Es ist vorbei

Ein Freund berichtet via E-Mail von der ITB, der grössten europäischen Tourismusmesse in Berlin, in deren Rahmen er als Selbständiger ein paar Aufträge an Land gezogen hatte. Ich publiziere sein kurzes Statement hier unbearbeitet um nicht Gefahr zu laufen, Intensität oder Direktheit abzuschleifen.

„Am Dienstag Abend war da eine Eröffnungsveranstaltung. Etwa 3000 Menschen, die sich wichtig vorkommen, versammeln sich in einer grossen Halle und lauschen ein paar Rednern.

Dazu einige Anmerkungen: 

1) Ich mach das hier jetzt schon ein paar Jahre. So, wie sich die „normalen“ 
Menschen geben, die Ausstrahlung, das Verhalten, usw. hat sich seit letztem Jahr einiges SEHR stark negativ und ins Überhebliche driftend verändert. Natürlich nicht  bei allen, aber merkbar bei vielen. Und die Veränderung steht in krassem Widerspruch zu sämtlichen politischen Statements. Angereist wird grösstenteils in fetten Autos. Die Headsets für die Translation sind in Plastiktüten eingeschweisst. Getränke werden in Plastikbechern gereicht. Und so weiter.

2) Zu den Rednern gehörten neben den üblichen Grössen der Branche 
diesmal der regierende Bürgermeister von Berlin und Merkels Adlatus Altmeier. War früher die allgemeine Wirtschaftsentwicklung der Branche und sowas das Thema, ging es diesmal ausschliesslich um „Gegen rechts“, Weltoffenheit usw. Als ob wir wirklich alle ein Haufen Fremdenfeinde wären und nur durch Reisen tolerant werden könnten. Was für ein Schwachsinn.

Ich habe es kaum geglaubt: Vom „Tourismus“ haben sie (Müller und 
Altmeier) geschmeidig und problemlos den Dreh zu „weniger Fremdenfeindlichkeit“ gekriegt und diese beiden Dinge total miteinander verworren. So nach dem Motto: weniger Fremdenfeindlichkeit gibt’s nur durch „bewussten Tourismus“, nur das  würde uns weltoffen machen. Mir wurde echt übel: Der Saal hat vor Klatschen getobt. Ich musste an die bekannte Szene aus dem Berliner Sportpalast denken: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Altmeier hat in Halbsätzen krasse Dinge angedeutet: Auffällig oft fiel  
das Wort „overtourism“, welchen man ökologisch in den Griff kriegen 
müsse, wozu man auch manche Freiheiten einzuschränken seien. 
SIC. Mehrfach gingen solche Andeutungen ins Mikro. Die Klatscher haben es entweder nicht kapiert oder den Inhalt der Worte im Gin-Tonic im Plastikbesser ersäuft.

Wenn Du dann noch siehst, wie auf solchen Messen gleichzeitig und vollkommen sinnlos Material verbraten und weggeworfen wird, wird dir die irre kognitive Dissonanz  der ganzen Kamarilla so richtig bewusst.

Dann überfliege ich abends die Headlines der Newsseiten und frage mich  
was da los ist und komme zum Schluss: Wir sind verloren, da ist nix mehr zu retten.

Diese aktuelle Eröffnungsveranstaltung der ITB hätte 1938 nicht besser passen können. „

8 Gedanken zu “Es ist vorbei

  1. Das zeigt doch deutlich, dass die meisten „Neu-Sprech-Gut-Menschen“ bereits von AI übernommen und unterwandert sind. Sprechende Siri- und Alexa-Sprechpuppen. Zombifiziert und Gehinrngewaschen. Nur so kann man solche kognitive Dissonanzen überhaupt aushalten, resp. überleben. Ja, ich denke auch, Europa hat fertig. Nur noch dasGerüst der EU und die Sprechpuppen des Einheitsbrei halten die Kulissen aufrecht. Menschen aus Fleisch und Blut kriegen hingegen das grosse Grausen. Es ist wieder einmal so weit.

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    • Da erinnere ich mich spontan an meine Zeit als skifahrender Student vor ca. vierzig Jahren. Neben den Tellerliften gab es da immer auch ein paar Einheimische, die mit Fellen unter den Skiern zum Gipfel aufbrachen. Das ist eigentlich die Leistung, die einer erbringen muß, um hinterher abfahren zu können. Dazu wäre von uns niemand fähig gewesen. Der Al erzählt tin jeder Sitzung oder Talkshow von seinen großen Plänen, die leider im letzten Moment scheitern, weil ein unglücklicher Umstand das verhindert. So wäre er fast mit Fellen zum Gipfel aufgebrochen, wenn im Keller nicht das Licht ausgefallen und er die Felle deshlab nicht gefunden hätte. Darüber zu lachen ist schon zu anstrengend. ITB gibt es seit 1966 mit dem Schwerpunkt „Betreuter Tourismus“. Der neue Toursimus wird der alte sein: eigene Planung statt Pauschalurlaub, Felle statt Tellerlifte, kostengünstiger Aktivurlaub vor der Tür statt passiver Reiseurlaub in die Ferne.
      Irrwege kann man nur durch Irrwege innerhalb der Irrwege beenden. Keiner kann das so gut wie der Al, völlig ubeabsichtigt natürlich, denner meint schn ernst, was er sagt!

