Vorurteile, IQ-Verweigerer, #ichbin87 und die Katalanen

Gedanken zum September 2017 – von Franz Bettinger

Auf den Spruch „Gott sei Dank haben 87% nicht die AfD gewählt“ ist zu entgegnen: „Ja, aber so gesehen haben auch rund 70% Merkel NICHT gewählt“. Man täusche sich nicht: Nicht nur die AfD-Wähler sind gegen die Flüchtlingspolitik, sondern die Mehrheit der Deutschen. Allein die Grünen stehen geschlossen hinter der Politik des hanebüchenen Unsinns: die Welt retten und das eigene Land darüber vergessen. Mehr noch: sich seiner schämen und sich daran mästen. Kein Widerspruch in der Welt des #ichbin87prozent.

„Wer wie die AfD nur über Abschottung redet, der löst keine Probleme,“ meint die Linke. Falsch. Das löst schon eine Menge, wenn auch nicht alle Probleme, die eine Million Scharia-Gläubige mit sich bringen. Es löst aber vor allem ein paar deutsche Probleme – noch vor jenen Ruandas. Nennen Sie mich bescheiden oder begrenzt – aber das reicht mir vollkommen.  Das und die Pflege kluger Vorurteile.

Die entscheidenden Ebenen der Differenzierung von Individuen, Völkern und Rassen sind ihre Biologie, Kultur, Religion und Sozialisierung. Aufgrund dieser Merkmale sind Vorurteile nützlich und angebracht. Zu sagen: „Vorsicht, das ist ein Nafri; der könnte ein Messer in der Tasche haben“ ist ein Vorurteil. Und zwar ein sehr nützliches, gerade in Bezug auf die neuen IQ-Verweigerer.

IQ? Ach egal. Intelligenz wird ohnehin überschätzt, wie man an den Karrieren von Joschka Fischer, Martin Schulz und Katrin Göring-Eckardt belegen kann. Diskriminierung, sagen sie? Diskriminierung ist die zulässige Beurteilung ungleicher Sachverhalte. Man muss diesen Begriff endlich wieder auf seine Beine stellen und aus den Giftkammern ideologie-verseuchter Sprach-Kontrolleure befreien. Unterscheidung, gestützt auf sachliche Gründe, ist das Wesen jeder Rechtsfindung und jeder Sach-Entscheidung und eigentlich eine Binse. Nur nicht für den Linken, der sich weigert, Unterschiede erkennen zu wollen, nicht mal zwischen den Geschlechtern. Einst gab es den Sowjetmenschen. Heute soll’s der Globalmensch sein. Idee und Konzept dahinter sind dieselben. Das Resultat, lässt man es zu, ebenso.

Rechte, Grundrechte, Menschenrechte, gibt es so etwas? Natürlich nicht. Nicht in der Natur. Das sind alles menschliche Erfindungen. Sind es wenigstens gute Erfindungen? Wer soll das wissen? Der Papst? Mohammed (in seinen Träumen)? Der Kaiser? Oder der EuGH? Ob Witwen-Verbrennung (Hindus), Stierkampf (Spanier) oder das Reinheitsgebot beim Bier (Bayern) – die Frage ist nicht, ob dies statthaft sei, sondern wer darüber entscheidet, was statthaft ist. Sklaven zu halten war einmal Recht; über 4000 Jahre lang. Das Recht ist nichts Objektives, und es spiegelt auch nicht „das Gute“ wider. Das Recht ist lediglich das Gesetz des Stärkeren. Demokratie auch.

In Kansas, Wisconsin und in Kalifornien wurde die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in lupenrein demokratischen Abstimmungen abgelehnt. Aber: In allen drei Fällen wurden die Volksentscheide von Richtern, die das Volk nicht gewählt hat, umgestoßen.

1996 unterstütze die USA die Wahl Jelzin’s mit 500 Mio. Dollar, berichtete die New York Times. Jelzin hat die Wahl ja auch gewonnen gegen einen Kandidaten, der in Umfragen zunächst weit vorne lag, aber nur 3 Mio. für seinen Wahlkampf zur Verfügung hatte. Das zum Thema, wer Wahlen in anderen Ländern manipuliert. Läuft auch unter Demokratie.

Zur Erinnerung:

Alexander Gauland (2017): „Wir werden die Regierung jagen.“ Christian Lindner (2013): „Wir jagen die Regierung von Hannelore Kraft“ Markus Söder (2009): „Wir werden die Regierung jagen“.

Zu guter Letzt: Wie will man China dazu bringen, Tibet zu respektieren, wenn nicht einmal Spanien den  Katalanen Unabhängigkeit zugestehen will? Klein-Staaterei, na und? Was ist schlecht daran, wenn kleine Volksgruppen (Südtirol, Basken, Bretonen, Korsen, Bayern, die Saarländer…) über sich selbst autonom bestimmen können, alles im Rahmen einer globalisierten Welt? Nichts ist schlecht daran. Die Briten hatten nach WW1 den neu gegründeten Völkerbund (heute die UNO) dazu gebracht, die vom Empire willkürlich quer durch Stämme und Ethnien gezogenen Grenzen auf der ganzen (!) Welt als sakrosankt zu erklären. Das hat zu Vertreibungen, Säuberungen, Kriegen und Bürgerkriegen geführt, und sie werden nie verebben. Revision ist angesagt.

Lasst die Menschen selbst bestimmen, wie und in welchen Grenzen sie leben wollen. Was würden mich die dummen Bremer angehen, wenn wir an der Saar Eliteschulen haben dürften? Was ginge mich der verschuldete Gutmenschen-Kropf Berlin an, wenn ich nicht für den Verschwender haften und für die Typen arbeiten müsste, die nicht arbeiten wollen? Siehe Luxemburg. Übrigens: Das Völkerrecht stellt ein Referendum über die Verfassung. Demokratie hat viele Schwächen. Aber sich zu erdreisten, von Demokratie zu reden, wenn nur noch, wie in der EU üblich, Abstimmungen mit erwarteten Ergebnissen zugelassen sind, die Machtpolitikern passen – welch ein Hohn.

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Die Abgehängten

Halbsatirisches Fragment von Roi Henry

Kaum zu glauben, aber die Lebenserwartung der Deutschen erreicht wohl bald zweihundert Jahre und die Medizin kommt nicht nach. Besonders die Psychiatrie hat große Probleme, alle richtig zu behandeln. Da hilft nur Satire – mit normaler Sprache ist dem Wahnsinn nämlich nicht beizukommen.

Die dts-Nachrichtenagentur meldet neben interessanten Nachrichten mitunter auch das, worauf ich mich gleich beziehen möchte. Ein gewisser Herr Martin Walser, Berufener und Schriftsteller, zirka 190 Jahre alt und jung geblieben, findet die mehr als zwanzig Prozent der AfD im Osten Deutschlands „die traurigste Nachricht des Tages“. Vermutlich weiß er noch gar nicht, dass sein Abendbrot bald völlig cholesterinfrei sein wird. Er legte bedeutsam nach und äusserte für einen Autor sehr freimütig, dass wir uns jetzt nicht die Köpfe blutig kratzen, sondern die Spätfolge der deutschen Teilung ernst nehmen müssen.

Er spricht wirklich von Teilung und gar nicht von den Besatzungsmächten, dem Mauerbau, den Mauertoten, Schiessbefehl, Propaganda und Wiedervereinigung.

Sein höchstens halb so alter, aber ebenso naseweise Kollege Feridun Zaimoglu sehe einen „Nationalzynismus“ triumphieren, wird geschrieben. Und knallig hinterher: „Die Schlechten einer schlechten Generation, vereint im Fremdenabwehrverein AfD, blasen zur Jagd. Schön wär’s, wenn man sie jagte. Guten Kater, Deutschland!“ Die Krankenkasse ist sicher bereit, ihm eine Kur in Kreuzberg oder Nähe Eisenbahnstraße, Leipzig, zu verschaffen.

Der dritte in dieser freundlichen und quasselnden Skatrunde, der Bestseller-Autor Daniel Kehlmann,  empfindet trotz des Einzugs der AfD in den Bundestag „aufrichtige Dankbarkeit“ gegenüber Angela Merkel. „Denn man wagt kaum, sich vorzustellen, wie viel Prozent die AfD erreicht hätte, wäre sie nicht noch einmal angetreten.“ Und er setzt noch einen darauf: „Wir leben in dunklen Zeiten, aber diese Wahl hätte noch schlimmer ausgehen können.“ Die Dosierung seiner Medikamente muss also auch kontrolliert werden.

