Ohne Leiden kein Leben

Erfüllte, zufriedene, erfolgreiche Menschen unterscheiden sich von boshaften, bitteren, neidischen und auf der Stelle tretenden Menschen meist nicht durch Talent und schon gar nicht durch „Umstände“, sondern durch Disziplin. Disziplin aber heisst Leiden.

Jeder Job, jedes Projekt – sei es künstlerisch, geschäftlich, sozial oder alles zusammen – bringt Durststrecken mit sich. Der Anfang ist selten ein Problem. An Energie, Enthusiasmus und Plänen mangelt es zu Beginn nie. Aber bald schon ist der Honeymoon vorbei und da gilt es dann, durchzuhalten, weiterzumachen, zu überwinden. Federn lassen, bluten, sich langweilen (auch das!), kotzen vor Angst (pardon!). Das ist Leiden. Es kann Jahre dauern, bis ein Durchbruch sich abzeichnet, bis die Sache rentiert, bis man es zur Meisterschaft bringt oder einfach gut ist, bis man Anerkennung erntet.

Das ist hart. Aber es ist volles Leben. Ganz Menschsein. Würde. Wer es dem Menschen via BGE „erleichtern“ will – egal, wie gut er es meint – nimmt ihm die Chance auf Glück. Das ist auch der Grund, warum grosse Vermögen in der Regel nach spätestens vier Generationen futsch sind.

Es gibt sie – aber die wenigsten sind Berufene, die durchbeissen auch wenn es hart wird ohne einen „Lohn“. Der Mensch vereint in sich den Widerspruch, dass er einerseits Leiden vermeiden will, andererseits nur dann wirkliche Erfüllung findet, wenn er durch das Leiden und damit seine Schwäche hindurchbricht.

Wer das „ausschalten“ will, schafft gelangweilte, träge, faule, neidische und unzufriedene Menschen. Er sagt „Glück“, „Würde“, „Selbstverwirklichung“ und erreicht Halbmenschen, die unter ihren Möglichkeiten leben. Nur halb Leben und zur Hälfte schon tot.

Werbeanzeigen

21 Gedanken zu “Ohne Leiden kein Leben

  1. >>Wer das „ausschalten“ will, schafft gelangweilte, träge, faule, neidische und unzufriedene Menschen<>zur Hälfte schon tot.<<

    Es gibt ein Leben nach dem Tod. Viele von uns sind der lebende Beweis.

    Gefällt 1 Person

  2. Zitat: Wer das „ausschalten“ will, schafft gelangweilte, träge, faule, neidische und unzufriedene Menschen.

    Nicht ganz richtig: Er/ sie/ es er-„schafft“ nicht träge, faule, neidische unzufriedene Menschen, sondern er versammelt jene, die latent vorhanden und/ oder durch das System erschaffen wurden (im Sinne von: Das System fördert ihre Faulheit durch Akzeptanz und finanzielle Anreize), um sich.

    Zitat: zur Hälfte schon tot.

    Es gibt ein Leben nach dem Tod. Viele von uns sind der lebende Beweis.

    Gefällt 1 Person

  3. Der Unterschied zwischen einem Virus und einer Zelle ist, dass das Virus sich keine Hülle aufbaut, keine Unterscheidung zwischen Innen und Aussen bildet, daher auch keine Vorräte sammeln kann sondern direkt in seiner Umwelt agiert und deshalb immer alle Gelegenheiten zur Vermehrung voll ausnutzen muss.
    Das ist natürlich rein biologistisch und abzulehnen und hat auch überhaupt rein garnichts zu tun mit irgendwas anderem. Ich schreib’s nur so, rein zufällig. Es ist ja ohnehin alles Zufall, wie könnte es anders sein als dass auch mir meine Postings rein zufällig entkommen und nichts mit irgendwas zu tun haben.

    Gefällt 2 Personen

  4. Kann ich nur teilweise unterschreiben. Kommt halt darauf an, woher das Geld kommt. Und wofür Disziplin eigesetzt wird.
    Wobei, tatsächlich ist bei mir Disziplin als erstes weggefallen, als ich in Pension ging. Ich schätze jetzt vor allem die Eigenzeit, in der auch mal Nichtstun stattfinden darf. Das war nicht immer so. Heute muss mir Arbeit halt Freude machen oder sinnvoll sein. Disziplin um der Disziplin willen ist nicht mehr angesagt.
    Aber ich verstehe natürlich schon, wie es gemeint ist. Sollte jedoch etwas differenziert werden. Die Muselmanen beten in ihrer Moschee auch sehr diszipliniert. Ob das aber was nützt?

