Neulich beim Putzen

Die schöne Welt eines Bedingungslosen Grundeinkommens

Letzthin rief hier ein Mann wegen eines Putzjobs an. Einmalige Sache. „Grosse Baustelle“. Auf meinen Bescheid hin, dass ich ausgebucht sei und ausserdem als „Ein-Mann-Unternehmen“ für „grosse Baustellen“ nicht die richtige Adresse sei, lachte er. Es handle sich um ein kleines Haus. Mit „grosser Baustelle“ meine er die Hinterlassenschaft der letzten Mieter. Ich willigte ein. Nicht des Geldes wegen, sondern weil ich das, wovon ich von Vermietern schon so oft gehört hatte, sehen wollte. Es lässt sich in dem Wort „widerlich“ zusammenfassen.

Ich mache mich an die Arbeit. Und dann stelle ich mir vor, wir hätten ein BGE und das Pro-Argument der Freiwilligkeit würde der praktischen Prüfung seiner Wirklichkeitstauglichkeit ausgesetzt. Ich sehe vor mir, wie in begeistertem Ehrenamt die Schamhaare von drei Generationen aus stinkenden Abflüssen geklaubt werden. Wie sinnsuchend Schicht und Schicht Schimmel und Fett von Küchenkombis und -wänden gekratzt werden. Ein Bild ungetrübten Enthusiasmus‘ und solidarischer Kreativität.

Halt, sagt die Pro-BGE-Seite. Solche Drecksarbeiten würden bestimmt nicht im Ehrenamt gemacht werden – aber weil die Leute nicht darauf angewiesen wären, hätten die Arbeitgeber, in diesem Fall die Vermieter, endlich einen „fairen“ Lohn zu zahlen. Nicht mehr 15 Euro brutto beziehungsweise 9 Euro netto, sondern 50 brutto. (Das BGE-ergänzende Netto, das nach Abzug des Prozentsatzes zur Finanzierung des BGE bleibt und der in einer Grössenordnung sein müsste, die den Enthusiasmus durchaus etwas dämpfen könnte, findet keine Erwähnung in der schönen BGE-Welt.)

Okay. Lassen wir uns darauf ein und beschränken uns auf die Feststellung, dass die Vermieter massiv höhere Löhne zahlen müssten. Und da ist der nächste Haken:Sämtliche Vermieter, die hier auf dem Land Häuser und Wohnungen vermieten, sind Private. Viele von ihnen Selbständige. Das oft in Wochenendarbeit gebaute oder renovierte Objekt ist Einkommen und Vorsorge zugleich. Tausend Euro für zwei Mal 10 Stunden Putzarbeit sind im besten Fall uninteressant oder schlicht nicht drin. Was geschieht also? Putzen sie selber? Ein Mal vielleicht, ja. Aber dann werden sie versuchen, dies zu vermeiden. Und zwar dadurch, dass potentiellen Mietern verstärkt auf den Zahn gefühlt und Referenzen eingeholt werden. Viele Leute werden unter diesen Umständen keine Wohnungen oder Häuser mehr kriegen. Und viele Häuser und Wohnungen werden leer stehen.

Die Folgen: Weniger Jobs. Gesetz, das Vermieter zur Vermietung verpflichtet. Verkaufswelle. Kollabierende Immobilienpreise. Kollabierende Steuereinnahmen. Ein zerstörter Markt.

Kurz: Weniger Wohlstand für alle. Pleite für die kommende Generation. Wobei diese von solchen Aussichten eigentlich begeistert sein müsste, da eine radikale Wohlstands- und Konsumdrosselung ihrer Meinung gut fürs Klima ist.

11 Gedanken zu “Neulich beim Putzen

  1. Na ja! Meiner Ansicht nach sind Putz- und Pflegeberufe, kurz sog. „weibliche Berufe“ tatsächlich unterbezahlt. Vor allem verglichen mit Bank-Managern und Politikern, die zwar überall zugange sind und äusserst wichtige Meinungen vertreten, de facto aber wesentlich Unwichtigeres leisten, auch wenn es anders aussehen mag und finanziell auch ganz anders, nämlich viel zu hoch honoriert wird. Da ich selbst lange genug selbst geputzt habe, weiss ich meine Putzfrau genau deshalb um so mehr zu schätzen und behandle sie dementsprechend wie eine V.I.P. , was sie für mich ja auch ist. Ausserdem bezahle ich (gerne) überdurchschnittlich. Löhne von Wichtigtuern hingegen, die vom Staat (Steuerzahler) bezahlt werden (müssen !!!) , für Geschwafel und völlig unvernünftige Entscheide, da reut mich dafür jeder Euro oder Franken. Und genau deshalb ist das BGE ein illusorischer „Hirnfurz“, weil dann die wirkliche Schmutzarbeit einfach liegen bleibt, oder wie erwähnt, an den „bösen gedeckelten“ Vermietern hängen bleibt, worauf die dann irgendwann keine Lust mehr haben zu vermieten. Genau das passiert doch schon.