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  2. Ideologietreue bedeutet, dass man der Ideologie das Wort redet, und sich dafür belohnen lässt. Denn auch die Linken haben Leistungsbewusstsein, nur die Art der wertgeschätzten Leistung ist eine andere.

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  3. Wenn es sich um diese Halle handelt, so könnte der Rahmen kaum passender sein:
    https://www.google.fr/search?q=berliner+messe+halle&prmd=minv&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=2ahUKEwj7novGoobhAhVL8OAKHblxDBEQ_AUoAnoECAwQAg&biw=1024&bih=672#imgrc=KarN8yl4AgPOIM
    In dieser Monumentalhalle faschistischer Architectur wie sie nicht erhabener am Trocadero stehen könnte, eben ein Abbild des Zeitgeistes der 30er Jahre in Europa, stand auch ich einmal in den 90er Jahren bei einem internationalen Philosophen Empfang bei Bier und Schlachteplatte! Ohne Scherz gab es lediglich Schinken und Würste aus Schweinefleisch, das Büffet war weder Kosher noch Halal ausgelegt. Wobei sich islamische Philosophen sicher in Grenzen halten, aber jüdische doch eher häufig anzutreffen sind. Soweit WeltstadtGespür Berlin unter Wowereit dessen Senat an Provinzialität nicht zu übertreffen war, bzw. könnte dies evtl. durch den Nachfolger getoppt werden, wenn ich Ihren Text lese. Einfach grauenhaft

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  4. „Es ist vorbei“

    Es ist keineswegs vorbei, sondern wir sind Zeitzeugen einer sich massiv ausbreitenden Glaubens-/Gesinnungsgemeinschaft welche mit staatlicher und gesellschaftlicher Unterstützung potentielle Kritiker und Selbstdenker mit einer Form von Inquistion bedrohen.

    Zum im Artikel dargelegten Punkten und Anmerkungen nachfolgend einige grundsätzlichen Bemerkungen:

    Angesichts des erwähnten tosenden Applauses mag sich die Frage stellen, ob sich die Mehrzahl der Zuhörer ernsthaft mit René Décartes „Cogito ergo sum“ beschäftigt haben könnte.

    Die Hinweise „Reisen als Grundlage von Toleranz oder bewusster Tourismus als Tool für Weltoffenheit“ erscheinen mir plakative Glaubensbekenntnisse zu sein, da nach meiner Überzeugung Reisen und (Pauschal) Tourismus lediglich eine geringe Schnittmenge (z.B. die Flug-Anreise) aufweisen.

    Pauschaltouristen bleiben idR unter sich, machen bestenfalls Bekanntschaft mit Einheimischen als Service-Personal im Hotel oder als fliegende Händler bei sogenannten kulturell orientierten Ausflügen. Insoweit ist der Pauschal-Tourimus bestens geeignet, um auf beiden Seiten Vorurteile zu bilden oder gar zu vertiefen.

    Betrachten wir das individuelle oder nicht pauschal organisierte Reisen, eine Reiseform welche betreuten Denkern nicht unbedingt zuträglich sein mag.

    Schon Erich Kästner wusste, „Toren bereisen in fremden Ländern die Museen, Weise gehen in die Taverne“.

    Johann Wolfgang von Goethe war bereits einhundert Jahre früher davon überzeugt: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“.
    An der Stelle mag man vermuten, dass Goethes Statement auf „gescheite Menschen“ zutrifft, womit wir sowohl bei Goethe als auch bei Kästner wieder bei unserem eingangs zitierten Ausnahme-Philosophen ankommen.

    Jenen Selbstdenkern mag es gelingen, während ihrer Reisen, die eigenen, erlernten oder (vom Mainstream) übermittelten Ansichten und Vorstellungen mit der Wirklichkeit abzugleichen .. mit anderen Worten, die Dinge so zu sehen, wie sie sind.

    Und dies kann nicht im Interesse von Polit-Eliten sein.
    Insoweit sind Altmeiers Andeutungen nicht der Übernahme grüner Ideologien („ökologisch in Griff kriegen“), sondern vielmehr den Vorgaben jener geschuldet, die nicht gewählt werden, aber gleichwohl die politische und gesellschaftliche Agenda bestimmen.

    Soweit erstmal meine Überlegungen zu dem berichteten ITB-Event.

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