Die Mutter aller Probleme

Weil Leser *** darauf hinweist, dass es Wichtigeres zu behandeln gäbe, als die unter Beamten, Bänkern und Bezügern von „Sozial“leistungen grassierende Gewinne-privatisieren-Verluste-sozialiseren-Mentalität, will ich heute – obschon weit davon entfernt, diese Meinung zu teilen – mit der grossen Kelle anrichten, wie man in der Schweiz sagt. Nicht weniger, als die MOAB – die Mother of all Bombs – unserer Probleme soll es sein. Quasi die  GBU-43/B der zivilisatorischen Schwierigkeiten, ohne die weder Masseneinwanderung, noch Subprime-Schlamassel, Schuldenkrise, Spaltung, Meinungsdiktatur, bankrotte Sozialsysteme, oder Werte- und Traditions-Zerfall auf der Tagesordnung stünden. Kurz: Die Ursache allen Übels.

Es ist der Glaube. Dass es sich dabei nicht um den christlichen Glauben handelt, ist unschwer zu erraten. Christen dienen dieser Tage lediglich als medialer Aufmacher und Schaum auf dem täglichen Fernempörungsbad, wenn sich ein paar Dutzend von ihnen irgendwo von Anhängern der Religion des Friedens abgeschlachten lassen. Ansonsten weiss jeder, der das Wort Aufklärung zu buchstabieren in der Lage ist, dass es sich bei hier schon länger lebenden Christen um eine rückwärtsgewandte Spezies handelt, deren Hauptanliegen sich in der Entrechtung der Frau erschöpft und die die jämmerlichen Fetzen ihres Versagens, das sie Leben nennen, an ein Kreuz nageln um eines Fake-Friedens und einer Fake-Freiheit willen, für die sie in der Wirklichkeit zu feige und zu schwach sind. Ist so. Steht im staatlichen Bildungsplan.

Der Glaube, von dem hier die Rede ist, ist ein anderer. Die Irrlehre, die ihm zugrunde liegt, vielleicht die grösste der vergangenen hundert Jahre. Wer für sich Verstand und Vernunft in Anspruch nimmt, ist verpflichtet, diesen Text zu lesen. Auch und gerade wenn er im übernächsten Satz feststellt, dass ihn die Thematik nicht interessiert. Früher oder später wird sie jeden interessieren – denn sie und nichts anderes, wird uns das Genick brechen.

Es ist die Irrlehre vom monopolisierten Fake-Geld-System. Der Leser eines Finanz-Newsletters brachte es herrlich auf den Punkt, als er sinngemäss schrieb: Wenn das Medium des Austausches, also das Geld, frei nach dem Willen eines anderen kreiert werden und auch nach dessen freiem Willen ausgegeben werden kann, dann ist dieser Jemand buchstäblich und im wahrsten Sinne unser aller Gott. Zumindest der Gott all jener, die dieses Zahlungsmittel verwenden. Und: Wer nicht aussteigt, kann bloss zuschauen, wie er Opfer wird.

Der Jemand, von dem die Rede ist, sind die Zentralbanken, denen von den Staaten das Recht zur Geldschöpfung übertragen worden ist. Der schichtübergreifend gepflegte Irrtum, dass es sich bei diesen Instituten mit öffentlich-rechtlichen Namen um Regierungsorgane handelt, ist ein gelungener PR-Coup. Sowohl die Banken des Federal Reserve Systems, als auch die Bank of England sind im Besitz privater Eigner, wobei es sich teilweise um dieselben handelt. Die EZB, als Buchführer der nationalen Zentralbanken des EU-Raums ist ein Misch-Ding: Während beispielsweise die Nationalbanken Deutschlands und Österreichs zu 100 Prozent staatlich sind, sind jene Italiens und Griechenlands grösstenteils privat. Die grosse Mehrheit des EZB-Direktoriums war ausserdem vor und/oder nach ihrem EZB-Mandat für Grossbanken oder in privaten Lobbyorganisation der Finanzindustrie tätig.

Fakt ist: Es ist ein Bankenkonsortium, das alle Macht über unser Geld in Händen hält. Das, woran wir also in klindlichster Naivität als Gesellschaft glauben, ist nichts anderes, als das Versprechen, dass diese Banker und die Politiker sich an die gesetzlichen Verpflichtungen halten werden und dass sie unter keinen Umständen im eigenen, sondern stets im Interesse der Bürger handeln.  Ja – Sie dürfen kurz lachen.

Was gerne ausgeblendet wird: unsere Noch- oder Scheindemokratien sind Herrschaftssysteme in denen Menschen über Menschen herrschen. Nicht mehr und nicht weniger. Und es gibt genau zwei Arten, in diesem System Macht zu erringen oder zu erhalten: Gewalt oder Geschenke. Wo das Geld an einen anderen begrenzten Wert gebunden ist und es eine Einlöseverpflichtung gegenüber diesem anderen Wert gibt, erreicht die Geschenke-Orgie und damit die Herrschafts-Ausdehnung rasch ihre Grenzen. Es hiesse dann nämlich reglemässig: Ihr wollte mehr Sozialleistungen, höhere Renten, Unterhaltsvorschüsse, Minderheitenförderung? Okay – geht in Ordnung; dann erhöhen wir die Steuern massiv! Eine andere Möglichkeit, an Geld zu kommen, gäbe es nicht, weil der reale Wert, an den es gebunden wäre (biespielsweise Gold) nicht beliebig zu vermehren ist. Geld könnte nicht aus dem Nichts und per Knopfdruck erschaffen werden, sondern nur durch produktive Arbeit. Dass die Bürger unter diesen Bedingungen weder Masseneinwanderung noch Staatsfinanzierung anderer Länder akzeptieren würden, liegt auf der Hand. Die Gattung der Welcome-Klatscher und Gutmenschen hätte sich nie aus den Sümpfen des sozialistischen Wahns hinaus- und auf das Festland der Wirklichkeit hinaufentwickelt.

Wo nun aber die Politik via Zentralbanken über grenzenlose Mittel verfügt, um Geschenke zu machen und die eigene Macht zu sichern, tut sie dies auch und liefert sich selbst und die Bürger damit den Banken aus.  Und spätestens an diesem Punkt wird jede System-Reform-Rhethorik – sei es von Seiten der EZB, der FED, der BIZ, von Merkel, le Pen oder Trump – als Lüge entlarvt. Denn: Eine Änderung des Systems hiesse nichts anderes, als die Selbstentmachtung der Bank- und Politkasten und ihrer parasitären Nutzniesser.

