Die kälteste Stunde (Teil I)

Es kann befreiend sein, sich selbst etwas einzugestehen. Vor allem dann, wenn es klar und deutlich und gross vor einem steht. Zu sagen: „Hier steht ein Haus“, wo man monatelang und ums Verrecken keines sehen wollte, während man in seinem Schatten stand.

Ich weiss nicht, ob es die Gehörgang verätzenden Schalmeienklänge des Davoser Korpokratisten-Hangouts (WEF) waren, die als Auslöser fungierten, die GroKo-Horror-Selbstbefleckungs-Nummer in Deutschland oder schlicht die Einsicht im Gemüsegarten zwischen Stechschaufel und Mistgabel, dass, wo in einer Ecke übers Jahr das Unkraut stehen bleibt,  früher oder später die ganze Ecke umgegraben werden muss.

Fakt ist: ich habe mir eingestanden, dass ich Europa eine harte Landung wünsche. Eine von jener Sorte, bei der man nicht weiss, ob man gelandet oder abgeschossen worden ist. Und das bitte so rasch wie möglich. Ein plötzlicher, unvorhergesehener Crash zu unser aller Bestem. Dies aus dem einfachen Grund, dass es nur eines gibt, was schlimmer erscheinen will, als das unfallartige Aufgrundlaufen einer Gesellschaft: ihrer trägen und zähen Selbstdemontage unter der Bezeichnung „Demokratie“ und mit demselben verheerenden Resultat über Jahre und Jahrzehnte beiwohnen zu müssen. Es ist der Wunsch nach einer dunklen Stunde, um der kältesten, die bei einem Weiter-So unweigerlich eintreten wird, zu entgehen. Dunkelheit fordert keine Toten. Kälte bei schutzlosem Ausgeliefertsein umso mehr.

Grundlage dieses Eingeständnisses ist eine für jeden sichtbare und einfache Wahrheit, die heute allerdings von berufener Seite bereits als Verschwörungstheorie in die unterste Schulblade (ganz hinten rechts) des Meinungsspektrums verbannt gehört. Jene, dass Regierungen, Parlamente und ihre Verwaltungen – egal, ob gewählt oder nicht gewählt – regieren wollen. Und zwar so lange und so problemlos wie möglich. Und dass alles Staatliche und Politische immer und immer zuerst diesem einen Ziel dient. Egal, worin sich die Regierungschefs und ihre Leute rund um den Globus ansonsten unterscheiden, diesen Willen teilen sie sich: Maduro und Merkel ebenso, wie die Könige Macron und Mswati.

Die politische Weltformel, die jede Regierung sich teilt, lautet: Geldproduktion + Umverteilung + Abhängigkeit = so lange und so problemlos wie möglich an der Macht sein. Das hat zur Folge, dass Politiker, wenn sie nicht despotische Ein-Mann-Regierungen sind oder über ein diktatorisches Kein-Parteien-Systeme herrschen, sich in ihrem Handeln gegen aussen zwingend und flexibel gegen das Beste richten müssen. Ihr Massstab darf nicht Erfolg, Leistung und die Motivation der Menschen sein, danach zu streben. Zu viele wären es nämlich dann, die politische „Hilfe“ nicht nötig hätten und aus eigener Verantwortung auf eigenen Füssen stehen würden. Das Gegenteil ist also der Fall: Politik muss sich nach dem Mittelmass richten. Nach unterem Durchschnitt. Mehr noch: Unteren Durchschnitt und Schwaches künstlich erschaffen und herbeischaffen um die Notwendigkeit ihrer selbst zu rechtfertigen.

Anders ausgedrückt: Politik ist ein anderes Wort für Fehlanreiz für immer breitere Schichten der Gesellschaft. Und ein Grossteil dieser Letztereren – Menschen und ihre Unternehmungen – haben sich von diesem anreizpervertierten System ködern lassen. Im Klartext heisst das:  Sämtliche qualitativen und quantitative Werte eines Landes – mit Ausnahme staatlicher Posten und Pfründen, da geht’s nach Monnetscher Diktion straff vorwärts, aufwärts und empor – werden so lange und so flächendeckend herunterregiert und zu Boden gewählt, bis alles gleich schwach und abhängig sein wird.