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    • Ich habe und lebe von einem BGE, sozusagen. Und es waere mir viel leichter gefallen auf dieses BGE zu kommen, zudem waere es fuer viel mehr Leute moeglich das zu erreichen, wenn man die Steuer- und Abgabenlast deutlich verringerte. Fuer Linke sind diese Saetze voellig unverstaendlich. Fuer Kapitalisten ist das ganze klar:
      1. arbeiten
      2. ansparen
      3. das Angesparte investieren
      4. wenn die Zinsen/Dividenden zum Leben ausreichen kann man aufhoeren zu arbeiten
      Das ist eben ein selbst verdientes BGE.
      Linke bekaempfen diese Methode, wenn sie einem 70% des Einkommen wegnehmen, die Zinsen auf Null fahren, die Firmen so belasten, dass die keine Dividenden mehr zahlen koennen. Linke tun das was sie immer getan haben: andere Leute systematisch bestehlen.

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  2. Wer Geld fordert und bei Nichterfüllung mit Agressionen droht, ist ein Räuber.
    Wer Geld fordert unter Vorgabe falscher Versprechungen, ist ein Betrüger.
    Wer konsumieren will ohne entsprechend zu arbeiten, ist ein Schmarotzer.
    Wer sagt, dass das böse Worte sind die man nicht sagen darf, ist ein Helfer.

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  3. Erstens ist die Höhe des Stundensatz für Reinigungskräfte vollig aus der Luft gegriffen und grenzt an Schwachsinn.
    Das BGE wäre für viele eine Entlastung und würde zudem unseren Staat zwischen 45 und 48 Milliarden einsparen (laut deutschen Universitäten in Karlsruhe und Berlin ).
    Dann gibt es auch unter anderem das Argument, dass die Menschen ja nicht mehr arbeiten würden (z. B. O-Ton Hr. Lafontaine vor ein paar Jahren). Herr Lafontaine wurde darauf gefragt warum er denn noch arbeitet, er ist doch schließlich im Rentenalter und sei doch finanziell gut abgesichert. Ähnlich ist es beim BGE, die Menschen die Arbeiten wollen, werden weiterhin arbeiten. Sie können sich nur eben auch Mal einen schöneren Urlaub gönnen. Die Arbeitgeber haben einsparungen, wenn sie z. B. nur 2/3 des bisherigen Lohns zahlen, haben die meisten Arbeitnehmer noch mehr Geld als vorher in der Tasche. Und schließlich geht es genau darum. Wer arbeitet soll auch mehr verdienen. Ich könnte hier noch etliche Beispiele aufzählen. Aber mein Tipp ist, erstmal gründlich selber informieren, bevor man irgendetwas gelesenes von anderen annimmt. Ich für meinen Teil jabe ich über einige Jahre informiert. Und das beste Modell ist nach meiner Meinung von Dr. Götz Werner („Zahnpasta-Milliardär“).
    Ich sehe in diesem Modell nur Vorteile für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den Staat.

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    • Sie schreiben, sie hätten sich jahrelang mit der Thematik auseinandergesetzt. Châpeau zu dieser Leistung Sie bringt aber auch mit sich, dass ich dann im Fall eines solchen Expertenkommentars mehr erwarte, als Pöbeleien und Gedankenleserei, weiche Argumente und vage Annahmen. Nämlich Zahlen. Machen Sie den Fall auf in Bezug auf eine Putzkraft. Sagen Sie mir, was diese Putzkraft Brutto verdienen würde und was ihr netto bliebe. Sagen Sie mir, wie die Milliarden an Einsparungen zustande kommen. Und sagen Sie mich doch auch, was zu tun wäre, wenn einige Menschen beschliessen würden, das BGE nicht mit abgabenbelasteter sondern mit Schwarzarbeit zu ergänzen. Und nicht zuletzt: Sagen Sie mir, wer die Differenz bezahlt und ob die Bedingungslosigkeit auch auch die Möglichkeit mit einschliesst, nicht mitmachen zu müssen bei dem Ganzen. Denn ohne Freiwilligkeit ist es Zwang. Und damit weder bedingungslos, noch sozial.

