Tesla und Dinkelbrötchen

Gigafactory für Elektroautos soll in Brandenburg entstehen. Wo soll das Geld herkommen, woher die Arbeitskräfte, woher die Käufer? – Von Spoeken Kieker

Dieselben Leute, die es seit zehn Jahren nicht schaffen, einen Flughafen fertigzustellen, sollen jetzt dafür sorgen, dass in einer neuen Autofabrik ausgerechnet in der Nähe des Flughafens Berlin/Brandenburg ab 2021, also in spätestens zwei Jahren, Autos vom Band rollen. Es zeigt die ganze Operettenhaftigkeit der deutschen sogenannten Politik, dass der Politikversager und Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller und der Politikversager und brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) darüber streiten, wer jetzt dafür verantwortlich ist, dass der selbsternannte E-Auto-Pionier Tesla seine dritte Gigafactory in der Bundesrepublik ansiedeln und zudem ein Design- und Technikzentrum in Berlin errichten will.

Die deutsche Qualitätspresse jubelt: „Tesla braucht ein grünes Image, Brandenburg hat es, weil es dort viel Ökostrom gibt. Dort lässt sich klimaschonend produzieren, Ökologie wird zum positiven Wirtschaftsfaktor“, ist etwa in der regierungsnahen „taz“ zu lesen, die völlig ausblendet, dass die durch die Energiewende drastisch gestiegenen Strompreise ein massives Problem für die Wirtschaft sind. Und die „Märkische Oderzeitung“ hat aus der jüngeren brandenburgischen Geschichte nichts gelernt: „Endlich mal wieder Aussicht auf eine richtige Großansiedlung. Es zeigt, dass Wirtschaftsförderer und Politiker gute Arbeit geleistet haben.“ Vergessen sind die Großansiedlungs-Fehlschläge Cargolifter und Chipfabrik in Frankfurt/Oder. Parallelen zu Erich Honeckers Wunderchip in der DDR-Schlussphase drängen sich geradezu auf. Unsere Politikdarsteller müssen sich ein paar Fragen gefallen lassen:

Erstens: Wo soll das Geld für die Investition herkommen? Wie bekannt ist, hat Tesla noch nie einen Dollar verdient. Tesla ist ein Hätschelkind des weltweiten grünen Jetsets, einer neuen luxuriös lebenden Oberschicht, die mit Vielfliegerkarte in der Brieftasche Klimaschutz predigt und den in der Großgarage der von den Eltern geerbten Villa stehenden Tesla zum Brötchenholen nutzt. Es gibt Gerüchte, dass Tesla-Chef Elon Musk persönlich schon pleite ist – ein Hochstapler vor dem Fall. Die letzten Gigafactorys sind mit hohen Zuschüssen des US-Staates Nevada und von chinesischen Banken in Staatsbesitz finanziert worden. Also, Herr Müller und Herr Woidke, beantworten Sie die Frage, woher das Geld für den Bau kommen soll. Tesla hat es definitiv nicht.

Zweitens: Nach deutschem Genehmigungsrecht ist die Fertigstellung einer solchen Anlage bis 2021 völlig ausgeschlossen. Soll hier Genehmigungsrecht einfach umgangen und nicht beachtet werden? Uns würde dies in Hippie State nicht wundern, wenn für die „Guten“ die eigenen Gesetze nicht gelten. Dient ja alles höheren Zwecken.

Drittens: Sollte die Gigafactory einmal fertig sein: Wo sollen die 7.000 Arbeiter herkommen? Wenn man sich die schluffigen bärtigen Gestalten anschaut, die in Berlin zum Beispiel in Bäckereien arbeiten, mit Mühe und Not zwei Dinkelbrötchen in eine Papiertüte stecken können und kaum in der Lage sind, das Wechselgeld herauszugeben, oder beim Edeka an der Kasse sitzen und dort mit ihrer Behäbigkeit für lange Warteschlangen sorgen, dann fragt man sich, wie die in einer Acht-Stunden-Schicht (und bei Überstunden) Autos mit schwerem Werkzeug zusammenschrauben sollen. Diese jungen Männer (man mag sie eigentlich nicht so bezeichnen) brechen doch bei der kleinsten Belastung zusammen und müssen dann von ihrer Mama im Familien-SUV abgeholt werden.