Nun könnte man sagen, das sei zwar not amusing at all, laufe aber ja schon ziemlich lange so und bis auf ein paar Dellen auch ziemlich gut. Die Zentralbanken hätten ausserdem die schlimmsten Crashes verhindert,  kurbelten zurzeit massiv die Wirtschaft an und stützten den Arbeitsmarkt. Zudem sei man es schliesslich seit Jahrzehnten gewohnt dass die Dinge jährlich ein wenig teurer würden. Wer so denkt – und es sind die meisten, denn rätselhafterweise ist Geld für die Menschen nur insofern von Belang, als dass sie in der Regel mehr davon wollen – dem sei gesagt: Das System ist gerade dabei, massiv an seine Grenzen zu stossen. Jede Sehne ist aufs äusserste gespannt.

Da der Staat das Recht, Geld zu erschaffen, ausgelagert hat an die Banken, muss er, um an neues Geld zu kommen, bei diesen Banken Schulden aufnehmen. Das Geld entsteht so zwar auf Knopfdruck, der Preis für dieses Geld, der Zins, ist jedoch in echtem durch produktive Arbeit gewonnenem Geld zu erstatten. Dies beschafft sich der Staat über Steuern. Und man braucht kein Hirnchirurg oder Atomphysiker zu sein, um zu verstehen, dass, je grösser die Schuldenberge der Staaten werden, umso teurer der Zinsdienst und umso höher die Steuern auszufallen haben. Und weil immer mehr Menschen Geschenke vom Staat empfangen und immer weniger produktiv tätig sind und echtes Geld verdienen, müssen die letzteren über neue und höhere Steuern immer mehr ausgepresst werden, bis sie eines Tages nicht mehr können.

Ist das heute noch so? Schliesslich ist der Preis für Geld, der Zins, quasi abgeschafft worden. Staaten, Unternehmen und Private können fast kostenlos Schulden machen. Nun – es ist eine Binsenweisheit, dass, was nichts kostet, nichts wert ist. Das gilt auch und gerade für Geld. Warum also hat der Euro noch einen Wert, wenn er fast nichts mehr kostet und wenn es viel zu viel davon gibt? Grund eins: Was als Wert wahrgenommen wird, ist ein Restwert. Wo eine Währung in gut hundert Jahren weit über 95 Prozent ihres Werts (Dollar) eingebüsst hat, sind auch die letzten fünf Prozent noch zu schaffen. Oder in Euro-Gold ausgedrückt: Wer 1950 72 Euro (140 DM) zu optimistischen 3% angelegt hätte, erhielte heute rund 520 Euro ausbezahlt, von denen noch die Gebühren abzuziehen wären. Also sehrwahrscheinlich nichts. Wer indes 1950 zum selben Preis eine Unze Gold (31.1g) gekauft hätte, erzielte heute bei deren Verkauf rund 1200 Euro.

Grund zwei: Die Zentralbanken und ihre Regierungen und Nutzniesser (das Possesivpronomen ist hier wörtlich gemeint) balancieren seit Jahren zwischen den inflationären Interessen ihrer Eigner und der Täuschung der Märkte und Bürger. Pro 18 Euro neugeschöpften Geldes wächst die Wirtschaft gerade mal um 1 Euro, die Arbeitsmarktstatistiken sind geschönt und der „repräsentative“ Warenkorb zur Messung der Teuerung des täglichen Lebens enthält Dinge wie Wellensittiche, Wetterstationen und Melissengeist. Ausserdem wird mit sogenannten Gerechtigkeits-Debatten nonstop davon abgelenkt, dass die vielbeklagte Ungleichheit nicht wie gerne suggeriert eine zwischen Ihnen und mir, also zwischen normalen Bürgern, sondern jene zwischen Herrschern und Beherrschten ist. Alles was hilft, um abzulenken, dient der Sache. Wenn dazu soziale Unruhen, Verblödung, ein ein bisschen Meinungsdiktatur und Repression notwendig sind – bitte sehr. Denn wenn die Marktteilnehmer zu früh zu ahnen begännen, dass die Inflation im Sinn zuvielen Geldes möglicherweise nicht ein Nebeneffekt oder gar unerwünschte Auswirkung der Rettungs-, Steuerungs- und Stimulierungspolitik ist, sonder vielmehr Ziel im Sinn eines gigangischen Vermögenstransfers, würden sie aus dem System und dem Bankenkartell ausbrechen und es kollabieren lassen. Das darf noch nicht sein. Fakt ist: Inflation und die dadurch provozierte Entwertung des Geldes, wie sie seit Jahrzehnten praktiziert wird, liegen im ureigensten Interessen der Regierungen und Banken. Die einen können sich damit entschulden, die anderen, die an der Quelle des Geldes sitzen, da also, wo das es noch einen Wert hat, können davon Sachwerte in gigantischem Ausmass akkumulieren.

Die Sache wird uns so oder so um die Ohren fliegen: Entweder, weil die verbleibenden Marktkräfte sich nicht unten halten lassen und der Staat die steigenden Zinsen für seine Schulden via Steuern im Zuge des privaten Bankrotts seines einst zahlungsfähigken Mittelstands nicht mehr zahlen kann, sei es, weil über eine Hyperinflation alles Vermögen, jede Renten- und Pensionsanwartschaft, aber auch die Staatsschulden und die Zukunft unserer Kinder vernichtet werden. Wie Roland Baader einst schrieb: „Alle reinen Papierwährungen enden im vollständigen Verlust ihrer Kaufkraft. Es gibt kein geschichtliches Gegenbeispiel. (…) Alle Staaten mit reiner Papierwährung landen im (offenen durch Krieg, verschleierten durch Konkursverschleppung) Staatsbankrott.“

Sollte dann der Ruf nach einer goldunterlegten oder teilunterlegten Währung laut werden, einem Neuanfang mit echtem Geld, dann darf geraten werden, in wessen Händen sich der Grossteil des verfügbaren Edelmetalls zu diesem Zeitpunkt befinden wird.

Es bleibt wie immer die Frage: Was tun? Es ist ein Zwangssystem mit allen Merkmalen einer Sekte. Wie sich daraus befreien? Nun – Wissen schützt nicht, aber es verhindert Überraschung. Und wer kann, der bereitet sich vor. In einer Gesellschaft wo Parasiten und Schmarotzer die Normalbürger darstellen, muss der Freie Illegaler werden.

Gold und Silber kaufen – legal. Den Kauf nicht melden und es undeklariert verstecken – illegal. Sich als Selbständiger in Naturalien zahlen lassen – noch legal. Eine Gemüsegarten anlegen – legal. In Frankreich nicht-hybrides Saatgut von Privaten kaufen – illegal. Sich beschränken lernen und Verzicht üben – legal. Unverderbliche Ware bunkern – legal.  Einkommen runterschrauben und keine Steuern zahlen – legal. Schwarzarbeit – illegal. Vermögenstrasfer ist Ausland – legal. Es nirgends zu melden – vielerorts illegal. Der Möglichkeiten sind ungezählt. Entscheiden und handeln kann zum Glück jeder noch nach eigener Kraft und Situation. Alles muss denkbar sein. Dankbarkeit über das nackte Leben eine empfehlenswerte Übung. Nur weiterglauben ist keine Option.

