Der Fonds – Rezension bei „Cashkurs“

„Cashkurs“Helmut Reinhardt rezensiert mit „Der Fonds – kein Fall für Carl Brun“ den zweiten Roman von Monika Hausammann. Auch dieses Werk ist entsprechend fiktiv geschrieben, der aufmerksame Leser wird jedoch sicherlich die ein oder andere Parallele mit der Realität ziehen können – oder vielleicht gar nicht umhin kommen. Prädikat: empfehlenswert!

Bei dem Pseudandronym Frank Jordan handelt es sich tatsächlich um einen männlichen Namen, der von der Autorin Monika Hausammann benutzt wird. Bereits im ersten Frank-Jordan-Roman mit dem Titel „Die Ministerin“ wurden die Lügen, Intrigen und Machenschaften der Politik thematisiert. Das Erstlingswerk erschien 2016 im Lichtschlag-Verlag. Nun widmet sich der zweite Roman mit dem Titel „Der Fonds – Kein Fall für Carl Brun“ den Umtrieben der Finanzbranche.

Monika Hausammann, alias Frank Jordan, geboren 1974 in der Schweiz studierte nach einer kaufmännischen Lehre Betriebswirtschaft. Es folgten berufsbegleitende Weiterbildungen im Bereich Journalismus und Public Relations. Sie arbeitete neben Studium und Schreibtätigkeit als Kellnerin in einem Schweizer Skiort, als Gärtnerin und Haussitter, als Rezeptionistin in einem namhaften Pariser Hotel sowie als freischaffende Künstlerin. Sie war als Kommunikations- und Mediaberaterin in der Schweiz tätig und lebt heute als Kolumnistin und Schriftstellerin im Südwesten Frankreichs.

Der Roman beginnt zur Einstimmung mit einigen berühmt-berüchtigten Zitaten berühmter Persönlichkeiten u.a. dem des Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker: „Wenn es ernst wird, muss man lügen.“ Und kurz darauf findet man sich schon wieder in einer Welt voller Schwindel, Lug und Betrug.

Ein Fonds mit unerschöpflicher Macht

Worum geht es? Der Protagonist Carl Brun ist mit nur Mitte vierzig dienstältester Führungsoffizier beim Schweizer Nachrichtendienst des Bundes (NDB). Der Selbstmord eines wissenschaftlichen Mitarbeiters eines weltweit operierenden Agro-Chemie-Konzerns führt Brun auf die Spur eines Schweizer Fonds.

Hierbei handelt es sich um ein Finanzvehikel namens Nukleus, das angeblich für nationale Stabilität, Souveränitätund Unabhängigkeit sorgen soll. Doch schon bald wird klar, dass Ermittlungen durch Brun und seine Leute politisch unerwünscht sind.

Im Laufe der Ermittlungen wird immer klarer, dass es sich bei dem „Fonds“ um eine Organisation handelt, die weltweit Politiker und wichtige Finanzakteure der Geldpolitik wie Puppen tanzen lassen. Unweigerlich wird man an das Zitat von Horst Seehofer erinnert: „Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.“ – Pelzig unterhält sich, 20. Mai 2010,

Anleihen aus der realen Welt?

Tatsächlich befindet sich der „Fonds“ in der Hand von nur einigen wenigen Familiensippen, die mit ihren Milliardenvermögen weltweit Einfluss auf alle Ebenen der Politik nehmen. Ziel ist die Abschaffung der Nationalstaaten und die Kontrolle über die Entscheidungen der Politik.

Die Fäden hält ein älterer Mann namens Gabriel Kolko in den Händen, der im wahren Leben an George Soros erinnert. Ähnlich wie im realen Leben zählt diese fiktive Figur zu den reichsten Menschen des Planeten und er nutzt rücksichtslos seine Macht aus, um Unordnung und Chaos zu stiften.

Dabei hilft ihm, dass er selbst und auch der Fonds Nukleus Immunität vor dem Gesetz genießen. Jede Behörde, jedes Gericht, jede Regierung ist machtlos gegenüber dem Fonds, wobei die rechtlichen Befugnisse des Fonds an die Debatten um TTIP und CETA erinnern: Nukleus selbst ist rechtlich unangreifbar, kann aber selbst Staaten und deren Regierungen jederzeit verklagen.

Paragraph 372 a und b

Eine besondere Rolle spielt der Paragraph 372 a und b im Regelwerk von Nukleus. Institutionelle Kunden und Anleger können jederzeit gezwungen werden innerhalb von sieben Tagen jede geforderte Summe bedingungslos und unwiderruflich zur Verfügung zu stellen, sobald der Aufsichtsrat eine Notwendigkeit sieht.

Des Weiteren macht der Fonds in Absatz b seine einzige Tür zur schweizerischen Gesetzgebung auf. Ein Gesetz, das fernab jeder medialen Berichterstattung verabschiedet wurde, besagt, dass die Schweizer Regierung in Absprache mit dem Aufsichtsrat und der Geschäftsleitung von Banken und Fondsgesellschaften ein nahezu vollständiges Besitz- und Handelsverbot von Edelmetallen ausrufen darf.

Fazit

Für wie fiktiv der Leser diese Story hält, bleibt ihm überlassen, doch spannend und fesselnd ist sie allemal. Monika Hausammann, alias Frank Jordan, schafft es in ihrem Roman den Leser mitzunehmen in die Welt unseres Finanzsystems, das immer unabhängiger wird beziehungsweise schon völlig losgelöst ist von demokratisch legitimierten Entscheidungen der Politik.

Sie zeigt gekonnt und mit viel Hintergrundwissen bestehende Machtstrukturen auf und als Leser ertappt man sich immer wieder dabei, wie man die fiktive Handlung mit Geschehnissen aus der realen Welt vergleicht. Der ganze Plot regt zum Mitdenken an – ohne zu überfordern oder gar große Ansprüche an das Vorwissen im Finanzbereich zu stellen.

Manchmal erscheinen gewisse Passagen zu detailverliebt und mit Adjektiven überschmückt, was das Lesevergnügen jedoch kaum schmälert. Ganz im Gegenteil ist die Symbiose von fiktiver Story und dem aktuellen internationalen finanzpolitischen Zeitgeschehen überaus spannend und verführt immer wieder dazu, tägliche Nachrichten aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

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