Die Bibel und ihre Fracht

Die Bücher der Bibel nicht zu kennen oder nicht ernst zu nehmen ist meiner Meinung nach eine Beleidigung für jeden aufgeklärten Verstand. Warum?

Negativ ausgedrückt lässt sich sagen, dass die Prinzipien der Bibel und Gott als die Verkörperung der Wahrheit den Menschen in seinem Handeln über lange Zeit beschränkt haben. Eine positive Interpretation ist jene, wonach die Schrift und das Göttliche den Menschen und sein Streben über Jahrtausende hinweg eingebettet haben in einen verbindlichen moralischen Wertekanon, der das heute gern beworbene „tägliche Neuaushandeln“ im Miteinander ganz und gar unnötig machte und dadurch Platz und Freiheit für anderes, grösseres schuf.

Die Aufklärung – so der allgemeine Konsens – hat den Menschen von dieser Begrenzungen und Beschränktheit, also von Gott und den moralischen Leitplanken und Handlungsanweisungen der Bibel befreit.

Je länger ich die Bibel jedoch studiere (es zumindest versuche), umso überzeugter bin ich davon, dass das, was in ihren Büchern als «Sünde» gilt, der Graben zwischen Mensch und Wahrheit also, dem Menschen wirklich und real schadet. Dem «Einzelnen» und seinem «Eigenen» ebenso, wie grösseren und kleineren Gemeinschaften.

Dass, mehr noch, das Sich-Erheben über alles und jeden, Raub, Neid, Untreue, Verantwortungslosigkeit, Betrug, Mord, Rufmord (um nur einige zu nennen) und das, was sie an Wirkung und Reaktion auslösen, das Potential haben, Individuen und Gemeinschaften gleichsam, buchstäblich und nachhaltig zu zerstören. Und dass umgekehrt, was die Bibel als richtig, tugendhaft und wahr definiert – also das Vermeiden von Sünde in Gedanken und Tun und das Streben nach Wahrheit – dem Einzelnen und einer Gesellschaft dient im Sinn eines erfüllten Lebens und eines fruchtbaren und friedlichen Miteinanders.

Das obige ist nur ein kleines Schlaglicht auf die gewaltige Fracht der Bibel. Es zeigt aber deutlich genug, dass solches zu verwerfen als menschenunwürdige Begrenzung, als geistige Armut und Unfreiheit nicht nur dumm sondern, sondern (ein weiteres Mal) das Potential eines Wegs mitten hinein in eine Ersatzreligion birgt, in der ein paar Menschen (Führer) sich selber und ihre Ideen, ihr Handeln und Reden zu Ideal und Wahrheit (Gott) erheben, während der Rest zu folgen haben wird. Das Ende der Freiheit. Auf diesem Weg befinden wir uns.

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13 Gedanken zu “Die Bibel und ihre Fracht

  1. Nach aller menschlicher Erfahrung scheint es paradox erscheinen, dass die Freiheit des Menschen der gottgewollte Kern unseres Daseins ist. Ich will versuchen, das in wenigen Sätzen zu begründen.

    Nach erheblichen in Kirche und Religionsunterricht gewachsenen Glaubenszweifeln (vgl. dazu Matthaeus 23) habe ich mich der Gottesfrage autodidaktisch genähert und irgendwann begriffen, dass der Plan Gottes bezogen auf dem Menschen ein stoffliches Geschöpf mit freiem Willen war, er damit allerdings an die Grenze des ihm möglichen gehen musste.

    Stellen wir uns gern einen „Urknall“ vor, bei dem zwei Komponenten eine wesentliche Rolle spielten: Das Licht (Energie) und das Wort (Information). Die damit in Gang gesetzte Schöpfungskraft Gottes – die sehr wohl als Evolution zu denken ist – hatte schließlich vieles hervorgebracht, darunter vielerlei instinktgesteuerte Tiere und überragende Geistgeschöpfe (Engel). Bei den Engeln gehe ich davon aus, dass sie nur begrenzt oder gar nicht über die Freiheit des eigenen Willens verfügen. Dieses Gottesexperiment sollte beim Menschen verwirklicht werden.

    Letzteres schließe ich daraus, dass dem Menschen alles erlaubt war mit einer einzigen Ausnahme: Er sollte nicht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ essen, „denn welches Tags du davon issest, wirst du des Todes sterben.“ (Gen. 2, 16-17), wobei „Tag“ selbstverständlich ein umfänglicherer Zeitraum als 24 Stunden ist (Psalm 90, 4 oder 2. Petrus 3).

    Das wesentlichste Element von Freiheit ist das des eigenen Willens, was allerdings eine einzige Einschränkung beinhaltet: Der freie Wille darf nicht missbräuchlich ausgeübt werden. Möglicherweise war es dem Menschen nicht bestimmt, die Zeit noch nicht reif für die „Erkenntnis von Gut und Böse“ oder es hätte ihn schlicht überfordert. Wie auch immer – alles war dem Menschen erlaubt „zu essen“ (aufzunehmen) nur eben nicht von der Frucht dieses einen Baumes.

