Der grosse Transfer

Jedes Mal, wenn FED oder EZB tagen, wenn die Presse geladen wird, fragen und berichten darf und es auch tut, wenn via Life-Ticker oder Protokolle die Statements der Geld-Weisen im O-Ton in die Welt gelangen, dann fragt man sich: Warum bloss tun sie sich das an? Jene, die gottgleich geldpolitische Wahrheit verkünden, jene die sie kolportieren und alle jene, die vorher, zeitgleich oder im Nachgang als wär’s Pflicht und höchstes Vergnügen, interpretieren, deuten und regelmässig durchdrehen? Wozu der ganze Aufwand für etwas, das nur Show ist?

Am vergangenen Donnerstag war’s wieder soweit. Der EZB-Rat tagte. Und einmal mehr: Anstatt einen Live-Event abzurollen, hätte man ebenso gut die Aufnahme einer der letzten 50 Pressekonferenzen abspielen können. Wem, ausser sich selber, reden Draghi und Konsorten noch ein, ihr „Wir-wissen-was-wir-tun“ sei mehr, als der Versuch der Selbst- und Massenhypnose?

Nun – offenbar vielen. Wort für Wort, als wär’s die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, wird die immer gleiche Leier nachgedruckt. In Kurzform: Wir wissen nicht, was ist. Wir wissen nicht, wie das, was ist, zu interpretieren ist. Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir wissen, was wir tun. Und das ist: Vorläufig weiter wie bisher. Weiter retten. Wer dagegen ist, hat nicht nur keine Ahnung, sondern ist gegen Rettung. So. Und quasi in einen Nebensatz und weil man ja gerade live ist, kann auch noch ein Euro-Land (Estland) abgewatscht werden, das sich erdreistet, jenseits der alternativlosen Geld-Politik der EZB für sich selbst Alternativen wie jene, eine eigene Kryptowährung in Umlauf zu bringen, anzudenken. „Kein Euro-Mitglied kann eine eigene Parallelwährung zum Euro einführen.“

Ward McCarthy, Ökonom der amerikanischen Investmentbank Jefferies bezeichnete das Mitte August veröffentlichte Protokoll des Juli-Meetings des FED-Offenmarktausschusses als „verstörend“. Das und nichts anderes, sollte auch im Fall der EZB als Titel für jeden zum Thema veröffentlichten Artikel dienen. Oder finden Sie es nicht verstörend, wenn Herr Draghi jedes Mal verkündet, zu unserem Besten müsse (noch) ein Transfer von uns zum Staat stattfinden? Steuern und Abgaben von mehr als der Hälfte unserer Einkommen seien nicht genug? Zu unserem Besten müsse unbedingt gewährleistet werden, dass unser Geld am Ende des Jahres weniger wert sei, als zu dessen Beginn? Dass dieses „Weniger“ in Wahrheit Stabilität sei?  Dass im Erreichen dieser Enteignung von Geld, Arbeits- und Lebenszeit heute die Hauptaufgabe der EZB begründet liege? Und dass man bereit sei, zur Verstärkung dieser „Dynamik“ auch weiter in beträchtlichem Mass die Ungleichgewichte, die man zu bekämpfen vorgibt, zu befeuern.

Oder finden Sie es nicht verstörend, wenn die Zentralbänker mitteilen, es sei zu meinem Besten, zu arbeiten, zu verzichten, das so erwirtschaftete Geld einer Bank zur Verfügung zu stellen und dafür betraft zu werden? Und dass diese Bestrafung zum Segen des „Grossen Ganzen“ mit Namen EU, Konjunktur, Euro-Wechselkurs oder was sich sonst gerade anbietet (jede Ausrede, wie der derzeit zulegende Euro-Kurs zeigt, ist mittlerweile willkommen) voraussichtlich und ganz im Sinn der vorgängig erwähnten Enteignung via Inflation noch für eine lange Zeit fortgeführt würde?

