Freiheit, die ich meine

Plädoyer für einen konsequenten Liberalismus – von Michael von Prollius

Was ist Liberalismus und was nicht? Das Unverständnis über das, was Liberalismus ausmacht, ist groß und wird vom Missbrauch des Begriffs Kapitalismus noch übertroffen. Wenn Sie wissen, dass einer der Manchester-Kapitalisten, Richard Cobden, als Held der Armen („Champion of the poor“) verehrt wurde und ihm zu Ehren in vielen Städten Statuen errichtet wurden, dann gehören Sie zu einer kleinen Schar von Wissenden. Die Manchester-Kapitalisten besiegten mit ihrer Liga zur Abschaffung der Getreidezölle 1846 ein für allemal den Hunger in Großbritannien. Vorangegangen war eine Revolution, die verkürzt als Industrielle, zuweilen auch als Institutionelle Revolution bezeichnet wird. Tatsächlich veränderten nicht nur die Maschinen die Welt grundlegend, sondern vor allem die liberalen, bürgerlichen Ideen, darunter die vollkommen neue Würdigung der Unternehmer, von Handel und Geldverdienen. Der Kapitalismus brach sich global Bahn. Dieser Wohlstandsurknall hat bis heute die Lebenserwartung verdreifacht und das pro Kopf Einkommen verhundertfacht.

Liberale möchten, dass es den Menschen gut geht. Nicht mehr und nicht weniger. Liberalismus ist die Lehre des vielfältigen Nutzens für alle Menschen. Erforderlich ist lediglich die Einhaltung einiger Prinzipien – an erster Stelle die Unantastbarkeit von Leib, Leben und Eigentum.

Liberale schauen auf die Menschen als Individuen, auf ihre persönliche Fähigkeit, das Beste aus ihrem Leben zu machen, wenn man sie in Ruhe lässt und ihre selbst gesteckten Ziele mit ihren Mitteln auf individuellen Wegen verfolgen lässt. Das geschieht selten allein und vielfach verbunden mit Mitmenschen. Einige sind Bekannte aus dem persönlichen Umfeld, unzählige andere sind unbekannte Menschen verbunden über Märkte und diverse private und berufliche Netzwerke, zunehmend weltweit. Liberale wissen, dass für ein erfolgreiches Miteinander unterschiedliche Regeln erforderlich sind: die der Gemeinschaft für den überschaubaren Nahbereich, die der Gesellschaft für den Umgang mit Fremden. Sozialisten und andere Sozialingenieure wollen die Logik der Gemeinschaft, des Stammes, der Horde auf die Gemeinschaft übertragen und müssen brutal scheitern. Konservative stehen nicht nur historisch zwischen Liberalen und Sozialisten, sondern haben auch keine Prinzipien, um konsequent gleich entscheiden zu können.

Liberale sind immer gegen Zölle und Mindestlöhne, aber für Privateigentum und maximale Machtbeschränkung.

Geboren im Befreiungskampf gegen autoritäre Herrscher sehnen sich Liberale nach Freiheit. Freiheit ist die erste und unerlässliche Bedingung für ein besseres Leben. „Die Freiheit hat einzig deshalb unschätzbaren Wert, weil sie unserem Geist angemessene Einsicht, unserem Charakter Stärke, unserer Seele Schwung verleiht.“ erkannte der Lausanner Staatstheoretiker und Politiker Benjamin Constant vor 200 Jahren. Herrschaft mindern und Gewalt verhindern ist die Voraussetzung, damit es den Menschen gut gehen kann. Friede kann nur auf Freiheit gebaut werden. Menschliche Würde und Glück sind untrennbar mit Freiheit verbunden.

Freiheit bedeutet handeln im Rahmen der Rechte und unter Berücksichtigung der Pflichten. Freiheit ist im Liberalismus erstens stets individuelle Freiheit, zweitens vorstaatlich – Freiheit muss nicht begründet werden, ihre Einschränkung hingegen schon – drittens staatlich zu schützen, aber viertens nur im Fall von Freiheitskonflikten einschränkbar. Schließlich ist Freiheit fünftens eine Frage des Verhältnisses zwischen den Menschen sowie zwischen ihnen und dem Staat. Der klarsichtige Publizist Roland Baader erkannte: „Das einzig wahre Menschenrecht, ist das Recht in Ruhe gelassen zu werden.“ In Verbundenheit mit Konservativen geht das Recht vor allem aus Konventionen hervor.