Und schliesslich die Autorin Juli Zeh, die ihren Kumpeln vermutlich den lauwarmen demokratischen Tee und die gnadenlos proletarischen Brötchen besorgt, stellt sich die Frage, wie gut es einem Land noch gehen müsse, „wie viel mehr Freiheit und Sicherheit und Wohlstand und Demokratie und Bildung und Zivilisiertheit“ man noch erreichen müsse, „damit Menschen sich nicht mehr von fremdenfeindlichen Szenarien aufhetzen lassen“. Zehs Fazit laut dts-Nachrichtenagentur: „Das Gefühl der Vergeblichkeit aller redlichen Bemühungen erreicht niederschmetternde Kraft.“ Ihr zeigen wir die Flaschen sammelnden alten Menschen Deutschlands.

Allen gemeinsam: Sie haben keine Ahnung, wie abgehängt sie schon sind. Es ist immer dasselbe; das Gutdenken hat sich – ich weiss nicht wie und wann – in ihr tägliches „Denken“ eingeschlichen. Migranten sind generell „Flüchtlinge“, Täter sind „Männer“ oder „Gruppen von Männern“, Opfer sind weder Mann noch Frau, aller Identität beraubt, bloss noch „Menschen“. Eine Gattung. Die Antifa, die als Schlägertruppe mit roher Gewalt gegen Andersdenkende vorgeht, bezeichnen sie als „Aktivisten“. Recht und Gesetz kennen sie also ebenfalls nicht. Und oft sind sie sprachlos ob der täglichen Gewalt auf deutschen Straßen – dazu gibt es ihn ihrer Welt nichts zu sagen, was gedruckt werden dürfte. Muss man sie zum Lüften ins Freie tragen?

Hier ein Alphabet für das, was diesen dreisten und geschichtsvergessenen Linken und vielen Journalisten derzeit fehlt. Man sollte es ihnen schenken:

A wie der Anstand, der es verbietet, sich wie ein Affe oder ein Esel aufzuführen
B wie die Behutsamkeit, mit der ein Kind zum ersten Mal einen Regenwurm vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt.
C wie der Charme, mit dem sich frei leben, scheitern, wieder aufstehen und das Leben genießen lässt (auch bekannt als Mensch-Sein).
D wie die Demut, die jedem Freien zu Gesicht steht,
E wie die Ehrfurcht vor denen, denen sie ihr Leben verdanken, ihren Eltern.
F wie wirkliche Freiheit im Kopf
G wie die Gesellschaft, in der jeder einen Platz hat,
H wie die Herzlichkeit gegenüber den anderen,
I wie Ich bin klein,
J wie Jahrzehnte der Erfahrung von Mitmenschen mit Diktatur und Propaganda.
K wie die Klarheit in der Sprache, im Denken und im Handeln,
L wie die Liebe zu Gottes Schöpfung oder wenigstens zur Heimat
M wie Milkyway, locker und leicht, schwimmt sogar in Milch,
N wie Nächstenliebe anstelle anonymer Fern-Menschlichkeit
O wie echte Opferhilfe.
P wie der Padre, der Frieden predigt in der Gefahr, getötet zu werden,
Q wie Qualität in allem, was man macht,
R wie Recht als Massstab für Gerechtigkeit,
S wie Sonnenblumenduft,
T wie die Treue zum Freund, zum Volk, zu Vaterland, zu Muttersprache,
V wie das Vertrauen in sich selbst und in andere,
W wie Wohlwollen ohne Eigennutz,
X , Y und Z wie alles andere.

Vielvölkerstaat? Nein, danke!

Von Philipp A. Mende

„Wehe dem, der glaubt, man könne Europa etwa zentralstaatlich zusammenfassen, oder man könne es unter eine mehr oder minder ausgeprägte zentrale Gewalt stellen. Nein – dieses Europa hat seinen Wert auch für die übrige Welt gerade in seiner Buntheit, in der Mannigfaltigkeit und Differenziertheit des Lebens.“ (Ludwig Erhard)

Unnötig zu erwähnen, dass Erhard den Begriff „Buntheit“ in diesem Zusammenhang nicht in der pervertierten Form von heute gebrauchte, sondern von einer natürlichen, d.h. spontan entstehenden Form sprach, die sich genau dann entwickelt (und tatsächlich bereichert), wenn Menschen eigenverantwortlich und selbstbestimmt leben, also ohne einen alles regulierenden Nanny-Staat, und Politik demzufolge so wenig wie möglich (am besten überhaupt nicht) in das Leben von Bürgern „hineinpfuscht“. Kurz: Wenn die Situation das exakte Gegenteil von heute ist.

Unter der Voraussetzung, dass mit dem Begriff „Volk“ verschiedene, sich teilweise überschneidende Gruppen von Individuen gemeint sind, die aufgrund einer gemeinsamen Sprache und vieler weiterer, bestimmter kultureller Gemeinsamkeiten und Beziehungen sowie zahlreicher Verwandtschaftsgruppen miteinander verbunden sind, ist die Frage, warum ein zwangskonstruierter Vielvölkerstaat noch destruktiver ist als ein zwangskonstruierter Nationalstaat, eine recht interessante. (Die nächste Frage wäre sodann freilich, warum sezedierte Gemeinden einem „Nationalstaat“ überlegen sind, aber der Zug ist vor dem Hintergrund der objektiven Realität abgefahren, wie es scheint.)

Man könnte nun seitenlang darüber referieren, wieso die „kleinere Version“ der „größeren Version“ in der Theorie überlegen ist. Dazu müsste heutzutage natürlich auch in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, dass die Ablehnung eines „Vielvölkerstaates“ mitnichten Geringschätzung, Verachtung oder – bedauerlicherweise längst eine reflexartig wie absurde Unterstellung – Rassismus impliziert. Ferner müsste klargestellt werden, dass jene Ablehnung in keinster Weise „Abschottung“ (treffender wäre Abgrenzung), schon gar nicht in marktwirtschaftlicher Hinsicht bedeutet, sondern stattdessen ein Argument für die Rückkehr zum „Nationalstaat“ in der tatsächlichen (nicht utopischen) Bewahrung kultureller Identitäten besteht, sofern man derlei für wichtig oder schützenswert erachten sollte.

Doch im Grunde ist das alles unnötig. Warum? Da es neben der Theorie die (flächendeckend ignorierte) Praxis auf Basis historischer Objektivität gibt. Und was zeigt uns diese Praxis respektive Geschichte des Vielvölkerstaates?

Dass noch jeder blutig zerfallen ist!

Die Habsburgermonarchie (mit ihren ständigen Unruhen durch Ungarn und Serben u.a.), die aus ihr folgenden Vielvölkerstaaten Jugoslawien und Tschechoslowakei – immer gab es Terrorismus, blutige Fehden, Unruhen, Gewalt. War nicht der Erste Weltkrieg eine Folge instabiler, zerfallender Vielvölkerreiche?

Wie verhielt es sich mit dem Osmanischen Reich, dessen Verfall schließlich selbst durch die x-te „Reform“ nicht mehr aufzuhalten war?

Wie lange hat – trotz eiserner Knute durch Stalin und die Kommunisten – der Vielvölkerstaat „Sowjetunion“ gehalten? Wie lange die Nachfolgestaaten des Habsburgerreiches, welche ebenfalls „Vielvölkerstaaten“ waren? Tschechoslowakei, Jugoslawien?

Was ist mit Indien? Kracht es dort nicht ebenfalls am laufenden Band? Herrschen dort etwa nicht ethnische sowie religiöse Unruhen (Stichwort: Pakistan, Bangladesch)?

„Ja aber die Schweiz!“, kommt gerne als Einwand und Beispiel für einen rundum gelungenen Vielvölkerstaat.

Dazu eine Frage: Welche „Völker“ verstehen sich denn in der Schweiz angeblich so gut miteinander? Meinen Personen, die diesen Einwand bringen, etwa, dort existier(t)e je ein „Volk“ der Italiener, Franzosen und Deutschen oder derer noch mehr? Von wegen! Die Schweizer waren immer schon Schweizer, egal unter welcher Herrschaft. Und mögen Sie früher Helvetier geheißen haben, sie waren stets homogen. Der geneigte Geschichtsinteressierte kann dies schon bei Julius Cäsar nachlesen.

Ganz anders beispielsweise bei den Belgiern. Belgien würde als Beispiel wesentlich besser passen: Hier trennen sich voraussichtlich bald zwei „Völker“, die Wallonen und die Flamen. In Großbritannien ähnlich: Hier gehen in absehbarer Zeit vermutlich die Schotten. Die Nordiren wollen auch nicht bleiben.

Wie sieht es mit Spanien und Katalonien aus?

Was ist mit dem Kosovo?

Oder Norditalien?

Habe ich etwas vergessen? Ach ja, die Bayern und die Kärntner gibt es auch noch. „Drohungen“ bzgl. Abspaltung sind evident. Oder Südtirol: Dort gab es in den 60er Jahren Anschläge, weil das eben Tiroler sind und keine Italiener. Usw. usf.

