zur Führung in das kollektive Glück totaler Gleichheit Berufener je sein könnte, ist dies: Millionen von Menschen, die sich als Opfer erkannt und anerkannt fühlen und bereit sind, sich um kurzfristigen Komforts Willen der sozialistischen Wahnidee, die über Tugendterror in echte Armut, in  Elend und Gewalt führt, in die offenen Arme zu stürzen.

Gastbeitrag UN – Der Migrationsplan

Als ich im Februar 2015 in die AfD eintrat, verlor ich einen guten alten Freund. Dann wurden es immer mehr; am Ende waren es 20. Dabei war noch nichts Welt-Bewegendes geschehen. 2015 lebten wir noch im deutschen Biedermeier: Wir sahen am Horizont Windräder in den Himmel wachsen, dafür waren die Atomreaktoren weg; der Strompreis hatte sich verdoppelt, der Wert unserer Währung halbiert; die Zinsen sanken, wir verloren täglich Geld auf den Sparguthaben, und wir wurden mit immer mehr Haftungen für Griechenland und Pleite-Banken und was weiß ich beleg. Aber Welt-Bewegendes? Fehlanzeige. Soweit waren wir noch nicht. Der Umbau einer am Leben der Bürger vorbei-konstruierten, artifiziellen Gesellschaft lief zwar schon damals stetig, aber zu gemächlich ab, um ihn wahrzunehmen.  Mittlerweise ist die Sache, ist unser Land ins Rutschen geraten und  die Gestalter und Entmündiger der Bürger haben verbal, juristisch und strukturell alle Hemmungen verloren.

Warum erleben wir eine Invasion aus Nahost und Afrika? Ich habe es herausgefunden. Nein, es handelt sich um keinen Notfall oder dummen Zufall, Dummheit oder gar Versagen. Es ist eine von langer Hand geplante Agenda der UN und EU. – Erinnert ihr euch an Steinhöfel’s Artikel, nachdem laut EU erst mal jeder Fremde ein Visum bekommen sollte und man danach weiter sähe? Nun, das war ernst gemeint. Gewisse Kräfte lassen tatsächlich nicht von der Idee ab, diese Replacement Agenda durchzuziehen. Das deutsche Volk, ja das ganze geburtenschwache Europa, soll durch andere Bevölkerungen ergänzt – sprich: ersetzt werden. Klingt abenteuerlich, ist aber so.

Ich fand die Replacement Agenda auf den EU-Seiten (selbigen Orts war das Dokument später nur noch in englischer Sprache verfügbar, heute nur noch auf der Webseite der UN) und verstand auf einmal, wieso Migranten in Passau von der Polizei ungehindert über die Inn-Brücke nach Deutschland laufen. Ströme von Fremden durchqueren seitdem ganz Europa unbelästigt von Polizei und Grenzschützern. Jede Stunde habe ich seither gewartet, dass irgendwer dem Treiben Einhalt gebietet. Das geschah nicht. Ich hegte noch nie große Wertschätzung für unsere Politiker, aber ich habe mich an den Vertrag zwischen dem Bürger und seiner Regierung gehalten, in dem naiven Glauben, wir könnten einander grundsätzlich über den Weg trauen. Win-Win und so. Das ist vorbei. Merkel – und wohl nicht erst sie – hat sich gegen das eigene Volk entschieden. Sie hat sich selbst ermächtigt, und das nicht mal wie Hitler 1933 durch ein neues Gesetzt, sondern formlos, diktatorisch, ohne Debatte, im Merkel-Stil.

Mit Unglauben verfolgte ich die weitere Entwicklung. Ich versuchte darüber zu sprechen, aber die Leute fühlten sich von meinen Fragen mehr angegriffen als von der unglaublichen politischen Entwicklung, die vor aller Augen ablief. Unter meinen Bekannten waren viele, die das, was mir größte Sorgen bereitete, gut hießen. Eine Diskussion war unmöglich, nur Hurra-Rufe.

‚Replacement Migration‘ heißt Bevölkerungs-Austausch.  Die Vereinten Nationen fordern für Deutschland, Frankreich und Italien einen Bevölkerungs-Austausch mit Migranten aus Nahost und Afrika. In dem UN-Bericht  „Replacment Migration“ der Bevölkerungs-abteilung der UN aus dem Jahr 2001 wird die Öffnung Deutschlands für mindestens  11,4 Millionen Migranten gefordert, auch wenn das zu sozialen Spannungen und Aufständen führen sollte. Presseschulungen sind vorgesehen, sowie TV-Beiträge zum Einhämmern der Welcome-Ideologie. Hier der Absatz über Rehabitlitations-Programme, S.9: “ Juveniles convicted of committing crimes… will be required to undergo a rehabilitation programme designed to instill in them a culture of  tolerance.“  Ist das was anderes als Umerziehungslager? (Link Replacement Agenda: United Nations Replacement Migration)

In der ‚ Replacement Agenda‘ der UN und der EU  kann jeder nachlesen, dass beide Organisationen damit rechnen, dass die Bürger sich gegen die Zuwanderung wehren werden. Der Lissabon Vertrag hat das Problem des Widerstandes jedoch schon vorsorglich und legal gelöst, indem er erlaubt, Aufständische zu töten und die Armeen im Landesinneren einzusetzen. Es wurde mir sofort klar, dass auch das ‚European Framework for Promoting Tolerance‘ nur dazu bestimmt ist, den zu erwartenden Widerstand zu ersticken und Kritik nicht nur zu unterbinden, sondern unter Strafe zu stellen. Dazu passt der jetzt von den Parteien beschlossene Sanktions-Maßnahmen-Katalog gegen sogenannte Falsch-Meldungen.