Eine Wiege des Liberalismus liegt in den politischen Kämpfen des 17. Jahrhunderts in England. Es war die Partei der Whigs, die gegen Willkür und für eine Bindung aller Menschen – insbesondere der Herrschenden – an das Recht kämpfte. Gegen Jakob I. und mit der Glorious Revolution und den Bill of Rights von 1688, der Gründungsakte des Parlamentarismus, gelang es zunehmend, eine Herrschaft des Rechts zu errichten. Die bürgerliche, kapitalistische Revolution um 1800 speiste sich aus diesen Ideen. Am Anfang stand das Streben nach Meinungsfreiheit, in deren Zentrum der Kampf um Religions- und Gewissensfreiheit, das sich auf die Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit sowie die akademischen Lehrfreiheit ausdehnte. Ziel war stets die Verminderung der Macht von Menschen über Menschen. Die Sehnsucht nach Freiheit ist indes kein angelsächsisches Phänomen, sondern ein weltweites, zeitloses wie der Prager und der Arabische Frühling andeuten.

Die vielleicht größte Herausforderung der Liberalen ist der Staat. Der Zweck des Staates lässt sich in kantscher Tradition mit Wilhelm von Humboldt wie folgt zusammenfassen: Sicherung der Freiheit – Sicherheit der Bürger. Denn Sicherheit ist „das einzige, welches der einzelne Mensch mit seinen Kräften allein nicht zu erlangen vermag“ und „daß die Erhaltung der Sicherheit sowohl gegen auswärtige Feinde als innerliche Zwistigkeiten den Zweck des Staates ausmachen“. Für konsequente Liberale kann die Aufgabe des Staates nur minimal sein: Sicherung der Freiheit durch Schutz von Leib, Leben und Eigentum. Darin unterscheiden sie sich von Sozialisten, Scheinliberalen und Konservativen. Die Instrumentalisierung des Gewaltmonopols für jeweilige Präferenzen verbindet die drei Gruppen und sei es im Fall staatlicher Bildung und Zuständigkeit für Infrastruktur. Zur Gewalt gehört auch geistige Gewalt und damit die Vielzahl von Vorschriften, die einer spezifischen Lebensweise dienen.

Der Unterschied zwischen Liberalismus im klassischen Sinn und Neo- und Ordoliberalismus sowie Sozialliberalismus und Scheinliberalismus liegt nicht in der jeweils enthaltenen liberalen Komponente, sondern in dem, was als nichtliberale Komponente hinzugefügt wird. Erstaunlicherweise bescheinigen sich selbst Sozialdemokraten und Sozialisten gerne eine liberale Haltung, etwa in gesellschaftlichen Belangen.

Leben wir in einer liberalen Welt? Herrscht – welch Widerspruch in sich – der Liberalismus? Liberale Aspekte gibt es in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, auch in Deutschland. Allerdings gilt: Das Euro-System ist nicht liberal. Liberale befürworten einen Wettbewerb der Währungen, auch Bankenfreiheit oder einen Goldstandard. Die EU ist nicht liberal. Liberale kritisieren die bürokratische, gleichmacherische EU und befürworten einen gemeinsamen Markt sowie zwischenstaatlichen Wettbewerb. Der Umgang mit der Massenmigration ist in Europa gleich dreifach illiberal: Weder Bürger noch Migranten werden hinreichend geschützt, zugleich wird ein Sog in Transfersysteme entfacht und alternatives Verhalten anderer Staaten diskreditiert. Schließlich war die Soziale Marktwirtschaft keine Marktwirtschaft, sondern eine etatistische Mischwirtschaft, in der Anfangsphase gleichwohl ein Glücksfall.

Das Geschwätz vom Turbokapitalismus und Wirtschaftsfundamentalismus ist abstrus. Wer morgens mit der EU-Sommerzeit vom staatlichen, regionalen Radiosender geweckt wird, Wasser und Strom von den kommunalen Versorgern nutzt, subventionierte Agrarprodukte zu sich nimmt, um mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren, darf sich wundern, dass es überhaupt noch Unternehmer gibt, die bereit sind sich der regulatorischen Raserei auszusetzen. Kein Wunder, dass die Masse der jungen Generation nach einem gefahrlosen Staatsjob strebt.