Betrachtet man sich den Roten (Versagens-)Faden hinsichtlich all jener künstlich herbeigeklempnerter Zwangsmonsterstaatsgebilde, in denen stets gegen eine der natürlichsten Begebenheiten menschlicher Natur verstoßen wurde und wird – nämlich diese zu internieren bzw. in ein künstliches Kollektiv zu pressen – bleibt einem schier nichts anderes übrig als den wieder- und wieder- und wiederkehrenden, gleichsam krösusartigen wie anmaßenden „Vielvölkerstaaten“ Friede, Freude und Eierkuchen attestieren zu müssen. Nicht.

Tatsächlich handelt es sich um eine Chimäre. Eine Lüge. Ein Luftschloss. Eine Dummheit, die nicht gescheiter wird, wenn man sie ständig wiederholt. Was war einst mit Woodrow Wilsons 14 Punkten? Hatte man das „Selbstbestimmungsrecht“ der Völker beachtet? Nein. Die Folge: Ein gewaltiger Weltkrieg.

Der brillante (und deshalb weitestgehend ignorierte) Ludwig von Mises, der das systemimmanente Scheitern aller Formen des Sozialismus bereits in den 1920er Jahren stichhaltig und unwiderlegbar nachwies (u.a. zur selben Zeit das Ende der Sowjetunion aufgrund ökonomischer Sachkenntnisse auf exakt die Zeit datierte, in der sie letztlich zusammenbrach), schrieb diesbezüglich: „Kein Volk und kein Volksteil soll wider seinen Willen in einem Staatsverbande festgehalten werden, den es nicht will.“

Dass Sezession von Gesellschaft und Staat nicht nur wichtig, sondern unabdingbare Prämisse für ein friedfertiges Zusammenleben, kurzum Zivilisation bedeutet, war und ist in diesem Zusammenhang ein evidenter Fakt, der trotz weiterer Jahrhunderte flächendeckenden Ignorierens evident bleiben wird.

Aber hey, der achtunddrölfzigste Versuch eines kollektivistischen (und diesmal kunstbunten) Zwangsvielvölkerstaates in Form der EU(dSSR) – nebenbei der feuchte Traum der Nationalsozialisten (hier dargelegt) – wird mit Sicherheit nichts als Freiheit mit sich bringen.

Goethe, Schiller und Co. würden im Grabe rotieren.

Volksglaube BGE

Ein Volks- oder Aberglaube entspringt oft dem Wunsch, Unbekanntes, Unangenehmes und Bedrohliches zu Bannen oder Glück herbeizuführen – beides durch Beschwörungen und andere rituelle Handlungen. Typisch dafür ist, dass auf das korrekte In-Zusammenhang-Stellen von Ursache und Wirkung verzichtet wird. Auch deren falsche Verknüpfung tut dem Glauben an die Machbarkeit keinen Abbruch.

Zu diesem Vergleich gelangt unweigerlich, wer sich mit den Texten und Argumentarien für ein Bedingungsloses Grundeinkommen befasst: Es sind Herbeirufungen von Geist-Realitäten, die weder auf wirtschaftliche Fakten, noch auf historische Erfahrungswerte angewiesen sind. Es ist die ungeniessbare, aufgewärmte und tödliche Zaubermixtur, deren Rezept da lautet: Die einen durch Staates Gnaden auf Kosten der anderen zu füttern. In der Folge und ohne den Anspruch, der Komplexität des Themas gerecht zu werden, einige der gängigsten Glaubenssätze der Befürworter eines „besinnungslosen Grundeinkommens“.

Der Glaube an die Heilwirkung eines BGE ist zuallererst der Glaube, Arbeit sei Leid, der Arbeitgeber also stets potentieller Leid-Lieferant und daher Ausbeuter. Nur eine Arbeit, die auch Berufung sei und Spass mache, sei menschenwürdig. Falsch. Fragen Sie mal den grossen Berufenen der Literatur, Hemingway. Auf die Frage, warum er in Kriegen und anderswo stets das Leben riskiere antwortete er sinngemäss: Weil da jeden Tag und jede Nacht die Wahrscheinlichkeit bestünde, getötet zu werden – und nicht mehr schreiben zu müssen. Fakt ist: Arbeit kann Spass machen, muss aber nicht und tut es garantiert nicht immer. Es ist Überwindung, Disziplin, Wissen, Können, Meisterschaft und in besten Fall Erfolg, der sich buchstäblich auszahlt, oder solcher, der sich im „Hindurch“ dessen, der geschaffen und es geschafft hat, bemisst.

Der Glaube an ein BGE ist der Glaube, Leistung bedeute unweigerlich das Anrecht auf Lohn. Falsch. Nur wer eine Leistung erbringt, für die andere zu zahlen bereit sind, wird dafür auch einen Lohn erhalten. Egal, welche Motive man den Befürwortern eines BGE unterstellt: Die Antwort auf die Frage, was denn sei, wenn die Produkte der durch ein BGE befreiten Menschen im Rahmen des prognostizierten „kreativen Schubs“, ihre Innovationen, Erkenntnisse und Ideen auf keine Nachfrage treffen, also schlicht nicht verkauft werden, bleiben sie schuldig. Kaufzwang für Kunst? Sortiments-Befehl für unbrauchbare Erfindungen?

Es ist der Glaube, dass der Unternehmer die Lohnhöhe bestimme und daher Ausbeuter oder Menschenfreund sei. Falsch. Es ist sind der Staat und die Konsumenten, die die Löhne bestimmen. Die Löhne sind Teil des Preises der Produkte. Je höher die Nettolöhne und je höher die Abgaben für staatliche Zwangsversicherungen, umso höher der Preis der Produkte. Je teurer die Produkte, umso weniger werden sie gekauft. Und dann? Preis-Diktat? Verlustzwang? In dieser Logik muss der der BGE-Befürworter um glaubhaft zu sein, sein Brot, Fleisch und seinen Käse, ungeachtet ob frisch oder bereits schimmlig und um der sozialen Gerechtigkeit Willen schon heute bei jenen Händlern kaufen, die die höchsten Löhne zahlen und daher am teuersten sind.

Oder anders herum: Es ist der Glaube, dass via BGE sogenannt niedrigere Arbeit dann besser bezahlt würde. Das mag vorübergehend richtig sein und vor allem: Keiner hat grundsätzlich etwas dagegen, wenn die Putzfrau mehr verdient oder der Gabelstaplerfahrer. Wenn aber die Produkte  dann entsprechend teurer und weniger oder gar nicht mehr gekauft werden von den Kunden, dann wird die Putzfrau nicht nur weniger Lohn, sondern keinen Job mehr haben und durch einen Roboter ersetzt. Will sie ein über das BGE hinausgehendes Einkommen haben, wird sie sich zu einem Preis, den die Leute zu zahlen bereit sind, schwarz verdingen. Was dann? Roboter-Verbote oder -Strafen (wie es das heute in der Schweiz schon gibt im Fall der von den Kunden beim Grossverteiler selbst bedienten Scanner-Zahlstellen, CHF 10’000.- pro Monat und Zahlstelle). Mehr Kontrolleure gegen Schwarz-Arbeit?

Es ist der Glaube,  Unternehmer seien raffgierige, habsüchtige Streber nach maximalem Besitz, während der Angestellte eine Art Sklavenstatus frei von Erfolgsgedanken und materiellem Erfolg innehabe. Falsch. Unternehmer sind zuallererst Menschen, die hart arbeiten, die, was sie erarbeiten nicht verbrauchen, sondern sparen, und die mit dem Ersparten dann voll ins Risiko gehen, Werkzeuge und Maschinen kaufen und etwas herstellen, von dem sie zu Beginn nicht wissen können, ob und in welchen Mengen es von Kunden nachgefragt werden wird. Ohne sie gibt es keine Arbeitsplätze. Ohne sie könnten Menschen nicht bei minimalem Risiko ein Einkommen erzielen. Angestellte müssen nicht wie der Unternehmer zwingend sparen, sondern können das Einkommen sofort ver-konsumieren. Ebenso wenig müssen sie, um bezahlt zu werden, erst den Verkauf der hergestellten Produkte abwarten. Sie erhalten ihr Geld pünktlich zum Monatsende und ungeachtet des Geschäftsgangs. Dies als Gier und Ausbeutung zu bezeichnen ist entweder Dummheit oder niedrige, boshafte List zur Neidbewirtschaftung.

Es ist der die Freiheit, die menschliche Natur und jede ökonomische Gesetzmässigkeit ignorierende Glaube, Unternehmernaturen könnten zu reinen Menschenfreunden gemacht werden und würden auch dann Unternehmen gründen und betreiben, wenn die Abgabenlast immer höher, die Gewinne immer kleiner, die Regulierungen immer atemberaubender, die unternehmerische Freiheit immer beschränkter würden. Falsch. Es mag solche Idealisten geben. Die Mehrheit allerdings würde es sein lassen. Oder es anderswo versuchen. Was dann? Unternehmensgründer und -führer Staat, Abwanderungs-Strafen, Schliess-Verbote?

