Götter günstig stimmen und Dämonen bannen

Wo die Gestaltung der Zukunft in die Hände von Priestern und Zauberern gelegt wird, kommt eines garantiert nicht dabei heraus: individuelle Freiheit. Und damit auch keine Menschlichkeit.

Wenn die UNO ein sechsköpfiges Gelehrtenteam aus fünf Umweltforschern und einem Politikwissenschaftler dazu einlädt, ein „wissenschaftliches Hintergrunddokument“ zum Thema „Steuerung des wirtschaftlichen Übergangs“ für den Globalen Nachhaltigkeitsreport 2019 zu verfassen, dann sollten auch auf dem kleinsten und schmutzigsten Bildschirm ökonomischer Kompetenz ein paar Warndioden zu leuchten beginnen.

Würden Sie einem Archäologen ihre Herz-OP anvertrauen? Einem Chemiker den Bau Ihres Hauses oder einem Politikwissenschaftler Ihren Goldfisch? Eben. Die UNO hingegen kennt solche interdisziplinären Hemmungen nicht und die sechs fachbereichsüberwindenden finnischen Gesellschafts- und Zukunftsbeschwörer lassen sich denn auch nicht zweimal bitten. Sie erlegen sich bei der Konzeption zu nicht weniger als der Umgestaltung der Weltwirtschaft ebensowenig Grenzen auf, wie beim herzhaften Griff in die Kiste des Magischen – der modernen Geldtheorie.

Das mag im vergangenen August, als das Papier publik wurde, ein Grund für einen Moment ungetrübter Erheiterung gewesen sein. Jener ist aber spätestens heute vorüber, wenn man sich bewusst macht, dass sein Inhalt durchs Band Argumente durch schlichte Behauptungen ersetzt, anstelle kreativer und konstruktiver – eben echt ökonomischer! – Lösungen tausendfach gescheiterte Utopien vorschlägt und dass heute alles danach aussieht, als würde es nicht nur ernst genommen, sondern auch umgesetzt.

Die „Analysen“ und Rezepte der Wissenschaftlergruppe der finnischen BIOS Research Unit in Kürze:

Die Erde ist kaputt. Die Kapazitäten der planetarischen Ökosysteme zum Auffangen der Abfälle aus Material- und Energieverbrauch sind erschöpft. Dies in Kombination mit dem Klimawandel macht ein Umsteigen auf erneuerbare Energiequellen, sowie grössere Gesellschaftliche Anstrengungen in Bezug auf sämtliche menschliche Aktivitäten notwendig. Das bisherige Wirtschaftsmodell stellt einzig auf weiteres materielles und energetisches Wachstum ab. Es hat versagt. Es führt nicht nur zum Verlust der biologischen Vielfalt, sondern auch zu anderen Umweltgefahren, zu wachsender Ungleichheit, zu steigender Arbeitslosigkeit, zu langsamerem Wirtschaftswachstum, zu Marktblasen und Krisen und zu steigender Verschuldung. Der ökonomische „neoklassizistischen“ Glaube, wonach ein Markt nur dann effizient sei, wo die Intervention durch den Staat so gering wie möglich ist, hat sich als falsch erwiesen. Ebenso die Überzeugung, dass Staatsschulden ein Problem seien, abgebaut werden müssten und die Regierungen sich einen Budgetzwang aufzuerlegen hätten. Die „lockere Geldpolitik“ der Zentralbanken ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, hat etwas Druck aus der Situation genommen, ist aber für die Herausforderungen der Zukunft zur Bekämpfung der nächsten Krise nicht genügend. Den Regierunge müssen jetzt Werkzeuge in die Hand gegeben werden, die es ihnen ermöglichen, ihre Volkswirtschaften zu steuern und zu verwalten. Es braucht für den Staat praktikable Instrumente, um die Art, wie Energie, Verkehr, Lebensmittel und Wohnraum erzeugt und verbraucht werden, verändert werden können. Produktion und Konsum müssen staatlich so gesteuert werden, dass ein anständiges Leben möglich ist bei gleichzeitiger Entlastung für die Umwelt. Da der Umstieg auf erneuerbare Energien bei gleichbleibendem Energiebedarf in den kommenden Jahrzehnten ein Ding der Unmöglichkeit sein wird, muss der Gesamtenergieverbrauch gesenkt werden. Grundsätzlich weniger Transport. Gehen und Radfahren. Fahrgemeinschaften. Staaten müssen zu Selbstversorgern im Lebensmittelbereich werden. Freihandel unterbinden. Milch und Fleisch müssen weitgehend pflanzlicher Ernährung weichen. Nachhaltiges Bauen – langlebige Holzgebäude. Die Wohnpraxis muss ein Mix zwischen Bequemlichkeit und Notwendigkeit in punkto Wärme/Kälte werden. Nur starke politische Steuerung kann das gewährleisten. Nur der Staat, kann solches eng planen, koordinieren und finanzieren. Das Ziel ist es, weg vom individuellen Verhalten, hin zum sozialen und strukturellen Verhalten zu gelangen. Weniger Individualismus, mehr Kollektiv zum Besten aller. Die moderne Geldtheorie, der Post-Keynesianismus, macht es möglich. Auf dieser Grundlage gilt: Einem Staat kann die eigenen Währung nie ausgehen. Er kann immer ausgeben und investieren. Er ist keinerlei Budgetzwängen unterworfen. Soziale Ziele und Umweltziele können so in einem Aufwasch erreicht werden. Eine staatliche Arbeitsplatzgarantie beispielsweise sorgt dabei nicht nur für Vollbeschäftigung, sondern hebelt auch die Konkurrenz um umweltzerstörerische Arbeitsplätze aus. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist China, das sich nicht von ökonomischem Klein-Klein wie Budgetzwängen und Mutlosigkeit in punkto Interventionismus bremsen lässt. Nur so wird es möglich sein, nicht nur den Planeten zu retten, sondern eine wünschenswerte Zukunft für die Menschheit unter der Führung von ein paar Vorreiterstaaten zu erlangen. Weg vom Selbstzweck, hin zu Sinnvollem und Guten für alle. Weniger Kaufkraft für die Wohlhabenden, dafür mehr von dem, was weniger Wert hat, für alle.