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      • Hallo nochmal,
        bitte nehmen Sie das Wort „Schwachsinn“ nicht persönlich. Es bezieht sich auf die Höhe des von Ihnen genannten Stundenlohns. Und sicherlich kann man einiges mehr dazu schreiben, aber warum informieren Sie sich nicht selbst? Ich habe doch Quellen als Beispiele genannt. Und ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass sich jeder dazu selbst informieren sollte. Bevor Sie mich um eine genaue Erläuterung bitten, die mich sehr viel Zeit kosten würde, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Sie lediglich gegen das BGE arbeiten. Sie nennen aber selbst keine Fakten. Glauben Sie wirklich, dass eine Reinigungskraft 50,-€ verdienen müsste, damit wir noch Reinigungskräfte haben? Woher nehmen SIE denn diesen Stundensatz? Es gibt sehr viele Menschen die arbeiten möchten und sich sehr darüber freuen würden, wenn sie anstatt 1500,- € netto durch BGE „2500,- €“ netto hätten (Die höhe des Bürgergeldes würde sich nach ein paar Jahren steigern.). Einfach schon weil sich die Lebensqualität verbessert. Es wird sich auch andere geben, die keine Lust haben zu arbeiten, die dann mit dem BGE auskommen müssten. Die möchte aber auch wirklich keiner in seinem Betrieb haben. Es werden zukünftig sehr viele Arbeitsplätze wegfallen. Wir brauchen also ein anderes System.
        Finanziert würde das BGE zum größten Teil durch eine große Umstellung unseres Steuersystems. Aber bitte informieren Sie sich selbst. Es gibt nämlich viele Modelle für das BGE. Für welches ich mich entscheiden würde habe ich genannt, aber es zählt hierbei nicht was ich wählen würde. Sondern welches System das Beste wäre für Alle.

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      • Den Schwachsinns-Stundenlohn habe ich daher gewählt, da ein BGE-Experte (ein Befürworter dieser Lösung) einmal sagte, das zusätzlich zum BGE verdient Geld, müsste mit mindestens 70 Prozent besteuert werden. Von 50 Euro würden dann netto 15 bleiben. Für dieses Netto wird keiner einen Putzjob machen. Wenn, dann nur schwarz, wo er dann vielleicht 25 auf die Hand kriegt. Wie schätzen Sie die Höhe der Abzüge für einen Zusatzjob ein? Was sagt Ihre bevorzugte BGE-Variante da? Und weiter würde mich wirklich interessieren, wie Sie die Problematik mit der Schwarzarbeit beurteilen. Also Problematik nicht für die Schwarzabeiter, sondern für den Staat. Und nicht zuletzt beziehungsweise zuallererst: Was ist mit den Menschen, die bei einem solchen System nicht mitmachen möchten? Die nicht Geld „vom Staat“ zugeteilt erhalten wollen? Müssen die dann unter Androhung von Gewalt gezwungen werden? Und finden Sie das sozial?

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      • Ich würde Ihnen gerne etwas dazu schicken, wenn Sie möchten. Dann können Sie das Modell von Dr. Götz Werner (96 Seiten) selbst einmal lesen und danach können wir unser Gespräch gerne fortführen.
        Aber noch zu der sozialen Frage… Ja, ich fände es sehr sozial, wenn jeder ein Grundeinkommen hätte. Und er wer es nicht haben möchte, kann es ja sozialer Weise spenden.

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    • Haetten Sie sich wirklich informiert, wuerden Sie nicht ungeprueft nachplappern, was andere sagen. Haben Sie wenigstens im Ansatz diese Modelle mal nachgerechnet, und herausgefunden wo in diesen Konzepten der Satz steht „Und jetzt geschieht ein Wunder!“, auch wenn’s nicht so explizit dasteht?

      Kleiner praktischer Tip: Nicht von der wundersamen Geldvermehrung der Zentralbanken taeuschen lassen.

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