Sprachreinigung nach Maas

Von Niels Dettenbach

Alltäglich fast gibt es für die Sprach- und Freiheitschützer von Kahane & Co. einen neuen Grund zur Hysterie. Aktuell: Das M*-Wort.

Die in fast ganz Europa seit Jahrhunderten gebräuchliche Bezeichnung M* (https://www.duden.de/suchen/dudenonline/Musel), die ich im Folgenden so nennen und darüber hinaus dem Duden überlassen werde, weil mir sonst womöglich in Zukunft der womöglich nicht allzu bald wiedererrichtete Volksgerichtshof droht, für Angehörige einer bestimmten, orientalischen, religiösen (selbstredend: irrationalen) Überzeugung, gilt inzwischen offiziell inoffiziell als verboten. Zwar noch nicht juristisch bindend von Gerichten oder gar Gesetzen (bisher haben deutsche Gerichte dazu noch uneins geurteilt), sondern von den neuen staatlichen Gesinnungswächtern für Antirassismuskunde, welche längst über dem Gesetz zu stehen scheinen und bei allen Entitäten der Gesellschaft gerade hierbei – als gäbe es hier die „Freiheit“ zu verteidigen – auf besonders vorauseilenden Gehorsam pochen – und ihn auch finden.

Die im angebrochenen postfaktischen Zeitalter einzig verbleibend erlaubte Variante ist: „Muslim“, was so viel wie „dem wahren Glauben Angehöriger“ bedeutet. „Alle anderen Bezeichnungen“ würden – so die einhellige Bessermeinung  – „von Muslimen als Beleidigung empfunden“.

Im Klartext: erlaubt ist nur eine Bezeichnung, die schon durch ihre Verwendung den Islam als „einzig wahren Glauben“ anerkennt. Wer also nicht brav „Muslim“ statt
eines der legitimierten – sogenannt „entdiskdiminierten“ „M*“ Wörter aus dem Sprachschatz der Volkserziehung benutzt, darf sich künftig auf empfindliche
Reaktionen der deutschen Staatsgewalt einstellen – erkennt er doch damit den Islam nicht als einzig wahre Religion an, wie ein Muslim es für die Ausübung seiner Religion auch von den Kuffar / Kafir – ergo: den „Kartoffeln“ – erwartet.

Was aber, wenn jemand hierzulande selbst andere Überzeugungen – also immer, meistens oder wenigstens vorläufig noch – für wahrer hält – sei es eine andere
Religion, Atheismus oder was auch immer? Hat er dann ebenfalls Anspruch darauf, auch von M*’s als „dem einzig wahren Glauben“ oder „der einzig wahren Überzeugung
anhängender“ bezeichnet zu werden (und nicht etwa als „Ungläubiger“ – sei es auf deutsch oder arabisch)?

Fakt ist: Der Begriff „Muslim“ selbst kommt einem Glaubensbekenntnis gleich. Muslim ist, wer sich zum islamischen Glauben bekennt. Welcher straff überzeugte M* wäre bereit, einen Christen, Juden oder Atheisten nunmehr nicht als Kafir („Ungläubiger“) zu bezeichnen, sondern tatsächlich als ein „dem wahren Glauben / Überzeugung anhängender“?

M* bedeutet laut Duden „jemand, der dem Islam anhängt“ und ist so auch seit Jahrhunderten in den meisten Sprachen Europas zu finden. Ausgerechnet im Deutschen
ist dies – seit wenigen Jahren – ein neues Schimpfwort. Diese Umdeklarierung von „M*“ zu einem Schimpfwort erfolgte wie üblich durch staatliche Bessermenschen, welche zwar wenig Ahnung von Geschichte und Linguistik haben, dafür umso mehr moralinisches Sendungsbewusstsein in Gerechitgkeitskunde, in Volxerziehung („Sozialpädagogik“) und ähnlichen hoch dotierten staatlichen Brotfressuren. Selbst der Duden ist hierin – vergleicht man mit ein paar Jahre älteren Ausgaben – zurückhaltend und hat erst jüngst zumindest einer der erweiterten Interpretationen den Term „abschätzig“ angehängt, wo bisher allein „veraltet“ stand.

Auf Facebook habe ich inzwischen meine dritte 30-Tage Sperre binnen 12 Monaten durch die Kahane-StaSi kassiert – obgleich ich bereits nach der ersten Sperre die
zum Vorwand genommene Verwendung des M*-Wortes unterlassen habe, um den maasschen Zensoren keine neue Munition zu bieten. Das hinderte jene nicht daran, in
mehrere Jahre alten und immer älteren Kommentaren nach der Verwendung dieser Begriffe zu suchen, um dann – just bei besonderer Aufmerksamkeit für regimekritische
Artikel über mein Umfeld – den Zensur-„Not Aus“ zu drücken und mich erneut kalt zu stellen. George Orwells großer Bruder wäre stolz auf unsere neue, deutsche Bessermenschenkaste.

„Ich sehe nicht ein, warum ich, der Einfalt der anderen wegen, Respekt vor Lug und Trug haben sollte“
Arthur Schopenhauer

 

 

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