Sind wir ein Volk? Und wenn ja: welches?

Es ist wieder viel vom „Volk“ die Rede. Bei den Leuten ebenso, wie bei Politikern. Bei Letzteren, so ist zu vermuten, ist die Verwendung dieses oder ähnlicher Begriffe Masche. Ein schönes Beispiel für die Behauptung liefert Emmanuel Macron.

„Überall in der Welt tritt die tiefe Identität der Völker wieder zutage. Das ist eine Tatsache. Diejenigen, die an das Aufkommen eines globalisierten von der Geschichte befreiten Volkes glaubten, haben sich zutiefst geirrt. Überall auf der Welt besinnen sich die Völker auf ihre Grundsubstanz, und zwar von Indien nach Ungarn, über Griechenland in die Vereinigten Staaten. (…) Das ist eine gute Sache. Das glaube ich.“ So sprach der französische Präsident zu seinem „Volk“. Keine 36 Stunden später vor dänischen Studenten dann: „Der echte Däne existiert nicht. Er ist bereits Europäer. Sogar seine Sprache ist eigentlich nicht das Dänische, sonder die europäische Sprache. Dasselbe gilt für die Franzosen.“

Die Annahme ist nicht abwegig, dass der Begriff „Volk“, wird er von einem Politiker genutzt oder von jemandem, der es werden möchte, bloss ein Marketing-Instrument  ist, das sorgfältig und präzise auf die jeweilige Zielgruppe abgestimmt wird. Mehr nicht. Wer etwas anderes glauben möchte, dem sei es belassen. Es bleibt Glaube. Frommer Wunsch.

Was ist nun mit den Leuten?  Auch hier ist wieder vermehrt vom Volk die Rede. Was ist gemeint damit? Wonach sehnt man sich, was will man, wenn man das „Volk“ heraufbeschwört? Ist das Staatsvolk gemeint oder die Gemeinschaft? Die Gesamtheit der Individuen im Rahmen gemeinsamer Grenzen und gemeinsamen Rechts, wo Zugehörigkeit zu Ethnien und Gruppen keine Rolle spielen? Oder ist der historisch gewachsene und zusammengeschweisste „Haufen“ von Verbundenheiten, Verwandtschaften und Beziehungen gemeint, zu dem man ebenso gehört, wie er auch einem selbst gehört?

Ersteres ist im Grunde und vereinfacht gesagt eine rein technische Angelegenheit. Im Prinzip wäre es ein sauberer Deal: „Unsere Gesetze, unsere Grenzen – deine Möglichkeiten.“ Fertig. Mehr gibt es nicht. Weniger auch nicht. Dieser Deal gilt nicht mehr mehr, seit der Transformation des Staatsvolks in ein Wohlfahrts-Staatsvolk. Der Same zum Wohlfahrts-Welt-Volk, in das man die Völker heute zu transformieren versucht, war darin bereits enthalten. Was ist also gewünscht, sofern im Rahmen der grassierenden „Volksretorik“ das Staatsvolk gemeint ist? Der saubere Deal oder das Wohlfahrts-Staatsvolk, in dem ein grosser Teil der Individuen staatlich organisiert auf Kosten des Rests lebt? Es ist anzunehmen, dass Letzteres der Fall ist. Hier also von „Volk“ zu sprechen ist Hohn. Man ist dann bestenfalls einer Gruppe zugehörig. Wie bei den Ratten auch.

Was ist nun aber mit dem anderen Volksbegriff? Mit dem, der die zusammengeschweisste Gemeinschaft meint? Was braucht es, um ein solcher Stamm zu sein oder wieder zu werden. Und sind wir als Wohlfahrts-Staatsvölker überhaupt in der Lage dazu? Ich glaube nicht. Warum.

