Journalismus aus dem Meinungsbunker

Die Angst der ideologisch dilettierenden Hofdichterschaft vor den sozialen Medien – von Joseph Hueber

Den Bürgern sei allen gefällig, willst du in der Stadt bleiben. Das bringt den meisten Dank. Eigensinniges Wesen zündet oft schädliches Unheil an. (Bias von Priene, * um 590 v. Chr.; † um 530 v. Chr.)

Der Abgas-Skandal, der bei Kenntnis unvoreingenommener medizinischer und physikalischer Gegebenheiten nichts als eine aufgeblasene Abgas-Hysterie ist, hat das Ziel, Verbrennungsmotoren, Individualverkehr und die Autoindustrie langfristig aus ideologischen Gründen zu zerstören.

Es war nicht der letzte Skandal seiner Gattung. Er wurde gefolgt von dem im Gegensatz dazu – politisch leider gar nicht erwünschten, aber realen –  Spiegel-Skandal um Claas Relotius, der einem arroganten und aggressiven Meinungsmacher- Journalismus einen Schlag verpasst hat, von dem sich deren Vertreter nicht so schnell erholen werden.

Nimmt es Wunder, dass die Öffentlich-Rechtlichen, ideologische Komplizen der medialen Mitläufer,  schon nach Erhöhung der Zwangsgebühren jammern, um die „Qualität“ sauberen, ungefaketen Journalismus weiterhin gewährleisten zu können? Die Putzkolonne, die ich-orientiert selbst Schmutz verbreitet, ruft nach verstärktem Einsatz von Putzkolonnen.

DER ELITE-STAMMTISCH BALLT DIE FÄUSTE

Das Gespenst schießt wie Pilze aus dem Boden, oder sollte man es lieber mit der mythologischen Hydra vergleichen, der man erfolglos den Kopf abschlägt und der stets ein neuer nachwächst? Es lässt sich anscheinend nicht unter Kontrolle bringen. Diffamierung, verbales Beschmieren mit brauner Farbe, Vorwürfe der Dumpfbackigkeit und des Stammtischgebrülls erweisen sich als stumpfe Waffe.

Die Warnungen vor diesem Gespenst schlagen ins Gegenteil um, es wächst in den Himmel mainstreamiger politischer Harmonie und mischt dort auf – wohltuend oder beunruhigend, je nach Perspektive. Das Gespenst heißt Abweichler, abweichlerisches Denken, wie es sich in den alternativen, nicht-öffentlichen Systemmedien breit macht.

Die Stühle von Claus Kleber, Jan Hofer und Konsort*INNen spüren schon das Vibrieren vor dem unmittelbaren Beben in ihren Tempeln der Meinungsmache. Die Einschaltquoten  zeigen, dass das Durchschnittsalter von Fernsehzuschauern über 60 liegt und die jungen davonlaufen. Die nachwachsende Generation interessiert sich mehrheitlich nicht für Bedenkenträger-Blicke der von uns topfinanzierten Halbdenker mit irreversiblem Linksdrall in den gesicherten Meinungsbunkern.

Zwischen 18 und 24 Jahren, so die FAZ, holen sich, laut einer Umfrage in 36 Ländern, nur noch 5% die Informationen aus Zeitungen. Stattdessen sind Facebook und Twitter die  Informanten der kommenden Generation(en).

MAN TRIFFT SICH UNTER GLEICHGESINNTEN

Anlass genug, ein Symposion zu veranstalten, um den neuen Meinungsmachern im Wildlife – Journalismus der Krieg zu erklären. Es galt, Think-different-Anhänger im intellektuellen Biotop uniformen Meinens und Kommentierens im Rahmen erforderlicher juristischer Maßnahmen zur Sicherung demokratischer Gesinnung zu exekutieren.

„Debatten ohne Grenzen? Soziale Medien als Herausforderung für den demokratischen Rechtsstaat“ war der Titel einer Veranstaltung in der Stadt Triberg, worüber die FAZ am 17.12.2018 berichtete. Eine anders formulierte Thematik hätte den Teilnehmern besser getan. Warum nicht „Soziale Medien als CHANCE für den demokratischen Rechtsstaat“?

Damit hätte man der Tagung freilich einen Drift gegeben, den es ja zu vermeiden galt. Soziale Medien mussten als Gefahr herhalten, denn man wollte den Angriff gegen die freie Meinung, nicht um deren Verteidigung. Die Reihe von Thesen, die dort geäußert wurden, lässt erkennen, dass es eine Sich-Wohlfühl-Veranstaltung unter Gleichgesinnten sein sollte.