So – das ist es, das wissenschaftliche Hintergrundpapier, das die UNO als Grundlage zur Planung unser aller Zukunft verwendet. Kein Wort davon, dass die gezielt organisierte Verarmung ganzer Länder durch die Ächtung eines Spurengases nicht Garant dafür ist, dass der Wandel des Klimas beeinflusst werden kann. Kein Wort davon, dass die grassierende Ungleichheit, die Krisen und Blasen nicht Resultat der Märkte, sondern einzig Resultat des staatlichen Handelns via Zentralbanken sind. Kein Wort davon, dass dank freier Märkte eine Effizienz in Sachen Ressourcenverbrauch erreicht werden konnte, die ohne Kostendruck nie möglich gewesen wäre und in Zukunft auch nicht möglich sein wird. Kein Wort davon, dass tausendfach bewiesen ist, dass, wo kein Kostendruck vorherrscht, Verschwendung, Ineffizienz, Korruption und Umweltzerstörung vorherrschen. Kein Wort davon, dass das magische immer vorhandene Geld eines Staates bei solchem Wirtschaften sehr rasch auf den Wert Null heruntergedimmt wird. Kein Wort davon, dass das politische Vorbild China die Zahlen, die von seinem wirtschaftlichen Erfolg zeugen, mit Feenstaub bestreut und es auf einer Schulden- und Schattenbankblase sitzt, deren Platzen es möglicherweise nicht überleben würde. Kein Wort davon, woher die Rohstoffe für das nachhaltige Bauen mit Holz und für Elektromobilität kommen werden. Aber vor allem und nicht zuletzt: kein Wort davon, dass mehr kollektives Verhalten und weniger Individuum dem Kern alles Menschlichen widerspricht. Dass post-individuell stets auch post-human bedeutet.

Das alles ist bereis als Idee erschreckend genug. Irr ist, dass der Wahn der totalen Deindustrialisierung offenbar Realität werden soll, besser: bereits dabei ist, Realität zu werden. Konkret in Zahlen aktuell abgebauter Stellen für Deutschland: BASF 6.000, Bayer 12.000, Siemens 2.700, Ford 5.000, Volkswagen 21.000, Thyssenkrupp 4.000, Kaufhof 2.600, Kuka 350, Sanofi 140, Deutsche Bank 18.000, WMF 400, Audi 13.500, Bosch 15.000, NordLB 2.400, Goodyear 1.100, Unicredit 2.500, Opel 600, Windindustrie 26.000. Ausserdem stellt eine Studie der Unternehmensberatung EY fest, dass die Zahl der Gewinnwarnungen in Deutschland im ersten Halbjahr auf ein Rekordniveau gestiegen sei. Die 308 im Prime Standard gelisteten Unternehmen haben insgesamt 54 Gewinn- oder Umsatzwarnungen herausgegeben – eine Erhöhung um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und so viele wie nie zuvor. Vor allem – wen überraschts – der Automobilsektor ist betroffen. 

Leiden wird darunter nach dem einst freien Individuum vor allem eines: die Umwelt.

Feine Ironie in dem Ganzen: die BIOS Research Unit wird vollumfänglich von der KRONS Foundation finanziert. Diese wiederum von der KRON Corporation. Einem an der Börse gelisteten Baugiganten, der jährlich an die 10 Millarden umsetzt und der in Sachen „nachhaltiges Bauen“ und „mehr Staat“ als erster von der Umsetzung der Massnahmen profitieren würde.

5 Gedanken zu “Götter günstig stimmen und Dämonen bannen

  1. Wie bei einem Krimi eröffnet sich die Lösung und das Warum in der letzten Zeile. Die „falschen“ Experten wurden von der UNO ganz im Sinne der angestrebten NWO ausgewählt. Das Ziel der Analyse stand auch schon vorher fest. Die schiessen jetzt mit vollen Rohren und alle glauben es und hüpfen für’s Klima.

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  2. Chinesen würden aber heute noch hungern, wenn sie nicht den weitgehend einseitigen Zugang zu den westlichen, freiheitlichen Märkten der USA hätten.

    Warum wohl hat die UN ausgerechnet Finnen gefragt? Weil die heute übeezeugte Sozialisten sind und ihr sozialistischer „Honeymoon“ noch nicht ganz durch.

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  3. Es braucht halt immer neue Tarnungen für die Machtergreifung der Linken, welche im Grunde eine Räuberbande sind, und die immer auf der Suche nach Schwachstellen ihrer zukünftigen Beute sind. Nachdem es in früherer Zeit die ausgebeutete Arbeiterschaft war, ist es diesmal‘ das angeschlagene Umweltgewissen, welches als Angriffspunkt erkannt wurde.

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