Oder finden Sie es nicht verstörend, wenn zur angeblichen Ankurbelung der Konjunktur via Kreditvergabe, ein gigantischer Transfer von Vermögenswerten zum Staat notwendig ist? Wenn zum angeblichen Erhalt der sogenannt freien Wirtschaft Planwirtschaft das Gebot des Jahrhunderts ist? Denn genau und nichts anderes ist es, was im Rahmen der Anleihekäufe durch die EZB passiert. Daniel Lacalle, CIO von Tressis Gestión, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, heutige Notenbankpolitik schaffe nicht nur wachsende Ungleichgewichte und eine Zombie-Wirtschaft, sondern monetisiere Staatsschulden, die von kommenden Generationen einzulösende Schuldscheine – und keine Vermögenswerte – seien. Er geht soweit, von einer De-facto-Verstaatlichung der Wirtschaft zu sprechen, da die Risiken der Notenbankpolitik auf den Steuerzahler übertragen werden (Quelle: NZZ).

Hier wird eine Riesen-Show abgezogen, eine gigantische Illusion geschaffen. Es ist die Illusion von Wohlstand wo in Wahrheit bloss Versprechen und Verbindlichkeiten vorhanden sind. Wahrer Wohlstand ist was bleibt, wenn man all diese Versprechen und  Verbindlichkeiten aus einer Volkswirtschaft „herausstreicht“ – es ist das Nettovermögen. Der Bestand an echten Investitionen, die via vorgängigen Konsumverzicht geschaffen worden sind. Dazu zählen Häuser, Firmen, Infrastruktur, Bildung und Fachwissen ebenso, wie Land, Energie und Wasser. Was nun der selbsterklärte Wohlstands-Förderer Staat mit jenem Nettovermögen anstellt, das seiner Verantwortung übertragen worden ist, das wissen wir. Vielerorts verlottert die Infrastruktur, natürliche Ressourcen werden bis zur Unerschwinglichkeit besteuert, Bildung ist die Vermittlung von Scheinkompetenzen und ansonsten Indoktrination.

Denn Fakt ist und bleibt: Wohlstand entsteht nur auf eine einzige Weise. Durch Arbeit, Verzicht und Kapitalbildung. Abkürzungen gibt es keine. Was der Staat via Notenbanken heute erzeugt ist demnach nicht Wohlstand im Sinn echten Vermögens. Was sie hingegen en masse erzeugen, sind Ansprüche auf die Arbeit, den Verzicht und das Kapital der Zukunft. Sie verkonsumieren mit ihrem Verhalten unsere Lebenszeit und jene kommender Generationen. Garantiert ist dabei nur eines: Reich wird ausser jenen, die bei den grotesken Bewertungen an den Börsen auf der Verkäuferseite und bei der grossen Patience mit Namen Politik auf der nahrhaften Seite stehen, auf lange Sicht keiner. Im Gegenteil.

Genauso, wie es Jahrzehnte dauert, bis ein durch Planwirtschaft ausgeblutetes Land im Rahmen freier Märkte zu einem mit unserem vergleichbaren Wohlstand gelangt, kann das Sterben des Wohlstands sich in die Länge ziehen. Und genau das passiert. Demokratisch gewollt. Weil eine grosse Mehrheit der Menschen schon ab Kindesbeinen und via Zwangs-Bildung der staatlichen Ideologie auf den Leim gegangen ist, die da sagt, Wohlstand würde durch Konsum erschaffen. Keiner ist zwar in der Lage, es zu erklären, aber jeder weiss, dass es sich ohne Verantwortung und Anstrengung bequemer leben lässt. Und der Staat tut wohlweislich nichts dagegen – nährt vielmehr die Mär von der durch den Staat und via Umverteilung geschaffenen Nachfrage und nennt es „erfolgreiches Wirtschaften“. Und auch hier: Es funktioniert. Konsum ist längst ein isolierter Selbstzweck geworden. Arbeit ist Menschenrecht – dass dies vor allem in punkto Teilhabe und nicht in Bezug auf die Leistung gilt, spielt keine Rolle. Und Vermögen – Vermögen besitzen nur die Gauner, die Ausbeuter, die Kapitalisten-Schweine. Höchste Zeit, dass der Staat hier via Reichensteuer und Erbschafts-Steuer endlich für mehr Gerechtigkeit sorgt. Und wer Verzicht fordert, der hat irgendwas an der Bedeutung des Worts „Fortschritt“ nicht kapiert – ist zurückgeblieben, wahrscheinlich Rassist oder grundsätzlich meschenverachtend.