    Gefällt 1 Person

    • Ich bin seit Mitte 40, seit ca. 12 Jahren „in Pension“, ohne das „Pensionsalter“ erreicht zu haben. Die „Pensionzahlungen“ kommen aus meinen Investitionen. Schon dazu braucht es Disziplin, wie z.B. konservatives Wirtschaften und den Finanzmarkt regelmaessig im Blick zu behalten.

      Neben meinem eigenen Blog betreibe ich auch Nicht-Linke-Blogs, in dem ich eine Reihe von Bloggern reblogge. Damit da ueberhaupt jemand rein schaut, muss ich jeden morgen zum Kaffee einloggen, Beitraege lesen und entscheiden ob ich sie aufnehme oder nicht. Das macht auch nicht jeden Tag Spass, kostet einige Zeit und erfordert selbst auferlegte Disziplin.

      Nach jahrelanger Disziplinlosigkeit beim essen, zwinge ich mich derzeit zu einer ketogenen Diaet, um das Bauchfett los zu werden. Vorher machte ich ‚intermittierendes Fasten‘, welches nicht ganz zum gewuenschten Ergebnis fuehrte, aber ebenfalls Disziplin erfordert. Fuer Keto ist eine – vor allem in der Anfangsphase – uebermenschlich erscheinende Disziplin erforderlich.

      Ohne Disziplin hat man sich – wie der Autor sagt – selbst aufgegeben. Man ist schon tot, oder arm, oder erfolglos, man merkt es nur erst spaeter.

      Gefällt 2 Personen

  5. „Der Edle verlangt alles von sich selbst, der Primitive stellt nur Forderungen an andere.“ (Zitat) … ein Grundeinkommen eher liberaler Ausrichtung könnte nach meiner Auffassung menschenverursachtes zusätzliches Leid an Natur und Tier und Mensch mildern und verändert die Gesellschaft grundlegend. Echtes Leid wie Krankheit und Armut angemessen zu beantworten in einer Gier und Billigkonsum angetriebenen Welt ist eine zivilisatorische Herausforderung

    Gefällt 2 Personen

    • Unverdientes Einkommen führt meiner Meinung nach zu unverantwortlichem Konsum. Denn: Was nichts kost‘ ist nichts Wert. Das Gilt für alles – auch für Geld, das man „umsonst“ erhält. Zum Beweis lohnt es sich, einmal für ein Jahr oder so in einem Haus zu leben, in dem grösstenteils Subventions/Leistungsempfänger wohnen. Wo Heiz- und Nebenkosten bezahlt sind, stehen auch im Winter die Fenster offen. Wo täglich der Stadtreiniger vorbeikommt, ist das Treppenhaus dauernd vermüllt und der Abfall fliegt zum Fenster raus. Wo das Einkommen nicht hart verdient ist, wird ohne Verantwortung weder für das Geld, noch für die Güter, die man kauft, Verantwortung übernommen. Leistungsloses Einkommen fördert meiner Meinung nach Umweltverschmutzung und -zerstörung. Das grundsätzlich zu verneinen, heisst auch, die Natur des Menschen zu verneinen, der erst Sorge zu den Dingen trägt, für die er mit Lebenszeit, Kraft, Können oder allem zusammen bezahlt hat. Hat er das nicht,, dann sind ihm die Dinge auch nichts wert und er trägt weder zu ihnen Sorge, und erst recht nicht zur Umwelt, die noch „weiter weg“ ist.

      Gefällt 1 Person

      • So ist es. Und die Meisten von denen wissen gar nicht, was Geld ist; oder dass zu Reichtum zwingend auch Verantwortung gehört. Vermögen will geschätzt und verwaltet werde; nicht sinnlos ausgegeben. Bei Fremdgeld fällt diese Verantwortung weg; und alles löst sich in Konsum und „Prestigegütern“ auf. Vor allem haben diese Leute nie gelernt mit Geld umzugehen. Es „wächst“ ja nach. Deutlich kann man das auch bei Lottomillionäre sehen, die meistens in den ersten 5 Jahren alles Geld schon verprasst haben und oft sogar noch auf einem Schuldenberg sitzen bleiben. Ausserdem hat wahrer Reichtum nichts mit Geld zutun. Aber viel mit selbstbestimmtem (ja, auch einigermassen diszipliniertem) Leben, Freiheit und Verantwortung.

