Rule of madness – der kalkulierte Wahnsinn

Auszug aus dem Vortrag von Hans-Hermann Hoppe, den er am 23. November im Palais Coburg in Wien im Rahmen einer Veranstaltung zum 70. Jahrestag der Veröffentlichung von Mises ‚  Human Action gehalten hat.

(…) Lassen Sie mich mit einer (…) Reihe von Aussagen von unstrittiger oder quasi-unstrittiger Qualität fortfahren:

Menschliches Handeln ist das bewusste Streben nach Zielen, die als wertvoll angesehen werden, unter Verwendung knapper Ressourcen.

Niemand kann absichtlich nicht handeln.

Jede Handlung zielt darauf ab, das subjektive Wohlbefinden des Akteurs zu steigern.

Eine größere Menge eines Gutes wird immer einer kleineren Menge desselben Gutes vorgezogen.

Die frühere Erreichung eines bestimmten Ziels durch bestimmte Mittel wird seiner späteren Erreichung vorgezogen.

Die Produktion muss immer vor dem Verbrauch erfolgen.

Nur wer spart – weniger ausgibt als verdient – kann seinen Wohlstand dauerhaft steigern (es sei denn, er stiehlt).

Was heute konsumiert wird, kann morgen nicht mehr konsumiert werden.

Über dem Marktpreis liegende Preisbindungen wie Mindestlöhne führen zu unverkäuflichen Überschüssen, dh zu Zwangsarbeitslosigkeit.

Preisabsprachen unterhalb des Marktpreises, wie Mietobergrenzen, führen zu Engpässen und einem anhaltenden Mangel an Mietwohnungen.

Ohne Privateigentum an Produktionsfaktoren – im klassischen Sozialismus – kann es keine Marktpreise geben, und ohne Marktpreise ist eine Wirtschaftsrechnung nicht möglich.

Steuern – obligatorische Abgaben – belasten Einkommenserzeuger und / oder Immobilienbesitzer und verringern die Produktion und die Kapitalbildung.

Keine Form der Besteuerung ist mit dem Gleichheitsgrundsatz vor dem Gesetz vereinbar, da bei jeder Besteuerung zwei ungleiche Gruppen von Personen mit gegensätzlichen Interessen entstehen: die des (Netto-) Steuerpflichtigen einerseits, für den Steuern eine Belastung darstellen, versucht, die Klasse der Empfänger bzw. Verbraucher von (Netto-) Steuern zu reduzieren, für die Steuern als Einnahmequelle eine Freude sind, die man stattdessen so weit wie möglich erhöhen möchte.

Demokratie – Mehrheitsregel – ist mit Privateigentum – Individualeigentum und Selbstbestimmung – unvereinbar und führt zu einem schleichenden Sozialismus, dh zu einer fortschreitenden Umverteilung und der fortschreitenden Erosion aller privaten Eigentumsrechte.

Was auch immer durch Steuern subventioniert wird, wie z. B. Nichtstun oder Dinge tun, für die es keine rentable Kundennachfrage gibt, wird durch die Subvention weiter gefördert und gestärkt.

Wer nicht persönlich für die Rückzahlung und Tilgung sogenannter öffentlicher Schulden haftet, die ihm oder seiner Beteiligung entstanden sind, wie dies heute bei allen Politikern und Abgeordneten der Fall ist, wird leichtfertig und ohne zu zögern Schulden zu seinem eigenen gegenwärtigen Vorteil aufnehmen und zu der Schaden einer unpersönlichen zukünftigen Öffentlichkeit.

Wer wie alle so genannten Zentralbanken ein von der Staatsmacht erzwungenes territoriales Gelddruckmonopol kontrolliert, wird von diesem Privileg auch Gebrauch machen, und selbst wenn eine Erhöhung des Geldbetrags niemals den sozialen Wohlstand insgesamt steigern kann, sondern nur Weiterverteilen, wird immer mehr neues Geld zu seinem eigenen Vorteil und dem seiner direkten Partner und engsten Geschäftspartner drucken.

Und zu guter Letzt: Wer oder welche Institution ein territoriales Gewalt- und Gerichtsbarkeitsmonopol hat, wie es tatsächlich von allen Staaten behauptet wird, wird auch davon Gebrauch machen. Das heißt, er wird nicht nur selbst Gewalt ausüben, sondern auch erklären, dass seine Gewaltausübung aufgrund seines letztendlichen gesetzlichen Vertreters rechtmäßig ist. Und in allen Konflikten und Auseinandersetzungen einer Privatperson mit Vertretern dieser Institution (des Staates) entscheidet kein unabhängiger, neutraler Dritter über Gut und Böse oder über die Schuld und Unschuld der Gegner, sondern immer ein Angestellter, dh ein abhängiger Vertreter, eine der beiden Konfliktparteien (der Staat) selbst, mit einem entsprechenden, verlässlich vorhersehbaren parteipolitischen, „staatsunterstützenden“ Ergebnis.

Die Liste solcher apodiktischen oder quasi-apodiktischen Aussagen könnte leicht fortgesetzt werden, aber es sollte hier reichen, um zu sehen, welche Konsequenzen sich aus diesem Ensemble elementarer Einsichten der Sozialwissenschaften ergeben.