Um diese Behauptung zu stützen, bedarf es des eben erwähnten Worts der „Hilfe“. Alles staatliche und politische Handeln gibt sich ja als Hilfe für irgendwen aus. Und es ist die Tragödie unserer Zeit, dass die wenigsten mehr feststellen, dass diese Hilfe in Wahrheit immer ein „Herunterwirtschaften“ bedeutet. Eine system-immanente Orientierung nach dem Schwachen.

Wenn Herr Macron festlegt, dass Discounter ihre Ware in Frankreich künftig nicht billiger verkaufen dürfen als 10 Prozent über Einstand, dann ist das nicht Wirtschaftshilfe, nicht die Stärkung und Förderung der Besten auf dem Markt (hier in Frankreich inzwischen Lidl und Aldi), sondern die Stützung des Mittelmass durch Schwächung der Besten. Wenn die Europäische Kommission bis zum Sommer wohl den sogenannten Einlagenschutz (sie haben sogar die Chuzpe, es Vollversicherung zu nennen) EDIS auf den Weg bringt, dann ist das nicht Hilfe für mehr Stabilität, nicht die Belohnung der Besten und jener, die bereits heute freiwillige Verantwortung übernommen haben, sondern es ist die Schwächung der Besten zugunsten des untersten Mittelmasses beziehungsweise des Schwächsten. Wenn die Europäische Kommission die nach Google jetzt auch Qualcomm mit einer Milliardenstrafe wegen „Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung“ belegt, so geht das in dasselbe Schema: Unter dem Deckmantel des Kartellrechts, werden Monopol und Exklusivität fröhlich vermengt, um das Mittelmass und das Schwache zu schützen und das Stärkste zu schwächen.

Nehmen Sie den pervertierten Artenschutz mit Namen „Frauenrechte“, nehmen Sie das das Bildungs-Dogma der Inklusion, nehmen Sie den ganzen Schwachsinn, der sich Genderwissenschaft nennt, nehmen Sie den Irrsinn, der unter der Bezeichnung Integration abläuft – oder nehmen sie einfach den EURO: es ist alles dasselbe. Es ist die Demontage und das  gezielte Ausschalten von Stärke zugunsten des Schwachen. Es ist das Herunterdimmen echter Vielfalt auf Monokulturniveau zugunsten einer künstlich gezüchteten Diversity, die in Wahrheit nur „alle gleich schwach“ meint.

Das ist nicht Hilfe. Hilfe ist, was einer braucht und nicht, was er und der Geber sich wünschen. Stellen Sie sich einen Heroinsüchtigen vor, der Sie um Geld anbettelt. Was tun Sie? Was der Mensch braucht, ist Freiheit von der Droge. Was er sich wünscht, ist einen Schuss. Spenden Sie ihm den, wird er sie lieben bis zum nächsten Entzug, lassen sie die Geldbörse stecken und ihn wissen, er solle mal von dem Scheiss runterkommen, wird er sie so lange und so laut verfluchen, dass Sie es noch drei Gassen weiter hören werden. So funktioniert Politik. So funktioniert Demokratie. Es geht stets und unweigerlich nur in eine Richtung: nach unten.

Das obige Beispiel kann bei jeder politischen Entscheidung wunderbar als Lackmustest dienen, um zweifelsfrei einordnen zu können ob und wem diese Entscheidungen wirklich helfen und wer sie braucht. Die Politik und die ihr Nahestehenden, oder aber die Menschen, denen sie angeblich helfen sollen. Denn: Echte Hilfe macht Wege zur Freiheit frei. Falsche Hilfe ist ein hyperaktiver Amoklauf widernatürlicher Gleichheit und erfüllt ausschliesslich Politiker- und Versagerwünsche. Echte Hilfe belohnt Leistung, falsche Hilfe belohnt Richtigwähler, fanatische Dulder und Politfinanziers.