        Gefällt 1 Person

      • Und es bleibt ein Widerspruch, der mich immer erneut in Staunen versetzt: Jene, die am meisten „finanzielle Zwänge“ beklagen und den Umstand, dass „Geld die Welt regiere“, sind dieselben, die des Menschen Glück, seine Würde und seine Verwirklichung via BGE genau daran festmachen. Sie sind im Grunde fixierter auf Geld, als jeder Geschäftsmann, der für sich „nur“ ein Einkommen/Vermögen erarbeiten will und darin seine Erfüllung findet, während erstere das als „ihrer unwürdig“ belächeln aber doch bitte sehr von ebendiesem „Geldmenschen“ ihre Selbstoptimierung bezahlt haben wollen. So dialektisch kann ich gar nicht denken – nicht einmal fühlen…

        Gefällt 1 Person

  6. hm… ich beklage eigentlich vor allem eine gewisse gesellschaftliche Brutalisierung… Entseelung… das ist ja mehr ein subjektives Empfinden – unverantwortlicher Konsum ist für mich auch ein Thema .. und wird, da stimme ich selbstverständlich zu, durch „unverdientes“ leistungsloses 💰 nicht besser bzw wenn die Verbindung zu bestimmten Werten verloren geht, schwierig.. aber was genau bedeutet „verdient“? Das hätte mit Dienen zu tun.. und wem oder was einer dient.. oje, da könnte einer Fässer aufmachen 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Stimmt! Die Entseelung und Brutalisierung gehören auch dazu. Und fehlende Dankbarkeit. Und fehlende Freude. Und letztlich fehlende Wertschätzung für das Leben an sich und all die schönen (und lieben) Dinge. (Echte Werte) Eine Werteverschiebung oder Wertedeflation hat stattgefunden. Alles ist zum schnelllebigen Konsumgut geworden. Auch Menschen. Ex- und hopp. Es gefällt mir nicht.

      Gefällt 2 Personen

  7. Der kapitalistische Mensch

    Immer wieder findet man den Zusammenhang zwischen „natürlich“ und kapitalistischem Verhalten des Menschen. Ein gleichermaßen abwegiges, unrealistisches und abzulehnendes Konzept. Zusätzlich geht es einfach von gleichen und stabilen Wettbewerbsbedingungen aus und die gibt es im heutigen System nicht. Was hier behauptet wird ist, man könne und müsse sich gegen andere durchsetzen, auch wenn sie einen Vorsprung im Wettbewerb haben.

    Der erfahrene Mensch hat ausschließlich deshalb überlebt, weil er das Prinzip der Solidarität maximal ausgeübt hat. In seiner Entwicklung als soziales Wesen sind immer schwächere, benachteiligte Mitglieder der Gemeinschaft mit versorgt worden, auch wenn es der Gemeinschaft kurzfristig geschadet hat. Das ist Grundsatz des Menschseins. Dementsprechend sind Mitgefühl, Moral und Anstand bei jedem Menschen grundsätzlich ausgerichtet. Und daraus haben sich die heutigen Sozialsysteme entwickelt. Die Menschen sind grundsätzlich bereit dazu, solidarisch zu sein.

    Erst im Kapitalismus mit der Einführung der Tendenzen zu mehr Besitz und Reichtum wurde mit der Auflösung der Gemeinschaftsstrukturen der Konkurrenzgedanke in den Menschen implementiert. Wir sehen heute, dass Konkurrenz die Menschen weder reich, glücklich und zufrieden macht. Wir sehen, dass es die Menschen krank macht. Es widerspricht dem Menschsein ganz erheblich mit anderen Menschen im „Konkurrenzkampf“ zu stehen und gleichzeitig sozial und solidarisch sein zu wollen. Trotzdem wird das heute mit erheblicher Erziehungsarbeit in jungen Menschen vorbereitet.

    Jeder Mensch, der in einem Staat und auf seinem Staatsgebiet lebt, hat grundsätzlich das Recht an dem Besitz, den dieses Staatsgebiet bietet und hergibt, teilzuhaben. Dieses Recht ist normalerweise in Verfassungen festgeschrieben und durch Abstimmung durch die Bürger anerkannt. Jeder dieser Menschen hat also ein Recht auf einen Teil dieses Staates. Wie diese Teilhabe ihm verabreicht wird, ist völlig egal.
    Es kann ein Grundeinkommen sein, Grundsachleistungen oder die grundsätzlichen Dinge des Bedarfs. Da jeder Bürger auf dem Staatsgebiet wohnen darf, könnte ihm ein Recht auf einen bestimmten Teil von Wohnraum bedingungslos zugesprochen werden, einschließlich grundlegender, zum Leben erforderlicher Dinge wie Energie und Wasser.