Gleichwohl haben die Linken ein rechtes Gespür. Unsere Staats- und Wirtschaftsform ist längst die des Politischen Kapitalismus. Dieses spezifische System von Wirtschaft und Gesellschaft ist weder Marktwirtschaft noch rechtsstaatliche Demokratie, sondern eine Kooperation von politischen Eliten mit wirtschaftlichen Eliten und Führern von Nichtregierungsorganisationen zu ihrem Nutzen. Das institutionelle Gefüge setzt Anreize für eine exklusive, moralisierte Politik, die Menschen ohne Zugang zu den Fleischtöpfen und Regulierungsmaschinen schadet. Politischer Kapitalismus erlaubt der Elite Produktivität und Profit zu entkoppeln, Vorteile auf wenige zu konzentrieren und die Kosten vielen aufzuerlegen. Bis zu zwei Drittel des Bruttoarbeitgebergehalts gehen in Deutschland durch Steuern und Abgaben an den Staatsapparat. Das Problem sind nicht ungezügelte Märkte, sondern ist die ungezügelte Politik.

Liberale strebten stets danach, Herrschaft so weit wie möglich zu mindern. Herrschaft wird nicht besser, weil sie von vielen oder einem Einzelnen ausgeübt wird. Mit den Worten von Friedrich August von Hayek: „Der Liberalismus befaßt sich mit den Aufgaben des Staates und vor allem mit der Beschränkung seiner Macht. Die demokratische Bewegung befaßt sich mit der Frage, wer den Staat lenken soll. Der Liberalismus fordert, alle Macht, also auch die der Mehrheit, zu begrenzen.“

Konservative vertreten wiederholt Standpunkte, die Gemeinsamkeiten mit dem Liberalismus aufweisen. Zugleich gibt es unaufhörlich Anfeindungen. Der scharfzüngige Publizist Armin Mohler gilt manchem Konservativen als derjenige, der mit seiner Schrift „Gegen die Liberalen“ eine „fulminante Liberalenbeschimpfung“ vorgelegt und die Unhaltbarkeit liberaler Positionen nachgewiesen haben soll. Tatsächlich handelt es sich um eine recht passable Polemik, die sich gegen die übermäßig verbreitete Spezies der Bindestrich-Liberalen richtet, die regelmäßig allenfalls Lifestyle-Liberale sind, also liberal getarnte Sozialdemokraten. Konsequente Liberale werden an den Vorwürfen leider wenig Erhellendes finden. Die These, eine liberale Gesellschaft zehre von konservativen Werten, sitzt sowohl dem verbreiteten Vorurteil auf, eine liberale Ordnung sei werte- und traditionslos, als auch der Auffassung, Werte könnten Prinzipien ersetzen. Liberale sehen die Familie als Keimzelle prosperierender Gesellschaften an und betonen den Wert überschaubarer Gemeinwesen im politischen Wettbewerb mit einander. Der ehrbare Kaufmann ist ein Wertekodex, den Liberale gerne hoch halten. Albern wird es, wenn Armin Mohler argumentiert, „das Individuum gibt es gar nicht. Es ist eine Erfindung“. Diese Utopie konnten nicht einmal die Nationalsozialisten, geschweige denn die Sozialisten in Ost-Berlin verwirklichen. Die Feststellung, das liberale Feindbild seien die Konservativen, macht deutlich, dass Mohler die Grundsätze einer Ordnung der Freiheit nicht verstanden hat und mit Carl Schmitt polemisiert. Konservative können gerade in einer Ordnung der Freiheit prosperieren, ohne über andere zu bestimmen.

Als Leichtgewicht präsentiert sich demgegenüber Manfred Kleine-Hartlage, der mit linken Denkmustern über einen Selbstmord der liberalen Gesellschaft spekuliert. Angeblich seien sozialistische und liberale Ideologie zu einer seit 1990 dominierenden Metaideologie verschmolzen: „Was zwischen Liberalismus und Marxismus nicht umstritten sein kann, ist Konsens.“ Leider enthält das Buch keine Analyse, keine begriffliche Klarheit, keine fundierten Kausalzusammenhänge, dafür manche vage Korrelation. Störche fliegen, Kinder werden geboren. Wer sich ideologiefrei für den Entfremdungsprozess zwischen Politikern und den sie eigentlich beauftragenden Wählern interessiert, dem sei Wolfgang Sofskys „Macht und Stellvertretung“ empfohlen.