Offensichtlich stehen diese Erkenntnisse in krassem Konflikt mit der sozialen Realität. In dieser Realität gibt es Gewaltmonopole, Gelddruckmonopole, Steuern, Steuerzahler und Steuerkonsumenten, steuerlich subventionierte Untätigkeit und Nutzlosigkeit, Mehrheitsregel (Demokratie), Staatsverschuldung, von der Haftung befreite Politiker und Parlamentarier, Kapitalkonsum (Konsum ohne Sparen) ), Umverteilung des Eigentums, Mindestlöhne und Höchstmieten. Und all diese Akte und Institutionen werden nicht ständig kritisiert. Im Gegenteil, sie werden fast eintönig und von allen Seiten als selbstverständlich, richtig, gut und weise dargestellt und gepriesen.

Die Konsequenz dieser Einsichten und deren Vergleich mit der sozialen Realität sollte klar sein. Um es umgangssprachlich auszudrücken: Man ist – und ich selbst war – zunächst einfach verblüfft. Mir wurde immer klarer, welcher krasse Wahnsinn in der heutigen Welt herrscht. Und ich war verblüfft über die Zeit und Mühe, die es mich gekostet hatte, um zu dieser Einsicht zu gelangen.

Und es gab offensichtlich zwei Gründe für diesen Wahnsinn. Einer war einfach menschliche Dummheit. Obwohl die Ziele, die man angeblich verfolgte, gut gemeint sein könnten, täuschte man sich in der Wahl der Mittel. Es war zum Beispiel dumm zu versuchen, die Arbeitslosigkeit mit Mindestlöhnen oder Wohnungsmangel mit Mietobergrenzen zu bekämpfen. Es war dumm, von einer Erhöhung der Geldmenge mehr allgemeinen Wohlstand oder von einer Ausweitung der Kredite mehr wirtschaftliches Wachstum zu erwarten (ohne erhöhte Ersparnisse). Es war dumm, Demokratie als Mittel zum Schutz des Eigentums einzuführen. Und es war auch dumm, von der Errichtung eines Monopolisten für Gewaltanwendung und Justiz (dh eines Staates) eine Verringerung der Gewalt oder sogar der Gerechtigkeit, dh eine unparteiische Konfliktlösung, zu erwarten; (…)

Aber es war keineswegs (und leider) nur Dummheit oder Unwissenheit, die für die Vorherrschaft des Wahnsinns verantwortlich waren. Es waren auch vorsätzliche Täuschung, Lügen und Betrug. Es gab Lügner und Betrüger, die das alles wussten. Sie wussten, dass die genannten Maßnahmen und Institutionen nicht und niemals zu den erhofften wohltätigen Ergebnissen ihrer einfacheren Zeitgenossen führen konnten. Trotzdem oder gerade deshalb propaierten und förderten sie sie tatkräftig, weil sie selbst und ihre Freunde und Anhänger davon profitieren konnten – wenn auch nur auf Kosten und zum Leidwesen anderer. Und natürlich wurde mir sofort klar, wer die Leute und Kreise waren, wer diese Gauner und ihre Schergen. (…)

3 Gedanken zu “Rule of madness – der kalkulierte Wahnsinn

  1. Wenn man es in so einfachen Saetzen darstellt, ist der Libertarismus gar nicht mal so kompliziert, nicht wahr?

    Und jetzt schaut Euch mal die komplexen Verhaue an, die Marxens, Sozis, Adorno und Co. so fabriziert haben, nur damit man nicht sofort erkennt, wie man beschissen werden soll…

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  2. Was ist das Gute an Staaten? Sie haben Grenzen und sollten nicht aufgelöst werden, aber sie sollten schlank sein wie Neuseeland oder vergleichsweise die Schweiz, nur den Rahmen für ein Volk geben. Auf der Regierungsbank eines Staates nehmen sicher unterschiedliche Persönlichkieten Platz, je nachdem, ob ein Staat aufgebaut werden muß oder ob er sich in Übersättigung befindet. Als Kriegsenkel habe ich schom einige erlebt.
    Oben wird wieder zentral über die Wirtschaft gesprochen. Aber die Wirtschaft ist nicht der Anfang. Der Anfang ist das Leben. Es ist Voraussetzung für alles, auch für die Wirtschaft. Was läßt uns leben? „Nur die Liebe läßt uns leben“ sang Mary Roos, als ich noch mehr Enkel war. „Gott ist die Liebe“, sagt Papst Benedkt XVI. und auch: „Keine Angst, er nimmt nichts weg, sondern er gibt alles“. Der Gegenspieler, den man Teufel oder Satan nennt, versucht ständig, mit einer großen Armee von Ungeistern, die sich der Menschen bemächtigen, dagegen zu halten. Er bringt aber nichts zustande, obwohl er permanent arbeitet und Unsummen verschlingt. Das Ergebnis ist Null, ist Zerstörung. Letztes Zitat von Walter Nigg, Schweizer Theologe: „Der Teufel versucht dem modernen Menschen weiszumachen, daß es ihn nicht gibt“. Ich sage: „Nie war er so eifrig wie heute.“
    Unsere Regierenden sind ihm ergeben, aber mit wieviel Macht und Geld.sie auch ausgestattet sein mögen, sie bringen nichts zustande, weil sie nicht in der Wahrheit sind. Sie bereichern sich nicht nur am Staat, sondern ermorden auch diejenigen, die die Mittel bereitstellen (der Teufel ist ein Mörder von Anfang an, heißt es). Das ist eine neue „Qualität“. Erkenn Sie die Handschrift des Gegenspieles. Das Ergebnis ist „Rule of Madness“ oder der Wahnsinn der Massen (Douglas Murray).

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