Bitte einmal den Abfluss runter

Sommer – die schönste Zeit des Jahres. Die grossen Ferien. Die Tierheime sind voll.
Auf Nachfrage sagt der Leiter des örtlichen Tierheims, das seit zwei Wochen keine Neuzugänge mehr aufzunehmen in der Lage ist, aus, bei den Aussetzungswilligen handle es sich seiner Erfahrung nach zum grössten Teil um Familien mit Kindern.
Drei Szenarien aus nächster Nähe: Familie mit zwei Kindern schenkt letzteren einen Hund zu Weihnachten. Hund ist süss. Nach zwei Monaten ist der Hund nicht mehr süss. Er verbringt seine Tage in der Garage, was nicht spurlos an seinem Verhalten vorübergeht. Zur Erziehung wird der überdrehte Hund heute ohne Not mit dem Kopf an den Boden gedrückt und mit den dreizehnjährigen Füssen des Älteren traktiert.


Fall zwei: Ein Mädchen ist verrückt nach Pferden. Die Eltern, mittlerer Mittelstand, besorgen ein Pferd. Kurz ist das Pferd der Held der Familie. Das Mädchen, das in den Reitstunden „gehobene Leute“ kennenlernt, und an Wochenenden von seinen Eltern hunderte von Kilometern gekarrt wird um an den Veranstaltungen seiner neuen Freunde teilzunehmen findet heute, nur „reinrassige Araber“ seien es wert, von ihm geritten zu werden. Sein Geschenkpferd steht derweil auf der Weide, verfilzt, abgemagert und zurzeit kaum in der Lage zu gehen, weil aufgrund viel zu lange nicht beschnittener Hufe die Sehnen an den Vorderläufern entzündet sind.


Fall drei – wieder ein Hund. Wieder ein Geschenk für die Kinder. Entwicklungsschritte der Beziehung Familie-Hund: Hausverbot, Bellverbot mittels Training mit Elektro-Halsband, Bewegungsverbot im Garten mit derselben Methode, Kette, viel Sonne, kein Wasser, Hunde tot.


Eine Gesellschaft, die so mit ihren Tieren umgeht, Menschen, deren von Selbstverantwortung und ökonomischen Grundkenntnissen vollkommen unbelastetes Bürgergejaule gegen Grosskonzerne an den Fleischtheken und Kassen der Billiganbieter verstummt, Menschen, die Eltern von behinderten Kindern fragen, ob „das nicht verhindert hätte werden können“ (Fall Elija, Schweiz), die zu hunderttausenden abtreiben (80% davon aus „psychologischen Gründen“ – aka: Es passt grad nicht) und die aus dem, was geboren werden darf, eine Art empathieloser Ego-Gottmaschinen heranzüchtet, hat es verdient, den Abfluss runter zu gehen. Egal, ob via Dekadenz, Überfremdung, Pleite oder schlichter Lebensunfähigkeit. 

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4 Gedanken zu “Bitte einmal den Abfluss runter

  1. Pingback: Bitte untergehen, „deutsches“ Volk – teutoburgswaelder

  2. Auf vielerlei Art lassen sich Menschen in zwei sich unterscheidende Gruppen einteilen. Eine Art ist die Frage nach der Empathie, welche Tiere im Menschen auslösen können.

    Einfaches Beispiel: Als Kind war ich verzweifelt, wenn ich in Italien Vögelein in kleinen Käfigen sah. Ich sah dort keinen Menschen, der Mitgefühl mit den am Fliegen Gehinderten gehabt hätte.

    Wird man als dieser oder jener geboren?
    Oder übernimmt das Kind die Empathie oder eben Empathielosigkeit von den Eltern, durch deren Verhalten?
    Oder, so vermute ich stark, wieder mal sowohl als auch, Anlage und Vorbild, beide erwirken oder verhindern Empathie beim Kinde?

    Von Zeit zu Zeit flattert mir immer wieder auf den Tisch, wie Tiere für Schlachtung und für Versuchszwecke gefoltert werden. Jedesmal eine grosse Herausforderung, statt zu verzweifeln, wieder zu mir zu kommen….und einfach mein Bestes zu tun.

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