Amat Victoria Curam.

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Unterhaltsvorschüsse – Betrogene Kinder

Es gibt sie in ungezählten Variationen: Die Filmszene, in der der Verurteilte versichert, er sei unschuldig und wo irgendeiner antwortet: „Jaja – das sagen sie alle.“ Ähnlich vorhersehbar gestalten sich Diskussionen rund um das Thema „Alleinerziehende und staatliche Unterstützung“: Die in Frage kommenden Personen sind – glaubt man dem Chor der Eingeweihten – durchs Band Ausnahmen, wenn es um die selten sachliche Begründung dafür geht, warum gerade sie ein Anrecht darauf haben, finanziell von der Allgemeinheit mitgetragen zu werden. Auf die Frage, ob es sich denn bei diesen Menschen allesamt um Verwittwete, Misshandelte, Vergewaltigte oder Kranke handelt, wird anstelle einer Antwort gern und unbelastet von Logik die Hungerne-Kinder-Keule hervorgeholt: „Sollen die Kinder dafür büssen, dass ihre Eltern die Sache mit der Kohle nicht auf die Reihe kriegen? Sollen sie etwa hungern?“ Eine andere ebenso beliebte argumentative Schlagwaffe ist die Haben-Sie-Kinder-Frage. Und wehe dem, der sie nicht positiv zu beantworten in der Lage ist. Er hat nicht nur keine Ahnung und auch kein Recht auf Meinung, sondern ist höchstselbst mitschuldig an der demographischen Zerbröselung des Abendlands. Zahlen, Schnauze halten, weitergehen.

So einmal mehr zu beobachten in den Kommentarspalten der FAZ unter einem Artikel, der jene rund 450’000 Alleinerziehenden zum Thema hatte, die auf „staatliche Unterstützung angewiesen“ seien. Für sie werden jährlich 850 Millionen Euro an sogenannten Unterhaltsvorschüssen ausgezahlt. Fast eine Milliarde. Sogenannt, weil das Wort Vorschuss im Sinn einer Vorauszahlung für nachträglich zu erbringende Leistungen nur in 23 Prozent der Fälle (2015) korrekt ist. 650 Millionen sind nicht Vorschusszahlungen, sondern schlicht Unterhaltszahlungen. Ihre Rückerstattung an die Allgemeinheit ein frommer Wunsch. Ausserdem räumt der Artikel auf mit einem gerne gefplegten Mythos: Der sture Zahlungsverweigerer, der der Mutter seiner Kinder trotz Einkommen das Geld verweigert, ist eine der echten Ausnahmen. Die Mehrzahl jener, die die Zahlungen zu leisten hätten, sind dazu nicht in der Lage oder schlicht unbekannt.

Aber wo liegt das Problem, könnte man fragen, wenn ein grosser Teil der Menschen – Einschliesslich Familien, Freunden und Partnern – der Meinung ist, diese Zahlungen seien berechtigt, mehr noch: notwendig, während nur eine Minderheit für die Kälte der Selbstverantwortung (die auch die eben erwähnten Nächsten miteinschliessen würde) plädiert? Das Problem ist, dass das Ganze auf einem grossen Irrtum basiert. Auf einem sorgfältig aufgebauten und sorglos adoptierten Missverständnis dessen, was Leben sein könnte und sollte.

Um das zu  verstehen, braucht man sich nur mit einem einzelnen Wort zu befassen – jenes des oder der Betroffenen. Mit erwähnten Ausnahmen käme es keinem in den Sinnn, sich selber im Zug der lustvollen körperlichen Vereinigung – sei es in der Vorstellung eines mehr oder minder vagen „Für-immers“, sei sei es mit dem Ziel des A-la-minute-Lustgewinns – als Betroffenen zu bezeichnen. Wovon auch betroffen? Ich-betroffen? Hormonbetroffen? Sex-, Illusions-, Romantik-, Alkohol- oder Hirnarretierungsbetroffen?

It’s consequences, stupid! Erst die Konsequenzen – natürlich nur die unerwünschten – werden mit dem Ehrenkreuz der Betroffenheit geadelt. Betroffenheit impliziert Schuldlosigkeit und Ausgeliefertsein. Betroffenheit bedeuetet Bedürftigkeit. Bedürftigkeit verlangt nach Hilfe. Hilfe von aussen, Hilfe, die die eigenen Nächsten offenbar nicht zu leisten gewillt sind, Hilfe der anonymen Allgemeinheit via Staat also. Es ist bezeichnend, dass der Begriff der Betroffenheit von Menschen wie Ihnen und mir gar nicht oder äusserst selten verwendet wird. Oder kennen Sie einen Alkoholiker, der sich selbst als Betroffenen bezeichnet? Einen Junky, einen Verschuldeten, Betrüger, Scharlatan oder Gewalttätigen? Ich nicht. Ich kenne nur Sozialarbeiter, NGO-Personal, Politiker und ein Heer von Funktionären, die den Begriff ins Spiel werfen, wenn jene, die ebenfalls am Tisch sitzen – freiwillig und weil sie sich Spass davon erhofften – pleite sind. Vater Staat als liebevoll fürsorglicher Croupier.

Indes: Die Bank gewinnt immer. Wenn das freiwillig eingegangene Risiko einer Schwangerschaft in ungewollte Schwangerschaft umgedeutet und wie eine ansteckende Krankheit behandelt wird, dann wird nicht den sogenannt Betroffenen oder gar der Gesellschaft geholfen. Casinos existieren einzig aus dem Grund, weil für den Betreiber etwas zu holen ist. Und theoretisch selbstverantwortliche Menschen werden von den Staatsbetreibern einzig aus dem Grund als Betroffene und Hilfebedürftige gehandelt, weil nur so Profit zu machen, die staatliche Organisation aufzublähen und Kontrolle ausbauen ist. Der Begriff ist gleichsam der Knopf, der die Fürsorge-, Betreuungs- und Präventions-Maschinerie in Bewegung setzt, mit dem ein weiteres Leben in Obhut – auch bekannt als Gewahrsam – genommen wird. So sieht’s aus.

