Gottstaat

Jene, die gerne das Wort der offenen, toleranten und freiheitlichen Gesellschaft im Sinn einer ersatzreligiösen Verschmelzung von bürgerlicher Freiheitsordnung und irdischer Heilsgewissheit durch die totale Institutionalisierung des Lebens via Verantwortungsabgabe (Alle Macht dem Staat!) im Munde führen, sind dieselben, die den Menschen meist auf deren Kosten und zwecks Erreichung dieses Ziels diktieren, …

… was sie sagen dürfen, wie sie es sagen dürfen, was sie gut zu finden haben und was nicht, was sie von Mitmenschen zu ertragen, tolerieren haben, was sie wo tun dürfen und was nicht, was sie konsumieren sollen, wie sie zu denken und was zu mögen haben, was wo zu kaufen ist, was mit ihrem Geld zu geschehen hat, wen sie unterstützen sollen und wen nicht, was sie zu glauben haben, wen sie anzustellen haben, wem sie wieviel Lohn zu zahlen ist, wen sie zu wählen haben und aus welchen Gründen, usw., usf.. Fühlen Sie sie, die Freiheit, die Offenheit, die Toleranz?

Solches zu fordern, zu dulden und zu tolerieren ist das Einstimmen in den Grabgesang eines sich selbst verschlingenden Systems, in dem Politik und Bürgerschaft gemeinsam, sprich demokratisch, ausschliesslich dem Erhalt des Bequemlichkeitsniveaus via Machtausbau und Leistungsbezug dienen. Es ist die Strategie, das System dadurch zu erhalten, dass seine Fundamente – Freiheit, Markt, Recht – mit vereinten Kräften zerstört werden.

Wo einst der Tausch Lebens- und Freiheits-Schutz gegen bedingten Gehorsam im Vordergrund stand, steht heute der Tausch unbedingter Loyalität gegen Rundum-Betreuung, Dauer-Beobachtung und Selbstbewachung. Oder anders gesagt: Wer mitmacht und nicht aufmuckt und vor allem nicht zweifelt und sich anmasst, selber schwimmen zu lernen, kriegt das Versprechen, sich als System-Naher nach dem Eisberg an einer Planke festhalten zu dürfen. Rettungsboote und Schwimmwesten sind reserviert für die systemtreuen NGO-Priester, Regierungs-Popen und Verwaltungs-Diener der Toleranz-Tscheka. Gesinnungs-Gegner und potentielle Gefährder aus den eigenen Reihen dürfen bereits heute über Bord der betreuten Wohngemeinschaft geworfen werden.

Das ganze nennt sich die tolerante Gesellschaft. Alles wird toleriert und hat auf Befehl toleriert zu werden. Alles bis auf das, was es per Dekret zu hassen, auszustossen, zu ächten, zu bekämpfen und auszumerzen ist. Allem voran die Ungleichheit, das Mensch- und Personsein schlechthin. Gute Reise.

4 Gedanken zu “Gottstaat

  1. Ich sehe ein Problem darin, Freiheit mit dem Adjektiv »bürgerlich« zu versehen. Freiheit kann nur menschlich sein.und braucht kein Attribut. Sie ist das einzige Recht. Alles andere ist Gesetz.

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    • Guter Einwand. Indes: Gemeint und geschrieben ist nicht „bürgerliche Freiheit“, sondern „bürgerliche Freiheitsordnung“. Gemeint ist die Ordnung, die sich jene, die auf freiwilliger Basis eine Gemeinschaft bilden und sich zu kooperieren entscheiden, geben.

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      • Oh, ich verstehe Dich sehr gut. Aber warum nicht freiheitliche Gemeinschaft?
        (Den Begriff Ordnung empfinde ich ein wenig irreführend, wenn es um Freiheit geht. Obwohl ein geordnetes Zusammenleben organisiert wird, ist alles in Bewegung. Ein Prozess.)
        Ich sitze seit ein paar Tagen über einem Artikel, der sich mit Meinungsführerschaft, Deutungshoheit und unscharfen Begriffe beschäftigt, weil auffiel, dass Menschen mit unklaren, undefinierten Worten überschüttet werden. Staat, Verbraucher, Arbeit, Demokratie, Gleichheit, Armut, Reichtum, bürgerlich, links, rechts, Mitte. Wohlstand, Gerechtigkeit, Freiheit, Markt, Geld, Recht, Mensch … sind alle irgendwo erklärt, aber nicht eindeutig definiert. (Selbst Begriffe wie Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind unscharf.) Damit werden jeder Dialog, jede Meinungs-, Konsensbildung und Einigung verwässert und erschwert bis zur Unmöglichkeit. Diskussion und Streit treten in den Vordergrund.
        Ich hoffe, dass es verständlich ist, worauf ich hinaus will.

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