Was tun gegen die Freibier-für-alle-Forderer? Gegen die wahren Menschenverachter, die gefeiert werden für ihre Politik versteckter Leibeigenschaft (denn was anderes ist es, wenn man Leute ihrer Lebenszeit unter Androhung von Gewalt beraubt)? Es gibt nur eines: sich und seine Kinder schützen. Im Klartext: Arbeiten, Verzichten, Vermögen bilden – und es verstecken. Den Kindern beibringen, wie es geschaffen wurde und wird und wo es zu finden ist. Das mag illegal sein. Legitim ist es längst.

 

 

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Ein Gedanke zu “Der grosse Transfer

  1. Im vielen Punkten muss ich dem Autor zustimmen. (Zentralbank-Show, Reichensteuer, Menschenverachter…)
    Jedoch in einem Punkt liegt er völlig falsch:
    >>>
    „Der Bestand an echten Investitionen, die via vorgängigen Konsumverzicht geschaffen worden sind.“
    >>>
    Der Autor zeigt hier leider die weitverbreitete Unkenntnis der Funktionalität unseres Geldsystems. Noch nie wurde durch Konsumverzicht irgendetwas Positives für die Wirtschaft generiert. Denn Konsumverzicht ist gleichbedeutend mit Umsatzausfall. Mehr Konsum und weniger Sparen erzeugt dagegen schlicht einen höheren Geldumlauf der sich direkt im Umsatz spiegelt. Die Geldmenge ändert sich dabei nicht. Demzufolge muss auch niemand für Investitionen sparen, denn das verfügbare Geld bleibt auch nach dem Konsumieren innerhalb des Bankensystems erhalten. Es liegt dann nur in gleicher Höhe auf einem anderen Konto – und kann dort gleichwohl für Investitionen verwendet werden.

    Mein Rat: Streichen Sie die Vorstellung aus Ihrem Geist, durch Verzicht würde irgendetwas positives generiert. Das Gegenteil ist der Fall. Verzicht ist Teufelswerk. Jedes Jahr wird eine Gütermenge erschaffen, die mittels Geldsystem auf alle Beteiligte verteilt wird. Verzichtet Jemand in diesem Jahr, so bleibt ein Gut liegen und verdirbt/veraltet möglicherweise. Den Anspruch will dieser Jemand im nächsten Jahr geltend machen. Doch auch dann wird nur eine gewisse Gütermenge erschaffen – diese soll aber den zusätzlichen Anspruch aus dem letzten Jahr ebenso befriedigen. Hier beginnt das Unheil seien Lauf.

    Schuld an der Misere ist demnach auch nicht primär der Staat – dieser ist nur Sündenbock, ebenso wie die Bänker nur solche sind. Schuld ist das heutige Geldsystem und mitschuldig – unbewusst oder noch schlimmer bewusst – sind diejenigen, die davon profitieren. Und das ist heute jeder, der mehr als ca. 2 Mio. Euro schuldenfreies Nettovermögen besitzt.
    Ein werthaltiges und damit zinsgenerierendes Geld hat schon immer und muss auch immer zu Massenverarmung Vieler und Hyperreichtum Weniger führen – mittels Zinseszinseffekt.
    Hat sich der Reichtum weit genug auf sehr Wenige verschoben, wird automatisch die Demokratie unterwandert bis sie nur noch eine leere Hülle darstellt. Dort sind wir heute wieder angelangt.
    Eine echte Lösung findet sich in der Blütezeit der Menschheit, dem 12-14. Jahrhundert. Dort existierte ein Geldsystem, dass 300 Jahre krisenfreies Wirtschaftswunder auslöste. Beendet wurde es jäh mit der Einführung unseres heutigen Geldsystems – mit der Folge wiederkehrender wirtschaftlicher Zusammenbrüche.

    Und in einem weiteren Punkt irrt der Autor: Der Zins wurde nicht absichtlich gesenkt, sondern es blieb gar keine andere Alternative, um den Systemkollaps heraus zu zögern. Jahrzehnte mit ständig positivem Zins lassen sich nur durch Jahrzehnte mit ständig negativem Zins ausgleichen. Da hierfür Gesellschaft und Politik nicht reif genug sind, wird das wohl nicht passieren. Stattdessen wird sehr wahrscheinlich herausgezögert bis es nicht mehr geht – und dann ziehen alle die Köpfe ein, bis der Rauch sich verzogen hat…
    … was bleibt ist die Hoffnung, dann endlich wieder in ein anderes, bewährtes Geldsystem zu starten.

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