DER POPULISMUS IST WIEDER MAL DER TÄTER

Populistischen Parteien, so R. Brinkhaus, die offensichtlich als größte Bedrohung beim ungefaketen Stanzen gemeinverträglicher Meinungen gelten müssen, könne man nicht vertrauen, selbst wenn sie „erklären sollten, dass sie in Wahlkämpfen auf den Einsatz von sogenannten Bots verzichten würden.“

Bots, welche die Gefahr bergen, „Meinung massenhaft [zu] beeinflussen“, würden vermutlich der „Versuchung“ unterliegen, die anstehenden Europa- und Landtagswahlen zu manipulieren ( Nachfrage, Euer Ehren: Ist es einem Teilnehmer aufgefallen, dass die Definition „ massenhaft beeinflussen“ und „manipulieren“ genauso gut auf die merkelwilligen Systemmedien passt?).

Man sang das einstimmige Klagelied mit dem Vertreter der Grünen, K.v. Notz. Für ihn stellt die „ Manipulation öffentlicher Willensbildung“ eine Bedrohung dar, die, so die Übereinstimmung der „kontrovers“ Diskutierenden, in eine „Herausforderung für den demokratischen Rechtsstaat“ münde.

Unisono, so berichten die FAZ-Schreiber, sei man zu dem Schluss gekommen, dass „die neuen Medien die bislang üblichen, von großen Verlagshäusern und den öffentlich-rechtlichen Sendern dominierten Meinungsbildungsprozesse stark bedrohen, wenn nicht schon zum Einsturz gebracht haben.“

Warum gab es  früher keine Reißleine bei öffentlichem, nicht-korrektem Denken? Ch. Neuberger von der LMU München weiß es. Er charakterisiert die Konsumenten in der Zeit vor den sozialen Medien als „Massenpublikum“,  das nahezu exklusiv über den klassischen Journalismus Informationen erhielt. Was heute, mit Hilfe von Facebook und Google, gefährlich dräut, sei der Umstand, dass jeder „ Rezipient auch Sender und Amateurpublizist sein kann.“

DIE SELBSTHERRLICHKEIT DER JOURNAILLE IST AM ENDE

Anders gesagt: Konnten früher unerwünschte Informationen sowie missliebige Reaktionen der „Rezipienten“ durch selbstherrliche Redakteure der Meinungsmacher vom öffentlichen Meinungsraum ferngehalten werden, so haben die sozialen Medien mit dieser bisherigen Anmaßung  Schluss gemacht und dem systemwilligen Journalismus ein für allemal ein Ende bereitet.

Dass sie dafür von den zurecht Blamierten als „Amateurpublizisten“ bezeichnet werden, lassen sie sich gerne gefallen. Denn für die Demokratie sind sie allemal ein Gewinn.

Dieser Text ist zuerst auf Philosophia Perennis erschienen. Vielen Dank für die Möglichkeit, ihn auf FRANKJORDANLBOG zu übernehmen.

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6 Gedanken zu “Journalismus aus dem Meinungsbunker

  1. Dazu kommt noch, dass einige „Amateurpublizisten“ qualitativ besser sind als sehr viele der selbstherrlichen Redakteure, welche aus ihrer Meinungsblase nie heraus kommen. Auch weniger gute, ideologiegetriebene Amateurpublizisten stellen wenigstens eine Gegenpol zu den Ideologiegetriebenen der Mainstream Medien dar. In solchen Konferenzen wird nur Druck aufgebaut, um ohne eigenes Schuldbewusstsein, die immer massiver werdende Zensur auf den Internetplattformen zu rechtfertigen.

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  2. Die Klebers, Hofers und all die vielen (Politiker) dachten und denken, sich im zeitlichen verewigen zu können. Dieses Denken wird sichtbar in Wortschöpfungen wie Studierende statt Studenten, das zeitliche wird ewig. Diesem Denkansatz wohnt aber schon das Ende inne. Von Anfang an sind sie bereits gestrige. Heute benutzt das „Publikum“ andere Medien, andere Züge, und der Bummelzug der Hofberichterstatter bleibt antriebslos im Bahnhof stehen. Früher oder später werden auch sie das zeitliche segnen wie alle und nach dem Rosenmontag kommt halt immer der Aschermittwoch und da sind alle wieder am Boden.

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  3. Demokratie bedeutet eben, daß Untertanen ernsthaft glauben gemacht wird, zu wollen, was die Staatskaste tut. Keiner dieser Oberdemokraten würde dem gemeinen Pöbel jenseits seines staatlich budgetierten social bubbles ernsthaft zutrauen wollen, selbst eine eigene Meinung entwickeln zu können und so selbst wählen zu können. Für sie ist selbstverständlich, daß der Plebs zur „richtigen Überzeugung erzogen werden müsse“ – und das täten eben jetzt die „falschen“. Wähler sind für sie dumbe, ferngesteuerte Schafe, die sich offensichtlich erstaunlich leicht regelmäßig scheren und am Ende sogar fressen lassen – und das immer wieder…

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