Weil wir Gott abgeschafft haben. Den Gott der Bibel, nicht den Gott der Kirchen. Sie lachen? Darüber seien wir seit 300 Jahren hinweg, sagen Sie? Wir seien – Gott sei Dank! – befreit von der Notwendigkeit einer geistlichen Knechtschaft? Schliesslich hätten wir die Aufklärung, den Humanismus? Die Logik habe gesiegt, die göttlichen Gebote seien in besserer Form in Gesetze gegossen? Das mag alles seine Gültigkeit haben. Aber diese Argumentation unterschlägt, dass wir durch die Abschaffung Gottes und seinen Ersatz durch die Vernunft auch das abgeschafft haben, was uns ausserhalb der natürlichen Familie Grund gab und uns befähigte ein Volk im Sinn einer zusammengeschweissten Einheit zu sein: Gleichheit, Nächstenliebe, Opfer. Ohne dies, kein Volk.

Grundsätzlich gilt: Die Aufklärung war – mit gutem Grund – kirchenfeindlich. Sie war indes nie christenfeindlich. Im Gegenteil: Die Würde des Menschen, wie die Aufklärung sie versteht, hat ihre Wurzeln in der wesenhaften Ebenbildschaft des Menschen mit Gott und wäre ohne sie nicht denkbar gewesen. Dasselbe gilt für die Gleichheit des Menschen in Gott. Jeder Mensch, als Ebenbild Gottes konzipiert, hatte als Kind Gottes sowohl die gleichen Rechte von Gott, als auch, als Diener Gottes, dieselben Pflichten vor Gott. Einen weiter gefassten Gleichheitsbegriff gab es nicht. Denn er wäre unsinnig gewesen auf dieser Grundlage. Und er ist es auch heute noch und dient bloss der Maskerade einer organisierten Selbstsucht.

Diese Gleichheit war die Basis, die Grundsubstanz eines „Volkes“. Das, was alles andere zusammenhielt. Es war die Grundlage der Achtung des Menschen vor dem anderen. Ungeachtet seines Wissens oder Könnens. Man achtete im anderen Gott und nicht seine Eigenschaften. Man achtete den Mensch als etwas über diesen Eigenschaften Stehendes, das ihn weit über die Kläglichkeit eines materialistischen Gleichheitsbegriffs hinaus hob. Auf dieser höheren Ebene war man Familie.

Dasselbe gilt für die Nächstenliebe, für die Opferbereitschaft, für die Demut. Wer sich in tätiger Hilfe für den anderen, besser: für den Bruder engagierte, seine Zeit, seinen Besitz oder sogar sein Leben hingab, diente Gott. Aber weder gab ihm solches das Recht, sich über den anderen zu erheben, noch wurde jener, dem geholfen wurde in die Ketten von Dankbarkeit und Schuldigkeiten gelegt. Es war selbstverständlich. Es war Familie. Man war es nicht zuerst dem anderen schuldig, zu helfen, sondern sich selbst als Kind Gottes. Also Gott. Der Mensch in diesem Verständnis war von Gott teuer erkauft und niemand erwartete, dass für die diesseitige Bruderschaft anderes gelten könnte.

Es gab und gibt auch andere Bruderschaften. Man denke wie erwähnt an die natürliche der Familie, an die Kameradschaft innerhalb militärischer Einheiten, an Sportlergemeinschaften. Gemeinsam ist ihnen allen das Höhere, das, was über den Einzelnen hinausgeht, das gemeinsame Ziel. Im Deltaclub, in dem ich viele Jahre aktives Mitlied war, war dieses Höhere die Liebe zur Fliegerei, die Fliegerei selber. Aber wenn ich das so sage, drückt das mitnichten alles aus, was uns verband und mit grosser Wahrscheinlichkeit für den Rest des Lebens verbindet. Denn auch hier ist die Grundsubstanz der Einheit teuer erkauft: Durch Verantwortung für sich und die anderen, durch Sorge um den anderen, durch Dienst am anderen: kurz durch den Willen, als Gemeinschaft zu bestehen und als Einheit zu überleben. Keinen zu verlieren. Es gibt nichts Schrecklicheres, als in der Landezone als erstes die Worte: „X ist tot“ zu hören. Natürlich bin nicht ich schlecht gestartet, sondern X. Natürlich habe nicht ich meinen Flügel nicht sauber gecheckt, sondern X. Natürlich habe nicht ich falsch reagiert. Und trotzdem fühle ich mich mitschuldig. Weil ich im Sinn dessen, was uns verbindet, Verantwortung trage für uns als Einheit. Ich habe es oft erlebt. Und es ging jedem so. Darüber zu sprechen war ganz unnötig. Wir waren gescheitert. Aber es bedeutete auch: Wir waren noch stärker zusammengeschweisst, wir würden noch mehr acht geben, noch mehr Sorge tragen, noch mehr aufpassen. Und die Gemeinschaft wurde dadurch noch stärker. Denn es konnte jedem passieren. Und keinem wäre es in den Sinn gekommen, sich über jenen zu erheben, den es diesmal getroffen hatte. Auch hier also: Nächstenliebe, Gleichheit, Opfer. Der Unterschied: hier eine verschworene Gemeinschaft von 50 „Nasen“, dort ein Millionenvolk.

