Der Gendarm und der Attentäter

Vor ein paar Tagen würdigte der französische Philosoph und Politiker François-Xavier Bellamy in einer Kolumne in „Le Figaro“ das von lieutnant-colonel Arnaud Beltrame anlässlich des Attentats von Trèbes gebrachte Opfer, indem er es reinwusch vom sentimentalen Wust verkaufsfördernder medialer Mittelmässigkeit und die Leserschaft aufforderte, es zum Anlass zu nehmen, sich zusammenzureissen.

Arnaud Beltrames Handlung, schrieb er, sei nicht eine spontane gewesen. Kein Akt unreflektierter Herzensgüte. Nicht der Impuls eines Moments. Seine Tat vielmehr der Endpunkt einer persönlichen Reise, die endgültige und vollständige Einhaltung von Prinzipien, für die er sich freiwillig und längst entschieden hatte.

Oder anders gesagt: Seine gesamte berufliche Laufbahn kann als Vorbereitung auf diesen Moment verstanden werden. Diese Tatsache schmälert das echt Heldenhafte seiner Tat in keiner Weise. Im Gegenteil – sie unterstreicht es.

Was Bellamy nicht schreibt, ist, dass genau dasselbe auch für den Attentäter gilt. Es ist wohl möglich, dass er sich kurzfristig zu der Tat entschieden hat. Aber spontan im Sinn eines „acte gratuit“, einer willkürlichen, sinn- und motivationslosen Handlung, war sie nicht. Auch sie ist das Ende einer Reise und die absolute Einhaltung von Prinzipien. Jenen des Islam.

Die Ausbildung, die Muslime im Moment ihrer Geburt antreten – gemäss Islam antreten müssen -, ist jene des Hasses, der Verachtung Ungläubiger, des eigenen Opferseins. Das sage nicht ich. Das schreiben Journalisten muslimischer Länder wie beispielsweise Ghassan Charbel in der Zeitung Al-Hayat: „Kinder verlassen unsere Schulen mit kranken Vorstellungen und unbeugsamen Emotionen. Wir sind wirklich gescheitert!“ Und weiter: „Die einzige Lösung für uns ist, unser Versagen zuzugeben, dieses umfassende und eklatante Scheitern, diesen schrecklichen Zusammenbruch.“ Zerstörung und Angst zu verbreiten unter den Menschen, die sie hassen und verachten, sei ein direkter Ausfluss der Prinzipien des Islam. Der Attentäter hat also getan, was jeder gute Muslim dem Koran gehorchend tun darf: Kuffar „umbringen, hassen, bestrafen, vergewaltigen, versklaven, verspotten, enthaupten, foltern, beleidigen, verdammen, täuschen, bestehlen, entführen und erniedrigen“ (Ismail Tipi).

Anstatt also Akte bestialischer Gewalt und Täter gleichermassen zu psychologisieren wie das heute der Fall ist, sollte man sich wirklich zusammenreissen und darauf beschränken, die Dinge zu benennen als das, was sie sind.

Beltrame ist ein Held, ohne Zweifel. Aber er hat seinen Job gemacht. Genauso wie der Attentäter. Darüber sollte diskutiert werden.

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5 Gedanken zu “Der Gendarm und der Attentäter

  1. Es erreichen mich zu diesem Artikel Mails, die klar machen, dass er das Potential zu grossem Missverständnis in sich trägt. Zur Verdeutlichung: Hier wird nicht verglichen. Weder zwei Männer, noch ihre Taten. Daher wird der Attentäter auch nicht bei seinem Namen genannt. Der Artikel stellt gegenüber. Das Prinzip der Freiheit und seine Verteidigung durch Beltrame bis zur letzten Konsequenz hier – das Prinzip von Hass und Gewalt und sein Ausfluss bis zur letzten Konsequenz da. Beltrames Tat fordert eine Entscheidung, Arbeit, jahrelange Ausbildung. Aber auch der Täter ist nicht einfach eines Morgens aufgewacht und hat plötzlich Ungläubige gehasst und verachtet. Alle medialen und politischen Erklärungsversuche, warum er zur Tat geschritten ist, warum ein Mensch sowas tut, zielen daneben, wenn sie nicht auszusprechen wagen, dass auch dieses Handeln das Resultat jahrelanger „Ausbildung“ war. Die Frage ist, ob ein Häufchen Gendarmen und Sicherheitskräfte, die bereit sind, dafür zu sterben, dass andere in Freiheit leben können, reicht, gegenüber von Millionen von Muslimen, die zumindest durch ihr Schweigen signalisieren, dass die bestialische Tat ihnen nicht gegen den Strich geht. Die Frage ist: Was ist UNSERE eigene Ausbildung in dieser Sache. Was sind unsere Prinzipien und was ist ihre Konsequenz in unserem Leben. Was haben wir der Wirklichkeit dieses Hasses entgegenzustellen? Besser: Was habe ich dem entgegenzustellen?

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    • Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben als selbst das zu tun was nötig ist: die Seinigen (falls man denn welche hat) als auch unsere Prinzipien (wieder: falls man denn wirklich welche hat) zu verteidigen, wenn nötig, bis zur letzten Konsequenz. Lieutenant colonel Beltrame, mon plus profond respect.

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  2. SOLLTE, darf aber nicht! Das möchten jene unterbinden, die auch diesseits des Mittelmeers, Scheitern und Versagen auf ganzer Linie verursachten und sich nun gegen jedwede Vernunft wehren. Wenn jensets des Meeres die Erziehung nach der Maxime eines dubiosen Religionstifters die zur faschistischen Ideologie mutierte stattdindet, so sind es dieseits die Fülle eines Schatzes an Lehren und Aufklärung, die unser Handeln beeinflussen. Sogesehen war Beltrames Einsatz u.a. Voltaire und Kant geschuldet, welch edle Motivation!

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  3. PS Allerdings wird man mit diesen Idealen auf Dauer nicht der asymmetrischen Kriegsführung Herr werden; wie jüngst in Leipzig gesehen, wo ein infamer Syrer Feuer legte und den Hauseingang verbarrikadierte um mehrere Familien die dort schon länger lebten zu verbrennen. Gegen solch feiges Vorgehen ist man Machtlos, solang man ungefiltert sein Land Eindringlingen preisgibt! Haupsache es wird kontrolliert, ob Angler eine eigens dafür ausgestellte Erlaubnis besitzen, kein Wunder, dass Schildbürger aus Deutschland kommen.

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