Es ist der Glaube, Unternehmen, beziehungsweise die von ihnen geschaffenen Arbeitsplätze hätten eine Art Selbstfindungs-Labore für die Menschen zu sein und würden mittels eines BGE auch dazu werden. Try and error – wenn der Job Spass macht, bleibe ich, wenn nicht, dann schmeiss ich ihn. Bin ja dank BGE nicht darauf angewiesen und die Unternehmen werden auf Knien um meine Arbeitskraft betteln. Falsch. Ein Unternehmer hätte durch hohe Personalfluktuation hohe Kosten und wird unter dem Regime eines BGE umso genauer prüfen, wem er die zu vergebende Arbeitsstelle anvertraut. Sicher nicht dem, der in den letzten 12 Monaten 5 Jobs ausprobiert hat. Was dann? Anstellungszwang? Ausländer-Arbeitsverbote?

Es ist der Glaube, technischer Fortschritt führe diesmal via Digitalisierung garantiert zu Arbeitslosigkeit. Falsch. In dieser Logik wären jene Gesellschaften die wohlhabendsten, die in der Vergangenheit und aktuell den geringsten technischen Fortschritt zugelassen hätten. Oder anders herum: Die industrielle Revolution, die Automatisierung hätten nicht zu mehr, sondern zu weniger Wohlstand und zu Völkerheeren von Arbeitslosen geführt. Fakt ist: Vieles ist heute noch nicht klar. Ebenso wenig das Tempo der Veränderungen, als auch die sich dadurch eröffnenden Alternativen, die sich verändernden Bedürfnisse der Menschen und die sich möglichen neuen Bereiche des Wirtschaftens, Wagens und Arbeitens. Fakt ist: Es gibt heute nicht weniger Arbeit aufgrund der Automatisierung. Es gibt aber immer weniger bezahlbare Arbeit – dies dank der staatlich sich stets erhöhenden Abgabenlast.

Es ist der Glaube, die Ungleichheit zwischen arm und reich, die zunehmende Hektik, der Stress und die daraus resultierenden Krankheiten seien dem Kapitalismus geschuldet und könnten mit dessen staatlicher Zähmung und via BGE aus der Welt geschafft werden. Falsch. Denn: Alle vorhandene Ungleichheit und das Schlechter-Gestellt-Sein trotz Produktivitätssteigerung verdankt der Mensch sich selber (Ausbildung, Bildung, Disziplin, Arbeit) und dem Staat. Wer entwertet das Geld der arbeitenden Menschen Jahr für Jahr, so dass sie sich immer weniger leisten können? Wer nimmt den arbeitenden Menschen rund 75 Prozent ihrer Einkommens via Steuern und Gebühren ab, so dass zum Teil nicht einmal zwei Jobs zum Leben reichen? Wer organisiert durch Gelddruckerei in Milliardenhöhe eine Vermögenspreisinflation, die an ihrem Ende auch zu erhöhten Mieten führt? Die Unternehmer? Die Immobilienbesitzer? Eben. Und vor allem: Was wir heute noch als Kapitalismus bezeichnen, hat mit freien Märkten weniger zu tun, als mit staatlich abgesegneter Kartellbildung. Dies in erster Linie zugunsten des Staats selber und dann der Grosskonzerne. Hat es etwas mit freien Märkten zu tun, wenn die Lobbyisten der Grosskonzerne beispielsweise in Brüssel in den sogenannten Expertenrunden vertreten sind, die die immer weiter um sich greifenden Reglementierungen nicht nur vorbereiten, sondern de facto auch verabschieden? Regulierungen, die kleinen und mittleren Unternehmen die Luft abdrücken und nur von den grossen ohne Not eingehalten und erfüllt werden können?

Es ist der Glaube, ein BGE hätte den massiven Abbau staatlicher Bürokratie durch den Wegfall anderer Sozialleistungen zur folge. Doppelt falsch, denn: Erstens wollen die Befürworter eines BGE Transferleistungen, die über das Grundeinkommen hinausgehen, selbstverständlich beibehalten. Und zweitens und wie oben nur in Stichworten angedeutet: Ein BGE wird nicht zu weniger, sondern zu mehr staatlicher Intervention und Kontrolle führen. Ausserdem: Bis der Umbau des Systems bewerkstelligt wäre, würden die Beamten noch ein paar Jahre in Lohn und Brot bleiben. Und wenn es dann soweit wäre, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass bisheriges unter neuem Namen und eventuell mit neuen Aufgaben, in denselben warmen Amtstuben ein Auskommen hätte. Hat sich ein Staat anderswo als auf dem Papier einmal selber und in echt reduziert? Seine Leute entlassen, Stellen gestrichen, Pfründe verwehrt?

Es ist der Glaube, Wohlstand sei eine sich nicht mehr verändernde Grösse, ein stets gleich grosser Kuchen, den man nur gerechter zu verteilen brauche. Falsch. Wohlstand entsteht dadurch, dass jemand etwas herstellt. Was er herstellt, gehört ihm. Um es zu verteilen, muss man es ihm wegnehmen. Das ist Enteignung – Raub. Die Tatsache, dass das ganze Dorf zu ihm hinmarschiert, um es ihm gemeinsam wegzunehmen, macht es nicht weniger zu Raub. Solches ist nur durch Zwang zu bewerkstelligen. Hier also überhaupt von irgendeiner Art „Bedingungslosigkeit“ zu sprechen, ist blanker Hohn. Ausserdem: Wie oben angerissen, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit im Zug eines BGE, sich erhöhender Steuern und mehr staatlicher Kontrollen weniger konsumiert, aber auch weniger produziert. Folge: Der Wohlstand wird abnehmen. Das „Leben über unsere Verhältnisse und unter unseren Möglichkeiten“, das BGE Befürworter in abgestandener Sattheit gerne beklagen, wird sich ganz von selbst erledigen und früher oder später würden die Menschen dann schlicht und einfach hungern. Das allerdings sehr gerecht.

Es ist der Glaube, Geld sei etwas, das einen übergeordneten und daher unveränderbaren universellen Wert habe, der wenn nötig vom Staat festgelegt werden könne. Falsch. Dies funktioniert nur, wenn man um einen Raum, in dem das dort gültige Geld zirkuliert, einen Stacheldraht spannt. Und auch dann nur kurzfristig und unter der Bedingung, dass keine Ware ausserhalb des Stacheldrahts gekauft werden muss und dass die Leute innerhalb des Stacheldrahts sich zwingen lassen, dieses Geld und kein anderes (z.B. Naturalien) für ihr Handeln zu verwenden. Denn: Geld repräsentiert – vereinfachend gesagt – eine Ware, verhält sich wie eine Ware und wie für jede Ware gilt auch hier: Was nichts kost‘, ist auch nichts wert. Wenn der Staat also dazu übergeht, die Ware Geld ohne Gegenleistung (Arbeit) zu verschenken (und dass er bei Bedarf gerne macht, beweisen die Zentralbanken ja seit Jahren), dann schwindet der Wert dieses Geldes. All jene, die von diesem Geld besitzen und sehen, dass es an Wert verliert, werden es so rasch wie möglich verkaufen und in etwas umtauschen wollen, das noch einen Wert hat. Und keiner wird mehr so blöd sein, dem Land Waren zu verkaufen, und dafür wertlose Scheine zu kassieren. Das Verschenken von Geld ohne Gegenleistung kann demnach zu einem Null-Wert des Geldes führen. Was dann? Erspartes futsch, Staatschulden futsch, neues Geld, Gerechtigkeit.

Und es ist zuletzt der unausrottbare Glaube, der Staat könne für Glück und Gerechtigkeit „der Menschen“, sprich: aller Menschen sorgen. Doppelt falsch. Erstens: Der Staat – sämtliche Experimente dieses und es letzten Jahrhunderts, sämtliche Markteingriffe (Arbeitnehmer“schutz“, Mindestlöhne, etc.) – beweisen es: Mehr Staat bedeutet nie mehr Gerechtigkeit; mehr Staat bedeutet immer nur „mehr für den Staat“. Ein staatlich organisiertes BGE ist der naive Glaube daran, dass es diesmal anders sei. Dass der Staat – Politiker und Verwaltungsratten – diesmal jeder Versuchung widerstünden. Jener des Selber-Besitzens dessen, was sie via Zwang enteignen ebenso, wie jener, den Druck auf den „Auszahlungsknopf“ des BGE bei Bedarf nicht an Bedingungen zu knüpfen. Auch dann nicht, wenn Pensionen, Posten und Pfründe der Staatsdiener in Gefahr sind, wenn ganze Strassenzüge vergammeln oder die Müllberge sich türmen. Und dass, wenn es hiesse „In die Gruben, Brigaden, ‚Moskau braucht Ziegel‘!“ (Solschenizyn) nicht wieder von „Plänen“ und „Normen“ die Rede wäre. Erst freiwillig, lockend mit dem „Zauberer Arbeit, der die Leute aus ihrer Nichtigkeit und Nichtexistenz erlöst“ (Andrei Januarjewitsch Wyschinski). Später dann mit Zwang.