Den Boden raus haut dem Ganzen dann dies, dass solche Unterwerfung mit Würde gleichgesetzt wird. In Würde Betroffener sein. In Würde die Hose auf Knöchelhöhe und kniend darum flehen, die Kontrolle über das eigene Leben abgeben zu dürfen und ein paaar Brosamen dessen zu erhalten, was beim grossen Fressen des Staatspielhöllenpersonals von jenem Tisch fällt, den die Mitmenschen auf den Schultern tragen. Die Würde des Kindes, sagen Sie? – Meinen Sie jene Würde Ihres Kindes, für die sich faktisch weder Mutter, Vater, Grosseltern, Tanten, Onkel, Freunde oder neue Partner verantwortlich fühlen? Meinen Sie jene Würde Ihres Kindes, für die der arbeitende Nachbar zuständig ist? Mit Verlaub: würdeloser geht kaum!

Damit hier keine Missverständnisse entstehen: Keiner behauptet, es sei leicht, alleinerziehender Elternteil zu sein. Es ist schwer und kann hart sein – ebenso, wie der Gang in die Selbständigkeit, das Erlernen eines neuen Berufs in mittleren Jahren, das Wagnis, seine Existenz auf die Karte Kunst zu setzen oder um der Freiheit Willen eine Arbeit zu tun, die im Verhältnis mit dem eigenen Ausbildungs- und Fähigkeitsniveau auf Marianengraben-Level liegt. Aber genausowenig, wie die Menschen, die sich für einen dieser Wege entscheiden Betroffen, Bedürftig und Opfer sind, sind es Eltern. Und ob die Kinder zu Betroffenen und Bedürftigen werden, zu konsumzentrierten Konformisten, die alles im Leben von aussen erwarten, liegt einzig in ihrer Hand. Verantwortung, Überwindung, Durchbruch, Lebensglück, Freude, Erfüllung, Selbstbehauptung, Treue und Loyalität sind wohl harte Währung, fordern das Beste und alle Kraft, sind aber nicht auf Vorschuss zu haben.

Und da liegt das Problem: Irgenwo auf der Strecke zwischen dem Punkt, an dem unsere Vorfahren das Recht gefordert, errungen und in Anspruch genommen haben, in Freiheit und auf eigenes Risiko das eigene Glück zu suchen und zu machen und jenem Punkt, an dem Glück zum Menschenrecht umgedeutet worden ist, sind wir als Gesellschaft über die Klippe gegangen und planschen heute als Mehrheit – aka Mitte – im Seichtwasser eigener aber von anderen zu finanzierenden Befindlichkeiten. Dass das Wasser lauwarm ist und gerade tief genug, um darin bequem sitzen zu können, verdanken wir längst nur noch der Tatsache, dass per Schlauch nachgefüllt wird (Staatsverschuldung inklusive Enteignung der beklagten Kindergeneration) und dass sich draussen im Blau dank den Schlauchbetreibern in finanz-, sozial- und geopolitischer Sicht ein Tsunami zusammenbraut, der sich um missbrauchte Würdebgrifflichkeiten und imaginiertes Opfertum nicht scheren wird. Wenn’s losgeht, ist stranden keine Option mehr. Und jene, für die’s richtig hart wird, die einzig wahren Betroffenen, werden jene sein, in deren Name heute Strandlatschen und Spielzeug gefordert werden: die Kinder. Sie werden die Opfer sein – Opfer des Betrugs, den ihre Eltern an ihnen begangen haben indem sie ihnen weismachten, Leben sei etwas, auf dem man sitze und nicht etwas, nachdem man sich mit aller Kraft und täglich zu strecken habe.

Die Frage ist längst nicht mehr, ob die Riesenwelle kommt, sondern einzig, wann. Eine Gesellschaft als ganzes geradebiegen zu wollen, als wär’s ein Stück Draht, ist illusionär. Aber jeder und jede ist dazu in der Lage, schwimmen zu lernen und die Fähigkeit an seine Kinder weiterzugeben. Können Sie sich an das Gefühl erinnern, wenn man als Kind die Schwimmhilfen von den Armen genommen hat? Wie dünn sich die Arme angefühlt haben und wie kalt das Wasser auf der Haut, wo vorher der Luftgefüllte Gummi sass? Die Angst, die Aufregung, die Freude? Wer sich entscheidet, auf eigene Kosten, in Würde und in Freiheit das anzugehen, was Leben sein kann, wird Ähnliches in verschärfter Form erleben. Wer dies jenen, die nach uns kommen vorlebt, wird am Ende vor erwachsenen Menschen stehen, die in der Lage sind zu sagen: Es interessiert mich nicht, was andere haben, dürfen, können. Was mich interessiert ist, was ich erringen kann, was ich mir auf meine Kosten erlaube und zu was ich, wenn ich will, zu geben in der Lage bin. Heute schwimmen zu können bedeutet morgen Grund zu finden. Halt, der weit über die den Hurenlohn der „richtigen Haltung“ hinausreicht.

Es sind solche Menschen, die nach dem Tsunami tausend Chancen sehen werden, anfangen, zupacken, zurückholen, aufbauen. Sie und nicht jene, die heute von Teilhabe schwafeln und Schmarotzertum meinen, Würde ins Spiel werfen als wär’s eine Kompetenz und aus den Neidkloaken heraus nach Gerechtigkeit brüllen. Sie werden dann keine Stimme mehr haben. Und keinen mehr, der sie beweint.

Im Schatten von Terror, „Tatort“ und Trump

Sagt Ihnen der Name Alexei Kireyev etwas? Nein? Mir bis vor ein paar Stunden auch nicht. Jetzt schon. Alexei Kireyev ist Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds (IMF) und  Verfasser des Arbeitspapiers „WP 17/71“. Obwohl das 26seitige Dokument klar als IMF-Working Paper deklariert wird, findet sich als erstes der Hinweis darauf, dass es ausschliesslich die Meinung des Autors und nicht die des IMF oder seines Kaders wiedergebe. Des weiteren handle es sich dabei um keine Empfehlung vonseiten des IMF, sondern diene ausschliesslich dem Zweck, die Debatte zur behandelten Thematik anzuregen. Oder anders gesagt: Der Mitarbeiter einer internationalen unnützen überteuerten und US-dominierten Korpokratiemonsters verfasst ein Arbeitspapier für ebendiesen Arbeitgeber, der sich als erstes von dem Papier und seinem Inhalt distanziert. Aber das sind Petitessen – weiter im Text. Der Titel: Die Makroökonomie des De-Cashing. Zu deutsch: Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Bargeldabschaffung.

Nun könnte man sagen, solange „die da oben“ sich in den Sphären gesamtwirtschaftlicher Auswirkungen bewegen, ist jede Art von Alarmismus verfrüht, die Bedrohung ein rein theoretische, da Lichtjahre von meiner Brieftasche und meinem täglichen Einkauf entfernt. Die Sache ist allerdings die: Der Titel täuscht. Was daherkommt wie trockenste zahlenlastige Sektorenanalyse für Finanzwissenschaftler, ist in Wahrheit ein handliches Argumentarium. Süffiges PR-Material für den Finanzlaien. Denn: Wo der angesprochenen Leserschaft erklärt werden muss, was Bargeld ist und was Buchgeld, wie der Gesamtgeldbestand einer Volkswirtschaft sich zusammensetzt, in welchem gesamtwirtschaftlichen Rahmen er zu betrachten ist und wie beispielsweise der Leistungsbilanzsaldo eines Landes zustandekommt, kann es sich bei dieser nicht um Experten handeln.

