Auf Kosten der Freiheit aller

Vom klassischen Sozialismus zum Neo-Etatismus

Die politische Linke hat sich ursprünglich als Sprachrohr der wirtschaftlich und sozial Schwächsten angepriesen und als klassenkämpferisches Programm «Friede den Hütten und Krieg den Palästen» verkündet. Inzwischen wohnt in unserem Land kaum mehr jemand in Hütten und die Fabrikarbeiter sind durch Technologie und Fachkräfte ersetzt. Letztere bilden kein Proletariat mehr, sondern gehören, ökonomisch gesehen, zum Mittelstand.

Bedeutet dies das Ende des Sozialismus, bzw. der Sozialdemokratie als politische Kraft? Nein, er mutiert einfach zum Etatismus und stützt sich auf jene Unzufriedenen, die sich im Vergleich zu anderen benachteiligt vorkommen. Der Weg führt von der politischen Bewirtschaftung sozialer Not zur politischen Bewirtschaftung ökonomischer Unterschiede. Die wirklich Armen und Hilfebedürftigen sind parteipolitisch uninteressant, weil sie aus verschiedensten Gründen sowieso nicht wählen und abstimmen.

Das Programm lautet nun: Wer will, dass man den Reicheren mehr wegnimmt und den Ärmeren mehr umverteilt, muss links wählen. In einer Publikation des Mises-Instituts stosse ich auf den Begriff «white collar welfare». Er löst den kaum mehr existierenden «blue collar worker», den klassischen Arbeiter, als Klientel der politischen Linken ab. Sie definiert sich jetzt nicht mehr als «rot», sondern als «grün-rot» und kämpft nicht mehr für mehr soziale Gerechtigkeit, sondern gegen den Klimawandel, an dem nach ihrer Analyse die Superreichen schuld sind, die man jetzt mit zusätzlichen Verboten und Abgaben zur ökologischen Vernunft bringen muss.

Die grosse Bevölkerungsgruppe, die einerseits als Nutzniesser der Umverteilung und andererseits als Staatsangestellte oder von Staatsaufträgen Abhängige lebt, will im rationalen Eigeninteresse «Mehr Staat», und sie ist bereit, dafür auch dichtere Regulierungen und höhere Steuern zu tolerieren (da ja diese dank Progression vor allem von «Noch-Reicheren» bezahlt werden). Diese Leute wohnen in grösseren Städten, und sie wollen konsequenterweise auch das eigene Wohnen staatlich noch mehr subventioniert haben. Man schmückt diese egoistischen «Neo-Etatisten», bzw. «Neo-Etatistinnen» mit dem positiv gefärbten Adjektiv «urban» und «mittelständisch» und umwirbt sie als Partner in einem neuen «Klassenkampf» gegen die «Superreichen», die man für alle Übel verantwortlich macht.

Das sind keine rebellierenden «Linken» mehr, keine «Sozialisten», die weltweit eine neue «gerechtere Gesellschaft» fordern, sondern etatistische, strukturkonservative und letztlich permanent frustrierte Opportunisten, die «more of the same» zu ihren eigenen Gunsten fordern, und dies, dank dem Mehrheitsprinzip – mindestens vorläufig – auch erhalten werden. Auch viele sogenannte Mittelständler gehören zu dieser wachsenden Gruppe. Ich schätze sie auf gegen 60 Prozent der Gesamtwählerschaft, und es ist darum leider nachfühlbar, wenn auch ursprünglich bürgerliche Parteien in diesem «urbanen» Wählerschaftsumfeld nach Anhängern und Anhängerinnen suchen, die sich «mehr Staat» und mehr Unterstützung für sich und ihresgleichen wünschen, auch zu Lasten von anderen und künftigen Generationen. Und vor allem auf Kosten der Freiheit aller.

3 Gedanken zu “Auf Kosten der Freiheit aller

  1. „Die Reichen“…. = In diesen Topf wird alles geschmissen, was reicher ist als man selbst. Ohne Unterscheidung oder Hintergrund. Diese Rot-Grünen stammen fast alle aus der Mittel- oder Oberschicht. Es scheint also auch ein „Abgrenzungskampf“ gegen die eigene Herkunft. Die Eltern unterstützen dabei noch ihre Kinder und Jugendlichen, ohne zu merken wie selbstzerstörerisch das Ganze geworden ist. Wie bei den Klimahüpfern wird alles vom Staat vordergründig unterstützt, um hintergründig dann noch mehr absahnen zu können, in Form von Umwelt-, Klima und Co2-Steuern. Der rot-grüne junge Mittelständler* findet das gut, will er doch zu den Guten und nicht zu den „bösen Reichen“ gehören. Darum hüpft er auch statt zu Schule zu gehen. Währenddessen schiesst er/sie sich ins eigene Knie ohne es zu merken, denn vor allem er/sie werden dann die Steuern bezahlen und die fehlende Mobilität beklagen. Es ist traurig, dem zuzusehen. Währenddessen kommen immer mehr archaische und oft auch gewaltbereite Jungmänner als „Flüchtlinge“ ins Land. Sie werden dann von allen Seiten „beschützt“ und als eine Art „neues Proletariat“ begriffen. Realität ist aber, dass es für solche Leute schlicht nicht mehr genug Arbeit in der Industrie hat, da entweder alles bereits ins Ausland ausgelagert ist, oder von Robotern ausgeführt. Die jungen Grün-Roten hüpfen jedoch irgend einem Bild hinterher, dass es gar nicht mehr gibt. Die angepeilte Zukunft sieht jedoch ohne einen gut funktionierenden Markt, samt
    „bösen reichen“ Unternehmern zappenduster aus. Bald gibt es nur noch Berater, Beamte und noch mehr unnützes Geschwätz, während der Finanzmarkt und die Wirtschaft erodieren. Gute Nacht allerseits, hüpft schön weiter!

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    • Das zuerst oekonomische Problem mit festgefahrenen Strukturen (wie Kirche, Feudalismus, Staaten die 70% umverteilen) ist, dass intelligente Leute, die produktiv und innovativ sind, kaum noch Chancen haben. Vor dem Start eines Garagenunternehmens muesste man erst mal alle Gesetze und Regularien beachten, zu dessen Lektuere schon mal 3 Leben erforderlich waeren. Wer sich die vielen Berater dazu leisten kann, muss sich dann trotzdem noch mit vielfach sturen, dummen Beamten herumschlagen. Da macht es doch Sinn, sich lieber einen bequemen Job in dieser Deppenhierarchie zu suchen, bei dem man nach 35 Wochenstunden entspannt nach Hause kommt und seinen Hobbys froenen kann.

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