Was kommt als nächstes?

Gegen die Wand geschrieben – von Franz Bettinger

Wer hätte sich das gestern vorstellen können: den Verfall unsrer unabhängigen Medien, die Gleichschaltung und Entmachtung des Parlamentes, das Verschwinden jeglicher Opposition, die totale Missachtung von Gesetz und Verfassung? Diesen Putsch von oben? Was kommt als nächstes? Die Aufnahme der Türkei in die EU? Nur, weil wir unsere Grenzen nicht dicht machen wollen? Saakaschwili’s Georgien und Mazedonien in die NATO? Die Abschaffung des Bargeldes? Gestern noch eine Verschwörungs-Theorie, und heute? Wird das Abitur bald den Volksschulabschluss ersetzen? Wird Deutschland doch noch zum atomaren Kriegsschauplatz? Unvorstellbar? Ihr seid noch jung genug, um euch noch mal schwer zu wundern, wenn’s glühend heiß und hell um euch wird.

Das deutsche Volk, mein Volk, wundert mich immer mehr. Ein Volk von Armleuchtern, die am Rande ihres Grabs noch ein Bäumchen pflanzen. Ein Volk, das es nicht besser verdient. Es applaudiert wie der französische Adel 1789 den eigenen Henkern. Sogar die Kirchen ziehen – wie stets an der Seite der Macht – fröhlich mit in den Untergang. Zumindest ihre Schäfchen. Die Selbsterledigung der BRD ist der größte Treppenwitz der Geschichte. Fällt euch nichts auf? Die Brainwash-Veranstaltungen unserer Talkshows, wo eine vier- gegen-eins-Gewichtung als ganz normal, als hart aber fair erachtet wird? Die Atomisierung aller höheren Werte ist so gut wie abgeschlossen. Alles ganz demokratisch. Gut, dass ich keine Nachkommen habe. Mein Rennen ist längst gelaufen. Viele EU-Staaten stehen übrigens geschlossen auf der Seite von Pegida und AfD. Sie stellen sich gegen Merkel. Europa ist nicht als Ganzes bereit, den  Amoklauf des deutschen Gutmenschen mitzumachen.

Na ja, alles schon mal da gewesen. Auch die geistigen Höhenflüge und die Erhabenheit der römischen und griechischen Antike endeten amerikanisch, will sagen: in der geistigen Enge des dunklen Mittelalters. Da sage noch mal einer, Geschichte wiederhole sich nicht. Rudi Dutschkes Marsch durch die Institutionen war erfolgreich. Damals bin ich selbst blauäugig einäugig mit-marschiert und habe dumme Parolen gebrüllt. Aber nicht sehr lange. Ich habe meinen Eltern und Verwandten, die ich trotz ihrer fortgesetzten Existenz im Dritten Reich für keine schlechten Menschen hielt, Löcher in den Bauch gefragt und konnte mir dennoch nicht erklären, wieso die Nazis von 90% der Bevölkerung bejubelt wurden, trotz so unsäglicher Maßnahmen wie den Nürnberger Rasse-Gesetzen. Heute kann ich es: nicht verstehen, aber erklären.

Wir führen das Kunststück gerade wieder auf. Wir treten mit dem Pathos und Selbstbewusstsein eines Weltverbesserers für unsere ‚gute‘ Sache ein, und wieder wollen wir alle anderen zum Mitmachen verpflichten. Merkel und Brüssel nennen es Solidarität und meinen Kadavergehorsam. Gott sei Dank zeigen uns andere EU-Staaten den Vogel. Es kommt bloß nicht im Fernsehen. Deshalb weiß man nichts davon und reibt sich die Augen, wenn im Ausland darüber berichtet und diskutiert wird.

Ich schreibe gegen die Wand. Mein Tun ist so unnütz wie einem Ochsen ins Horn zu kneifen. Mangels IQ bleibt den Merkelschen Horden und den angegliederten grünen Neu-Faschisten nur das Mittel der Diffamierung und Ausgrenzung Andersdenkender. 12% sind immerhin  aufgewacht. In Frankreich sind es bereits mehr. Vielleicht werden es auch hier rechtzeitig noch mehr. Hierin liegt die einzige Hoffnung – dem Spuk mit friedlichen Mitteln noch ein Ende zu bereiten. Mehr als ein Funke ist es nicht.

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6 Gedanken zu “Was kommt als nächstes?

  1. Danke von Herzen für den Artikel. Auch ich glaube, daß ich oft „an die Wand schreibe“ (in anderen Foren), aber trotz meines Alters läßt mich mein früherer Beruf (Journalistin) nicht los und fordert mich täglich auf, aufzuwecken und zu mahnen. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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  2. Danke. Ihre Sätze sind ein wenig fiktiver Balsam, weil es manchmal Zeiten gibt, in denen man für die Katz zu leben scheint. Alles andere kann man in den Offenbarungen des Johannes lesen. Gäbe es Ihre und andere Stimmen nicht, müßte man verzweifeln oder aber endlich anfangen, zu hoffen. Ich gebe zu, daß ich täglich ein wenig schwanke. Liebe Grüße!

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