Überforderte Entscheider

Von Carlos A. Gebauer

Wir müssen uns immer klar machen: Diejenigen, die derzeit politische Konsequenzen aus vorgelegten Statistiken ziehen, enstammen dem Milieu, das auch für möglich hält, durch CO2-Reduktionen in Deutschland die gesamte Weltdurchschnittstemperatur über Jahrzehnte hinweg feinzujustieren. Sie entstammen dem Milieu, das die wesentliche Ursache für innerstädtische Stickoxidwerte in Diesel-Pkws sieht. Sie entstammen dem Milieu, das den Stromverbrauch von Staubsaugern gesetzlich gedrosselt hat und zugleich propagiert, den gesamten Verkehr auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Sie entstammen dem Milieu, das linguistisch Genus mit Sexus verwechselt, Deutschland ökonomisch zum Gewinner des Euro erklärt und glaubt, zuletzt haarschart einer Dürrekatastrophe in Europa entkommen zu sein. Einem Milieu, das Migration aus medizinisch unterversorgten Regionen der Welt nach Europa für gesundheitssystematisch unproblematisch erklärte, nun aber Mitteleuropäer im Mai zum Schaltragen im Supermarkt verpflichtet, um einer konkreten Seuchengefahr zu begegnen.

Ich stehe kurz davor, sagen zu wollen: Sie bilden ein soziales Milieu, dessen Mitglieder nicht mehr nur unfähig geworden sind, grammatikalisch vollständige Sätze zu generieren, sondern denen die Begabung fehlt, aus wissenschaftlichen Fakten innerhalb angemessener Kausalitätsannahmen valide Konsequenzen für eigenes Handeln und normatives Anordnen zu ziehen. Anders gesagt: Ich spreche von einem gesellschaftlichen Milieu, das die vorstehenden Sätze in ihrer Bedeutung nicht erfassen kann.

Dieses Milieu kann reden, mißliebige Meinungen shadowbannen und insolventen Prominenten beim Känguruhodenessen im Dschungel zuschauen. Aber ein rationales wissenschaftliches Weltbild zur Grundlage rechtlich und ethisch vertretbarer Entscheidungen zu machen, das vermögen die Mitglieder dieses Milieus bislang leider nicht. Roman Herzog sagte mir auf meine Frage, wie man menschliches Leben als grundgesetzlichen Wert wohl am konsequentesten schütze, als Innenminister habe er auch in die Schutzbereiche des Lebens seiner Landesbediensteten eingreifen müssen. Als mich das erstaunte, fragte er zurück: „Wie hätte ich sonst einem Feuerwehrmann sagen können, er solle in ein brennendes Haus laufen, um Menschen zu bergen?“.

Als Jurastudent, der ich damals war, lernte ich: Gesetze müssen abwägen zwischen Gefahren hier und Gefahren dort. Daß der Schutz eines multimorbiden Hochbetagten in Deutschland vor der Möglichkeit einer Infektion derzeit mit Gewissheit Menschen am anderen Ende der Welt tötet, gehört zu der bitteren Wahrheit dieser Abwägungen in schier endlosen Kausalketten rund um den Globus. Ein gesinnungsethisch verwirrtes Milieu aus bildungsfernen Machtechnokraten ist an dieser Stelle wohl intellektuell vollends überfordert.