Aber auch die Vorgabe der Neutralität lässt sich nicht halten. Die Ansage von wegen man wolle Vor- und Nachteile der Bargeldabschaffung aufzeigen erledigt sich spätestens an jener Stelle,  an der die Verhinderung von Illegaler Migration und Klimaerwärmung ernsthaft als positive Auswirkung der Bargeldabschaffung dargestellt werden und wo erklärt wird, die Leserschaft werde der Einfachheit halber von Erkenntnissen neuester De-Cashing-Experimente wie jenem in Indien verschont.

Zuerst präsentiert das Papier die „jüngsten Trends des De-Cashing“ aufgrund von Studien, die in Österreich, Deutschland, Kanada, Frankreich, in den Niederlanden und den USA realisiert worden sind. Spätestens damit ist klar: Die Sache läuft längst im Schatten der Hyperaktualität von Terror, „Tatort“ und Trump. Solche Untersuchungen wären ohne klares Ziel weder notwendig noch sinnvoll. Von einem „Trend in Sachen Bargeldabschaffung“ könnte bei etwas, das noch nicht begonnen hat und noch nicht aufgegleist ist, nicht die Rede sein.

Es folgen ein paar Zahlen zur Bargeldnutzung der Bevölkerung von Deutschland und den USA, Hinweise auf bereits umgesetzte oder geplante Massnahmen verschiedener Reigerungen, sowie etwas VWL-Klimbim. Dann mit Volldampf auf die Zielgerade. Von da an ist „WP 17/71“ die reinste Werbe- und Motivationsbroschüre, deren Hauptbotschaft in einem Nebensatz liegt: „Die einzige nützliche Funktion des Bargelds, die mit seiner Abschaffung verlorengehen würde, wäre jene als Crash-Indikator.“

Damit ist eigentlich alles gesagt: Sowohl für die Verfasserschaft des Papiers, als auch für dessen Leserschaft ist Bargeld im besten Fall unnütz, eher hinderlich. Weder Grundrechte des Bürgers – Vertrags- und Eigentumsfreiheit – noch dessen Privatsphäre sind positive und schützenswerte Dinge. Im Gegenteil – es wird empfohlen, optimalerweise zusammen mit den grossen Wirtschaftsakteuren, eine breite öffentlichkeitswirksame Überzeugungs-Kampagne zu starten, um diese Dinge zu marginalisieren, vergessen zu machen und das bargeldlose Leben zu propagieren. Gleichzeitig wird zur Umsetzung flankierender Massnahmen in Form eines unverdächtigen und weitestgehend schon heute „unbestrittenen“ (da nur die „Reichen“ betreffend – soweit sind wir schon!) Anreiz- und Motivationssystems geraten: Beschränkungen für Bargeldzahlungen, Abschaffung grosser Banknoten, Kapitalverkehrskontrollen, hohe Besteuerung für Bargeldtransaktionen, Einführung von Melde- und Deklarationspflichten, und so weiter und so fort. Für Sie und mich, die cashmässigen Neandertaler der Strasse, die für mindestens 70% ihrer Transaktionen immer noch Bargeld verwenden, sind zwecks Vorurteilabbaus spielerische Umgewöhnungs-Aktionen wie jene, dass in einem ersten Schritt beispielsweise Kaffee nur noch mit dem Handy bezahlt werden kann, angedacht. Die lustige Verknappung von Bargeldautomaten und die Schliessung von Bankfilialen können ebenfalls positiv unterstützend wirken. Wir weden sowas von Spass haben!

Der Rest ist Preis- und Lobgesag: Die Enteignung der Bürger via Negativzinsen als „Mainstream-Politikoption“ wird zum hocheffizienten Kinderspiel, die Einsparungen von Transaktionskosten werden das BIP explodieren lassen (2 – 2,5%), die Zentralbanken werden dank Wegfalls von Waren-, Produktions- , Personal- und Trasportkosten zu Horten nationalen Reichtums, Schwarz- und Grauwirtschaft werden abgeschafft und die Steuererhebung massiv verbessert (allein die Abschaffung der 100-Euro- und Pfund-Noten würde das Steuervolumen um 100 Milliarden vergrössern). Sie und ich werden dann nicht länger von Kriminalität geknechtet und geprellt, das Klima wird sich dank massiver Papiereinsparungen sofort erholen und die illealen Migranten, die, wie jeder weiss, ausschliesslich zu uns kommen um sich den Allerwertesten bei härtester Schwarzarbeit aufzureissen, werden ausbleiben. Und das beste zum Schluss: Wer so Schritt für Schritt vorgehe, die Menschen sanft an das Neue gewöhne, riskiere keine Demonstrationen, Protest-Spaziergänge oder gar soziale Unruhen und findet sich am Ende optimalerweise in der komfotablen Situation, dass die notwendige Verfassungsänderung, die für die definitive Abschaffung des Bargelds notwendig ist, nur noch eine Formalität ist.

Bis dahin, so wird empfohlen, sollten Häuslebauer, Selbständigerwerbende, Freiberufler und sonstigen Tausch- und Alernativ-Handelsaffinen im Auge behalten und weiter „untersucht“ werden. Vor Ersatz- und Leihwährungen und vor Tauschhandel wird ausdrücklich gewarnt. Drigend wird ausserdem noch angeraten, die Sache im Fall von Währungsräumen nicht den Nationen zu überlassen, sondern sie supranational koordiniert durchzuziehen.

Eine der Zielsetzungen des Papiers ist in meinem Fall erreicht worden: Ich fühle mich nach der Lektüre von „WP 17/71“ ausgesprochen debatierfreudig. Ausserdem ein weiteres Mal motiviert, ungefragt den immerselben Rat zu geben: Ein paar Gramm Gold und Silber in kleinstmöglicher Stückelung können nicht schaden.

Gut hassen

Hass ist nach allgemeinem Verständnis eine der stärksten menschlichen Emotionen. Hass ist Abscheu. Hass will schaden. Vernichtung des Gehassten bedeutet Lustgewinn.