Viertens: Sollten Teslas tatsächlich in Deutschland vom Band rollen: Wer soll sie kaufen? Die Tesla-Modelle sind Klapperkisten, weil das Musk-Unternehmen seine Produktionsprobleme nicht in den Griff bekommt. Das wird in deutschen Testberichten verschwiegen beziehungsweise verniedlicht. Die Reichweitenangaben sind maßlos übertrieben, werden aber von einer regierungsnahen Journaille kritiklos akzeptiert, während sonst jeder Abgaswert grundsätzlich angezweifelt wird. Für die grüne Oberschicht reicht es, so ein Vorzeigeobjekt zu besitzen, auch wenn es klappert wie einst ein Polski Fiat. Verkaufen lassen sich E-Autos außerdem als Dienstwagen für Staat, Verbände, Stiftungen und Unternehmen für den grünen Eigenanstrich – und nur mit riesigen Subventionen durch den Staat. Für die allgemeinen Marktaussichten von Tesla und Co reicht ein Satz des BMW-Entwicklungsvorstandes Klaus Fröhlich: „Wir könnten jedem ein elektrifiziertes Fahrzeug liefern, aber niemand will es kaufen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Die Kieker (Die Spoekenkiekerei)“.

11 Gedanken zu “Tesla und Dinkelbrötchen

  1. Die Propaganda bedarf der Begleit-Musik und der Prestige-Projekte — irgendwie auch mit der alten und doch aktuellen „Mechanik“ der römischen „Taktik“ von „Brot und Spiele“,
    wo ja bekanntlich nur die „Kulisse“ stimmen mußte, in das das reale Leid „eingebettet“ wird.

    Ich haben fertig,
    Raffa.

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  2. Der Elon Musk ist ein typischer Visionär: Pläne ohne Ende, wenn nur ein kleiner Teil davon realisiert wird ist das schon eine Revolution. Das hat er mit den rot-grünen Politikern gemeinsam, deren Pläne liegen auch weit überwiegend jenseits der Realisierbarkeit. Das Problem ist, im Fall des Falles geht der Musk pleite und reisst einige seiner Investoren mit – aber wenn die Politik pleite geht, werden sehr viele in’s Elend gerissen.

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  3. Der Elon Musk ist ja nicht dumm. Ob er ein guter Geschaeftsmann ist (dabei ist ein sehr hoher IQ oft hinderlich), kann man in Frage stellen. Auf jeden Fall hat er seit Jahren Probleme mit der Massenproduktion und Qualitaetssicherung seiner Autos. Da ist es schon naheliegend mal nach Deutschland, Japan oder Suedkorea zu gehen, zu Leuten, die das koennen. Und wenn die deutschen Autobauer haufenweise erfahrene Mitarbeiter entlassen, ist da eine Chance. Viele Deutsche sind ja Englisch-Allergiker (wie ich bei einigen deutschen Blogs und Foren schon erfahren musste), und wollen ggf. auch nicht ins hochbesteuerte und teure Kalifornien umziehen (Regen – Traufe).

    Waere interessant zu erfahren, wieviel Geld deutsche Politiker dem Musk hinterherwerfen, damit er kommt.

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  4. Nur um der Wahrheit die Ehre zu geben:

    Tesla hat „wie bekannt ist“ noch nie Geld verdient? Tesla hat in Q3 und Q4 2018 (417 und 414 Mio.) sowie in Q3 2019 (261 Mio.) Gewinn gemacht. Das Umsatzwachstum ist mit 82% (11,7 Mia in 2017 und 21,5 Mia. In 2018) im letzten Jahr weit über allem, was je ein Autohersteller realisiert hat.

    Teslas sind Klapperkisten? Tesla ist laut „consumerreports.org“ in der Kundenzufriedenheit bereits das dritte Jahr in Folge die Nummer 1 vor allen anderen, auch allen deutschen Marken. Gerade hat ein Tesla Model S in Deutschland die 1 Million km Marke geknackt (https://www.watson.de/wissen/auto/455340952-tesla-fahrer-schafft-eine-million-kilometer-und-verraet-wie-teuer-es-war), Gebrauchtwagen mit 300.000 und mehr Kilometern sind bei Tesla inzwischen keine Seltenheit mehr und der Zustand der Autos ist durch den viel geringeren Verschleiß wesentlich besser als der vergleichbarer Verbrenner.

    Übertriebene Reichweitenangaben? Dafür gibt es standardisierte Tests (NEFZ, WLTP – Worldwide harmonized Light -duty vehicles Test Procedure) und Teslas sind dort allen anderen Elektroautos weit überlegen (z.B. Porsche Taycan 412km, vergleichbarer Tesla 590 km).

    Es gibt Gerüchte, dass Tesla-Chef Elon Musk persönlich schon pleite ist? – Das private Vermögen von Elon Musk wird derzeit auf Forbes mit 22,3 Mia. Dollar angegeben.

    Bevor man also in das allseits beliebte Elektroauto- und insbesondere Tesla-Bashing fröhlich einstimmt, sollte man sich doch zumindest um die richtigenFakten kümmern, oder?