5 Gedanken zu “Überforderte Entscheider

  1. Es ist das Milieu, das in Zeiten der Nanotechnologie an die Macht kam. Deshalb nenne ich sie Nanoeliten. Sie halten eine Nanosekunde für eine Sekunde und einen Nanometer für einen Meter. Roman Herzog kommt aus einer Generation, die noch realistische Maßstäbe hatten und Größenordnungen kannten. Die technischen Möglichkeiten der Vergrößerung durch Computer außerhalb des Menschen gaukeln den Eliten Größen vor, die gar nicht da sind. Das Problem ist, daß durch die externe Vergrößerung die Teleskope in ihren Seelen nicht mehr funktionieren. Man mag es kaum hören, aber die Ursache für all das ist die Digitaliserung, denn der Mensch ist analog. Jeder hat unendlich mehr Möglichkeiten als alle Netzwerke der Welt. Und was macht die Politik? Sie verkauft die Digitalisierung als letzten Schrei der Innovation und einzigen Weg der Weiterentwicklung. Nein, es ist der größte Irrweg der Menschheit und ein wichtiger Pate heißt Bill Gates. So kommt es, daß sich 160 bis 180 cm große menschliche Wesen für Gott halten, und sie können auch nicht mehr umschalten, sind dieser Verführung erlegen. Was liegt hier in Wirklichkeit vor? Es ist aus meiner Sicht einer der genialsten Tricks des Teufels, den es sehr wohl gibt und der die Menschen durch die neuen technischen Möglichkeiten in einem Ausmaß verwirrt und verführt hat, wie es vielleicht noch nie vorgekommen ist. Hut ab!

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  2. Ja, das Milieu. Ich mag keine Milieus. Weder das Rotlicht-Milieu, noch das Klima-Co2-Milieu, noch das sozialistische Gutmenschen-Milieu. Irgendwie ist jedes Milieu auf seine Art „anrüchig“.

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  3. Wenn Politiker wirr reden, dann ist das mit der Absicht, die Wahrheit zu verbergen. Je häufiger wirr geredet wird, desto mehr gibt es, was man der Bevölkerung nicht sagen kann, will oder darf. Wobei die zu verbergende Wahrheit auch darin bestehen kann, dass die Politiker sich nicht auskennen. Aber es kann auch ganz andere Gründe geben. Der Urgrund allerdings ist immer Machtstreben.

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  4. Eine exzellente Auflistung des Versagens der „Entscheider gegenüber rationalen Erkenntnissen der Wissenschaft, die im übrigen nicht „Konsens“, sondern Diskussion bedeutet.
    Solche Entscheidungen wurden seit 1949 dutzendweise getroffen, mit den Höhepunkten DM-Verlust, Einschleusung von Millionen und Klima-Wahn. In jeder dieser Fragen erfolgte die falsche Entscheidung entgegen rationalen Überlegungen, entgegen dem erkennbaren Willen der Mehrheit und gereichte (grundgesetzwidrig, Art.56) dem deutschen Volk zum Schaden, nicht zum Nutzen.
    Die Frage stellt sich, wieso denn die Entscheider immer und immer wieder vernunftwidrig falsch handeln?
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    Sind die so verbrecherisch inkompetent?
    Oder sind ihnen Sachentscheidungen völlig fremd, weil sie nur nach der nächsten Karrierestufe schielen?
    Oder handeln sie gar planvoll nach fremder Agenda?
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    Aber, keine Antwort gibt diese Problematik auf die konkrete Frage, welches Handeln in der Pandemie denn nun richtig gewesen wäre.
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    TAIWAN hatte ein Frühwarnsystem für neue, gefährliche Viren und umfassende Planung dafür.
    Taiwan hat abgestuft bereits im DEZEMBER 2019 mit den ersten von über hundert Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus begonnen.
    Diese sofortige Unterbrechung der allerersten Infektionsketten hat Erfolg gehabt:
    IN TAIWAN FAND DIE PANDEMIE EINFACH NICHT STATT !
    Nur ein paar Dutzend Erkrankte, kaum Einschränkungen des sozialen Lebens, die Wirtschaft blüht!
    DAS HÄTTEN WIR AUCH HABEN KÖNNEN !!
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    Die „Entscheider“ im „Westen“, auch in der BRD, haben fast drei Monate nichts und dann wenig getan.
    Erfolg: Sogar Merkel prognostiziert 11 Millionen Schwer-Erkrankte, etwa eine Million Tote.
    Das vorsätzliche Unterlassen der richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt trotz der sofortigen Warnung von Taiwan und sogar China begründet eine schwere SCHULD:
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    Jeder Erkrankte ist den „Entscheidern anzulasten, jeder Corona-Tote ist ein Merkel-Spahn-Toter!

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