Zwischen Wahrheit und Wahn

Nichtwissenwollen und Glauben sind schöne Orte. Warm und sicher. Und wohl jeder von uns hat Themen- und Lebensbereiche, wo er sicheres Fürwahrhalten dem Ungewissen vorzieht und vorziehen muss. Und sei es als Grund und Halt, um in anderen Bezirken des Denkens das Offene aushalten zu können.

Die Suche nach Warhheit indes ist weder warm, noch sicher. Sie ist stetes geistiges In-Bewegung- und Auf-Der-Hut-Sein; sie bedeutet laufende Konfrontation mit Unsicherheit und Ungeordnetem. Und sie fordert von einem, wenn er nicht in Wahn abdriften will, das konstante Aushalten der Spannung, die entsteht, wenn er sich mit dem, was er ablehnt und nicht wissen will, genauso intensiv auseinandersetzt wie mit dem, was er glauben möchte. Man kann nicht ablehnen, was man nicht kennt.

Vor diesem Hintergrund jene als „Verschwörungstheoretiker“ zu verunglimpfen, die das Wagnis dieser Suche eingehen, ist ebenso komisch wie dumm. Wo einer diese Suche antritt – egal mithilfe welcher ‚Krücken‘ – ist Respekt gefragt. Und wo einer zu spät bremst, sich verliert, nicht zurückfindet oder schlicht wahnsinnig wird, da kann jede Art der Häme getrost als das schale Blöken aus den Pferchen des meinungsmässigen Prêt-à-Porter gedeutet werden, das sie ist.

4 Gedanken zu “Zwischen Wahrheit und Wahn

  1. @Frank Jordan Wo haben Sie denn gesteckt?
    Die Begeisterung, mit der die Deppen der Welt seit Langem ihren Holzweg beschreiten, ist doch sehr beachtlich. Wahrscheinlich warten am Ende sowohl Adelstitel als auch Nasenring. Es kann allerdings als gesichert gelten, daß jedwedes extraterrestrische, gleichsam intelligente Lebewesen, nicht über die irdischen Witzveranstaltungen lacht.
    Ihr „Und wo einer zu spät bremst, sich verliert, nicht zurückfindet oder schlicht wahnsinnig wird, da kann jede Art der Häme getrost als das schale Blöken aus den Pferchen des meinungsmässigen Prêt-à-Porter gedeutet werden, das sie ist.“ ist dennoch einfach nur ein sehr schöner und treffender Satz, der sich auch gut im Privaten anwenden läßt.

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  2. Manchmal wird Suche nach Wahrheit verglichen mit dem Aufstieg auf einen Gipfel, wo die Luft dünn wird. Könnte es sein, daß dort oben schon jemand sitzt und mir die Hand herunterreicht, damit ich auf den letzten Metern nicht stürze?

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  3. Ich stelle oefters mal die Frage, was passieren sollte, wenn sich herausstellt, dass ein sog. Verschwoerungstheoretiker recht hat(te). Ist das dann immer noch ein „Spinner“, oder ein Analyst, der eine Verschwoerung aufdeckte?

    Und nach der Aufdeckung fragt man sich vielleicht, ob die Verschwoerung aus Boshaftigkeit oder aus Dummheit entstand. Oft laesst sich das kaum unterscheiden.

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