Vom Mut, abseits zu stehen

Ein Rezept – von Franz Bettinger

1. Das Abseitige, das Perverse, wird nicht mehr erkannt. Wenn die Grenzen fallen, dann drängt es ins Zentrum des Seins. Andererseits liegt im Doppelsinn des Wortes „abseits“ etwas Unheimliches, das schon den Keim zum Widerstand in sich birgt. Es ist ein ganz besonderer Ort, das Abseitige. Die Hütte, der Berg, das Meer. Dort, wo einen kein Geschwätz mehr erreicht, wo niemand mehr dazwischen quatscht. Von dort ergeben sich andere Aus- und Einsichten. Das kann einen vollkommen verwandeln. Im Abseits findet der Mensch zu sich selbst und beginnt, buchstäblich aus der Rolle  zu fallen. Je mehr er sich auf das Eigene einlässt, desto mehr befindet er sich im Abseits – und im Widerstand.

2. Wage zu denken!  sagt Kant, so schwierig dies auch sein mag. Denn an jeder Ecke steht einer der anderen, deren Geschäft es ist, dich so lange wie möglich in deiner Dummheit festzuhalten, auch wenn er ständig vorgibt, das Gegenteil von dem zu wollen, was er mit dir anstellt: die Abrichtung zum Massenmenschen. Vertraue auf deine innere Stimme. Die ruft permanent zum Widerstand auf. Die Fähigkeit zum eigenen Urteil wollen die anderen nicht dulden, obwohl sie gerade diese Forderung (nach Lern-Kompetenz) ständig im Mund führen. Fangen wir daher im Kleinen an. Bekennen wir offen unsere Meinung im Freundes- und Bekannten-Kreis, an den Schulen, Universitäten und am Arbeitsplatz. Wir wollen ein Anfang sein. Denen vorangehen, die innerlich auch wollen, aber noch nicht können. Man soll nicht mehr auf uns zählen. Denn wir stehen da, wohin sie höhnisch jeden Andersdenkenden verweisen: abseits. Dort harren wir aus. Frei, bekennend – und stolz darauf.

3. Das Gegenteil von Links ist nicht die CDU, sondern der unbedingte Wille nach geistiger Freiheit. Abseits. Rechts. Dort ist Individualismus, der Mut zum Anderssein, zum Eigenen. Dort ist das Gegenteil von Mode und Mainstream. Rechts bedeutet, überhaupt keiner Partei angehören zu wollen. Heißt, nein zu sagen zu den täglichen Lügen. Das ist sehr schwer und für manchen unmöglich. Der Mensch ist ein simpel konditioniertes System, das nach Anerkennung giert. Um diese Gier zu stillen, funktioniert fast jeder gern.

4. Die Freiheit ist ein scheues Reh, das überall und jederzeit in Fallen geht. Gehen muss – sagen die Merkelianer – um es zu schützen vor Missbrauch. Jeder hat seitdem gelernt, in Andeutungen zur reden. Oder ganz zu schweigen. Die Wut aber macht einen zum Ungeheuer. Oder krank. Man muss das Denken wieder lernen. Sich befreien von der Schlacke aus 75 Jahren verkrampfter Ideologisierung und Verziehung zum moralischen Brüllaffen. Wo  der Merkelismus herrscht, ist die Freiheit verdurstet. Sie hängt als aufgeputzter Kadaver in den Gärten. Die Lüge kommt täglich, bürstet die Leiche und spricht: „Ach Freiheit, wie schön du bist.“

5. Jeder Blick auf die Geschichte macht schaudern. Doch gar nicht mal nur deshalb, weil die Geschichte zeigt, wozu Menschen fähig sind, sondern weil sie verdeutlicht, dass jede Generation immer wieder die gleichen Menschen hervorbringt. Seht sie euch an! Immer pöbeln sie herum und spielen sich auf: als Nazis, als Stasi, als  1968-er Wichtigtuer. Denn es ist eben immer derselbe Charakter, der gleiche Menschenschlag: Immer bereit zu denunzieren, zu lügen, zu verfolgen, sich der Mode und dem Zeitgeist feige anzubiedern um des eigenen Vorteils willen. Gestern waren sie die Schergen einer Diktatur, heut sind es penetrante Gut-Menschen – Büttel einer noch schlimmeren, globaleren Diktatur.

Höchste Zeit, ins Abseits zu treten.

2 Gedanken zu “Vom Mut, abseits zu stehen

  1. Titel: Was wenn der Koch verzweifelt im falschen Kochbuch blättert?
    Bitte: Franz, schenken Sie sich einen Whisky ein und kommen Sie mit mir auf eine längere Gedankenreise.