 

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14 Gedanken zu “Die kälteste Stunde (Teil I)

  1. Wundervoller Text wie immer. Mir hilft er zur Zeit, sich um mich und meine Hilflosigkeit zu kümmern. Ist es aber ratsam, so kluge Gedanken hinter Textschwallen zu verstecken? Ich glaube das nämlich nicht. So à la Spruch: In der Kürze liegt die Würze. Na ja, wenn ich schon sonst nichts kann, meckern kann ich. 🙂

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  2. Grandiose Erkenntnis, lieber Frank Jordan, die mir neu war, aber Sie haben recht, es ist plausibel: Politiker müssen sich aus purem Egoismus (dem Selbsterhaltungs-Trieb) heraus gegen das Gute, das Funktionierende richten. Ihr Streben muss sein, andere schwach, ängstlich und also in Abhängigkeit zu halten. – Wie die Pharma-Branche: Das Schlimmste für diesen Kraken sind Medikamente, die wirklich helfen. Es gibt solche, es sind nur wenige, 1-2 Dutzend vielleicht. Valium ist eins. Wenn das Patent einer solchen Wunder-Arznei, die keine relevanten Nebenwirkungen hat, abläuft, würde die Industrie kaum noch etwas daran verdienen. Wie löst sie das Problem? Sie macht die Wunder-Droge madig, redet von Abhängigkeit usw. und behauptet, man habe etwas Besseres entwickelt. Überall das gleiche perfide Spiel.

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  3. Ein toller Artikel.
    Deckt sich zu 100% auch mit meiner größten inneren Sehnsucht.
    Dazu gibt es einen schönen Spruch:
    „Besser ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende.“
    Ich wünsche mir schon länger auch das Ende mit Schrecken, damit endlich ein Weg zu einem Neuanfang frei ist.
    Momentan läuft nämlich „Schrecken ohne Ende“ und jeden Tag wird es extremer.
    Und langsam auch einfach nur noch unerträglich.

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  4. Bravo, so ist es!

    Politiker regieren auf Krisen die sie selbst erzeugen. Das entstehen von Krisen plausibilisiert, daß sie mehr Steuern einnehmen um es in die Krisen zu pumpen. Durch das Erheben von mehr Steuern fehlt es an anderen Enden und es entstehen dort Krisen. Das plausibilisiert wiederum mehr Steuern zu erheben, und so geht das immer weiter, denn ein Politiker löst keine Krisen, sondern er verlagert sie nur.

    Irgendwann ist der Mensch dann zu Hundert Prozent seiner Leistung enteignet, und alles ist gleich gemacht. Außer der Politiker, und anderweitige Beamte, die leben von der Steuerpflicht recht üppig. Wodurch? Durch Leistung? Im Gegenteil, je mehr man als Politiker versagt, desto mehr Krisen entstehen, desto mehr Steuern werden erhoben, desto mehr werden die Leistungsträger ihrer Leistung enteignet.

    Die Leistungserbringer werden geschwächt und die, ja wie soll man sie nennen? Die Leistungsabsauger werden gestärkt. Bis zur Katharsis.

    Im Durchnitt werden heute schon etwa 70% des Einkommens Fremdverwaltet. 23% Einkommenssteuer, 40% Sozialbeiträge, plus Mehrwertsteuer auf alles was vom Rest gekauft wird. Damit hat die Politik den Menschen aus seinem Leben verdrängt. Feindliche Übernahme nennt man das wohl. Mit nur noch 30% selbst verfügbaren Anteilen an den eigenen Leistungen wird man durch die 70% immer überstimmt.

    Und wenn das System wegen Überlastung der Leistungserbringer zusammenbricht, hat die Politik dann noch ein As im Ärmel. Notstandsgesetze! Damit wird man dann zu 100% zum Spielball dieses Virus. Wir sind auf dem besten Weg dahin.

    Die Steuerpflicht ist der Ursprung dieses Lebenszerstörerischen Systems. Sie enthebt Politik und Beamtentum der Bewertung durch die Leistungsträger.

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