    Entscheidend ist, dass es bedingungslos erfolgt, denn jeder Mensch hat ein Recht auf einen angemessenen Anteil an den Reichtümern, den Gewinnen, den Renditen oder dem Profit, der auf dem Staatsgebiet erwirtschaftet wird. Es kann nicht anders sein, dass ein Mensch als Bürger eines Staates „nichts“ hat. Dann ist er um seinen Anteil betrogen worden. Dies geschieht aktuell bei uns in der Kürzung des Existenzminimums, welches im Prinzip als bedingungsloses Einkommen gestaltet sein müsste.

    Gefällt mir

  8. Kennen Sie Udo Bölts? Zwölf mal Tour de France! 1997 sagte er bei der Tour zu Jan Ullrich: „Quäl Dich, Du Sau!“ Dreimal dürfen Sie raten, wer dann die Tour gewann: Jan Ullrich! Das bestätigt alles,was Sie oben geschrieben haben!

    Gefällt 1 Person

  9. Ja gopferdelli, genau so ist es. Das erfährt der Belier schon einige Zeit am Jura Südfuss. Dami namau. Aktuell wird mir sogar im neuen Fluggerät nach 1-2h ab Boden so verdammt schlacht, dass ich mich ins Jenseits wünsche obwohl da ja gar nix ist… Es gibt nur eins, dranbleiben.

    Gefällt 1 Person

    • Haaaaaaaaaaaaaahahaha!!! Der Belier! Der hat den Widerstand eh im Blut. Da kannst Du gar nichts dagegen machen. Sogar dann, wenn Du möchtest … 🙂 Noch die Frage interessehalber: Was denkst Du, woran’s liegt? Das Schlecht-Werden?

      Gefällt mir

      • Phu, das ist wohl eben genau so ein „Leidenschafts-Ding“ wo eben das Leiden erst grösser ist als das „Schafts“. Mein Mägeli war schon immer eine Mimose. Hab noch immer am Anfang mit neuen Fluggeräten gereiert. Das geht dann so, bis das Mimosen-Mägeli merkt, dass der da obendrauf kein Spass versteht und er nicht im Traum daran denkt, landen zugehen. Dann kommts nie wieder…..

        Gefällt 1 Person

      • Aber ein bisschen erzählen „musst“ Du dann der alten weissen Frau aber – bitte!! – schon mal vom Swift. Und das Phänomen des Mägelis ist auch hier bekannt: Es gibt nur etwas, das schlimmer ist, als schreiben: Nicht schreiben. Das Mägeli weist auch hier ganz gut den Weg. Ganz ohne Höhendifferenzen … 🙂 Gibt’s irgendwo im Glider oder auf einer Club-Site einen Bericht vom neuen Fluggerät? Link wäre sehr willkommen!!

        Gefällt mir

  10. Alles klar, das IQ90 Chefarztsöhnchen muss sich natürlich genau so „durchbeißen“ wie die legasthenische Tochter vom Hilfskoch.

    Als Unternehmer und Selfmademan hab vermutlich nichts gegen den Leistungsgedanken. Aber ich habe auch nicht meine Herkunft und die Möglichkeiten vieler Menschen vergessen. => Diese dämlichen Schmalspurappelle sind so peinlich das man nur schreien kann.

    Konservative waren noch nie die hellsten Kerzen auf der Torte. Ihre Erfolge beruhen in der Regel auf Seilschaften und der Tatsache das sich der Einsatz eben deshalb auch lohnt. Wem in den unteren Lohngruppen 70% abgepresst werden, 10 000 von ihnen die das Gehalt eines GEZ Schmarotzerintendanten finanzieren müssen und deren Rente mit allem belastet wird was den ach so tollen Leistungs-Disziplin-Abgreifern zufliesst (die natürlich ihre eigenen Sozialkassen haben, wäre ja noch schöner wenn diese Disziplinelite dem Sie finanzierenden Mob was abgeben müsste) der sieht das naturgemäß „etwas“ anders.

    Gegen das BGE bin ich übrigens auch, weil wir es längst haben und nur eben ohne das B. Die einen aus den Sozialtöpfen, die anderen aus ihren Abgreifestrukturen.

    Mehr würde das so mühsam erpresste inflationieren und zwar bedingungslos. Und das wollen wir doch alle nicht oder?

    Gefällt mir

Schreibe eine Antwort zu Realistischer Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s