Das Handwerk der Feigheit

Etwas vom Sichersten im Leben sind Schwankungen. In emotionaler, physischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Ein fixiertes, starres Leben, Zusammenleben und Wirtschaften – Platons grosser Traum der Unveränderlichkeit, des Ein-für-Allemal – ist nicht nur nicht lebenswert, sondern als Idee absurd und als reales Experiment in jeder Beziehung ruinös. Und es endet zwingend in Tyrannei und Tod wie alles, was Flüchtiges, wie das Leben es ist, festhalten, fixieren und kontrollieren will.

Trotzdem wird nichts anderes von der Politik praktiziert und von einer Mehrheit der Menschen gefordert: Das Ausschalten von Schwankungen, Unsicherheiten und Bereinigungen zugunsten einer Illusion von Stabilität und Sicherheit, die allem, was Leben und Natur bedeutet, zuwiderläuft.

Mit Billionen von Euros und Dollars wird die Bereinigung des Finanz- und Wirtschaftsystems verhindert und ein Konstrukt in den Himmel gebaut und aufrecht erhalten, das aus eigener Kraft längst nicht mehr stehen würde. Mit dem Auschalten der natürlichen Verteilung und Schwankung von Talent, Begabung und Fähigkeiten werden Generationen von Kindern mit der Nadel der Gerechtikeit auf dem Samt der Gleichheit aufgespiesst und zu Bewegungslosigkeit und geistigem Tod verdammt. Mittels Lockdown werden zurzeit tausende von Tote verhindert, die das Leben selbst und der Ruin morgen fordern werden.

Das Leben ist hart, Natur und ihre Gesetze sind mitleidlos. Aber das, was die Politik uns anbietet und was viele glaubend kaufen, das hat micht Sicherheit nichts zu tun. Auch nicht mit Stabilität. Es ist vielmehr die Reduktion dessen, was man Leben nennt, auf ein Ausweichmanöver, ein Jahrzehnte dauerndes Sich-Wegducken. Es ist nichts anderes, als der grössenwahnsinnige Versuch und der feige Wunsch, Unsicherheit, Ungleichheit, Bereinigung, Krankheit und Tod, die natürlicher Teil des Lebens sind, durch Unterschlagung der Tatsache auszuschalten, dass das Einzige, was man damit erreicht, ihre Verschiebung in die Zukunft ist. Es ist die Bereitschaft und der Wille, Unangenehmes zugunsten eines komfortablen Jetzt zu vermeiden und sie jenen, die nach uns kommen aufzubürden. Alles, alles bloss heute nicht leiden, heute „gut leben“. Das Problem dabei: Nicht zu leiden bedeutet auch, nicht zu leben.

Mehr noch: Wo Schwankungen unterdrückt werden zugunsten eines laschen Komforts, wo ein halbes Heute akzeptiert wird für ein Stück falscher Sicherheit, da wird nicht nur nicht gelebt, da wird das Morgen hart, brutal, arm und unfrei.

Und es stellt sich die Frage, ob eine Gesellschaft, die bereit ist, ihren Kindern solches zu hinterlassen, um heute nicht leben zu müssen, überhaupt zur Zukunft fähig ist, eine haben will oder eine verdient hat.

3 Gedanken zu “Das Handwerk der Feigheit

  1. Monika, du sagst es. Eigentlich wollte ich über das Drachenfliegen philosophieren, welches ja im gewissen Sinne eine Metapher ist (für die die es erleben durften): „Leben“ in seiner reinsten und intensivsten Form, verbunden mit einem ebenso extremen Risiko, wenn es mal schief läuft. Die Frage am Ende deines Artikels, ob diese Gesellschaft eine Zukunft verdient hat, mag berechtigt sein. Gleichwohl werden wir darüber nicht entscheiden, sondern die Zukunft selbst, respektive Gott (je nach Gusto). Ich frage mich ja selber, weshalb „nichts geschieht“. Weshalb geschieht nichts? Weil es allen (einschließlich dir und mir?) offensichtlich noch so gut geht, dass wir das was wir glauben zu besitzen, nicht riskieren wollen. In den französischen no-go-Zones haben wir diese Tage ja schon einen Vorgeschmack auf das was kommt. Seien wir ehrlich: Als Gesellschaft scheinen wir unfähig zu der Härte und Disziplin, die notwendig wäre, um das Steuer noch herumzureißen. Wenn schon ein lächerliches Virus reicht (zugegeben, im Zusammenspiel mit einer geradezu diabolischen Propagandakampagne), um den halben Planeten in Angst und Schrecken zu versetzen (ich habe keine Ahnung, wie groß der Anteil derjenigen ist, die „normal“ geblieben ist: 50%? mehr? weniger?), was wird dann wen es wirklich ernst wird? Das Einzige was getan werden kann meiner Meinung nach, selber so gut als möglich zu sein, und weiter mutig und mit einem festen Glauben an das Gute (ja!) Beispiel zu geben. Das gesagt: ich wünsche ein schönes Wochenende!

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  2. Pingback: Politikgläubigkeit und das Aufschieben von Unangenehmem in die Zukunft: Das Handwerk der Feigheit - Frank Jordan - eigentümlich frei

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