Den Verlust von Privilegien nicht ertragen

Über die Höhe von Mieten und die erstaunliche Dreckigkeit linken Denkens – von Hadmut Danisch

Ich hatte gestern den Artikel über Miethöhen und darin den Tweet von Bernd Riexinger von den Linken.

Bernd Riexinger

@b_riexinger

Eine 70jährige Rentnerin nimmt sich aus Verzweiflung über das Leben. Das macht betroffen. Warum wird das Recht auf Profit durchgesetzt, aber nicht das Recht auf ?

Die Linke ballert gerade aus allen Rohren, vor allem auf Social Media, zum Thema Mietenhöhe, als könnte man die begrenzen, indem man nur einfach laut und viel schimpft. Als hätten wir genug Wohnungen, wenn man nur Investoren richtig beschimpft. Und das kulminierte gerade in diesen Tweet über eine Frau, die sich anlässlich einer Räumung umgebracht hatte, wobei nicht öffentlich klar wurde, ob es an der Miethöhe lag. Sie hatte viel Streit, hat die Miete nicht gezahlt und wurde gekündigt. Das kann auch andere Gründe als überhöhte Mieten haben. Aber eine Leiche als Argument nimmt man immer gern. Wenn sie weiblich ist.

Und wenn sie politisch passt.

Ein Leser stört sich gewaltig daran, dass man eine Suizid-Leiche so instrumentalisiert und für politische Zwecke einspannt, während eine gewaltsam von einem politisch Geschützten getötete alte Frau übergangen wird. Wie man’s gerade braucht.

Ein anderer Leser brachte mich dazu auf einen anderen Gedanken. Nämlich an diesem Beispiel mal aufzuzeigen, wie dumm und bösartig linkes Geschwätz ist, indem man deren eigenes Geschwätz auf sie selbst anwendet. Also dann:

Die Frau konnte sich einfach mit dem Verlust ihrer Privilegien nicht abfinden, das ist alles.

Bei weißen Männern sagt man das nämlich ständig. Nimmt man denen eine Wohnung weg oder den Job oder das Gehalt, dann findet man das völlig richtig, weil man privilegierten weißen Männern ihre „Privilegien” nehmen müsse.

Quoten und Gleichstellung ist angesagt. Posten, Ämter, Stellungen müssen nun leistungsunabhängig vergeben werden, und wenn ein Mann sich beschwert, dann heißt es, er würde nicht einsehen, dass man ihm Privilegien genommen hat. Oder generell die Kritik von Männern nur auf der „Angst vor Verlust ihrer Privilegien” beruhe.

Die Logik ist: Egal was man leistet, es muss alles gequotet und umverteilt werden und jeder muss das gleiche Geld bekommen. Man hat sich als Besserer, der eigentlich den Anspruch hätte, damit abzufinden, dass man entprivilegiert wird und den Job anderen zu überlassen hat.

Warum sollte dann für Mietwohnungen etwas anderes gelten als für Arbeitsplätze?

Die müssen dann eben auch leistungsunabhängig für alle das gleiche kosten. Und eben nicht als Sozial- oder Rentnerwohnung.

Wer günstig wohnt, der ist privilegiert.

Und der muss sich damit abfinden, dass er entprivilegiert und mit anderen in der Miethöhe „gleichgestellt” wird. So wie beim Job jeder gleichviel bekommen soll, egal wieviel er kann, muss auch bei der Miete jeder gleichviel zahlen, egal wieviel er kann.

Ständig redet man von Kiez- und Milieuschutz, vom Schutz gegen Gentrifizierung, von Mietpreisbremsen und Renovierungssperren.

Was ist das anderes als die Erhaltung von Privilegien gegenüber Neuzugezogenen?

Warum soll ich eine höhere Miete zahlen müssen als jemand der schon lange hier wohnt, wenn die Politik mir erzählt, dass am Arbeitsplatz alle gleich viel Geld bekommen müssen, unabhängig von Leistung und Betriebszugehörigkeit, weil Privilegien abzubauen wären?

Wenn für vergleichbare Stellen das gleiche Gehalt zu zahlen wären, damit sich Frauen nicht diskriminiert fühlen, müssten dann nicht auch alle für vergleichbare Wohnungen die gleiche Miete zahlen?

Müsste man dann nicht jedes Quartal alle Mieten auf das gleiche Niveau anheben, um die Gleichheit und Diskriminierungsfreiheit aufzulösen?

Und müsste man solchen Rentnerinnen nicht sagen, dass sie jetzt aus der Wohnung rausmüssen, damit auch andere mal da wohnen können? So wie man Frauenquoten für Vorstände hat?

Und müsste man solchen Selbstmord nicht – wie bei Männern, die man beruflich ruiniert – einfach damit abtun, dass man sagt, dass die einfach ihre Privilegien nicht abgeben wollte?

Warum behandeln Linke Arbeitsplätze und Mietwohnungen so völlig unterschiedlich?

Obwohl es doch letztlich das spiegelbildlich gleiche ist.

Bei Arbeitsplätzen sind sie für Gleichmacherei und beschimpfen jede Ungleichheit als Gender Pay Gap und Privilegien, die abzubauen wären, weil es ihrer Klientel nützt.

Bei Wohnungen geht es genau umgekehrt, da sind sie gegen Gleichmacherei, und wollen unbedingt Kiez- und Bestandsschutz, künstliche Unterschiede.

Wollen wir wetten, dass Männer für Single-Wohnungen höhere Mieten zahlen als Frauen?

Und: Beschwert sich irgendwer über einen Gender Rent Gap?

Warum hat man der Fraun bei der Räumung – falls es überhaupt etwas mit der Miethöhe zu tun hat – nicht einfach gesagt, dass der Gender Rent Gap abgebaut und sie jetzt mit Männern gleichgestellt wird?

Es ist böse.

Aber gerade deshalb sollte man sich angewöhnen, Linken jedesmal dann, wenn sie über Miethöhen schimpfen, vorzuhalten, dass sie nur „Ängste vor Privilegienverlust” haben und sich gegen „Gleichstellung” und „Gender Rent Gap” und für Diskriminierung stellen würden.

Eat your own dog food.

Dieser Artikel ist zuerst auf der Website von Hadmut Danisch publiziert worden. Danke für die Erlaubnis, ihn bei FRANKJORDANBLOG übernehmen zu dürfen. 

Ein Gedanke zu “Den Verlust von Privilegien nicht ertragen

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