Nun kann man sagen, das sei alles gut und recht, aber auch ohne einen gemeinsamen Glauben an einen gemeinsamen Gott zu haben. Ohne das ständige Bewusstsein um die wesenshafte Ebenbildschaft meiner selbst und der anderen mit Gott. Vielleicht stimmt das. Aber es bleibt die Frage: Womit geht es dann. Und warum schaffen wir es nicht? Warum sind wir dieser schnatternde, pfeifende, scharrende Nagertupp und „Familie“ nur in Parolen?

Weil Wohlfahrtsstaat und Gesellschaft einvernehmlich den Gott gegenüber verantwortlichen Menschen durch das allen anderen gegenüber berechtigte Individuum ersetzt haben. Und das ist das Gegenteil von „Volk“. Es verhindert eine eingeschworene Gemeinschaft von Gleichen im Rahmen eines Höheren von Anfang an. Denn das Höchste sind andere Menschen – jene, die das Geld verteilen. Der Staat also. Die Folge ist permanenter Kampf jedes Einzelnen um Gunst und Geld dieses Staats, beziehungsweise gegen die anderen. Dieser Kampf macht nicht nur eine Gemeinschaft als Volk unmöglich, sondern zerstört seit Jahren auch jede andere kleinere Gemeinschaft wie die natürliche Familie, Vereine und so weiter.

Wem das dient, liegt auf der Hand. Und dass die einwandernden Millionen uns in dieser Beziehung massiv überlegen sind, auch.

3 Gedanken zu “Sind wir ein Volk? Und wenn ja: welches?

  1. Voelker kann man durchaus genetisch unterscheiden, mit den Haplogruppen. Wenn man die grossen Unterschiede in der Verteilung der maennlichen und weiblichen Hapolgruppen anschaut, kann man zu dem Schluss kommen, dass sich diese Gruppen durch die sexuelle Selektion der Frauen gebildet haben. Der Wohlfahrsstaat aendert die sexuelle Selektion, weil Frauen nicht mehr auf den wirtschaftlichen Erfolg des ausgewaehlten Mannes angewiesen sind. Sie koennen alle Maenner des Staates finanziell in Anspruch nehmen.

    Schwer zu sagen, wann die Ueberlappung von Staatsvolk und genetisch aehnlichem Volk ausser Balance ist. Mit ca. 30% Menschen mit Migrationshintergrund in der BRD, die sich mit den Bio-Deutschen genetisch kaum vermischen, ist diese Grenze sicherlich ueberschritten.

    Gefällt 1 Person

  2. Ich habe ein Problem mit dem Wort Volk – nicht weil ich es nicht mag sondern weil ich so einfach keines erkenne. Volk braucht BINDUNG, GEMEINSAMKEIT, TRADITION.

    Da, wo ich herkomme, waren Eltern, die sich nicht liebten. Die wiederum kamen aus Familien voller Neidern. Mein Geschwister heiratete den dümmsten Menschen und stieg sozial ab. Ich kämpfte mich nach oben und bekam dann ebenfalls Sozialneid vor den Latz. Ich heiratete eine wunderbare Frau, deren Eltern als gute Katholen dem Protestanten chancenlos die Hölle heiß machten und erklärten, daß die Ehe ja ungültig vor Gott sei…
    Und das war die Familie!