Auch der polnische Philosoph Ryszard Antoni Legutko, Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), kritisiert etwas als Liberalismus, das es gar nicht gibt: „Die liberale Praxis ist der Leninschen nicht unähnlich.“ Präsentiert werden Zerrbilder von ins Unkenntliche maltretierten Liberalen und ihrem von Legutko pervertierten Denken, darunter, Liberale würden die „res publica“ verabscheuen und die Demokratie vergötzen. Liberale trennen viel mehr die eng begrenzten öffentlichen Aufgaben von den vielen privaten. Das können Konservative, die Lebensstile und kollektive Identität propagieren, von sich nicht behaupten. Das Problem liegt tiefer: Einige Konservative misstrauen der dezentralen Evolution der Gesellschaft und letztlich dem Menschen selbst. Folglich suchen sie Stabilität bei höher gestellten Eliten und der Bewahrung von manchem, zudem wechselnden Gestrigen für alle durch den Gewaltmonopolisten.

Abschließend ein Wort für Globalisierungsgegner. Wer das Fortschreiten der freiwilligen Kooperation von Menschen über nationale Grenzen hinweg kritisiert, sollte eine Frage beantworten: Worin liegt der Unterschied, ob ich als Berliner mit jemandem aus Dehli, Sydney, Kapstadt oder Santiago wissenschaftlich zusammen arbeite oder Handel treibe im Vergleich zu jemandem aus Augsburg oder Cottbus? Eine Abschottung durch Blockbildung wie im Kalten Krieg ist gleichermaßen tragisch für die betroffenen Menschen wie töricht. Nationalistisches Getümmel, implizite Autarkie-Forderungen oder die Bildung eines sich abschottenden EU-Blocks führen zu einem nationalen oder internationalen bürokratischen Sozialismus, der nichts anderes als Sklaverei im Namen kollektiver Größe bedeutet. Der einzelne Mensch und seine Familie werden in solchen Aggregaten stets zur Verfügungsmasse.

Auch Liberale tun gut als Widerpart nicht nur den linken und rechten Sozialismus in all seinen Facetten zu erkennen, sondern den politisch organisierten Kapitalismus, den Verbund von Big Business und Big Government sowie NGOs.

Die Ausbreitung der Freiheit hat stets mehr Gutes gebracht als jedes kollektive Projekt. Die unabhängigen Bestrebungen vieler dürfen nicht den organisierten Interessen weniger geopfert werden. Es braucht mutige Männer und Frauen, die für die Freiheit eintreten und die Prinzipien hochhalten. Wir können alle frei sein und unsere individuellen und gemeinschaftlichen Werte behalten.

Eine leicht gekürzte Version des Artikels ist zuerst bei Junge Freiheit 48/19 erschienen. Danke für die Erlaubnis, den Text für FRANJORDANBLOG zu übernehmen.

11 Gedanken zu “Freiheit, die ich meine

  1. Sehr gute Analyse von Michael von Prollius. Die internationale Auseinandersetzung wird zusätzlich noch komplizierter, weil das Adjektiv „liberal“ und das Substantiv „die Liberalen“ sich in unterschiedlichen Sprachen unterschiedlich entwickelt haben. In den USA benützt man das Adjektiv „liberal“ praktisch gleichbedeutend mit „sozialdemokratisch“. Im 19. Jahrhundert waren die Liberalen auch das Feindbild der Katholisch-Konservativen und das Adjektiv wurde auch generell für „säkularisiert“ und „religiös indifferent“ verwendet. Diese Bedeutung klingt auch im Französischen noch nach und bewirkt in Frankreich viele Missverständnisse. Für viele terminologischen Verwirrungen sind auch die Liberalen selbst verantwortlich, weil sie dazu tendieren, unter sich Richtungs- und Flügelkämpfe auszutragen und einander gegenseitig den „echten Liberalismus“ abzusprechen. Man hat versucht, mit dem Begriff „libertär“ Abhilfe zu schaffen. Aber für die Anarcho-Kapitalisten sind auch die Libertären noch zu Staatsgläibig. Wenn man von der gemeinsamen Überzeugung ausgeht, dass staatliche Macht zu beschränken ist, sollten sich angesichts der zunehmenden staatlichen Machtballung alle am gleichen Strick ziehen: Die Rechtsstaats- Liberalen, die Minimalstaats-Liberalen und die Anarcho-Kapitalisten, die denn Staat vollständig abschaffen wollen. Die gemeinsame Wegstrecke dürfte heutzutage zielmlich lang sein, und möglicherweise lässt sich der Rest an not-wendiger Staatsmacht nur experimentell und vergleichsweise ermitteln. Politik ist ein Experiment des Zusammenlebens.

