Moral hoch zu Ross

Wie man persönliche Vernichtung als Aufklärung verkauft – von Josef Hueber

„Die Würde eines jeden Menschen achten“ (Papst vor Vertretern internationaler Medien in Italien)

Wenn wir politische Gegner hintergehen, ihre Privatsphäre verletzen und sogar kriminelles Unrecht begehen, schaden wir letzten Endes unserer politischen Kultur.(Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Stefan Brink)

Der moralische Anspruch des sog. investigativen Journalismus  besteht den Lackmustest nur dann, wenn die angelegten Maßstäbe stets dieselben bleiben, egal, ob gegen links oder gegen rechts recherchiert und berichtet wird. Der Fall Strache zeigt, dass dies mitnichten der Fall ist. Investigativer Journalismus erweist sich hier als ideologisch-manipulativ motiviert.

EINE HUMANE UNTERSCHEIDUNG IST GEBOTEN

Vorbemerkung: Es geht nicht darum, den Politiker Strache als Politiker zu verteidigen. Dass er politisch nicht mehr vermittelbar ist, wurde in allen Medien ausreichend dargelegt und braucht nicht wiederholt zu werden.

Es mag aber erlaubt sein, den Vorgang seiner medialen Enthauptung nicht nur unter politischen, sondern auch unter menschlichen Aspekten zu reflektieren. Eine Kultur, wie die unsrige, die sich  christlich-abendländisch definiert, wenigsten vorläufig noch, sollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, im vernichtenden  Blitzlichtgewitter den Menschen zu vergessen. Man erinnere sich: Als  Honecker aus der Höhe des Schicksalsrades ganz nach unten gedreht war, gab es eine Familie, die ihn und seine Hexe vorläufig aufnahmen, trotz allem, was die  Nichtangepassten in der DDR unter ihnen erlitten hatten. Die Mauertoten sind davon nicht die einzigen Zeugnisse. Man lobte die Aufnahme der Geächteten durch einen Pastor als Zeichen christlicher Barmherzigkeit.

Respekt vor dem schuldig gewordenen Menschen, bei gleichzeitIger Verurteilung der begangenen Schuld – diese Differenzierung gibt es  in dieser klaren Differenzierung nur in der christlichen Auffassung von Recht, Unrecht und Person.

DER HECKENSCHÜTZE ALS MORALIST

Der Umgang der Medien mit der Person Strache  zeigt, dass  die Veröffentlichung des belastenden Materials  zwei Zielen diente: der Vernichtung des konservativ-nationalen politischen Gegners zum günstigsten Zeitpunkt sowie der damit einhergehenden Selbst-Aufwertung durch die  Zurschaustellung  moralischer Überlegenheit. Die Vernichtung Straches wurde mit der inakzeptablen Methode eines Heckenschützen ausgeführt  und lässt deswegen  moralische Glaubwürdigkeit vermissen.

Alles an der Methode des „investigativen“ Journalismus in der Causa Strache stinkt: die DDR-Schnüffelmethode des (digital perfektionierten) Wanzengebrauchs, die Zurückhaltung bzw. Veröffentlichung des Materials bis kurz vor der Europawahl (wo die „Rechten“ deaktiviert werden sollten) , die gleichzeitige Veröffentlichung der Meldung mit dem Video und die damit verbundene Unmöglichkeit, den Betroffenen selbst  glaubhaft Stellung nehmen zu lassen. Zur Erinnerung: Jedes Gericht ist verpflichtet, den Beschuldigten vor dem Urteil zu Wort kommen zu lassen.   Audiatur et altera pars!  Höre auch die Stellungnahme des Beschuldigten! Dieser Satz findet sich offensichtlich nicht in den Leitlinien  der unseriös investigativen Medien.

DOPPELDENK – OKAY GEGEN RECHTS

Gab es schon einmal ein ähnlich radikal-investigatives Vorgehen gegen ehemalige DDR-Politiker, die im Bundestag der einzigen Opposition Demokratie zu lehren sich anmaßen?

Ole von Beust fragt  in DIE WELT: „Und was wäre, wenn man Habeck abgehört hätte?“ Die Frage stellt sich eigentlich nicht. Sie ist rein hypothetisch.

3 Gedanken zu “Moral hoch zu Ross

  1. Project Veritas macht ja auch solchen Entlarvungs-Journalismus. So weit ich weiss, haben die aber den heimlich Aufgenommenen nie kriminelle Vorschlaege gemacht. Irgendwo ist da eine moralische Grenze, die sicher etwas verschwommen ist.

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  2. Wenn Menschen an der Macht diese nur einsetzen, um zu denunzieren oder den Weg dafür freizumachen, und nichts weiter zustande bringen, dann müssen sich alle „Ohnmächten“ warm anziehen. Leider ist diese Ausübung von Macht die Inkarnation von Unvermögen, die im Gewand von Politik und vor allem Moral daherkommt, zu allen Zeiten charakteristisch für Linke. Sie können einfach nichts.

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