Wovon ich mittlerweile überzeugt bin: Die sogenannten Eliten des Westens wollen den  Nationalstaat abschaffen. Mit aller Macht. Die Bürger wollen das nicht. Im Gegenteil, es bilden sich Parteien (AfD, FN, PVV, SD) die genau dem widersprechen. Sie werden als Nazis, Ewiggestrige, Faschisten, Rechte beschimpft. Das ist  des Pudels Kern. Das und die Unwahrheit, die über jene verbreitet wird, die ihren eigenen Staat behalten wollen – wenn sie es denn wollen und dürfen: Le Pen, Wilders, Farage, Putin, Petry, Trump. Es geht  nicht um rechts gegen links, sondern um unten gegen oben. Um National-Staaten versus Weltstaat. Es geht um Globalisierung und gegen Individualität und Identität. Es geht um Freiheit. Unsere Noch-Freiheit gegenüber den Zwängen der EU, der UN und deren Gestaltungs-Wahn. Es geht um das Überleben als kleine Einheit, als Familie, als Volk. Die Wirklichkeit in Deutschland stellt die fiktiven Vorgänge in den Romanen ‚Unterwerfung‘ von Michel Houellebecq und ‚1984‘ von George Orwell bereits in den Schatten. Gab es je ein willfährigeres, dümmeres Volk als die Deutschen? Und alles nur, damit die Mächtigen ihre Macht ausbauen können.

„Bewegliche Ziele“

Dies ist keine Buch- oder Filmrezension. Auch wenn der Titel den einen oder die andere solches vermuten lassen könnte. Indes: Um einen Thriller geht es wohl – um einen der fesselndsten der letzten 15 Jahre. Es ist alles da: durchgehende Spannung, Momente blanken Entsetzens, schlotternde Erleichterung, Nebelkerzen, Helden, Gegenspieler und Schurken. Und alles läuft auf einen unbekannten Kulminationspunkt zu.

Es geht um den Euro. Oder besser: Um die Währungspolitik des Euro-Raums. Der im Titel verwendete Ausdruck wurde in diesem Zusammenhang von Manuel Gonzalez-Paramo, Ex-Direktoriumsmitglied der EZB und heute im Vorstand der Grossbank BBVA, die auf Platz 43 der Rangliste der weltweit grössten 100 Banken liegt, verwendet. Wo Mario Draghi während den vergangenen zwei Jahren das Inflatonsziel von zwei Prozent als alternativlos angepriesen hat, als ultimatives Goal zur und Beweis der Stärkung und Stabilisierung von was auch immer, ist dieses Ziel jetzt, wo man sich dessen Erreichung nähert „beweglich“ geworden. Grund: Die Inflation sei noch nicht „nachhaltig genug“, liess der EZB-Chef verlauten. Ihr Anziehen auf 1,8 Prozent im Januar sei auf erhöhte Energiepreise und statistische Basiseffekte zurückzuführen. Wer ums Verrecken Spielverderber sein will, darf sich die Frage stellen, warum genaus diese Argumente nicht zum Zug kamen, als der Ölpreis sich drittelte. Stattdessen wurde Deflationspanik geschürt, eine Geldmengenausweitung noch nie dagewesenen Ausmasses durch Ankauf von Anleihen angeleiert und die Zinsen auf null gedrückt. Und man behält sich vor, in punkto Laufzeit und Volumen des Stabilisierungs- und Stärkungsprogramms bei Bedarf nachzulegen.

So weit so schlecht. Indes: Das Interesse an diesem Thriller bleibt bei einem Grossteil der Menschen bestenfalls marginal. Ein Bestseller sieht anders aus. Nicht mehr vorhandene Kapitalerträge zur Überbrückung von Auftrags-Engpässen gerade kleinerer und mittlerer Firmen, Enteignung der Vermögensbesitzer und Sparer, Abwanderung von Kapital, Ausbleiben von Investitionen, Kürzung der F+E-Etats – das betrifft ja nur die „Reichen“. Wahlweise die Unternehmer, diese Ausbeuter. Sollen die zusehen, dass sie damit klarkommen, solange sich auf dem eigenen Lohnzettel die Zahl ganz unten nicht verändert. Und über einen Zeitraum von 15 Jahren fällt es nicht so auf, wenn dieser Lohn sich dahingehend entwickelt, dass man sich davon rund einen Fünftel weniger kaufen kann.