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  2. Leider beschneiden wir uns, auch oder gerade bei philosophischen, humanistischen und auch wirtschaftlichen Themen.
    Was wäre, wenn sich diese hier beschriebenen „Liberalen“ der „ungefärbten Liebe“ verschreiben?
    Hinter den Zahlen, den Mitteln steht so vieles mehr und in letzter Zeit frage ich mich nur allzu oft, warum nutzen wir unser Potenzial nicht — wo doch gerade „diese Liberalen“ soviel davon haben, materiell und eigentlich auch verstandesmäßig…

    Alles Liebe,
    Raffa.

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      • Widerspruch meinerseits, sorry.

        Liebe ist das ursprünglichste Prinzip überhaupt!
        Oder wie magst du Liebe definieren?
        oder den Begriff „Einstellung“ umschreiben?
        Heutzutage ist es ja aktuell gewünscht, Liebe auf Gefühle oder gar Emotionen zu reduzieren.
        Ganz gleich, ob es die ominösen 11 Minuten in der Werbung sind oder aber die gerade jahreszeitlich passenden Aufrufe ….

        Hmm

        Lieben Gruß und danke für das „flotte“ Echo,
        Raffa.

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    • Dein Einwand zur Liebe gibt mir vieles zu denken. Danke dafür. Zwischenbilanz des gedanklichen Wanderns: Liebe ist Teil einer Dreieinigkeit: Dankbarkeit, Liebe, Freiheit. Verkürzt: Nur der Dankbare lebt als Befreiter. Dankbarkeit ist zuerst Dankbarkeit dafür, am Leben zu sein. Konsequenz daraus ist eine fundamentale Lebensliebe, für die die Achtung und der Respekt vor der Würde allen Lebens konstitutiv ist. Sie schützt vor grundsätzlicher Erwartung und Forderung (Recht auf) und kann nur zu Dankbarkeit führen. Weiter: Der Mensch ist auf ein Gegenüber hin geschaffen – Dankbarkeit, Liebe, Freiheit werden nur in Interaktion zwischen Individuen reale Werte, bleiben ohne Gegenüber leer. Und auch hier finde ich für meine Person eine Art Dreieinigkeit: Das Lebende an sich, der Nächste und als der Erste und der Letzte Gott. Meiner Mutter zu danken, dass ich am Leben bin, greift – es ist instinktives Fühlen – zu kurz. Etwas in mir ist von Ewigkeit her und auf Ewigkeit hin geschaffen. Nicht im Sinn ewig dauernden Seins, sondern über Sein und Zeit hinaus. Soviel für den Moment und in diesem Sinn: Alles Liebe!

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      • Yepp, das „Thema“ hat eine enorme Tiefe,
        was die „Verhaltensmuster“, wie auch die „Beziehungen“ der Menschen angeht…
        Schauen wir auf das Thema des Beitrages, zur auch „nur“ auf die „Wirtschafts-Beziehungen“ und auf das Potenzial des Einzelnen und wie „er“ darin agieren könnte (sollte), wenn das Prinzip der Liebe in dieser Schnittmenge den Platz einnehmen würde …
        … wären die Wirtschaftsbeziehungen andere, meiner Überzeugung nach „erfolgreichere“, die Nutzung der Resourcen eine andere, insbesondere der menschlichen (siehe Potenziale, Talente etc.) und auch der kaufmännische Saldo wäre auf der „Haben-Seite“ ziemlich fett — im Gegensatz zu unseren aktuellen Salden – siehe Schuldenberge, Umweltverschmutzung, Ausbeutung des „Human-Kapitals“ etc …

        Und so fragt man sich, welches Prinzip, in Wirtschaft und bei den „Beziehungen“ ist das vorherrschende?
        Die Antwort fällt bei ergebnis-offener Betrachtung nicht schwer, jedoch tut sich der Mensch mit dem „U-Turn“ immer so schwer …

        Liebe Grüße,
        Raffa.

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  3. Schon der als das Hohelied der Liebe bezeichnete Paulustext (https://de.wikipedia.org/wiki/Hohelied_der_Liebe_(1._Korinther_13) macht deutlich, das Liebe vieles ist, sicherlich auch eine Lebens-Einstellung. Aber ist sie nicht in erster Linie eine Gottesgabe, die man in sich trägt – oder auch nicht?