Die Kürzestbeschreibung macht klar: Hass ist abgründig, destruktiv, schädlich und potentiell tödlich. Für den Gehassten ebenso, wie für den Hassenden. Wer kann, hütet sich davor. Caroline Emcke, Gewinnerin des „Friedenspreises des Deutschen Buchhandels“ liegt richtig, wenn sie dem Hassenden eine Verengung der Sicht unterstellt. Aber sie liegt in sichtverengtester Weise falsch, wenn sie das Potential des Hasses unter dem Mikroskop des eigenen – so ist anzunehmen von jemandem, der sich „über den Hass gebeugt“ hat um ihn zu „analysieren“ – Nicht-Hassens, als Strömung definiert, die sich exklusiv vom „rechten“ in jeder Beziehung minderbemittelten Rand der Gesellschaft bis in deren verrohte und verblödete Mitte zieht. Eine der „wichtigsten Intellektuellen der Gegenwart“ legt damit Zeugnis jenes „verengten und geschlossenen“ Weltbildes und der „Kollektivierung von Individuen“ ab, das sie ausschliesslich anderen Kreisen als jenen, in denen sie selbst sich bewegt, zuschreibt.

Sie sagt damit: Würden meine Kinder via Schulpflicht aufs gröbste indoktriniert, via Sexualkunde in ihrer Intimsphäre verletzt und politisch auf Linie getrimmt, dann würde ich – Ohnmacht hin oder her – den Apparat und die Menschen, die solches notfalls mit Gewalt und Drohung und gegen meine innersten Überzeugungen erzwingen und durchdrücken, nicht hassen. Würden sich irgendelche „rechten“ Fanatiker mit ausgeprägt suizidaler Neigung ab und zu und unter dem duldenden Blick der „Regierung“ mitsamt ein paar Unbeteiligten ins Jenseits befördern, würde ich nicht hassen. Würde einer meiner Nächsten belästigt, vergewaltigt oder getötet – ich würde nicht hassen. Werden Kinder, Tiere oder andere Wehrlose misshandelt und gequält – ich hasse nicht.

Diese Selbstidentifikation, die mit Variationen auf das gesamte linke Justemilieu angewandt werden kann, lässt zweierlei Schlüsse zu. Entweder handelt es sich bei diesen Leuten um eine Art entmenschlichter Verstandesmaschinen bar jeden Mitgefühls, mitleid- und gnadenlos einzig der Vernunft verpflichtet. In diesem Fall sind die gern verwendeten Termini vom „Opfer“, vom „Verletztsein“, von der „Demütigung“ oder der „Verwundung“ reine Mache.  Oder aber es gibt zwei Sorten von Hass: Den richtigen auf das richtige und den falschen auf das falsche.

Im Interview mit dem Schweizer „Tages Anzeiger“ machte Daniel Cohn-Bendit kürzlich klar, dass von Letzterem auszugehen ist. Auf die Frage, wo denn der Unterschied liege zwischen der radikalen Opposition, dem Establishment-Hass und der sogenannten Hetze einer Marine Le Pen und dem nicht gewaltfreien Hass gegen alles Hergebrachte der 68er Bewegung, antwortet er, sie hätten wohl radikal opponiert, aber immer lachend.

Für die korrekt kultivierte Ohren der Cohn-Bendits und Emckes dieser Welt, die in vortrefflichster Weise das heutige Establishment – eine tiefreligiöse Kultur-, Medien- und Politoligarchie – repräsentieren, muss dieses Lachen auch dann zu hören sein, wenn der „Schwarze Block“ im Namen des Antirassismus privates Eigentum im Wert von Millionen von Euros vernichtet, wenn steuergeldfinanzierte Kulturetablissements zur Ermordung von Politikern aufrufen, wenn durchallimentiert Benachteiligte ganze Strassenzüge verwüsten und wenn der Tod politisch Andersdenkender öffentlich gefeiert wird. Auch Sätze wie: „Holt Hitler, um die Juden zu töten“, „Ich wünsche euch den Tod“ (in Richtung Charlie Hebdo) und „Ihr Weissen, ihr solltet so rasch wie möglich sterben“ sind Wohlklang in den Gehörgängen der Nicht-Hasser. Letzteres Brech- und Reizgezwitscher von Mehdi Meklat, bis vor kurzem französischer Messias des Buntheitskults, Schriftsteller, Reporter und Produzent.

Ein besseres Beispiel für die schwarz-weisse Weltsicht der Meinungsbildner von Buntwelt, als der zur Ikone der multikulturellen Utopie erhobene Meklat, ist kaum zu finden. Zusammen mit einem Freund fing der damals 15jährige an, über das Leben in den Pariser Banlieus zu bloggen. Als die Medien die beiden entdeckten, brach ein Riesenhype los. „Les Kids“ avancierten quasi über Nacht zu den gehätschelten Stars des Medien- und Literaturbetriebs. Eigene Radio- und Video-Formate in öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, Dokumentarfilme bei Arte, Buchverträge, Kolumnen und ungezählte Artikel und Interviews waren die Folge. Meklats Sicht darauf, seinen Dank an die Branche, die ihn gross gemacht hatte und seine Wertschätzung der Kultur, in die er sich so erfolreich integriert hatte, folgte via Roman, der im renommierten Verlag „Le Seuil“ erschien: „Das Geld hat mir meine Ehre genommen. Ich hätte meine Mutter auf dem Scheiterhaufen verbrennen können, und hätte noch mehr Bücher verkauft. Ich hätte auf dem Dach meines Verlags meinen Pressesprecher ficken können vor aller Augen und ohne Skrupel. Ich war der Herr des Literaturbetriebs. Die Jounalisten lutschten mir im Fernsehen life die Eier und die Franzsosen mit ihnen.“ „Reine Poesie“ jubelte der kultur- und gendersensible Teil der solcherart Beglückten Frankreichs. „Nichts, als Intelligenz und Menschlichkeit“.

Man könnte lachen darüber. Über den grossen Betrug und Selbstbetrug jener, die sich hoch, offen und sehend wähnen, während sie in Wahrheit nichts anderes tun, als einen Menschen ihrer Wahl aufgrund ihrer eigenen Kriterien um zum Beweis der Richtigkeit ihrer Weltsicht in diskriminierendster Weise zum Kuscheltier und Wanderpokal herabzuwürdigen, mit dem es sich in den geschützten Werkstätten abgehobenen Gutseins blendend amüsieren lässt. Das Problem dabei: Sie tun es mit unserem Geld. Und ein Gutteil der Bürger folgt ihnen, wenn von der Kanzel die Losung verlesen wird: „Lieber politisch korrekt, als moralisch infantil“.