Und zweitens: Glück im Sinn tiefer langfristiger Zufriedenheit gibt es nur individuell und nie kostenlos. Keiner kann für den anderen bestimmen, was ein Leben in Würde ist, was Glück ist, was Selbstverwirklichung. Das ist persönliche Verantwortung, persönliches Entscheiden, persönliches Wagen, persönliches Handeln und – ja! – auch persönliches Erleiden und Durchbrechen. Und auch dann, wenn man heute jedem alles nähme und jedem „gerecht“ dasselbe gäbe, es wäre nicht von Dauer. Solange der Mensch Mensch ist, wird er vergleichen. Und auch das am gerechtesten verteilte Nichts würde die einen emporheben, anspornen, sie zu Höchstleistungen treiben im Versuch, etwas zu erschaffen. Die anderen indes würde es herabziehen auf ein von Eifersucht getriebenes, träges, feiges, ehrloses Wächtersein. Neid wird durch solche Gerechtigkeit nicht abgeschafft, sondern bloss verwandelt – in Spitzeltum. Die Demokratie wäre gnadenlos und unerbittlich.

Ein BGE ist der Versuch risikoscheuer und opportunistischer Selbstbeweiner, das Leben berechenbar zu machen indem man das, was Leben überhaupt ausmacht – die Freiheit des Individuums – zu Hackfleisch verarbeitet. Alle Offenheit, Kraft, Möglichkeit wird in diesem Ansatz in Selbstmitleid umgesetzt. In das auf Knien-Darum-Flehen, an der Hand genommen, gelenkt, betreut, genährt und bei Bedarf ausgeschieden zu werden. Es ist Verrat am Menschsein schlechthin.

Aber der Lockruf anstrengungs- und angstfrei zu erlangenden Prêt-à-porter-Glücks ist auch heute stark, der „Potekimsche Putz“ vermag zu blenden und entfaltet seine Wirkung mehr und mehr. Diesmal wird alles anders. Diesmal wird es das gerechteste aller Systeme. Und der nächste, wird der gerechteste aller Kriege. Darunter tun wir’s nicht.

Am Ende einer jeden Diskussion um ein BGE bleibt dieselbe Frage stehen, die sich lautstark aber konsequent ignoriert, bebelfert und emotional zu Boden geprügelt auch an ihrem Anfang stellt: „Was ist ein gutes Leben, und wer ist verantwortlich dafür?“. Antworten gibt es nur zwei: „Ich“ oder „Die“. Es ist mithin der Unterschied zwischen Freiheit und Abhängigkeit. Wer zahlt befiehlt – daran werden auch die schönsten Utopien und lockendsten „Gutdenker“ nichts ändern. Nie. Es heisst Menschsein oder Viehsein. Individuum oder Masse. Und es bleibt: Wem ist was zum Vorteil?

 

 

 

 

 

Liebe Cousine

Ein Brief – von Franz Bettinger

Die AfD erscheint dir zu rechts? 

Weil sie CDU-Positionen von vor 10 Jahren hat?
Du hast vor, dein Kreuz wieder bei der Union zu machen? 

Und Merkel damit  weitere 4 Jahre Narrenfreiheit zu gewähren? 

Liebe Cousine, wusstest Du, 
dass Hitler tot ist, aber Merkel lebt?
dass wir  die niedrigsten Renten der EU haben? 
dass sich  58% der Frauen draußen nicht mehr sicher fühlen?
dass seit dem Atomausstieg die  Energie-Kosten um 56% anstiegen? 
dass sich die Zahl unserer  Leiharbeiter von 2005 bis 2015 verdoppelt hat? 
dass die BRD in der Rangliste sicherer Ländern  hinter Ruanda abgerutscht ist?
dass die BRD mehr Asylbetrüger aufnahm als alle anderen EU-Staaten zusammen? 
dass Migranten fast 300.000 aller aufgeklärten  Straftaten in Deutschland verübten, 9%? 
dass die  EU-Sanktionen gegen Putin unserer Industrie Verluste in Milliardenhöhe zufügen?
dass in der BRD das Durchschnitts-Vermögen geringer ist als in  jedem (!!) anderen Euro-Land? 
Selbst in Griechenland ist das Vermögen eines jeden Haushalts doppelt so hoch! Das heißt: Die BRD ist das ärmste Land in der EU !!! (Quelle: Spiegel 2016 Nr. 8,  ab Seite 15)
Dafür ist Merkelanien der größte Netto-Zahler im EU-Haushalt  
und Schauplatz einer gezielt herbeigeführten  Massen-Einwanderung  
verbunden mit einer nicht mehr beherrschbaren  Ausländer-Kriminalität.

Was, wenn der Schuss nach vorne losgeht? Lässt dich das kalt, liebe Cousine?

Dass dieses Land derart auf den Hund gekommene ist, ist die Schuld 
deiner CDU-Kanzlerin. Sie hat die widerlichste SPD-isierung einer 
CDU-Regierung aller Zeiten hingekriegt inklusive No-Borders, 

No-Scheissdeutsche und  Heirate-Doch-Deinen-Hund. 

Es geht hier nicht um eine BT-Wahl wie jede andere, 
um Autobahnmaut, eine Agenda 2010, einen NATO- 
Doppelbeschluss, die Ostpolitik oder höhere Renten. 
Es geht um unser nacktes physisches Überleben als 
Volk. Liebe Cousine, wenn du deine Augen nicht 
brauchst, um zu sehen, wirst du sie bald 

brauchen, um bitter zu weinen

Dein Cousin

Danke, Jungs!

Als direkte Folge der aktuellen und voraussichtlich künftigen Mehrheitsmeinung und politischen Marschrichtung haben die Worte Gefahr und Gefährdung ein neues erfahrbares Gewicht erhalten. Dies nicht nur in Bezug auf die Kollision nicht kompatibler Kulturen, sondern auch im Zusammenhang mit in Kauf genommener Einschränkung der grundlegenden Freiheitsrechte des einzelnen zu Gunsten eines sogenannt sozialen Ganzen, der Gesellschaft.  Als Konsequenz erhält das Thema Sicherheit ebenfalls ein neues Gewicht. Was die Politik zu bieten bereit und wozu sie in der Lage ist, ist bekannt: Worthülsen, Waffenverbote, Betonpoller, Überwachung. Sicherer wird dadurch nichts.

Der Begriff Sicherheit geht zurück auf das lateinische securus – sed „ohne“ und cura „Sorge“, „Fürsorge“. Stelle ich mir persönlich die Frage danach, wo, wann und wie ich mich in diesem Sinn sicher fühle, dann ist zweierlei rasch klar: Es ist erstens im Kreis meiner Familie und meiner Freunde. Und es ist zweitens nicht Gefühl, sondern eine Wirklichkeit, die mit den Männern steht und auch fallen würde.

Es sind Ingenieure, Elektriker, Unternehmer, Hoteliers und Lehrer. Familienväter, Ehemänner und Alleinstehende. Angestellte und Selbständige. Allen gemeinsam: Die Familie steht an erster Stelle. Ihre Frauen, ihre Kinder, Geschwister, ihre Eltern. Aber eben auch die Onkel, die Tanten, die Cousinen und Cousins, die Freunde. Eine Selbstverständlichkeit. Jeder von ihnen lehnt Gewalt ab, verabscheut sie und wünscht sich, sie von den Seinen fernzuhalten. Wenn nötig mit Gewalt. Jeder von ihnen hat Waffen zu Hause und weiss damit umzugehen. Sicherheit, Geborgenheit, Fürsorge, die keiner grossen Worte bedarf.

Den Blick über die eigenen Nächsten hinaus hebend stellt man fest: Es gibt sie zum Glück noch in grosser Zahl, diese Männer. Jene, die Wirken und Werk vielen Worten vorziehen. Was sie sagen und tun ist deckungsgleich: Ich bin da. Und sie sind von der Art, die dabei bleibt.

Der Bauleiter, der, seit die Frau ihn vor fünfzehn Jahren verlassen hat, jeden Morgen um fünf in der Küche steht, um für seine vier Töchter ein richtiges Mittagessen zu kochen. Der Ingenieur, der sich die Zeit nimmt, seinen bejahrten Nachbarn am Wochenende den Rasen zu mähen. Der Elektriker, der die 80jährige ehemalige Prostituierte aus der Wohnung nebenan nach der Arbeit ebenso zum Arzt wie zum Einkaufen fährt. Der Uhrmacher, der den Kumpel, der in Italien einen Sportunfall hatte, ohne Fragen abholt und nach Hause bringt. Der Chef eines Medienhauses, der seinen Kindern am Feierabend beibringt, wie man sich wehrt: Mit Wissen und Worten ebenso, wie mit den Fäusten. Der Kranführer, der der seine Eltern nicht nur versorgt, sondern täglich umsorgt – bei sich zuhause und wenn möglich bis zum Schluss.

