Die Abgehängten

Halbsatirisches Fragment von Roi Henry

Kaum zu glauben, aber die Lebenserwartung der Deutschen erreicht wohl bald zweihundert Jahre und die Medizin kommt nicht nach. Besonders die Psychiatrie hat große Probleme, alle richtig zu behandeln. Da hilft nur Satire – mit normaler Sprache ist dem Wahnsinn nämlich nicht beizukommen.

Die dts-Nachrichtenagentur meldet neben interessanten Nachrichten mitunter auch das, worauf ich mich gleich beziehen möchte. Ein gewisser Herr Martin Walser, Berufener und Schriftsteller, zirka 190 Jahre alt und jung geblieben, findet die mehr als zwanzig Prozent der AfD im Osten Deutschlands „die traurigste Nachricht des Tages“. Vermutlich weiß er noch gar nicht, dass sein Abendbrot bald völlig cholesterinfrei sein wird. Er legte bedeutsam nach und äusserte für einen Autor sehr freimütig, dass wir uns jetzt nicht die Köpfe blutig kratzen, sondern die Spätfolge der deutschen Teilung ernst nehmen müssen.

Er spricht wirklich von Teilung und gar nicht von den Besatzungsmächten, dem Mauerbau, den Mauertoten, Schiessbefehl, Propaganda und Wiedervereinigung.

Sein höchstens halb so alter, aber ebenso naseweise Kollege Feridun Zaimoglu sehe einen „Nationalzynismus“ triumphieren, wird geschrieben. Und knallig hinterher: „Die Schlechten einer schlechten Generation, vereint im Fremdenabwehrverein AfD, blasen zur Jagd. Schön wär’s, wenn man sie jagte. Guten Kater, Deutschland!“ Die Krankenkasse ist sicher bereit, ihm eine Kur in Kreuzberg oder Nähe Eisenbahnstraße, Leipzig, zu verschaffen.

Der dritte in dieser freundlichen und quasselnden Skatrunde, der Bestseller-Autor Daniel Kehlmann,  empfindet trotz des Einzugs der AfD in den Bundestag „aufrichtige Dankbarkeit“ gegenüber Angela Merkel. „Denn man wagt kaum, sich vorzustellen, wie viel Prozent die AfD erreicht hätte, wäre sie nicht noch einmal angetreten.“ Und er setzt noch einen darauf: „Wir leben in dunklen Zeiten, aber diese Wahl hätte noch schlimmer ausgehen können.“ Die Dosierung seiner Medikamente muss also auch kontrolliert werden.

Und schliesslich die Autorin Juli Zeh, die ihren Kumpeln vermutlich den lauwarmen demokratischen Tee und die gnadenlos proletarischen Brötchen besorgt, stellt sich die Frage, wie gut es einem Land noch gehen müsse, „wie viel mehr Freiheit und Sicherheit und Wohlstand und Demokratie und Bildung und Zivilisiertheit“ man noch erreichen müsse, „damit Menschen sich nicht mehr von fremdenfeindlichen Szenarien aufhetzen lassen“. Zehs Fazit laut dts-Nachrichtenagentur: „Das Gefühl der Vergeblichkeit aller redlichen Bemühungen erreicht niederschmetternde Kraft.“ Ihr zeigen wir die Flaschen sammelnden alten Menschen Deutschlands.

Allen gemeinsam: Sie haben keine Ahnung, wie abgehängt sie schon sind. Es ist immer dasselbe; das Gutdenken hat sich – ich weiss nicht wie und wann – in ihr tägliches „Denken“ eingeschlichen. Migranten sind generell „Flüchtlinge“, Täter sind „Männer“ oder „Gruppen von Männern“, Opfer sind weder Mann noch Frau, aller Identität beraubt, bloss noch „Menschen“. Eine Gattung. Die Antifa, die als Schlägertruppe mit roher Gewalt gegen Andersdenkende vorgeht, bezeichnen sie als „Aktivisten“. Recht und Gesetz kennen sie also ebenfalls nicht. Und oft sind sie sprachlos ob der täglichen Gewalt auf deutschen Straßen – dazu gibt es ihn ihrer Welt nichts zu sagen, was gedruckt werden dürfte. Muss man sie zum Lüften ins Freie tragen?

Hier ein Alphabet für das, was diesen dreisten und geschichtsvergessenen Linken und vielen Journalisten derzeit fehlt. Man sollte es ihnen schenken:

A wie der Anstand, der es verbietet, sich wie ein Affe oder ein Esel aufzuführen
B wie die Behutsamkeit, mit der ein Kind zum ersten Mal einen Regenwurm vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt.
C wie der Charme, mit dem sich frei leben, scheitern, wieder aufstehen und das Leben genießen lässt (auch bekannt als Mensch-Sein).
D wie die Demut, die jedem Freien zu Gesicht steht,
E wie die Ehrfurcht vor denen, denen sie ihr Leben verdanken, ihren Eltern.
F wie wirkliche Freiheit im Kopf
G wie die Gesellschaft, in der jeder einen Platz hat,
H wie die Herzlichkeit gegenüber den anderen,
I wie Ich bin klein,
J wie Jahrzehnte der Erfahrung von Mitmenschen mit Diktatur und Propaganda.
K wie die Klarheit in der Sprache, im Denken und im Handeln,
L wie die Liebe zu Gottes Schöpfung oder wenigstens zur Heimat
M wie Milkyway, locker und leicht, schwimmt sogar in Milch,
N wie Nächstenliebe anstelle anonymer Fern-Menschlichkeit
O wie echte Opferhilfe.
P wie der Padre, der Frieden predigt in der Gefahr, getötet zu werden,
Q wie Qualität in allem, was man macht,
R wie Recht als Massstab für Gerechtigkeit,
S wie Sonnenblumenduft,
T wie die Treue zum Freund, zum Volk, zu Vaterland, zu Muttersprache,
V wie das Vertrauen in sich selbst und in andere,
W wie Wohlwollen ohne Eigennutz,
X , Y und Z wie alles andere.

Advertisements

4 Gedanken zu “Die Abgehängten

    • Umgangssprachlich erübrigt sich aus meiner Sicht die Frage. Wir hängen keine sich Aufgehängten ab, eher die sich Aufhängenden und hängen auch keine Räucherschinken ab. Diese Spitzfindigkeiten sind nett, allerdings gehen diese im Dickicht – oder soll ich Dschungel sagen – der Rechtschreibreformen gänzlich unter. Danke dennoch für Ihre Aufmerksamkeit. Haben Sie Feuer, Vagina? Ihr Name riecht auch ein wenig altbacken, finden Sie nicht, Gnädigste?

      Gefällt 1 Person

  1. Selbstliebe sollten sich die Linken (und die Konservativen und Rückwärtsgewandten) auch mal zugestehen. Weil ohne Selbstliebe gibt es keine Nächstenliebe, sondern nur Furcht.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s