    Da, wo ich herkomme, wurde man etwas normales. Wer meinte sich sich weiter als andere bilden zu müssen, mußte fort. Mit dieser Weiterbildung gings dann noch viel weiter weg.
    Und das war der Werdeweg!

    Volk braucht BINDUNG – und ich bin frei davon. Naja fast, denn was mir extrem fehlen kann, ist Muttersprache. Klar kann ich über Internet Heino hören, aber der reagiert nicht auf mich. Einen alten Freund zu besuchen, der etwas normales in der Heimat wurde, ist hingegen wie gedüngt werden – ich bekomme dann etwas, was ich ewiglich nicht hatte.
    Mit den Menschen in meiner Heimatregion verbindet mich sicher mehr als Sprache, aber das mag auch nur Nostalgie sein, die mir einen Streich spielt, bis auf, wenn ich in den Dialekt meiner Heimat verfalle.
    Es gibt zwei Regionen in denen mein Humor/ meine Art nicht ankam; subsahara Afrika und das Rheinland. Die einen sollten von meinem Volk sein, oder?
    Volk ist ein wahrlich schwieriger Begriff!
    Wenn ich in Peru wäre, verstände ich alle um mich herum. Ich könnte dies ausdehnen; von Feuerland bis Grenze zu Kanada verstehe ich alle – jeden einzelnen. In deutschen Großstädten verstehe ich gefühlt jeden dritten.
    Und das war die Sprache!

    Aber es gibt ja auch das Denken – verstehe ich Deinen Standpunkt / Deine Argumentation / Dein Handeln?
    Die Ungarn verstehe ich alle! Die Deutschen zu 90% nicht.
    Wenn Du die Wahl hast in eine Krise zu rauschen mit Leuten die reden wie Du oder denken wie Du, wie ist dann Deine Entscheidung? Mit welchen möchtest Du leben? Welchem Volk würdest Du Dich eher anvertrauen / anschließen wollen? Einem suizidalen oder einem kämpferischen? Und hier greift das Libertäre, denn ich könnte auch sagen „einem unfreien oder einem freien“.
    Volk…

    Ich bin nicht stolz Deutscher zu sein, weil ich dazu nichts leisten mußte, aber bin ich froh? Und nun kommts: Bin ich als Deutscher im Ausland, bin ich ein geachteter Mann. Hätte ich ein Geschäft müßte ich nur dran schreiben „Deutsches Management“ und die Hütte wäre voll – egal ob ich Knackwurst in Kolumbien produzierte oder in Mali Autos reparierte. Ja, ich bin froh Deutscher zu sein! Draußen!! In Deutschland bin ich es nicht, denn dort ist meine Nationalität ein Fluch! Genau dort, wo mein Volk sein soll.

    Wir wissen, daß man nicht offene Grenzen und Sozialstaat haben kann. Man muß sich entscheiden. Als Libertärer müßte ich offene Grenzen gutheißen, aber da stoße ich an meine Überzeugungsgrenzen – denn der Zuwanderer muß Nutzen bringen, tut er das nicht, schädigt er die Gemeinschaft / das Volk.

    Die Deutschen werden seit Ewigkeiten ausgebeutet und drangsaliert und weil sie es nicht mehr anders kennen, wehren sie sich nicht. Die es tun, werden sofort mit der berüchtigten Keule erschlagen. Und der Rest glaubt was in der Zeitung steht und leidet am Stockholm Syndrom.

    Wenn ich hier ein Fazit ziehe:
    Der breiten Masse ist alles egal.
    Die Linken wollen kein Volk und zerstören alle vorhandenen Reste.
    Die Libertären hauen ab und schließen sich anderen Völkern an, die ihnen mehr Freiheit ermöglichen.
    Die Rechten sind eine nahezu aussterbende Art. Sie kämpfen darum so sein zu dürfen, wie es in ihrer Tradition steht. Sie zahlen einen hohen Preis in diesen Tagen – doch aus meiner Sicht, sind nur sie das deutsche Volk.
    Und diese Erkenntnis haut mich selbst grad vom Sofa!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s