Das Problem an der Sache lässt sich in einem Wort zusammenfassen: NOCH. Noch fällt der Kaufkraftverlust nicht auf. Noch entfalten die oben erwähnten Verschiebungen ihre Wirkung nicht. Ob sie es tun werden und ob der Euro durch Zins- und QE-Politik weiter ausgehöhlt werden soll  – wir wissen es nicht. Es spricht indes einiges dafür.

Das ganze Wirtschaftssystem, allen voran die Staaten, sind in den letzten Jahren an ein Niedrig- bis Nullzins-Klima gewöhnt worden. Legt man ein „normales“ Zinsniveau von 4% zugrunde, sparte beispielsweise Deutschland auf diese Weise allein 2016 47 Milliarden Euro (Quelle: Bundesbank), die bei ansteigenden Zinsen nicht länger zur Verfügung stünden. Für den Zeitraum von 2009 bis 2016 kommt die Bundesbank auf die Summe von 240 Milliarden . Auch wenn die Zinsen nicht enorm stiegen, wäre ein fettes Minus in sämtlichen europäischen Staatshaushalten sicher. Von Amerika ganz zu schweigen. Ebenso sicher wäre, dass alle den Gürtel enger zu schnallen hätten. Mit anderen Worten: Es würde möglicherweise zu Rentenkürzungen, Entlassungen, Verschiebung von Investitionen, Pleiten und einen Einbruch an den Aktienmärkten führen. Von der notwendigen Neuverschuldung der Staatem zum Kauf immer breiterer Schichten staatsabhängiger Wähler via Wohlfahrt, wollen wir gar nicht erst beginnen. Die Frage bleibt dieselbe: Glaubt irgendjemand, man sei bereit, dies zuzulassen und damit den Befreihungs-Gelüsten aus der Polit-Korsage Euro einiger Länder damit noch Rückenwind zu geben?

Es ist kaum vorstellbar. Die durch und durch ideologische Konstruktion Euro darf nach real 15, gefühlte 50 Jahren Durchhalteparolen nicht scheitern. Dass die herbeigebetete Homogenität der europäischen Volkswirtschaften geringer ist, als sie es in der Zeit nationaler Währungsregimes je war, darf nicht zur Debatte stehen. Dass das Eurosystem eine reine Umverteilungs- und Entwertungsmaschine zugunsten der Banken und Staaten geworden ist, ebensowenig. Oder anders gesagt: Ohne die QE- und Niedrigzins-Politk der EZB wäre das Euro-Schuldgeldsystem längst gegen die Wand gefahren. Jetzt aufhören, wenn man Zeit gewinnen und sich nebenbei und via Anleihekkäufe immer mehr Privateigentum unter den Nagel reissen kann? Aber lassen wir das – das ist Verschwörungstheorie.

Was bleibt ist die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es so weitergehen wird. Und dass es sich, sollten die Inflationserwartungen steigen, noch beschleunigen wird. Die EZB könnte gar nicht anders, wollte sie verhindern, dass die Anleihepreise einbrechen und die Zinsen in die Höhe schnellen. Die Geldmenge müsste zwingend weiter erhöht werden, was wiederum Verkaufsdruck auslöste, was eine weiter Ausweigung der Geldmenge erforderlich machte, usw. usf. Ausserdem: Die Zinsdifferenz zwischen 2jährigen deutschen und US-Anleihen beläuft sich mittlerweile auf 2%. Glaubt irgendjemand, die Fed oder The Donald schaue längerfristig dabei zu, wie Kapital aus dem Euro in den Dollar fliesst und diesen auswertet? Die Fed mag von Zinserhöhungen reden, vielleicht sogar einen oder oder zwei Alibi-Rate-Hikes umsetzen. Aber längerfristig den Dollar steigen lassen in Zeiten höchster Staatsverschuldung und Währungskrieg? Die Chancen sind auch hier gering.

Für uns heisst das: Die Geldverschlechterung geht weiter. Es ist die neue „Stabilität“ –  schliesslich liessen uns SNB-Jordan und EZB-Drahgi fast  zeitgleich wissen, an der Sache mit der Währungsmanipulation sei nichts, aber auch gar nichts dran – das „wirke nur so“. Wir Normalsterblichen sind allerdings besser beraten, uns darauf gefasst zu machen, dass jedwedes „bewegliche Ziel“ allzubeweglich und die Inflation ausser Kontrolle geraten könnte. Dann nämlich, wenn sie aus den Vermögenswerten, die sich ein grosser Teil der Mittelschicht als Absicherung längst nicht mehr leisten kann und wo sie schon heute rumtrabt auf die Konsumentenpreise überspringt und partout nicht auf das Zentralbanker-Stopp-Signal achten will. Aber darum geht’s ja längst nicht mehr – weder um Inflationsziele, Obergrenzen oder irgenwelche Korridore. Es geht um die Rettung des zur Ideologie verkommenen Polit-Monsters EU. Nicht mehr und nicht weniger.

Ein paar Gramm Gold zum Schutz, zur Stützung und zur Stärkung der eigenen kleinen Existenz können in dieser schönen neuen Welt sicher nicht schaden.