Mediensterben von seiner schönsten Seite

Von Michael Klonovsky

Nichts hassen die Kommissare der Buntheit mehr als individuelle Farben. Eines der auffälligsten Gewächse der hiesigen Publizistik soll nun sein Abendsonnenplätzchen am äußersten Rande der Plantage verlieren. Via twitter teilt FAZ.net mit: „Die Blogs von Don Alphonso laufen seit vielen Jahren. Jetzt wird es Zeit für Neues. Wir wollen die Blogplattform wieder stärker als Experimentierfeld für neue journalistische Formate nutzen, d.h. kreativen Ansätzen größeren Raum geben, auch häufiger neue Themen ausprobieren.“ Es seien keine neuen Formate des wahrscheinlich mit Abstand am häufigsten geklickten FAZ-Schreibers geplant, denn der war leider thematisch und mit seiner bajuwarisch-besitzbürgerlichen, bildungsstolzen Attitüde ein Pfahl im Fleische eines unter falscher Flagge segelnden merkelfromm-grünsozialistischen, jeder Art Diversity entgegenseufzenden, antisexistischen Tendenzmediums. (Das gefinkelte Marketing-Deutsch kenne ich übrigens gut von den überzähligen Hochbegabten, die sich in den Wasserkopfetagen des Burda-Verlags gegenseitig Tortengrafiken und Flipcharts zeigen.)

Die FAZ entledigt sich eines elitären Störenfrieds und verkauft diesen Niveausturz als Renovierung. All das kennt man zur Genüge. Worauf die „Zeitung für Deutschland“ mit ihren fortwährenden Kniefällen vor Merkel und den Systemparteien hinauswill, habe ich mehrfach thematisiert: Wenn diese Gazetten pleite sind, was in absehbarer Zeit der Fall sein wird, wollen sie wie die Öffentlich-Rechtlichen auch staatlich alimentiert werden dürfen. Außer dem üblichen Schwarmverhalten dieses charakterlich schnell seine Grenzen touchierenden Berufsstandes kenne ich zumindest kein belastbareres Motiv. Allzu „kreative“ Autoren stören dabei eher. Gehen wir davon aus, dass es sich um ein weiteres Symptom eines Verfallsprozesses handelt, der von einem Leser dieses Diariums mit den Worten „Mediensterben von seiner schönsten Seite“ diagnostisch zufriedenstellend fixiert wurde.

PS: Eine Erklärung, warum es zu dieser Trennung kam, die ein, sagen wir: kultur- und mentalitätsgeschichtliches Unverhältnis beendet, liefert der Don selbst. Er illustriert die schöne Bemerkung von Gómez Dávila, es sei geradezu angenehm, einen Progressisten über Politik reden zu hören, wenn man sich vorher seine Ansichten über Kunst habe anhören müssen.

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Website von Michael Klonovsky erschienen. Danke für die die Möglichkeit, ihn auf FRANKJORDAN zweitpublizieren zu dürfen. 

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