Dies nur, um ein paar Beispiele zu nennen. Es gibt ihrer ungezählte mehr. Allen gemeinsam: Schlagzeilen machen sie nicht und ebenso wenig fragt einer nach der Grösse von „Hüten“ unter denen das alles unterzubringen ist. Sie tun es einfach. Und ebenso selbstverständlich unterstützen sie ihre Frauen im Beruf, im Haushalt und mit den Kindern, ohne dass über Emanzipation oder Gleichberechtigung lamentiert werden muss. Alles neben Karriere, Engagement in der Gemeinde und Weiterbildung.

Es sind nicht Frauenversteher, sondern mit jeder Faser Frauenverehrer. Kerle, die bei allem Wissen um die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, dem Nicht-Verstehen und dem Lachen darüber erkennen und akzeptieren, dass sie auch dank der Frauen sind und sein können, was sie sind: Männer. Solche, auf die man sich verlassen kann und die einen grossen Teil unserer Freiheit möglich machen.  Kein Kommentar nötig. Diskutieren schon gar nicht. Danke Jungs!

 

Bullshit

Geschwätz aus Asche bei Phoenix – von Josef Hueber

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt, jetzt emeritierter Philosoph an der Princeton University,  hat 2005 ein Buch geschrieben, das 2015 im Suhrkamp Verlag auf deutsch erschienen ist und dessen Titel eine umfassende und zusammenfassende Besprechung vieler Diskussionen zum Thema Zukunft und Bildung sein könnte. Der Titel schmeichelt nicht, würde vielleicht nicht ernst genommen, wenn der Essay nicht von einem renommierten Wissenschaftler gewählt wäre. Zudem ist er durchaus erfrischend unanständig,  und trägt wohl deswegen in der deutschen Übersetzung denselben unübersetzten Titel: Bullshit.

In einem Interview, das auf Youtube nachzusehen ist (Link), nennt Frankfurt seine Motivation, sich dieses Themas anzunehmen. Und hier wird der unanständige Titel plötzlich Zeichen eines tief um die Werte der westlichen Kultur und Zivilisation besorgten Denkers. 

Frankfurt spricht von seiner “Achtung vor und Sorge um die Wahrheit“, da Wahrheit der „Grundpfeiler unserer Zivilisation“ ist. Diese Einstellung vermisse er in der Gegenwart. Symptom dieses Mangels sei  bullshit, was „eine der Verzerrungen dieser Werte“ darstellt.  Der bullshitter,  so Frankfurt, zeige kein Interesse an der Klärung von Konzepten („clarification of concepts“), sein Anliegen  bestehe nicht in der Unterscheidung von Wahrheit und Unwahrheit. Deswegen, so Frankfurt, sei er gefährlicher als der Lügner, denn dieser wisse, was Wahrheit ist.

Der Hinweis auf  Frankfurts These springt ins Auge, wenn man die hundertfünfzigste Sendung zum Thema Bildung und Digitalisierung, diesmal auf dem sich als Qualitätssender gebenden Kanal Phoenix, ansieht. Müßig ist es, die Sendung „Bildung und Digitalisierung – Sind wir fit für die Zukunft?“ (5.9.2017) zu zerpflücken. Was dabei herauskommt, ist eine mit Hülsen gefüllte  Wörtertruhe, die man nicht mehr hören kann, ohne in einen Drehschwindel zu verfallen: Kompetenz(en) – reflektieren – softskills – teamfähig – kritisches Denken und und und.  Klar, das alles war vor der Digitalisierung und massenhaften Verbreitung von Tablets nicht gefragt. Deswegen garantieren diese Gadgets eine deutlich steigerbare Zahl an deutschen Ingenieuren, Physikern und  Nobelpreisträgern im 1a-Format! Die Phraseologie des Fortschritts, wie sie in diesen Mantras deutlich wird, machte die Phoenix-Runde besoffen. Wie Besoffene auf Nüchterne wirken, ist bekannt.

Den als kritisches Beiwerk gedachten Teilnehmer Martin Spiewak, Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT, hörte man, als die Überlegung , ob Googeln nicht die Stelle von traditionellem Lernen einnehmen könne,  den unglaublich radikal hinterfragenden Satz aussprechen: “Ein bisschen Wissen ist schon nicht schlecht.“

Der Beweis, wie der Vertreter der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, Wolkenpädagogik präsentierte, bildete einen Höhepunkt pädagogischer Ignoranz. Dräger führt eine pädagogische Bauchlandung vor, indem er ein Beispiel für den in seinen Augen  sinnvollen Einsatz eines Smartphones oder Tablets auftischte, ohne zu merken, dass er sich hier als Ignorant und Dilettant outete.

Hier ein paar Kostproben seines pädagogischen Gemüses.

„Es kommt darauf an, Bildung zu personalisieren, zuzuschneiden auf den Einzelnen. Damit nicht alle Kinder das gleiche lernen müssen, sondern jedes Kind, was es gerade kann, von dem es sich gefordert fühlt, an dem es Spaß hat.“

Ach ja, Herr Dräger, aber die Klassenprüfung zur Ermittlung der „Kompetenz“, falls dies in Ihrem Rezeptbuch zukünftiger Bildung auch zu finden ist, ist dann doch wieder einheitlich, also für alle gleich. Bei unterschiedlichen Lerninhalten?

„Den Satz des Pythagoras, den kann vielleicht ein Lehrvideo ganz gut erklären.  Für Probleme im Elternhaus braucht es den Menschen.  Wertvolle Zeit dem Kind zur Verfügung zu stellen und nicht zu verschwenden mit repetitiven Tätigkeiten.“

Toll! Der Lehrer, der den Pythagoras durchzunehmen hat, stellt ein Video zur Verfügung und hat dann folgende Möglichkeiten. Entweder er setzt sich auf den Stuhl und schaut gelangweilt auf seinem Tablet mit (bequeme Art, eine Stunde verstreichen zu lassen),  oder er streift durch den Raum und kontrolliert , ob seine Anvertrauten nicht unter der Bank etwas anderes fokussieren oder einfach mit dem Nachbarn reden. Oder er spricht, weil er ja nun wertvolle Zeit hat, während der Videoveranstaltung gleich mit einem Schüler, der heute traurig aussieht, weil dieser einen Menschen braucht. Der Pythagoras geht freilich dabei  flöten.

Praxisferner geht nimmer. Dass ein geübter Lehrer, anders als ein Video, die Schüler – auch individuell – im Blick hat, während er erklärt und seine Erklärung gegebenenfalls verändert wiederholt, Rückfragen stellt, die Erklärung wiederholen lässt und das visuelle oder auch verbale Feedback in den Erklärungsvorgang einbezieht – all das kann sich der Bildungsmann von Bertelsmann nicht vorstellen.

Aber das Fremdwort repetitiv kennt Dräger zumindest. Er verwendet es richtig. Die Bedeutung des Repetitiven für das Lernen ist ihm freilich so unvorstellbar wie die vierte Dimension.

Zu allem soll Harry G. Frankfurt das letzte Wort haben: Bullshit.

Dieser Text von Josef Hueber ist zuerst bei Vera Lengsfeld erschienen. 

Es wird haarig

Vorahnungen – von Roi Henry

„Eine Vorahnung ist manchmal keine Vorahnung, sondern eine Erinnerung.“ Das sagte eine gewisse Frau Susanne T. und ich vermute, dass sie aus der DDR kommt. Sie drückt aus, was ich als „alles schon einmal dagewesen“ beschreiben würde.

Muß man möglicherweise schon Diktaturerfahrung besitzen oder besondere Fähigkeiten, um zu sehen, dass diesmal tatsächlich versucht wird, den Sack zuzumachen. Der Widerstand ist im Osten der Bundesrepublik heftiger als im Westen. Wen wundert’s. Im Westen haben die Versuche der „Welt“, Alice Weidel nach Stasimanier zu zersetzen, sogar Unterhaltungswert. Man weiss nichts über das Leben in einem Staat mit unbeschränkter Gewalt, will nichts wissen – man spricht von „Mutti“. Immerhin fliegen mancherorts Tomaten, ertönen Pfiffe und Hau-ab-Rufe.

Es gärt, aber die Mischung stimmt noch nicht. Die Zeit vergeht über Diskussionen darüber, was die Systempropaganda der AfD andichtet. Und die Zeit rennt. Guido Knopp mit seinen Wischi-Waschi-Dokumentationen über das, was hierzulande gefiltert als Zeitgeschichte verstanden wird, hat ganze Arbeit geleistet. Wer noch glaubt, dass Arte ein Kulturkanal sei, hat keine Ahnung, so brüskierend es auch klingen mag. Warum sehe ich denn ausser Vera Lengsfeld keinen mehr aus der ehemaligen Bürgerrechtsbewegung der DDR? Freya Klier unterstützt die I-like-Rauten-Kampagne und Stefan Krawczyk singt auf Kirchentagen „gegen Rechts“. Jana Hensel als junge Frau zeigt offenherzig die Verkommenheit von Anstand und Stil. Das nennt man eingerichtet und angepasst.