    Nachdem der Mensch trotz der Warnung seines Programmierers der Versuchung nicht widerstehen konnte, setzte unmittelbar ein neues Lernprogramm ein, nämlich die Konsequenzen aus der Grenzübertretung zu erfahren und zu (er-)tragen. Am Ende dieses (siebentägigen [?] Seminars) werden wir wieder eingesammelt und bekommen eine zweite Chance. Bis dahin haben wir allerdings hinzunehmen, dass Gott grundsätzlich nicht ins Geschehen eingreift*. Das schließt allerdings den real erfahrbaren Segen der guten Tat und den Fluch der Sünde nicht aus.

    Ist Gott deswegen ein schlechter Vater? Nun, ich selber bin Vater und habe einst gelernt, dass ein Kind nur lernen kann „richtig“ zu fallen, wenn man es beim ersten umfallen nicht auffängt. Das muss man aushalten aber schließlich wird das Kind sich weniger weh tun. Darauf kommts an.

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  2. Danke für deine Worte, den Anstoß, die „Aufforderung“ und sollte ich besser Einladung schreiben?

    Nun, diese Wahrheit zu finden bedarf es eines offenen Geistes und vorallem der Fähigkeit mit Transferleistungen diesen Geist des Buches in das Jetzt zu transportieren.
    Ich wundere mich auch, daß so wenige „Freigeister“ das Potenzial nicht erkennen mögen…
    wohl ob der „Arbeit“, sich an den menschlichen Fallstricken und der Vergewaltigung und des Mißbrauchs, vorbei zur Wahrheit, zur Liebe und zum Frieden vorzuarbeiten…

    Lieben Dank,
    Raffa.

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  3. Was Gut und Böse ist, weiss eigentlich Jede und Jeder auch ohne Religion. Es lässt sich in dem Satz zusammenfassen: Was Du nicht willst dass man Dir tu‘ das für auch keinem Andern zu. Das Gute in der Bibel beschreibt das vor allem im neuen Testament mit Jesus recht gut. Der rächende Gott jedoch, der seine abtrünnigen Kinder und alle Sünder blutig verfolgt und rächt und den eigenen Sohn ans Kreuz nageln lässt, hinterlässt einen mehr als schalen Geschmack im Mund. Zudem wurde genau mit diesem Gottesbild im Hinterkopf von der Kirche, ja eigentlich ALLEN Religionen und religiösen Institutionen die Menschen „auf Linie“ gebracht mit zum Teil fürchterlichen Strafen bis zu Folter und Hexenverbrennungen. Mit so einem rachsüchtigen Gott im Rücken liess sich das alles ja gut erklären und nachträglich auch entschuldigen. NIE mehr, danke sehr. Dass jetzt die Politik samt archaischen Allahu Akbar- Religionen versuchen das entstandene Vakuum zu füllen ist mehr als bedenklich. Jeder und jede moralisieren und urteilen ja über den Nächsten und sein Verhalten und sicher nicht über sich selbst und das eigene (oft verkommene) Leben. Wasser predigen und Wein saufen. (Der reiche Vatikan ist da auch mitgemeint.) Predigen und appellieren ist halt einfacher, als die eigenen Gebote selbst zu befolgen. Ich kann an Gott (und Jesus) glauben und auch stets versuchen das Gute zu leben und weiterzugeben, ohne zu predigen und alle andern als „Sünder“ zu verurteilen. Die Kirche hat die Lehre Jesu jedoch als Machtinstrument missbraucht um die Gläubigen zu unterdrücken, zu strafen und zu gängeln, wie es jetzt die Islamisten und einige linke Moralisten mit den gemässigten Normalos tun. Das ist Machmissbrauch im Namen „des Guten“ der Religion, Gott oder Allah oder der sog. Menschenrechte und geht an den wahren Lehren Jesu völlig vorbei. Letztlich muss nämlich jeder Einzelne für sich selbst die Kämpfe zwischen Gut und Böse und Egoismus und Altruismus ausfechten. Das kann ihm kein Denkverbot oder eine vorgekaute Denkschablone abnehmen. Und das ist wesentlich schwieriger, als herum zu schreien, zu predigen und von allen ANDERN lauthals Moral zu fordern. Aber wer hat gesagt, dass der eigene Weg zurück in eine „neue“ Unschuld einfach sei? Der Weg fängt nämlich immer und NUR bei einem selbst an. NUR mit Gewalt kann man andere zwingen sich einem Glauben (oder der angesagten Doppelmoral) zu unterwerfen. Das war noch NIE anders. Und es ist IMMER noch krank.

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  4. Ich wurde ja schon im Laufe meines Konfirmationsunterrichts zum Atheisten. Mit jedwedem anderen Glauben (auch politischem) halte ich es ebenso. Das negiert aber meiner Ansicht nicht die Bibel an sich und die darin enthaltenen Weisheiten, sowie die individuellen psychologischen Erkenntnisse. Heutzutage werden die massenpsychologischen Wirkungen der Religionen nur noch negativ gesehen. Die positiven Auswirkungen, wie im Artikel beschrieben, werden meist komplett ignoriert.