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    • Danke für die Infos. Dazu auf die Schnelle – bitte um Nachsicht, bin in Eile – nur das Folgende: Ein Quartalsgewinn macht noch keinen Jahresgewinn. 2018 war das nichts. Für 2019 wird man sehen. Auf jeden Fall hoch interessant, und auch hoch riskant für Investoren – zumindest meiner Meinung nach bei diesen Zahlen. https://www.finanzen.net/bilanz_guv/tesla Zur Verbraucherzufriedenheit: Irrtum vorbehalten, gilt das für die USA. Hier in Europa sieht die Situation etwas anderes aus – vor allem in Bezug auf Service-Leistungen, wie verschiedentlich in den Medie berichtet wurde. Zuletzt im August diesen Jahres, worauf Tesla eine Service-Offensive ankündigte. (Fall NextMove) Mit der Reichweite liegen Sie richtig. Model S kommt sogar auf 632 km. Tesla belegt im E-Auto-Ranking Platz 1-3 und ist damit führend. Es bleibt interessant, wie es weiter geht. Alles Liebe. mh

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      • Es gab in der Tat noch keinen Jahresgewinn (und wird auch dieses Jahr keinen geben), aber wenn Q4 wie zu erwarten profitabel wird haben wir 4 der letzten 6 Quartale mit Gewinn und das widerspricht doch der allgemeinen Ansicht, daß Tesla „nur Geld verbrennt“.

        Darüber hinaus gibt es nicht wenige Investoren, die Tesla dazu ermahnen, nicht zu sehr auf den Gewinn zu schauen, sondern weiter zu investieren. Bei einem YoY Wachstum von 82% müssen massiv Kapazitäten ausgebaut werden, das kostet sehr viel Geld (investieren ist nicht gleich „Geld verbrennen“).

        Dazu ist es in China gelungen, eine Giga – Factory in weniger als einem Jahr (!) von der grünen Wiese aus aufzubauen, die dieses Jahr noch zu produzieren beginnen wird. Dass etwas Ähnliches im sozialistischen Deutschland gelingen kann, ist leider auszuschließen, hoffentlich weiß Elon Musk, worauf er sich da eingelassen hat.

        Arbeitskräfte sollte es genug geben, die bestehenden Hersteller werden in Deutschland durch die schrittweise Umstellung auf Elektromobilität weit mehr als 7.000 Arbeitskräfte abbauen.

        Aber wie Sie sagen: Es bleibt interessant. Wenn wir dem Markt vertrauen (und das sollte man doch, oder ;-)) ist Tesla jetzt bereits deutlich mehr wert als GM oder BMW, und dafür gibt es definitiv einen Grund.

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  5. Sehr schön: Geld investieren, ist nicht Geld verbrennen. Darauf können wir uns einigen. 🙂 Sie schreiben vom yoy-Wachstum von gut 80%. Das ist in der Tat immens. Aber das Schludenwachstum bei Tesla ist eben auch immens und Verbindlichkeiten in der Höhe von fast 10 Milliarden bei sehr volatilem Geschäftsgang und mit vielen Fragezeichen (siehe nächster Punkt) ist als Investment sicher ein Abenteuer, aber keine Gondelfahrt. Dem Markt vertrauen: Ja – unbedingt. AUch darauf können wir uns einigen: Aber wenn ich richtig informiert bin, dann sind Teslas doch subventientioniert, oder nicht? Zumdinest in den USA gab es mal um die 7000 Dollar, die dann im vergangenen Jan. halbiert worden sind. Wie es hier in EU-Land ist, weiss ich nicht. Und wie die Sache bei Null-Staatsförderung aussehen würde, eben auch nicht. Weiteres Fragezeichen. Ich wiederhole mich: Es bleibt spannend. Und der Cyber-Truck ist ein Brüller. Würde mich nicht wundern, wenn der „trendet“!! 🙂 Dann würd’s vielleicht auch mit dem EPS mal klappen!

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    • Na ja, der „Tax credit“ ist in den USA auf $ 1850 geschrumpft und nächstes Jahr ist er ganz weg. Die Autos werden aber vom Preis / Leistungsverhältnis sehr schnell besser. Die Top Version des Cyber-Trucks mit 800 km Reichweite und der irren Beschleunigung von 2,9 sec 0-60 mph kostet $ 69.900, das ist auch ohne Förderung konkurrenzfähig.

      Ich will ja nicht behaupten, daß mich meine Tesla Aktien ruhig schlafen lassen, aber ich sage mir immer: Der Aktienmarkt ist ein sehr effizienter Markt und weiß mehr als ich 😉

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  6. Und vor allem wäre es sowohl Musk, als auch all seinen Investoren zu gönnen!! Ich drück‘ die Daumen und bin gespannt, was die Sozialisten in D mit Tesla anzetteln oder was Musk mit ihnen … Liebe Grüsse und Danke für den Austausch.

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