Nicht nur die verbalen und persönlichen Entgleisungen Meklats gegen Schwule, Juden, Frauen und Weisse im Allgemeinen waren seit Jahren bekannt, sondern auch die Tatsache, dass er seit 2011 auf Twitter einen Account unter dem Pseudonym Marcelin Deschamps mit rund 11’000 Followern betrieb, und dass das, was dort an rassistischer, homphober und antisemitischer Hetze in 55’000 Tweets abgesondert, geteilt und gefeiert wurde, an Übelkeitauslösendem kaum zu toppen ist. Stimmen, die den Medien von der verbalen Gewaltorgie berichteten, darauf hinwiesen und sich zu recht über die Perversion und Vulgarität echauffierten, wurden konsequent überhört. Erst als sich Comicautor, Schriftsteller und Filmemacher Joann Sfar einschaltete, konnte die Wirklichkeit solcher „Vielfalt und Hybridität“, die es „auszuhalten“ gilt, nicht länger ganz ignoriert werden. Aber auch dann noch sah ein Teil der Medien, die Meklat weiterhin hofierten, darüber hinweg oder versuchte, ihn und seine Ergüsse zu erklären, zu ent-schuldigen und zu bagatellisieren. Antirassismus-Organisation blieben stumm. Die Justiz untätig.

Die sozialen Medien erzwängen geradezu Spaltungen in der Persönlichkeitsstruktur, wurde dem in Sippenhaft festgesetzten Frankreich der tumben Hasser erklärt. Meklats Ausschreitungen seien Ausdrucks eines experimentellen Spiels mit dieser Spaltung, dem sich sich seine Generation zu stellen hätten. Sie dienten ausschliesslich der Denunziation (!!), seien surreales Experiment, ein Kunstprojekt oder einfach „blöde Witze“. Wo Witz oder wahlweise künstlerischer und didaktischer Mehrwert solcher „Projekte“ liegen soll, blieb indes das Geheimnis einer Kulturelite, die sich ihr Spielzeug nicht wegnehmen lassen wollte. Meklat selber, von dem sich nach dem erzwungenen Eklat – sei es aus Überzeugung oder aus Selbsterhaltungstrieb – viele distanzierten, blieb in seinen Eklärungen und Entschuldigungs-Versuchen untypisch vage. Mitnichten vage waren er und seine Förderer indes wenn es darum ging, die Schuldigen der „inszenierten Demontage“ zu identifizieren. Von einer „digitalen Allianz der Faschosphäre“ war die Rede, die mit allen Mitteln zu zerstören versuche, „wofür Meklat stehe: die erfolgreiche Integration“. Tempo und Geschmeidigkeit, mit denen der menschgewordende Integrationserfolg im Anschluss zum Opfer verwertet und dann entsorgt wurde, sind beeindruckend. Inzwischen hört man nichts mehr von der Sache. Johnny Hallyday kämpft gegen den Krebs.

Die eklatant-arrogante Dürftigkeit der Argumente dieser selbsternannte Elite, Menschenreparierer und Gesellschafts-Verbesserer ist atemberaubend. Was sich auch heute noch als Befreier vom Bündlertum des nationalen Sozialismus gebärdet, ist in Wahrheit bloss anderes Personal vor den Kulissen derselben totalen und totalitären Herrschaftsansprüche. Schwarzweisser ist kaum möglich. Gut und geduldet mit Anspruch auf Allimentierung ist, wer europa- und immigrationseuphorisch, islamophil, nationalhassend und globalisierungsfreundlich ist. Verdächtig und potentiell hassend ist, wer solches in Zweifel zieht oder gar ablehnt.

Hass bekämpfen bedeutet also in Wahrheit nichts anderes, als Zweifler bekämpfen. Zweifler bekämpfen, heisst selbstverantwortlich Denkende bekämpfen. Diese bekämpfen, bedeutet, Meinungsfreiheit und Freiheit bekämpfen. Oder anders gesagt: Querdenken ist Hass. Auslöschungs- und Vernichtungs-Rhetorik und -Aktivitäten im richtigen Denkschema sind Provokation. Provokation ist gut.

Es ist, wie Stefan Zenklusen, Schweizer Philosoph und Essayist, treffend formuliert, an Ironie kaum zu überbieten, dass genau jene Leute, die zur Untermauerung jedweden wehleidigen Argumentchens „die dunkelsten Stunden Europas“ beschwören, dies mit den Mitteln tun, ohne die es solche Stunden in solcher Form nicht gegeben hätte: Denunziation, faschistoide Ausschlussmechanismen, Verdrehung, Fantasie, Lüge, Hexenjagden und Austreibungen. Bloss ein anderes Benthamsches Universum des permanenten Beobachtetwerdens in den Petrischalen inferiorer Kultur, über die sich im eisigen Wind der Kollaboration die Köpfe der grossen Denker und Lenker beugen.

Indes – der wahre Eklat bleibt dies: Es funktioniert erneut. Johnny Hallyday kämpft. „AfDler sind Arschlöcher. Immer. Überall.“

Leben vor dem Tod

Jeder kennt es: Kommendes, das einem zuwider ist. In der Zukunft liegende Situationen, die man nicht umgehen oder „ableiten“ kann. Auf der Skala vorweggenommener Gefühle rangieren sie irgendwo zwischen „Unannehmlichkeit“ und „blankem Entsetzen“.  Man kann versuchen, sowohl das Wissen um das Kommende, als auch die damit verbundenen Gefühle zu unterdrücken, oder man kann sich darauf vorbereiten.

Während meiner aktiven Zeit als Drachenflieger richtete ich mir mein Leben so ein, dass ich fast täglich in der Luft sein konnte. Natürlich zuallererst aus Freude an der Fliegerei. Aber nicht nur. Oft nahm ich mittags die Strecke zum Hausberg unter die Räder um der Routine Willen. Ich sagte mir: Je mehr du fliegst, umso besser wirst du. Und vor allem: Je öfter du startest und landest, umso sicherer wirst du. Start- und Landephase sind – egal, wie lange und hoch und weit der Flug dazwischen ist, egal, was für einen Begeisterungs-Rausch du dir holst – die entscheidenden, da immer potentiell tödlich. Auf einer Rampe, von der du mit 50 Kilogramm Fremdgewicht und 14 Meter Flügelspannweite in die buchstäbliche Leere rennst, kannst du dir keinen Fehler erlauben. Ein Abbruch ist nur möglich, solange du noch vor der Rampe stehst. Beim Landen dasselbe: Du bist auch nach sieben Stunden Flug erst dann in Sicherheit, wenn du mitsamt deinem Flügel am Boden stehst. Nicht zehn Meter über Grund, nicht einen Meter über Grund – erst wenn du stehst. Alles davor kann dir noch das Genick brechen.

Darum ist eine der einfachsten und wichtigsten Regeln jene des Sich-Wehrens. Gegen Wind und gegen keinen Wind, gegen das Gerät und immer auch gegen dich selbst: Unaufmerksamkeit, nachlassende Konzentration, Übermut, Grössenwahn und die Möglichkeit der Panik. Es gibt keinen, der dir helfen kann, ausser du selber. Sowohl Rampe, als auch Luft sind Orte äussersten Alleinseins.