Nach der Wahl? Zensur, Überwachung und Entrechtung gehen in die nächste Runde. As simple as that. Es wird haarig. Der Familiennachzug kommt, ob mit großer Koalition oder bunter und noch schamloserer Paktiererei.  Die Propagandamaschine läuft. Wiederholungen, Lügen, Weglassungen. Vierundzwanzig Stunden am Tag, dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr.

Mir ist völlig unklar, wieso die Repräsentanten des Staates und der Parteien, der Kirchen und der Verbände noch immer nicht durchschaut werden, obwohl sich ihr schäbiges Tun und Lassen bereits deutlich in ihre Physiognomie eingebrannt haben. Da muss doch einer kein Fachmann für Blickdiagnosen sein.

Der grosse Transfer

Jedes Mal, wenn FED oder EZB tagen, wenn die Presse geladen wird, fragen und berichten darf und es auch tut, wenn via Life-Ticker oder Protokolle die Statements der Geld-Weisen im O-Ton in die Welt gelangen, dann fragt man sich: Warum bloss tun sie sich das an? Jene, die gottgleich geldpolitische Wahrheit verkünden, jene die sie kolportieren und alle jene, die vorher, zeitgleich oder im Nachgang als wär’s Pflicht und höchstes Vergnügen, interpretieren, deuten und regelmässig durchdrehen? Wozu der ganze Aufwand für etwas, das nur Show ist?

Am vergangenen Donnerstag war’s wieder soweit. Der EZB-Rat tagte. Und einmal mehr: Anstatt einen Live-Event abzurollen, hätte man ebenso gut die Aufnahme einer der letzten 50 Pressekonferenzen abspielen können. Wem, ausser sich selber, reden Draghi und Konsorten noch ein, ihr „Wir-wissen-was-wir-tun“ sei mehr, als der Versuch der Selbst- und Massenhypnose?

Nun – offenbar vielen. Wort für Wort, als wär’s die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, wird die immer gleiche Leier nachgedruckt. In Kurzform: Wir wissen nicht, was ist. Wir wissen nicht, wie das, was ist, zu interpretieren ist. Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir wissen, was wir tun. Und das ist: Vorläufig weiter wie bisher. Weiter retten. Wer dagegen ist, hat nicht nur keine Ahnung, sondern ist gegen Rettung. So. Und quasi in einen Nebensatz und weil man ja gerade live ist, kann auch noch ein Euro-Land (Estland) abgewatscht werden, das sich erdreistet, jenseits der alternativlosen Geld-Politik der EZB für sich selbst Alternativen wie jene, eine eigene Kryptowährung in Umlauf zu bringen, anzudenken. „Kein Euro-Mitglied kann eine eigene Parallelwährung zum Euro einführen.“

Ward McCarthy, Ökonom der amerikanischen Investmentbank Jefferies bezeichnete das Mitte August veröffentlichte Protokoll des Juli-Meetings des FED-Offenmarktausschusses als „verstörend“. Das und nichts anderes, sollte auch im Fall der EZB als Titel für jeden zum Thema veröffentlichten Artikel dienen. Oder finden Sie es nicht verstörend, wenn Herr Draghi jedes Mal verkündet, zu unserem Besten müsse (noch) ein Transfer von uns zum Staat stattfinden? Steuern und Abgaben von mehr als der Hälfte unserer Einkommen seien nicht genug? Zu unserem Besten müsse unbedingt gewährleistet werden, dass unser Geld am Ende des Jahres weniger wert sei, als zu dessen Beginn? Dass dieses „Weniger“ in Wahrheit Stabilität sei?  Dass im Erreichen dieser Enteignung von Geld, Arbeits- und Lebenszeit heute die Hauptaufgabe der EZB begründet liege? Und dass man bereit sei, zur Verstärkung dieser „Dynamik“ auch weiter in beträchtlichem Mass die Ungleichgewichte, die man zu bekämpfen vorgibt, zu befeuern.

Oder finden Sie es nicht verstörend, wenn die Zentralbänker mitteilen, es sei zu meinem Besten, zu arbeiten, zu verzichten, das so erwirtschaftete Geld einer Bank zur Verfügung zu stellen und dafür betraft zu werden? Und dass diese Bestrafung zum Segen des „Grossen Ganzen“ mit Namen EU, Konjunktur, Euro-Wechselkurs oder was sich sonst gerade anbietet (jede Ausrede, wie der derzeit zulegende Euro-Kurs zeigt, ist mittlerweile willkommen) voraussichtlich und ganz im Sinn der vorgängig erwähnten Enteignung via Inflation noch für eine lange Zeit fortgeführt würde?

Oder finden Sie es nicht verstörend, wenn zur angeblichen Ankurbelung der Konjunktur via Kreditvergabe, ein gigantischer Transfer von Vermögenswerten zum Staat notwendig ist? Wenn zum angeblichen Erhalt der sogenannt freien Wirtschaft Planwirtschaft das Gebot des Jahrhunderts ist? Denn genau und nichts anderes ist es, was im Rahmen der Anleihekäufe durch die EZB passiert. Daniel Lacalle, CIO von Tressis Gestión, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, heutige Notenbankpolitik schaffe nicht nur wachsende Ungleichgewichte und eine Zombie-Wirtschaft, sondern monetisiere Staatsschulden, die von kommenden Generationen einzulösende Schuldscheine – und keine Vermögenswerte – seien. Er geht soweit, von einer De-facto-Verstaatlichung der Wirtschaft zu sprechen, da die Risiken der Notenbankpolitik auf den Steuerzahler übertragen werden (Quelle: NZZ).

Hier wird eine Riesen-Show abgezogen, eine gigantische Illusion geschaffen. Es ist die Illusion von Wohlstand wo in Wahrheit bloss Versprechen und Verbindlichkeiten vorhanden sind. Wahrer Wohlstand ist was bleibt, wenn man all diese Versprechen und  Verbindlichkeiten aus einer Volkswirtschaft „herausstreicht“ – es ist das Nettovermögen. Der Bestand an echten Investitionen, die via vorgängigen Konsumverzicht geschaffen worden sind. Dazu zählen Häuser, Firmen, Infrastruktur, Bildung und Fachwissen ebenso, wie Land, Energie und Wasser. Was nun der selbsterklärte Wohlstands-Förderer Staat mit jenem Nettovermögen anstellt, das seiner Verantwortung übertragen worden ist, das wissen wir. Vielerorts verlottert die Infrastruktur, natürliche Ressourcen werden bis zur Unerschwinglichkeit besteuert, Bildung ist die Vermittlung von Scheinkompetenzen und ansonsten Indoktrination.

Denn Fakt ist und bleibt: Wohlstand entsteht nur auf eine einzige Weise. Durch Arbeit, Verzicht und Kapitalbildung. Abkürzungen gibt es keine. Was der Staat via Notenbanken heute erzeugt ist demnach nicht Wohlstand im Sinn echten Vermögens. Was sie hingegen en masse erzeugen, sind Ansprüche auf die Arbeit, den Verzicht und das Kapital der Zukunft. Sie verkonsumieren mit ihrem Verhalten unsere Lebenszeit und jene kommender Generationen. Garantiert ist dabei nur eines: Reich wird ausser jenen, die bei den grotesken Bewertungen an den Börsen auf der Verkäuferseite und bei der grossen Patience mit Namen Politik auf der nahrhaften Seite stehen, auf lange Sicht keiner. Im Gegenteil.

Genauso, wie es Jahrzehnte dauert, bis ein durch Planwirtschaft ausgeblutetes Land im Rahmen freier Märkte zu einem mit unserem vergleichbaren Wohlstand gelangt, kann das Sterben des Wohlstands sich in die Länge ziehen. Und genau das passiert. Demokratisch gewollt. Weil eine grosse Mehrheit der Menschen schon ab Kindesbeinen und via Zwangs-Bildung der staatlichen Ideologie auf den Leim gegangen ist, die da sagt, Wohlstand würde durch Konsum erschaffen. Keiner ist zwar in der Lage, es zu erklären, aber jeder weiss, dass es sich ohne Verantwortung und Anstrengung bequemer leben lässt. Und der Staat tut wohlweislich nichts dagegen – nährt vielmehr die Mär von der durch den Staat und via Umverteilung geschaffenen Nachfrage und nennt es „erfolgreiches Wirtschaften“. Und auch hier: Es funktioniert. Konsum ist längst ein isolierter Selbstzweck geworden. Arbeit ist Menschenrecht – dass dies vor allem in punkto Teilhabe und nicht in Bezug auf die Leistung gilt, spielt keine Rolle. Und Vermögen – Vermögen besitzen nur die Gauner, die Ausbeuter, die Kapitalisten-Schweine. Höchste Zeit, dass der Staat hier via Reichensteuer und Erbschafts-Steuer endlich für mehr Gerechtigkeit sorgt. Und wer Verzicht fordert, der hat irgendwas an der Bedeutung des Worts „Fortschritt“ nicht kapiert – ist zurückgeblieben, wahrscheinlich Rassist oder grundsätzlich meschenverachtend.

