Der Wähler stört da nur

Eines der grössten Rätsel überhaupt ist mir der Glaube vieler Menschen daran, dass Berufspolitiker nicht wie jeder andere Mensch in jedem anderen Beruf auch, zuerst an das eigene berufliche Fortkommen denken würden, sondern an die „Bürger“ und deren Wohl.

Das ist bestenfalls naiv. Im Fall der Politik bedeutet das eigene berufliche Fortkommen, zuerst an sich selbst zu denken, dann an die Partei, dann an die der Partei nahe Stehenden, an die über sie berichtenden Medien, an die in den Medien zu Wort kommenden Organisationen und Personen, an die grossen Geldgeber und Mandatsvermittler und schliesslich an jene, die zwischen Letzteren und ihnen selbst vermitteln. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass all diese Personen – jedes andere Parteimitglied, jeder Journalist, jeder NGO-Exponent, jeder Lobbyist und so weiter – ihrerseits auch zuerst um ihr eigenes berufliches Weiterkommen bemüht sind; dass eine Art Konsens zwischen all diesen Leuten oder ein Zusammengehen im Sinn grösstmöglicher Einstimmigkeit für jeden von ihnen von Vorteil ist.

Der Bürger – „das Land“, die vielbeschworene kommende Generation -figurieren in diesem System – wenn überhaupt – unter ferner liefen: Als zurzeit noch notwendiges, „Wähler“ genanntes Übel.

Das Ganze wird nur noch getoppt von den Glauben, wenn nur andere Berufspolitiker oder gar nicht-gewählte, supranationale Gremien das Ruder übernehmen und uns regieren würden, wäre alles besser.

4 Gedanken zu “Der Wähler stört da nur

  1. Am besten regiert jeder sich selbst. Gemeinsame Angelegenheiten soll man gemeinsam beweglich regeln und lösen, in möglichst kleinen Gemeinschaften mit möglichst viel Selbstbestimmung. Wer eine gemeinsam bestimmte und befristete Aufgabe als anvertrautes Amt wahrnimmt, soll daneben seinen angestammten Beruf weiter ausüben. Wir brauchen keine anderen und besseren Politiker, wir brauchen weniger Politik und weniger Fremdbestimmung – im Idealfall gar keine. Die beste politische Strategie ist der geordnete Rückzug aus etatistischen und zentralistischen Fehlstrukturen.

    Gefällt 3 Personen

    • So fallen mir die alten „Thing-Kreise“ ein, die der Germanen und Kelten
      oder aber eine „jungfräuliche, nicht unterwanderte“ Anarchie.

      Auch der Ansatz des alten Bismarck hatte Potenzial, eben keine Kohle für Politiker und kein Wahlrecht für die, welche am „Tropf des Staates hängen“ (sieh „Staatsquote“).
      Doch leider haben uns die „Sozen“ (sorry, war gar selbst 2x einer) die Suppe, auch schon da eingebrockt ….

      Danke für den Standpunkt, werter Robert.

      Alles Liebe,
      Raffa.

      Gefällt 1 Person

  2. Es ist wie in der Wirtschaft: selber machen kann man’s nur in Teilbereichen besser, also wird delegiert. Zugleich sind die Konzerne auch sehr bemüht, sämtliche Konkurrenz zu verdrängen. Ohne extra Kontrollinstanz würden Monopole entstehen (auch wenn das in der Ideologie des superfreien Marktes nicht zugegeben wird). In der Politik ist es allerdings genauso, auch da gibt es diese Monopoltendenz, wie sie im Text oben dargestellt ist. Das mit der extra Kontrollinstanz ist in der Politik aber noch schwieriger.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s