Gretchenfrage

Eine Frage, deren ernsthafte Beantwortung im Lauf der Menschheitsgeschichte buchstäblich Hunderte Millionen von Leben verschont hätte und die auch heute wieder Not tut:

„Wie können wir wissen, dass wir recht haben, wenn wir keine Kritik vertragen?“

Solschenizyn schrieb sinngemäss, das Leben beginne mit der Suche nach Wahrheit. Und dort, wo diese aufhöre, ende auch das Leben. Oder anders gesagt: Ansichten sind immer auch eine Frage der Blindheit. Ohne völlige Freiheit in der Suche nach Wahrheit und in ihrem Ausdruck, egal, ob sich die Ansichten als richtig oder falsch erweisen, kann der Verstand keine richtigen Ergebnisse liefern und wird von einem Gefühl geleitet: Furcht vor Ausschluss und Ächtung..

Trotzdem scheint es, als sei der Mensch eine Spezies, die es, seit sie auf der Erde lebt, fertigbringt, in regelmässigen Abständen Menschen zu folgen und zu gehorchen, die die Suche nach Wahrheit für beendet erklären und das nicht nur als Lösung aller Probleme, sondern als Sieg der Vernunft verkaufen. Eine Vernunft, die Blutbäder angerichtet hat, Tyrannen und Diktatoren zugejubelt und in Aberglauben ersoffen ist.

Goethe betrachtete unseren Planeten als „die Irrenanstalt des Universums“ und liess seinen Mephisto sagen: „Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein.“

Darum lasst uns streiten über unsere Ansichten und Blindheiten! Lasst uns debattieren – angefeuert von einem anderen mächtigen Gefühl: der Liebe zum Leben und zur Wahrheit. Ein starker Motor und – richtig eingefahren – eine treibende Kraft und Voraussetzung für richtiges Denken.

Ein Gedanke zu “Gretchenfrage

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