Was tun gegen die Freibier-für-alle-Forderer? Gegen die wahren Menschenverachter, die gefeiert werden für ihre Politik versteckter Leibeigenschaft (denn was anderes ist es, wenn man Leute ihrer Lebenszeit unter Androhung von Gewalt beraubt)? Es gibt nur eines: sich und seine Kinder schützen. Im Klartext: Arbeiten, Verzichten, Vermögen bilden – und es verstecken. Den Kindern beibringen, wie es geschaffen wurde und wird und wo es zu finden ist. Das mag illegal sein. Legitim ist es längst.

 

 

Wer ist „wir“?

Replik auf einen Leserkommentar

Leser** fragt im Kommentar zum Text über die Platzierung eines christlichen Kindes bei zwei muslimischen Familien: „Ich habe versagt, weil ‚die Beamten‘ den Eltern das Kind wegnehmen mussten? (…)  Wenn Sie mich persönlich mit diesem Wort einschließen, werden Sie mir auch zugestehen, dass ich mich angesprochen fühle. Und zwar ganz persönlich und auf höchst unfaire Weise. (…) Der genannte Fall fand in England statt. Soweit reicht Ihr ‚wir‘ also ganz offensichtlich, dass Sie mich mit der englischen Gesellschaft in einen Topf werfen. Wie ist es mit dem Kongo oder den Handlungen des IS? Gilt da Ihr ‚wir‘ auch noch, bloß weil die meisten Menschen, die da leben, auch zwei Beine und zwei Ohren haben wie ich und mir daher ähnlich sehen? Oder wie ist das zu verstehen? Ich frage ja nur.“

Danke an Leser** für den berechtigten Einspruch. Genauso, wie besagtes „wir“ ein Ort des Unterschlupfs für persönliches Nicht-Entscheiden (aus welchen Gründen auch immer) sein kann, muss es in besagtem Text als eine Zuweisung von Mitschuld in einem konkreten Fall – die Misere eines Kindes – verstanden werden, zu der keiner berechtigt ist. Schuld ist eine persönliche Entscheidung. Sie kann nicht kollektiviert werden.

Ob einer sich also zum „wir“ im Text zählt, kann er nur selber entscheiden. Gemeint ist das „wir“ der Wohlstands-Gesellschaft. Besser: der Noch-Wohlstandsgesellschaft. Wie Leser** indes ebenfalls richtig feststellt, ist diese Gesellschaft nicht „ein gleichgeschalteten Volkskörper, dessen ameisenhafter Teil ich bin“ sondern besteht aus Individuen, die individuell entscheiden und handeln. Dieses Entscheiden und Handeln (egal, wie es zustande kommt) findet stets vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Trends im Sinn einer Entwicklung statt.  Entwicklungen, die bestimmt, mitgetragen, akzeptiert oder bloss ertragen werden.

Das ist es, worauf ich im Text über das englische Mädchen hinauswollte, und woran ich mich „überlupft“ habe, wie man in der Schweiz sagt. Ich sagte „wir“, wo ich nur „ich“ sagen kann. Ich sagte „wir“, weil ich mir nicht anmassen kann „die“ zu sagen. Das ist es auch, was die Frage beantwortet, was ich als kinderloser Single mit einer Zunahme der Fremdplatzierungen von Kindern von über 20 Prozent zwischen 2010 und 2015 (Deutschland) zu tun habe. Es ist die Marschrichtung der Mehrheit und das abschnittsweise eigene Mitmarschieren.

Als ich zur Welt kam, kannte ich kein „wir“. Irgendwann gab es dann ein „Ich“, dem ein „Du“, ein „Er“, ein „Sie“ folgte. In das „Wir“ wuchs ich hinein. Es war die Familie, in die ich eingebettet war im besten Sinn des Wortes. Nach und nach und unter Anleitung der Eltern lernt man das Regelwerk kennen, das den Bestand dieses „Wir“ sichert und aus dem man bei Zuwiderhandlung temporär ausgeschlossen zu werden riskiert. Als Kind und Jugendliche empfand ich dabei zweierlei: Sicherheit und Begrenzung. Ersteres vereinfachte mir das Leben dadurch, dass ich mich selber, den Alltag und seine Bewältigung nicht täglich neu erfinden, definieren und in Frage stellen musste, sondern im Rahmen der geltenden Regeln frei war. Die Grenzen, die oft mit den Regeln identisch waren, empfand ich dagegen als einengend und verstand nicht, dass meine Eltern damit und mit dem Besten, das sie zu bieten hatten, die Bedingungen für meine spätere Freiheit schafften. Kann man also sagen, dass man nebst Individuum auch das Produkt dieses ersten „Wir“, der Familie ist? In meinem Fall ein klares Ja.

Mit dem Heranwachsen und Heraustreten aus der Familie wurde auch mein „Wir“ weiter gefasst. Auf die bisherige Entwicklung dessen, was ich bei diesem Heraustreten vorfand, und auf die bis dahin geschaffenen Bedingungen hatte ich keinen Einfluss. Die Gesellschaft. Ich hatte aber die Wahl, einzutreten und das Regelwerk als Ganzes zu befolgen, es punktuell zu befolgen, mich dagegen zu stemmen, nur beschränkt einzutreten oder gar nicht. Ich tat ersteres. Ich war ein Konsensmensch. Das wirtschaftliche Umfeld, das bis dahin geschaffen worden war, erlaubte es mir ausserdem, bis zum 30. Lebensjahr in einem adoleszenten Denken und Handeln zu verharren. Oder anders gesagt: Es gab nur mich. Mich und meine Karriere, meine Weiterbildungen, mein Umfeld, mein Radius, meine Reichweite. Ich konnte es mir stets leisten, dem alles andere unterzuordnen und war mir nicht bewusst, dass ich mit diesem Verhalten perfekt im Trend lag. Auch darin, dass ich wohl meine eigene Firma hatte, aber nie Angestellte. Beziehungen, aber nie den Willen zu heiraten oder eine Familie zu gründen. Wenn Zweifel aufkamen, Diskrepanzen zu den einst vermittelten Werten, dann gab es tausend Gründe dafür, warum diese nicht zählten. Und sei er nur ein windelweiches Hinweisen auf „Zeiten, die sich ändern“.

Warum? Weil es bequem ist, nicht anzuecken. Weil es schmerzt, Freunde zu verlieren. Weil es Angst macht, isoliert zu sein. Weil finanzielle Unsicherheit Panik auslöst. Das Resultat: Man lehnt sich an an eine adoptierte wertemässige Durchschnittlichkeit und sucht Ehrenrettung in lächerlicher Hyperindividualität, die sich in der Preisklasse des Hotels, in dem man seine Ferien verbringt, oder des Autos erschöpft. Sogar dann, wenn Freunde einen in der selbstverschuldeten Misere um Hilfe bitten, wenn man also durch das eigene Involviertsein sehr wohl auch das Recht auf Meinungsäusserung hätte, habe ich geschwiegen. „Geht mich nichts an“ als stets gleiche Formel von bequemer Ignoranz und Feigheit. Und was das Geschäftliche anbelangt: Ich habe alles organisiert, was sich „Veranstaltung“ nennen kann. Was soll’s – man muss schliesslich leben.

Ich wurde erst erwachsen und mir meiner Verantwortung bewusst, als die Einebnungs-Rhetorik lauter, das neidische Wachen darüber, dass alle gleich sind – und sei es nur gleich arm – und das entsprechende Fordern nicht nur näher rückte, sondern mich persönlich berührte. Als ich mich gegenüber von Mitarbeitern eines Kunden wiederfand, die die Zusammenarbeit verweigerten, weil sie der Meinung waren, mein Honorar,  das mir ihre Chefs für die Präsentation der Firma in der Öffentlichkeit freiwillig bezahlten, sei zu hoch. Da erst merkte ich, wie geduckt mein Gang war. Da erst trat ich heraus aus dem „wir“, forderte stolz sein zu dürfen, aufrecht zu gehen, besser sein zu dürfen und Erfolg zu haben. Eine Art zweite Geburt – nicht im Sinn einer Rückentwicklung auf ein Nur-Ich, sondern der Schritt ins Menschsein. Nicht nur dem Namen nach. Damit aber ging und geht auch das Eingeständnis einher, dass ich über Jahre hinweg von der Richtung, in der die Gesellschaft sich entwickelt hat, profitiert, die Entwicklung und die damit einhergehenden Missstände mitgetragen und gefördert und mich nie dagegen gestemmt habe. Die Entscheidung zu Schuld. Aber auch das Wissen um die Kraft, sie zu tragen und um den Willen, den Versuch des Abzahlens mit nicht inflationierbaren Werten zu wagen.