Der Wahn des Lösbaren

Die Versuchung des Totalitären liegt in dem Glauben, es könne Lösungen für komplexe Probleme geben. Aber Lösungen gibt es nie. Es gibt immer nur Kompromisse.

Bescheidene Versuche, etwas zu verbessern im Bewusstsein, dass dabei stets das Risiko besteht, dass es nicht funktioniert, dass schlechter wird, was man verbessern wollte, oder aber dass es zwar besser, etwas anderes als Reaktion aber ein wenig oder viel schlechter wird.

Das Mindeste, was es also vor jeder grossflächigen Umsetzung einer „Lösung“ zu tun gälte, wäre, sie wiederholt der Feuerprobe des Versuchs zur Feststellung von Tauglichkeit, Wirkung und Nebenwirkung auszusetzen.

Was behauptet, darauf aus Gründen der „Dringlichkeit“ oder „Alternativlosigkeit“ nicht angewiesen zu sein, sagt damit zwar nichts über die Qualität der „Lösung“ aus, wohl aber über ihren totalitären Kern. Dies gilt sowohl für die moderne Geldtheorie, als auch für Konzepte wie Diversity und sämtliche Massnahmen „gegen“ den Klimawandel.

Solchem Glauben liegt die Sehnsucht oder die Illusion zu Grunde, das Leben, Gemeinschaften, Natur, Märkte seien feste, bestimm- und planbare Systeme und daher auch planmässig veränder- und steuerbar. Wer dieser grotesken Vereinfachung dessen, was wir sind und was uns umgibt, auf den Leim geht, ist entweder naiv oder grössenwahnsinnig und wünscht sich im Grunde bloss Platons starren Staat – ein Ende der Freiheit, der Qual der Wahl, der Veränderung und der Offenheit des Möglichen.

Jene, die den Leim auslegen, sind derweil nur an einem interessiert: Macht.

Darin liegt meiner Meinung nach auch der Grund für die fundamentale Abneigung, den Hass gegen den sogenannten „Kapitalismus“, den man als eine Art institutionalisierte Profitgier dazustellen versucht. Dabei gilt das genaue Gegenteil: Der Kapitalismus im Sinn freien und freiwilligen Austauschs von Gütern und Leistungen ist eine Anhäufung von Kompromissen in Form von Verträgen. Freiwillig Abgeschlossen von den direkt daran Beteiligten in ihrem ureigensten Interessen. Hier ist nichts starr und deshalb auch nicht grossflächig planbar. Und darum funktioniert es.

3 Gedanken zu “Der Wahn des Lösbaren

  1. Es gibt Lösungen, aber es gibt nicht die eine grosse Lösung für alles. Obwohl, andererseits, die Apparatschiks haben so gut wie ausgesorgt, wenn sie ihren Kommunismus erst einmal installiert haben

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  2. Heilsbringer Kapitalismus, super. Was könnte denn eine Gesellschaft in der Abgrund ziehen? Gezogen wird sie, denn gefragt bezüglich der Entscheidungen werden die Menschen nie. Die einen haben nicht die Ressourcen sich dem Absturz entgegen zu stellen, die anderen nicht die Kompetenz. Vereint in der Nicht-Freiwilligkeit ihres Seins. Beiden gegenüber stehen die, die sich alles leisten und erlauben könne und sich jeglicher Steuerungswirkung entziehen können. Sie sind die einzig Freien, denn sie genießen die Freiheit des Kapitals, dem alles andere untergeordnet wird.
    Wer den Betrug der Kapitalisten und ihrer Handlanger in Bezug auf Währung, Schulden, sozialer Absicherung, Lebenswelt, an der Allgemeinheit, der man die Offenheit für den Manipulationsdruck am wenigsten vorwerfen kann, nicht sehen will, dem sei diese kurze Befriedigung gegönnt. Erfolgreich wird sie nicht sein, zu offen treten die Grenzüberschreitungen zu Tage. Die Überwindung der Kompromisse mit dem Kapital ist die Lösung.

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