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  5. Es kommt in der Bibel jedenfalls eine moralische Bewertung zum Ausdruck – wogegen heutzutage, im linken „alle sind gleich viel wert, aber wer besser ist der ist böse“-Dogma die Moral durch eine Anti-Moral ersetzt wurde. Dem Anti-Kapitalismus gleich, geht es bei der Anti-Moral um die Verhinderung von Wertunterschieden.
    Nun bin ich kein Verteidiger der Religion, ich halte das für eine veraltete Kulturtechnik. Aber ohne Werte geht es auch nicht, deshalb meine ich, dass es so etwas wie eine neue Version des moralischen Grundkonsenses geben sollte.

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    • Gerne würde ich dich zum „kritischen“ und intensiv-untersuchenden Lesen der Bibel einladen – du wirst dann zum einen feststellen, daß es nicht um Religion geht, zum anderen wirst du, neben etlichen anderen „Aspekten“, das radikal-anarchische erkennen, vor dem sich die Eliten seit entspannt 17 Jahrhunderten fürchten.
      Gib dir und dem Buch mal eine Chance, wie es auch Frank angedeutet hat.
      Nach 40 Jahren als linker Atheist konnte ich in dem Buch so vieles finden, obwohl es „innen“ wie auch „außen“ vergewaltigt wurde…

      Viel Spaß beim Erkunden der Erstaunlichen Tiefen,
      Raffa.

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      • Ich finde schon den simplen Spruch „an ihren Taten sollt ihr sie erkennen“ höchst bemerkenswert. Weil der das linke Nicht-Diskriminierungs-Gelaber vollständig ersetzen könnte – was aber seitens der Nicht-Diskriminierer garnicht erwünscht ist, denn die wollen Diskriminieren, aber in die Gegenrichtung.
        Trotzdem bevorzuge ich einen aktuelleren Ansatz, mit dem Wissen der psychosozialen Entwicklung sowie der Menschheitsgeschichte ist man doch wesentlich breiter aufgestellt als die Bibelschreiber. Deren grösster und unkorrigierbarer Fehler ist es doch, sein Jahrtausenden tot zu sein. 😉

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      • Werter Realistischer,
        auch was das aktuelle und das breiter aufgestellt sein angeht, wie auch „alle“ psychosozialen Entwicklungen finden sich erstaunlicherweise auch in diesem vermeintlich unterschätzten Buch. Ich bin immernoch überrascht und empfehle unter den hier jetzt angerissenen Aspekten immer noch die vertiefte Lektüre – man muß ja nicht in irgendein „religiöses“ Lager o.ä. „konvertieren“

        Versuch es mal,
        Raffa.

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    • Anti-, Anti-, Anti-. In der Bibel finden wir den Begriff „Antichrist“:

      „Wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen geworden“, … und … „Dieser ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet“ (1. Joh 2,18.22).

      Erkennungsmerkmal des Antichristen ist, dass er leugnet, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Das ist nichts anderes als der Abfall von der besonderen Offenbarung des Christentums. Und: „Sie sind von uns ausgegangen“ (1. Joh 2,19; vgl. auch 1. Joh 4,3; 2. Joh 7).

      Und dann gibt es da noch die Warnung vor „den falschen Propheten“…

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  6. Klares Bekenntnis zur „Fracht der Bibel“: diese Fracht ist die Wahrheit. Der Mensch, der gesündigt hat, wird vom ewigen zum zeitlichen Menschen. Er verliert die Bindung zu Gott, seinem Schöpfer, dem ewigen Vater, und kann aus eigener Anstrengung nicht zurückkehren. Er verliert auch seinen Seelenfrieden, den er nur in der Unendlichkeit Gottes finden kann. Deshalb hat Gott uns seinen Sohn gesandt, der von sich sagt: ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Christentum ist keine Religion, wie mir ein Freund sagte, es ist eine Person, Jesus Christus. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch, zwei völlig unterschedliche Naturen, hat aber nicht gesündigt, ist für uns gestorben und hat so für uns die Verbindung zum ewigen Vater wiederhergestellt. Nur über ihn können wir zum ewigen Vater in den Himmel gelangen. Vergessen Sie alle Ersatzreligionen, die Kisten der Reformation, der Aufklärung der Politik, der Wirtschaft oder der Wissenschaft mit ihren Betäubungsmitteln: Macht, Ideologie, Scheinwissen, Strassenkreuzer, dicke Zigarren, Bausparverträge und und und.. Verwschwenden sie keine Zeit damit! An der Schwelle des Todes haben alle keine Antwort, nur eben diese eine Person: „Der einzige Sohn des Vaters, er hat Kunde gebracht“. Und die katholishe Kirche ist seine Gründung trotz mancher Fehler der Angestellten. Fazit: an der Schwelle des Todes führt nur einer hinüber und das ist Jesus selbst. Werden wir also alle katholisch, wie auch Michel Houellebecq über Umwege erkannt hat. Renouveau catholique. Dann haben wir zumnindest eine Chance, uns im Himmel weiter auszutauschen!

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