    So wie man Falschheit („falsche Propheten“) an seinen Früchten erkennen kann, kann man auch an den Früchten erkennen, wer Liebe in sich trägt und wer nicht. Das von Sozialisten benutzte Wort „Solidarität“ sollte schon deshalb nicht mit tätiger Nächstenliebe verwechselt werden, denn die Früchte des Sozialismus sind spätestens zur Erntezeit offensichtlich. Immer.

    Die Ausbreitung der Freiheit hat hingegen – wie Michael von Prollius zu Recht betont – stets mehr Gutes gebracht als jedes kollektive Projekt. Wer die Bibel liest erkennt recht bald, dass Gott den Menschen zur Freiheit erschaffen hat. Er gab Ihm zur Prüfung seiner Verlässlichkeit nur ein einziges Gebot, verbunden mit der ersten unter frei ausgehandelten Verträgen üblichen Konventionalstrafe:

    „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“ Das ist der Schlüsselsatz zum Verständnis nicht nur der Bibel, vorausgesetzt man lässt sich nicht dazu verführen, dabei an Äpfel zu denken.

    Liebe und Verlässlichkeit gewährleisten ein gutes und friedvolles Miteinander, in der Ehe, der Familie, im Freundeskreis und in der gesamten Gesellschaft. Davon lebt auch Liberalismus – oder er entgleitet in die Beliebigkeit aller anderen Strömungen und liefert faule Früchte ab, wie zur Zeit die FDP.

    Wer keinen Respekt vor dem Eigentum anderer hat, dem fehlt auch der Respekt vor dem Menschen dahinter. Wo keine Liebe ist, ist auch kein Respekt zu erwarten.

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  4. […]Für konsequente Liberale kann die Aufgabe des Staates nur minimal sein: Sicherung der Freiheit durch Schutz von Leib, Leben und Eigentum.[…]
    D’accord, aber nur im Allgemeinen gesprochen. Denn auch dies laesst sich sozialistisch und/oder konservativ interpretieren. Diese „Sicherung“ kostet ja etwas, und bei der Verteilung der Kosten auf alle, entsteht ja schon ein klein wenig Sozialismus. So wie bei der Definition von „Leben“ der Konservative den Termin wohl i.d.R. etwas frueher ansetzt, als der Progressive, und aehnliches gilt fuer die Definition von Eigentum.

    Der Liberalismus (oder Libertarismus, weil die Linken sich den Begriff „liberal“ geklaut haben) ist in vielen Bereichen einfach noch nicht konsequent zu Ende gedacht. Deshalb kippt ein liberales System nach 5 Minuten Menschheitsgeschichte in die ein oder andere Richtung um.

    Sie sehen die ‚Rudelbildung‘, d.h. Stamm, Horde, und die Uebertragung dieser Prinzipien auf die Gemeinschaft als einen Fehler der Sozialisten. Sozialisten traeumen eher von der Grosshorde, Konservative eher von der Grossfamilie. Und was tun Sie denn als Liberaler, wenn eine der beiden Horden an die Tuer klopft, nicht zum Handeln, sondern zum Erobern? Wollen Sie dann mal allmaehlich doch einen Staat gruenden, eine grosse Armee aufstellen, Waffen herstellen, oder sind Sie dann nicht schon ueberrannt und tot?

    Libertarismus wird nur in Bezug auf seine Grundsaetze und auf die Wirtschaft diskutiert. Das ewige Dilemma bleibt Sicherheit UND Freiheit. Die Widersacher, also Sozialisten und Konservative, gewinnen bisher immer in Punkto Sicherheit.

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  5. Liebe ist mit Worten nicht fassbar. Der zu Unrecht vergessene deutschsprachige Prager Dichter Urzidil hat sie wie folgt beschrieben: “ Ich bin nicht daheim heisst: Ich bin nicht geliebt. Vielleicht heisst es auch: Ich selbst liebe nicht genug. Einen vollgültigen Anspruch hat aber nur der Liebende. Wer aber ist dessen gewahr, wieviel seine Liebe mit ihrem Gegenstand wirklich zu schaffen hat? Inwieweit sie nicht etwa bloss um ihrer selbst willen da ist.? Auch sagt man „Liebe“ als ob es bloss eine gäbe. Zumindest gibt es vielerlei Spielarten und man sehnt sich von einer zur andern.“…In: Johannes Urzidil, Die verlorene Geliebte, Die Fremden, München 1956, S. 335

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