Kämpfen als risikoloser verbaler Einsatz am internationalen Frauen-Kampftag

Ein Kommentar von Josef Hueber

Ein Tag wie jeder andere soll er sicher nicht sein, der“ Internationale Frauentag oder  Frauenkampftag“ ( Wikipedia). Gefeiert wird er am 8. März.

Feiern heißt Akzente setzen und etwas für wichtig erachten. Und außerdem etwas ins Blickfeld zu rücken und dessen besondere Bedeutung bewusst zu machen.

Da gibt es beispielsweise den Tag des Kusses. Wie wichtig er war und immer noch ist, wurde in der von Max Raabe überzeugend dargelegten musikalischen  Produktion  ins Bewusstsein gerufen. Er komponierte ein melodisch charmantes und argumentativ unwiderlegbares Lied mit dem schmatzigen Titel “ Küssen kann man nicht alleine, denn dazu – brauch‘ ich einen andern Mund.“ (https://youtu.be/UACBbjAGcW4)

Einfach küssen? Das wäre zu simpel gedacht. Kann schließlich – scheinbar- jeder, weil man das schon ab Babystatus mit Papa und Mama geübt hat. Mit zunehmendem Alter hört sich dieses Geplänkel mit  Familienmitgliedern 1. und 2. Ordnung natürlich auf. Dann beginnt,  bei manchen früher, bei manchen später, bei manchen überhaupt nicht , allmählich  die Suche nach Expertise in dieser von der Evolution listig eingesetzten Gesichtsübung, um den Fortbestand der Art nachhaltig zu garantieren.

Und zur Steigerung des Bedarfs an diesem Produkt  braucht es, gewissermaßen als Marketing -Trick, einen Tag des Kusses. Weswegen man alljährlich am 6. Juli an nichts anderes als ans Küssen denken sollte. Zentrale Fragen, die im Rahmen der brisanten Thematik  immer wieder neu und, mit einem Update versehen, beantwortet werden, lauten etwa: “ Wie küssen eigentlich andere Menschen? Welche Arten von Küssen gibt es und was ist eigentlich so toll am Küssen? Alles Wissenswerte zu Schmatzern, Bussis“. ( https://magazin.amorelie.de/internationaler-tag-des-kusses/)

Die wissenschaftlichen Aspekte des gesundheitsfördernden oder auch gesundheitsgefährdenden Bakterienaustausches dürfen hier natürlich nicht außen vor bleiben. Unter Berücksichtigung des gegenwärtigen Schlankheitswahns sei ein wichtiges Ergebnis von Forschung: „Bei einem leidenschaftlichen Kuss werden pro Minute etwa 20 Kalorien verbrannt.“ ( URL wie oben)

Die im Anschluss an diese Präambel verbrauchten Kalorien wurden leider noch nicht wissenschaftlich ermittelt. Für ein Forschungsprojekt zur Beantwortung dieser Frage müsste man vielleicht endlich einmal etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Da wird sich doch wohl ein Ministeramt dafür finden lassen, in das diese Aufgabe integriert wird. Barbara Hendricks könntet  als geeignete Person angedacht werden. Oder vielleicht Claudia Roth?  Mutti Merkel würde sich zwar – optisch- genauso dafür eignen, doch ist sie zu beschäftigt mit anderen,  Deutschland vernichtenden Tätigkeiten.

„Warum in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah?“  An diesen Slogan  einer großen Papierfabrik in meinem kleinen  Heimatort erinnere ich mich. Was das Ganze mit der Herstellung von Papier zu tun hat, konnte ich als Kind und kann ich heute als Erwachsener nicht sagen. Aber es ist mir eine Richtschnur, wenn ich solche grandiosen,  gutmenschlichen Veranstaltungen wie den Internationalen Frauentag vor Ort mal in die Zange nehme. Je  weiter entfernt nämlich Unrecht im Vollzug ist, desto tapferer lässt sich dagegen kämpfen. Man erwirbt sich dadurch sozusagen eine Tapferkeitsmedaille für risikolosen verbalen Einsatz gegen das in sicherer Distanz wütende, aktive Böse.

Mein mir lieb gewordener Wohnort  E. , obwohl nicht mehr als 13.000 Einwohner, lässt sich nicht lumpen, was den Beitrag zum Welt- Kampf -Frauentag betrifft. Ein  Höhepunkt der Veranstaltungen ist eine Ausstellung des bekannten Fotografen Andy Pyra. Er „hatte dort mit Frauen (aus Nigeria)  gesprochen, die aus der Gefangenschaft der Boko Haram-Terroristen flüchten konnten.“

Eine Nachfrage bei Google ergibt, dass Nigeria von Deutschland etwa 6500 km entfernt ist.

Sachte, lieber Kritiker! Ich habe nicht gesagt, dass es völlig belanglos ist, was weit entfernt auf der Welt passiert. Es handelt sich hier fürwahr nicht um ein Fahrrad, das irgendwo in China umgefallen ist. Doch die jedem, auch dem Gutmenschen eingewachsene Haltung, dass das Hemd näher ist als die Hose, hat noch kein glaubwürdiger Psychologe widerlegen können (Ausnahmen von der Regel sind Märtyrer.). Das ist nicht krude Neandertalerpsychologie, sondern legitim verfolgtes Eigeninteresse.

Also kümmern wir uns doch zunächst um die Unterdrückung der Frau, wo sie augenscheinlich, d.h. vor unseren Augen, stattfindet. Wenigstens am Weltfrauentag. Der ja in der synonymen Bezeichnung auch als Kampftag angesehen wird.

Hier  ein paar Gemeinplätze, die  ausreichend Anlass wären, um sich für die Rechte der erkennbar unterdrückten Frauen in Deutschland stark zu machen an einem solchen Gedenk-Tag. Es geht hier nicht um die dem Ei der Pseudo- Emanzipation noch nicht entschlüpften Quoten- Frauen. Es geht um die vielen, die unter schwarzen Schleiern in ihrer Weiblichkeit eingeschlossen sind, die sehen, wie andere Frauen sich hübsch machen und Komplimente entgegennehmen dürfen, ohne dass sie gleich als  Schlampen angesehen werden. Die, auch wenn sie verheiratet sind, einen harmlosen Flirt mit einem netten anderen Mann nicht gleich  mit Prügeln oder dem Tod bezahlen.

Ich habe im Programmheft zum hiesigen Frauentag keine Veranstaltung gefunden, welche die Thematik „Die Frau im Islam“ behandelt und zu der die vielen Muslima in unserem kleinen E. eingeladen wurden.

Vermutlich deswegen, weil eine solche Veranstaltung nur von einem Rassisten hätte geleitet werden können, dem sehr schnell, gemäß den Gepflogenheiten in unserer bunten Kulturlandschaft, gezeigt worden wäre, „wo der Barthel den Most holt“.

 

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2 Gedanken zu “Kämpfen als risikoloser verbaler Einsatz am internationalen Frauen-Kampftag

  1. In diesem Sinne hätte ich mir eine Katjes-Werbung gewünscht, wo die rosa Kopftuchfrau – naja es ist halt Werbung – Katjes isst UND danach sofort das Kopftuch im hohen Bogen wegwirft. Das wäre eine Botschaft gewesen: Im Westen ankommen, Katjes essen (nun, lassen wir der Firma den Spaß, die muss schließlich Gewinn machen) und das Kopftuch wegwerfen, am besten ins Feuer damit.

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