    Vorwort von Prof. Walter Block (https://www.lewrockwell.com/2013/12er-e-block/left-and-right/):
    Libertarianism is neither of the left nor of the right. It is unique. It is sui generis. It is apart from left and right. The left right political spectrum simply has no room for libertarianism. Think of an equilateral triangle, with libertarianism at one corner, the left at a second corner and the right at the third corner. We are equally distant from both of those misbegotten political economic philosophies. No, better yet, think in terms of an isosceles triangle, with us at the top and the two of them at the bottom, indicating they have more in common with each other than with us.

    Yes, the right is slightly better than the left of economic issues, although no better than they should be.

    Der letzte Satz (right is slightly better) macht klar, warum Libertäre in dieser linken Welt mit den konservativ Rechten symphatisieren – alles nur nicht links!
    Aber die Freiheit (das Libertäre) ist eben nicht rechts sondern in einer dritten Ecke. Ich stelle mir (anders als Walter) immer einen Benz Stern vor, der oben einen längeren Strahl hat auf dessen Ende ich stehe. Das Libertäre ist der Feind aller im BT vertretenen politischen Richtungen.
    Doug Casey (DC) nennt das Libertäre eine genetische Mutation.

    Weil der Mensch intuitiv als Rudel leben will, plappert er in größter Überzeugung nach (siehe G. le Bon „Psychologie der Massen“). Er folgt der Leitidee eines „extremen“ Führers. Der kann links oder rechts sein, aber kaum liberal. [Anm: Liberal hat mit libertär nichts zu tun.]
    Ein Libertärer aber ist noch viel extremer (deswegen der verlängerte dritte Strahl)!
    Somit sind alle BT Parteien sich näher als dem Libertären.
    [Anm: CDU und SPD können koalieren, eine libertäre Partei könnte das kaum.]

    Als Libertärer kann man in Unfreiheit nicht leben. Wenn diese Unfreiheit demokratisch beschlossen wird – wie man es uns derzeit verkaufen will – mutiert der Libertäre de facto zum Verfassungsfeind. Ich rede mir deswegen ein, daß die Demokratie bereits unterlaufen wurde und mausetot ist.

    Libertäre sind einsame Menschen, die unter ihresgleichen extrem aufblühen – deswegen baute DC La Estancia de Cafayate – eine libertäre Kommune für Leute mit (zuviel) Geld.

    Es könnte sein, daß sich der Autor falsch verortet, deswegen eine pers. Bemerkung:
    Als dieser Irrsinn anfing und aller Orten alles mit Nazi belegt wurde, was nicht paßte, fiel auch ich in diesen „Nazitopf“. Ich aber bin weder national rechts noch sozial links – mein Hirn flippte schier aus und suchte verzweifelt einen Punkt zwischen rechts und links – der Mercedesstern wurde erdacht. Später schrieb Walter einen Artikel und ich erkannte mein eigenes Denkergebnis in seinem Dreieck wieder.
    Das war ein ganz besonderer Moment des „nicht mehr alleine seins“!!

    Na Franz, was denken Sie? Sind Sie nach DC ein „X-man“?
    Dafür sprächen diese Symptome:
    – Sie sind selbständig, freischaffend oder zumindest in leitender Position.
    – Sie sind ein Wechselwähler oder zumindest nie überzeugt – ein Wähler des geringsten Übels.
    – Sie haben im näheren Umfeld kaum Freunde, die Ihnen seelenverwandt scheinen.
    – Sie sind der, der eine Handlung alleine durchzieht, auch wenn alle sitzen bleiben – eben kein Mitläufer sondern ein Einzelkämpfer.

    Falls ich falsch liege, bitte vergeben Sie mir. Aber der ganze Text (besonders 3) liest sich, als lägen Sie falsch und zwar mit Ihrer eigenen (rechten) Verortung. Als gälte für Sie o.g.: „…mein Hirn flippte schier aus und suchte verzweifelt einen Punkt zwischen rechts und links…“
    Das „Abseits“ Franz, liegt aber nicht zwischen links und rechts sondern auf einem dritten Strahl – ich glaube, daß Sie auf diesem die Freiheit finden, die Sie suchen.

    Die Flucht vor links läßt Sie das Heil rechts suchen, Sie schreiben:
    „Das Gegenteil von Links ist nicht die CDU, sondern der unbedingte Wille nach geistiger Freiheit. Abseits. Rechts. Dort ist Individualismus, der Mut zum Anderssein,“
    Rechts ist der Individualismus Franz?
    Ich stelle mir immer vor: ultralinks tragen alle Arbeitskittel – ultrarechts militäische Uniformen – dazwischen (liberal) sind die „ich weiß nicht, ob ich Bauer oder Soldat sein will“.
    Individulität benötigt etwas anderes. Den dritten Strahl. Willkommen im Club!

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