Während diesen Jahren befasste ich mich gedanklich non-stop mit der Fliegerei. Alles war immer und überall direkt oder indirekt eine Vorbereitung auf die nächste Rampe, die nächste Landezone. Landschaften wurden nicht länger nach Gesetzmässigkeiten von Schönheit und Harmonie betrachtet. „Wenn du hier absäufst, bist du sowas von am Arsch!“ war der Gedanke, den ein romantischer Olivenbaumhain etwa auslöste. Sonnenblumenfelder wurden zu Crash-Zonen, Strände waren immer zu kurz und windwüstes Ödland das Landeglück schlechthin. Auch Rodungs- und Planierfantasien waren mir damals nicht fremd. Kurz: Wenn ich auf der Rampe stand, dann hatte ich diesen Moment hundertfach vorweggenommen, ihn mir zu eigen gemacht und mich dadurch von der Angst des stets neu Ungewissen befreit. Physische und mentale Kraft konnten ungehindert von Diffusem auf das aktive Tun im Jetzt konzentriert werden: Stark starten.

Ähnlich erging es mir, wenn ich vor Leuten zu sprechen hatte. Auch wenn es nur eine kurze Anmoderation war – ich hasste es und ich bereitete mich darauf vor, als ginge es „ums Töten“ wie man in der Schweiz sagt. Was dann halbwegs locker und fliessend rauskam, war hundertfach geübt. Darunter tat ich’s nicht.

Was auf der Hand liegt: Sowohl fliegen, als auch moderieren waren weder Diktat noch Zwangsläufigkeit. Ganz anders verhält es sich und verhalten wir uns, wenn’s um das natürliche Werden und Vergehen geht, das in jedem Fall mit dem Tod endet – unserem und dem anderer. Fliegen muss man nicht, Aufträge kann man ablehnen – wenn’s ums Sterben geht hat keiner eine Wahl. Egal, welchen kollektivistischen Utopien er Zeit seines Lebens anhängt, wie sozial oder sozial vernetzt er ist  – an dieser letzten Front wird er allein sein. Jene in der Etappe unerreichbar.

Warum bereiten wir  nicht vor auf das, was für die meisten von uns weit über den Skalawert „unangenehm“ hinausgeht und von dem wir wissen, dass wir es nicht werden umgehen können?

Die Rede ist hier nicht von frommem Eschauern wehleidiger Weltüberwindung, die sich in der Echokammer gleichgesinnt Erwählter erschöpft. Ebensowenig von obskurem Geheimwissen, das via rituelle Todesbeschwörung weder Verstand, noch Vernunft, sondern einzig die Nerven zu fordern vermag. Es ist viel einfacher. Es geht darum, nüchtern und konzentriert festzustellen, dass wir sterben werden. Und dass wir ebensowenig wissen wie, als auch wann. Es geht darum, dass wir heute entscheiden, wie wir mit diesem Wissen umgehen. Kurz: Es geht einmal mehr um Freiheit. Denn: Eine Freiheit von der auch nur ein Teil auf Verdrängung beruht, bleibt eine Scheinfreiheit – angeschlagen und stets gefährdet.

In Anbetracht der Tatsache, dass wir, ohne eine Wahl zu haben und unter Ausschluss- und Ächtungsandrohung unseres eigenen Staats, millionenfach von Menschen aus einem Kulturkreis bereichert werden, für deren gläubige Mehrzahl der Tod mehr Versprechen ist, denn Drohung, können wir uns solche Schwäche nicht leisten. Wenn wir – wie auf einer Rampe – mental und physisch in Bestform für ein Leben in Freiheit und gegen jeden Zwang einstehen wollen dann geht das nur mit gelösten Bremsen. Ansonsten bleiben die „liberalen Werte“, die es zu verteidigen gilt, der „demokratische Kampf“ um unsere Freiheit, die „starken Zeichen“, die wir setzen, jene lauwarmen und folgenlosen Beschwörungsformeln, zu denen wir sie haben verkommen lassen.

Ich weiss nicht, wer einmal gesagt hat, wem die letzte Stunde gehöre, der fürchte sich nicht vor den nächsten Minuten. Die Sprengkraft, der in diesen schlichten Worten enthaltenen Freiheitsmöglichkeit ist kaum zu fassen. Trotzdem war der Tod, das absolute und echolose Nicht-mehr-Dasein und Nie-mehr-Wiederkehren eines mir nahen Menschen notwendig, um zu verstehen, was der Urheber möglicherweise gemeint hat.

Die meisten von uns lieben das Leben. Im Umkehrschluss ist das Schlimmste, was passieren kann, der Tod. Wer nun das Schlimmste vorwegnimmt, indem er sich damit befasst und entscheidet, wie er mit dem Wissen darum umgehen will, lacht dem Zweitschlimmsten ins Gesicht. Wer sich freiwillig damit auseinandersetzt und akzeptiert, dass ihm dieser Moment äussersten Alleinseins, die Herauslösung aus jedweder Bindung von Familie, Freunden und Eigentum zwingend bevorsteht – was können einem solchen Menschen zeitgeistbedingtes Ausgegrenztsein, freiwilliges Abseitsstehen und der Panik entspringende Drohungen aus der Richtung sich leerender Schweinetröge des Staatlichen anderes sein, als ein beherztes „Jetzt erst recht!“?

Kleist hat in einem ganz anderen Zusammenhang einmal von dem Menschen gesprochen, der das Paradies verlassen und um die ganze Welt herumgehen müsse, um es auf der anderen Seite und durch die Hintertür erneut betreten zu können. Weder der Mensch, der dies tut, noch das Paradies werden danach dieselben sein. Tun wir es nicht, dann verharren wir oder zumindest ein Teil von uns in dem, was Solschenitzyn das „Gesetzt des Lagers“ nannte:  dahinleben in einem Sumpf von Vorsicht und Feigheit unter der obersten Regel, dass es am sichersten sei zu entscheiden, gar nichts zu entscheiden und noch weniger, etwas zu tun und dass „am Leben sein“ zu genügen habe. Eine kleinwüchsige Existenz zusammengekrümmt unter der dogmatischen Dachschräge derer, die nichts so fürchten wie echt freie Menschen.

Lassen wir den Tod nicht Drohung, sondern Wächter sein über unser Heute, unseren Verstand, unser Erleben und unser Entscheiden. Hören wir auf, andere dafür zu achten oder zu verachten für die Art und Weise, wie sie solches tun, sondern respektieren wir sie dafür, dass sie es tun. Es sind deren wenige genug. Und vor allem und einmal mehr: Es sind nicht die Rezepte, die zählen, sondern die Freiheit. Sie allein garantiert, dass individuelles Entscheiden und Glauben überhaupt möglich sind. Und nur darum geht’s.