Hoffnung fällt aus

Viele sind der Überzeugung, dass eine Art „Erwachen der Gesellschaft“ im Gang sei, ein Umdenken, ein Zurückschwingen des Pendels. Ich glaube nicht an die Nachhaltigkeit dieser neuen Kritik-Kultur.

Vielmehr bin ich der Überzeugung, dass hier bei uns nichts mehr zu retten ist. Dass auf dem Fundament unserer aktuellen Gesellschaft keine neue Kultur aufgebaut oder eine kulturelle Erneuerung stattfinden kann. Dies aus dem einfachen Grund, dass dieses Fundament über die letzten fünf Dekaden abgetragen wurde. Da ist schlicht und ergreifend nichts mehr, auf dem aufgebaut werden könnte. Auch die aufrichtigsten Kritiker kratzen meist nur an einer Oberfläche, die so glatt und schlüpfrig ist, dass man jederzeit darauf ausrutschen und ins buchstäblich Leere fallen kann.

„Wir“ sind in jeder Beziehung arm geworden: Verteufeln das (vernünftige, da politisch legitimierte und gewollte) Fordern ausländischer Glückssuchender, während das eigene Fordern vieler selbstverständlich als Karriereoption und Menschenrecht zu gelten hat. Gefallen uns in anti-religiöser Vernunftspose und glauben ohne mit der Wimper zu zucken an die Allweisheit staatlicher Entitäten und Institutionen, an Geldwert-,Börsen- und Klimaprognosen, an kollektivistische Gerechtigkeits-Ideen und an abstruse relativistische Theorien. Schwafeln von freiheitlicher Gesellschaft und glauben, andere seien dafür zuständig. Wollen Geld und Status aber bitte ohne Anstrengung und ohne Verantwortung.

Es ist das Bild einer bequemem, selbstzufriedenen, gierigen und sich ihn ihren „Rechten“ und Ansprüchen masslos überschätzenden Gesellschaft. Jene, die noch leisten und das Ganze finanzieren, werden immer weniger. Von denen, die sich interessieren – für die Grundlagen von Freiheit und Wohlstand – ganz zu schweigen. „Wir“ sind – von Funktionären gelenkt und von Fehlanreizen irregeführt – zu einer voraufklärerischen und obrigkeitsgläubigen Bande lebenslang pubertierender  Leistungsverweigerern regrediert, die sich hinter schönen Begriffen wie Gerechtigkeit, Chancengleichheit, sozialem Frieden und Diversität versteckt. Ich nenne das nicht Leben und nicht Freiheit, sondern Existenz auf Salatschleuder-Niveau. Und ich bin überzeugt, dass erst dann, wenn die Grundlagen des Wohlstands (Leistungswille, Freiheit, Geldwert, Privateigentum, Recht) vernichtet sind, etwas Neues und Starkes entstehen kann. Weil erst dann kranke Ideen von kollektiver Verantwortung (aka Verantwortung der anderen) hinweggefegt und den existentiellen Fragen Platz eingeräumt werden wird. Also finanzieller Crash, Krieg oder andere Gross-Krise.

Langer Rede kurzer Sinn: „Wir“ – sprich: ein Grossteil dessen, was sich Gesellschaft nennt –  kriegt den Hintern längst nicht mehr hoch. Nicht für intellektuelle, nicht für wirtschaftliche und auch nicht für kulturelle Leistung. Was es gibt, ist ein geduldeter und gelenkter Abklatsch dessen, was Lernen, Erschaffen und Aufbauen bedeuten könnten. Ich glaube nicht, dass Millionen von Menschen, die es vorziehen, sich zurückzulehnen, zu neiden, zu klagen und zu fordern, anstatt auf die eigenen Beine zu kommen und anzupacken, eine grosse Zukunft vor sich haben. Sie haben sie auch gar nicht verdient.

 

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4 Gedanken zu “Hoffnung fällt aus

  1. Genau. Deshalb ist jedem Leistungsträger zu raten, sich einen besseren Ort in der Welt zu suchen, wie es viele ja auch schon tun. Die klugen Köpfe der Welt machen sowieso schon einen Bogen um dieses Land. Diese mit einem Einwanderungsgesetz anzulocken, ist eine der vielen realitätsfremden Einschätzungen unserer Politschauspieler. Traurig, daß einem so die Heimat genommen wird.

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  2. Wenn ich mir das Verhalten meiner unmittelbaren Mitmenschen anschaue, egal ob Arbeitskollegen, oder auch Freunde und Bekannte, dann muss ich Dir wohl leider Recht geben.
    Von insgesamt ca. 700 Mitarbeitern, von denen ich ca. 40 inzwischen näher kenne, könnte ich jetzt gerade Mal zwei nennen, die Aufgewacht sind.
    Im Freundeskreis sind es vier.
    Der komplette Rest, inklusive Vorgesetzter und Geschäftsführer sind Alle der Ansicht, dass doch Alles gut ist und bekommen leuchtende Augen bei so irrsinnig wichtigen Themen wie Fußball und Autos.
    Ich habe die Hoffnung leider inzwischen auch fast begraben.
    Die meisten lernen leider erst, wenn diese selber betroffen sind.
    Aber das scheint Tiefenpsychologisch in den meisten Menschen zu stecken.
    Ist vielleicht auch ein Schutzmechanismus, wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand steckt.
    Das Bild von den berühmten drei Affen ist doch auch schon sehr alt.
    Es wird leider erst komplett zusammenbrechen müssen, damit dann wieder was Neues aufgebaut werden kann.
    Würde man jetzt schwarzmalen, könnte man sagen:“Es ist Zeit für einen Krieg“
    Schade.

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  3. „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht!“ Leider muss ich Ihnen recht geben. Ich selbst bin auch der Meinung, dass für ein wirklich zivilisierte Gesellschaft, die wirklich frei ist und in der sich Leistung wirklich lohnt, ein totaler Crash unausweichlich ist. Jedenfalls hoffe ich sehr, dass das vermutlich auslösende Ereignis, ob nun nah oder fern, ein Währungscrash bzw. umfassender Staatsbankrott, wenigstens der EU, statt einem großen Krieg sein wird.
    Erst wenn man wirklich nichts, aber auch gar nichts mehr beim anderen holen kann, besinnen sich die Menschen auf sich selbst, um ihr Glück vielleicht doch mit den eigenen Händen zu erschaffen. Gerade die Millionenheere unproduktiver Staatsgünstlinge machen doch einen glimpflichen Wandel unmöglich.
    Wegen dieser düsteren Aussichten, halte ich den Aufbau und die Sicherung des eigenen Vermögens für besonders wichtig, um nicht eines Tages einer derjenigen (wenigen) Vernünftigen zu sein, die wegen der Dummheit der Masse dann auch von Vorne anfangen müssen.

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